stoszen,
verb. tundere; offendere, illidere, impingere; trudere, protrudere; collidere, occurrere, incurrere. form und geschichte: aa)
ahd. stôʒan,
mhd. stôʒen,
gegenüber der formal älteren gruppe got. stautan (
redupl. staistaut),
anord. steyta
und stauta (
schwed. stöta,
dän. støde,
dieses in einzelnen bedeutungen stark beeinfluszt durch das nhd.),
as. stôtan (
mndd. stôten,
holl. stooten),
neundd. stten,
afries. stêta (
nordfries. stiete,
westfries. stietten,
neben einem nichtumgelauteten, sehr wahrscheinlich unter nhd. einflusz stehenden stôten
der handwerkersprache, entsprechend oben stosz m. sp. 474
unter II 1
b). bb)
auszerhalb des germ. besteht verwandtschaft mit skr. tudáti '
stöszt',
lat. tundo (
perf. tu-tud-i) '
stoszen, schlagen'
aus älterem *stu(n)do,
weiter tudes '
hammer' (
begrifflich entwickelt aus dem stoszmäszigen schlag mit dem faustkeil)
; zu vgl. auch studium '
eifer, streben' (
eine entsprechende bedeutungsentwicklung s. u. unter streben,
verb. eigentlich von der straffung des körpers bei der arbeit, vgl. den begriff '
steif werden'
in aslav. studŭ '
kälte', stynąti '
kalt werden').
hierher auch die namen altgriechischer helden wie Τυδ-
εύ-
ς und Τυνδ-
άρεο-
ς,
auch alb. štüń '
stosze'
aus älterem *studniô. cc)
innerhalb des germ. stellt Edw. Schröder (Haupts
zs. 42, 61)
auch begrifflich einleuchtend in die etymologische verwandtschaft unseres wortes oben stollen,
m. (
sp. 200)
aus vorgerm. *stud-lón,
also eine sachliche entsprechung zu dem auch sprachlich zu unserer gruppe gehörenden stütze,
fem. (
s. u.),
in beiden fällen '
der zum zweck des tragens unter einen gegenstand gestoszene klotz, balken u. s. w.'. dd)
eine intensiv-frequentat. bildung zu ndd. stôten
ist das in die nhd. schriftsprache eingedrungene stottern,
verb. (
s. u.)
weiteres unter dem zu unserm wort gebildeten subst. stosz,
m. (
sp. 448
f.). ee)
innerhalb des nhd. und der ihm unterlagerten ma. der inf. umgelautet oberpf. als stoeszen Schm.
22, 789,
am mittel-Main als stèssen (stèessen
zwischen Lech und Inn)
Bayerns ma. 73
neben nichtumgelautetem stâszen 71,
so auch bei dem Elsässer Wickram (
w. 4, 9). 2.
u. 3.
sing. praes. entsprechend vorherschendem mhd. du stôʒest, er stôʒet
auch im nhd. bis in die jüngere zeit bisweilen ohne umlaut in gebrauch, so bei Morhof
unterricht (1682);
bei Brockes (9, 285)
im reim er stoszt: erbost
und noch bei J. Kerner (
s. unten I 6
d β)
; sonst die seit dem 16.
jahrh. von Mitteldeutschland sich verbreitende umgelautete form (Luther
braucht noch beide).
im md. ein prät. stusz, stosz (
für stiesz),
vgl.štus, štos (
neben štiis) Müller-Fraureuth 2, 570
a,
entsprechend bei Lessing
als bedientensprache: zum exempel, ihnen, mein herr, stüsze wieder einmal eine kleine raserei zu
d. junge gelehrte 2, 4.
ein schw. prät. stoszte (Martin - Lienhart 2, 616; Müller-Fraureuth 2, 570
a)
vielleicht unter dem einflusz des synonyms bôʒen
swv.: die magd stoszte ihn zum öftern gröblich von sich
gepflückte finken (1665) 285; indem man die hausthür zuschlug, stoszte noch einer mit dem degen
nach ihm
frantzös. Simpliciss. (1683) 2, 195;
auch: denn ihr haus stoszte an der einen seite an den wall Menantes
verliebte welt 2, 72.
vereinzelt ein schw. part. gestoszt,
so Martin - Lienhart
a. o. —
mit umlaut bei A. Gryphius (
s. unter l 8
h)
als reimworte gestöszt: entblöszt.
Bedeutung: II.
transitiv. I@11)
eigentlich '
einen gegenstand prallend berühren, mit anprall treffen': ich stosz, stupff,
pungo, ich stosz mit gewalt,
trudo Alberus (1540) k k 2
b; einen stoszen,
urtare uno Kramer
dict. (1702) 2, 986
c;
wenn man die lezte (
billardkugel) stöszt, ... Lichtenberg
br. 2, 168 was stöszest du schlingel denn den Peter so, der euch doch alle wieder hat herweisen müssen? Tieck
schr. 5, 524 (Lenz
ges. schr. 1, 50);
dasz Jobst an der wand sich herumwarf und den Dietrich anstiesz; Dietrich fuhr zurück und stiesz den Fridolin G. Keller 4, 238; wird man in der stadt so verstäubt und von allen seiten gestoszen? das ist traurig G. Freytag 6, 231; jedoch rüft nicht zuo laut und hell, und nicht wie kärchelzieher schnell, die erst alsdann aufsehen, rüfen wann sie ein stoszen Fischart
flöhhaz 55
neudr.; was der ein stoszt, der ander tritt, man hebt
es auf, nach dem es fallt,
Gargantua 454
neudr.;
in der zusammenstellung mit entsprechenden begriffen: da drückten, stieszen, drängten wir Lichtenberg
nachlasz 133;
auch: der dritten aber thet er keyn freuntlich zeichen, schlug sie yns angesicht, raufet sie und stiesz sie, gieng ganz unfreuntlich mit yhr umb Luther 7, 557
Weim.; sie hend mich gerouft, gstoszen, treten, geschlagen, gestreckt, ich möchte zerbrochen sin
N. Manuel
ablaszkrämer 510
Bächtold; (
die spröden) sich spreitzen und sperren, sich reiszen und zerren, sich stoszen und kratzen, gleich wie thun die katzen Voigtländer
oden und lieder (1642) 30.
insbesondere mit schlagen
verb. gern verbunden, gewisz in einer nicht immer entwirrbaren verknüpfung der begriffe (
vgl. auch die entsprechende entwicklung von stauchen
zu '
schlagen',
th. 10, 2
sp. 1132
unter I): stoszen, schlagen
ferire, caedere, icere Dentzler (1716) 277
b; es soll auch keiner auf unsern berckwerchen frävel oder rumor begeen, ... oder die leuth ... geverlicher weis schlahen, stoszen, werfen oder in ander weeg beschädigen Lori
bergrecht 232 (
z. j. 1532); darumb wird er von allen verspott, gestoszen und geschlagen Fischart
Garg. 390
ndr.; (wahr,) dasz diese beyde weibsstücken und die beeden hallorum die schüler geschlagen und gestoszen, dasz sie blutrüstig worden Chr. Thomasius
ernsthafte gedanken 2, 40; die geistlichen wurden geschlagen und gestoszen Raumer
gesch. d. Hohenst. 1, 46 (Holtei
vierzig jahre 1, 54) du andrer Nero du (
gemeint ist ein schulmeister), der mit der ruten läuft, der mit dem
stecken schmeiszt, der stöszet, schlägt, und räuft Grob
dichter. versuchg. (1678) 50; sie (
die juden) schlagen den herrn und stoszen ihn, sie suchten alle rach Mittler
volkslieder 337; (
Helena) begegnet mir wie eurem hündchen nur, stoszt, schlagt mich, achtet mich gering, verliert mich: vergönnt mir nur, unwürdig wie ich bin, euch zu begleiten
Shakespeare 1, 206 (
sommernachtstr. 2, 1).
deutlich geschiedene begriffe (
in der anrede einer magd an eine störrische kuh:) so stosz und schlag mich nicht! Lehmann
floril. polit. 1, 259. I@1@aa)
mit instrument. angabe: insbesondere einen mit dem fusz stoszen,
urtare (
dar)
del piede Kramer
dict. 2 (1702), 64
b; 987
a;
vgl.Johannes (
ein mitschüler) stoszt mich mit füszen,
impetit me calcibus Orsäus
nomencl. (1623) 305; (
die seele des säuglings in seinen füszen,) denn mit diesen stöszt und zappelt er schon lange, ehe er kriechen und andere theile seines körpers bewegen lernt Forster
schr. 5, 225 — der du mir ... die
thür öffnest mit eim fingerlin: werlich ich will luogen, das du an die oft vergebens mit füszen stoszen würst Boltz
Terenz (1539) 37
b; dieser herr ... sehend, dasz er nun von allen und jeden verlassen, dörfte nicht mit dem fusz wieder den stachel stoszen Er. Francisci
der hohe trauersaal 1, 289 (
wie sonst löcken, lecken
verb. th. 6
sp. 480);
als rath für den bezechten grobianer stosz mit eim fuosz hart an die thür, als ob der donder schlg darfür Scheit
Grobianus 3926.
und so schon: nâch ungefüegem gruoʒe sô stieʒ er mit dem fuoʒe die türe daʒ sî zerbrach
Erec 4047.
auch einen mit der fuszpitze stoszen (Storm
w. 1, 15);
gewöhnlich feindselig: (
der mann wurde) hert mit füszen gestoszen, pey dem har gezogen Arigo
dec. 57
K.; der lehrer hatte mich bei den haaren gefasst, zur erde geworfen, und stiesz mich mit dem fusz H. Steffens
was ich erlebte 1, 44; sonst war Abdias ein ding, das der blödeste Türke mit dem fusze stoszen zu dürfen glaubte und stiesz Stifter
w. 3, 13; also sprach er (
Melantheus) und stiesz mit der ferse vor bosheit ihm (
dem Odysseus) in die seit; allein er wankte nicht aus dem wege, sondern stand unerschüttert Vosz
Odyssee 17, 233.
besonders als ausdruck des abscheus u. s. w.: gnädiger herr, sagte sie zu ihm (
ihrem gatten), stoszen sie mich mit füszen, zertreten sie mich, ich hab es verdient, machen sie mit mir was sie wollen
Schiller 3, 569; was mir wie im hertzen lag, stosz ich jetzt mit füszen S.
Dach 735
Oesterley. auch einen mit dem ellenbogen stoszen (Kramer
dict. 2, 987
a),
um sich rücksichtslos platz zu verschaffen (
doch s. auch unter b),
oder schwächer als ausdruck einer ärgerlichen stimmung (Schiller 3, 361): und die festen deutschen bursche, mit den ellenbogen stoszend, schleppen auf den breiten schultern feuerleitern, haken, kloben Brentano 3, 113 (Bettine
Cl. Brentanos frühlingskranz 137).
sonst noch mannigfach: (
anheben,) sie mit den händen zu stoszen und zu wecken Lindener
rastbüchlein 20
lit. ver. wie wenn man mit der
hand an die bejahrten rinden halbhohler weiden stöszt Zachariä
poet. schr. 1, 91; die heilge nacht, gebückt auf ihre harfe, stiesz träumend mit dem finger in die saiten, da gab es diesen ton Mörike 3, 108 (
maler Nolten). man musz grob mit der faust unter die
nase stoszen, dann lässt er sich bedeuten Pückler
briefw. 3, 204; mit dem kopfe stoszen,
vgl. Ebner-Eschenbach
schr. 4, 65 —
im schiffskampf: (
das feindliche schiff wurde) von Polyxenida mit drei groszen schiffen umbgeben, und mit den fordern spitzen der selben schiff hart gestoszen und undergetruckt Carbach
Livius 336
a;
vgl. in Venedig stiesz er vorsätzlich ... mit seiner gondel gegen die deine Klinger
w. 1, 6.
im reiterkampf (
neben reciprokem gebrauch): ob sichs begeb, dasz ir in mit dem rosz stoszen müssten, so gedenkt, dasz sich die beyde rosz mit den brüsten nit an einander stoszen
buch der liebe (1587) 134
a;
auch im wagenkampf: sie sollen kehren umb ohn klagen, und mich nicht stoszen mit dem wagen, noch sich auflainen gegen mir Spreng
Ilias (1610) 103
a. I@1@bb)
mit besonderer begrifflicher färbung einen stoszen,
um seine aufmerksamkeit zu erregen, ihn anzutreiben u. s. w. (
vgl. oben stosz
m. 1
a β sp. 450)
auch als zeichen geheimen einverständnisses; heute gewöhnlich anstoszen (
th. 1,
sp. 489): zu hause aber sind sie taub und blind, und müssen gestoszen werden, wenn sie etwas wahrnehmen sollen Joh. E. Schlegel
w. 3, 365; Tribolo zitterte vor furcht, stiesz mich und sagte: Göthe 43, 225
Weim.; ihre schwester stöszt sie sanft maler Müller
w. 1, 61; (
Gockel) sah etwas an der erde hinlaufen ..., er stiesz frau Hinkel und sagte: 'mir war gerade, als wenn die fatale puppe der Gackeleia vorüber gelaufen wäre' Brentano
schr. 5, 158; der affe stiesz darauf an ihn und nickte, dasz er machen sollte Gellert
w. 1, 156; oft stoszen schäkernd bräute den bräutgam in die seite Göthe 4, 157
Weim. so gut meinte sie es mit mir, und stosz mich auch immer mit ihren knie an meine knie Chr. Reuter
Schelmuffsky 19
ndr.; (
Anna Maria:) hat man mehr als einen (
mann) um sich, so musz man zu gleicher zeit einem die hand drucken ... einen andern mit einer darzu gehörigen verliebten mine mit dem knie stoszen
ollapatrida 36
Wiener ndr.; darf ich nicht wenigstens ihn mit dem fusze stoszen; damit er doch merke, dasz ich ihn liebe? Petrasch
lustsp. 1, 483; (
zu bemerken,) wie der nachbar die nachbarin mit dem ellenbogen stöszt L. Steub
drei sommer in Tirol 1, 58. I@1@cc)
von hörnerbewehrten thieren: stoszen
ferire cornu Corvinus
fons latinit. 335;
d. h. stoszen mit den köpfen,
arietare, coniscare Dentzler (1716) 2, 277
b,
deshalb: stoszen wie ein widder Kramer 2 (1702), 1341
b,
vgl. der ochs, der bock stöszet 986
c; der widder stöszt nur stärker, nachdem er ein wenig zuruckgelaufen und einen zulauf genommen Grimmelshausen 2, 434
Keller; stosz nicht, ehe dir die hörner wachsen Lehmann
floril. (1662) 3, 325; was gehörnet ist, will immer gestoszen haben 2, 559; man wird nicht behaupten, einem stier seien die hörner gegeben, dasz er stosze Göthe II 8, 17
Weim.; das ist keine tüchtige kuh, die nicht einmal stöszt O. Ludwig
w. 2, 339; treibe sie (
die ziegen) auch nach der weide zum born; und unter dem treiben, Tityrus, komm nicht zu nahe dem bock; er stöszt mit dem horne! Chr. A. Overbeck
verm. gedichte (1794) 186; dumpf brüllten sie, als hätten sie gefühl der ungebühr, und stieszen mit den hörnern Schiller 14, 295 (
Tell 1, 4). bock, so er die geysz stoszt Fischart
aller praktik groszmutter 21
ndr.; die welt lohnt, wie der schafbock, der stöszt seinen eigen herren Petri
d. Teutschen weisheit 2, R 6
a; der weisze (
bock) aber antwortet 'tritt du zurück, oder ich stosze dich' Schottel
friedens sieg 5
ndr. hoi, ochse, in hörnern, stosz mich nicht Hayneccius
Hans Pfriem (1582) 72
ndr. als rathschlag, wenn man 'hauptweh von überigem trincken'
hat: leg das haar des thiers auf die wund welchs dich hat gstoszen und verwundt: und trinck ein gut glas voll mit wein zu trutz dem wein und seiner pein Sebiz
feldbau (1579) 69. I@1@c@aα)
der fluch dasz dich der bock stosze!
ist schon oben th. 2
sp. 202 (
unter 6)
in mythischen zusammenhang gebracht (
der bock als thierische verkörperung des teufels, doch überhaupt von dämonischen wesen)
; nur vereinzelt ein anderer thierischer hörnerträger: dasz dichs feigfeuer musz verborn, dasz dich der ochs stosz mit seinem horn Gilhusius
grammatica 4, 2, 93.
sonst es wird ihn auch einmahl ein bock stoszen, er wird nicht immer kühe und kälber ans seyl bringen (
von einem betrüger)
d. h. er wird noch einmal schlimm anlaufen Lehmann
floril. polit. (1642) 110; sie wil haben das hem zum rock, sie wirt einmal stoszen der bock, wirt nit almal treffen ein schaf, sonder ein, der ir unzucht straft
Hans Sachs 14, 96
Keller-Götze. ein auf solcher vorstellung fuszender fastnachtsscherz, wo eine bockartig vermummte gestalt erwachsene und kinder durch stösze straft, ist wohl quelle der folgenden wendungen: hat euch der redliche bock (
gemeint ist dr. Luther) nicht genugsam gestoszen? hat er euch nicht teutsch genug geprediget und gelehret? Moscherosch
gesichte 2, 107;
und wie in kindlicher abwehr: lieber bock stosz mich nit Luther 7, 621
Weim. I@1@c@bβ)
vom heftigen weinen, insbesondere vom krampfhaften schluchzen, welches den ganzen körper eines menschen erschüttert der bock stöszt ihn Popowitsch 510;
nicht unwahrscheinlich eine urzeitliche anschauung von solchem erschütternden aufruhr im menschlichen mikrokosmus: ach, Lafontaine weint, dasz ihn der bock stöszt Eichendorff
w. 2, 401 (Bauernfeld
ges. schr. 5, 92); (
der gnädige herr) wird um den Gottfried flennen, dasz ihn der bock stöszt Holtei
erz. schr. 14, 16 (
auch 18, 240)
vgl. dasz se der buck stiszt, flennt de Grethe
schles. ged. (1858) 72. denn plötzlich fängt sie an zu weinen, als wenn das böcklein sie stiesze Gaudy
w. 3, 65; wie wenn ein weinend kind der bock stoszen thut O. Ludwig
w. 2, 82; vor dem altar stiesz ihn der bock so heftig, dasz er
sein 'ja' mehr lallte als sprach Ebner-Eschenbach
rittmeister Brand 48. —
auch unbestimmt, den (
urspr.)
dämon verhüllend: es stöszt mich beim lachen, schluchzen, beim drang zum erbrechen,
das ich zu unterdrücken suche Schmeller
2 2, 789; sie konnte nicht reden, so stark stiesz es sie Frenssen
Jörn Uhl 112.
ein anderes motiv im gleichen mythischen umkreis mi stott (wat) in den nacken,
es kommt etwas wieder zum vorschein Reuter
stromtid 2, 20 (
vgl. C.
