leihen,
verb. mutuo dare, mutuo sumere. goth. leihvan;
alts. ags. lîhan;
fries. lîa;
ahd. lîhan,
mhd. lîhen,
prät. lêh, lêch,
plur. lihen,
part. ge-lihen,
in den letzteren beiden formen aber mit consonantenwechsel auch liwen, geliwen,
welcher wechsel schon ahd. auftritt: farliuuanêr
accomodatus Graff 2, 123,
eben so wie alts.: part. farliwan
Heliand 54. 573; that he im irô hêlî farliwi 3657
Cott.; damit in verbindung steht eine trübung des stammvocals, schon ahd. zu iu: der imo ieht ferliuuuen habe. Notker
ps. 108,
bei Hattemer 2, 396
b;
später zu ü, u
neben iu (ferliuwen
in Zweibrücker urkunden Schm. 1, 1464
Fromm.).
nachweise über formen wie verlüwen, verluwen
bei Schm.
a. a. o. Weinhold
alem. gr. s. 326;
niederrheinisch: unde ir geluwen hait dat rîche.
d. städtechron. 12, 108, 2993;
davon ausgehend noch im 16. 17.
jahrh. gelawen, gelauwen:
mutuum das gelauwen guot,
mutuus gelawen Alberus L 4
a; ich ... bekenne, dasz ich verlauen habe ... nach leyrechts brauch und gewohnheit den hof und guth zu Breidenbach gelegen. Lennep
landsidelr. 2, 61 (
von 1655);
und diese trübung tritt auch, zum theil noch spät in alemannischen quellen auf, wenn der schlieszende stammconsonant h
geblieben ist: luhent die pfruonden iren fründen.
d. städtechr. 9, 912, 5; bi dis küniges ziten wart das künigrich von Ungern lidig. do schuof künig Obreht, das es Karlen sinre swester sun geluhen wart von dem bobeste. 8, 459, 30; darumb das er hette Lamparten enweg gelühen. 468, 29; umbe so vil houptguotes alse sie daruf geluhen hant. 9, 982, 16; all unsre kind uns nuor von gott geluhen sind. Wickram
bilg. xliiij.
im bair.-östr. und im mitteldeutschen sprachgebiete nimmt das particip an dem sog. grammatischen wechsel (
von h
in g,
vergl. z. b. gediegen
aus gediehen,
th. 4
1, 1985. 2020),
in der älteren sprache hin und wider theil, woraus sich in dem heutigen bair. dialekt sogar g
in den präsensformen entwickelte (leign leigt
leihen leiht Weinhold
bair. gramm. s. 184): geligeniu zuht und schame vor gesten mugen wol eine wîle erglesten. Walther 81, 12; swer allerbest dir dienet, dêm hâstu verligen ein lînîn tuoch (: geswigen). Frauenlop
spr. 442, 5.
das ahd. mhd. prät. lêh, lêch
erscheint auch später noch: also leh ein erber rat des selben tags die selben pröpstei und pfarr zu sant Lorenzen doctor Jorgen Pfinzing.
d. städtechr. 11, 472, 4 (
ende des 15.
jahrh.);
als lehe 2, 115, 12. 122, 21 (
die stellen unten 3);
neben einer nürnbergischen form laih
derselben zeit: da laih in der kaiser. 10, 381, 17; laih er dem herzogen von Mekelpurk. 382, 3;
formen die bald untergehen. ebenso wenig hält sich eine schwache präteritalform leihete,
die schon an einem fries. prät. lŷde
lieh (Richthofen 897
b),
wie an einem mitteldeutschen particip gelîet (Lexer
handwb. 1, 1917)
ihre vorbilder hat: dazu hatte der herr dem volk gnad gegeben fur den Egyptern, das sie jnen leiheten, und entwandtens den Egyptern.
2 Mos. 12, 36; Luther
selbst braucht hierneben das starke particip geliehen: hab ich doch weder auf wucher gelihen noch genomen.
