faul ,
puter, putris, putidus, putridus, goth. fuls,
ahd. ags. fûl,
engl. foul,
mhd. fûl, vûl,
nnl. vuil,
altn. fûll
für fûlr,
schw. dän. ful.
in allen deutschen sprachen haftet also das ableitende, der wurzel ungehörige l,
wie sie in dem ausruf fui, pfui,
lit. pui,
dem altn. part. fûinn
putridus und dem skr. pûj
foetere, lit. púti (
praes. puvu),
lett. puht,
gr. πύον eiter, lat. pus
erscheint. statt des l
zeigt sich aber t
im lat. putere, putor, putidus
neben putrere, putridus, putrescere,
it. putire, puzzare, puzza
eiter, putrido
faul, sp. podrido,
fr. pourri,
im fr. puer
ist t
ausgefallen, ir. gal. ist pudhar
eiter. zur seite des lat. putere
steht merkwürdig foetere (
wie neben parere ferre),
neben putidus foetidus,
welches foetere
im sp. heder
fortdauert; doch unser faul
entspricht dem putere,
nicht dem foetere.
φαῦλος ist dem faul
zu sehr, also nicht verwandt, enthält auch gar nicht die vorstellung des stinkenden, blosz des schlechten und gehört [] zu paulus.
will man nun zwischen put
und ful
einen wechsel der lingualis und liquida (
wie in odor
und olere, padati
und fallen, Hadubrant
und Alebrant)
gestatten, oder in ful
einen ausfall des linguallauts annehmen? das vorangehende 'faul faudel'
könnte sogar die volle form an hand geben, so wie faude
an put
gemahnt. lat. piger
hat den sinn unseres träge,
nicht von faul
und mag zu pinguis
gehören. bedeutungen. 11) faul,
stinkend, verfault, morsch, corruptus: goth. ju fuls ist,
ἤδη ὄζει,
vulg. jam fetet, Luther er stinkt schon.
Joh. 11, 39;
ahd. thër lîchamo is iu fûlêr. O. III. 24, 83; unser stubbi fûlaʒ.
V. 24, 12; mîniu wuntmâle wurden fûl,
putruerunt. N. ps. 37, 6;
mhd. gân wir für einen foulen hunt, wir verwinten die nase ioch den munt. Karajan
denkm. 31, 6; den schilte ich, daʒ ër stinket wirs dan ein vûler rabe.
MSH. 3, 104
b; wan uns ist über den fûlen mist dër pfeller hie gespreitet.
a. Heinr. 730; ich kom ze einem fûlen sê. Haupt 7, 363; ein fûle hant ald ein ander gelide daʒ fûl ist.
myst. 289, 30; und er fand einen faulen eselskinbacken.
richt. 15, 15; der ich doch wie ein faul as vergehe und wie ein kleid, das die motten fressen.
Hiob 13, 28; die hofnung des verachters zur zeit der not ist wie ein fauler zan und gleitender fusz.
spr. Sal. 25, 19; wenn es (
das netze) vol ist, so ziehen sie es eraus und lesen die guten in ein gefesz zusamen, aber die faulen werfen sie weg.
Matth. 13, 48; an ein ful fleisch macht man ein gelbe brüe. Keisersb.
narrensch. 28
b; 'das sind faule fische',
abgestandne, untaugende, erdichtete nachrichten, erlogne entschuldigungen: speist mein verlangen nur mit faulen fischen ab. Günther 511; 'o faule fische!' Heinr. von Kleist 2, 51; 'das gibt faule fische'. Hermes
Soph. reise 6, 306; faule,
verdorbne, bebrütete eier; ein fauler geruch, geschmack; fauler geier.
unw. doct. 375; wann Doris sitzt am strand und trucknet ihr das haar, das durch den faulen sud zuvor beregnet war. Opitz 2, 52; itzt heckt die faule luft geschwinde pestilenzen und steckt die länder
an. Gryphius 1, 18; oft anstatt weins oder biers wasser und faule pfützen versuchen. Weise
kl. l. 305; ein trunk faules wasser. Lessing 1, 555; nur wir, auf blindes glück, als schiffer ohne karten, durchkreuzen ihn den faulen pfuhl der zeit. 1, 95; ein faules glied wegschneiden; ein faules fieber,
febris putrida, das die säfte in fäulnis auflöst; faul stehen,
still stehen, in fäulnis übergehen; faul in leibe,
auszehrend; alte faule schäden.