F. Müller
meklenb. volksm. 107). I@1@c@gγ)
auszerhalb des vorigen die scherzrede holt den man! de ko wil stoten Tunnicius
sprichwörter 583,
wie sonst halt den mann, die kuh will beiszen (
th. 5
sp. 2549
unter 3
e)
entsprechend in einer verspottung der Cistercienser: des hembt ubern rock dragens an, darunter schwartz röck sie han. eyn bischoffsstab und rote schu, sind sie fromb, so stosz mich eyn ku
bei Luther 19, 30
Weim. aus dem thierkreis (
mit anspielung auf prof. Jacob, Halle, den herausgeber der '
annalen der philosophie ... von einer gesellschaft gelehrter männer'
und popularisator Kants) mit stumpfen hörnern, weicht ihr nicht aus, stöszt euch der Hallische ochs Schiller 11, 106; er musz diesmal fühlen, wie der bock ihn selber stöszt Storm 7, 300. I@1@dd)
mit hervorhebung der getroffnen stelle einen an (
vor)
etwas stoszen: wirft die bauren über die zäun, und stoszt die bürger an die schinbein
Garg. 84
ndr.; musz er mich just da an mein link bein stoszen? maler Müller
w. 2, 45 (Bettine
Cl. Brentanos frühlingskranz 102); si stieʒen in (
Christus) nach ir gelust vür die kelen und uf die brust Mone
schauspiele des mittelalt. 1, 221; (
als rathschlag für den grobianer:) nimb die halben gassen ein, und stosz ein andren an ein seiten, sprich, lantzman hebah, gib mir weiten C. Scheit
Grobianus 1218
neudr.; Jäckel, trit mir nicht zu nah, sonst stoszt du mich ans näsgen Chr. Reuter
Harlequins hochzeitschmaus 84
ndr.; drum stiesz vergeblich Carl an deine königskrone v. König
gedichte (1745) 33.
insbesondere vor den kopf stoszen
in beliebter bildreicher verwendung s. im folgenden (
unter I 9). I@1@ee)
absolut: was wär ein gott, der nur von auszen stiesze, im kreis das all am finger laufen liesze! Göthe 3, 73
Weim. I@22)
grad und heftigkeit des vorgangs wird durch erklärenden zusatz mannigfach verdeutlicht; I@2@aa)
zu boden stoszen (
s. auch th. 2
sp. 213
unter 5 B
a)
atterare Hulsius (1618) 241
a;
gern, besonders bei Luther;
auch in bildlicher verwendung (
s. unten I 9
c) wie er aber mit seinem feind kämpft, styesz er in mit einem finger ... zuo boden Eppendorff
Plinius 16; schlg der donder ... under sie, also dasz ... rosz und man vom blast oder dunst zuo boden gestoszen wurden Stumpf
Schweytzerchron. 753
a; was die tugent aufrichtet, das stoszet widerumb zuo boden der geytz und wollust des leibs G. Mayr
sprüchwörter (1567) B 5
a; und fast einen der krüge zu boden gestoszen hätte Fouqué
altsächs. bildersaal 4, 241; du machst linksum, oder ich stosze dich hier zu boden Storm 5, 208; so zerschlegt er und druckt zu letz, und stöszet zu boden den armen mit gewalt on alles erbarmen Hans Sachs 18, 57
Keller-Götze; ähnlich zur erde: und stiesz ihn mit dem griff des degens zur erde Göthe 43, 140
Weim.; und wehr dohin wil reyten, der schick sich aufs beste, so er kan, und sey gerüst mit pferden, dasz er mag ritterlich bestan! sunst stöszt man ihn zu der erden
bergreihen 77
ndr. entsprechend auch zu grunde stoszen (
unten bildlich unter I 9
c). I@2@bb)
als folgeerscheinung das '
über kopf stürzen'
: vgl. zum vorgang: was macht ihr mir vor seltsam bossn: wil euch bald uber und uber stoszn Gilhusius
grammatica 82 (3, 8); einen
über den haufen stoszen,
eigentlich, dasz er über schon gestürztes zu fall kommt, dann auch selbst, zu fall gebracht, einen haufen bildet (
s. auch haufen
th. 4, 2
sp. 590
unter II 7): der stiesz oft mann und rosz zuo haufen (
im turnier)
V. Schumann
nachtbüchlein 317
Bolte (
Amadis 1, 94); (
als) die thürn ... zum theil schon ubern haufen gestoszen warn Xylander
Polybius (1574) 33; wenn blind und schehle zusammen kommen, stoszen sie einander selbst uber haufen Lehmann
floril. polit. (1642) 65; ich stosz dich übern haufen
Reinicke Fuchs (1650) 334 (Chr. Reuter
Schelmuffsky 42 [
vollst. ausg.]
ndr.); während dessen er der Arminianer parthey übern haufen stiesz Leibniz
deutsche schr. 2, 423; wenn uns ein feind anfället und umb das leben bringen wil, wir aber unser leben nicht anders retten können, als dasz wir ihn entweder lahm hauen, oder über den haufen stoszen ... Chr. Wolff
gedanken (1720) 587; er packt das tischchen, stöszt damit den bankier über den haufen S.
Brunner erzählungen 1, 122 (Laube
schr. 2, 101). —
daneben in haufen stoszen (
th. 4, 2
sp. 587
unter II 2) alszo auch sollt man ... alle klöster und stift ynn eynen haufen stoszen Luther 11, 445
Weim. (
vgl. auch 29, 618) —
auch zu haufen (
th. 4, 2
sp. 588
unter II 4); und seyne hörner sind wie eynhörnis hörner: mit dem selben wirt er die völcker stoszen zehaufen bis an der welt end
Zürcher bibel (1531) 33
b. I@2@cc)
die wendungen über den stock und über den tölpel stoszen
s. unter dem bildlichen gebrauch (I 9
c β);
hierher noch: (
die drohung,) als bald sie die veint ereilten, wurden sie in alle ire schiff zu grund segeln und zu trümern stoszen
Wilw. v. Schaumburg 100. I@33) '
eines stoszend von der stelle bewegen.' I@3@aa)
ohne weiteren zusatz den stein stoszen (
und so noch in der heutigen turnersprache)
als körperliche übung: Galmy mit andren herren und edlen umb kurtzweyl willen den steyn stiesz Wickram
w. 1, 148 (stein und stangen stoszen und werfen
Reinicke Fuchs [1650] 393);
auf dem Augsburger schützenfest (1470)
ein goldner ring als preis, darum ... gemein schützen ein stein, der bey 45 pfund schwer ist, ungefärlich jeder 3 stösze mit einem antritt nach stoszens recht stoszen werden
quelle bei Schmeller
2 2, 763;
vgl. nach essen reyt man an die hetz zu jagen, paitzen und zu letz stieszen ihr etlich zu dem ziel, ir etlich trieben ritterspiel mit laufen, ... Hans Sachs 2, 264
Keller (
vgl. Suchenwirt 31, 129).
sprichwörtlich gedeckt (
und ernsthafter:) ich habe ihm den stein gestoszen, dasz er den hals hätte brechen mögen Grimmelshausen
Simpl. 72
ndr. und offenbar nicht nur '
einen im wettkampf überwinden',
vgl.: (
er) gedachte auf mittel, wie er mir den stein stoszen und durch meinen unfall dem seinigen vorkommen mögte
ebenda 79.
im makrokosmos: (
die) kraft, welche den planeten nach der sonne ... stöszt A. G. Kästner
verm schr. (1755) 10. I@3@bb) '
etwas stoszen',
fortschieben und so vor sich her bewegen, so einen tisch, einen stuhl,
der sich unbequem heben läszt (
untergesetzte rollen und räder erleichtern gewöhnlich die arbeit): ein filialtischchen, das man auszen ans fenster des speisesaales gestoszen Jean Paul
Hesperus 1, 112; alsdan richtet man ain köstlich mal zu, ... stoszt die kindbetterin auf dem umbläufigen sessel allgemach herzu, setzt im allerlai wolberaitet trachten für, zu sehen, welchs ihm schmacke Fischart
podagr. trostbüchlein 31
Hauffen; auch sonst allerlei fahrzeug: Lene, die ... den kinderwagen mit dem kleinsten durch den sand stiesz G. Hauptmann
bahnwärter Thiel 59; ein schiff vom lande stoszen
ins freie wasser, vgl. dazu den intrans. gebrauch unter II: (
bei den Akkanegern,) denen es ganz unmöglich ist, ihre kanoe weiter zu stoszen, ohne jeden stosz mit gesang zu begleiten K. Bücher
arbeit und rhythmus 186.
in der bergmannsprache stoszen '
fördergefäsze durch schieben fortbewegen' Veith 470. I@3@cc)
hierher der technische vorgang, den riegelverschlusz einer thür zu handhaben, d. h. beim verschlieszen den riegel vorstoszen (
s. unten),
beim öffnen aber zurück: in tempel Phoebi dorft er nicht, dahin er hett sein zuversicht, dann die höllgöttin vor der thür stieszen die riegel selber für Spreng
Äneis 74
b; ich weisz nicht, was er ir verhiesz in aller masz wie vor, dasz sie den rigel dannen stiesz Forster
liedlein 193
ndr. (
bildlich:) so felscht ich auch kein brief und sigel, stiesz für die wahrheit nye kein riegel Hans Sachs 3, 556
Keller. I@3@dd)
in mannigfacher wendung des gedankens '
einen durch stosz
entfernen'
als sinnfälliger ausdruck für '
ihn fortjagen, und so eine gemeinschaft, ein besitzrecht, einen nieszbrauch oder sonst ein verhältnis aufheben'. I@3@d@aα)
mit aus verbunden, entsprechend ausstoszen (
th. 1
sp. 989
unter 4)
auch hinausstoszen (
th. 4, 2
sp. 1400,
vgl. noch das sprichwort: es ist besser drauszen gelassen dann hinaus gestoszen Petri
weisheit [1604] 2, A a 3
b)
in mannigfacher abstufung und stärke des ausdrucks: so aus dem hause u. ä.: wir sind ja sonsten so geartet, dasz, wenn wir böse hausleute haben, wir solche nicht lange dulden, sondern wir schaffen solche bald fort, und wenn sie in der güte nicht ausziehen wollen, so stoszen wir sie mit gewalt aus dem hause Sperling
Nicodemus quaerens (1718) 1314 (
griechische dramen 2, 203
Dähnhardt); glaubte ich, dasz mein neffe diesen brief aus eignem antrieb geschrieben hätte: ich würde ihn zur stelle aus dem hause stoszen Klinger
w. 8, 64; ich habe sie aus dem hause gestoszen, nachdem sie mir den ganzen nachlasz meines vaters und ihr vermögen mitübergeben hatte Lenz
schr. 1, 81;
auch: darumb ihr mann sein weib zu schützen, den landsknecht zum hause hinaus stöszet Nigrinus
von zäuberern (1592) 5; (
bildlich:) ein mensch soll sein leben nicht auszm wachthaus stoszen, darinn er verordnet, bis es der hauptmann ablöset Lehmann
floril. polit. (1662) 2, 769. —
aus dem nest: ein zitternds vögeli, das aus dem näst gestoszen ist
Zürcher bibel (1530) 327
a (Heuszlin-Gesner
vogelbuch 3
a); die auch von einem groszen würggeier andrer art aus ihrem nest gestoszen, ziehn gegen ihn geschaart Rückert
werke 1, 65. (
der böse mitschüler) stoszt mich aus der stätte,
extrudit me loco; expellit me mea sede Orsäus
nomencl. (1623) 305; jemand aus seinem eigenthum stoszen Kramer
dict. 2 (1702), 987
b; helfen ..., den meineyden ausz dem reich (
vom kaiserthron) zu stoszen S. Franck
chron. (1538) 115
a; die heyden ... einen berg auf den andern trugen, gott aus dem himmel zu stoszen Agricola
sprichwörter (1534) B 1
a; so werden sy dannocht got nyt ausz dem himel stoszen
reformations - flugschriften 1, 11
Clemen (Ranke
zeitalter der reformation 1, 283); so kondten sie ihn nicht mit gwalt aus ihrem himmel stoszen bald W. Spangenberg
ganskönig 3, 374;
auch: wann Jupiter ein herr des plitz, wolt stoszen aus des himmels sitz uns götter all in einer nacht, so hett er dessen fueg und macht Spreng
Ilias (1610) 12
a.
wie sonst gelegentlich ihn aus dem stuol stoszen S. Franck
chron. (1538) 125
a; hoffart hat Adam und Eva ... gestoszen aus dem paradeis Albr. v. Eyb
spiegel der sitten (1511) A 6
b; der engel, der uns aus dem paradiese stiesz, segnung wäre sein schelten heut maler Müller
w. 1, 110; unghorsamkeit merken mit flysz, stiesz Adam usz dem paradysz Gengenbach 27
Gödeke; drumb weil er hat dis alls gethan, und mus gestehn, so sols nach urteil und nach recht also ihm gehn, dasz er aus himels paradis, bei sonnenschein, gestoszen werde Hayneccius
Hans Pfriem (1582) 53
ndr. drum Gott ihn aus dem garten stiesz, und ihn das feld bebauen hiesz E. Baumeister
zimmermannspr. 62; und kunden sye uns beide aus dem erbteil stoszen, sye dedens gern
privatbriefe des mittelalters 1, 210
Steinhausen; die nachkömmlinge eines der ältesten deutschen fürstenhäuser aus ihrem erbteil stoszen (Schiller 8, 129); trüb ist und bang in ihren verborgensten tiefen die seele, wenn sie fürchtet, dasz gott sie aus ihrem himmelschen erbe stoszen werde Klopstock
Messias (1780) 387 (11.
ges.) jemand aus der gesellschaft stoszen,
cacciare, scartare, cassare uno dalla compagnia Kramer 2 (1702), 987
b,
oft mit dem beisinn des schimpflichen, und ganz lebendig vorgestellt, wie etwa der henker den ehrlosgemachten soldaten mit einem fusztritt aus dem '
umstande' stöszt (
vgl. archiv f. kulturgesch. 5, 204),
vgl. das auch aus dem älteren soldatenwesen entnommene bild (
von der entfernung eines nicht dahin gehörigen): ich wünsche dem viel geduld, der die musterung über diese klotzische Amors unternehmen will. alle augenblicke wird er einen aus dem gliede stoszen müssen Lessing 8, 219; es glaubt kein mensch, wie weh es thut, wenn man aus einer ehrlichen compagnie gestoszen (
wird) Weise
erznarren 21
ndr. auch da wird er (
Kain) gebannet und aus der gemeyne gottes gestoszen Mathesius
Sarepta (1571) 82
a (Hans Sachs 18, 38
Keller-Götze); (
also) würden sie ihn ... als einen wechselbalg aus dem geschlechte stoszen Lohenstein
Arminius 1, 28
b (Bürger 171
a); einen aus der zunft stoszen (ausstoszen) Kramer
dict. 2 (1702), 1485
c; aus dem rath stoszen Dentzler (1716) 2, 277
b; aus dem senat Mommsen
röm. gesch. 2, 179; (
kein recht,) ihn aus der zahl der kayser zu stoszen S. Fr. Hahn
reichshistorie 1, 285; darob sann Prötus, der gewaltigste ... auf seinen (
des Bellerophon) fall, und stiesz ihn aus dem volk Bürger 171
a Bohtz; der sei gestoszen aus dem recht der Schweitzer, wer von ergebung spricht an Österreich! Schiller 14, 330 (
Tell 2, 2).
