könig,
m. rex. II.
Die alten formen und die verwandtschaft. I@aa)
mhd. künic, künec,
auch künc (
wb. 1, 912
b),
ahd. aber chuning, kuning,
später schon gekürzt chunig, kunig (Graff 4, 444),
d. h. bequemer gemacht bei dem vielgebrauchten worte, wie pfennig
aus pfenning
gekürzt ist; ähnlich kommt messig
vor für messing, kieslig
für kieseling
kiesel. auch alts. kuning,
dann kunig,
wie ags. cyning,
dann cynig
und cyng (
wie mhd. künc),
daher engl. king.
die alte volle endung hat sich aber im nd. nl. behauptet: mnd. konink, kuning, köning,
mnl. coninc,
nnd. konning, küning (Kuhns
zeitschr. 4, 136),
nnl. koning.
endlich altn. konungr
und kongr,
schwed. konung
und kong, kung,
dän. konge,
norw. kungje.
goth. fehlend, es heiszt da þiudans. I@bb)
entlehnt finn. kuningas,
ehstn. kunningas (
selbst kunninglik
königlich, kunningriik),
deutlich nach dem nd.; ferner bei den Letten kehnińśch
könig. auch altslav. knzĭ
fürst wird als aus kuning
entstanden erklärt (Schleicher
compend. 246, 2.
ausg. 302, Miklosich 294
a),
russ. knjaz',
sloven. knéz (
fürstin noch kneginja
neben knezinja),
südsl. aber auch dorfrichter; herr überhaupt wend. knjez,
fürst und priester böhm. kněz.
mit der zweiten bed. litt. kùningas
pfarrer Schleicher,
bei Mielke kunig's
geistlicher oder sonst angesehener herr, lett. ku'ngs
herr (
doch vgl. Bielenstein 1, 298).
es steckt in dem allen ein gut stück deutscher geschichte im osten, freilich noch mit recht dunkeln stellen. I@cc)
es ist eine ableitung mittelst -ing,
und wie goth. þiudans
könig deutlich gebildet ist von þiuda
volk, altn. fylkir
fürst von folk,
ahd. truhtîn
fürst von truht
volk, kriegsvolk (
s. unter drost,
das aber ganz andern ursprungs ist),
so liegt für chuning
als mutterwort nahe ahd. chunni
geschlecht, alts. cunni,
ags. cynn,
genauer stimmend in älterer form goth. kuni (
s.künne),
der könig also als das haupt des geschlechts, der familie, des stamms, '
primus in stirpe'
gramm. 2, 365,
vergl.hœhsteʒ künne
Freid. 77, 13,
aus dem der herr gewählt wird. I@dd)
doch liegen bedenken gegen diese jetzt geläufige ableitung vor, die eigentlich schon 1828 J. Grimm
rechtsalt. 230
geltend machte. weniger dasz altn. konungr
nicht zu kyn
genus stimmt, denn in dem zusammengesetzten -konar
generis, modi verrät sich eine form mit o.
aber es musz ein altgerm. kuni
gegeben haben, das selber schon könig hiesz. das zeigt sich ahd. in chunirîchi
neben chunincrîchi
regnum Graff 2, 393,
in namen wie Chunesvelt, Chunisperg (
der Königsberg
bei Mondsee) Förstemann 2, 393, Kunestat,
Burgkunstadt das. 884?, Chunihôhstetin 393,
bei Neidhart 77, 19 Künehôhesteten,
jetzt Königsstetten,
schon 15.
jh. Kungesstetten;
vgl. auch ahd. namen wie Chunimundo, Chuniberhta, Chunigunda.
noch entschiedener im ags., wo das entsprechende cyne
in der zusammensetzung vorherscht: cynelîc
königlich, cynerîce
königreich, cynedôm
königthum, cynestôl
thron, cynegold
krone, cynecynn
königsgeschlecht u. s. w., noch altengl. kynegerde
scepter, kyneriche
u. a.; ja es wird da cyne
nig selbst angesetzt (Ettm. 405)
und auch ein adj. cyne
könig- h (Grein 1, 178. Bouterwek
nordh. evang. 307
b),
und man könnte auch vom deutschen subst. einen späten rest suchen in md. konelîn
zaunkönig (
s. königlein 2).
zu diesem kuni
könig verhält sich kuning
wie zu tôre
ein seltnes tôrinc
thor (Bartsch
Strickers Karl s. xxix),
wie vielleicht gemʒinc
zu gamʒ,
nd. Henning
zu hane
hahn, wie kieseling
zu dem gleichbed. kiesel,
[] messing
zu gleichbed. messe;
auch ahd. namen wie Fruming, Swindinc, Swâbinc
u. a. sind vielleicht oft nicht patronymisch, sondern so zu fassen. I@ee)
diesz cyne, kuni
könig tritt nun aber dem altn. konr
nahe, als gehörte es mit ihm zusammen. freilich fand diesz sein wahrscheinliches unterkommen schon bei kone
frau (
s. d. 3,
b),
und diesz wiederum fuszt auf einem stamme kuín,
nicht kun.
aber wie dort die bed. königin auftrat im ags. cvên (2,
b),
so darf man hier fragen, geht am ende kuning
doch auch auf kuín
als stamm zurück? das kuining, cuinig
bei Williram
freilich (Graff 4, 444)
ist zu spät, um es als kuíning
aufzufassen, es wird küning
meinen, wie chiuninge
bei Notker;
aber steckt hinter dem wunderlichen chueniga,
heroes Graff 4, 449
etwa ein chuëningâ?
zu dem freilich gleich fraglichen quen
unter kone 3,
b gehörig? die auszerhd. formen stünden nicht im wege, da man z. b. bei kommen
im alts. ags. altn. aus den ähnlich gestalteten formen des praesens, wenn nur dieses überliefert wäre, auch nur auf einen stamm kum,
nicht auf den stamm kuím
würde schlieszen können (
s.kommen I,
b).
wenn übrigens könig
doch zu kone, konr
gehört, so wäre der name wol aus dem kreise der familie aufgekommen, gleichsam der éine mann vor allen, oder auch nach der wurzelbedeutung der vater, erzeuger? s. kone 4,
c, vgl. die ableitung von bär 1, 1122. IIII.
Das nhd. wort. II@11)
die formen sind anfangs schwankend. II@1@aa)
mit voller alter endung küning
bei Keisersberg,
wol unter nieder- oder mittelrhein. einflusz, der küning (
gen. pl.) in Frankreich
sünd. d. m. 46
a (
s. dazu 2,
d, α)
; in einer urk. von 1411,
aus Stolzenfels dat., kuning, kuninglich (
neben kunig, konig) Janssen
Frankf. reichscorr. 1, 193.
ebenso md. köning,
im reime sogar betont köníng (
was die betonung koenìng
bezeugt, s. unter kobold I, 1): hab lieb gott uber alle ding und halt in ehren den köning. Waldis
Es. 1,
s. 13
Kurz; wir loben gott den herren, darzu den edlen köning (: ding). Uhland
vl. 521,
um 1560,
auszer dem reime nachher könig 522. 523.
wie sich nämlich nd. die volle endung noch länger hielt, so auch md. länger als hd.; koning
hat Albrecht von Halberstadt (
s. 7), koninc Berthold von Holle.
auch der Thüringer K. Stolle
schreibt noch koning,
z. b. Haupt 8, 327. 328,
ebenso Joh. v. Guben.