Jer. 15, 10. leihen,
goth. leihvan
ist griech. λείπειν,
ἔλιπον lassen, lat. linquo, lictum,
litt. lekù, likti
lassen (
mit laikas
zeit, frist),
preusz. po-linka
er bleibt Fick
2 393.
es wird gebraucht als der allgemeinste ausdruck für die zeitweise überlassung einer sache an einen andern unter wahrung des eigenthumsrechtes, in den meisten fällen gleich mit borgen (
theil 2, 241)
und lehnen (
oben sp. 550),
nur dasz leihen
neben seiner allgemeinsten anwendung doch gegen borgen
das edlere, gegen lehnen
das jetzt einzig der schriftsprache angemessene wort ist. auch die entnahme einer sache auf die erwähnte weise wird durch leihen,
wie durch borgen
und lehnen,
ausgedrückt. 11) leihen,
mutuo dare, 1@aa)
ohne object: goth. þiuþ taujaid jah leihvaid ni vaihtais usvênans.
Luc. 6, 35;
mhd. swer niemen getar verzîhen (
etwas versagen), der muoʒ geben unde lîhen. Freidank 77, 25;
nhd. dieweil leihen von art und natur nicht anders ist, denn etwas für einen andern darstrecken umb sonst, mit bedingen, dasselb oder des gleichmessigen und nicht mehr, uber weil wider zu nemen. Luther 1, 192
b; er ist allezeit barmherzig und leihet gerne.
ps. 37, 26; wol dem der barmherzig ist, und gerne leihet. 112, 5; heute leihet er, morgen wil ers wider haben.
Sir. 20, 16; mancher leihet ungerne, aus keiner bösen meinung, sondern er mus fürchten, er kome umb das seine. 29, 10; thut wol, und leihet, das jr nichts dafur hoffet.
Luc. 6, 35; leihen macht freunde. Simrock
sprichw. 336; leihen macht freundschaft, wiedergeben feindschaft.
ebenda; vielleicht brachts (
das kästchen) jemand als ein pfand, und meine mutter lieh darauf. Göthe 12, 143;
gegenüber dem borgen
im sinne von leihweise entnehmen: borgen ist viel besser nicht als betteln: so wie leihen, auf wucher leihen, nicht viel besser ist, als stehlen. Lessing 2, 258.
mit dem dativ einer person: wenn jr leihet von denen jr hoffet zu nemen, was danks habt jr davon? denn die sünder leihen den sündern auch.
Luc. 6, 34,
wie schon goth.: jah jabai leihvid fram þaimei vêneid andniman, hva izvis launê ist? jah auk fravaúrhtai fravaúrhtaim leihvand; so soltu .. jm leihen nach dem er mangelt.
5 Mos. 15, 8; der frembdling der bei dir ist .. wird dir leihen, du aber wirst jm nicht leihen. 28, 44; wer sich des armen erbarmet, der leihet dem herrn.
sprichw. Sal. 19, 17; leihe nicht einem gewaltigern denn du bist, leihestu aber, so achts als verlorn.
Sir. 8, 15; leihe deinem freund, und mane deinen feind. Pistorius
thes. par. 6, 93; es sind ettlich denen bösz ze leihen ist,
sunt quibus credas male. Maaler 270
d; geh zu den geizigsten; die werden mir am liebsten leihen. Lessing 2, 236;
auch hier gegensätzlich zu borgen
im eben erwähnten sinne: so wirstu vielen völkern leihen, und du wirst von niemand borgen.
5 Mos. 15, 6,
ähnlich 28, 12;
wogegen andere male wieder von Luther leihen
und borgen
als gleicher bedeutung gebraucht sind: das leihen oder borgen, sol geschehen frei, on allen aufsatz und beschwerung, wiewol vielleicht nicht alle eins sind, welchen wir leihen sollen.
werke 1, 192
b. 1@bb)
mit dem acc. des objects: geld, waaren, sachen, geräthe leihen;
mutuo ich leih gelt Alberus L 4
a; gält leihen,
mutuum argentum dare Maaler 267
d; was man nicht haben will, das leihe man weg. Schweinichen 3, 266,
vergl. auch hinleihen,
theil 4
2, 1454; ich habe mich auch nicht einen augenblick bedacht, achtzig pistolen darauf (
auf den ring) zu leihen. Lessing 1, 533; geliehen gold wird blei, wenn mans wiederfordert. Simrock
sprichw. 336; ther man besuorgêta thaʒioh lêh thaʒ gadum garauuaʒ. Otfrid 4, 9, 12;
auch hier gewöhnlich mit dativ der person: (
die stadt Augsburg) lêch im (
dem kaiser Siegismund) darzuo druitausent guldin.
d. städtechron. 4, 322, 4; wenn du geld leihest meinem volk. 2
Mos. 22, 25; du solt auch wissen mein son, das ich zehen pfund silbers ... gelihen habe dem Gabel.