aus der rolle des vermittlers (
vgl. mittel
th. 6
sp. 2385
unter 8): nun warumb sagt er 'wer da mein flaisch nit ysset, der hat das leben nicht?' darumb, das niemandts den hailandt ausz dem mittel stosz Luther 12, 582
Weim.; aus dem mittel
als einem gesellschaftlichen kreis s. den beleg th. 6
sp. 2383
unter 3 (Wieland 27, 291)
und unter I 9
d. sie (
die Angelsachsen) sind pachter des adels, der sie wilkührlich aus der pacht stoszen (
kann) A v. Haller
könig Alfred 175; denn sonst werden sie uns nach drey tagen aus ihren diensten stoszen
portraits (
Lpz. 1779) 161; (
stürme), die auch mich ... aus dem kaum betretenen wirkungskreise stoszen sollten Jac. Grimm
kl. schr. 1, 9; ich bin ... aus dem vollkommensten gleichgewichte des gleichmuths auch nicht einen augenblick gestoszen worden Gervinus
an Dahlmann (
im briefw. mit Jac. u. Wilh. Grimm 2, 441); (wünschen,) in den frieden des reiches, aus welchem man sie in den letzten jahren gestoszen, wieder aufgenommen zu werden Ranke
w. 4, 6 (25, xvi). I@3@d@bβ)
in der verbindung mit von, zunächst '
von der höhe hinab'
; s. auch hinabstoszen (
th. 4, 2
sp. 1381): (
der böse mitschüler) hat mich von der treppe gestoszen
deturbavit me de gradibus Orsäus
nomencl. (1623) 305; (
er) stöszet mir die bücher von der bank
dejicit mihi libros de scamno (
ebenda); ganz in der nähe stiesz im flug ein häher mit wildem geschrei eine lage schnee von dem geäste Mörike 3, 77 (
maler Nolten);
besonders aber plastischer ausdruck für '
einem seine gesellschaftliche, rechtliche, wirthschaftliche stellung mindern'
u. s. w. vgl. und wisz, dasz gar hart von dem nydern stant an den höhern gegangen würdet, aber lichtlich wirt einer vom höhern in den nydern gestoszen A. v. Pforr
buch der beispiele 24,
und von der höhe und dem gipfel des makrokosmus: so wirdt er nicht vom himmel gestoszen Paracelsus
opera 2, 320
an stelle des gewöhnlichen aus dem himmel (
d. h. dem himmelreich; s. unter α):
so vom erhabenen stuhl des herschenden: wie dorft sich dann ain christen understehn, ainen gotlosen herren vom stuol stoszen und selbs darein sitzen? Eberlin v. Günzburg
schr. 3, 278
neudr.; er (
gott) stöszt die gewaltigen vom stul, und setzt darauf einen fuszschemel Lehmann
florilegium politicum 1, 332 (Sigm. v. Birken
ostländischer lorbeerhayn [1657] 115); (
Lucifer ward) von seinem sitz gestoszen in einen feurstein
volksb. v. dr. Faust 30
ndr. Br.; besonders aber in neuerer sprache: wirst du zugeben, dasz dein vater deine unglückliche mutter von throne stöszt? Klinger
neues theater 1, 138 (
werke 5, 119; Gerstenberg
Hamburg. n. zeitg. 291
lit.-denkm.); Napoleon Bonaparte, nachdem seine macht zerbrochen war, ward von dem thron gestoszen E.
M. Arndt
schr. für und an s. l. Deutschen 1, 248 (
werke 1, 94;
M. I. Schmidt
gesch. der Deutschen 1, 477; Ritter
erdkunde 2, 291; Ranke
zeitalter der reformation 2, 303); er stöszt die mächtigen vom thron und giebt den schwachen reich und kron! Fr. Kind
gedichte 1, 17 (Tiedge
w. 4, 183). (
auch bildlich:) möglich, dasz in der tiefe seiner seele gedanken schlummerten, wodurch der dampf vom throne des neunzehnten jahrhunderts gestoszen ... wäre Immermann
w. 1, 26
Hempel. I@3@d@b@aaαα)
der gedanke an den begriff hochthronender herschaft beeinfluszt vermuthlich auch: (
sorge des Herodes,) es mocht sich eyn aufrur erheben widder yhn, und er vom reych gestoszen wurde Luther 10, 1, 1, 575
Weim.; als nun Constantinus ... erwuchs, stiesz er die mutter von dem reich S. Franck
chron. (1538) 69
b,
wo sonst, rein local gedacht, aus
seine stelle hätte: doch möglich auch 'von
den grenzen des reichs'
wie (
ich,) die manchen kaiser ich von meinen gränzen stiesz! P. Fleming
poet. wälder 4, 1, 46.
ähnlich besteht möglichkeit an ein '
herab'
vom erbstuhl (
auf welchem der erbe bei besitzergreifung seines neuen eigenthums platz nimmt)
zu denken: im fall ihr aber habt beschlossen, ihn von seins vettern erb zu stossen, ...
griech. dramen 2, 54
Dähnhardt. auch wohl '
vom thron seines glücks': (
neid macht den schwarz,) den er von seinem glück stoszen will Lehmann
floril. politic. (1662) 2, 564. I@3@d@b@bbββ)
nur in der bedeutung '
von weg',
so '
eines gewaltsam entfernen von': er war so stark an gliedern, ... dasz er damit den stärksten mann, so sich steif stellte, vom platz stoszen (
konnte) Hauff
w. 1, 28;
nun auch hier (
wie oben)
im gesellschaftlichen, rechtlichen, wirthschaftlichen (
u. s. w.)
sinne: einen von seiner thüre stoszen (Schiller 2, 103 [
räuber 2, 3]); ach! da versagt ihm Ahasver die rast, und stiesz den mittler trotzig von der thür Schubart
gedichte 2, 61 (Storm 7, 181).
auch: man stöszt sie grausam von des reichen thoren Denis
lieder Sineds des barden (1772) 274. vom hof (
th. 4, 2
sp. 56
unter 3
e): und so ihm sein rähte oder herren das widerrieten, die stiesze er von seinem hofe
V. Schumann
nachtbüchlein 332
Bolte (
schausp. engl. comöd. 205
Creizenach);
entsprechend hof 3
a: eine besonders beliebte methode war es, dem bauer, während er im felde stand, weib und kinder vom hofe zu stoszen Mommsen
röm. geschichte 2, 82; wen hat er wohl bisher von Friedrichen dem groszen, wie grosz und ungemein auch seiner diener zahl, wie unnütz viel auch sind, von dienst und brodt gestoszen? Besser
schr. 1, 69; jemand von seinem amt, ehren und würden stoszen Kramer
dict. 2, (1702), 987
b; Eli, den gott ... gestraft hat und vom priesterthumb gestoszen Luther 26, 207
Weim.; vom priesterthumb gestoszen und entsetzt
buch der liebe (1587) 207
d;
auch: dasz wir on alle widerred wychen wellend, ob man uns von der pfruond stoszt Zwingli
deutsche schriften 1, 51 (Herold-Forer
Gesners thierbuch [1563] 37); vom handwerk Mathesius
Sarepta (1571) 9
a; so er (
der bergwerksbesitzer) aber nun das ertz besichtiget, soll er sein heuwer heftig loben ..., herwiderumb die farlessigen soll er schelten, und etliche vom bergwerk stoszen, und embsige an ihr statt setzen Bech-Agricola
bergwerkbuch (1621) 22; (
denn gott) die sünder aber schrecklich fellt, ... und stöszt sie schnell von ihrem ampt Ringwald
handbüchlein A 4
b. I@3@d@b@ggγγ) eine person von seinem angesicht stoszen,
sie gewaltsam entfernen, damit man sie nicht mehr sieht (
s. auch angesicht
th. 1
sp. 350
unter 1): stosz, vater! stosz mich nicht von deinem angesicht! A. Gryphius
ged. 501
Palm.; willst hilflos du von deinem angesichte die kinder stoszen, die dein schoosz getragen? Geibel
werke 244;
neben von der seite,
gedacht wie von einem gefährten auf der reise, einem genossen auf der bank, dessen man sich entledigt: stosz mich nicht von deiner seiten P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 3, 410
a;
als übergang zu dem ganz allgemein gehaltenen einen von sich stoszen, zunächst noch ganz körperlich allein dieser macht ... eine bewegung, als wollte er ihn von sich stoszen Pfeffel
pros. versuche 1, 163; musz ich nicht fürchten, sie stöszt dich wieder von sich mit einem schrei ... Göthe 23, 150
Weim. (
und als scenarische bemerkung:) prinzessin (ihn von sich stoszend und hinweg eilend): hinweg! 10, 237
Weim. (
Tasso 5, 4); (
dasz) ich ihn nicht von mir stiesz, als er mich küsste Holtei
erz. schr. 2, 235; plötzlich stiesz auf diese weise ein langes, stärkeres mädchen, das allgemein der holzbock genannt wurde, eine zarte gestalt so gewaltsam hervor und gegen den herrn Jacques, dasz sie errötend und aufschreiend die hände wider seine brust stemmen muszte, um nicht an dieselbe hinzufallen, während er überrascht und erschrocken gleicherweise die ärmste von sich stiesz, wie ein unvorhergesehenes groszes übel G. Keller 6, 19 (H. Seidel
vorstadtgesch. 161);
dann besonders aus eines schutz, pflege, verkehr, freundschaft u. s. w. will geschweigen, wie es gott strafen und rechen werde, wo man die eltern ... von sich stoszet Moscherosch
insomnis cura parentum 19
neudr.; sie stoszen euch von sich, wenn ihr ihnen den rechten gebrauch desjenigen beybringen wollet, was sie zu menschen machet
die vernünft. tadlerinnen 1, 197 (Lessing 3, 101
Nathan 3, 3); weh aber dem verstockten heer, das sich hie selbst verblendet, gott von sich stöszt Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 3, 347
b (Mone
schausp. d. mittelalters 1, 298).
insbesondere '
eheliche gemeinschaft (
mit seinem weibe)
aufheben'
u. ä.: das weib von sich stoszen, ehe trennen, odder hindern, dasz sie nit für sich gehe
repudiare Alberus (1540) 70
b; Lotharius Lotharii sun ... wolt zwey eheweiber haben, stiesz eine von sich, und nam ein andere mit vergunst der bischof Cöln und Trier S. Franck
chron. (1538) 82
a (Kirchhof
wendunmuth 2, 33;
vgl. Murner narrenbeschwörung 109
neudr.) Judith ..., welche Ludovicus aus raht etlicher prelaten von im stiesz Stumpf
Schweytzerchronik (1606) 69
b,
vgl. sein weib von ihm stoszen Dentzler (1716) 2, 277
b; die gräfin magst du von dir stoszen, der papst nimpt geld und scheidet dich Hans Sachs 8, 111
Keller-Götze. und sonst mannigfach: dasz viele standespersonen alle bedienten sogleich von sich stieszen, die ferner diese ... geschenke annahmen Archenholz
England u. Italien I 2, 417; verlasz mich nicht! stosz mich nicht von dir, bruder! Göthe 9, 141
Weim. (
geschwister); (
Ugolino) beraubt sich, indem er einen halbfreund von sich stöszt, des besten schutzes gegen seinen heimlichen erzfeind 40, 321
Weim. (22, 50
Weim.; Klinger
w. 4, 215 [
w. 1, 67
zwillinge 3, 2]); und wo ward ich so ('
flüchtling') genannt? in meinem geburtslande, das an dem abend desselben tages ungern mich wieder aufnahm, meine gefährten sogar von sich stiesz Jac. Grimm
kl. schr. 1, 25 (Caroline 1, 132
Waitz; Gutzkow
ritter vom geiste 1, 63); wo find ich freunde, die mir mitleid schenken, wenn mich ein vater von sich stöszt? Schiller 15, 1, 63 (
Phädra 4, 2);
mit einer weiteren bestimmung: oder aber (
die Franzosen würden) uns nicht einmal ihres zorns würdig achtende, mit einem bittern gelächter von sich stoszen Thomasius
kl. deutsche schriften 81; auf eine so rauhe gewaltsame weise von sich stoszen J. J. Engel
schr. 1, 162; verächtlich Schubart
gedichte (1825) 1, 247; mit grimmiger gewalt Göthe 10, 121
Weim. (
Tasso 1, 3); mit vorsätzlicher laune IV 9, 125
Weim.; ohne trost und hoffnung maler Müller
w. 1, 307. I@3@d@b@ddδδ)
von unkörperlichem; auf der grenzscheide noch verwendungen wie das evangelium von sich stoszen (Strausz
schr. 3 xx
leben Jesu)
zunächst doch noch ganz körperlich »
das buch der bücher« (
ganz entsprechend: der reich mann stöszt den brief von im, wil in nit annemen Hans Sachs 6, 148
Keller); wiltu aber auf deim fürnemen bleiben, die armen aus deim land vertreiben, bluot vergieszen on unterlassen, gottes wort von dir stoszen R. v. Liliencron
hist. volksl. 4, 293
auf den schmalkaldischen krieg 1546 (Hans Sachs 18, 93
Keller-Götze); die gnade gottes von sich stoszen Kramer
dict. 2 (1702), 987
b; alle gewalt J. G. Zimmermann
von dem nationalstolze (1758) 208; ein geschöpf, ... welches in dieser welt sein glück von sich stöszt Rabener
werke 2, 161 (Schiller 3, 428); der kernmensch gebrauche ruhm als hülfstruppen; und stosze den einen von sich, wenn es seyn müszte, so bald er in eine andre sphäre schreite Heinse
werke 4, 273 (die ehre Pfeffel
pros. versuche 2, 107); wenn das gefühl seiner macht und herrlichkeit in ihm aufgeht, stöszt er das hülfreiche von sich Göthe II 3, 146
Weim. (
farbenlehre); wenn man im unglück ... allen trost ... von sich stoszen wollte J.
M. Miller
predigten für das landvolk (1776) 1, 115; (
Luthers) feuriger geist stiesz die schleppenden fesseln der partikeln von sich, wo er nur konnte Gerstenberg
schlesw. lit. br. 315
lit.-denkm.; er hat die kraft, das böse von sich zu stoszen Bettine
die Günderode 1, 41; unsere zeit ist nicht darnach, liebe von sich zu stoszen Gutzkow
ritter vom geiste 5, 85; alle pläne ... stiesz er von sich Treitschke
hist. u. polit. aufsätze 1, 35.
weiter bestimmt: (
ein mann strafwürdig,) wenn er solch freundlich ansinnen durch rauhe und unbarmherzige minen von sich gestoszen hätte Weise
erznarren 16
neudr.;
auch (
entsprechend oben 1
a)
mit füszen: mit füszen hätte ich sie von mir stoszen mögen, die mich zwangen, mich so ... zu erniedrigen Storm
w. 1, 157; H. v. Kleist 2, 205 (
zerbr. krug 1, 2).
unkörperlich: nun hatte ich doch ... mein schönstes erdenglück recht mutwillig mit füszen von mir gestoszen Gaudy 2, 112 (
M. Meyr
erzählungen aus dem Ries 2, 234);
auch: sie hat das glück im hause, aber sie stöszt es mit ihren kleinen füszen von sich Storm
w. 4, 182;
sogar ein ding mit füsz und händen von sich stoszen Treuer
deutscher Dädalus 1, 22. I@3@d@b@eeεε)
hierher noch: das kind von der milch stoszen,
es entwöhnen (
ablactare) Calepinus (1598) 7
b,
zunächst wohl von säugenden thieren; entsprechend schon: ich stosz von der milch
ablacto Alberus (1540)
m 1
b;
dementsprechend wird die lat. wendung '
puer initiatur' (
eigentlich '
er wird in die bürgerrolle eingeschrieben')
ebenda übersetzt wirt abgestoszen (
vermuthlich mit rücksicht auf die in ländlichen bezirken noch in der jüngsten vergangenheit vielfach vorkommende sitte, die mutterbrust auch noch von gröszeren kindern gelegentlich gebrauchen zu lassen).
als handlung unfreundlichen charakters ist unsere wendung vielleicht ausgangspunkt für den folgenden übertragenen gebrauch: (
der papst) macht Pipinum künig in Franckrich, stiesz den alten ab
Judas Nazarei 21
neudr. I@3@d@b@zzζζ)
eine zusammengeballte vielheit von personen u. ä. von einander stoszen, sie gewaltsam durch ertheilte stösze trennen (Fischart
Eulenspiegel 44
Hauffen): der Morian stoszet sie mit gewalt von einander
schauspiele engl. comödianten 25, 25
Creizenach. I@3@d@gγ)
mit der richtungsbestimmung in, hinein: ja der mensch schlächt den andern nicht allein mit eysen zu todt, sondern erwürgt ihn mit gift, ... stoszet ihn ins wasser Bech-Agricola
bergwerkbuch 14 (Lindener
Katzipori 160; Forster
frische teutsche liedlein 101
neudr.) das seind doch so erbermlich sachen, das sie ein weinen solten machen, denn ist das nicht verfolgung grosz, wenn man ein in das wasser stoszt? Fischart
S. Dominici leben 396
Kurz; den Pharao mit seinen groszen, sein heer hast du (
gott) ins meer gestoszen J. A. Schlegel
verm. ged. (1787) 1, 22.
