wunderbild,
n. ,
seit dem 15.
jh. nachweisbar. 11)
zufrühest von monströsen, abnorm gestalteten lebewesen, ihrer erscheinung selbst oder ihrer bildlichen darstellung, im anschlusz an wunder II E 1 e
α.
so wohl schon (
und nicht von 3
her)
im frühesten nachweis des wortes: der maler hat in (
den brunnen) wol florieret von mangem wunderbilde, beide zam und da bi wilde meister Altswert 20
Holland; was wunderbildts ist das ich sich? (
von der sphinx) Heyden
Plinius (1565) 128.
etwas anders: dasz sie (
Corbilia von Antiochien) sich jähling in einen mann verwandelt ... und muste selbige vor den Claudium Caesarem nach Rom gebracht werden, welcher diesem wunderbilde zu ehren ... einen altar lassen aufrichten Amaranthes
frauenz.-lex. (1715) 371;
vgl. 35. 22)
nur vereinzelt soviel wie '
schrecklicher anblick',
in dem prägnant negativen sinn von wunder II E 3: itzt liefert er die leichen auf Britten schaugerüst zu einem greuelzeichen, zu einem wunderbild, zum vorspiel dieser noth, die über Britten wacht Gryphius
trauersp. 419
Palm. 33) '
wunderschönes bild, herrliches bildwerk',
von bildern und statuen der kunst, vgl. dazu wunder II E 6 a
α; seit dem 17.
jh.: unten an dem fusze dieses wunderbildes (
der Venus des Praxiteles) waren diese reime zu lesen Lohenstein
Arminius (1689) 1, 319
b; das wunderbild von Rubens le chapeau de paille Burckhardt
br. an einen architekten (1879) 93. 44)
auf bilder und erscheinungen im bereich der natur und der landschaft bezogen, in nur jüngerem anschlusz an wunder II D 1: ist diss der sonne schimmer, den ich dort aufwallen sehe? welche wunderbilder? Wieland I 1, 420
akad.; und meereswellenschaum und gottesluft, dazu die paradiesischen gefilde verwoben lieblich sich im sonnenduft zu einem nie geschauten wunderbilde
moderne dichtercharaktere 161
Arent-C.-H. 55)
in hoch auszeichnendem sinne von menschen. 5@aa)
von schönen frauen, entsprechend wunder II E 6 b
β,
in der liebessprache des barock geläufig und jünger nachwirkend: o wunderbild, o hertzensschild, du bist die mir die schmertzen stillt (1656)
Venusgärtlein 86
ndr.; Ziegler
asiat. Banise (1689) 718; dem pol entsprieszt die herrlichste der frauen, ein riesenkind, ein kräftig wunderbild (
Brunhild) Göthe I 16, 222
W. nicht nur für die person selbst, sondern auch für das bild bzw. den anblick ihrer erscheinung: Roxane, was dein wunderbild bey deines vaters mahl in mir hat angesponnen Besser
schr. (1732) 2, 578
König. 5@bb)
von bedeutenden, auszerordentlichen, bewundernswerten menschen, vgl. wunder II E 6 b
δ: nun hat ein schneller schlag disz wunderbild (
Lohenstein) zubrochen
bei Lohenstein
Ibr. sultan u. a. ged. (
lebenslauff) C 3
b; wo mag das wunderbild Theresia regieren? Gottsched
neueste ged. (1750) 121.
mit dem gebrauch 3
gekreuzt: du scheinest hier als schwärmer dieses wunderbild (
von Mahomet als einem übermenschen) zu zeichnen Göthe I 9, 287
W. 66)
verhältnismäszig spät in der heute wohl vorherrschenden bedeutung '
wundertätiges bild',
vor allem von Marien- und heiligenbildern, entspr. wunder II A 2 b.
etwas früher in vergleichbarer anwendung innerhalb antiker mythologie: weil nun bey den Römern alles disz, was von ihren wunderbilden geweissagt worden wäre, so beständig einträffe (
historisch-mythischen reliquien wie der asche Orests, dem bild der Pallas, dem schwarzen stein der göttermutter u. ä.) Lohenstein
Arminius (1689) 2, 1274
b; im pilgerkleid hofft' ich das theure leben von ihrem (
der heiligen jungfrau) wunderbilde zu erflehn Göthe I 13, 1, 15
W.; vgl. 34, 51; III 3, 152; durch ein wunderbild, das man aus dem nahen kloster herbeibrachte, wurde sie aus diesem furchtbaren zustande (
zum teil in einen baum, zum teil in einen stein verwandelt zu sein) wieder erlöst br. Grimm
dt. sagen (1891) 1, 225. 77)
vereinzelt von einem bilde, mit dem sich etwas scheinbar unerklärliches begeben hat: als ich nachricht von diesem phänomen erhielt, begab ich mich sogleich zu dem wunderbilde (
einem gemälde, bei dessen restaurierung sich unerklärliche farbwandlungen ereignen) Göthe II 1, 71
W. —