ferner nrh. im 13. 14.
jh. kuninc Haupt 10, 5, Höfers
auswahl s. 129, konink
in der seele spiegel Frommann 1. 2,
wie nl. koning. II@1@bb)
die hauptfrage ist aber nhd. zwischen künig
und könig. II@1@b@aα)
das im hd. überlieferte künig
ist im 16.
jh. noch in voller geltung, bei Oberdeutschen vorwiegend (
auch kinig,
s. z. b. Zarnckes
Brant s. 108
a anm. künig, kynnig, kinnig
auf éiner seite)
; so bei Brant, Dasyp., Frisius, Maaler
allein, auch bei Keisersberg, Frank
u. s. w.; ohne bezeichneten umlaut kunig
im voc. inc. teut., voc. th. 1482,
gemma gemm. Straszb. 1518,
es ist im 15. 14.
jh. die im oberd. vorherschende form. auch Luther
hat anfangs diese oberd. form, die ja im mitteld. neben der mit o
geltung hatte (kunic
z. b. bei Herbort, Jeroschin): es wirt kein kunig bestehen durch seine grosze macht.
an den adel A 3
a, aller kunigen hof F 2
b (
mit schwacher form, s. 2,
d, β),
während in der bibel von 1545 könig
durchgeführt ist. was hat eig. dieser unhochdeutschen form den sieg verschafft? II@1@b@bβ)
die form mit dem mehr nd. o, ö
ist aus den mitteld. landen emporgekommen. konig
heiszt es z. b. in der thür. hs. Ebernands von Erfurt, bei Joh. v. Guben,
in Diefenbachs
Erf. wb. v. 1470,
im Leipz. voc. opt. von 1501, konich
mitteld. 15.
jh. Dief. 497
c, könig
meisznisch 15.
jahrh. altd. bl. 1, 117
ff. (
noch gemischt mit köning
das im dat. und gen. vorwaltet), konig
in den Frankfurter schriftstücken aus dem 15. 14.
jh. in Frankfurts reichscorrespondenz von Janssen,
während da z. b. aus der Mainzer und Pfälzer kanzlei kunig
kommt (1, 161. 198. 200
u. ö.),
aber auch beides gemischt, wie 1, 552
v. j. 1400
aus könig Ruprechts kanzlei. II@1@b@gγ)
diese mischung ist denn noch im 16.
jahrh. lange geltend. während z. b. in dem drucke des reichstagsabschieds Augsb. 1500
nur römischer kunig
steht, gilt in dem von 1566
nur könig,
wie durchaus schon in der sammlung von reichsordnungen Worms 1539
und in der Carolina; auch Wickram, H. Sachs, Aventin, Fischart
nehmen schon könig,
während z. b. letzterer den alten vocal noch im reime braucht: welche inen der Franken könig bekräftigten als wolverdienig.
kloster 10, 1066. Schertlin
schreibt 1532 königlich, koniglich
briefe s. 6. 17. 24,
sein landsmann Ungelter
das. 14. 26 kuniglich. könig, köng
im [] liede vom Pienzenauer (1505) Uhland
volksl. 457
ff., wol nach einem Nürnb. drucke, der Zürcher druck bei Körner 116
ff. und ein andrer Soltau 2, 46
ff. aber haben künig,
ebenso bair. und östr. lieder des 16.
jh. das. 53. 76. 83. 261,
aber ein in Prag gegen 1600
gedrucktes bei Körner
hist. volksl. 270. 276 könig,
wie Nürnberger drucke schon von 1529 Soltau 1, 321,
während der Nürnberger hürn. Seifr. der Kun. Hergotin noch künig
hat. II@1@b@dδ)
aber im 17.
jahrh. ist der sieg der md. form entschieden. könig
schreibt z. b. der Baier Albertinus im
anfang des jh., ein östr. lied von 1618 Soltau 2, 335. 338,
selbst ein Baseler druck von 1613 Uhland
volksl. nr. 173
s. 455 (
s. unter 2,
a),
die Straszburger ausg. des Paracels 1616,
natürlich dann Ayrer, Philander,
Simpl. u. ff., während noch der Elsässer v. Löwenhalt (
s. königsstab) künig
schreibt, wie in den oberd. mundarten noch heute künig, kini
gilt, so östr. bair. schwäb. II@1@cc)
das aus künec
gekürzte mhd. künc
galt gleichfalls noch im 16.
jh. zu anfang: ain küng ... ains küngs diener. Keisersberg
granatapf. Str. 1511 M ij
b; dʒ inen ain neüwer küng ward. H iij
d; Maximilian, römischer kung. Chmel
urk. Max. 42 (
daneben kunig 62. 63
ff.); der küng ... des küngs von Frankrich. 59; kung Lenz
Schwabenkrieg 12
a. 14
a. 98
a u. ö.; dasz küng und keiser ir begert. Scheit
grob. C 2
b; küng Schwarzenberg 153
b u. ö.; selbst im pl. (
s. unter d, α): die alten kung aus Frankreich. Adrians
mitth. 336
ff. auch könig Uhland
volksl. 459. 464 (
in demselben liede könig); ein köng hilft nit sein grosze macht. H. Sachs 5, 27
b; o höchster köng, frew dich allein. 38
a; ward von des köngs knechten erkent. 27
d,
immer zwischendurch könig.
für küng
auch in schlechter aussprache king Lenz 13
a.
b; darumb Karol, du edler king, lasz dir dein herz zu uns sein ring (
leicht). Adrians
mitth. 363,
augsburg. v. 1521,
auch küng (: gering) 357,
daneben auszer reim künig; kingtag,
königtag Keisersberg. king
ist noch els., künk
henneb. Fromm. 2, 498,
wie schweiz. hung
honig, henneb. huink,
wie sächs. henneb. pfenk
pfennig, erzgeb. wenk
wenig u. s. w. II@1@dd)
noch ist für die form zu bemerken II@1@d@aα)
ein flexionsloser plur.: ir herren, künig Brant 99, 151. 169, fursten und kunig uneins machen Luther
an den adel D 3
b, aller künig Uhland
volksl. 470, buch der könig
Garg. 164
a (
Sch. 304),
schon mhd. der künec schar
wb. 1, 913
a, 9,
s. auch Keisersbergs küning
unter 1,
a. vgl. 2,
c. II@1@d@bβ)
im gen. pl. aber auch eine merkw. schwache form, md.: aller kunigen hof Luther (
s. 1,
b, α); des ersten buches der königen. Schuppius 1; das leben aller königen in Juda. 10; der königen kinder. 50; die bücher der königen. Aler 1222
a. II@22)
die fügung betreffend ist mehreres zu bemerken. II@2@aa)
bei nennung des landes heiszt es II@2@a@aα)
jetzt der könig von Preuszen, die königin von England,
und so schon anfangs, auch mhd.; der könig von Assyrien 2
kön. 18, 17. 19. 23, der könig von Israel
Joh. 1, 49 (
ὁ βασιλεὺς τοῦ Ἰσραήλ), den königen von Frankreich und Spanien Fischart
bienenk. 1588 40
b,
mhd. von Pülle (
Apulien) künec Walth. 28, 1, von Burgonden der künic Gêrnôt
Nib. 1980, 3. 2308, 1, den künec von Francrîch
Lohengr. 4157,
nl. die coninc van Vrancrik
hor. belg. 11, 174.
es mischt sich darin das von
für den gen. mit dem räumlichen von. II@2@a@bβ)
für letzteres früher auch aus,
mhd. und noch nhd.: der künec ûʒ Hiunen lant
Nib. 1272, 1; der mach sich auf die fart zu einem (
s. d) könig aus Österreich. Uhland
volksl. 455; von einem könig ausz Frankreich. 456; des königs aus Spanien. Fischart
bien. 11
b,
s. mehr 1, 821;
diese aus (von)
meinen eigentlich die herkunft, abstammung (
s. gramm. 4, 872),
hatten also zuerst nur sinn auszer landes (
vgl. conink Maximiliaen gheboren ut Oostenrijk
hor. belg. 11, 174). II@2@a@gγ)
daher mit der entgegengesetzten auffassung früher auch in
und zu,
gleichfalls nhd. und mhd.: dem künege rîch in Ungerlant.