med. maulaffe 827; weil von einer solchen faulen stelle aus das übel der unwahrhaftigkeit sich weiter verbreitet. Kant 5, 262; zwar konnte er es nicht verbergen, dasz die beiden aufsätze nichts taugten, war aber schonend genug, den eigentlichen faulen fleck in denselben nur ganz leise zu berühren. Fichte
Nic. leben 59; es sieht faul damit aus; etwas ist faul im staate Dänemarks, some thing is rotten in the state of Denmark.
Hamlet 1, 4. 22) faul
von holz, baum, gewächs und frucht; ahd. fûl
cariosus; fûlaʒ wërk,
stuparum putamina; mhd. si tuont dër flëdermiuse gelîch, diu nahtes fliuget, daʒ si dër glanz betriuget an einem fûlen spâne, daʒ si lëbt in dem wâne, daʒ von dem holze fiuhte ein wâreʒ lieht dâ liuhte.
tr. kr. 157; waʒ êren hât frô Bône? sist vor und nâch dër nône fûl und ist dër wibel vol wan êrst in der niuwe. Walth. 17, 29; mîn dach ist fûl, sô rîsent mîne wende. 25, 5; und suochte al umbe unz ër vant bî dër ërde an dër want eine vûle swelle.
Iw. 6745; dar uffe stuont ein clâriu sûl, diu was niht von holze fûl.
Parz. 589, 6; rëht als daʒ fûle bast.
Ortnit 206, 4; er achtet eisen wie stro und erz wie faul holz.
Hiob 41, 8; er wird zubrochen werden wie ein fauler bawm. 24, 20; desgleichen thut der da schiffen wil und durch wilde fluten zu faren gedenket und rüfet an vil ein feuler holz, denn das schif ist, darauf er feret.
weish. Sal. 14, 1; also ein iglicher
[] guter bawm bringet gute früchte, aber ein fauler bawm bringet arge früchte,
goth. iþ sa ubila bagms akrana ubila gataujiþ.
Matth. 7, 17. 18; setzet entweder einen guten bawm, so wird die frucht gut, oder setzet einen faulen bawm, so wird die frucht faul. 22, 33.
Luc. 6, 43; ein fuler öpfel machet zehen neben im auch ful. Keisersb.
narrensch. 106
b; und wiewol es ein faul nest war, noch hielten sie dannoch etliche tag. Götz von B.
lebensb. 74; ich isz lieber feigen denn faul pirn.
fastn. 736, 16; au, Gretlin fin, ich sich wol wie es zugat in dinem kemerlin, du haltest an mir als ein ful armbrost. Hartlieb
de fide meretr. 75, 5; wann der best wein ins faul fasz käm, darin müst er ersauren.
Garg. 92
b; die grünen weid und göttlich herd im himel aller ehren werd hat er (
Witzel) verschmehet und veracht und auf die faulweide sich gemacht. Alberus
contrafactur A 2
a; kummen drüber (
über mein buch) arge fliegen, wird gesundes bleiben liegen und das faule leiden
an. kummen aber bienen dran, wird das faule sein vermieden und gesundes recht beschieden. Logau 1, 124, 30; bald zeitig, bald faul,
quod cito fit. cito perit. Otho 287; Peter und Paul (29
juni) wird dem korn die wurzel faul,
fängt es zu reifen an. wir setzen dem gesunden holz, stroh, obst
das faule
entgegen: der apfel, die weintraube ist faul; mit faulen äpfeln werfen; kann man denn, wenn man auch nicht kernfaul ist, doch nicht rindenfaul sein? J. P.
kl. bücherschau 1, 123. 33) faul,
schlecht, falsch, schlimm, übel, schal: in leid ich steh, alde, alde, reisz mir kein faulen bossen mehr.
Ambr. lb. s. 231, 15; fieng er sein faule bossen an zu treiben. Wickram
rollw. 20; ewer ruwen kompt zu spat, dann da ir merktent ein faulen ansprach zu haben, da soltet ir den vorgenommen kampf nit angenommen haben.
