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wundermann

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wundermann m.

Bd. 30, Sp. 1925
wundermann, m. , im 16. jh. aufkommend und seither in vielfältiger verwendung. auch, bes. in dem abwertenden sinne von 3 c, als wundersmann, vgl. z. b. allg. dt. bibl. (1765) 27, 609; 60, 261; Ayrenhoff s. w. (1814) 5, 36. 11) im religiösen bereich. 1@aa) als bezeichnung der göttlichen personen, bes. in der erbaulichen sprache des 17. u. 18. jhs.; seltener von gott selbst, als von dem herrn des wunders: gott ist der rechte wundermann, der bald erhöhn, bald stürtzen kan Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 1, 30. meist von Christus, dem wundertäter: der hochgedachte wunderman (Jesus) wölle e. g. ... ein glückseliges ... newes jar bescheren Ringwaldt evangelia (1581) A 6b; er (der hauptmann v. Capernaum) ist einer der ersten gläubigen, der von dem hohen wundermanne hülfe fordert Göthe I 49, 2, 94 W. jünger sonst mit dem akzent neuerer verwendungsweisen des wortes (s. u. 3 c): so zeigt er (der evangelist) sich eben damit nicht als geschichtlichen, sondern als wundererzähler, zu dessen styl das fortwährende staunen und nichtverstehen der dem wundermanne gegenüberstehenden menschen gehört D. Fr. Strausz ges. schr. (1876) 4, 90. 1@bb) von groszen religiösen persönlichkeiten, den propheten, aposteln und heiligen, wobei oft die vorstellungen des wundertuns und der besonderen frömmigkeit zusammengehen: und Saul war in der erst ein wundermann, darnach ward er vermessen bei Luther tischr. 1, 539 W.; die zween wundermänner Moysen vnnd Eliam Meyfart d. himml. Jerusalem (1630) 1, 90; vgl. 19; Parther, Meder und Elamiter entsetzen sich, jeder glaubt seine sprache zu hören, weil er die wundermänner (die apostel zu pfingsten) versteht Göthe I 37, 187 W.; hier, wo die bilder schön die pfeiler schmücken vom sankt Laurentio und Sebastian, soll man auch Genovevam bald erblicken, sie wird den wundermännern zugethan Tieck schr. (1828) 2, 270. prophet und wundermann in geläufiger verbindung: den groszen propheten vnd wundermann Eliam Mathesius Sarepta (1571) 3a; alsdann hielten (sie) mich theils wegen meines langen haars und wilten barts vor einen alten propheten ..., andere vor sonst einen seltzamen wundermann Grimmelshausen contin. 45 Scholte; dasz er (ein gerissener betrüger) durchgehends für einen propheten und wundermann ... gehalten wurde M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 96. auch hier mit dem abwertenden akzent der jüngeren gebrauchsweise 3 c: wenn das christenthum aufhört ein wunder zu sein, so können auch die geistlichen nicht mehr die wundermänner bleiben, als die sie sich bis dahin so gerne gebärdeten. sie werden nicht mehr segen sprechen, sondern nur noch belehrung ertheilen können D. Fr. Strausz ges. schr. (1876) 3, xx. 1@cc) sonst von besonders frommen männern, deren gott sich als seiner werkzeuge bedient, besonders in protestantischem sprachgebrauch: aber gewislich hats gott jm (Friedrich dem Weisen) so (die art der regierung) jnn den sinn gegeben, weil er der wunderman gottes einer gewest und geschaffen ist Luther 51, 210 W.; ob disem wundermann (Luther) Mathesius ausgew. w. 3, 177 Loesche; von jenem Bugenhagen (dem reformator Pommerns), dem helden seiner zeit, dem groszen wunderman Rist neuer teutscher Parnasz (1652) 641. 