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fluchen

nhd. bis spez. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
17 in 15 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

fluchen

Bd. 3, Sp. 1828
fluchen , maledicere, imprecari, ein wort, dessen form noch nicht gehörig auseinander gesetzt ist. zwar herscht schon ahd. die schwache vor fluochôn fluochôta, und mhd. nhd. gilt keine andere, vluochen vluochete, fluchen fluchte. allein ahd. lehren die participia erfluahhan, farfluahhan malignus, maledictus (Graff 3, 760), dasz ein starkes fluochan bestand, dessen praet. nicht anders als flîah, flîeh gelautet haben kann. desgleichen läszt das alts. farflôcan maledictus Hel. 135, 7 zurückschlieszen auf flôkan flêk, eben in der formel farfluochan, farflôcan maledictus hatte sich die ursprüngliche wortgestalt statt des späteren farfluochôt, farflôcôd bewahrt. nun ist auch nnl. vloeken vloekte vorgedrungen, doch begegnet mnl. das wichtige vliec: si vliec haer selven ende den vader mede. Willems belg. mus. 10, 53. warum sollte nicht auch irgendwo ein mhd. vluochen vliech auftauchen? das alts. flôcan, flêk, giflôcan steht auf gleicher reihe mit gibruocan Hel. 167, 15 flexus, welchem part. wiederum ein bruocan oder brôkan brêk unterliegen musz, das von brëcan brac gibrocan absteht, obgleich ihm verwandt ist. mhd. lesen wir [] mîn hërze muoʒ ich brouchen ( : bouchen) in iuwer aller rât. Mar. 173, 33; ich brouche mîniu chnie zuo gote. Kelle spec. s. 164 und noch anderwärts erscheint dies brouchen (mhd. wb. 1, 265a), es liegt auf der hand, dasz es für bruochen eingetreten und dem fluochen analog sei. allerdings ist das alts. ô zweideutig und bald dem ahd. ou, bald dem uo gleich, doch steht hier gerade gibruocan und nicht gibrôcan. dem grammatischen gesetz gemäsz müssen sowol flêk als brêk (ahd. flîah, prîah) für verengung gothischer reduplicationen faiflôk und baibrôk gelten. kein baibrôk begegnet bei Ulfilas, wol aber Luc. 8, 52 gaigrôtun jah faiflôkun und man hat das letzte wie gaigrôt aus grêtan aus flêkan abgeleitet. richtiger scheint aber flôkan anzusetzen auf den fusz von hvôpan hvaihvôp und anzuerkennen, dasz die goth. reduplicierenden verba sowol das ai und au als ê und ô im part. praet. behalten. ohne den laut ô bliebe die ganze entfaltung in der that unvollständig. faiflôkun, in der angezognen einzigen stelle, drückt aber plangebant, ἐκόπτοντο aus, nicht maledicebant, und zu plangere, πλήσσειν stimmt das lautverschobne flôkan genau, plangere ist = plâgere, selbst das lat. â, gr. η verhält sich der gebühr nach zum goth. ô, ahd. uo. den bündigen einklang der formen plangere, flôkan, fluochan kann niemand verkennen, wie soll nun die bedeutung des fluchens aus der von plangere entwickelt werden? plangere, πλήσσειν ist eigentlich schlagen, stoszen und πληγείς, der geschlagene, der verschlagene, verstoszene wäre der verdammte, verfluchte, κατάρατος. verdammen geht unmittelbar über in verwünschen, wie goth. vargjan, alts. waragian damnare in ags. vergian maledicere, exsecrare. se verega gâst, malignus spiritus ist jener farfluachan. unserm flehen steht fluochen fern, jenes hat h, dieses ch, und flehen ist, wie sp. 1749 angesetzt wurde, das goth. þlaihan, þaiþlaih, was von flôkan, faiflôk ganz abweicht. sonst liesze sich die bedeutung flehen, precari mit der von fluchen imprecari vereinbaren, da auch wünschen ein bitten, verwünschen ein fluchen ist. das goth. faiflôk und þaiþlaih stehn von einander, ahd. könnte für beide flîah gelten. nicht unmöglich wäre auch berührung mit dem altsl. kljati exsecrari, böhm. kleti, poln. klć, wovon kljatva exsecratio, böhm. klatba, poln. kltwa, und das nasalemahnt an plangere, vgl.flecken und klecken sp. 1744. das heutige fluchen hat nun 11) gewöhnlich den dat. der person bei sich, maledicere alicui: mhd. si begunden alle vluochen dëm sëlbem spilman. Nib. 1954, 2; swër dir fluoche, dër sî verfluochet. Walth. 