Aimon v 1
b; lasset kein faul geschwetz aus ewrem munde gehen (ainhun vaurdê ubilaizê us munþa izvaramma ni usgaggai).
Eph. 4, 29; herr Conrad Schott war auch ein fauler reiter. Götz v. B.
lebensb. 72; wo man der schwermer dünkel hinkeret, so ist er faul und nichts. Luther 3, 476
a; was aber diese faule folge vermag, die hie Ecolampad macht. 476
b; und füren so lose, faule ursachen. 3, 490
b; zu schal oder zu faul. 3, 498
a; herzog Georgens entschüldigung ist aus der maszen kalt, faul und lose. 4, 538
a; ganz faule und lose gründe. 5, 23
a; so verachtet gott auch ire (
der mönche) faule werke. 5, 449
a; das es eitel kalt, lose, faul geschwetz gewesen ist. 5, 457
b; nu spricht hie der text, das solche todten, so im herrn sterben, sind selig, wie bitten sie denn für die seligen umb gelt? und ob sie wolten eine faule glose fürgeben, das solche selen in hofnung selig werden, noch nicht im wesen, das ist nichts denn ir eigen glose, könnens auch nicht beweisen, so leidets auch der text nicht. 5, 164
b; wo bleibt hie ir faule ausrede, da sie sagen, Christus habe im abendmal beider gestalt allein den priestern gegeben. 6, 101
b; obs zuweilen faule oder falsche theiding und mährlin wäre.
br. 4, 417; schampere wort, narrentäding, unnutz geschwetz, faul zotten, schandlos bossen sind das benedicite und gratias. Frank
laster d 2; sie seind all abtrünnige, die mit faulen sachen umbgehen. g 4; aus füllerei kompt faul geschwetz, zorn und gotteslesterung. h 1; ein scheuhen hetten sie ab Frankfurt von wegen des frembden geschwinden kaufmanns, die in ir faul anschleg möchten abmerken. Kirchhof
wendunm. 401
b; befleckt euch nicht mit dem schlamm fauler thaten.
pers. baumg. 9, 15; faule ausrede.
Garg. 181
b; des einen herz ist falsch und faul, faul ist und falsch des andern herz und maul, beed könden nichts dan liegen. Weckherlin 43; o groszer, denke nicht an meinen faulen sinn, der nichts als unrecht thut, und von dir fället hin. Fleming 31; dort war er höchst verhaszt, hier war er lieb und frei, zog Kottys gunst recht vor Augustus fauler gnade. 77; dasz gott entscheide und der ausgang zeige, wes sache gut, und wessen faul gewesen. Tieck 1, 77. Luther
bedient sich oft der unpersönlichen redensart 'es thut faul, thut mir faul'
für leid, weh: nu wils uns faul thun, das auch böse zeit und unfriede kompt. 4, 480
b; denn es ist sonst ein verdrieszlich unselig wesen euszerlich anzusehen, und
[] thut faul imerdar zu sitzen in fahr leibs und guts. 5, 362
b; da müssen sie schamrot für werden und thut inen faul, das sie mit öffentlicher schrift und gottes wort für den kopf gestoszen werden. 6, 14
b; aber es thut faul seine sünde bekennen und man schemet sichs.
tischr. 104
b; es wurde den hofjunkern sehr faul thun und sie hart verdrieszen. 177
a; man wil sie nicht lassen die kirchen regieren, das thut ihnen faul. 403
b; denn es thut solchen leuten faul, wenn sie köpflein nicht brauchen sollen. Haineccius
m. Pfriem vorr.; das er sie schilt, das thut in faul. Gref
Lazarus H 2. 44)
aus der ersten bedeutung entspringt unmittelbar die heute vorherschende von ignavus und segnis, nur dasz uns faul
stärker ist als träge,
piger, welchen beiden die vorstellung von putredo abgeht, wir sagen einer ist so faul, dasz er stinkt, stinkfaul,
und eine grosze und anhaltende faulheit ist stinkend,
ganz wie die hoffart stinkt, stinkhoffärtig.
das goth. und ahd. adjectiv gewähren diesen sinn von segnities nicht, wofür lats
und laʒ
verwendet werden: unsêlja skalk jah lata!