Lohengr. 2292; in Germanien könig,
im kaiserlichen titel; wir Maximilian von gotz genaden römischer kunig ... zu Hungern, Dalmacien, Croacien
etc. kunig.
reichsabsch. v. 1500,
eingang; Bela war könig in Edom.
1 Mos. 36, 32; da er fur Pharao stund, dem könige in Egypten. 41, 46; der könig zu Egypten.
2 Mos. 1, 17, in E. 18. 15; Salmanesser der könig zu Assyrien.
2 kön. 18, 9 (von A. 17); der könig zu Frankreich, zu Dennemark Luther 3, 322
a, zu Engelland 331
a; könig Petrus in Hungarn. Aventin 388
b.
diesz in
hat sich sogar bis ins 18.
jh. [] erhalten, wo nicht länger: ich bin nicht genug ins königs in England gnaden. El. Charl. v. Orleans
briefe (1843) 305; der könig in Engelland, so zu St. Germain ist. (1867) 219; unsre arme königin in England. (1843) 305. 306,
gemeint ist aber das vertriebene königspaar, das in ihrer nähe in St. Germain lebte; ist es möglich, dasz ihr glaubt, dasz unser junger könig in Engelland ein falsch kind und nicht der königin sohn ist? (1867) 461,
er war noch gar nie in England gewesen, eben erst in St. Germain geboren; könig in Preuszen, als herzog zu Magdeburg.
hallische lehntafel v. j. 1715,
mitth. des thür.-sächs. vereins 1867 451. 456; der verstorbene könig in Preuszen. Göthe
an Schiller 8.
decbr. 1798. II@2@a@dδ)
zuweilen auch mit gen.: der Burgonden künic
Nib. 1978, 4, kunic der Rômêre Jeroschin 18063, der Jüden könig
Matth. 27, 29. 37; schon Heinrich VII. hielt es für eine beleidigung, wenn man ihn könig von Deutschland nannte und nicht .. könig der Römer. Ranke
reform. 1, 52. II@2@bb)
mit dem namen der könig Wilhelm von Preuszen,
oder könig Wilhelm von Preuszen,
und zwar häufiger als Wilhelm, könig von Pr.,
sodasz im gewöhnlichen gebrauch der name die fügung könig von Pr.
unterbricht ohne sie zu stören, dasz die fügung auch über den zwischengesetzten namen fortwirkt, des königs Amraphel von Sinear
1 Mos. 14, 1
u. o., könig Heinrichen dem andern aus Engelland Fischart
bien. 131
a;
das ist, wie es bei titeln am leichtesten vorkömmt, ein rest alter wortfügung, wie mhd. den künic Rulf von Burgunden
Lohengr. 3877, des küniges kint ûʒ Ungerlant
MS. 2, 210
b,
das kind des königs v. U., königs Renati son von Anjou Fischart
bien. 130
b,
vgl. gramm. 4, 465.
unter umständen beim namen auch ohne könig, Friedrich der zweite von Preuszen,
mhd. von Francrîch Karl
Lohengr. 3494,
noch kürzer dén von Francrîche 4057 (
wie beim adel). II@2@cc)
in diesem falle bleibt könig
gern unflectiert, wie auch kaiser, herzog, bischof
u. a. titel, die mit dem namen wie verwachsen gefühlt werden, s. 2, 1010
und gramm. 4, 465. Pfeiffer
Germ. 2, 82. II@2@c@aα)
so nhd. und schon mhd.: des künic Hartmuotes kamerære.
Gudr. 1324, 4; dem künic Hetelen 489, 2.
und der art. fällt gern aus, eben weil könig
im titel aufhört ein wort für sich zu sein, auch das schon mhd.: künec Artûses hof. Walther 25, 1; sant man ze künic Rulfen.
Lohengr. 3915 (
vorher dem künege Rulfen 3899,
dort ist 'künic Rulf'
wie éin wort behandelt); dasz sie mit könig Petern zu handlen kommen möchten. Aventin 393
b; ein son könig Rudolphs. 436
a,
es ist genau wie 'herr Müllers sohn',
acc. 'herr Schulzen',
wie das hausdeutsch sagt. dagegen auch mit flexion des titels königs Henrichs gaul
Garg. 133
a. er war mit könig Friedrichs macht gezogen in die Prager schlacht. Bürgers
Lenore. man hat also die wahl, entweder die regierung des königs Friedrich des zweiten
oder könig Friedrichs des zweiten
oder auch weitergehend könig Friedrich des zweiten,
tadelnswert aber ist des könig Friedrich von Preuszen,
das jetzt um sich greift. II@2@c@bβ)
einzeln ward früher auch die endung -en
statt an den namen an den titel gefügt, nachgeahmt der genitivendung: Rodis hat er gewunnen ... konigen Ludwig erschlagen.
ein schön lied u. vermanung wider den Türken zu streiten ('
wol auf ir werden Christen').
Nürnb. o. j., str. 9,
wie bei kaiser
u. a.: zwischen keisern Carln und könig Franzen. Fischart
bien. 132
a; dem keisern Carln und seinem bruder könig Ferdinanden. 132
b (1588 144
a); und namen den von Osterrich, herzogen Albrechten. Liliencron 1, 13
b.
vgl. den canzleimäszigen dat. acc. sg. klägern
sp. 926. II@2@c@gγ)
zuweilen selbst ohne namen und artikel zugleich, ganz titelmäszig, aufschriftmäszig: könig von Engelland (
Jacob II.) jammert mich. Elis. Ch. v. Orl. (1867) 142; triumph, viktoria! auf, bauet ehrenbogen, könig von Preuszen ist in Frankfurt eingezogen.
lied v. 1792, Bechsteins
deutsch. museum 2, 238,
wie kronprinz von Preuszen der war uns nicht mächtig Ditfurth
fränk. volksl. 2, 166. II@2@dd)
wie überhaupt bei titeln, stand auch hier früher der unbestimmte art. in bestimmtem sinne (
s. 3, 133),
z. b.: der sturmvan dort her wuot (
schritt), darunder veste cham gezogt (
angeritten) von Pulle (
Apulien) ein chünich, von Rom ein vogt. Liliencron
hist. volksl. 1, 14
b,
d. h. könig Albrecht der erste, bei einem gleichzeitigen dichter, in der sache wunderlich genug, die wendung ist von Walther
entlehnt, [] der Friedrich den zweiten so anredet (
ohne das ein); sie griffen nach den frien lüten (
die edeln), die ainem küng zuogehört hatten und woltend si vogtbar machen. Oheim
chron. von Reichenau 20, 33,
d. h. dem deutschen könig; und der grosz grav der trat her zu mir, do ich bei der wiegen stuend, und sprach 'Elena Kottannerinn, huett wol ainen kung von Ungern und ainen kung von Behem und ainen herzogen von Österreich und ainen markgraven von Merhern, das habt ir da alles bei ainander (
in dem jungen Ladislaus).
denkw. der H. Kottannerin 30 (58); der mach sich auf die fart zu einem könig (
Maximilian) ausz Österreich. Uhland
volksl. 455. II@2@ee)
ausnahmsweise für königin, bei Schiller
im munde der Maria Stuart: regierte recht, so läget ihr vor mir im staube jetzt, denn ich bin euer könig. 420
a, (
M. St. 3, 4),
vgl. bald nachher du warst die königin, sie der verbrecher,
und Maria, mein vorfahr auf dem thron 438
a.