11, 14; dër Wunsch vluochet im sô. Iw. 7066; gevluochet wart dëm tage. Wolfr. lieder 8, 22; verflucht sei wer dir flucht, gesegnet sei wer dich segnet. 1 Mos. 27, 29; wer vater und mutter flucht, der sol des tods sterben. 2 Mos. 21, 17; den göttern soltu nicht fluchen. 22, 28; du solt dem tauben nicht fluchen. 3 Mos. 19, 14; welcher seinem gott fluchet, der soll seine sünde tragen. 24, 15; sihe, ein volk ist aus Egypten gezogen und bedeckt das angesicht der erden, so kom nu und fluch im. 4 Mos. 22, 11; lieber kom und fluche mir diesem volk. 22, 17; ich hab dich holen lassen zu fluchen meinen feinden. 23, 11; ich sahe einen tollen eingewurzelt und ich fluchet plötzlich seinem hause. Hiob 5, 3; segenet die euch fluchen (goth. þiuþjaiþ þans vrikandans izvis, ahd. tuot thên wola thie iuwih haʒʒônt). Matth. 5, 44; wer vater und mutter fluchet, der sol sterben (ahd. dêdar fluochôt sînemo fater inti muoter, dôde arstërbê). Matth. 15, 10; wer vater oder mutter fluchet (goth. saei ubil qiþai attin seinamma aiþau aiþein seinai). Marc. 7, 10; da fluchten sie im (goth. þanuh lailôun imma). Joh. 9, 28; segenet die euch (vobis) fluchen (þiuþjaiþ þans vrikandans izvis). m. 12, 14; ich will dir fluchen und kann nicht. Messias 10, 142; wenn ich mit flammender rache dir fluchte. 10, 144; ein weib, das ihrem manne fluchet. Lessing 1, 86; auch fluche nicht der alten muhme, man musz ihr brummen, sich zum ruhme, mit stiller sanftmuth übergehn. die tochter ist ja schön. 1, 73; er fluchte den bauern die ihn geschlagen. Göthe 40, 29. 22) absolut, diras voces mittere, ohne casus: mhd. ouwê daʒ ich niht fluochen kan. Walth. 73, 26; der gieng eraus und fluchet. 2 Sam. 16, 5; geben gute wort, aber im herzen fluchen sie. ps. 62, 5; ir mund ist vol fluchens [] und bitterkeit. m. 3, 14; segenet und fluchet nicht (goth. þiuþjaid jah ni unþiuþjaiþ). 12, 14; er fluchet aus leibeskräften; Zeus wälzt im bette sich und fluchte mörderlich. Bürger 21b; ins weite feld hinein fluchen. Mestwert 101; fluchen und wünschen, das sich die sonne dafür entferben möcht. Friedrich saufteufel C 2a; er seufzt schon recht herzlich nach ihnen und flucht, dasz das haus einfallen möchte. Lessing 2, 410; fluchen und schweren, dasz es donneren möcht. Garg. 149a; dasz die balken krachen (vgl. 1, 1089), wie es auch umgekehrt beim heil wünschen heiszt: got des geve en jummer hêl, dat (= dat et) kraket. Wizlaw s. 45. 33) in, auf etwas, über etwas fluchen: die bibel flucht zwar drein. Günther 530; itzt spielt sie mit dem weiszen tuche, itzt jagt sie sich die mücken fort. sie niest, ach schönste, halt ich fluche, doch nicht auf dich, nur auf den ort. Rost im taschenb. für dichter 6, 117; das hör ich sechzig jahre wiederholen, ich fluche drauf, aber verstolen. Göthe 3, 112. selten steht in diesem sinn ein gen. der person: ob sie des wütrichs flucht und seinen tod doch hasset. Lessing 3, 348. 44) fluchen mit dem acc. der sache: sie fluchten donner und wetter. Wieland 4, 43; was flucht er seinen morgensegen durch die beschneiten wilden höhn? Göthe 1, 210; bei aller verschmähten liebe! beim höllischen elemente! ich wollt ich wüste was anders, dasz ichs fluchen könnte. 12, 144. alle zeichen fluchen, alle verwünschungen aussprechen. Stalder 2, 468; flucht alle zeichen, dasz der boden kracht. Hebel 44. einem arm und bein abfluchen. Serz 2; flucht dem teufel das link horn vom kopf. Garg. 232a (wie Grôa dem Thor den stein vom haupte segnet); flucht ihm die nase aus dem gesicht. Gotthelf schuldb. 27. s. verfluchen.
7286 Zeichen · 159 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Flūchen