vgl.(
flüsse, die) das erdtrich hinaus in das meer stoszen W. Xylander
Polybius (1574) 224.
auch mit einer maszangabe (
und sich berührend mit unten) ich sah einst ... einen menschen bis an die knie im morast stecken, einige kamen herbey, reichten ihm die hände, um ihn herauszuziehen, und stieszen ihn in den morast bis an den kopf Zimmermann
über die einsamkeit 1, 194.
nun in mannigfacher wendung ausdruck für '
eine person u. s. w. mit gewalt in eine neue, fremde, zumeist schwierige und unangenehme lage bringen'; jemand
ins gefängnis stoszen Kramer
dict. 2 (1702), 987
b;
zunächst mit rücksicht auf das in den boden sich tief einsenkende verliesz; vgl. mer woln en (
den gefangenen Johannes) stoszen in disse loch
Alsfelder passionspiel 25, 813; (
der könig) hiesz uns stoszen in den kerkar
erste deutsche bibel 3, 182; sonsten werdt ihr in ein jemmerlich gefängnisz gestoszen
Amadis 1, 284 (
biblioth. älterer schriftw. der Schweiz II 3, 26; Abraham a S. Clara
etwas für alle 2, 73); (
bildlich:) stosz deine leibliche sinn in ein gefängnusz Guarinonius
grewel der verwüstung (1610) 177; Joh. E. Schlegel
werke 5, 282;
auch in den nothstall (
th. 7,
sp. 952): wer gott wil gefallen, der musz die böse affecten in nothstall stoszen Lehmann
florilegium politic. (1662) 1, 7;
auch man sol sie vor gerichts- und rahtsstuben in winkel stoszen 1, 10.
ins kloster u. ä.: die andern sind guot in clöster zuo stoszen, pfaffen, münch und nunnen darusz zuo machen Keisersberg
bilgerschaft 24
c (S. Franck
chron. Germaniae [1538] 128) darumb die gar grewliche seelmörder sind, die das junge volck ynn die klöster stoszen und mit gewalt drynnen halten Luther 12, 141
Weim. (Eberlin v. Günzburg 1, 25
neudr.) zu Cordua in Andalusia, ist eine junge dirne von sechs jahren in ein nonnencloster gestoszen worden Widmann
Fausts leben 96
Keller (Lohenstein
Ibrahim [1680] 2) so bald man nur merket, dasz einige hugonotten zusammen kommen, ... so nimmt man sie gefangen, und hierauf thut man etliche davon aufhenken, etliche auf die galeren schicken, etliche in die klöster stoszen Sperling
Nicodemus quaerens (1719) 2, 102 (Micrälius
altes Pommerland 2, 168) —
mehr losgelöst von der örtlichkeit: item, weil man damals niemand inn orden stiesz, ... als etwann gestampfte frawen und jungfrawen, die etlich eisen abgeworfen hatten, oder plinde schilende bettschelmen ... Fischart
Garg. 436
neudr. in die fremde,
ins elend u. s. w.: her, ... stoszt mich und mein weib in fehrlichkeit in frembden landen Luther 14, 347
Weim. (Lessing 13, 419); herr, den glauben mir erhöhe, stosz mich nicht ins finstre land! Brentano 1, 293; sinem widerwertigen, von dem er in elend gestoszen ist, (
gutes erweisen) Riederer
spiegel der waren rhetoric 5
b; ich armes weib werde ... ins elend gestoszen Vogelgesang-Cochläus
tragedia Joh. Hussen 25
neudr.; kennst du noch das alte liedchen von der schlang im paradies, die durch schlimme apfelgabe unsern ahn ins elend stiesz? Heine 1, 33
Elster; deine töchter stoszen sie in die öde wildniss Klinger
w. 2, 219; drum stöszt er uns zum raubtier in die wüste Schiller 12, 72 (
Piccol. 1, 2); mein vater, in die welt wollen sie mich stoszen, wo sie so unglücklich waren? 6, 303 (
menschenfeind 8); (nackt J. Hart
bei Arent
moderne dichtercharaktere [1885] 74); der gefangene wird ins freie gestoszen und findet dort den augenblicklichen tod Dahlmann
franz. revolution (1845) 465; aus dem kreise der täuschung in die wirklichkeit gestoszen (
werden) Börne
schr. 2, 131; (
der akt,) durch
welchen die idee in die wirklichkeit gestoszen wird, und gleichwohl nicht aufhört, da zu sein Solger
ästhetik (1829) 109.
ins grab, in die hölle: verfüren die arme leute und stoszen sie ynn die gruben Luther 24, 16
Weim.; (Tieck
schr. 3, 436; mit schande Iffland
theatr. werke 1, 49); ins grab Neumark
fortgpfl. musik. poet. lustwald (1657) 1, 165.
auch: (
den) räuber stosz ich in den schlund des todes Tieck
schr. 1, 284.
zuletzt verblaszt: ob schon das freundlich gelück in hat erhaben und zu eim könig erwölet, so stoszt ihn das unglück wider davon bisz in den tod
V. Schumann
nachtbüchlein (1559) 72
Bolte (Joh. Nas
antipap. eins und hundert 1, 28
a); in immer ewigklichem schaden undterworffen dem ewing tod, darein uns hat gestoszen got Hans Sachs 1, 55
Keller; Apollo zu derselben stund Patroclum durch die göttlich wahl stiesz mitten in des todes qual Spreng
Ilias (1610) 217
b.
in die hölle (
th. 4, 2
sp. 1744
ff.): da hebt nu gott mit yhm (
Adam) an, stöszet yhn noch tieffer ynn die helle Luther 24, 96
Weim.; in abgrund der hell stoszen 34, 1, 315; auf dasz sie erhaschen mein seel, man hilft in ir unthatte; gott, stosz sollich leut in die hell zornig hynunter dratte! Hans Sachs
bei Wackernagel
kirchenlied 3, 65; ich will ihn dafür in die hölle stoszen Schiller 2, 61 (
räuber 5, 1)
; dafür auch: in helle glut Hans Sachs 22, 106
Keller-Götze; stosz uns auch nicht in der hellen pein Zachäus Faber
d. ä.
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 1, 61.
doch auch wie in den rachen eines thieres, des höllendrachen (
s. hölle
th. 4, 2
sp. 1747
unter 1
b); der hellen inn rachen stoszen Luther 36, 693
Weim.;
der ausgangsbedeutung von hölle
entspricht noch der in die tiefen des makrokosmus reichende abgrund (
th. 1
sp. 51): nu helfet mir allsampt zugleich, ihr engel schar im himmelreich, in abgrund stoszn den bösewicht Barth. Krüger
von dem anfang und ende der welt (1580) B 6
a (v. Brandis
des tirolischen adlers immergrün. ehrenkränzel [1678] 24).
sonst noch hierher: das got den hohen geystern ... nicht verschonet hat, sonðer hat sie gestoszen in die ketten der finsternis Luther 14, 42
Weim.; die kinder aber, den es ward verheiszen, umb ir böse art sollen werden gestoszen draus in ewig finsternis hinaus Nik. Hermann
sontagsevang. (
bibl. deutscher schr. aus Böhmen 2, 47); (
sorgen,) das man niemand so bald in solche sunde stosze Luther 28, 19
Weim. in den staub (
th. 10, 2
sp. 1081
unter 4)
u. ä. Schubart
briefe 1, 109
Strausz; Friederikus, unser könig, hat alle feinde besiegt, und die ihn wollten zerstücken und stoszen in den staub, denen ist gemessen der rücken oder liegen den raben zum raub v. Ditfurth
hist. volkslieder des preusz. heeres 39.
ins unglück: o schweigt! und solt ers werden innen, er sölt uns in als unglück stoszen Hans Sachs 2, 57
Keller (
Reinicke Fuchs [1650] 236). in das unglück, in das ich sie (
das mädchen) gestoszen Göthe 24, 204
Weim. (Ebner-Eschenbach
schr. 4, 178); denn Eva war das erste rypp, das solche grosze hochfart trypp, da durch sie uns und selber sich in kummer stiesze jemerlich Murner
die mülle 14
Albrecht; wenn seine (
des kaisers) gnadenhand mich nicht in knechtschaft stöszt Lohenstein
Cleopatra (1680) 122;
vereinzelt auch sonst (
doch immer mit dem beisinn des gewaltsamen): den herren hab ich betrogen und meins herren sun hab ich gestoszen in disz hochzeit Boltz
Terenz (1539) 18
a; (
nöthig,) den jüngling in die bahn der ehre zu stoszen Ramler
fabellese (1783) 3, 89; (
hätte die natur) meinen bruder ... nicht vor mir in die welt gestoszen ... Klinger
werke 3, 226.
geldwirthschaftlich: geld in etwas stoszen geld in eine unternehmung stecken, sich mit geld daran betheiligen, so mit beziehung auf den ausfuhrhandel: gott hatt uns Deutschen dahyn geschlaudert, das wyr unser golt und sylber mussen in frembde lender stoszen, alle welt reych machen und selbst bettler bleyben Luther 15, 294
Weim.; auch: pfruonden und lehen ... nach yhrem todt niemant mehr verleihen, sondern unter die armen erben und in gemeinen kasten stoszen 12, 14.
neben verthun (
und mit verwischung der construction): so geschicht es oft, das sie das gut von einem bergwerk bekommen, widerumb in eim anderen bergwerk verthundt und stoszend Bech-Agricola
bergwerkbuch (1621) 18;
vgl. dazu: aber alles das man gräbt, stoszet sie (
die erde) gar in die tiefe 4. noch dannocht bist ein bergherr gsein, wann du schon hast gestoszen drein ein hundert gulden oder vier, verhofft, sye werden kummen schier Wickram
w. 5, 142; I@3@d@dδ)
mit auf: besonders '
aus dem hause auf die strasze': eyns teyls stieszen ihn auf die strasze nackend yn den dreck, und namen yhn gefangen, er solte mit yhn gehen Luther 18, 238
Weim.; dasz eine hure in ihrem winkel einen fremden auszieht und nackend auf die strasze stöszt Cramer
Neseggab (1791) 3, 7 (W. Raabe
hungerpastor 2, 168).
allgemein: wie er auch lestert, dobt und schreit wider gott selber und sein wort, welchs er gern stiesz gar auf ein ort Fischart
nachtrab 92
Kurz; stärker als auf die bahn bringen (
th. 1
sp. 1077
unter 6): er leitet uns; der andere stöszt uns auf die bahn J. J. Chr. Bode
Montaigne 3, 198 (
s. auch oben in die bahn
unter γ). jener kann leichter verbildet und viel heftiger auf falsche wege gestoszen werden Göthe 21, 191
Weim.; auch: ihr habt ihn auf den weg der gebundenheit ... gestoszen Bettine
dies buch gehört dem könig (1843) 1, 281. auf die seite
um damit auszer action zu setzen, kalt zu stellen (
s. auch unten zur seite, bei seite): (
bei einer rauferei) er wurde von Kaspar weggerissen und auf die seite gestoszen
M. Meyr
erzähl. aus dem Ries (1868) 1, 334 (
s. auch th. 10, 1
sp. 388
unter II 7
b)
vielleicht hierher: dasz ich feder und papier auf die seitten gestoszen, und auff Inspruck spatzieren gangen Guarinonius
grewel der verwüstung (1610) 1173;
doch auch möglich ('
neben dem schreibtisch auf die seite)
an der wand hinter pergamentstreifen stecken und so aufbewahren'.
dann also zu unten. unter parteien auf die andere seite: (
ein) vorfall, der ihn mit heftigkeit auf die andere seite stiesz, als er eben entschloszen war, das vorhaben einer religionsveränderung aufzugeben Justi
Winckelmann 1, 328. I@3@d@eε)
mit unter:
besonders in der redensart etwas
unter die bank stoszen als ein verachtetes, gleichgültiges und vernachlässigtes (
s. auch th. 1
sp. 1107
unter 1): das er die bibel nicht unter die bank stos, sed attendat lectioni Luther 25, 26
Weim. (
vgl. 18, 84
und 24, 446); und aber solche (
weltliche ehre) nit gentzlich unter die banck gestoszen werden Pape
bettel- und garteteuffel (1586) F 3; denn der Antichrist und groszer anhank die heilige schrift han gestoszen unter die bank Schade
satiren und pasquille 1, 2; und also stoszend sie gotts wort under den bank und predgend ir eigen träum und gedank Nik. Manuel
pabst. u. Christi gegensatz 145
B. auch: mein gemüt das ist zersträet, gar swär ist mein gedank, wann sy ain ander fräet, sy stoszt mich undern panck Hätzlerin
liederbuch 49.
den ursprünglichen sinn setzt in besonderes licht: wer auf die bank trachtet, der kompt darauf, wer under die banck wil, den stoszt man bald darunder (
angeführt zu dem sprichwort: wozu einer lust und lieb hat des bekompt er sein lebenlang genuog)
schöne weise klugreden (1548) 3
a.
in der verbindung mit schämel,
der noch niedriger als die bank,
zugleich aber im wortspiel mit scham (
f.)
vgl.schämel 1
und 2 (
th. 8
sp. 2534): wer etwas haben wil, der musz den schamhut abthun, den schämel unter die bank stoszen Lehmann
florileg. politicum (1662) 2, 717; viel stoszen die schämel unter die bänck 3, 447;
vereinzelt (
unsinnlich) einen unter die sünde stoszen
ihn für einen sünder halten: Paulus stoszet sie beide, juden und heyden unter die sünde Gretter
epistel an die Römer (1566) 124 (2, 12),
unter den begriff sünde. I@3@d@zζ)
vereinzelte gebrauchsweisen. I@3@d@z@aaαα)
mit zu,
statt des gewöhnlichen in,
aber auf seine eigene weise bildkräftig mit hervorkehrung des begriffs 'stoszend treiben': dann (
wenn er gestorben ist) hondt wir erst ein fryen muot mit des rychen kargen guot, das er uff erdt nie hat genossen und hat in dort zuo hell gestoszen Murner
narrenbeschwörung 64
neudr.; und (
damit nicht der herr) euch wie die falschen hund, stosz zur hellen grund Ringwald
evangelia B 4
b; der schlimme morgen. und lange borgen hat viel zur höll gestoszen Abraham a S. Clara
mercks Wien (1680) 159; doch so teufel, welt und fleisch mich von neuem solten fällen, ach! so weiche (
gott) nicht von mir stosze mich nicht zu der höllen Schmolcke
sämtl. trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 53, (zur hölle Brentano 3, 268); hattend aber nit so vil, dan dasz si ouch leut zuo closter stieszend J. v. Watt 1, 276; mit welcher (
schrift) er (
Paulus) noch diese stund, den antichristum stoszt zu grundt Ringwald
christliche warnung D 1
a (B. Krüger
spiel v. den bäuer. richtern 16); zu unerhörtem leide stöszt gott sein einge freude Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 3, 415
a; die menschen lassen sich nicht zum guten stoszen Klinger
werke 4, 83; (
die juden wurden) durch eine solange anhaltende dummheit endlich fast bis zum thier herunter gestoszen Schiller 9, 104. I@3@d@z@bbββ)
mit an: so stoszt die menschen an ein grausz Spreng
Ilias 346
b. I@3@d@z@ggγγ)
bei seite: ich stiesz sie, die mich zurückhalten wollte, bei seite Holtei
erz. schr. 1, 53 (gröblich Laube
ges. schr. 2, 51);
neben auf die seite (
oben unter δ)
und nur wenig begrifflich unterschieden zur seite
vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 53. I@3@d@z@ddδδ) zwischen etwas: du solst nach altem brauch und recht zwischen die langen spiesz gestoszen werden Reutter von Speier
kriegsordnung 68. I@3@d@z@eeεε)
in verbindung mit hinab (
th. 4, 2
sp. 1381), herab (
sp. 1014), hinunter (
sp. 1533), hinein (
sp. 1424), hinaus (
sp. 1400), heraus (
sp. 1046),
dazu mit dem örtlich entgegensetzten hin und her (
sp. 1372): da fiengend si in doch ..., stieszen und bankelten in hin und har, und träuwten, inne zu ertränken oder zu erstechen Äg. Tschudi
chron. helvet. 2, 310; ist denn der schöpfernatur ihr geist nicht gewaltiger als der philosoph mit seinem dreieck, wo er die schöpfungskraft drinn hin und her stöszt Bettine
die Günderode 1, 17;
sonst auch: so handelt itz die welt mit mir, der stost mich hin, der ander dort mich hält, und musz ihr schauspiel sein J. Rist
friedewünschendes Teutschland (1648) 33; stosze mich da oder dort hin Göthe 21, 65
Weim.; lord Byron ... durch den willen einer dämonischen unruhe hierhin und dorthin gestoszen Herm. Grimm
Michelangelo 1, 44. I@3@d@hη) (
prägnant)
in dem sinne von abstoszen (
th. 1
sp. 132),
so im gegensatz zu ziehen: in der ganzen natur ... stöszt und zieht hasz und liebe von ewigkeit her E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. l. Deutschen 1, 362 (Neukirch
gedichte (1744) 175); und zu deinem ewgen unbehagen stöszt dich heute, was dich gestern zog Göthe 1, 77
Weim. neben abweisen (
th. 1
sp. 151): gleich wie die in piscatione monachorum, da die armen leyen im mör ... umbschwimmen, und die unwürdigen des klosterverdienstes ubel mit rudern gestoszen und abgewisen ... werden Fischart
bienenkorb A 8
b; so ein pferd die solen nit stoszen will, so nimb lorbeer Seuter
roszarznei (1599) 372,
wie sonst auswerfen (
th. 10, 1
sp. 1414: sohle 4
a). I@3@d@thθ)
mit reciprokem gehalt (
s. im übrigen unter III): (
die eheleute) wie die schiffel am gestatt, welche zwar angebunden, und scheinen als genieszen sie ein ruhe, man wird aber doch sehen, dasz eines das andere stoszet Abraham a S. Clara
Judas 1, 24; hier drängte und trieb und stiesz die zeit die zeit, die sitte die sitte Gutzkow
zauberer von Rom. 2, 311; wir leben in einer höchst bewegten zeit, alles geht vorwärts, einer stöszt den andern Bauernfeld
schr. 5, 209,
vgl. auch: der eine augenblick gebiert den folgenden, eine handlung stöszt die andere vor sich her Tieck
schr. 8, 13. I@3@d@iι)
einen dazu stoszen, etwas zu thun: und wenn nun ohnehin schon unsere ganze stellung zu der französischen armee eine falsche war, so stöszt er (
marschall Macdonald) uns so zu sagen mit gewalt dazu, ganz von den Russen umgeben, die erste gelegenheit wahrzunehmen, diese falschen, unseren neigungen zuwiderlaufenden verhältnisse aufzugeben graf Henckel
tagebuch 20.