ähnlich gelten mhd. vriunt, vîent
auch von frauen, vgl. übrigens den ruf der Ungern moriamur pro rege nostro Maria Theresia!
und altn. von der h. Maria konungr vîfa,
princeps feminarum Egilsson 473
b. II@2@ff)
dazu erbkönig, wahlkönig, körkönig, vicekönig, schaltkönig, gegenkönig, afterkönig (Schiller 670
a), nebenkönig, inselkönig, seekönig, bettelkönig, winterkönig, winkelkönig, schattenkönig, lumpenkönig, schneckenkönig (Rädlein 555
b), apfelkönig, groszkönig,
auch erdenkönig, ehrenkönig, jubelkönig, dreikönig,
ferner Frankenkönig, Dänenkönig, Maurenkönig
u. a. II@33)
für den frühern gebrauch ist ein bis jetzt wenig oder nicht beachteter umstand hervorzuheben, der wichtig ist, dasz es nämlich keineswegs nur den herscher bezeichnete, sondern auch des königs brüder, söhne, ja alle von königlichem stamme könige, königinnen
hieszen, schon als kinder. II@3@aa)
so zeigt sichs entschieden im sprachgebrauch des 13.
jh., z. b. in den Nibelungen die drei künige von Wormeʒ,
von denen nur Gunther noch vorzugsweis der künic
schlechthin genannt wird (
z. b. 318, 3. 319, 3),
gewissermaszen als der '
regierende'
könig; ebenso aber heiszt Kriemhilt schon als jungfrau am hofe zu Worms kurzweg küniginne 50, 4. 132, 3. 226, 2. 236, 4. 299, 2
u. s. w., so gut wie ihre mutter Uote. in der Gudrun erscheint Gudrun als küniginne 1178, 4,
königstochter, daneben im engern sinne 1253, 4
zu ihr gesagt sult ir werden künegîn,
d. h. durch vermählung mit Hartmuot; ebenso Hildeburg 1639, 3,
vgl. 1641, 4,
Ortrun 1308, 3,
vgl. 1310, 4.
Ein unterschied wird freilich gemacht, aber in der einfachsten weise. Siegfried z. b. heiszt der junge künec
bei der schwertleite Nib. 29, 4,
vgl. 117, 3;
ebenso der junge künec
Parz. 345, 28
von einem königlichen kinde (
vorher knabe, knappe
genannt),
von dem '
kinde'
Ortlieb Nib. 1850, 2. 1855, 3,
vergl. 1897, 4.
ebenso in der Gudrun von der Hilde diu junge küniginne 380, 4. 385, 2. 427, 4 (diu küniginne 376, 1),
ihre mutter ist diu alte küniginne 373, 3.
ebenso heiszt Rüedigers und Götelinden tochter diu junge marcgrâvîn
Nib. 1103, 2. 1106, 1. 1107, 3. 1606, 1,
aber wieder auch blosz marcgrâvinne 1616, 2,
eben wie ihre mutter. II@3@bb)
und das ist nicht etwa nur dichterisch oder gar ungeschick des ausdrucks, denn es erscheint fortgesetzt bis ins 16.
jh. und länger. von der vermählung des herzogs Georg von Baiern-Landshut mit der princessin Hedwig von Polen 1475
heiszt es: der kaiser ... führt die königin bei der rechten hand. Öchsle
bauernkrieg 13
fg., Schmidt
gesch. der Deutschen (1787) 4, 476,
die '
königin'
ist die braut; da wert es nicht ain halbe stund, daʒ uns got der almechtig ains jungen kunigs beriet .... in derselbigen stuend do ward kunig Lassla geboren.
denkwürd. der Helene Kottannerin 27 (51),
von der geburt des Ladislaus posthumus von Ungern; 'gnedige frau, ich hab ainen jungen kunig in meinen henden'
das., worte der hebamme bei der geburt; die (
genannten) all hueben den edeln kung aus der tauf, der ward (
in der taufe) genannt kung Lassla. 29; und die jung kungin junkfraw Elisabeth, die stuend oben bei der orgel (
bei ihres bruders krönung) ... wann sie was nur in dem vierden jare. 37 (82); der durchleuchtigsten hochgebornen frawen, frawen Maria, geborne königin (
d. i. königl. princessin) zu Hispanien
etc., (
verwitwete) königin zu Hungern und Behemen. Luther 3, 288
b.
daher nennt noch J. Spreng
in seiner Ilias die söhne des königs Priamus zuweilen könig,
wie den Paris 240
a. 153
a (
gewöhnlich fürst, herzog),
die Andromache königin 516
a.
noch im 18.
jh. [] nennt Elis. Charlotte v. Orleans
einen neugebornen königlichen prinzen unser junger könig in Engelland (
sp. 1694),
ganz wie in den Nibelungen. und ähnlich ist noch bei Schiller
Carlos 5, 5
in Philipps munde von seinem sohne, freilich ironisch: dort werft euch nieder! vor dem blühenden, dem jungen könig werft euch nieder! 302
b. II@3@cc)
das alter und die geschichtliche bedeutung dieses gebrauches sind weiter zu erforschen. bei den Merovingern ist er von Waitz
beobachtet worden (
verfassungsgesch. 2, 103).
für die Westgothen gibt vielleicht ein zeugnis der kronenfund von Guarrazar, falls die kleinen darunter von kindern herrühren (Fleckeisens
jahrb. für class. phil. 1862 569
ff.).
der grundgedanke davon, dasz das königthum, fürstenthum überhaupt eine angeborene eigenschaft ist, dem ganzen geschlechte unveräuszerlich anhaftet, gleichsam sache des blutes ist, dieser uranfängliche grundgedanke ist übrigens noch heute auf deutschem boden wiederzufinden in dem durchzählen der Heinriche von Reusz, auch der nichtregierenden, in dem titel erzherzog
den die kaiserlichen prinzen von Österreich führen. und auch in dem franz. prinz, prinzessin,
das seit dem 17.
jh. den alten gebrauch von könig, fürst
u. s. w. verdrängte, ist er eigentlich enthalten, denn prince
ist ja nichts als fürst.