Tob. 4, 21; lieber freund, leihe mir drei brot.
Luc. 11, 5; einem sein hausz leihen hochzeit darinn ze haben,
accomodare alicui aedes ad nuptias Maaler 270
c; einem getreide leihen,
frumentum mutuum alicui dare Steinbach 1, 1056; ich habe ihm ein buch geliehen; er lieh ihm einen überrock; ich wil iu lîhen einen schilt: nu wâpent iuch ûf einen strît.
Parz. 557, 4; ich bitt eüch jüd leicht mir zuo hand bargelt auf bürgen oder pfand. Schwarzenberg 122
b; da sprach der geist mit wilder gier: und läszt du sie (
die handschuh) nicht zu eigen mir, so leihe mir auf ein jährlein das schmucke schmeidige pärlein! Uhland
ged. 322;
eine verhüllende redensart: es begab sich dasz ein alter mann, der ganz grau im kopf was, für zwei mägdlein fürzohe und fraget ob er ihnen solt das brodt leihen (denn also ist es gewohnheit zu umreden den schimpf des beischlafens).
Bebels facet. 1589 185
a (
im lat. originale: quidem abbas canus, cum duas puellulas praeteriisset atque an eis panem mutuare deberet —
sic enim coitum circumloqui solent nostri —
interrogaret). 1@cc)
auch menschen werden zu diensten geliehen,
gewissermaszen dann als sachen betrachtet: ausz iglichem haws hie ein mentsch darzu leihen (
zur befestigung eines platzes).
d. städtechr. 2, 274,
anm. 3; daʒ im zu hilf folk lech herczog Rupprecht. 1, 35, 12; joh thie êuuarton rehtoliuuun filu knehto, thie fârira ouh ginuageze themo selbon uuîge. Otfrid 4, 16, 11; du weist das ich dir gholfen han, dir leich (
lieh) mein gschütz und lüte. P. Gengenbach
d. alt eidgnosz 292; sie wollen uns in die Niederland leihen; cürassiere, jäger, reitende schützen, sollen achttausend mann aufsitzen. Schiller
Wallenst. lager, 11.
auftr. 22)
in weniger scharfem sinne, zu einem zwecke geben, hergeben: zuo mumerei und schlitenfart, auch wü man sünst guot sitten spart, rath ich gesell dein weib nit leih. Schwarzenberg 123
b; wan uns die vögel, thier und fisch nicht allzeit leihen flaisch, federn, wollen, haut. Weckherlin 323;
wobei anklänge an die vorige bedeutung: und bringet jhm (
gott), was immer er durch seine sterk gelihen, wider. 126 (
nach ps. 29, 2), der schönen nach der welt, die unser lob erhält, und, voller dankbarkeit, uns holde mäulchen leiht, die jeder, der recht liebt, ihr zehnfach wiedergiebt. Hagedorn 2, 83. 33) leihen,
in der älteren sprache zu lehen geben; mit dem acc. des objects: und gab der bapst Adriano dem kaiser die freihait, das er alle bistumb und pfriend ze leichen hett.
d. städtechr. 4, 294, 9; nach der richtigung, als er (
der bischof von Bamberg) nun die lehen solt leihen, wolt er sie lang nit leihen, und thet gar vil eintreg pisz so lang, daʒ im ein römischer künig gepot: do lehe er doch die. 2, 337, 22; der hêrre hieʒ lîhenSîfrit den jungen man lant unde bürge,als er hete ê getan.
