klecken ,
zeitwort zu kleck, klack,
in mehrfacher bed. 11)
findi, findere, zu klack 1, kleck 1. 1@aa)
selten trans., bersten machen: klecken,
findere. Dief. 236
a aus dem voc. th. 1482 (
wo?)
; ahd. in ziklekit ward,
vom zerrissenen tempelvorhang Otfried IV, 33, 37,
vgl. 'kiclechit
quassata' Graff 4, 553 (=
franz. cassé,
s. Haupt 5, 237);
unsicher ob tr. oder intr., gekleckt, kleckt,
gespalten. Maaler 164
d. 245
a, Henisch 1450. 1@bb)
gewöhnlich intr. platzen, sich spalten, reiszen, aufbrechen: mhd. zerklecken
wb. 1, 832
a, klecken: (
schlechte ziegel) tuond nebend zwai kleken und allen (
ganz, Schm. 1, 42) zerspringen so der regen darin tuot dringen.
teufels netz 11160 (
var. schnellen, zerkreken, zerschrecken).
nhd. klecken, kläck oder spält gewünnen Maaler 245
a,
bildl. von verbunst klecken
das., vor neid bersten; da haben sie dünne hirnschalen, und ist sorg das sie gerissen oder gekleckt sei. Braunschweig
chir. 6,
vgl.kleckbruch, kleckung; (
ihr thut) wie ein fuler holzschiter, der allein die wecken (
keile) steckt, schlacht nit daruf, das (dasz's) holz nit kleckt. Uz Eckstein
in Scheibles kl. 8, 877; klecken
rimas agere noch Stieler 974, Placardi 94 (
s. klebe).
es ist noch schweiz. Fromm. 2, 371
a,
fränk., rhein. Schmeller 2, 352 (
auch klicken,
s. d.).
unklar, ob diesz klecken
gemeint sei, ist mir folg.: es wolte ihm nicht schmecken, dasz man schlug dapfer drauf, dasz ihnen möchten klecken dfsz bisz ins herz hinauf.
das Gustav-Adolfs-lied von 1633,
h. v. Maltzahn
str. 12. 22)
Tönend schlagen, auffallen, klappen, klopfen, kläpfen: stechen mit helbart und spieszen, mit bichsen grausam schieszen, es war da ein wildes klecken (
s.kläpfen 2,
a), si stuonden wie die recken. Soltau 1, 200; als wenn im herbst die hagelstein aus den wolken fallen herein und auf die schindeltecher klecken. Rollenhagen
froschm. 2, 4, 2. Hh 2
b (5
b). umklecken,
mit dem wagen umwerfen oder umgeworfen werden. Bernd
Posen 329,
s. klacken 5.
bair. mit der peitsche knallen Schm. 2, 352,
auch klicken,
s.klacken 2.
auch mhd. musz zu klac
knall, krach klecken
bestanden haben, schon das ahd. kiclechit
u. 1,
a kann auch zerschlagen, zerklopft sein. es stammt davon das it. schiacciare
knacken, quetschen (
s. Diez 432
und sp. 892
unten),
das allein noch höheres alter verbürgt. 33)
Zu kleck
und klack
fleck, einen kleck, kleckse anwerfen, machen u. dgl., sowol intrans. als trans. nach umständen. 3@aa)
trans., klecke werfen, mit einem '
kleckenden'
schalle (
s.kleck 2,
a. c).
so in mhd. zeit bei Jeroschin,
md.; er erzählt wie eine frau einen mann, der ihr gewalt anthun will, im angstkampfe mit schlamm erstickt: unde schucte (
stopfte) vaste des mottes (
schlamm) dem vorscherten tôrn in munt, in nase und in ôrn und ûf (in?) sô lange klekte, unz si in gar vorstekte (
erstickte). 14781, Pfeiffer
s. 67.
mit acc. des objects, als kleck hinwerfen: manch speise sie (
statt zu essen) den schweinen kleckt, was ir geliebet, fein versteckt. Ringwald
l. w. 316 (verschütt 317); einem fett auf ein kleid klecken Stieler 974; kläcken
luti vel materiae maceratae portiones unam super alteram conjicere. Frisch 1, 517
c (ä
wegen klack,
es wird aber mit hohem e
gesprochen)
; conglutinare zusamen klecken Dief. 142
b,
wie der maurer mörtel oder lehm. 3@bb)
intr., die feder kleckt,
macht kleckse Stieler 973,
aber auch das papier kleckt,
perfluit, transmittit. das., macht flecke (
vgl. klackpapier).