22) in einer art säkularisierung von 1, bes. 1 c, wurzelt der schon im 16. jh. mögliche, bis heute gültige gebrauch in dem auszeichnenden sinne von 'auszerordentlicher, bedeutender mensch'. gelegentlich ist religiöser hintergrund noch spürbar: (David) als einem zwanzigjährigen könige, jedermann gehorsam worden, welches je eine besondere gottesgabe ... was für feine artige ingenia vnd wundermenner auch noch heute zu tag gott erwecke, ... ist, jhm sei danck dafür, kündig vnd offenbar C. Julius Susanna u. Daniel (1610) 155. dann aber ganz profan, wobei sich, besonders im jüngeren gebrauch, der einflusz von wunder II E 6 b geltend macht, wo personen in bestimmter hinsicht als ein wunder bezeichnet werden: diser wunderman (Nicasius Vordeus, ein blinder gelehrter) ist gestorben im jar Christi 1494 G. Braun beschr. u. contrafactur (1581) 3, reg. +++ 1a; den hochgelahrten wundermännern Reuchlin und Erasmo Schupp schr. (1663) 605; er (der verstorbene kaiser Leopold) eilt den sternen zu, der grosse wundermann Neukirch anfangsgründe z. teutsch. poesie (1724) 873; ich hatte schon so viele und seltsame dinge von diesem Schinderhannes erzählen hören, dasz ich mir ein groszes genie, einen wahren wundermann unter demselben dachte C. Friedrich vierzig jahre (1915) 1, 102; ein wundermann des wissens, der eindringt in die urnacht des geschaffnen und sie erhellt mit gottgegebnem licht Grillparzer s. w. 9, 68 Sauer; die ... fast unerklärlich rätselhafte erscheinung des musikalischen wundermannes Sebastian Bach R. Wagner in: A. Schweitzer Bach (1948) 238. von einem wunderkind: wir gingen hinüber, damit ich die bekanntschaft des kleinen wundermannes machte Th. Mann Faustus (1948) 734. auch in weniger hochgreifender beziehung, von einem originellen menschen, wohl unter dem einflusz von wunderlich: ihre väter schon pflegten ihnen von diesem wundermann zu erzählen, dessen ganze lebensart so regelmäszig war, wie der schattenweiser einer sonnenuhr Hufeland kunst d. menschl. leben zu verlängern (1797) 175. 33) der zauberer, der magier, der mensch, der übernatürliche kräfte und fähigkeiten besitzt. 3@aa) allgemein, aber im eigentlichen sinne: bisz sich auch (in Hameln) fand ein wundermann, mit bunten kleidern angethan, der pfiff die meusz zusammen all, erseufft sie im strom auff einmahl Rollenhagen froschmeuseler (1595) Rr 7a; J. H. Voss s. ged. (1802) 3, 110; diesen wundermann zu sprechen, der alle verborgene dinge wüste zu offenbaren (ein indischer sternseher) A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 3, 1015; er ist es, der gern mit den kindelein spielt, der alte getreue, der Eckart. vom wundermann hat man euch immer erzählt, nur hat die bestätigung jedem gefehlt, die habt ihr nun köstlich in händen Göthe I 1, 207 W.; die sklaven ... riefen an die spitze des ... insurgentenheeres einen wundermann ..., der feuer zu speien und zu orakeln verstand Mommsen m. gesch. 2 (1865) 79. vergleichend: ein wundermann, der welt, des lebens satt, schlosz seine zauber grollend ein im festverwahrten, demantharten schrein, und warf den schlüssel in das meer und starb (von Beethoven gesagt) Grillparzer s. w. 1, 237 Sauer; vgl. R. Wagner ges. schr. (1897) 9, 35. im munde des aufgeklärten sprechers gewinnt das wort prägnant den sinn 'betrüger, scharlatan, marktschreier': alle arten von adepten und wundermännern spielen unter allerley gestalt und nahmen eine so grosze rolle gegen das ende unsers jahrhunderts Wieland Lucian 1 (1788) 150; auch lügenhafte zeichen und vorbedeutungen ... wurden durch einige männer ... in solcher menge gemacht, dasz diese wundermänner vor den haufen, welche auf sie einstürmten und zeichen oder genesung heischten, kaum zeit behielten ihr brot zu essen G. Freytag ges. w. (1886) 17, 500. 3@bb) speziell der erfolgreiche, auszergewöhnlicher mittel und methoden sich bedienende arzt; nicht mehr übernatürliches in eigentlichem sinne voraussetzend, eher in einer art vergleichender übertragung des gebrauchs a: die königliche gesellschaft zu London war selbst zeuge dieser kuren, und Robert Boyle schützte den wundermann (einen arzt, der magnetische heilungen vornimmt) in ihrem namen, als man ihn der zauberey beschuldigen wollte allg. dt. bibl. (1765) 85, 109; Mesmer, der wundermann, dessen lehren einst Lavater in den kreisen der erweckten verbreitet hatte Treitschke dt. gesch. 