Nib. 40, 1;
mit dem dativ der person, der ein lehen gegeben wird: der kaiser nam dem von Wirtenberg die vogty über 13 stet und lech die herzog Fridrich von Pairn.
d. städtechr. 4, 58, 6; ein grafschaft an dem Rein, die zu lehen gieng von dem reich, die lehe er (
der kaiser) seinem sun. 2, 115, 12; lehe die mark Brandenburg seinem brueder. 122, 21; dat si einen coninc keisen (
wählen) moigen unde ich eme dat riche lie. 12, 39, 661;
ohne object, mit bloszem persönlichen dativ: die fursten, den man leihen wolt, ranten vor dem leihen auf dem markt in eim redlein vor dem stul und giengen doch zu fuszen auf den stul, da laih in der kaiser.
d. städtechr. 10, 381, 15; item des jars hat kaiser Fridrich herzog Albrecht von Bayern .. auch gelihen. 15, 333, 10. 44)
davon ausgehend, gewähren zu einer lebenslänglichen nutzung, auch von anderem als lehen: im wart auch gelihen ein treffenlich predigampt in der kirchen zu Prag.
d. städtechr. 3, 172, 22;
von gott in bezug auf die begabung der menschen mit kräften: ni rih suntâ, druhtîn, mîno in thiu,suntar mir uuizzî lîh zi thiu. Otfrid 3, 1, 29; dô dir got fünf sinne lêch.
Parz. 488, 26,
wofür unsere heutige sprache nur verleihen
sagen könnte. 55) leihen,
als edler ausdruck für das gewähren einer gunst, für das zuwenden einer kraft oder einer eigenschaft, die als ein werthabendes gut genommen wird, seit dem 17.
jahrhundert: das menschliche leben ist eine flüssende bach, die nicht allein durch schöne, blumengemahlte wiesen, sondern auch über harte steine leuft. ebener maszen müssen wir unsere beiwohnung bald lustreichen, bald traurigen sachen leihen, mit den frölichen frölich, mit den betrübten betrübt sein. Butschky
Patm. 406;
seit dem vorigen jahrh. in einer reihe von verbindungen: es würde mich nicht befremden, wenn ich fände, dasz einer von den alten auslegern des Homers diese stelle (
beschreibung des scepters Agamemnons) als die vollkommenste allegorie von dem ursprunge, dem fortgange, der befestigung und endlichen beerbfolgung der königlichen gewalt unter den menschen bewundert hätte ... ich würde lächeln, ich würde aber dem ohngeachtet in meiner achtung für den dichter bestärket werden, dem man so vieles leihen kann. Lessing 6, 468,
hier wie zulegen, unterlegen
gebraucht; sprache, ausdruck, ansehen
u. ähnl. leihen: in diesem urtheile liegt ein miszverstand. denn der tugendhafte mann leiht hierbei dem lasterhaften seinen gemüthscharakter. Kant 6, 145; es ist aber eine der ersten dramatischen regeln, die uns Lessing, Aristoteles und griechische muster geben, dasz der schauspieldichter jeder historischen begebenheit die er behandelt, alles leihen müsse, was der poetischen täuschung zuschlägt, so wie das entgegengesetzte entziehen. J. Paul
Tit. 1, 70; ohne verletzung der weiblichkeit und der männlichkeit durfte der verf. einer kaiserstochter einen kühnern ausdruck der liebe leiben, als dem bürgerlichen schreiber.
kl. bücherschau 1, 147; er, der die sanfte lieblichkeit der jungen mandelblüthe leiht, er tuschte so mit kunst und fleisz der holden wange roth und weisz. Bürger 37
b; uns mag kein glücklicher entbehren, wir sind dabei, wo man sich freut, und läszt der kaiser sich verehren, wir (
die farben sind gemeint) leihen ihm die herrlichkeit. Schiller 74
b (
parabeln u. rätsel); aber die andacht leiht höheres leben dem stein. 75
b (
spaziergang); in selbstgefällger jugendlicher freude leiht er (
der künstler) den sphären seine harmonie. 24
b (
die künstler v. 285); liebe, liebreiz, winke der gunst und alles, was ein herz darbeut und ein herz erwiedert, wenig frommts, leiht nicht die gelegenheit ihm athem und dasein. Platen 112; einem das ohr leihen,
