FÜRCHTEN vb. ahd. for(a)htan, for(a)hten, furhten, furihtan, furihten,
mhd. vürhten, vurhten, vörhten, vorhten.
as. forhtian,
mnd. vrüchten, vürchten, vruchten, vröchten, vörchten, vrochten, vorchten;
mnl. vruchten (vrochten);
afrs. fruchtia, fruchta;
ae. forhtian, fyrhtan, fryhta,
me. frighten,
ne. frigthen;
got. faúrhtjan
sind wie furcht f. (s. d.) abl. eines im germ. verbreiteten adj. *furhta‐. 1
angst empfinden. a
sich ängstigen, bangen. häufig refl., bis zum 17. jh. auch mit dat.: ⟨790/802⟩
(der abt sei) forahtanti zuauuarta kesuahhida des hirtes
benediktinerregel 202,11 S. ⟨v1022⟩ ziu sol ih mir furhten in ubelemo tage so dies mortis chumet? Notker
3,1,312 ATB. ⟨u1100⟩ do ir daz eiter an der hant hata vnder imo fil sere forhta
rheinauer gebete 2 W. ⟨1297/8⟩ die pfaffen vurchten sêre den tôt
livländ. reimchr. 6632 M. ⟨1328⟩ daz ist dar um gesetzet, daz man oft den richter hartter furcht denn den chlager Ruprecht v. Freising
rechtsb. 262 C. ⟨1453⟩ der Eckhart sprach ‘nun fürcht dir nicht!’ Hermann v. Sachsenheim
mörin 1430 LV. 1523 gemeynlich ist das der weyber natur, das sie sich fur allem ding schewen und furchten
(bearbeitung) Luther
w. 12,345 W. 1553/6 dann ich furcht mir so grausam ser,/ bin auch vor angst vnd lait schir tot Probst
36 HND. 1620 aber, ehrenfester herr könig, mein liebe frau ist so ein beherzter teufel, daß sie sich vorm stocke nicht fürchtet
schausp. engl. komödianten 43 T. 1670 so würdest du dich gar nit verwundern, wann verbrente kinder das feur förchten Grimmelshausen
Springinsfeld 53 Sch. ⟨1707⟩ der tod, welchen wir fürchten, macht einen stillstand des lebens, er nimmt es nicht gantz hinweg Cyprian
sitten-lehre (1733)19. 1785 wie groß wird mir da der mensch, wie klein und verächtlich das gefürchtete unüberwindliche schicksal! Schiller
20,93 nat. 1835 er fürchtet sie, wie das gebrannte kind, das feuer Beurmann
bilder 286. ⟨1871⟩ so möcht’ ich blühn wie diese rosen,/ die nicht wie wir, die hoffnungslosen,/ sich fürchten vor des alters leid Hoffmann v.
F. ges. w. 1,141 G. 1941 hier
(im spukhaus) kann jeder, der lust hat, das fürchten lernen
berlinb. 143 W. 1979 er fürchtet schmerzen wie den teufel
zeit 21,67. 2005 Deutschland ist müde, so müde, dass es nur mehr jammern kann und sich fürchten
d. tagesztg. 7754, 29.08.,13. –
in der wendung jmdn. fürchten ((zu) machen), (von jmdm., etwas) gefürchtet werden
jmdm. angst einjagen; selten, gegenwartssprachlich ungebräuchlich: 9.jh.
territus kitruobit kiforhtit
ahd. gl. 4,21,49 S./S. hs.12.jh.