ein von regen triefender kleckt,
läszt tropfen '
hinklecken' (
s. 2),
daher kleckenasz,
triefend nasz, sächs. (
s. dazu unter klatschnasz). 3@cc)
als verächtliches kraftwort für schreiben, eig. dintenkleckse machen (
s. z. b. Hoffmannswaldau
unter kleck 2,
a, vgl. dintenklecker): darum haben sie solchs auch in manche legenden, exempel und bücher gekleckt und geflickt, das sie ja gute tage und guts gnug haben. Luther 2, 448
b (1555 444
b); da man .. alle bücher vol gekleckt hat solcher lügenhaftigen zeichen. 5, 454
a; bücher klecken
Petr. 42
a; das schöppebuch habt ihr zu eurem eigenen nutz gemacht und hinein gekleckt was euch selber gefallen hat. A. Gryphius
verl. gespenst s. 102; da man den namen (
des h. Nicasius) denselben tag, die mäuse zu vertreiben, an die thüren klecket. Ettner
med. maulaffe 537; bevor ich inne ward, dasz unser wichtiger (
griech.) historicus in der bauernsprache redete, kleckte ich in der eil .. einige vermeintliche emendationes auf den rand ... in diesem jagen und peitschen (
des lesens) kleckte ich wie gesaget einige unreife sudeleien an den rand. Reiske
bei Lessing 13, 448. 3@dd)
ähnlich von der sudelei eines schlechten malers, eines kleckers, farbenklecksers: wann die jugend in den schulen .. auf ihr papier männlein, thiere ..
u. dgl. sudlet, und auch wol mit farben zu klecken begierig ist, nehmen hiervon die eltern ursach zu sagen: mein kind kan und soll mir ein maler werden! Sandrart
academie 1675 3, 58; bald sind zwei puncte nur zur nase hin geklecket (
als bart). Wiedemann
jan. 10; die farben sind mehr unter einander gekleckt als vertrieben. Lessing 3, 232
bildlich von einem dichtwerke; meine gemählde sind alle noch ohne styl, sehr wild und nachlässig auf einander gekleckt. Lenz
in Mercks briefs. 2, 52
ebenso. 3@ee)
auch folgende wortspielende redensart wird diesz klecken
enthalten; Pickelhering sagt zu seiner abgehenden mutter: herze stiefmutter, kleckt hin, leckt wieder her. Chr. Weise
überfi ged. (1701) 219,
triumph. keuschheit 2.
handl. 3@ff)
dazu abklecken, anklecken, aufklecken, ausklecken (die feder,
excutere Stieler 974), beklecken, verklecken;
s. auch kleckern, klecksen,
und klacken 4. 44)
In einer von den vorigen gänzlich verschiednen bed., klecken
genügen, ausreichen, aber auch wirksam sein, helfen, gelingen u. ä.; schon mhd. klecken (
praet. klacte),
s. wb. 1, 831
b,
und ahd. (
s. am ende). 4@aa)
wirken, eine gewünschte wirkung thun, dann nützen, helfen. mit exten, hawen und beiheln wurden alle schlosz geöffnet, wo die nit kleckten, so macht man stoszzeug. Meisterlin
Nürnb. chron. (
städtechr. 3) 143; kein arznei will an mir klecken. H. Sachs 3, 2, 39
c; das es nit klecket als umb ein har.
fastn. sp. 85, 16; wann ich sie (
die kappe) ansihe so dürst mich .. ich hab wol gehört dasz etliche irer bulschaft kleidung fürs bett .. hingen, ire augen und gedanken damit zu erwecken, was meint ir erst dasz die kap mag klecken (
um durst zu erwecken)
? Garg. 240
b (452
Sch.),
rede des mönchs Onkapaunt; denn weil sie wol gemerkt, dasz marter nicht kann klecken, den frommen abzuführen von wahrer glaubensbahn. J.
V. Andreae
glaubenstriumph 13; kein prügel, kein stecken will gegen ihn (
Pappenheim) klecken.