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Flūchen , verb. reg. neutr. mit haben. 1) Mit Heftigkeit Böses anwünschen, mit der dritten Endung der Person. Verflucht …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    fluchen

    Goethe-Wörterbuch

    fluchen 1 verfluchen, verwünschen, auch: lästern; als verbaler Akt od zur Bezeichnung von Gesinnung, Gefühlen; gelegentl…

  3. modern
    Dialekt
    fluchenintr. v.

    Lothringisches Wb. · +4 Parallelbelege

    ElsWB PfWB RhWB fluche n [flûə n fast allg.; flouən Bo. D. Si. ] intr. v. fluchen: er hat ganz firchterlich geflucht. …

  4. Sprichwörter
    Fluchen

    Wander (Sprichwörter)

    Fluchen 1. Fluchen bringt kein Vatervnser zusammen. – Gruter, III, 38; Lehmann, II, 175, 26. 2. Fluchen hilft nichts, Be…

  5. Spezial
    fluchenv

    Dt.-Russ. phil. Termini · +4 Parallelbelege

    fluchen , v ругаться/выругаться , гл

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit fluchen

27 Bildungen · 2 Erstglied · 24 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von fluchen

flu + -chen

fluchen leitet sich vom Lemma flu ab mit Suffix -chen.

fluchen‑ als Erstglied (2 von 2)

fluchenswerth

DWB

fluchen·s·werth

fluchenswerth , exsecrandus: mög ihn gott verdammen den thäter dieser fluchenswerthen that. Schiller ...; es spreche welt und nachwelt meine…

fluchentlastet

DWB

fluch·entlastet

fluchentlastet , ab imprecatione liber: er war zu der erde erstem hüter erkoren, der fluchentlasteten erde. Messias 19, 1005 .

fluchen als Zweitglied (24 von 24)

ABFLUCHEN

DWB2

DWB2 ABFLUCHEN vb. DWB2 nur vereinzelt. jmdm. das herz abfluchen: DWB2 DWB2 1533/4 Turmair 4,1,532 ak. ebd. 4,1,551. DWB2 — anders bei Jean …

affluchen

MeckWB

aff·luchen

Wossidia affluchen abschwören, sich durch einen Schwur von einer Anklage entlasten: 'er kann sich davon abfluchen' Bri. 7, 79; 7, 81; 7, 83.

anfluchen

DWB

anfluchen , imprecari, böses anwünschen: sie ( die feinde ) pflegen mein ellend, pein und kreuz auch andern anzufluchen. Weckherlin 206 ; wo…

auffluchen

DWB

auf·fluchen

auffluchen , exsecrari, nnl. opvloeken: der fuhrmann fluchte laut auf; einem alle teufel auffluchen, auf den hals. Stieler 522 . vgl. DWB an…

