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faul

ahd. bis spez. · 17 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
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19 in 17 Wb.
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Faul

Bd. 2, Sp. 58
Faul, -er, -este, adj. et adv. 1. * Häßlich, ungestaltet; eine im Deutschen veraltete Bedeutung, welche indessen noch in einigen verwandten Mundarten, z. B. in dem Dänischen fäl, und Schwedischen fult, scheuslich, aufbehalten wird. Auch das Griechische φαυλος bedeutet garstig, gering. S. auch Fahl. 2. * Unrein, schmutzig; eine im Hochdeutschen gleichfalls unbekannte Bedeutung, welche noch im Nieders. vuul üblich ist. Faule Wäsche, ein faules Faß. Das Angels. ful. und Engl. foul bedeuten gleichfalls unrein, und das Angels. fulan ist besudeln, womit auch das Griechische φολυειν und Lateinische polluere überein kommen. Bey dem Willeram ist wollon gleichfalls verunreinigen. 3. Von flüssigen Dingen und daraus bestehenden Körpern, wenn sie in die auflösende Gährung gerathen. Die Äpfel sind faul. Faules Obst, faules Wasser, ein faules Ey, faules Holz, ein fauler Zahn, ein fauler Schaden, fauler Käse, faules Fleisch, faule Fische. Das sind faule Fische, im gemeinen Leben, das sind erdichtete Entschuldigungen, unredliche Handlungen u. s. f. Faul werden. Faules Fleisch in einer Wunde, welches auch wildes Fleisch genannt wird. Faul im Leibe nennt man im gemeinen Leben diejenigen Thiere, bey welchen der Magen und die Gedärme entzündet sind. Oft nennen unwissende Schmiede auch Pferde, welche ein auszehrendes Fieber haben, faul im Leibe. Faules Fieber, S. Faulfieber. Ingleichen, was diese auflösende Gährung verräth. Ein fauler Geruch, ein fauler Geschmack. Das Wasser schmeckt schon faul, das Fleisch riecht faul. In uneigentlichem Verstande heißt bey den Schlössern faules Eisen dasjenige Eisen, welches durch überflüssiges Glühen auf dem Hammerwerke brüchig geworden ist. Im Bergbaue ist ein fauler Gang, ein schmieriges und schlüpfriges Gestein; ein faules Gebirge, ein mürbes, brüchiges Gestein. S. Fäule. 4. Figürlich. 1) * Untauglich, unnütz; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung. Faules Geschwätz, Ephes. 4, 29. Faule Fische, Matth. 13, 48, σαπροι. 2) Abgeneigt sich zu bewegen, und in engerer Bedeutung, abgeneigt pflichtmäßig zu arbeiten. Ein fauler Mensch. Der Faule liebt die Ruhe. Ein faules Pferd. Der Esel ist ein faules Thier. Sich auf die faule Seite legen, im gemeinen Leben, sich der Faulheit ergeben. Er, nicht faul, ging hin, und u. s. f. eine elliptische Art zu reden in der niedrigen Sprechart, d. i. er ging schnell, plötzlich, hin u. s. f. Die faule See, in der Seefahrt, Windstille. In den gemeinen Mundarten hat man von diesem Worte verschiedene artige Zusammensetzungen: schlaffaul, schläferig, fickenfaul, beutelfaul, nicht gern bezahlend, ingleichen, karg, geitzig, maulfaul, den das Reden verdrießet, schlägefaul, der gegen die Schläge abgehärtet ist. S. diese Wörter. 3) Schläfrig, im gemeinen Leben. Anm. Dieses Wort lautet in der dritten Bedeutung schon bey dem Ulphilas fuls, im Angels. foul, im Engl foul, bey dem Ottfried ful, im Nieders. vuul, im Dän. fuul und im Schwed. ful. Von den Eyern haben die Niedersachsen auch das Wort pulsk. Von der Abneigung zur Bewegung wird in eben dieser Mundart auch loi, lädsch, ludderig, und laaßam gebraucht, womit das Fries. loay und Holl. loi, und das Dän. lad überein kommen. S. Laß. Opitz hat auch das im Hochdeutschen unbekannte Fäuling, ein fauler Mensch. Was du anjetzt vermagst, das sollst du nicht beginnen Erst morgen, und verziehn als wie ein Fäuling zwar.
3365 Zeichen · 80 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    faul