bedeutsam ist endlich, dasz jener gebrauch auch bei den Griechen gegolten haben musz, denn königssöhne heiszen bei Homer βασιλεῖς,
Nausikaa βασίλεια Od. 6, 115;
und noch in Ciceros zeit werden asiatische königsprinzen reges
genannt; beides galt freilich auch von vornehmen überhaupt. II@44)
in vergleichungen, redensarten, z. b. sich freuen wie ein könig,
von hoher freude (
eigen auch wie ein schneekönig): mit diesem beifalle war er vergnügt wie ein könig. Nicolai
S. Nothanker 1, 14;
vgl. königlich 2,
c, auch kaiser 8,
b. er redete und deklamierte wie ein könig. Arndt
erinn. 45. unter blinden ist der einäugige könig,
auch ein schielender Wieland 17, 125. II@55)
übertragen, nach mehrerlei beziehungen: das aber der bapst sich selb zum könige uber dis land erhaben und mit seinem wort regirt hat. Luther 2, 95
b (1555); vorzeiten .. da sie (
die päbste) bischofe und nit kunige aller kunige zusein sich vormaszen.
an den adel F 3
b,
herren über alle könige; das gröszte reich ist, sein selbst könig sein zu aller frist. J. Buchler
gnomologia, bei Hoffmann spenden 1, 7,
sein selbst herr; er (
der weise) kann im stillen ein könig sein und weise über seine neigungen regieren. Gellert 1784 5, 201. 6, 24; seid ihr (
der alte Moor) einmal nicht mehr, so ist er (
Karl Moor) herr eurer güter, könig seiner triebe. Schiller 105
a,
unbeschränkt in, mit seinen trieben; umsonst! das ist nun einmal so, kein dichter reist incognito, der lustge frühling merkt es gleich, wer könig ist in seinem reich (
der dichter nämlich). Eichendorf
ged. 48; heiszt nicht der unbestand ein könig aller reiche? den das verhängnis wehlt und die verwüstung crönt. Günther 670.
höhnend bürgerkönig
von einem bürgermeister: ihr zu gefallen flucht er nur manchmal und ein ganz klein wenig auf ihren vater, der doch ein rechter abscheulicher bürgerkönig ist. Kretschmann 4, 9,
es ist wol wie schulmonarch. der hauskönig
für hausherr, hausvater Fischart
Garg. 73
a (124). II@66)
gott, Christus als könig,
mhd. himelkünec,
wie der teufel hellekünec (
s. wb. 1, 913
a,
vergl. kaiser 8,
e): vernim mein schreien, mein könig und mein gott.
ps. 5, 3; der herr ist könig imer und ewiglich. 10, 16; (
Jesus Christus) der könig aller könige und herr aller herrn.
1 Tim. 6, 15; du könig der heiligen.
off. Joh. 15, 3; du sohn Davids, aus Jacobs stamm, mein könig und mein bräutigam ... Ph. Nicolai '
wie schön leuchtet der morgenstern'
str. 1; wahr gottes und Marien sohn, ein hochgeborner könig.
str. 2; grosz ist der könig der ehren.
str. 6; seht euren schöpfer an, den gott von allen zeiten, den könig der natur. Opitz 3, 217; der könig aller welt liesz sich mit dörnern krönen. 3, 276. II@77)
ähnlich aber auch von heidnischen göttern, geisterhaften wesen u. dgl.; Neptun heiszt bei Albrecht von Halberstadt der koning ûʒ dem mer, von dem mere Haupt 11, 362 (des meres got 363),
bei Ovid an der stelle rector maris
met. 11, 207;
die Thetis nennt er s. 363 des meres koninginne,
was Wickram
das. 370
[] beibehält des meers königin; als der poet Homerus erzehlt, das vor zeiten Eolus der könig der wind
u. s. w. Fischart
bien. 1588 40
b,
vgl. bei Herbort 17622 des kuniges Eolis lant; der könig Juppiter. Spreng
Ilias 506
a. 505
b; beschriener Rübezahl! du könig der Sudeten! Günther 550. könig der elfen, erlkönig, feenkönig, geisterkönig, zwergkönig,
vgl. fliegenkönig, wespenkönig
vom teufel, götterkönig.
aber auch von schutzheiligen (
vgl. u. königin 2 '
herzogin zu Franken'): darzu der Bünden (
Graubündens) kung, Sant Lucius mit siner kron. Lenz
Schwabenkrieg 121
a. II@88) könige
im volksleben. im späteren mittelalter wählten gewisse kreise des volks, gerade niedere, ihren könig
unter sich, indem sie sich dem ganzen gegenüber wie ein geschlossenes reich betrachteten, als '
orden'
oder brüderschaft. so II@8@aa)
die spielleute, die an sich rechtlos waren, von der gesellschaft ausgestoszen wie von der kirche, sie wählten sich dafür aus sich einen künig der pfifer und varenden lüte,
der ihr gericht hielt, dem ein schultheisz
oder marschall
und andere ämter zur seite standen und dessen künigrich
in allen formen als solches behandelt und von städten oder herren als lehen vergeben und bestätigt wurde, z. b. 1430
von Zürich, s. Osenbrüggen
rechtsalterthümer aus der Schweiz, 2.
heft s. 69. 70;
in der Pfalz ernennt ihn 1393
der pfalzgraf und gibt ihm die vorrechte, die farnludekunige .. 'von gewonheide',
dem herkommen nach haben. Mones
zeitschr. 9, 127;
ein rex omnium histrionum 1355
in Mainz an kaiser Karls hofe; ebenso in Frankreich, England, s. J. Grimm
meistergesang s. 131. 132,
mehr beispiele und nachweise bei Uhland
in d. Germ. 6, 325,
vergl. Maszmann
in v. d. Hagens Germ. 9, 71.
eine dunkle erinnerung daran ist vielleicht der schwingerkönig
in der Schweiz, der beste schwinger, der sieger über alle, wie ähnlich der champion
unter den öffentlichen boxern in England. II@8@bb)
das hat gewiss nachahmung gefunden in andern kreisen. so hatten die seiler einen könig, dessen gewalt, wie es nach folg. scheint, über ganz Deutschland gieng und der in Mainz gewählt wurde: alle seiler, ihre frauwen, knecht und kind sollen vor einem (
d. h. dem, s. 2,
d) waltboten zu recht stehen ... sollen sie keinen konig unter ihne machen in dutschen landen, dan mit willen eines waltboten.
weisth. 1, 533.
reste solches königthums sind wol der könig
der leinzieher auf der obern Elbe, der sie führt, nach Frisch 1, 536
a der oberste des schiffsvolks, der speckkönig
beim walfischfang (
das.)
; der könig der zigeuner (gaunerkönig Schiller 122
a).
vgl. narrenkönig. II@8@cc)
ähnlich im ursprung ist wol auch der bettelkönig,
bettelvogt in Erfurt (1, 1728),
vgl. den reichsvogt
in der verfassung der bettler auf dem Kolenberge bei Basel (Zarnckes
Brant s. 402
b),
daher noch bettlerkönig Rückert
mak. 2, 35, bettlerkönigin Uhland 388.
doch könnte das auch nur ironische umkehrung des begriffs sein, ein stück aus der verkehrten welt die unsere vorzeit liebte. denn nur so erklärt sich doch der nachtkönig,
abdecker (Schmeller 3, 445), schundkönig,
der die kothgruben räumt (Günther 502),
tirol. häuslkünig, nachtkünig Schöpf 353,
ein lochkönig
in Frankfurt a. M., der scharfrichter der diesz zu besorgen hatte (Maszmann
a. a. o. 70),
der begînen-
oder bôvenkoning (
bubenk.) Seibertz
westfäl. urkund. no. 996,
d. i. oberschweinschneider, s. Woeste
in Kuhns
zeitschr. 6, 430. II@8@dd)
aber auch in höheren lebenskreisen. so war in Straszburg am dome ein pfründner der korkunig Closener 21, chorkönig, rex chori,
s. Scherz 214.