dez. 1812
bei Häusser
deutsche geschichte 4, 16. I@3@ee)
in besonderm grad der wirkung den boden aus dem fasz (Petri
der Teutschen weisheit 1, 6
b): do aber alles aufgefreszen und ausgesoffen war, stieszen sie den einen bodem aus der tonnen B. Krüger
Clawerts werckl. historie 68
neudr. und nun in dem reichen, schon unter boden (
th. 2
sp. 210)
und fasz (
th. 3
sp. 1359),
dazu unter ausstoszen (
th. 1
sp. 989
unter 2)
behandelten bildlichen gebrauch: '
etwas auf die spitze treiben; einer sache gewaltsam ein ende machen' (
wie bei einem gelage, wo entweder die zecher aus übermuth oder der wirth aus vorsicht dergleichen thun)
nachzutragen noch darnach (
nach Hektors begräbnis) die Troianer eben hielten ein herrliches wolleben in Priami desz königs haus, stieszen der leych den boden aus Spreng
Ilias (1610) 354
b.
d. h. eigentlich den fässern, welche beim leichenschmaus geleert wurden (
eine wiederspiegelung heimischen volksbrauchs)
: zugleich zur steigerung der abergläubischen wirkung des vorgangs, nämlich um den toten an der wiederkehr damit zu hindern. auch die thür aus den hespen stoszen,
mit gewalt: ein paar blöcke, die als kriegswidder dienten, die thore aus den angeln zu stoszen Ranke
w. 2, 280. I@44)
von raubvögeln (
an stelle des gewöhnlichen, mit auf
verbundenen, intrans. gebrauchs unter II)
vgl. Mynsinger
von den falken 4: denn stöszet er (
der habicht) kranich, gense und reyger, auch andere dergleichen vögel, aber gar leichtlich stöszt er ant- und wasservögel Heyden
Plinius (1565) 414; ja, wir haben stoszvögel, umb den hasen ... den antvogel ... zu beitzen oder stoszen Duez (1657) 729; wer sich zur tauben macht, den stoszen die falken Lehmann
floril. politic. (1662) 1, 135; (
es) können zwey krähen einen alten hasen so gut stoszen, als ein raubvogel Fleming
teutscher jäger (1719) 105; die vögelchen, die zu früh pfeifen, die stöszt der habicht Düringsfeld
sprichwörter 1, 267
a (
Oberhessen): so wie der adler thut mit einer geyerzucht, dasz er sie plötzlich stöszt ... Besser
schr. (1732) 1, 37. I@55)
einen gegenstand zum stosz
gebrauchen; ihn stoszend führen; zum aufprall bewegen, in anlehnung an oben 3,
insbesondere zur begrifflichen entwicklung von aufstoszen
verb. auf den boden u. s. w. th. 1
sp. 751: den fusz auf die erde stoszen Kramer
dict. 2, (1702), 987
a; sie duchte, es weri ein swere berg uf ir
herz gestoszen Seuse
deutsche schr. 370
B;
in der hauptsache ein instrumentaler accus. (
entsprechend oben 1
a): (
pass.) (
nach der verurtheilung) wurden Alberichs sechs söhne ... hingerichtet, in stücke zerrissen und dem vater die einzelnen glieder ins gesicht gestoszen Fr. Raumer
geschichte der Hohenstaufen (1824) 4, 442. schnell gefaszt jedoch und scheinbar lächelnd kehrt sie (
die kaiserstochter) gegen jenen (
den entführer) sich und stöszt ihm beide hände vor die brust, er taumelt klaftertief hinunter, bis ein felsstück ihn zu staub zerschmettert Platen 2, 265 (
Abbassiden 4); ich will den stab dreimal zu boden stoszen und dies gezelt mit traumgestalten füllen H. v. Hofmannsthal
gedichte 88. I@5@aa)
den kopf wider die wand, an die mauer
u. a. (
th. 5
sp. 1745
unter II A 3
b)
absichtlich, als ausdruck groszen schmerzes, der verzweiflung (
ohne dieses gefühl gewöhnlicher mit dem kopf Kramer
dict. 2 [1702], 986
c); diser schad hat Augustum so hart bekümmert, das er lange zeit ... im sackleyd auf die erd hat gesehen und seinen kopf wider ein wandt stöszende gesagt: ... S. Franck
chron. Germaniae (1538) 11
b (den schopf [
s. th. 9
sp. 1530
unter 7]
vgl. Gargantua 44
neudr.); (
Melina) stiesz den kopf wider die wand Göthe 22, 52
Weim.; der bräutigam, den man sogleich herbei rief, stellte sich anfangs, als hätten schrecken und schmerz seinen verstand angegriffen. er fiel sich mit beiden händen in die haare, und stiesz den kopf gegen die wand Langbein
schr. 31, 157.
auch: (
indem ich) meine heisze stirn wider diese klinker stiesz Immermann
werke 2, 101. I@5@bb)
schulmeisterlich einem die nase ins buch (
u. s. w.) stoszen,
um des schülers aufmerksamkeit zu erregen, wach zu machen (die widerstrebende nase W. Raabe
hungerpastor 1, 144); bekennet hat er mir, der
braut, die ihn erst tüchtig zappeln liesz, ihm tüchtig wusch die grobe haut, die nas ihm auf den fehler stiesz Brentano
schr. 5, 42; (
eine geographische thatsache einsehen,) wenn ihr mir die nase in eine weltkarte gestoszen J. Kraus
warheit der fünfzig ursachen (1717) 40.
daneben einen mit der nase worauf stoszen
in beliebtem bildlichen gebrauch: ich habe noch nicht gesehen, dasz einer etwas gemacht hat, den er nicht hinterdrein mit der nase aufs bessre gestoszen hätte Göthe 17, 84
W.; erlaubt, dasz ich euch mit der nase darauf stosze 107
W.; man wird hier auf die zwey prinzipien der moralischen welt, ... so zu sagen, mit der nase gestoszen Klinger
werke 12, 63; sehen wir lieber auf unser maul, da haben wir wunde genug, auf welche uns mutter natur gewissermaszen mit der nase gestoszen, dasz wir sie stopfen sollen Brentano 5, 334 (A. Ruge
briefwechsel 2, 324; Polenz
Grabenhäger 1, 300);
gröblich und strafweise auf den tisch: (
einen) nicht um ein lumpiges wort oder
zwei mit der nase auf den tisch stoszen W. Raabe
hungerpastor 1, 239,
wie sonst einem unerwünschten, miszliebigen gast das maul auf den tisch: das sprichwort habe ich mein tag nicht gehört, dasz man sagt, man stosze einem das maul auf den tisch, wenn man einen zu gast ladt Liselotte
briefe 1, 128.
mit besonderer beziehung auf die aufmerksamkeit des gehörs umgeformt: seyd ihr (
Deutsche) so schwer zu verständigen, ... dasz ihr sie (
eine kurze stammsilbe vor langen ableitungssilben) nicht unterscheiden könnt, wenn ihr nicht insbesondere mit den ohren darauf gestoszen werdet? A. W. Schlegel im
Athenäum (1798) 1, 36.
verblaszt: das grab eines todten ist heilig; und wenn man da nicht die einzige, bittre wahrheit sagen soll, auf die uns sein ganzes leben stöszt, wo und wenn sollte man sie denn sagen? Herder 15, 40; (
der erfolg,) wenn son bengel von der mutter drauf gestoszen wird, dasz sein vater leichtsinnig ist G. Hirschfeld
die mütter (1896) 42. I@5@b@aα)
nicht weniger gröblich die umkehrung einem eine schrift, ein buch
u. a. unter die nase stoszen,
zunächst ein lehrhaftes schlagwort des reformationszeitalters; noch ganz eigentlich, körperhaft vorgestellt: nemb ein feder und schreib in tabella locos apertissimos de divinitate Christi, ut schwermeris kund unter die nasen stoszen Luther 28, 90
Weim.; das man ihm die schrift unter die nasen stöszt und fur die augen helt 33, 215
Weim. (
besonders lebendig:) so man yhn aber widerumb das wort gotts under die nasze stöszt, so schreyen sie mit zugestopften oren: du verstehests nicht recht 8, 526
Weim. (Andreas Althamer
von der erbsund (1523) F 2
a); das gemeine zeugnisz aller völker auf erden Gretter
epistel Pauli an die Römer (1566) 266,
dann in erklärter bildlichkeit; überhaupt '
einem etwas vorhalten, vorrücken'
u. s. w.: so muoss man in die warheit under die nasen stoszen Eberlin v. Günzburg
schr. 1, 86
neudr.; (Joh. Heroldt
von der zung [1544] 42
a); (
diejenigen,) denen man ire unlöblichen thaten under die nasen stoszen kan Martin Schrot
wappenbuch (1581) 222
b; auf dasz ... du mir mein sünd nicht unter augen stellest, noch auch mir sie unter die nasen stoszest, so will ich mir sie selbst vor augen setzen Äg. Albertinus
zeitkürtzer (1603) 184; man mus euch under d nasen stoszen den grewel, den ir noch nicht lossen Fischart
S. Dominici leben 124
Kurz. I@5@b@bβ)
nur vereinzelt etwas einem wider die nase stoszen
vgl. Fischart
ehzuchtbüchlein 248
Hauffen; wann niemand wäre als ewer Salustius selbst, der dir deinen hochmut vor die nase gestoszen, so soltestu dich doch darüber zu todt schämen Moscherosch
gesichte 2, 195;
und immer weiter auswuchernd: drumb wie und wo dyr eyn geyst zukompt, so frage nur nichts, ob er bos oder gut sey, sondern stosz ihm nur frisch ditz wort kurzlich und vorrechtlich yn die nasen: ... Luther 10, 1, 1, 587
Weim.; wie sonst: do stosset er dem phariseer das wort wider yns maul 29, 391
Weim. I@5@cc)
beim rundtruck ein glas wein u. s. w. stoszen,
d. h. auf den tisch (Spielhagen 2, 81),
um es beim zechgelage dem nachbar im zutrunk zuzubringen, noch heuer (
Göttingen 1925)
als volksthümliche trinksitte im schwange; deshalb einem (auf etwas) zustoszen
Gargantua 145
ndr. wie sonst zutrinken
im gegensatz zum anstoszen (
th. 1
sp. 489
unter 7; Th. Körner 1, 140),
wenn jeder zechgenosse ein eigenes glas hat. das solches aufstoszen
vertragende trinkgeräth insbesondere die stampfe, stampe, der stampfer (
th. 10, 2
sp. 675); es ist nicht zu spät, ... auf weitere bekanntschaft ein gläschen zu stoszen Göthe 38, 148
Weim. (
Claudine); stosz nur ein glas, so bricht es gantz gewisz H. v. Hoffmannswaldau
gedichte 3, 350; die gläser stoszend, setzet man den vierten tag zur hochzeit an Ramler
fabellese 3, 124; hier sitzen wir beim hospiz, der geistliche herr stöszt eine anständige condition, hier wird getrunken, singt dazu Holtei
erz. schr. 16, 174 (Eichendorff
tagebuchbl. 47; weinkondition 73
wie sonst tractament '
gelage',
vgl. zeitschr. f. deutsche wortforsch. 12, 290); wollen nachher auch eins zum Hubertus stoszen, bey einer flasche johannisberger maler Müller
werke 3, 399.
nun auch: du hast es ja gesehen — der schnitt des gesichts, als er mit Zeus die gesundheit stiesz Lenz
gedichte 211
Weinhold. mit dem accus. der person: aber heute dachte er daran, wie ihn vor zwanzig jahren der mann, der jetzt gebrochen und hohlwangig neben ihm herschwankte, in der kantine auf so manche halbe gestoszen hatte Polenz
w. 8, 42. I@5@dd)
technisch. I@5@d@aα)
handwerkerlich stoszen,
mit dem meiszel arbeiten (
insbesondere auch dem stoszeisen, stoszmeiszel)
ndd. stoten Schumann
Lübeck (1907) 43;
auch mit dem stoszhobel
holz behobeln (Bucher
kunstgewerbe 387
b)
hierher (?) zum irsten 1
m. 1/2 firdung an 10 pf vor 40 schog splisse (
schindeln) zu stoszen und vor decken
Marienburger tresslerbuch 210
Joachim; im schmiedehandwerk: oben in diesem bergwerke hörte man sie (
die zwerge) vielmals klopfen, hämmern und picken, als ob drei oder vier schmiede etwas stieszen brüder Grimm
deutsche sagen 1, 24. I@5@d@bβ)
sonst holztechnisch stoszen '
zwei holzstücke vereinigen' Bucher
kunstgewerbe 387
b,
d. h. stumpf an einander fügen Mothes 4, 277,
mit den hirnenden Schönermark- Stüber 802 (Helfft
landbaukunst 305).
vgl.stosz II 1
c (
sp. 474). I@5@d@gγ) truppen
aneinander stoszen (
an stelle des gewöhnlichen intrans. mit truppen zu einem stoszen
unter II): die (
truppen) aus dem andern läger hat er daran gestoszen Xylander
Polybius (1574) 189,
vgl. und ermuntr ihn, zu Herman sein heer unverzüglich zu stoszen Wieland
Hermann 93 (
lit.-denkm.). I@5@d@dδ)
auch sonst eines zu etwas stoszen
es einverleiben u. s. w.: dise gemelte landschaft ... ist vor ziten von heidnischen römischen keisern zu der seqanischen landschaft gestoszen Äg. Tschudi
chron. helvet. 1, 27,
vgl. Jean Paul
komische anhänge zum Titan 1, 52. I@5@ee)
in stärkerer anlehnung an oben 3. I@5@e@aα)
hervorsprieszen machen, lassen; treiben: (
eine pflanze) stöszt etwan 3 ... stengel Bock
kreuterbuch 1, 70; neue dolden 1; dise wurtzel stöszt im dritten jar junge augen oder nebenzinken Ryff
confectbuch (1548) 98
a; der baum stoszet überflüssige schosz und reiser W. Spangenberg
anm. weisheit lustgarten 252 (333); alsdann stoszen solche (
wieder fruchttragenden) äste kleine ästlein, welche hernach gerne früchte bringen Hohberg
georgica 3, 327
a; eine rebe schosz nun auf, trieb hinan, grünet und blühet und stiesz volle ranken überall maler Müller
w. 1, 40.
neben schossen
verb. (
th. 9
sp. 1600
unter 1): der cypressbaum hat den namen kyparissos: weil er seine zweiglein gleichmäszig in einer grösze stoszet oder schosset W. Spangenberg
anm. weisheit lustgarten 539.
vereinzelt: (
da) besagte wurtzel sich gepresset fühlete, sties sie ihre stengel und blätter neben der seiten ... herfür Butschky
Pathmos (1677) 18.
von sich: ein weitzenkörnlein wird in die erde geworffen, in welcher es auch verfault, dasz es endlich zu einer weiszen und flieszenden materie sich verändern musz, welches aber gemachsam sich wider zusammen findet und einen kleinen stachel von sich stöszet J.