    Althochdeutsches Wörterbuch

    faul Gl 5,9,6 s. phâl.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Faul

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Faul , -er, -este, adj. et adv. 1. * Häßlich, ungestaltet; eine im Deutschen veraltete Bedeutung, welche indessen noch i…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    faul

    Goethe-Wörterbuch

    faul 1 morsch, verdorben, (durch Geruch od Geschmack) Fäulnis, Verwesung anzeigend [ das Priapstandbild im Garten: ] er …

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Faul

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Faul , s. Herder F äulniß. F.es Eisen , brüchiges; f.er Gang , der einen erzführenden verwirft oder zertrümmert; f.es Ge…

  5. modern
    Dialekt
    faul

    Lothringisches Wb. · +4 Parallelbelege

    faul s. full.

  6. Sprichwörter
    Faul

    Wander (Sprichwörter)

    Faul 1. Faul, arm vnd doch verzehren, geschieht nit lang mit ehren. – Henisch, 1021. It. : Chi non ha entrata, nè mestie…

  7. Spezial
    faul

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    faul adj. 1 (moderig) frat (frac, frada) 2 (verdorben: Obst) frat (frac, frada) 3 (arbeitsunlustig, träge) frat (frac, f…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit faul

346 Bildungen · 235 Erstglied · 106 Zweitglied · 5 Ableitungen

faul‑ als Erstglied (30 von 235)

Faulbach

SHW

Faul-bach Band 2, Spalte 383-384

Faulbaum

SHW

Faul-baum Band 2, Spalte 383-384

Faulbeere

SHW

Faul-beere Band 2, Spalte 383-384

Faulbrut

SHW

Faul-brut Band 2, Spalte 383-384

Faulfieber

SHW

Faul-fieber Band 2, Spalte 385-386

Faulhuber

SHW

Faul-huber Band 2, Spalte 385-386

Faulobst

SHW

Faul-obst Band 2, Spalte 385-386

Faulpelz

SHW

Faul-pelz Band 2, Spalte 385-386

Faultier

SHW

Faul-tier Band 2, Spalte 385-386

Faulwammes

SHW

Faul-wammes Band 2, Spalte 385-386

faulachtig

RhWB

faul·achtig

faul-achtig -axtiχ Prüm , Koch-Lutzerath , Siegld .; -Etiχ Wippf-Bechen Adj.: wie faul aussehend, schmeckend.

Faulack

RhWB

faul·ack

Faulack fulack  Geld-Kevelaer ; -ǫkər Heinsb-Karken m.: -pelz.

faulacken

RhWB

faul·acken

faul-acken Kemp ; -ksən Wermelsk schw.: faulenzen; eine Arbeit verfulacke vernachlässigen MGladb-Giesenk .

Faulacker

PfWB

faul·acker

Faul-acker m. : FlN für einen ehemals vermoderten, unfruchtbaren Acker, am Faulackeʳ [ HB-Einöd ]; vgl. PfWB Faulstück , PfWB -wiese . ElsWB…

Faulackster

RhWB

Faul-ackster Düss-Wersten Benr Eller : fulackster! wird gesagt bei einem misslungenen Ansatz zum Schiessen, was, wenn es rechtzeitig gesagt …

Faulader

RhWB

faul·ader

Faul-ader  NBerg ( Sol , Mettm ) f.: die empfindliche Stelle am Ellenbogen.

Faulatz

RhWB

faul·atz

Faul-atz vulats Aach (veralt.) f.: Verkäuferin von Obst udgl.

faul als Zweitglied (30 von 106)

anfaul

RhWB

an-faul: PfWB anfangend, f. zu werden, vom Obst Zell-Trarb .

bettfaul

RhWBN

bett·faul

bett-faul -fu˙l. Gummb-Nümbrecht Adj.: b. ist ein Langschläfer.

denkfaul

DWB

denk·faul

denkfaul , adj. träg zum nachdenken Malten Neuste weltkunde (1847) s. 100.

drügfaul

RhWB

drüg-faul  Verbr. Adj.: wie nhd., bes. von Kartoffeln.

durchfaul

PfWB

durch·faul

durch-faul Adj. : ' durch und durch faul ', vom reifen Käse, doʳchfaul (-ˈfaul) [ KU-A'glan KB-Albish ], duʳch- [ RO-Callb ]; dafür auch duʳ…

edelfaul

PfWB

edel·faul

edel-faul Adj. : von überreifen Weinbeeren, edlfaul [ LA-Rhodt ]; edelfaule Drauwe [ LU-Alsh ]; e erelfauli Beer [ FR-Albsh ]; e edelfaul Be…

erdfaul

RhWB

erd·faul

erd-faul RhWBN -ū-  Dür , Aach , Eup Adj.: vermodert, verwest.