s. auch wappenkönig,
im 15.
jahrh. kunig der wapen
Nürnb. chron. 3, 399, 36,
franz. roi d'armes,
engl. king at arms.
vgl. muschelnkönig
pilger Garg. 237
a (445
Sch.), dichterkönig.
der begriff lebt nach in den fällen unter 10. II@99)
ebenso im spiele, bei festen. II@9@aa) könig
in kinderspielen, s. z. b. Rochholz
alem. kinderlied s. 389, E. Meier
kinderreime aus Schwaben s. 131. 143;
bei Schmitz 1, 11
fg. von der Eifel ein bericht von einem schulkönig
und hahnenkönig,
der einen förmlichen hofstaat hatte, z. b. einen mundschenk, und königliche gewalt ausübte; ebenda s. 15
von einem könig,
der auch eine königin
zur seite hatte. ein Straszburger kinderspiel bei Keisersberg
heiszt 'herr der kunig (
voc.), ich diente gern',
s. Gödekes
grundr. 150
nr. 17.
als probe davon in mhd. zeit kann die erzählung aus Jesu kindheit in Philipps
Marienleben dienen: alliu diu kint zesamen kâmen, Jêsum zeinem künege nâmen .... spilende alle zuo im giengen, lîp und guot von im enphiengen (
d. h. zu lehen). 3732
ff. das ist sicher uralt, in wechselnder form, wie es in der vorzeit aus des Cyrus jugend erzählt wird. [] II@9@bb)
aber auch die erwachsenen spielten des königs (
s. gr. 4, 673),
z. b. im 17.
jh. bei einer hochzeit: das kalb ward ausgetheilt. des schuchs, der blinden kuh, des richters ward gespielt, des königs auch darzu. Fleming 168 (98
L.). Fischart
nennt unter spielen 'königs lösen'
Garg. 164
d (
Sch. 305), 'ich bin könig, du bist knecht'. 166
a (307
a). II@9@cc)
bei volksfesten gab es und gibt es ein manigfaches königthum der art, z. b.: da sagt man mir, ein nasentanz würd auf dem plan noch disen abend (
bei der kirchweih). die gröstn drei nasen würdn begabend (begabet?
erhielten den preis), die gröszte nas gewünn den kranz und würd könig am nasentanz. H. Sachs 1, 397
b 1590 (
auch 3, 3, 11
b),
nachher wird er nasenkönig
genannt, was auch Fischart
Garg. 91
a (157)
braucht, Wackernagel
sprache der Burg. 17
gedenkt eines jetzigen nasenkönigs,
nach seiner groszen nase so benannt. ferner der thür. lattichkönig,
der bei dem pfingstfest den sommer darstellt, s. myth. 745,
der bohnenkönig
beim bohnenfeste, ähnlich der könig
am fränk. pfefferkuchenfeste im 16.
jh., s. weim. jahrb. 2, 130,
der schützenkönig
bei den schützenfesten (
s. königsschieszen),
auch vogelkönig
oder scheibenkönig.
in Saaz in Böhmen, das bedeutenden gemüsebau treibt, ist jährlich im fasching ein fest, der gurkenkönigball,
so genannt, weil die gemüsebauern dazu einen gurkenkönig
wählen, der die meisten gurken gezogen hat, er wird förmlich eingesetzt u. s. w., s. mitth. des vereins für gesch. der Deutschen in B., 3.
jahrg. no. 2.
auf der Eifel machten die kirmesburschen unter sich einen könig,
der sich auch eine königin
wählte (Schmitz 1, 49).
ähnlich von einem bräutigam auf der hochzeit dieser könig des festes Immermann
Münchh. 3, 54.
s. auch erntekönig, jahrkönig, wochenkönig, bauernkönig (Adelung 2, 1703
a).
der trinkkönig
bei einem schmause Voss 5, 119 (1825 4, 8)
ist wol nur nachbildung des antiken rex convivii, rex mensae,
βασιλεύς.
doch der kurfürst von Sachsen Christian II. hiesz der Merseburger bierkönig,
nach seiner vorliebe für das Merseburger bier, es gab vielleicht also bierkönige,
etwa der das meiste trank, erwarb sich diesz königthum. II@9@dd)
am entwickeltsten zeigt sich der grundgedanke, der offenbar mit dem von 8
zusammenfällt, beim dreikönigsfeste: nach dem kömmt der heiligen 3 könig fest, daran viele einen könig wählen, spiele halten und ein lange wirtschaft anrichten, da hat jeder sein amt am hofe. die knaben haben etwan (
hie und da) einen besondern könig auf dieses fest. dieser brauch der königreiche, darin auch viele büberei geschieht, ist fürnemlich gemein am Rheinstrom. Hormayrs
taschenbuch 1835
s. 255.
darauf bezieht sich auch folg.: basilinda,
cum sortito ductus rex facienda praecipit ministrique jussa tenentur facessere, quod '
feriis regalibus'
moris est factitari, βασιλίνδα Poll., belg. t'coninxken speelen, 'een conink maken'. Junius
nomencl. 215
b.
in Murners
geuchmatt klagt ein mann, was er seiner frau zu verschiednen jahreszeiten immer leisten und aufwenden müsse: wenn man dann ein künig macht, do musz ich haben grosze acht das ich von ir lös künglich kron. wo aber küngin würd die schon, so musz ich ir das rich begon (
ihr königreich ausstatten), das ich in armut gang darvon.
kloster 8, 1070,
es wird zwischen weihnachten und fasnacht aufgeführt, also wenn man dann 'ein künig macht'
bezeichnet das dreikönigfest, die frau wird im reich
die königin,
sie hat auch wie es scheint die königskrone in verwahrung, die er von ihr '
auslösen'
musz, s. darüber königin 3,
e, wo auch das machen
wieder erscheint. und nicht nur städter spielten so, auch die bauern, Wickram
rollw. nr. 46
erzählt von einem pfarrer aus Lothringen: es begab sich an einem heiligen drikünig abent, das er von Wych in ein ander dorf laufen wolt und mit den bauren künig machen. er hatt aber sich zu Wych ettwas lang gesaumpt, dann er mit séinen bauren vor (
schon vorher) künig gemacht hat;
das rufen der bauern 'der künig drinkt!'
das. 82, 11
erklärt sich bei Schmitz 1, 12,
wo die knaben alle so rufen jedesmal wenn ihr könig trinkt. s. weiter unter königreich. II@9@ee)
recht zusammengeschrumpft ist diesz spielkönigreich bei dem könig
beim billard, der allein gegen mehrere spielt, noch mehr bei dem könig
bei gewissen kartenspielen, der in einem einzelnen spiele gar nicht mit spielt. sagt doch ein sprichwort: darnach das spiel ist, macht man einen strohwisch zum könig. Lehmann
flor. 1, 91. II@1010)
jetzt dient könig
in der sprache des lebens, um in gewissen lebenskreisen den ersten, besten oder mächtigsten zu bezeichnen. [] II@10@aa)
so börsenkönig,
der mächtigste börsenmann (geldkönig), spinnerkönig
hiesz in der Schweiz der reichste, mächtigste spinnereibesitzer Kunz, der 1859
in Zürich starb, maschinenkönig Gotthelf 11, 258.
in England war vor kurzem ein sogenannter eisenbahnkönig,
wie jetzt Vanderbilt in Amerika. der gäukönig, der waldkönig
von reichen bauern Auerbach
neues leben 1862 3, 224. 223.