M. Meyfart
das himmlische Jerusalem (1630) 2, 45. I@5@e@bβ) blut, flammen
u. s. w. sie hervorschieszen machen: das hertze, welches mit jedem schlage einen ziemlichen strom ... blutes von sich stiesze Lohenstein
Arminius 2, 257
a; gleich wie das feuer thut, wann es zu kräften kömpt, stöszt von sich selbst die glut bis an der sternen sitz Opitz
teutsche poemata 63; gleich wie der Aetna dort zu aller zeit erhitzt die flammen von sich stöst Henrici
ernst-scherzh. u. sat. gedichte 1, 111;
auch: glut bricht von sich selbst hervor und stöszt ihre flamm empor
Königsberger dichterkreis 17
neudr.; (
im bergwerk) stöszt ein gang geschiebe von sich (Schönberg
berginformation [1693] 2, 33)
d. h. er blühet am tage, zu tage
besonders unter der wirkung der tagwasser (
s.blühen th. 2
sp. 156
unter 10). indem er dicke tabackswolken von sich stiesz Eichendorff
w. 2, 496; die maschine stöszt weisze zischende dämpfe aus ihren zylindern G. Hauptmann
bahnwärter Thiel (1892) 48 (dampf aus seiner pfeife Laube
schr. 8, 262); gieb mir eine dose gift; solch scharfen stoff, der schnell durch alle adern sich vertheilt, dasz todt der lebensmüde trinker hinfällt, und dasz die brust den odem von sich stöszt so ungestüm, wie schnell entzündet pulver aus der kanone furchtbarm schlunde blitz
Shakespeare 1, 153 (
Romeo 5, 1); und jeder, wie er fühlt das land, den athem stöszt mit voller kraft aus der befreiten kehle haft Annette 2, 68. I@5@e@gγ)
von einem laut '
ihn mit heftigkeit, schärfe u. s. w. hervorbringen'
; für das häufigere ausstoszen (
th. 1
sp. 989
unter 5)
neben heraus (
th. 4, 2
sp. 1046,
dazu Chr. Wolff
vernünftige gedanken von gott [1720] 244)
und hervor: er schien einige worte mit heftigkeit hervor zu stoszen Storm 2, 148; sie stöszt in die luft gebrochenen laut Bürger 1, 282
Bohtz; da stiesz vom nächsten schiff die bootsmannspfeife grellen pfiff Annette 1, 58. als er ein gleichgültiges 'pah' durch seine vollen aufgeworfenen lippen stiesz Willibald Alexis
Roland von Berlin (1840) 1, 339; sie (
die nachtigall) stöszt aus ihrem engen schlunde den bass, discant, alt und tenor Triller
poet. betrachtungen (1750) 1, 32; und stöszt so grimmen schrei aus seiner brust Arnim 20, 106.
als hyperbel: der wunsch, den ganz Berlin aus vollem herzen stiesz Neukirch
gedichte (1744) 216. I@66)
stampfen (
deutlich entwickelt aus dem gebrauch unter 5). I@6@aa)
durch stosz befestigen, feststampfen: bestellen soll der stat paumeister mit den pflasterern, wo man roren legt zu den flieszenden prunnen, das man dasselb ertrich woll stösz, das man auf die roren wurft E. Tucher
baumeisterb. 49; item der gesworn zueburger soll in dem pfannhaus mit fleisz aufsehen, damit die fueder wol peert und mit dem stöszel gestoszen werden Lori
baierisches bergrecht 124 (
sudordnung v. j. 1489); die (
oder auf die) ladung stoszen
calcare la carica Kramer
dict. 2 (1702), 987
a. I@6@bb) (
bergmännisch) sumpf stoszen
für die wasser ein sammelbecken herrichten und mit rasenstücken befestigen Junghans
gräublein ertz (1680) F 1
a (Herttwig
bergbuch [1734] 390
b). I@6@cc)
buttern: ich stosz
butter iacto butyrum Alberus (1540) b b 4
a; butter stoszen
fare, baruttolare butiro Kramer
dict. 2 (1702), 987
a,
vgl.butter (
th. 2
sp. 583)
und buttern
verb. (
sp. 585); item das man die milch ... fleiszig abnemme, butter daraus ... stosze Sebiz
feldbau (1579) 98;
sprichwörtlich; wenn man milch stöszt, so macht man butter drausz Petri
der Teutschen weisheit 2, D d d 1
b; man musz die milch so lang stoszen, bisz butter drausz wird Lehmann
florileg. politic. (1662) 1, 29. I@6@dd)
durch wiederholtes stoszen '
zerkleinern',
in dem sinne von unten zerstoszen:
trusatilis das gestoszen wird Alberus (1540) 10
a; zween mühlstein ... der oben rumpelt und stoszt, der unter ist still, und gehören doch beide zum mühlwerke Petri
der Teutschen weisheit (1604) 1, E 8. I@6@d@aα) pfeffer, gewürtz
ò würtze
sc. stoszen,
pestare pepe, specie ò aromati Kramer
dict. 2 (1702), 987
a (195
a); brasilholtz stoszen,
raspare legno di Brasile ò verzino (
ebenda); nachtschatten-würtzeln gestoszen (
haben) Braunschweig
chirurgia (1539) 35
a (Heyden
Plinius [1565] 157; Sebiz
feldbau [1579] 67); nim cypresznusz ... drey oder vier eyerklar, stosz, was zu stoszen ist Wirsung
artzneybuch (1588) 549
d; o süsze freundin, ... stosze eine wenigkeit von diesem zuckerkandel! E. Th. A. Hoffmann
w. 6, 244 (Göthe 43, 373
Weim.). die alten lumpen kann man stoszen, so kriegt man doch papier daraus Rachel
ged. 144
neudr. item 1
m. 2 scot vor 1 yserynne kolwe, polfer domete yn zu stoszen
Marienburger tresslerbuch 597
Joachim; darzu gehören auch kessel, pfannen und mörsel, damit man die feuerwerk stoszen (
könne) Fronsperger
kriegsbuch 1, 73
b; in meinem kopf ists wie in einer mühle mit viel gängen, wo zugleich geschroten, gemalen, gewalkt nur öl gestoszen wird Göthe
an frau von Stein 1, 343. I@6@d@bβ) zusammenstoszen
verschiedene stoffe so durch einander mischen (
vgl. voc. opt. 49
b);
auch stosz ölmagen mit eyerdotter, dasz es werde wie ein taiglin Gäbelkover
artzneybuch (1595) 1, 4. durcheinander: diese ding (
hopfen, rote minze u. a.) durch einander gestoszen, und mit einem löffel zweymal so viel wein, als viel als der andern ist, vermischen Paracelsus
opera (1616) 1, 357. daran: (nimm) wegwarten, legs in einen guten wein und stosz rohen zwifel daran Seuter
roszarznei (1599) 109.
neben mischen (
th. 6
sp. 2249,
unter 2
b):
die chinesischen kaufleute nehmen alles fleisch und blut von diesem thiere (
dem muskur) und stoszen es unter einander, dasz er zu einem brey wird, füllen es in kleine beutel Olearius
morgenländ. reise (1696) 50. I@6@d@gγ)
insbesondere im mörser stoszen tundere in mortario Corvinus
fons latinit. (1646) 922 (
s. auch th. 6
sp. 2593): saltze im mörser stoszen Kramer 2 (1702), 420
b (
vgl. auch 2, 987
a); die gesähme (
werden) alle in einem mörßel gestoszen Aitinger
jagd- u. weidbüchlein (1681) 107 (Sebiz
feldbau [1579] 64). (die lüge), das die Giaquen ihre kinder mit wurzeln und kräutern im mörser stoszen, um sich eine salbe zu bereiten Sturz
schr. (1779) 1, 80 (
als himmlischer zeitvertreib): und wenn es (
das wasser) durchgeseiget war, so stiesz mans in eim mörser dar Hayneccius
Hans Pfriem 686, 30,
neudr. deshalb sprichwörtlich: wer wasser im mörselstein stoszt, der thut vergebene arbeit Lehmann
florileg. politic. (1662) 2, 798; stumm einen mörser trägt er her und stoszt, als wenn was in ihm wär J. Kerner
kleksographien 27.
selten: der kaffee wird mit mörsel gestoszen Göthe III 5, 264
Weim. I@6@d@g@aaαα)
auf personen bezogen (
im sprichwörtlichen vergleich und bildlich): mancher hat ein kopf wie ein mörsel, man musz alles drinn stoszen Lehmann
florileg. politic. (1662) 1, 464; aber welcher henker weiset mir den mörser, da ich aus zweyen kleinen menschen einen doppelten stoszen kann? Chr. Weise
drey kl. leut (1675) 44; denn ein narr bleibt ein narr, wenn er gleich im mörsel gestoszen würde wie grütze J. G. Schmidt
gestrieg. rockenphilosophie (1706) 1, 102 (
mit anlehnung an spr. Salom. 27, 22);
neben zerstoszen: stosz immer hin, denn du zerstöszt nicht Anaxarchen, sondern nur seine hülsen Lohenstein
Arminius 2, 270
b. I@6@d@g@bbββ)
obsc.: (
die frau) folgt ihm (
dem studenten) von fern und war gar bösz, sprach: 'solt dein pfeffer mit solchen boszen nicht mehr in meinem mörser stoszen' Burkard Waldis
Esopus 4, 27, 60. I@6@d@dδ)
mit adverb. bestimmung: grob stoszen
pestare, infragnere grosso ò alla grossa Kramer 2 (1702), 987
a;
entgegengesetzt: klein stoszen (
ebenda; Wirsung
artzneybuch [1588] 553
c); den thon klein stoszen (lassen) Ercker
mineralertz (1580) 7
b (Hayneccius
Hans Pfriem (1582) 30, 690
neudr.); wir wollen einen orientalischen diamant klein stoszen lassen
schausp. engl. comödianten 179
Creizenach; den haber stoszen sie mit steinen zum gebrauch klein Laroche
fräulein v. Sternheim 2, 221.
auch: und nam den roten leymen von dem ofen, stiesz den aufs allerschönest und kleinest, thet das fein in ein liderlin secklin
V. Schumann
nachtbüchlein 23
Bolte; (
nimm) ein pfund calcinirt alaun, der wol gestoszen und durch ein sieb gebeutelt sey Thurneysser
magna alchymia (1583) 23. I@6@d@eε)
insbesondere: zu pulver stoszen
pestare, tritare, far' ridurr' in polvere Kramer 2 (1702), 987
a (Herold-Forer
thierbuch [1563] 18;
M. Böhme
roszartzney [1618] 10); (
bildlich:) aber sanct Peters wort sind gottis wort, die lassen keyn anders, denn das eynige gemeyne priesterthum bestehen, es stoszt die andern alle zu pulver Luther 8, 254
Weim.; dadurch sind nu schön unser werke, verdienst, freier wille und vernunft zu pulver gestoszen 24, 24. zu einem brei stoszen J.
F. Stahl
gewehrgerechter jäger (1762) 24;
dafür in älterer sprache als ein brei Burkhard Mithof
wie man sich für der pestilenz bewaren soll (1552) P 2
a. schlag oder stosz in (
den zucker) zu kleinen stücklein Ryff
confectbuch (1548) 6
b;
vgl. noch: diss alles thu in ein mörsel, stosz es so lang, bis es rein subtil (
wird) Paracelsus
opera (1616) 2, 549. I@6@ee)
gröber '
zertrümmern',
so einen felsblock, wie den vor Christi grabeshöhle; (
bildlich:) si autem impii thiranni nos consciencia alligare voluerint, so sol ich myt dem engel steyn und sigel zu drummern stoszen Luther 29, 287
Weim. I@77)
einbohrend stoszen,
gewöhnlich mit einem zugespitzten geräth, einer spitzen waffe: mit einem stoszdegen stoszen Kramer 2 (1702), 987
a; mit seinem degen stöszt der mann, Antonio drückt sich wie er kann W. Busch
heil. Antonius (1870) 16.
und so pointiert in der scenar. bemerkung: der mohr geht laurend um ihn herum, endlich zieht er den dolch und will stoszen Schiller 3, 27 (
Fiesko 1, 9). I@7@aa)
mit instrumentalem accus: einem einen degen
ò dolchen in leib stossen,
cacciare una spada, uno stile in corpo ad uno Kramer
dict. 2 (1702), 987
a (Wieland
natur der dinge 3, 450); einem ehrlichen mann ... eine kugel schenken oder einen degen in leib stoszen Rist
friedewünschendes Teutschland (1648) (
theatrum amoris) [1626] 93); dir die wahl geben, entweder Alboin zu ermorden, oder zu erwarten, dasz er dir das schwert in den leib stosze brüder Grimm
deutsche sagen 2, 28.
ähnlich ich stiesz ihm mein schwert in den bauch Pocci
komödienbüchlein 143; (
im traum) als stosze ihm ein hirsch, den er jage, sein geweih in den leib Ranke
w. 9, 108. in die seite: schnell fliegen räuber aus dem hinterhalt herzu, stoszen unter dem handgemenge dem maulthier den stahl in die seite Ramler
einleit. in die schönen wissensch. (1758) 1, 285. in die brust: wie der unglückliche liebhaber ihr das schwert in die brust stöszt Göthe 21, 34
Weim.; wer stiesz in Catons brust den falsch gerühmten degen? Wieland 1, 242 (
moral. br. 3); was blut hast du vergossen? in seine (
Cäsars) eigne brust hast du den dolch gestoszen! 1, 254 (
moral. br. 5). hab das herz nicht, dir den dolch in die brust zu stoszen, und will dich heimlich vergiften, ermorden! Göthe 11, 178
Weim. (Gellert
w. 1, 237); und stöszt dem mann, der sie belauscht, ein messer in die brust! Ramler
fabellese (1783) 1, 168. (Schiller 12, 503
Maria Stuart 3, 5; Langbein
schr. 31, 19);
in dichterisch gehobener sprache dafür in den busen: wer das vaterland verriet ..., in den busen seiner mutter hatte der das schwert gestoszen Herder 17, 311 (Gökingk
ged. (1780) 1, 71; sein eisen in den busen Hegner
schr. 5, 179);
besonders in das herz (
vgl. oben stosz
m. sp. 455
und herzstosz
th. 4, 2
sp. 1261): (
sich nicht abhalten lassen,) seinem wohlthäter den dolch ins hertze zu stoszen Lohenstein
Arminius (1689) 1, 21
a; ist es ihnen anständig, einem vertheidigungslosen manne den dolch ins herz zu stoszen? Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 1, 149 (Ramler
einleit. in die schönen wissensch. [1758] 2, 331; Körner 2, 174); (
bildlich:) ihr stunden, die im taumel ihr des lasters hingeflossen, was kommt ihr, mit der reue mir den dolch ins herz zu stoszen? J.
M. Miller
ged. (1783) 319. (
sie) stieszen denen, die auf den knieen lagen und baten, das messer in das herz Stifter 3, 22 (
auch 3, 114); als die spartische mutter den sohn entflohen dem treffen, waffenberaubet sah, stiesz sie das schwert ihm ins herz Herder 26, 39;
weiter veranschaulicht: so will ich alsbalt ... den dolch ihm stoszen mit gewalt zwischen die rippen in sein hertz
griech. dramen 2, 17
Dähnhardt. sonst noch vereinzelt: der Winckelriet stiesz im (
dem drachen) den spiesz in den rachen mit aller kraft Tschudi
chron. helvet. 1, 146 (Jung-Stilling
schr. 6, 532; einen feuerbrand in den mund W. Scherer
litteraturgesch. 105); und (
ich) stosze tief ihm ins gekröse nachbohrend bis ans heft den stahl Schiller 11, 281 (
kampf mit dem drachen); wir wollen uns vereint des mahls erfreun, bis ihr den dolch uns in die kehle stoszt! Collin
Regulus (1802) 57 (2, 2); (
das kind) hat darauf ein bloss messer genommen und es seinem brüderchen in den hals gestoszen brüder Grimm
kinder- und hausmärchen 1, 103; in demselben augenblick ... stoszen (
sie dem stier) ihre pfeile zwischen ohren und hörnern ins genick Moltke
schr. 1, 216 (ihm in den schlaf Bürger 165
Bohtz); (
bildlich:) einer, der es wagte, in sie (
die Achillesferse) das eisen zu stoszen H. v. Barth
aus den nördl. Kalkalpen (1874) 353.
ganz allgemein: 'münch, höre mich beichten und absolviere mich recht! wo nit, so stosz ich das schwert in dich' Lindener
Katzipori 126; balt droll dich nur von mir gar weit oder ich stosz mein wehr in dich! J. Ayrer
dramen 1, 79
Keller. I@7@a@aα)
der begriff durch weiteren zusatz verstärkt oder sonst erläutert: der generallieutenant ... stiesz einem keyserlichen officierer seinen degen in den leib, dasz die klinge fast gar darin stecken blieb Chemnitz
schwed. krieg (1648) 1, 187;
besonders auch durch das adverb. tief (
als hinüberleitung zu β): also sprach er und seinen spiesz mit aller macht und kräften stiesz tief in den holen bauch sehr grosz Spreng
Äneis (1610) 23
a; wenn ich die hand des bruders freundlich drücke, stosz ich den stachel tief in deine brust? Schiller 14, 27 (
braut von Messina 310).
auch: nun tritt er hin, ... und stöszt ihm krachend in die breite brust das scharfgeschliffne messer Annette 2, 215. I@7@a@bβ)
begrifflich stärker, mit der praep. durch: (
er) stöszt ihm das schwert durch die gurgel Lohenstein
Arminius (1689) 1, 3 (den dolch durch den hals
M. I. Schmidt
geschichte der Deutschen 3, 442; einem einen eiszapfen durch den leib stoszen
vgl. E.