Fáßfaul

Adelung

fass·faul

Fáßfaul , adj. et adv. einen unreinen Geschmack von dem Fasse oder hölzernen Gefäße habend; Nieders. vatvuul. Das Bier schmeckt faßfaul. Faß…

faszfaul

DWB

faszfaul , putredinem dolii redolens, faulichten geschmack vom fasz habend: es schmeckt, riecht faszfaul, böhm. smrdi sudem.

federfaul

DWB

feder·faul

federfaul , piger scribendi, schreibfaul: schreibe mir balde und werde nicht federfaul, wie es in der entfernung gar leicht geschieht. Göthe…

fickenfaul

DWB

ficken·faul

fickenfaul , avarus, der ungern seinen beutel zieht: ich habe viel, viel geld, mein vater liesz mir solch zeug genug und ich bin auch nicht …

gippelfaul

RhWB

gippel-faul Saarbr-Sulzb Adj.: dürr im Gipfel.

graufaul

PfWB

grau·faul

grau-faul Adj. : ' von Fäulnis und Schimmel befallen ', von Weintrauben, groofaul [ NW-Kallstdt ]; vgl. PfWB grau 2 b, PfWB grauzig .

halbfaul

DWB

halb·faul

halbfaul , adj. zum groszen theil verfault: das gekrächz hungriger raben, die an meinem halbfaulen antecessor zu dreiszigen hiengen. Schille…

hauptfaul

RhWBN

haupt·faul

haupt-faul h:ts- (s. S.) Rheydt-Giesenk Adj.: dumm, nicht recht gescheit.

hirnfaul

RhWB

hirn·faul

hirn-faul hīrə- Trier-Braunshsn Adj.: nicht gescheit.

hundefaul

DWB

hunde·faul

hundefaul , adj. äuszerst faul, catulo segnior Steinbach 1, 418 .

hundsfaul

PfWB

hunds·faul

hunds-faul Adj. : ' sehr faul ', vgl. PfWB erz- , PfWB stinkfaul . Des is e hundsfauleʳ Kerl [ LU-Alsh ]. SHW Südhess. III 796 .

katschfaul

RhWB

katsch·faul

katsch-faul -ū-  Jül-Altd Adj.: patschfaul, bes. von dem Innern der Birne.

kautenfaul

DWB

kauten·faul

kautenfaul , ein spiel bei Fischart Garg. 168 b (309 b Sch. ): 'inn kauten, kautenfaul'; nach den vorausgehenden spielen scheint kaute spiel…

kernfaul

DWB

kern·faul

kernfaul , faul im kern, fortsmannsausdruck, s. DWB kern 3. Adelung : kann man denn, wenn man auch nicht kernfaul ist, doch nicht rindenfaul…

Ableitungen von faul (5 von 5)

erfaulen

DWB

erfaulen , putrescere, computrescere, pigrescere, faul werden, verfaulen, ahd. irfûlên, mhd. erfûlen, ags. âfûlian: ûʒ ebeno dem holze quëc …

unfaul

DWB

unfaul , adj. adv. , gegentheil von faul. obwohl von Stieler , Aler, Steinbach, Kramer-Moerbeek, Campe verzeichnet, doch im nhd. kaum recht …

verfaulen

DWB

verfaulen , verb. faul werden, faulend zu grunde gehen, mhd. vervûlen, mnd. vorvûlen; verstärktes faulen. 1 1) intransitiv, imputrescere, fa…

verfaulung

DWB

verfaulung , f. substantivbildung aus dem zeitworte, übergang in fäulnisz, dann das in fäulnisz übergegangene: wir wissen, dasz auch in dene…

zerfaulen

DWB

zerfaulen , verb. , verfaulen: mein fleisch und bain wil mir in meinem mund z. Germ. 17, 75; H. Fischer 6, 1131 ; so zerfaulet auch sein ( d…