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faul

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PfWB
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Eintrag · Pfälzisches Wb.

faul Adj.

Bd. 2, Sp. 1071
faul Adj.: 1.a. gegenst. α. 'von Fäulnis befallen', faul (faul) [WPf (ohne SWPf) NPf nördl. u. mittl. VPf], (fāul) [südl. VPf, s. Heeger Südostpf. § 1 c, Bertram § 81], foul (fǫul) [verbr. SWPf (entspr. der Linie Haus/ Hous auf K. 1)], full (ful) [lothr. SWPf (entspr. der Linie Hus/Hous auf K. 1)]; e fauleʳ Appel, faule Grumbeere, faul Holz u. ä. [NPf, allg.]; vgl. faulig. Zs. an-, putsch-, grau-, lungen-, rot-, sauer-, strahlfaul. Der Mescht (Mist) is faul 'vermodert' [KB-Kriegsf]. Die Trauwe werren f. [NW-Kallstdt, verbr.]; vgl. faulen. E faul Ei stinkt [NW-Frankeck, allg.]; vgl. Faulei, s. auch unten 1 a γ. 's Ei is f. gebriet, vom unbefruchteten Hühnerei [KL-Mackb KB-Rams Kirchhbol]. Er hot 's ganz Maul voll faule Zähⁿ 'von Karies befallene Zähne' [FR-Bockh, verbr.]. Er is innewennich f., wer besonders üblen Mundgeruch hat [ZW-Bechhf]. RA.: Ich will kää faul Flääsch trage, sagt man zu einem, der sich auf andere aufstützt [LU-Oggh]. In deine Wingert gibt's aach faule un wormiche Trauwe, Zurechtweisung eines Prahlers [VPf]; s. auch unten 1 aβ. Das sind faule Fische 'Ausflüchte' [Klein Prov. 114]. SprW.: E fauleʳ Appel steckt de annere aⁿ [Kaislt, verbr., auch Fogel Prov. Penns 6]. Faule Weiwer 'gestorbene Frauen' machen reiche Männer [LA-Impfl]; vgl. unten 2a. BR.: Peder un Paul (29. Juni) macht 'm Korn die Worzel faul [SP-Mechth, verbr., auch Don Gal Buch]. Feichter fauler März es de Baure e Schmerz [RO-Odh, LU-Rh'gönh]. VR.: Ich hun dich lieb wie e fauli Rieb [Gal-Bagbg]. Einen anderen Reim s. Apfelbaum. — β.αα. = morsch, von Birnen, full [verbr. lothr. SWPf]. Zs. patschfaul. - - ββ. = edelfaul, von Trauben, auch vom Wein aus solchen Trauben. a. 1532: Auch soll min her denn win, denn er [] legt, also vffrechtzs sin, das er nit sy zuo suer vnnd auch nit fulle [PfWeist. I 264 (KB-Dreis)]. — γ. 'unbefruchtet', vom Vogelei, vgl. faulgebrüht; e faul Ei [verbr.]; s. auch oben 1 aα. RA.: Er hat e faules Ei ausgebriht 'sich vergebliche Arbeit gemacht' [Krieger 36]. Wer vom Wurfball getroffen wird, scheidet als faul Ei aus dem Spiel aus [LA-Essing]. — δ. vom reifen Käse, vgl. durch III. Zs. durch-, überfaul. Der Handkäs is schun faul [Frankth, verbr.]. RA.: Das Messer do schneidt warem Wasser un faule Käs [KU-Brück], ... kaldes Wasser un faule Käs [verbr. Gal]. — b. übertr. α. e fauli Sach 'bedenkliche Sache', umgspr. [NW-Hardbg, verbr.]. — β. e fauli Ausredd 'unglaubwürdige Ausrede', umgspr. [Kaislt, verbr.]. — 2.a. 