M. Arndt
w. 1, 91); zischend stiesz er den stahl durch den unschuldigen busen Lenz
ged. 25
Weinhold; diesen degen will ich durch sein herz stoszen Cronegk
schr. (1771) 1, 98; (
trabanten:) stosz zu! (
Michael:) ja stosz den degen, stosz, henker, durch mein herz! A. Gryphius
trauerspiele 40
Palm (Mastalier
ged. [1774] 129); (
für den scherz) stiesz er ergrimmt dem armen sklaven den blanken jagdspiesz durch das herz Pfeffel
poet. versuche (1812) 2, 48.
auch: den dolch mitten durchs herz brüder Grimm
deutsche sagen 1, 88. mächtig stiesz er seine lanze, stiesz die brust ihm durch und durch Herder 25, 163 (
vgl. auch sammlung von schausp. [1764] 1, 99); kommt freunde! stoszt ein schwert! stoszt durch die blosze brust! diesz bitt ich! feinde kommt! ersättigt eure lust und stoszt ein schwerdt durch mich! A. Gryphius
trauerspiele 68
Palm (Wickram
werke 1, 86; Thomas von Absberg 36). I@7@bb)
mit reflexivem gehalt (
s. im übrigen unter IV)
eine Arria, die den dolch in die brust stöszt und lächelnd spricht: es schmerzt nicht Schubart
briefe 2, 17. und als er einst in wilder raserei den stahl geschwungen in erhobner hand, ... stiesz er den dolch sich in die eigne brust Mich. Beer
w. (1835) 45. sie empfing den schwur der rache, und gerechtfertigt stiesz sie sich ein messer in das herz Niebuhr
röm. geschichte 1, 319 (Tieck
schr. 2, 316); aber können sie mich zwingen, mir selbst den dolch ins herz zu stoszen, indem ich jeder hoffnung entsage? Pückler
briefw. 1, 421. die nadel will ich heut ins herz mir stoszen Brentano
schr. 3, 47. I@7@cc)
der fechterische vorgang u. s. w. stärker herausgearbeitet: thörichter jüngling! zieh völlig, ziehe! stosz hieher, hieher auf diese freie unbeschützte brust Göthe 17, 128
Weim.; Gherardo, der urheber des streits, fiel gleich über mich her, ich stiesz ihm aber den dolch nach der brust 43, 48
Weim. (
bildlich:) so wird man auch diejenigen stellen, ohne sein nachteil, bemerken können, wo man ihn allzuwitzig und allzufeurig nach eingebildeten blöszen stoszen siehet Lessing 7, 51
M.; hin und wieder stoszen (
beim fechten) Göthe 22, 37
Weim. stosz du zuerst (
im duell, mit dem degen) Lenz
schr. 1, 16 (
hofmeister 5, 2).
insbesondere: er lehret ihn die primam, und wann er solche wohl begriffen, die secundam, wenn er auch diese recht gelernet, endlich die tertiam und quartam stoszen, und einen gleichen stosz führen Fleming
teutscher soldat (1726) 23; (
er) stöszt (
beim fechten mit dem rapier) dem prinzen die quarte in den arm
schausp. engl. comödianten 184, 28
Creizenach; wo ich den einen Staaden ... die quinte durch den linken elbogen gestoszen hatte Chr. Reuter
Schelmuffsky 34 (
vollst. ausg.)
ndr. bald läszt er ihn (
den spazierstock) herunter, und stöszt eine terze B. Mayr
päckchen satiren (1769) 60; schauet ihn an! da steht er und ficht und stöszet den lüften quarten und terzen durchs herz, jubelt und meint, er trifft mich H. v. Kleist 4, 25.
neben hauen (
s. auch oben auf hieb und stosz): von allen seiten hieben und stieszen mordwüthige Franken auf die ... Römer ein Fouqué
altsächsischer bildersaal 2, 320; machet alles nieder, schieszet, haut und stoszt! Erlach
volkslieder 3, 91. I@7@dd)
danach das schwert in die scheide stoszen,
nachdrücklicher als oben stecken (
th. 10, 2
sp. 1305,
unter 6): (
er) stöszt das schwert in die scheide Göthe I 41, 1, 267
Weim. (
altdeutsche passionssp. in Tirol 55
Wackernell; Vosz
Odyssee 11, 98); (
Jesus:) Peter, losse din fechten sin und stoisze das swert in die scheide din!
Alsfelder passionssp. 108, 3401; o könig, wie du also geprahlt vor den genossen: für immer in die scheide hast du mein schwert gestoszen! Scheffel
w. 2, 189 (
Walth. 805).
ähnlich von dem zur ruhe gebrachten speer: sie hetten ire schilt gelegt under die heupter, jeder stiesz tief in die erden seinen spiesz Spreng
Ilias (1610) 127
b (maler Müller
w. 1, 69). I@7@ee)
als rein technischer begriff '
pfähle in den boden rammen'
u. dgl.: (anno 1542) hat man angefangen, die pfal zu stoszen zur thumbrücken Hennenberger
preusz. landtafel (1595) 213; pfäle stoszen und palcken legen Sebiz
feldbau (1579) 15; pfahlgründe zu stoszen oder roste zu legen genöthiget (
sein)
haushalt.-lex. (1749) 2, 527
b.
vgl. entsprechend schon mhd. von zaunstecken: ob ich etewenne korn ûf dem tenne mit der drischel ûs gebieʒ od ob ich stecken ie gestieʒ
Helmbrecht 318; I@7@ff) '
pflanzen'; (
oberpfälzisch)
so kohl
oder salatpflanzen, erdäpfel
u. dgl. stoeszen,
sie in die erde pflanzen Schm.
2 2, 789,
neben bestoszen: '
einen waldgrund mit eicheln und buchen bestoszen',
bepflanzen Lori
bergrecht 50.
insbesondere von stecklingartigem, so fahlweiden stoszen: so ainer wolt felber stoszen oder zeinen, der sol das thuen seinem nachpaurn zu schaden
österr. weisth. 11, 259 (
v. j. 1521)
vgl. Schm.
2 2, 789,
wie sonst felber stecken (
th. 3
sp. 1474); da stiesz er das reis in die erden, da wuchs eyn groszer baum daraus
der heyligen leben (
summer teil 1472) 32
b; ja man sagt auch, dasz die basilienblumen, wan man sie im ersten mon stoszt, und in einen neuen hafen thut, werden sie umb den vollmon an dem andern theil blumen tragen Frölich
offenbarung der natur (1591) 69; jetzt (
im december) kann man rohr stoszen Hohberg
georgica 1, 141 (
Marienburger tresslerbuch 50
Joachim);
ein entsprechendes intrans. stoszen
unter II. I@88)
auch sonst begrifflich stärker als stecken (
th. 10, 2
sp. 1306). I@8@aa) einem
etwas in die hand stoszen: (
versprechen,) seinen begierden ein genügen zu leisten ..., wofern er anders euch eine summa gelds in die hand stoszen würde Prätorius
glückstopf (1669) 6 (Fischart
discours [1589] A 3
a); ich wette, wenn ich dir (
dem kammermädchen) ein paar siebzehner in die hände stosze, wird die gnädige frau bald aufgestanden sein. ich verstehe dich schon, da hast du sie! Petrasch
lustspiele 2, 519. I@8@bb)
entsprechend etwas in die tasche stoszen,
es hinein stecken, darin verschwinden lassen: buob, stosz uns disz stuck brod in d täschen R. Manuel
weinspiel 1521
ndr.; und legt sich feyertäglich an sein peurisch goller und rot hosen, thet zwölf gülden int taschen stosen Hans Sachs 9, 507
Keller; (
mit schlimmem beisinn:) und geschach darumb, das er der stat guot helich und gefärlich an der steur abtruog und in täschen stiesz
städtechron. 4, 224,
und ärgernis erregend: (
sie hätten) das sacrament in die taschen gestoszen H. v.
d. Planitz
berichte 73. I@8@b@aα) in den
sack: (
er) den harnsch ... zuosammen packet, in ein sack stiesz Wickram
w. 1, 160; seh, Abra! nim das todtenhaubt! ... stosz es so blutig in den sack Hans Sachs 6, 76
Keller. bei der strafe des 'sackens',
d. h. '
in einem sack ertränken' (
s.sacken verb. th. 8
sp. 1621
unter 2,
bez. säcken
verb. sp. 1622
unter 1): (
den verbrecher) in einen sack stoszen und ze tode ertrencken
Nürnberger polizeiordn. 22 (Knebel
chron. v. Kaisheim 184); stoszt die alt hur in einen sack Hans Sachs 2, 18
Keller. sprichwörtlich von dem recht des stärkeren im kampf ums dasein (
vgl.sack,
m., unter 1,
th. 8
sp. 1611)
begrifflich eindringlicher als der entsprechende gebrauch unter stecken (
th. 10, 2
sp. 1307
unter 6
c α) der stärkere stöszt den schwächeren in den sack: denn wo die faust allein sol regieren, so wird gewislich zuletzt ein thierwesen draus, das wer den andern ubermag, stosze yhn ynn den sack, wie wir fur augen wol exempel gnüg sehen, was faust on weisheit odder vernunft guts schafft Luther 30, 2, 556
Weim.; wer mehr vermag, der stöszet den andern in sack Mathesius
Syrach (1586) 135
a; der stärckeste stoszt den schwächsten in sack Philander
gesichte (1650) 1, 164.
mit dem beisinn des feststampfens: und 7½
m. vor 30 leste pfundt mels zu stoszen in secke
Marienb. tresslerbuch 175
Joachim; eyn schiff mit desem nochgeschreben gutte: ... item 12 leste mels in secken gestoszen
handelsrechn. d. deutschen ordens 74
Sattler; (
der umgeher soll) dabey sein, wann dem gast die fueder salsz ... in die sack gestoszen werden Lori
bergrecht 150 (
v. j. 1515).
verbunden mit dem deminutiv.: Ulenspiegel ... stisz den (
pfennig) wider in den seckel
Eulenspiegel (1515) 126
neudr.; obsc. (
vgl.säckchen n. th. 8
sp. 1618
unter 2): darumb that jhene jungfrau fein, welche euer bluotmelker ein auch also auf dem markt erwischt und in ihr säcklein stiesz so frisch Fischart
flöhhatz 38
neudr. I@8@b@bβ)
in den busen (
entsprechend busen 3,
th. 2
sp. 564,
dort unsere gruppe unter a)
auch hier mit dem beisinn des heimlichen (
und geschwinden): stöszt ein löffel ... heimlicherweisz in busen Wickram
rollwagenb. 5
b; ich stiesz mein löffel ynn buosen und schied danne gar trauriclich Hätzlerin 135 (Frey
gartengesellschaft 9
Bolte); (
er) würgt den habicht, wickelt ihn in sein brusttuch und stiesz ihn in den busen brüder Grimm
kinder- u. hausmärchen 1, 144.
scherzhaft zu einem, der guten trunk liebt: man hat dir ein gottwillkomm (
d. i. ein stehauftrinkgefäsz mit rundem boden) in buosen gestoszen
sch. w. klugreden (1548) 84
a. (
bildlich): er förcht sich; ich hab dem menschen ein sorg eingetrieben oder, ein angster in buosen gestoszen (
timet: injeci scrupulum homini) Boltz
Terenz (1539) 90
a (
auch 160
a).
als zeichen der gemächlichen unthätigkeit die hend in buosen stoszen
unthätig sein und auf gottes hilfe warten (
zu spar was dein hand hat garnet recht)
sch. w. klugreden (1548) 177
b (
fovere dexteram sinu Maaler 82
c); wer tauben wil haben, musz sie fahen und nit die hend inn buoszen stoszen, das maul aufthuon und warten, dasz sie ihm gebraten ins maul fliegen S. Franck
sprichwörter (1541) 2, 107
a.
in dem sinne '
einem die verantwortung zuschieben, zur last legen'
u. ä.: noch pist du verblendet, und du wilt doch auch der welt blindenleyter sein, und wilt es got in puoszem stoszen, dasz du ein armer sünder und ein giftiges würmlein pist mit deiner beschissen demuoth (
flugschrift, aus dem kampf der schwärmer gegen Luther 35
neudr.). I@8@b@gγ)
sonst noch: in den stiefel,
besonders in seinen schaft: (
der dieb) stiesz die (
allergröszte wurst) in ein styfel und truog sie gehn Popping Lindener
Katzipori 136
lit. ver.; klein höltzlein aus den zäunen, das einem salat gleich ist, und monesterla haiszt, das die bauren in die styfel stoszen 62; er aber sagt, schüttel wie du wilt, so wirstu mich in die hosen nimmermehr stoszen Lehmann
florileg. politic. (1662) 1, 491. (
die falschen bettler,) die yhre hend ynn handschuch stoszen und henckens yn eine binden an den hals Luther 26, 649
Weim. (
sie) denselben brief in eyn hol ror stiesz Arigo
dec. 248
Keller; der cortisan mit eygner hand schrieb im ein zettel heimelich ... und stiesz den in ein federkil Hans Sachs 17, 312
Keller-Götze. I@8@b@dδ)
mit reflex. gehalt: er stiesz das geld zu sich,
steckte es ein (Grimmelshausen
simpl. 360
ndr.). I@8@cc)
der locale begriff ein körpertheil: (etwas)
in den mund stoszen (
u. ä.): (
der schultheisz das stadtbanner zerrisz) und die stuck in den mund stiesz Stumpf
Schwytzerchron. (1606) 565
b (Fischart
bienenkorb [1588] 257
b; den beutel ins maul,
vgl. Hans Sachs 21, 23
Keller-Götze).
beim liebeshandel: als sie (
die bäurin) im (
dem pfaffen) die zungen ins maul stiesze, bisz er ihr die zungen ab
V. Schumann
nachtbüchlein 15
Bolte. im spiegel des grobianers: was du dann raus (
aus den zähnen) hast klaubt so frey, brichs zwischen fingern was es sey, und stosz fluchs wider in den mundt, das schmackt dir wol und ist dir gsundt Scheit
grobianus 879
neudr. (
den magen zu entleeren:) und über ain klaine wyl stiesz er syne finger in den mund (
digitis in ore positis) und gosz wider usz synen magen das luter wasser Steinhöwel
Äsop 39;
oder als zeichen der verlegenheit so ... ein frembde person sie anredet, (
die kinder) den finger in das maul stoszen Moscherosch
insomnis cura parentum 85
ndr. in die nase: nim storax, salamik, galbenum und mach nasalia, die stosz in die naszlöcher, seint vast guot Gersdorff
wundarzney (1517) 23; stosz den zaigfinger der linken handt in die nasz Braunschweig
chirurgia (1539) 90
b (Fischart
flöhhatz 24
ndr.); gepülfert stosze man sy (
die biberhoden) im mit rautensaft in die nasen Herold-Forer
Gesners thierbuch (1563) 26.
ins ohr: nu disem tauben menschen stiesz unser herre seinen finger in sein ore J. Tauler
sermones (1508) 127
b. man hat ynen scharpfe dornruoten in yre äfter und heimliche ort gestoszen Hedio
chron. german. (1530) 3
a; (
er) machet im auch sein nyderwadt auf und stoszt im ein guoten klump in die kerben Lindener
Katzipori 72; zäpflen machen und in die scham stoszen Wirsung
artzneybuch (1588) 552
a (
vgl. 389
d); hat es (
das pferd) sich aber verfangen, so stosz ihm speck und seifen in den hintern Walther
pferde- u. viehzucht (1658) 108;
obsc. du darfest keines leffels, nimm den styl und stosz in darein!