πονηρὲ δοῦλς.
Luc. 19, 22; vambôs latôs,
γαστέρες ἀργαί.
Tit. 1, 12.
mhd. aber heiszt es müeʒekeit hât daʒ rëht, si machet manegen fûlen knëht. Freidank 49, 8; dër fûle gërt niht mêre wan senfte lëben ân êre. 92, 9; ei, sprach ër, du vûler knëcht.
pass. K. 285, 31.
nhd. drumb eilet und seid nicht faul zu ziehen, das ir kompt das land einzunemen.
richt. 18, 9; gehe hin zur emmeiszen, du fauler, sihe ire weise an und lerne.
spr. Sal. 6, 6; wie lange ligestu fauler? 6, 9; wie der essig den zenen und der rauch den augen thut, so thut der faule denen, die in senden. 10, 26; der faule begert und kriegts doch nicht, aber die fleiszigen kriegen gnug. 13, 4; der weg des faulen ist dörnicht, aber der weg der fromen ist wol gebenet. 15, 19; umb der kelte willen wil der faule nicht pflügen, so musz er in der ernten betteln und nichts kriegen. 20, 4; der faule stirbt uber seinem wündschen, denn seine hende wöllen nichts thun. 21, 25; der faule spricht, es ist ein lewe drauszen, ich möcht erwürget werden auf der gassen. 22, 13. 26, 13; ich gieng fur dem acker des faulen und fur dem weinberg des narren. 24, 30; ein fauler. wendet sich im bette, wie die thür in der angel. 26, 14; der faule verbirgt seine hand in den töpfen, und wird im sauer, das er sie zu munde bringe. 26, 15 (
vgl. kinderm. no 151); ein fauler dunkt sich weiser, denn sieben die da sitten leren. 26, 16; alle ire wechter sind blind ... sind faul, liegen und schlafen gerne.
Es. 56, 10; und ire (
der götzen) füsze sind faul zu wandern.
weish. Sal. 15, 15; ein fauler mensch ist gleichwie ein stein, der im kot ligt, wer in aufhebt, der musz die hende wieder wischen.
Sir. 22, 1; daneben sind sie (
die jungen witwen) faul und lernen umblaufen durch die heuser, nicht allein aber sind sie faul, sondern auch schwetzig und furwitzig (aþþan samana jah unvaurstvôns laisjand sik þurhgaggan gardins, aþþan ni þatain unvaurstvôns, ak jah unfaurjôs jah fairveitjandeins).
1 Tim. 5, 13; die Creter sind imer lügener, böse thier und faule beuche (vambôs latôs).
Tit. 1, 12; so hett die mesz ausgemesset und die pfaffen müsten mit lären kröpfen auffliegen und irgends im spital auf dem stro austropfen oder sonst ir kost mit faulem ruckenbucken gewinnen.
bienenk. 75
a; stinkend faul, dasz sie ihren eignen leib nicht tragen mag. Philander
lugd. 5, 300; welcher der feulst im tanzen ist, dem sol man geben ein kranz, das wiszt.