'träge, die Arbeit scheuend', Gegensatz: fleißig, Steigerung: erz-, hunds-, mist-, stinkfaul; e fauleʳ Kerl (Bauer, Gaul u. ä.) [nördl. VPf. allg,]; e fauleʳ Hund, auch Schimpfw. [PS-Heltbg, verbr.]; e fauli Beele 'faule, unordentliche Frau' [BZ-Annw], desgl.: e faul Dier [FR-A'lein, verbr.], faul Gescherr [KU-Schmittw/O], fuli Flutsch [IB-Gersh], fauli Gammel [NW-Kallstdt], fauli Orschel [NW-Hardbg, verbr.], fauli Soorle [FR-A'lein], fauli Schlott [NPf WPf (Wilde 281)], fauli Sau [KU-Bedb]. Subst.: e Fauleʳ, e Fauli [allg.]. Die Einlaufsuppe nennt man scherzh. faule Weiwersupp [Jung 32]; vgl. Faulweibersuppe. Er is zu faul zum Esse [NW-Hardbg, verbr.]. Er is so f. wie e Drohn [KL-Matzb]. Mit Anspielung auf oben 1aα: Er is so faul wie Mescht [MPf, verbr.], f. wie e Schinnoos [Don-Schowe]; faul, daß er stinkt [KL-Erfb, verbr.]; so f., as er iwwer seiⁿ eegene Fieß stolbert [BZ-Dierb]; so f., daß er (net emol) es Maul ufmacht [KU-Körbn, verbr.]. Zs. maul-, mund-, wortfaul. Er is fauleʳ wie lang [GH-Hatzbühl]. Sie esch g'fräßich un f. [LA-Nd'hochstdt, verbr.]. Sie is dick, fett, faul un gefräßich [KU-Brück, verbr.]. Er is mied, matt, marod, faul, krank, kummod [verbr. Don Gal Buch]. RA.: Er hot e faul Kreiz 'will sich nicht bücken' [KB-Kriegsf], faule Glierer [LU-Alsh]. Er leet sich uf die faul Haut [NW-Kallstdt, verbr.]. Er leit uf de faule Haut 'faulenzt' [verbr. Gal]. Er leit noch merem (mit dem) faule Oorsch im Bett [KU-Schmittw/O]. Er kummt so faul doher [KB-Bennhs]. Er hat heit de faule Fluß 'mag nicht arbeiten' [KL-Neukch]. Er schafft der faule Näh nooch (der Nähe nach 'abgekürzt, flüchtig') [BZ-Nd'ottb]. Ein Gastwirt wird geneckt: Wer awwer alleweil deiⁿ Bier trinkt, der isch zu faul, sich Wasser zu hole [Zahn Pläsier 239]. SprW.: Faule Leit han's määnschde ze due [Pirmas]. Der Faul muß in der Ern (Ernte) bettle [Gal-Obersd]. Langes Fädche, faules Mädche [verbr. Don Gal Buch [] Rußl]. E fauler Esel traat sich eher doot wie e fleißicher [KU-Trahw, verbr.]. Var. s. tottragen. Groß un faul gibt aach e Gaul [KB-Bubh, verbr. NPf]. Var. s. dumm, fressig. Volksgl.: Wammer eme Mannskerl seiⁿ Hemm uff'm Buckel biegelt, werd er f. [Fogel Beliefs Penns Nr. 1931]. VR.: Sechs mal sechs is sechsedreißich, is der Lehrer noch so fleißich, is der Schüler doch so faul wie e alder Schockelgaul [LU-Altr]; Var. s. Bube 1 (I 1308 Z. 17 ff.). In Kinderspielen: Wer alle Klicker verspielt hat, ist faul [PS-Münchw Windsbg GH-Minf]. Wer den vom Dach herabrollenden Ball siebenmal nicht auffängt, ist faul und scheidet aus; das Spiel heißt die siwwe Faule [Groh Wörschw 189]. Im Spiel Faul orrer fleißich muß man erraten, in welcher Hand sich der Gegenstand befindet; wer richtig rät, ist fleißig, wer falsch rät, ist faul [KU-Schmittw/O]. — b. 'träge machend', vom drückenden Wetter. Heit is e richdich faul Werre [KL-Fischb Wörsb]. — c. nicht f. 'ohne zu zögern, rasch', bes. in Erzählungen: Ich awwer net faul, greif'n un ... [KU-Kaulb, verbr.]. — Südhess. II 381 ff.; Rhein. II 327 ff.; Saarbr. 61; Lothr. 381 ff.; Rhein. II 327 ff.; Saarbr. 61; Lothr.
5781 Zeichen · 203 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    faul