Fadingerlied (1626),
hist.-pol. bl. 33, 964.
noch bei Adelung '
die absicht merklich befördern', das kleckt nicht viel,
hilft nicht viel, das kleckt,
bringt viel ein. 'so hast du keine wünschelruten angewandt?' sie kleckten nicht, sie senken nach metall sich blosz. Platen 253.
nd. klicken
so, dat klicket nig vêl,
trägt wenig bei. brem. wb. 2, 784.
also deutlich nicht blosz '
genügen'
wie es jetzt am bekanntesten, vielen allein bekannt ist. 4@bb)
die bed. helfen, nützen wird besonders bezeugt durch die verbindung mit dat. der person, und zusätze wie nichts, wenig: do gab ich ir ein würst mit eim part, da sprachs 'die würst mir nichts nit cleckt'.
fastn. sp. 1013, 33; do plies si mir ein staub under die augen (
d. i. ins gesicht), das mir kaum klegkt ein kübel vol laugen (
zum waschen). 331, 13,
zugleich ausreichen, wiewol mirs wenig kleckt, so ist doch besser haben ichts, denn gieng ich lär, hett alles (
omnino) nichts. Waldis
Es. 2, 73, 26.
auch mit acc., wie helfen, nützen
früher auch und landsch., auch oberd. noch (
s. auch unter klicken): all mein abwehren (
kämpfe, gegen die leidenschaft) mich nicht klecken, mich will kein höll noch teufl abschrecken. Ayrer 262
b (1311, 24). 4@cc)
weit genug reichen mit seiner wirkung, kraft, dauer, grösze, länge u. ä., eig. aushalten bis zum ziele: hor, jud, die antwort tut gleich klecken, als der sich mit hosen wolt decken.
fastn. sp. 30, 2,
passt wie die faust aufs auge, reicht aus wie eine hose zur bettdecke; von sulzen auch ain hundert schüssel, das klecket kaum in unser drüssel (
schlund). 787, 18; ich bin die nacht heint schier erdürst, und wo nicht end nemen die würst, die fasnacht sambt den rotsecken, wird mir mein kopf int leng nit klecken (
es aushalten). H. Sachs 3 (1588), 3, 40
b; die wägen sah ich vor mir stehn so gar in einander gesteckt, ja wol der platz mit nichten kleckt. Schmelzl
lobspr. 89; will halten was mir die (
regel) auflegt, so lang und weil mein leben kleckt. J. Ayrer 3
b (
trag. v. Rom); und so es (
das schwören) bis an die elnbogen nicht klecken wolte. Ayrer
proc. 1, 11
eig. wol von einem ärmel, als kräftiges bild des unzureichenden; das pferd durch sporen angetrieben kleckete ihm (
dem reiter) kaum zu laufen. Schuppius 693 (
kunst reich zu werden),
lief ihm kaum rasch genug. 4@dd)
ausreichen, genug sein zu einem bestimmten zwecke, bes. von geld und mit zahlen, der uns jetzt geläufige gebrauch; gleichfalls mit dat. und nichts (
s. Schoch),
wie unter b: dem adel wil nit klecken sin gült (
einkünfte), als etwan was (
wie sonst). Uhlands
volksl. 372; einer wolt verarmen und sein guot nit klecken, zuo dem sagt er 'halt dich sparlich'. S.
Frank chronica 106
b; die welt ist uberaus kostlich geworden, da wil nicht (
nichts) mehr klecken, alle ding steigt aufs höchst.
ders. trunkenheit 1531 F 2
a (g 1
a); da etwan bisz in die hundert (
schiffe) der breite nach uber zu schlagen nicht klecken oder gnug sind. Fronsperger
kriegsb. 1, 78
b; und nicht so viel geld hinder ihm verliesz, dasz sein töchtern zum heiratgut geklecket hett. Lacius
bei Fronsp. 3, 276
a; hat er tausend gulden ein jar einkummens, es kleckt nit fürwar das er sich brecht ein jar mit hin. H. Sachs 3, 3, 71
b; das geld wird nit lang klecken. 5, 343
d; der die species morbi gallici solte beschreiben, dem möchte nit klecken hundert risz papir. Paracelsus
chir. schr. 138
a; disz einig beispil solte kläkken, die geizhäls eilend abzuschrökken. Rompler 22; der wechsel ist nicht höher als fünfhundert reichsthaler ... 'wie weit wird das biszgen reichen? das wird nichts klecken'. Schoch
studentenl. C 1
b; in summa 400 fl. klecken für diese mistfinken zu kleiden nicht. Abr. a S. Clara 1, 196; deine finger klecken nit für die zahl deiner kläider (
sie daran zu zählen).
Judas der erzschelm 2, 57; wan das alraunel alle tag ein ducaten scheiszet, so kleckets nit! Schwabe
tintenfäszl A 4
b; aber das klecket just von 11 bis aufn mittag. A 7
a; sie bot mir wol etwas an, aber das kleckte nicht.
d. arme mann im Togg. 61; der zeug hat nicht gekleckt (
zum kleide), es waren ihrer hundert wenn es nur kleckt (
aufs wenigste). Adelung.