22, 78. wie wunderdoktor (s. d. 1) auch vom medizinischen kurpfuscher und scharlatan: du muszt von stadt zu stadt auf alle messen reisen ... und schreyen: eilt herzu! hier steht der wundermann, dem keiner in der welt das wasser reichen kann (doktor Eisenbart in den mund gelegt) Gottsched ged. (1751) 1, 428; wie oft geht endlich die obrigkeit dem volk mit bösem exempel vor, und unterhält den glauben an pfuscher und wundermänner? allg. dt. bibl. (1765) 111, 417; Caspar: da hat der wundermann (ein scharlatan) ihn wieder gestrichen. v. Bosen: und am dritten tage? Caspar: war er mausetot Kotzebue sämmtl. dram. w. (1827) 44, 100. 3@cc) von a her auch dort, wo allgemein menschen etwas besonderes sind oder leisten und dadurch bei anderen, besonders bei der unkritisch urteilenden menge, in den ruf kommen, zauberische oder an zauberkraft grenzende fähigkeiten zu besitzen; der sprecher selbst distanziert sich meist mit der wahl des wortes von einer solchen auffassung, wodurch es leicht einen abwertenden, ironisierenden ton empfängt, vgl. bereits oben 1 a; b: der magische nebel, in den das gerücht gewönlich schriftsteller einhüllt — ihre glänzenden ideale von mir, werden freilich ganz erstaunlich durch meine wirkliche erscheinung verlieren. sie werden einen ganz erbärmlichen wundermann finden (1785) Schiller br. 1, 231 Jonas; es war denn gar nicht in dem charakter eines solchen Römers, bey einem juden, dem wundermann des geringen volkes (Christus), hülffe und rath zu suchen M. Claudius in: dt. museum (1812) 1, 326 Fr. Schlegel; alle harrten sie des augenblicks, wo der wundermann (ein schreiber auf einem jahrmarkt, der den analphabeten briefe schreibt) ihnen sein ohr zu leihen und ihre herzensangelegenheiten zu vernehmen geruhen werde Gaudy s. w. (1844) 17, 98; der dichter hat mit dieser art von illusionsmitteln nicht mehr zu schaffen, wie der bildhauer mit den geheimnissen des wundermanns, der in wachs boussirt Hebbel w. 17, 242 Werner. 44) als bezeichnung für den, der mit (übernatürlichen) wundern umgeht, sich mit ihnen befaszt, an sie glaubt; eine affinität für das wunderbare, übernatürliche umschreibend: dem Z** (Zürcher) wundermann gehör bei den berühmten zu erbitten (von Lavater gesagt) Schiller 6, 30 G.; vgl. Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 4, 488; der grosze unterschied (zwischen Keller und Kerner) ist, dasz Kerner im ernst ein wundermann wurde; doch hat er seinen humor behalten Vischer altes u. neues (1881) 2, 202; das mittelalter kehrte zu dem geschichtlichen, zu dem wundermann (Alexander d. Gr.) selbst zurück, den es bis an die grenzen der welt, ins reich der gewässer und der lüfte, endlich bis ins christliche paradies wandern liesz Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 1, 57; vgl. 218. auch hier, 3 c entsprechend, verächtlich: der unwille ... gegen Darwins theorie von seiten der kirchlichen, der altgläubigen, der offenbarungs- und wundermänner D. Fr. Strausz ges. schr. (1876) 6, 118. 55) vereinzelt in einer prägnant negativen bedeutung, wie sie durch wunder II E 3, besonders aber durch wunderlich (s. d. A 3 c; 4 c α ββ) nahegelegt wird. etwa soviel wie 'intrigant, unruhestifter': der marggraff such sein selbst sach und nicht e. aller cfl. und fl. g. bestes. mich dunkt, es sei ein wunderman, des ich nicht gemeint, und in hievor, wiewoll ich vill aus bevell e. cfl. g. mit im umbgangen, nicht erkant Planitz berichte 353 Wülcker. hierher wohl auch (wenn nicht im sinne von 'miszgeburt' zu 6): spricht der astachs (ein krebs) den fewrwurm (einen käfer) an, woher komstu mein wundermann? wer hatt dich zu dem kampff gebeten, wer heist den hann die hüner tretten? Rollenhagen froschmeuseler (1595) Bbb 7a. 66) ebenfalls singulär 'monstrum, miszgeburt', zu wunder II E 1 e α: darauff ist dieser wundermann ... von vielen menschen gesehen worden (ein meerungeheuer) Prätorius anthrop. pluton. (1666) 2, 99. —
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    Neuhochdeutsch
    WundermannDer

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

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