ähnlich lat. rex causarum
bei Asconius, von einem sachwalter der immer gewinnt, βασιλεὺς ἐν λόγοις Lucian. II@10@bb)
aber auch in höherem sinne. der liedercomponist Franz Schubert heiszt in sängerkreisen der liederkönig.
ähnlich nennt schon Mathesius
Luther (1583) 102
a Luthern diser unser predigerkönig,
er hiesz freilich auch aller ketzer könig, doch ohn ein scepter. Fischart
groszm. 551
Sch. Tscherning 113
nennt Opitzen der poeten könig.
unter alpensteigern heiszt der kühnste oder erfahrenste steiger der alpenkönig.
ähnlich ferner: er (
der prinz, in der gesellschaft zu Venedig) war .. der könig und der abgott aller cirkel. Schiller 735
a; stehen nicht Amors tempel offen? wallet nicht zu dem schönen die welt? da ist das fürchten! da ist das hoffen! könig ist hier wer den augen gefallt. 497
a. II@10@cc)
doch auch niedriger. folgendes ist wie aus der verkehrten welt: da sitzt das abenteur mit weiten ärmeln da, der könig hasenfusz! Göthe 7, 42.
einen der viele warzen hat nennt man thür. einen warzenkönig,
fem. warzenkönigin.
selbst ein hund kommt zu der ehre, bei Gökingk,
der seinen hund preist: du könig aller hunde! 3, 117 (127). II@1111)
ebenso dann von dingen. II@11@aa)
im anschlusz an das vorige: die sonne, das aug der welt, der könig der planeten.
Simpl. 1713 3, 10; könig der tage, du herrliches licht. Logau 3, 213, '
an dem tauftage eines jungen prinzen'; aller wasser (
flüsse) könig der Rhein, die Donau soll seine gemahlin sein. Simrock
spr. 8449; der könig des gebirgs,
der höchste oder hervortretendste berg; wir aszen zu mittage mit ihm in Merseburg und tranken gewaltig viel Merseburger. Klopstock nennt es den könig unter den bieren. Hölty
s. xxxviii; der diamant, der könig der edelsteine; mit welcher andacht sah ich zum ersten mal in meinem leben ... den könig der metalle (
silber) in zarten blättchen zwischen den spalten des gesteins. Novalis (1837) 1, 123.
vgl. 14.
s. ebenso königin,
und krone. II@11@bb)
aber auch aus andern, zum theil dunkeln gründen. könig
nennt man z. b. auf dem lande in Sachsen den büschel halme, den die schnitter beim anfang stehn lassen und wie zu einer puppe zusammenbinden ( Adelung),
besonders letzteres sieht sehr alterthümlich aus, es ist eigentlich ein opfer an die gottheit (
myth. 140. 231).
im Osterlande heiszt ein kleines, mit einem kreuze bezeichnetes brot, das man von jedem back zuletzt iszt, der könig (Bech).
in einer gerichtlichen anzeige der weimar. zeitung 1832 (2.
mai)
wird unter '
zubehörungen'
eines pflugs ein vorstecker oder sog. könig
aufgeführt, der fortstecknagel. obscön der rote könig,
penis, glans penis, schon mhd. wb. 1, 913
b. II@1212)
im spiele. II@12@aa)
der könig
im schach, das ja seinen namen davon hat, mhd. MS. 2, 146
b. Bon. 16, 46.
myst. 1, 164.
Parz. 408, 29;
der könig
unter den kegeln, der auch eine art krone hat. II@12@bb)
in der karte, kartenkönig, eichelkönig, schellenkönig, herzkönig, laubkönig: si wolt das ich künig wär in ainer newen karten.
Hätzl. 64
b; die fasnacht warstu könig der schellen. Weller
30jähr. kr. 119,
zugleich narrenkönig, vom winterkönig Friedrich von der Pfalz; das spiel (
lomber) hört plötzlich auf, dasz durch des schicksals schlag der könig und der sclav vermischt zusammen lag. Zachariä
renomm. 5, 10. II@12@cc)
das kartenspiel heiszt danach scherzhaft biblisch das buch der könige (
engl. the book of the four kings): wann es im mit eim buch der könig nicht wolt glücken.
Garg. 164
a (304),
vgl. die schöne evangeli von holz 171
b (314)
vom bretspiele; im buch der vier könige blättern,
karte spielen. v. Birken
Sylvia 32; ihr breviarium war das buch der vier könige.
Hazard 272; auch hier und da ein spielchen karten, schalkhaft genannt das buch der könige. Voss 6, 140.
[] II@1313)
in der thierwelt. II@13@aa)
der löwe heiszt könig der thiere (
bei uns wars aber einst der bär, s. Grimm
Reinh. fuchs xlvii
ff., vom eselkönig s. liii. ccxv),
auch könig des waldes, der wüste,
der adler könig der vögel, der lüfte.
aber auch der hahn ist könig auf seinem miste Simrock
spr. 4210,
bei Fischart
ein spiel 'unser han der könig, der streit ist gewonnen'
Garg. 168
a (
Sch. 309
a); wie im reich der lüfte könig ist der weih. Schiller 532
a. II@13@bb)
das war aber einst ernster gemeint als jetzt, denn man übertrug die volle menschliche lebensform in dichterisch kindlicher anschauung ganz ernstlich auf die thierwelt (
vgl. Reinh. fuchs xliii): si (
die thiere) kiesent künege unde reht, si setzent hêrren unde kneht. Walther 9, 6; diu tier zesamne kâmen und wolten einen künic weln
u. s. w. Marner
MS. 2, 172
b.
MSH. 2, 245
a.
zwar sind dabei antike einflüsse thätig, wie z. b. die auch bei uns oft erzählte fabel von den fröschen, die einen könig haben wollten, zeigt (Boner 25
u. a., Behaim
Wiener 283),
die auf Aesop und weiter zurückgeht (
s. die nachweisungen von Kurz
zu Waldis Es. 1, 17).
ward doch der gedanke selbst auf die pflanzenwelt übertragen, z. b. bei Freidank 77, 12,
der von halmen
spricht, die ein herren welnt,
was schwerlich aus volksgedanken geschöpft ist, vgl. im alten test. die königswahl der bäume richter 9, 8
ff. dennoch wird der gedanke auch bei uns alteinheimisch sein, wie er sich bei andern findet. II@13@cc)
in sagen und märchen und im volksaberglauben erscheinen noch könige
von gewürm und ungeziefer, die als beweis dafür gelten können, denn in solchen entlegenen oder in mehr nächtlichen dingen hält sich alter glaube am längsten. so der glaube von einem könig,
einer königin der schlangen,
die auch eine krone tragen, Grimms
myth. 650. 651, otterkönig 655, mullkönig,
molchkönig Seifart
sagen aus Hildesheim 1, 77. 200,
vgl. das gr. βασιλίσκος,
basilisk, eig. kleiner könig, im voc. th. 1482 r 7
b kunig aller vergiften wurme
glossiert, vgl. königlein 3.
