Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
huot stM.
2 schützende Kopfbedeckung aus stabilem Material, ‘Helm’ , meist wohl spez. der ‘Eisenhut’ (häufig mit entsprechenden Ergänzungen; vgl. îsenhuot , stahelhuot u.ä.)
3 übertr. auf in Form oder Funktion Hüten bzw. Helmen ähnelnde Gegenstände
3.1 (schützender) Überwurf über ein Zelt
3.2 Hütchen eines Taschenspielers
3.3 helmartig gewölbter Deckel eines Destillierapparates (vgl. LexMA 3,735)
3.4 ‘Turmhelm’
1 Bez. für verschiedene, wohl vorwiegend hohe, feste und mit Krempe versehene, häufig repräsentative Kopfbedeckungen: einen roc von swarzem pfellel den sach man in tragen / und einen huot von zobele NibB 952,3; sie fuorte ûf einen huot / von vedern, wîz sam ein snê Eracl 3816; der huot was niwe, diu snuor niht alt Parz 313,12; in hoe gerindin muote, / truogins uf ir huote / daz sie nine virblichin Athis C* 72; wer sein mantel und sein hüt / nicht mit im auß fuert, / ist das in dann ruert / ain kalter wind und ain regen, / deß schaden muß er selben pflegen HvNstAp 3788; er zôch dur sîne hübescheit / den huot gezogenlichen abe KvWTroj 1777; Wig 1436; mantel, huͦt sint eren cleit den wiben JTit 4162,1; Neidh WL 24:5,2; Wig 8909; Herb 11414. – priesterliche Kopfbedeckung, Bischofshut: tiara: huͦt GlAnzfKdVz 7:590,54; mitra: capitis ornamentum id est huba, hvot SummHeinr 2:365,123 u.ö. – Kranz oder geflochtener Hut: ich möht einen loubînen huot / wol gewinnen inme Spehtshart Wh 377,24; von bluomen vuorte er einen huot Wig 2232. – Dornenkrone Christi: der den dürnînen kranz / ame kriuze ûf hete, den rûhen huot Wh 357,29. – Kapuze: ein rîsen [Schleier] sült ir haben guot, / einen mantel ân huot EnikWchr 28452. – unter dem Helm getragene gefütterte Haube (vgl. badewât und Schultz, Höf. Leben 2,51): ia truͦc der chuͦnc Paligan / zwo halsperge an, / ain huͦt unter dem helme Rol 8519. – wohl auch vom gebende der Frauen (vgl. gebende 2): diu vrowe diu gienc âne huot / durch daz siu kintlich wolte sîn UvZLanz 866. – als Mengenangabe ‘einen Hut voll’ sie [Kirschen] wâren nie sô grüene, / sie bræche ir vol einen huot Eracl 3473. – im Vergleich: [die besten Pilze] sint klain und sinbel [rund] sam ain huot BdN 401,23; ein hover [Buckel] ûz gezogen / ob dem herzen als ein huot Wig 6306; vür daz tor gesetzet was / ein grôziu sûl von êre [Erz] ; / [...] oben was ein rubîn / darinne beworht als ein huot ebd. 7084; EnikWchr 2720; Wh 397,4. – bildl.: sô decket uns der sælden huot, / daz uns kein weter selwen [beschmutzen] mac Winsbeckin 45,7; die der marchgrâve vuorte, / die möht ein huot verdecken [es waren so wenige, dass sie unter einen Hut gepasst hätten] Wh 28,11; bi zweinzig hüten [weltlichen Würdenträgern, vgl. FrlWB, S. 165] sicht man sich / wol drizig blaten [Tonsuren, d.h. Geistliche] scharn Frl 9:11,17 2 schützende Kopfbedeckung aus stabilem Material, ‘Helm’, meist wohl spez. der ‘Eisenhut’ (häufig mit entsprechenden Ergänzungen; vgl. îsenhuot , stahelhuot u.ä.): ûffe sîn houbit er in slûch / durh den stêlînen hût SAlex 1884; Roth 1111; ez ensol auch nieman furbaz auf unser tæidinch fuͤrn [...]pechelhauben, verborgen hantschuch, verborgen huͤt noch dehein eisengwant UrkCorp 737,11; ein panzir hett er ane und einen ysenen hut off synem heubt Lanc 101,11; er schlug im den ranfft [Rand, d.i. die Krempe] von dem hut ab biß off die schultern, so das er im off der ahseln das banzer durchschlug ebd. 102,6. 323,2; SM:Go 1a: 3,10; Wh 295,6; Rol 4120 u.ö.; Volmar 819; die ritter waren wol gewapent mit ganczen wapen, wann das sie nu ir yseren hút nit off hetten noch ir helm Lanc 322,6 3 übertr. auf in Form oder Funktion Hüten bzw. Helmen ähnelnde Gegenstände 3.1 (schützender) Überwurf über ein Zelt: von leder ein huot hienc dâ bî / der daz gezelt machet vrî / des regens, sô der nider gôz Wig 10848; Artûs gezelde was genomn / diu winde von dem huote Parz 729,1. 129,24; maneger pavelûne huot / sâhens vor in schînen UvZLanz 2818 vgl. ähnl.: ein hvͦt ob dem gezelde swebt / von richem pfellor TürlArabel *A 261,28 3.2 Hütchen eines Taschenspielers: genuoge hêrren sint gelîch den gougelæren, / die behendeklîche kunnen triegen unde væren. / der sprichet: ‘sich her, waz ist under disem huote? / nû zucke in ûf!’ Walth 37,36. 38,1; ein gefüeger goukeler, / der under dem huote goukeln kan Renner 3679; Suchenw 29,45 3.3 helmartig gewölbter Deckel eines Destillierapparates (vgl. LexMA 3,735): alsô geschiht auch dem dunst, der dâ kümt [...] von wein prennen: wenne der den kalten pleienne huot rüert, sô entsleuzt er sich auch in wazzer BdN 81,14 3.4 ‘Turmhelm’ der [ turn ] hêt einen schœnen huot, / der selb was ân mâzen guot. / der huot hêt vier blat EnikWchr 22059 u.ö.
MWB 2 1807,4; Bearbeiter: Hansen