sonst gehör, aufmerksamkeit schenken: der gute könig leiht dem weisen gern sein ohr. Klinger 2, 93; hören sie mich mit eben der aufmerksamkeit an, die ich ihnen so lange, ohne sie ein einziges mal zu unterbrechen, geliehen habe. 8, 133; dann noch dazu den ewgen litaneyen des erdenvolks die ohren herzuleihen! (
spricht Jupiter). Wieland 9, 152; ihr nicht einmal das ohr zu leihn, das wär auch mehr, als ungefällig. Gotter 1, 441; (
wenn er) das ohr dem rathe treuer freundschaft leiht. 2, 219; leiht uns ein geneigtes ohr, wenn wir gern vor euch versammelten ein empfehlend vorwort stammelten! Uhland
ged. XIV; kraft, beistand, schutz
u. s. w. leihen: schlug er die krone aus, so geschah es darum, um könig eines königs zu sein. und ihr wolltet ihm dazu die hände leihen? Klinger 2, 404; warum darf, bienen gleich, sie (
die kunst) nicht ihr zellchen weben, wo freundschaft und geschenk ihr gern ein obdach leihn? Gotter 1, 279; die verzweiflung soll mir kräfte leihn. 2, 292; und ich sollt euch nicht lieben? wenn euch gefahr umringt, nicht meinen schutz euch leihn? 362; lasz im zählen uns zusammen unverdrossen beistand leihn! 3, 526; hier in Apulien erobr ich Östreich; leih ich dir den arm, du leihst mir einst den deinen, mächtigern. Uhland
ged. 185; will er jenem seine flügel leihn, und der erde herrlichkeit ihm zeigen. Freiligrath
dicht. 1, 120; Fridoline! Fridoline! leih auch fürder deinen schutz uns. Scheffel
trompeter s. 61 (3.
stück);
selbst ein pfand leihen,
sonst ein unterpfand geben: du muszt glauben, du muszt wagen, denn die götter leihn kein pfand. Schiller
sehnsucht. 66)
in anderem sinne und näher an 1,
b angeschlossen, indem das verbum mehr das eigenthumsverhältnis und die nur zeitweise hingabe betont, weswegen in den folgenden fällen, selbst in der gehobenen sprache, auch borgen
dafür eintreten kann (
beispiele für die anwendung dieses verbums theil 2, 242): einem seinen nahmen wozu leihen,
commodare alicui nomen suum ad aliquid Hederich 1517; holde nacht, leih deinen mantel der erde, die in sich gährt. Göthe 8, 281; wie niemahls ein planet ein andres licht verstreue, denn diesz, was ihm die sonn aus ihrer fülle leihe. Lohenstein
bei Campe 5, 383
b; vergisz nicht, spricht der gott der musen, dasz selbst der götter ohren — blind und alle deine zaubereien nur lieblicher tumult und dunkle räthsel sind, wenn andre musen dir nicht ihre sprache leihen. Wieland 9, 169; die tugend, der empfindungslose herzen den anstrich ihres schwarzen blutes leihn. Gotter 1, 384; und miszverstandnen grübelein ein tiefgelehrtes ansehn leihn. 397; du solltest dieser höchsten schmeichelei nicht das gewand vertrauter freundschaft leihen. Göthe 9, 105 und wenn ein freund, der mit uns wandeln sollte, sich einen fusz beschädigte, wir würden doch lieber langsam gehn und unsre hand ihm gern und willig leihen. 114; lord Burleigh leiht dienstfertig dem gerichte, dem er den geist geliehn, nun auch den mund. Schiller
M. Stuart 1, 7; wärst du blind, dasz um die welt zu sehen, ich dir meine augen müszte leihen? Rückert
liebesfrühl. s. 264 (5, 19);
mit beziehung auf 1,
c: es ahmt Pipin ihm nach, der freunden sich nur leihet, sich ohne grund vereint, und ohne grund entzweiet. Hagedorn 1, 42. 77) leihen,
leihweise entnehmen, jetzt vorzugsweise in entleihen (
th. 3, 572)
ausgebildet, ist in seiner einfachen form schon gothisch: þamma viljandin af þus leihvan sis ni usvandjais.
Matth. 5, 42 (wende dich nicht von dem, der dir abborgen will
bei Luther);
aber auch nhd. seltener verwendet: da es ihm zu seinen unternehmungen an mitteln gebrach, so muste er von einem freunde geld leihen; er lieh sich bei mir eine kleine summe;
in übertragenem sinne: ich lieh das bild (
einen bildlichen ausdruck) aus eines dichters munde. Gotter 1, 276; (
der) vom thätigen verstand stets frische waffen leiht. 283.