fastn. 566, 10; herr wirt, treipt aus die faulen puben! mich reut, das sie den tanz anhuben und den frauen den tanz lank machten, die lieber tanzten, das die wend krachten. so vermags ir keiner auf den faulen schinken. 566, 16; mag wol sein in Schlauraffenland, da der feulst esel ist mehr werd, dann hie bei uns das beste pferd, wer da der feulst und gröbest ist, die gröszte ehr man im zuomist. Nasus
nasenesel 15
a; und nicht auswartet seim gescheft, ligt auf der faulen seiten und schleft. H. Sachs III. 2, 28
c; und damit er solche brunst, solche deines feuers gunst lasse desto besser spüren, wil er noch bei winternacht, da der frost sonst fäuler macht, seine braut zu bette führen. Opitz 2, 74; wer wolte nicht viel lieber an einen sichtbarn feind, für dem er stehen kan, und auf gut ritterlich es mit ihm nehmen an, als einen matten tod im faulen bette leiden. Fleming 134;
[] die jünger mochten eben vor fauler traurigkeit die augen kaum erheben. Gryphius 2, 207; dieses sagen wil nun wehren, weil (
dum) das leder wehrt ums maul, denn zum sagen und zum plaudern sind die weiber selten faul. Logau 2, 33, 18; ein ballon fleugt ungeschlagen nimmer, ob er gleich voll wind, manche sind zu faul zu ehren, ob sie gleich begabet sind. 2, 161, 9; von faust ist Schnaubo faul, doch rüstig in dem sinne, ein herze hat er wol, doch wenig herzens drinne. 3, 150, 73; faule (
träge, langsame) stunden eilet doch, eilet doch ihr faulen stunden! Günther 282; das hat mein fauler (
unthätiger) gram gethan. 191; nun macht der faule strich entzückt. 346,
der langgezogne strich des geigers; auch bürger scheuen sich für jeden gut zu sagen. willst du der kinder brot für faule schuldner wagen? Lichtwer
recht der vernunft 126; wir treiben tag für tag die magern schafe weiter, des abends kommen sie doch wol mit schlaffem euter und ohne milch zurück. da heiszts, man ist zu faul, und sorgt nicht für das vieh. Rost
schäfergedichte 61; der faule Hylax schlief, und wurd es nicht gewahr, als sich das vieh verlief. 92; nein, meine mutter spricht zu hause stets zu uns: ihr kinder, liebt mir nicht. die liebe macht nur faul und ist ein schlecht vergnügen, drum folgt, ihr werdet doch noch reiche männer kriegen. 133; ein alpenriese (
Bodmer) schimpft, in Sachsen wirds bekräftigt, o Phöbus bist auch du (
Gottsched spricht) zu meiner rache faul, wo nicht, so zeig es uns, spann einen feuergaul zu meinen (
so) besten aus, damit auf diesem pferde der alpen Polyphem von mir bestritten werde. Rost
vorspiel 75; lasz uns faul in allen sachen, nur nicht faul zu lieb und wein, nur nicht faul zur faulheit sein. Lessing 1, 51; so flieszt in kalter still, in ungenosznen stunden, in tagen, die verdrusz umhüllt, das faule leben fort, die traurigen sekunden, wenn sie nicht liebe füllt. 1, 90; der geist ist dabei (
beim etymologischen studium) in einer so faulen thätigkeit, er ist so geschäftig und zugleich so ruhig. 8, 161; ist es nicht fauler leichtsinn, dem einen die überzeugung des andern zu gute kommen zu lassen? ist es nicht leichtsinnige faulheit, die überzeugung des einen auf beide erstrecken zu wollen? 10, 146; er hat sich auf die faule seite gelegt.
Felsenb. 3, 423,
ist in faulheit versunken; sie liegen auf der faulen seite. Günther 163; sich auf die faule seite begeben. Praetorius
weltb. 28; die zeit mit faulen tagen zubringen.
Schlampampe 47; er liebte faule tage über alles.
Siegfr. v. Lindenb. 1, 50; die faule weltweisheit, die unter einer andächtigen miene eine träge unwissenheit zu verbergen trachtet. Kant 8, 346; aus einer art von fauler verzweiflung ergibt er sich blindlings in die hände seines führers. Fichte
über die fr. revol. 376; dort liegt er dann in fauler ruhe. Fr. Müller 1, 22;
eine menge scheltwörter werden mit diesem adj. gebildet: fauler hund, fauler rüde, fauler bengel, schlingel, fauler schliffel, fauler kegel (Keisersb.
omeis 8
b), faule schlumpe
u. dgl. mehr; es war ein fauler schäfer, ein rechter siebenschläfer. Göthe 11, 12.
die belege zeigen, dasz dies adj. sich mit der praep. zu
verbindet: faul zu wandern, faul zu plaudern, faul zu handeln,
fr. lent à marcher, à causer, à agir. 55)
statt er war nicht faul (
säumte nicht, non tardavit)
setzt die sprache, um das schnelle der handlung auszudrücken, nach einem pronomen oder nomen gern bloszes 'nicht faul',
mit weggelassenem verbum subst.: als Braun dieses gesagt, kroch er hinein bis über die ohren, steckte auch seine vördere tatzen mit hinein, der fuchs aber, nicht faul, zog eilend den keil heraus, dasz der bär mit dem kopf und klauen in dem baum bestecken bliebe.