    Althochdeutsches Wörterbuch

    faul Gl 5,9,6 s. phâl.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Faul

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Faul , -er, -este, adj. et adv. 1. * Häßlich, ungestaltet; eine im Deutschen veraltete Bedeutung, welche indessen noch i…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    faul

    Goethe-Wörterbuch

    faul 1 morsch, verdorben, (durch Geruch od Geschmack) Fäulnis, Verwesung anzeigend [ das Priapstandbild im Garten: ] er …

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Faul

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Faul , s. Herder F äulniß. F.es Eisen , brüchiges; f.er Gang , der einen erzführenden verwirft oder zertrümmert; f.es Ge…

  5. modern
    Dialekt
    faul

    Lothringisches Wb. · +4 Parallelbelege

    faul s. full.

  6. Sprichwörter
    Faul

    Wander (Sprichwörter)

    Faul 1. Faul, arm vnd doch verzehren, geschieht nit lang mit ehren. – Henisch, 1021. It. : Chi non ha entrata, nè mestie…

  7. Spezial
    faul

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    faul adj. 1 (moderig) frat (frac, frada) 2 (verdorben: Obst) frat (frac, frada) 3 (arbeitsunlustig, träge) frat (frac, f…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit faul

346 Bildungen · 235 Erstglied · 106 Zweitglied · 5 Ableitungen

faul‑ als Erstglied (30 von 235)

Faulbach

SHW

Faul-bach Band 2, Spalte 383-384

Faulbaum

SHW

Faul-baum Band 2, Spalte 383-384

Faulbeere

SHW

Faul-beere Band 2, Spalte 383-384

Faulbrut

SHW

Faul-brut Band 2, Spalte 383-384

Faulfieber

SHW

Faul-fieber Band 2, Spalte 385-386

Faulhuber

SHW

Faul-huber Band 2, Spalte 385-386

Faulobst

SHW

Faul-obst Band 2, Spalte 385-386

Faulpelz

SHW

Faul-pelz Band 2, Spalte 385-386

Faultier

SHW

Faul-tier Band 2, Spalte 385-386

Faulwammes

SHW

Faul-wammes Band 2, Spalte 385-386

faulachtig

RhWB

faul·achtig

faul-achtig -axtiχ Prüm , Koch-Lutzerath , Siegld .; -Etiχ Wippf-Bechen Adj.: wie faul aussehend, schmeckend.

Faulack

RhWB

faul·ack

Faulack fulack  Geld-Kevelaer ; -ǫkər Heinsb-Karken m.: -pelz.

faulacken

RhWB

faul·acken

faul-acken Kemp ; -ksən Wermelsk schw.: faulenzen; eine Arbeit verfulacke vernachlässigen MGladb-Giesenk .

Faulacker

PfWB

faul·acker

Faul-acker m. : FlN für einen ehemals vermoderten, unfruchtbaren Acker, am Faulackeʳ [ HB-Einöd ]; vgl. PfWB Faulstück , PfWB -wiese . ElsWB…

Faulackster

RhWB

Faul-ackster Düss-Wersten Benr Eller : fulackster! wird gesagt bei einem misslungenen Ansatz zum Schiessen, was, wenn es rechtzeitig gesagt …

Faulader

RhWB

faul·ader

Faul-ader  NBerg ( Sol , Mettm ) f.: die empfindliche Stelle am Ellenbogen.

Faulatz

RhWB

faul·atz

Faul-atz vulats Aach (veralt.) f.: Verkäuferin von Obst udgl.

faul als Zweitglied (30 von 106)

anfaul

RhWB

an-faul: PfWB anfangend, f. zu werden, vom Obst Zell-Trarb .

bettfaul

RhWBN

bett·faul

bett-faul -fu˙l. Gummb-Nümbrecht Adj.: b. ist ein Langschläfer.

denkfaul

DWB

denk·faul

denkfaul , adj. träg zum nachdenken Malten Neuste weltkunde (1847) s. 100.

drügfaul

RhWB

drüg-faul  Verbr. Adj.: wie nhd., bes. von Kartoffeln.

durchfaul

PfWB

durch·faul

durch-faul Adj. : ' durch und durch faul ', vom reifen Käse, doʳchfaul (-ˈfaul) [ KU-A'glan KB-Albish ], duʳch- [ RO-Callb ]; dafür auch duʳ…

edelfaul

PfWB

edel·faul

edel-faul Adj. : von überreifen Weinbeeren, edlfaul [ LA-Rhodt ]; edelfaule Drauwe [ LU-Alsh ]; e erelfauli Beer [ FR-Albsh ]; e edelfaul Be…

erdfaul

RhWB

erd·faul

erd-faul RhWBN -ū-  Dür , Aach , Eup Adj.: vermodert, verwest.