Es wird gegen die neuere zeit hin sichtbar seltener, hat jetzt den klang eines mehr gemeinen worts (
nur erklecklich
ist noch beliebt, aber mehr scherzhaft),
und ist auch unterm volke hier und da, z. b. in Sachsen, Thüringen, im vergehen; schon Frisch 1, 521
a behandelt es als ein altes wort, das nur an einigen orten noch im reden gebräuchlich sei. es wird angegeben als schweiz. (
eigen auch chlenka Tobler 108
a),
fränk., schwäb., bair., östr., mit dat., das geld klecket mir nicht Höfer 2, 139.
nd. klicken,
das doch auch hd. sich findet (
s. dort),
wie klecken
nd.: men meinet und besorget ock, dat in Flandern, Sehe- und Fresland 60 edder 70 nicht klecken werden (
von untergegangenen ortschaften). Neocorus
ditm. chr. 2, 270.
auch nl. klikken,
dän. kläkke,
schwed. kläkka,
schon altschw. Rietz 331
b,
aber doch nur entlehnt, wie z. b. das adj. erkläkkelig,
zureichend, sehen läszt. 4@ee)
spurweise aber in noch andrer bed., gelingen, glücken, gut von statten gehn: dein vorhaben mag gar nicht klecken, sollst gleich dein ganze macht dran strecken. Opel
u. Cohn
der dreiszigj. krieg s. 53, 111; eben das will ich behandeln, und ich denk es soll mir klecken. Göthe 5, 215 (
divan, schenkenb.); ich bin ein halber doctor. da es aber mit meinen recepten nicht recht klecken wollte, verfiel ich .. Immermann
Münchh. 2, 130 (238),
fast gleich flecken,
wie im folg.; 'fort (
nach Californien), dasz es kleckt!' Freiligrath
neuere pol. u. soc. ged. 2, 25.
die bed. gelingen wird auch bezeugt durch die landsch. hd. umdeutung in glücken,
z. b. in Coburg, s. Fromm. 6, 271. 389;
ähnlich tritt schweiz. chlenka
klecken in glänga, glanga (
langen)
über, oder umgekehrt, s. Tobler 108
a. 222
b. 4@ff)
landsch. selbst mit persönlichem subj., östr.: ich kann nicht klecken mit dem gelde,
reichen, langen; sogar du wirst nicht mehr klecken können zum gottesdienst,
nicht mehr bis hin kommen, zur rechten zeit dort sein. Höfer 2, 139. 4@gg)
und das wieder mit einem neuen begriffe, gleich kommen Loritza 74
b,
es einem gleich thun: wenn du so gschneall gehst, ku e de nit klecke. Frommann 6, 271, kann ich dir nicht klecken.
ähnlich oder gleich erklecken gegen einen (
in vergleich mit ihm) Spee
oben 3, 877,
und schon mhd. klecken wider: sô vil suoʒer er smacte (
duftete), daʒ dâ wider unhôhe klacte aller edelen würze smac.
Servat. 2220,
dasz alle wolgerüche dagegen wenig (
d. h. nicht)
aufkommen könnten, dahinter zurück blieben. 4@hh)
über die entstehung eine vermutung. als die ältest bezeugte bed. erscheint '
von statten gehn',
gelingen, bei Otfried V, 7, 51;
Maria Magdalena, die den heiland im garten vergeblich sucht, klagt: ni klekent mir zi heiti thiô liebûn arabeiti,
die lieben bemühungen gelingen mir nicht nach wunsche, kommen nicht zum ziele. als grundbegriff erscheint eben das gelangen bis zu einem ziele, recht sinnlich noch von den hosen als bettdecke unter c, vom ärmel im verhältnis zum elbogen. welch näheres bild aber hatten dafür unsere alten als das treffen zum ziele beim ruhigen übenden schieszen? so kann wol klecken
da seinen ursprung haben, wie klappen
glücken nachweislich (
s. sp. 964),
ausgegangen von der bed. 2,
wie bei klappen.
der wurfspeer, der nicht zum ziele kommt, '
kleckt' (
klappt)
dort nicht, der schusz aber reicht nicht aus ('
langt'
nicht bis hin),
gelingt nicht, nützt nichts, alle diese drei bed. von klecken
sind darin von selbst enthalten; auch die unter g erklärt sich nun leicht aus dem schieszen um die wette.