prosa von Reineke fuchs (
nach 1648) 1, 8
s. 56; ich, nicht faul, und sobald (
zog alsbald) von leder. Philander 2, 731; er vertrawete der verratherischen Conquin den ganzen tractat, die, nicht faul, verzehlte alles dem chevalier de Lorraine. El. Charl. von Orleans
s. 446; er sagte, sie solte ihm gleich gold geben oder er wolte sie umb bringen, sie, nicht faul, springt ihm an den hals, nimbt seine cravatte und ziecht so geschwind, dasz der dieb ersticken solte.
s. 499; der Michele nicht faul reibt ihm das ohr.
Fuchsmundi 379; Gotthart aber, nicht faul, risz ihm die pistole aus der hand.
unw. doct. 847; diese, nicht faul, legte die hand an das gewehr.
med. maulaffe [] 65; der mair, nit faul, reicht bein kraisamt a memorial ein.
Eipeldauer 1814. 8, 10; das aber, nicht faul, nahm ein buchenes scheit, fuhr auf ihn ein. Gotthelf
Uli s. 302; die wächterin, nicht faul, gosz. Bucher
die kinderlehr s. 35; nid fula, nit lassä, nit zful. Stalder
dialect. 292. 297. 308.
nd. he, nig to ful, gaf em ene orfigen; er läuft, der bär läuft nach. er schreit, will sich verstecken, der bär, nicht faul, sucht ihn, bricht brummend durch die hecken, und jagt ihn wieder vor. Lessing 1, 194; um mir doch die kleine freude am Frauenbuch zu verderben, hat herr Joseph Bergmann, nicht faul, die handschrift abdrucken lassen, ehe meine arbeit erscheinen konnte. Lachmanns
nachschrift zum Lichtenstein. ist das verbum ausgedrückt, so leidet die raschheit des ausdrucks: die maurer waren nicht faul dabei gewesen.
Leipz. avant. 1, 88; ich war nicht faul, sondern ging.
Felsenb. 2, 402; drauf kam der tod, der war nicht faul, kriegt ihn beim kopf, sprach 'halt ers maul!' Rost
grabschrift auf Heinecke. 66)
aus der eigentlichen bedeutung von faul
entwickeln sich noch einzelne besondere und technische, die auch in feste namen übergehn. in spielen heiszt der, welcher austreten musz, 'faul',
besonders im ballspiel: der schultheisz wirft einem in der reihe den ball zu, sobald dieser ihn gefaszt hat, musz er gleich einen der übrigen, die das weite suchen, werfen. trift er, so ist der getroffene 'faul'
und darf nicht mehr mitspielen, trift er nicht, so ist der werfende faul
und während dem spiel darf keiner der spielenden von einem 'faulen'
bei strafe des 'faulwerdens'
den ball annehmen. Ernst Meier
kinderspiele 144.
den schiffern bezeichnet faule see
windstille; den bergleuten fauler gang
schmieriges, schlüpfriges gestein; faules eisen
ist brüchiges und die benennung eines spiels 'faul eisen'
Garg. 168
d no 457
mag daraus zu erklären sein; ein andres spiel das. 426 'die faulen mägd'; faule wäsche,
schmutzige, was sonst schwarze wäsche,
nd. vuul tüg,
faules zeug; vulen twiete
oder fuhlen twiete,
enge, stinkende gasse in Hamburg; faule Grete
heiszt die falcaria, das sichelkraut, nach einer dirne, die im sicheln faul war, nach Weinhold 19
a ist in Schlesien die faule magd
aber lychnis flos cuculi, kukuksblume. derselbe legt auch der ralle
oder dem wachtelkönig,
rallus crex, diesen namen bei, wofür Nemnich der alte knecht, kasper, der feldwächter
hat. vgl. beutelfaul, erzfaul, faszfaul, grundfaul, kernfaul, maulfaul, mistfaul, rotzfaul, schelmfaul, schlägefaul, schlagfaul, stinkfaul, stockfaul.