Ausfluchen

Campe

aus·fluchen

Х Ausfluchen , v. I) trs. 1) Fluchend verwünschen. 2) Х Durch Fluchen aus einem Orte vertreiben. II) intrs. zu Ende fluchen und aufhören zu …

durchfluchen

DWB

durch·fluchen

durchfluchen , 1 1. untrennbar. mit fluchen erfüllen. der trunkene durchfluchte die ganze nacht. er hat den garten rings durchsucht, und aus…

einfluchen

DWB2

ein·fluchen

einfluchen vb. analogiebildung zu einsegnen vb.: ⟨1545⟩ daß er ( Satan ) auch itzt zwey nonnen hat eingesegnet oder eingeflucht Luther brw. …

herfluchen

DWB

herf·luchen

herfluchen , verb. : und habe noch zuletzt mehr teufel hergeflucht, als je ein adjutant von Dessaus heldenzucht. Zachariä 1, 182 .

herunterfluchen

GWB

herunter·fluchen

herunterfluchen Isegrim .. | Stand dadroben und .. fluchte grimmig herunter [ Reinke de Vos: vlOekede; Gottsched: fluchete ] GWB ReinF XI 75…

Hinwegfluchen

Campe

hinweg·fluchen

◬ Hinwegfluchen , v. trs . durch Flüche, Verwünschungen hinwegschaffen, hinwegzugehen nöthigen. »Sie predigen Liebe des Nächsten und fluchen…

losfluchen

GWB

los·fluchen

losfluchen ‘auf jdn l.’: ihn wütend beschimpfen; in Ersparnisfügung neben ‘losschelten’ GWB 31,208,14 ItR [ Zit s v losschelten ] Syn GWB lo…

nachfluchen

DWB

nach·fluchen

nachfluchen , verb. : einem nachfluchen, seine flüche nachsprechen; ihm flüche nachsenden: wer erneut ( den krieg ), dem fluche selber der s…

taufluchen

MeckWB

tauf·luchen

Wossidia taufluchen mit einem Schwur bekräftigen, versichern: he wull mi dat tofluchen un toswören Wa; Sta Stargard@Alt Strelitz AStrel . Gr…

verfluchen

DWB

ver·fluchen

verfluchen , verb. mit dem fluche, d. i. anwunsch alles üblen belegen; mhd. vervluochen, ahd. farfluohhôn (firflôchan, uerfluochon, uirulucc…

wegfluchen

DWB

weg·fluchen

wegfluchen , durch fluchen vertreiben: wenn die schmerzen kommen, so fluche ich sie weg Sturz 1, 25 ; er würde seinen guten engel von seiner…

Wiederfluchen

Campe

wieder·fluchen

Wiederfluchen , v. intrs . das Fluchen erwiedern. Ih fluche dir nicht wieder. D. Wiederfluchen .

zufluchen

DWB

zufluchen , v. : wil ich auch hinfurt mich mit den bösewichten zufluchen und zuschelten bis in meine gruben Luther 30, 3, 470 W.; etliche sp…

Zurückfluchen

Campe

zurueck·fluchen

Zurückfluchen , v. I) ntr . 1) Durch Fluchen, durch Flüche zurückschrecken, zurücktreiben. 2) Durch Fluchen zurückbringen. »Reite einer hin …

Zusammenfluchen

Campe

zusammen·fluchen

Х Zusammenfluchen , v. trs . durch Fluchen zusammenbringen, oder auch nur zusammen herbei wünschen. Er fluchte alle Teufel zusammen. D. Zusa…

Ableitungen von fluchen (1 von 1)

verfluchen

DWB

verfluchen , verb. mit dem fluche, d. i. anwunsch alles üblen belegen; mhd. vervluochen, ahd. farfluohhôn (firflôchan, uerfluochon, uirulucc…