tabescere me fecit zelus meus quia obliti sunt uerba tua inimici mei wrhte mih tete zorn min wande vergezen sint wort din viande min
dt. bibelfragmente 7,88 K. hs.1378 geschendet vnd gevorchtet werden si, di mine sele suchen
zwei psalter aus d. 14. jh. 161 DTM. ⟨1554⟩ herr ich wuste, das du ein harter mann bist, du schneidest, da du nicht geseet hast .. vnd furchtet mich Sarcerius
pastorale (1562)28a. 1673 weil sie jhr gewissen, das etwan künfftige, fürchten macht, fangen sie an, jhren herren .. wegen der straffe zu hassen
irrthum d. schulfuchses 147. 1785 aeltern können es kaum verantworten, wenn sie ihre kinder mit dingen zu fürchten machen, die gar nicht einmal vorhanden sind Goeze
allerley 1,100. 1846 zwischenein habe hie und da einer ihn wollen zu fürchten machen Gotthelf
Uli, d. knecht 64. ⟨1883⟩ dein erhabnes selbst wird dich fürchten machen wie ein gespenst Nietzsche
w. 2,326 Sch. b
(etwas unangenehmes) ahnen, befürchten; vermuten, daß etwas negatives eintritt: u830 ih forahta, uuanta thu grim man bist, nimist thaz thu ni sáztos inti arnost thaz thu ni sátos
Tatian 2151,7 S. ⟨v1022⟩ solti ih chîst tu mîna leidunga furhten? Notker
1,1,20 ATB. ⟨1172⟩ erne vorhte niht daz er verlur/ lîp oder sêle priester Wernher
3552 W. ⟨u1200⟩ sî sprach ‘trûtgeselle, ouwê,/ ich vürht ez mir niht wol ergê ..’ Hartmann
Iwein 72160 B./L. ⟨1330/ 44⟩ ach liber herre, nu all leut ir treu an mir brechent, nu fürht ich du werdest auch dein treu an mir brechent Langmann
offenbarungen 24 S. hs.1431 leve sone here,/ ik vruchte, ik se di nummer mere
gesammtabenteuer 42,122 H. 1539 ich foͤrcht, allerliebste hertzogin mein, ich foͤrcht, unser freüd ein end haben werd’ Wickram
1,95 LV. 1557 ich forcht übel, daß es etwas böses bedeute Frey
gartenges. 109 LV. 1636 ich fürchte, ja mich dünckt, ich hab bereit vernommen/ wie aus dem wald’ heraus viel löw= vnd bären kommen Werder
Ariosto, Roland 1,157. 1681 es seyn deren viel, die förchten, sie können gar kein kind haben
Mauriceau, hülffleistung 233. 1719 von der maitresse ist nichts mehr zu fürchten, sie ist heßlich undt gantz kupfferig geworden Elisabeth Ch. v. Orléans
br. 4,419 LV. 1774 ich fürchte, mein gesandter und ich, haltens nicht lange mehr zusammen aus Goethe
Werther 1,79 ak. ⟨1836⟩ da ist Voß hart wie stein, und man muß fürchten, sich die kinnlade zu zerbrechen wenn man seine verse ausspricht Heine
s. w. 7,35 W. 1855 Hadrian war krank und fürchtete den tod Stahr
torso (1854) 2,383. ⟨1924⟩ ich fürchte, für diesen schäfer bin ich nicht schaf genug Lange
was ich geliebt 197 B. 1978 der einzig wahrscheinliche schluß, fürchte ich, ist die wahrheit Geiser
Grünsee 68. 2006 oppositionspolitiker fürchten, Lukaschenkos dunkler schatten sei nach wie vor zu allem fähig
spiegel 13,120. 2
demütigen (angstgeprägten) respekt vor etwas, jmdm. empfinden; oft in verbindung mit den verben lieben
und hassen.
häufig religiös, im christentum auf bestimmte weise tradiert. jünger abgelöst durch ehrfurcht vor jmdm. haben: ⟨u800/10⟩ uuihta alle dia furihtant truhtinan
altal. psalmenübersetzung 294,16 S. ⟨v1022⟩ sâlig sint alle die got furhtent Notker
3,3,971 ATB. ⟨u1147⟩ willekomen sîstû, lieber hêrre!/ jâ vorht ih dîn vil sêre./ sam mir got der rîche!
kaiserchr. 4486 MGH. ⟨u1230⟩ swer got niht fŭrhtet alle tage,/ daz wizzet deist ein rehter zage Freidank
21,19 G. 1331/6 sine nochgeburn forhtent in alle sere/ und buttent imme groz ere Wisse/Colin
LVI Sch. hs.1486 vnd sy vnd al ander prister wil ich lieb haben, furchten vnd eren als mein herren
franziskan. schrifttum 1,6 R. 1526 so hoch als er gefurcht war, so tieff wird er nu veracht Luther
w. 19,400 W. 1560 zum andern bringt diese von gott gebottene eltern ehre mit sich, daß wir sie reveriren, sittiglich schewen und fürchten sollen
kath. katechismen 493 M. 1642 o ihr götter dieser erden,/ die ihr kron vnd scepter führt,/ die ihr must gefürchtet werden,/ weil eüch ehr vnd macht gebührt
ged. königsb. dichterkreis 159 HND. 1669 so wurde er jedoch von den seinen und andern die ihn kenneten, geehrt, geliebt und geförchtet Grimmelshausen
Simplicissimus 138 Sch. 1732 man soll den fürsten ehren,/ ihn fürchten, seinen feinden wehren,/ ihm unterthan und dienstbar seyn
poesie d. Niedersachsen 4,37 W./K. 1773 sey brav und fürchte gott Goethe
Götz 1,25 ak. 1807 er wollte geliebt sein, und fürchten sollte man ihn doch auch Goethe
I 41,1,12 W. 1894
(ein ungerechter richter,) der gott nicht fürchtet und sich vor keinem menschen scheut
nachrichten brüder-gemeine 76,193. 1913 wer gott nicht fürchtet, .. den muß man in allen dingen für schlecht halten Sombart
bourgeois 293. 1988 fürchtet gott, ehret den könig
(titel) Becker‐J.
gott. 2005 Mohammed
(sagt) ..: ‘fürchtet gott, auch wenn ihr nur über ein stück von einer dattel richtet’
d. tagesztg. 7832,29.11.,3.Elsner-Petri