Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
hol stN.
1.1 in der Natur
1.2 bildl.
2 ‘Grube, Grab’
3 Höhle, Grube von Tieren
3.1 allg.
3.2 Mause-, Schlangenloch
4 ‘Abgrund, Schlund’
5 ‘Öffnung, Loch’
6 ‘Vertiefung, Aushöhlung’
6.1 von Pflanzen
6.2 im menschlichen Körper
6.3 für eine Pfütze
1 ‘Höhle, Grotte’ 1.1 in der Natur: – in einem Felsen oder Berg: caverna: hôl SummHeinr 2:240,01.13; spelunca spelea: hol ebd. 2:487,01.18; antrum: hol ebd. 2:77,178; in eines berges hol Pass III 65,35; dâ wiste Tristan lange ê wol / in einem wilden berge ein hol, / daz hæter zeinen stunden / von âventiure vunden Tr 16684; la fossiure a la gent amant, / daz kiut: der minnenden hol ebd. 16701. 16761; nu was bî im ein holer stein. / ûz dem hole sach er ein / wîp gegen im loufen dar Wig 6285; durch den vels gienge ein hol, / daz man in die burc wol / heimelîchen mohte komen UvEtzAlex 14947; die risen [...] giengen alle vür daz hol Virg 714,2. 505,5; ze jungest kam er an ein hol, / dâ was gehûset inne / [...] ein armer einsidel guot RvEBarl 15296; TrSilv 144; PrSchw 1,152; PrOberalt 74,8. – in der Erde: da uant her in der erden / ein hol also michil / daz her sten vn̄ sizzen / dar inne wole mochte Ägidius 223; RvEBarl 5547; diu holir in der erde SüklMill 15,3; ob da indert were ein hol / in der wusten wilde Pass I/II (HSW) 41392; BdN 107,26 1.2 bildl.: [Christus] sluoch si allez dar uz [aus dem Tempel] , [...] er sprach, daz iz ware ein hol der scachære [ fecistis eam [domus mea] speluncam latronum Mt 21,13] AvaLJ 110,5; PrOberalt 144,19; aber ir habet ez gemachet ein hol der mordere EvAug 106,7. 191,3 2 ‘Grube, Grab’ aber Ihesus grisgrammet anderweid in im selben. vnd chom zv dem grabe. ez was aber ein hol. vnd ein steine was über in gelegt [Io 11,38] EvAug 245,17; doch tôten si der heidenschaft / sô vil, daz der hûf / der tôten gie ûf [zusammenstürzte] , / daz daz selbe hol [die von den Heiden gegrabene Höhle] / über al wart vol Ottok 49141. 48974; wer tuͦt den stain úns von der tuͤr / des grabes, den man hat da fúr / geleit, versigelt alse wol, / das wir nu kument indas hol? WernhMl 11816; die clage were allez nicht, wan daz ich selber sol / hinne in daz hol Frl 5:67,8 3 Höhle, Grube von Tieren 3.1 allg.: dy fuchse dy haben ere holre [ vulpes foveas habent Mt 8,20] unde dy vogele der hemele ere nest EvBerl 13,26; PrGeorg 59,33; Brun 10578; so daz selbe tier [Panter] sich sciere sich hat gesattet [...], so leget ez sich in sin hol. / dri tage ez slæffet MillPhys 11,2; der dachs grebt alliu hölr, dâ die fühs inne wonent BdN 163,20. 264,17 u.ö.; lewen loͮcher [Lagerhöhlen] unde liebarten [Leoparden] holer TrudHL 52,29; die lewen quamen uz ir hol Pass I/II (HSW) 4829; Daniel 5395; [die Taube] lit gerne bi dem wazzer, daz si den schate gesehen mege, swenne si der habech vahen wil. in [...] den holn machet si ir nest Spec 35,33; ain hol / grosser, grimmer draken vol WernhMl 3647. 3662 3.2 Mause-, Schlangenloch: dî mûse wêren / ûz ir holren gegân JJud 1635; Frl 8:3,4; wenn die slangen nâch dem winter auz den hölern gênt, sô ezzent si venichel BdN 401,12; sô zeuht er [Hirsch] mit seinen naslöchern slangen auz den hölrn und izzet die ebd. 129,20. 336,14 4 ‘Abgrund, Schlund’ vil lvte hvlet Ysengrin [in den Brunnen] , / do antwort im der don sin, / sin stimme schal in daz hol ReinFu K,881. – für die Hölle: baratrum vorago t;id est hol vel locht; SummHeinr 2:195,132; ab inferis cauernis: von den helleclichin holren Sedulius 2r,10; letale chaos: daz totliche hol ebd. 2r,15; eß sol doch schier komen der tag, / [...] daß got [...] wirfet sy in daß tiefelß hol WeihnSpG 1055; ein übel hol TeufelsÄchtung 121; daz ungesatlîche hol SAlex 6678. 7174; Helbl 7,660; Meissner 2:12,6. – übertr.: Rôme [...] / daz ist ein unsælic hol. / sô kumt ouch alliu sünde dar Freid 148,7 5 ‘Öffnung, Loch’ [...] daz ih durh einer naldin hol [ per foramen acus Mt 19,24] / einen olbent e brehte, / e ih daz irdehte, / daz si eine lobis hat! Pilatus 1,136. – im Mauerwerk: ein dicke steinwant er sach, / di was gemuret harte wol. / dar an brach man ein groz hol Pass I/II (HSW) 31104; herre, ir sehet wol: / hie enist fenster noch hol, / porte noch burctor Herb 15012; seht her stet dort bi der want / und sit dort durch daz hol her Brun 9189. – vierzech tage unde vierzech naht der regen niene gelach. / ûf tâten sih des himeles holer [...], / daz wazzer flôz uber al, iz fulte berg unde tal Gen 703 (vgl. Gn 7,17) 6 ‘Vertiefung, Aushöhlung’ 6.1 von Pflanzen: wenn man sein wurzel pricht, sô sint si inwendig hol und in den hölen sint weppel [Fäden, Gewebe] sam die spinwepp BdN 399,25; mache eyn hol in eyn boum mit eyme nebigere [Bohrer] . das hol sal nicht durch gen Pelzb 123,36. 120,24; man derkennet aber daz lauter [Manna] von dem unlautern alsô, daz daz lauter weizlot ist und inwendich etleich hölr hât sam der honigsaim [Honigwabe] BdN 90,23 6.2 im menschlichen Körper: so nym encianen vnde drucke in daz hol, daz de wunde wyt werde vnde groszer, daz de pyl [Pfeil] gerne vz ghe OvBaierl 151,10 6.3 für eine Pfütze: ûf dem wege stuont ein hol, / daz hol was gar wazzers vol UvTürhTr 397
MWB 2 1659,58; Bearbeiterin: Herbers