Fáßfaul

Adelung

fass·faul

Fáßfaul , adj. et adv. einen unreinen Geschmack von dem Fasse oder hölzernen Gefäße habend; Nieders. vatvuul. Das Bier schmeckt faßfaul. Faß…

faszfaul

DWB

faszfaul , putredinem dolii redolens, faulichten geschmack vom fasz habend: es schmeckt, riecht faszfaul, böhm. smrdi sudem.

federfaul

DWB

feder·faul

federfaul , piger scribendi, schreibfaul: schreibe mir balde und werde nicht federfaul, wie es in der entfernung gar leicht geschieht. Göthe…

fickenfaul

DWB

ficken·faul

fickenfaul , avarus, der ungern seinen beutel zieht: ich habe viel, viel geld, mein vater liesz mir solch zeug genug und ich bin auch nicht …

gippelfaul

RhWB

gippel-faul Saarbr-Sulzb Adj.: dürr im Gipfel.

graufaul

PfWB

grau·faul

grau-faul Adj. : ' von Fäulnis und Schimmel befallen ', von Weintrauben, groofaul [ NW-Kallstdt ]; vgl. PfWB grau 2 b, PfWB grauzig .

halbfaul

DWB

halb·faul

halbfaul , adj. zum groszen theil verfault: das gekrächz hungriger raben, die an meinem halbfaulen antecessor zu dreiszigen hiengen. Schille…

hauptfaul

RhWBN

haupt·faul

haupt-faul h:ts- (s. S.) Rheydt-Giesenk Adj.: dumm, nicht recht gescheit.

hirnfaul

RhWB

hirn·faul

hirn-faul hīrə- Trier-Braunshsn Adj.: nicht gescheit.

hundefaul

DWB

hunde·faul

hundefaul , adj. äuszerst faul, catulo segnior Steinbach 1, 418 .

hundsfaul

PfWB

hunds·faul

hunds-faul Adj. : ' sehr faul ', vgl. PfWB erz- , PfWB stinkfaul . Des is e hundsfauleʳ Kerl [ LU-Alsh ]. SHW Südhess. III 796 .

katschfaul

RhWB

katsch·faul

katsch-faul -ū-  Jül-Altd Adj.: patschfaul, bes. von dem Innern der Birne.

kautenfaul

DWB

kauten·faul

kautenfaul , ein spiel bei Fischart Garg. 168 b (309 b Sch. ): 'inn kauten, kautenfaul'; nach den vorausgehenden spielen scheint kaute spiel…

kernfaul

DWB

kern·faul

kernfaul , faul im kern, fortsmannsausdruck, s. DWB kern 3. Adelung : kann man denn, wenn man auch nicht kernfaul ist, doch nicht rindenfaul…

Ableitungen von faul (5 von 5)

erfaulen

DWB

erfaulen , putrescere, computrescere, pigrescere, faul werden, verfaulen, ahd. irfûlên, mhd. erfûlen, ags. âfûlian: ûʒ ebeno dem holze quëc …

unfaul

DWB

unfaul , adj. adv. , gegentheil von faul. obwohl von Stieler , Aler, Steinbach, Kramer-Moerbeek, Campe verzeichnet, doch im nhd. kaum recht …

verfaulen

DWB

verfaulen , verb. faul werden, faulend zu grunde gehen, mhd. vervûlen, mnd. vorvûlen; verstärktes faulen. 1 1) intransitiv, imputrescere, fa…

verfaulung

DWB

verfaulung , f. substantivbildung aus dem zeitworte, übergang in fäulnisz, dann das in fäulnisz übergegangene: wir wissen, dasz auch in dene…

zerfaulen

DWB

zerfaulen , verb. , verfaulen: mein fleisch und bain wil mir in meinem mund z. Germ. 17, 75; H. Fischer 6, 1131 ; so zerfaulet auch sein ( d…