ferner könig der filzläuse Nemnich
cath. 4, 891, läusekönig
dess. wb. 350, rattenkönig (
Garg. 218
a), ameiskung
formicaleon voc. opt. 39, 28 (Fromm. 3, 121), künic der mücken Grimm
Reinh. fuchs xliii, Walther 8, 10, fliegenkönig, hummelkönig. II@13@dd)
so besonders bienenkönig (1, 1819): der könig des imenschwarms, der die binen ausz und ein füret. Fischart
bien. 44
a (
er nennt ihn auch honigkönig
ged. 3, 312
Kurz, kloster 10, 1039); man sol auch die bienstöck reinigen und die untügliche könige tödten. Colerus
calend. 11; oben machen sie allzeit an den ecken des rohstes sonderliche .. heuslin von wachs, darinnen ihr könig gleich als in einem schlosse empor sitzet und wohnet.
ders. hausb. 401 (
Frkf. 1640); ein könig doch erwölen die stolze bürgerschaft (
staat). wie der dan thut befehlen, verwirkens ihren saft. all ämpter er ertheilet, gibt alles weislich an, gleich niemand sich verweilet, seind ihm ganz unterthan. Spee
trutzn. 133.
bei Megenberg 288, 29
u. ö. heiszt er sogar der kaiser,
jetzt königin,
seitdem sein weibl. geschlecht erkannt wurde; aber bienenkönig
noch Stieler 1009, Steinbach 1, 912,
und das männliche geschlecht war auch angenommen in weisel,
mhd. wîsel,
nd. wîser,
ahd. wîso,
dux. in einem nd. bienensegen Pf.
Germ. 1, 109
wird der weiset kün, kün, kün!
gerufen, wäre das gar noch das oben (I,
d)
vermutete kuni
könig? wie man den bienen volles menschliches bewusztsein beilegen konnte, begreifen selbst wir noch vollkommen, auch bei den ameisen. II@13@ee)
aber auch die vögel sah man so an, traute man ihnen doch einst auch bei uns höheres wissen vom willen der götter zu. so hatten sie denn auch künige,
vom adler als solchem s. Reinh. fuchs xliv (
die lerche als küniginne
das. s. 300. 370).
und noch hat gerade der kleinste, der zaunkönig
seinen namen daher: das ist der könig der vögel, sagte der wolf, vor dem müssen wir uns neigen.
kinderm. nr. 102 (
aus Hessen).
die sage, wie er durch list den adler um das königthum betrogen habe beim wettfliegen, ist noch jetzt bei uns unterm volke ziemlich verbreitet, s. Mones
anz. 4, 312, Schambach
nieders. sagen s. 319, Keisersberg
unter königlein 2, Uhland
schriften 3, 83
ff. ('
den königsnamen veranlaszte wahrscheinlich der goldfarbene reif um den kopf des schmucken sommerzaunkönigs')
; aber sie reicht weit zurück, denn schon bei Plinius hist. n. 10, 74
macht er gegen den adler ansprüche [] als rex avium
und Aristoteles weisz von seinem streit mit dem adler (
καὶ τροχίλος ἀετῷ πολέμιος),
wie er denn lat. gr. regulus,
βασιλεύς,
βασιλίσκος,
eine art mit einer kuppe, haube τύραννος heiszt, auch ahd. kurzweg kuning
pitrisculus Graff 4, 444. Mones
anz. 4, 462
a,
im 15.
jh. konik, zunekonnik,
mnd. netelkonning,
nesselkönig, winterkoninc,
s. Dief. 413
c,
auch schneekönig, dornkönig, mäusekönig, meisenkönig,
tir. pfutschkünig,
dän. gjerdekonge
heckenkönig, franz. auch roi Bertaud,
könig Berthold, was recht deutlich wie aus der germ. thiersage stammend klingt. vgl. königlein.
auch kurz der könig: das meislin gab darzu sin schal (
in dem waldconcert), das rotbrüstlin mit stimm subtil, der kung sang auch darzu mit il. Lenz
Schwabenkrieg 2
a.
auszerdem meisenkönig,
die sumpfmeise, sommerkönig
oder sommerzaunkönig,
das goldhähnchen, motacilla regulus, rex, senator, regulus cristatus, haubenkönig,
die haube als krone gedacht (
jener gr. τύραννος?).
ferner der '
ungekrönte zaunkönig',
der bachkönig Nemnich
wb. 38, graskönig,
grasmücke, grasmuckenkönig
Garg. 109
a, muschelkönig, geierkönig,
endlich der wachtelkönig, 'der wachteln könig' Denzler,
die ralle, auch franz. roi des cailles,
it. re delle quaglie,
ebenso port., span., nl., dän., weil er mit den wachteln ankommt und abzieht, er soll ihr führer auf dem zuge sein. II@13@ff)
endlich auch anderwärts in der natur. so gibt es einen heringskönig,
der die heringe auf ihrem zuge führen soll; Alberus
dict. q 3
b erwähnt einen margarus,
piscis genus, die folgen irem öbersten nach, wann ir künig gefangen ist, so seind die andern guot zu fangen (
wie man zum wachtelfange wirklich einen eingesperrten wachtelkönig braucht), werden eingesalzen
u. s. w.; s. auch karpfenkönig, hechtkönig.
merkwürdig ist rosenkönig,
kleinere rose die aus einer andern rose herausgewachsen ist. wiesenkönigin
eine pflanze. II@1414)
in der alchymie. II@14@aa)
da hiesz könig
das gold schlechthin, könig der könige
der stein der weisen: den könig suchen, den geist, den lapidem philosophorum.
Garg. 186
b (
Sch. 344). II@14@bb)
besonders aber metallkönig,
regulus, das durch schmelzen gewonnene reine metall im tiegel, und das hat sich im hüttenwesen und der chemie erhalten: solche scheiben oder kuchen sampt dem könig, den man zu letzt ausschepft, heiszet man hüttenwerk oder werksilber. Mathesius
Sar. 149
a; dann kere die gieszbuckel um und stosz sie auf einen stein, so fällt das spieszglas mit sampt dem könig (
gold), der sich unten gesatzt hat und graugelb sicht, heraus. L. Erker 87
b; das kupfer aber in blei zu transmutiern, ist sein process also, nemlich dasz du das kupfer erstlich mit dem mercurio sublimato und arsenico fixo zu einem alb machest, ganz weisz ... letstlich zu einem könig geschmelzet, so gibts einen rechten bleikönig. Paracelsus 1, 901
c.
so goldkönig, silberkönig, kobaltkönig, bleikönig, eisenkönig, arsenikkönig, antimonkönig
u. a., vgl. königin 5, königssilber, königskupfer.
bildlich noch bei Schiller: liebe, mein Raphael, ist das wuchernde arkan (
geheimmittel, arcanum), den entadelten könig des goldes aus dem unscheinbaren kalke wieder herzustellen. 756
b. II@14@cc)
genauer hiesz der gewonnene klumpen so: also setzt sich das metall an einem könig zu grund des tigels. Paracelsus 1590 6, 317; es haben auch vor jaren fürneme probirer die erz, welche sie aufs silber probiren wöllen, nach dem centengewicht abgewegen, mit dem bleiglas vermengt und in einen tiegel gethan, mit salz bedeckt und für dem gebläs zu einem künig geschmelzt. L. Erker 16
b; die schlacken, so von obenstehenden schwarzen königen kommen .. zerklopft man klein .. und schmelzts nachmals durch einen schmelzofen, zeucht die schlacken wider davon ab im vortiegel und macht daraus rote könig. 105
a,
die schwarzen könige
sind silberhaltig unrein kupfer,
die roten könige
reines kupfer. noch jetzt heiszen im hütten- und münzwesen grosze stücke geschmelzten silbers könige.