V. Schumann
nachtbüchl. 242
B.; lachet der papyrer und sagt: stosz einer bauerndiernen in den arsch dein zungen, so sihest du in das dorf hynein gehn Fudbach Lindener
Katzipori 130.
mit verschiedenen richtungsbegriffen; auch hier gegenüber oben stecken
mit dem beisinn des hastigen: es stöszt (
aus neugier) ... jedermann den kopf zum fänster hinaus Lindener
Katzipori 92; als ichn kopf nein zum fenster stosz Hans Sachs 17, 42
Keller-Götze (Wickram
rollwagenb. 103); die anderen (
kraniche) schlafen, haben den kopf unter die flügel gestoszen Eppendorff
Plinius (1543) 150; (
der schafhirt) nehme eyn stuck brots, stosze es eyne weile unter die achseln und ... gebs darnach dem hund zu essen Sebiz
feldbau (1579) 147. I@8@dd)
ins wasser stoszen u. ä. mit macht hinein senken, auch hier stärker als bloszes stecken (
unter 6
e, th. 10, 2
sp. 1308): ich stosz, senck, tunck ins wasser oder sunst etwas
mergo, immergo Alberus (1540) kk 3
a (Dentzler [1716] 2, 277
b); das ... schwartz brot erhertet und schymlig, das man es kaum essen mag, darumb müssent sie das in eyn brüw stoszen
Terenz (1499) 78
a; (
beim bäume pfropfen) stoszen (
manche) alsbald die abgeschnittenen stiel an den zweigen in ein zerlassen bech Herr
feldbau (1551) 70
a; dasz die köchin kurtz zuvor in die kell oder wasserschapf gebrüntzelt und selbige ungeschwangt ... wieder in das wassergefäsz gestoszen hätte Grimmelshausen 2, 370
Keller; da muosz ein gsottne suppen syn und stoszt man kerzenstümply drin R. Manuel
weinspiel 2157
B.; (
ein tischgast will das licht putzen) als er den butzen da wollt haben in die sandtbüx gar wol vergraben: stiesz ers in ein becher mit wein Scheit
grobianus 3560
neudr.; das ruder ins wasser stoszen
dar de' remi nell' acqua Kramer
dict. (1702) 2, 987
a; wane man einen stab oder ruder halb ins wasser stöszt, so scheint er, als were er verbrochen Lehmann
florileg. politic. (1662) 1, 390; das glühende eisen ins wasser stoszen
tuffar' il ferro rouente nell' acqua Kramer
a. o. (anhaftende massen in das schmelzbad Muspratt
chemie 4, 1848). tuch in die farbe stoszen
tuffare, intignere del drappo nella tinta Kramer
a. o. (Sebiz
feldbau [1579] 94); (
die hebamme soll den reinen schwamm) in ein sauber warm wasser stoszen, und die fraue ... seubern und wäschen Ruoff
hebammenbuch (1580) 63; (
Jesus:) der sin hant stoszet zwar in disse schussel mit mer, der vorredet mich gar schier
Alsfelder passionspiel 98; und die esel mit sorgen saufen, dann sie dörfen die gosch nicht recht ins wasser stoszen, förchten, sie netzen die ohren Fischart
Garg. 337
ndr.; wenn die unschätzbare Rosemund ihre zarten hände etwan in wasser oder wein gestoszen, selbige getränke ... in die weisseste milch sind verwandelt H. Rist
das friedejauchzende Teutschland (1653) 174. (
in factitiver verstärkung:) er nam wachs, das da war zerflossen, und that dem floch zwey füsz drein stoszen
griechische dramen 2, 175
Dähnhardt. und Ulenspiegel ... gosse die milch darein, und stiesz die beltz darzu, und liesze sie sieden und kochen
Eulenspiegel (1515) 46
ndr.; er stoszt, unwissend was geschehen, sein mosechtes haubt aus dem flusz Weckherlin
ged. 1, 100, 17. wie eine flasche sich leicht füllt, die man oben offen unter das wasser stöszt, ... Göthe 32, 56
Weim. I@8@ee)
hierher noch eines
voll stoszen (mit etwas),
es damit völlig anfüllen: neben voll stopfen
stipare, stivare, stoppare Kramer
dict. (1702) 2, 1208
b; (
sie) heymlich im die hant voll pfenning stiesze Arigo
dec. 178
Keller (
vgl. städtechron. 8, 235); so schneid ich sie (
die jungen schwalben) auf dem rücken und auch das haupt auf, und stosz sie voll saltz, und henck sie in rauch Gäbelkover
artzneybuch (1595) 1, 152. I@8@ff)
begrifflich gewandelt: I@8@f@aα) den ring
an den finger stoszen
energischer als oben stecken (
dort unter 1
c)
th. 10, 2
sp. 1299: einen bischof aber bestätet man per annulum und baculum, das ist mit einem ring, den im der fürst an einen finger stiesz, und darzuo den stab in die hand gab J. v. Watt 1, 192. den köstlichsten betschaftring sein mit eim edlen schmarackenstein, den er an seinen finger stiesz Hans Sachs 8, 596
Keller (
deshalb auch einfach edel gestain an sine finger stoszen
vgl. Niclas v. Wyle
transl. 32
K.); die hertzogin den ring ... an ir schneeweiszen getrungenen fingerlin stiesz Wickram
w. 1, 47;
auch: (
die jungfrau) zog von irer schneweiszen hand einen schönen guldenen ring mit einem groszen rubin, ... stiesz den dem jungen herren an sein hand
V. Schumann
nachtbüchlein 99
Bolte; den gulden ring ... im ... an seinen finger stiesz Arigo
dec. 285
Keller; s. noch die belege unter anstoszen
verb. 1 (
th. 1
sp. 487).
mit ellipse: er dem (
toten) pischoff den ringe ab der hente zoch und den im selbes stiesz (
d. h. sich selbst an den finger steckte) 88. I@8@f@bβ)
aufs rad stoszen (
s. auch rad,
n. th. 8
sp. 40
unter 5,
dazu rechtsalterth. 42, 265
ff. und v. Amira
die germ. todesstrafen 106
ff.)
: mit den scharfen zacken, die sich auf dem kranz des richtrades befinden, den hinzurichtenden verbrecher zerfleischen und aufspieszen: die, so man aufs rad stöszet umb gestolen kirchengut Luther 5, 328 (
Jena 1561); mit glüenden zangen zerrissen und auf ein rad gestoszen werden
theatr. diabol. (1569) 90
b; wie einer, den man edert, oder aufs rad stöszt Mathesius
Sarepta (1571) 74
a; wie der kaufmann heim kommt, wird er eingezogen, und vom scharfrichter so grausam gemartert, dasz er sich zur that (der er doch unschuldig) bekennet, wird von ... dem scharfrichter auf ein rad gestoszen Chr. Irenaeus
von seltsamen wundergeburten (1584) e 2
b; den 27. martii wurden 2 von thetern hergebracht und auf ... die reder gestoszen Hennenberger
landtaffel (1595) 93; aber dir ghört kein solche gnad, entweder stöszt man dich aufs rad, oder muszt gehn den galgenpfad Sandrub
kurzweil. 132
neudr. von dem vorigen sachlich durchaus unterschieden einen mit dem rade stoszen,
seine glieder mit dem gewöhnlichen d. h. nicht gezackten rad
durch stoszenden schlag zerschmettern, das eigentliche radebrechen (
th. 8
sp. 44
unter 2): derselbe liesz sie teils mit dem rade stoszen teils an creuze heften Bucholtz
Herkuliskus (1665) 228; ich will euch stoszen mit dem rad, weil ir on schuld, ausz neid, ohn gnad Andolosiam und sein knecht ermörd habt widr gott, ehr und recht Hans Sachs 12, 224
Keller-Götze. I@8@f@gγ)
hierher noch: (
die nabe am rad ist) inwendig so weit ausgebohret, dasz sie, da sie auf die achse gestoszen wird, an derselben umlaufen kann
Chomel öc. lex. 8, 16.
daneben an (
wie oben unter α): und sölt jeder (
der verschwornen) ein spieszeisen bi im tragen im busen ... und söltind dann die 20 die spieszeisen schnell an die stecken stoszen Tschudi
chron. helvet. 1, 240; und sie het zwei hüner an den spisz gestoszen
Eulenspiegel 16
ndr.; so nimm ein rein tüchlein, und thue diese materien darein, etwan einer erbs grosz, binds zu und stosze es an den angelhaken
fischbüchlein 86. I@8@f@dδ)
in einander: die wagenburg wird gwaltig bschlossen, artlich vest in einander gstoszen mit tausend wägen oder mehr W. Schmeltzl
zug in das Hungerland (1558) A 3
a; mit verbissenster entschlossenheit stiesz ich die züge des fernrohrs in einander v. Barth
aus den nördl. Kalkalpen 350. I@8@gg)
den (feuer)
brand stoszen in einen holzstosz u. s. w., um ihn anzuzünden (
wie auf der andern seite ein gegenstand in das feuer gestoszen
wird: wer die händ in kohlen stöszt, der thut sich selbst wehe Lehmann
florileg. politic. [1662] 1, 96),
ohn zweifel der begriffliche ausgangspunkt für in brand stecken (
th. 10, 2
sp. 1316;
unter 17): also stieszen sie selber, die im stetlein warn, das feur ein die heuser bei 6 enten
städtechron. 2, 66; als er in solchen gedanken ware und kundt keinen fund finden, hett doch geren ein neues haus gehabt, fiel ihm in sinn, er wolt ein fewr in das alt haus stoszen und das verbrennen
V. Schumann
nachtbüchlein (1559) 216
Bolte; wann dich Gracchus gehaiszen hätte, dasz du ein feur in das Capitolium stoszen ... sölltest ... Schwarzenberg
teutsch Cicero (1535) 71
a.
unter: als sie nun in dem holtz waren, stiesz Ulenspiegel als ie mer (
brennmaterial) under, und liesz den kessel mit den beltzen ston
Eulenspiegel (1515) 46.
auch an (
s. auch anstoszen
verb. unter 2;
th. 1
sp. 487),
hier der locale begriff plastisch herausgearbeitet (
bildlich): er prunn, der an in stiesz ain fewr Hätzlerin 151.
auch: nachdem si an etlichen orten das feur gestoszen, sind sie zur andern seiten ausgezogen L. Zoleckhofer
beschreibung (1564) 63.
ganz ungewöhnlich das feuer als subject; (
in völliger begriffsverbindung mit verbrennen): da es nun ausgezettelt war, und die nachfolgendnen venetianischen kriegsleute darüber gekommen waren, zünde er bey ihm das pulver an, dasz das feuer geschwinde zurück lief, die Venetianer ergriff, menschen und pferde stiesz und verbrandte Fleming
teutscher soldat (1726) 277.
ganz ungewöhnlich und wohl unter dem einflusz von aufs rad stoszen (
oben 8
g β): wir von eltern und bekandten, wir von rath und trost entblöszt, lieszen blut- und bund-verwandten auf der häuser brand gestöszt A. Gryphius
trauerspiele 181
Palm. I@8@hh)
in der älteren technischen sprache der kriegskunst entsprechend halt
m. 4 (
th. 4, 2
sp. 271)
und hinterhalt
m. 3
ff. (
sp. 1504)
einen halt stoszen (
insidias ponere alicui Schm.
22, 789)
mit verschiedenen möglichkeiten der erklärung, da sowohl an die den hinterhalt bildende mannschaft, welche gleichsam in ein versteck u. s. w. gestoszen
wird (
entsprechend h),
wie an die befestigung des platzes, das einschlagen der palisaden (
vgl. die wendung einen halt schlagen),
das zusammenschieben (
oben stoszen I 8
g δ)
der wagenburg gedacht werden kann: bei den verstuond er wol, dasz die feindt ein halt gestoszen hetten, von dem die vögel aufgetrieben waren
Frontinus von den guten räthen 5
b;
auch entsprechend hut (
th. 4, 2
sp. 1984)
wohl mit stärkerem hervortreten der dazu verwendeten mannschaft, so '
eine wache verschieben': die Gallier aber hatten hin und wider ire huoten gestoszen Stumpf
Schweytzerchron. (1606) 163
a.
auch hinterhut (
sp. 1508): (
sie) machten ain anschlag und stieszen ain hinderhuet mit 70 pfärden
städtechron. 5, 249; Antiochus aber hett heymlich ein hinderhuot gestoszen
Zürcher bibel (1531) 1
Macc. 10; und was der graf von Kiburg selbs auch da samt ... aller siner macht, und hat hinterhuten gestoszen, und umgab die von Solotorn Ä. Tschudi
chron. Helvet. 1, 320
b. I@99)
bildliche verwendung, besonders reich in der kampfessprache des reformationszeitalters. I@9@aa)
so bei Luther '
einen mit einem beweisgrund treffen, um ihn zu überzeugen'
u. ä. (
in einer fortführung etwa von oben 1
b); das ander ist vom bapstum, das ich auch mit starker schrift hab gestoszen 10, 2, 241
Weim.; wie wol nu hiemit der schwermer tropus ist gewaltiglich gnug gestoszen, dennoch werden sie nicht konnen weichen noch schweigen 26, 400; es were denn, das ich yhn mit der warheit so hette gestoszen (als ich denke), das er nicht wol sehen kan, was er redet 405; (
das bild weiter ausgeführt:) so nemen wir die epistel
s. Pauli wol allein für uns und stoszen sie alle mit eim einigen spruch, das sie portzeln 577 (
vgl. auch 10, 3, 197); (
pass.:) das sie selbs sehen, wie sie mit gottes wort gestoszen sint 28, 15.
ohne angabe des mittels: wie wol ich nu solchen yrthum oft und stark gnug gestoszen hab 11, 442; gleich wie wir klostern und messeren und der geistlichen keuschheit auch gestoszen haben, aber also, das wir die hellen gewissen schrift angezeigt, da widder si sind 26, 155
Weim. mit ellipse des objects: wenn dieser text nicht stöszet, so weis ich nicht, was stoszen sol 24, 129
Weim. (
vgl. auch 18, 207
Weim.). I@9@a@aα)
mit gröszerm nachdruck etwas einem
unter augen stoszen Luther 34, 2, 20
Weim., ihm eine thatsache u. s. w. besonders nahe bringen; vgl. auge 5 (
th. 1
sp. 792)
und: welchen kampfstucks wegen, Ezelino stracks under augen gestoszen, er dermaszen verteuflet warde. dasz er alle unsinnigkait wider die Paduaner ausschüttet T. Dreyfelder
historien des hauses Est (1580) 78
a;
daneben in die augen: diesen aber ... wird furgelegt die helle und unleugbare warheit, die er yhnen yn die augen stöszet Luther 28, 14
Weim.; auf dem wege dahin: wenn gleich eyner (
ein frommer christ) fur sie kompt und yhn ynn die augen stöst, sehen sie yhn doch nicht 17, 1, 434 (
d. h. die aufmerksamkeit erregt).
neben dem gewöhnlicheren schlagen
in der sprichwörtlichen redensart das
kalb ins augen stoszen,
der störenfried sein (
s.kalb 2
c, th. 5
sp. 52): wie es denn in der welt ein gebrauch ist, dasz nicht diejenigen, so da in offentlichen lastern ligen, unrecht thun, sondern diejenigen, so ihre laster strafen, das kalb in das
auge müssen gestoszen haben Ringwaldt
lauter warheit (1585)
vorr. A 6
b. I@9@a@bβ)
innerlicher, den ganzen menschen (
auch physiologisch)
mehr erschütternd: du weiszt den jammer, der mich stiesz Chr. Weise
der grünend. jugend überfl. gedanken 81
ndr. besonders: wann dieser süsze brunn mein hertz stoszet, so möchte ich mich zu todt weinen Spee
güldenes tugendbuch (1649) 526;
vgl. der hunger stöst mir zu dem hertzen Hans Sachs 14, 132
Keller-Götze. (
von einem eifrigen gebet:) (ein) solches bethen kan gott selbst ans hertze stoszen Rist
Parnasz 491. es war die lauter warheit, da er (
der teufel) Juda
ins hertz sties, er hette unschüldig blut verrathen Luther 38, 205
Weim.; ach hett ich jetzt in meiner gicht gleich einem hirsch ein stark gewicht, mit macht wolt ichs in dein hertz stoszen, dasz du verführst klein und groszen Gilhusius
grammatica (1597) 3, 2, 64. I@9@a@gγ)
gröblicher: in den rachen,
in den hals, besonders '
einem sein argument wieder zurückgeben; ihn mit seinem eignen ausspruch schlagen': drumb frage ich den rottengeist und stosze ihm sein eigen wort in den rachen ... Luther 18, 109
Weim.; thar ein könig von Engelland seyn lügen unverschampt ausspeyen, so thar ich sie ihm frölich widder in seinen hals stoszen 10, 2, 234; wenn ich zeyt hette, möcht ich ... die sprüche, so er (
der satan) aus der schrift in Carlstads büchlin füret und damit alfentzet, widder in seinen hals stoszen 18, 83; (
zum eigentlichen vorgang, so beim unwürdigen empfangen des sacraments; vgl. (
unter dem papsthum) niemand gefragt hat, ob sie gleuben odder das evangelion wissen, sondern das sacrament in den hals gestoszen, als in einen brodsack 23, 372. I@9@bb)
mit dem beisinn des kränkenden, beleidigenden (
besonders unter α auch abschreckenden u. s. w.): mein, das heiszt den liberum arbitrium gestoszen Luther 29, 36
Weim.; articulus, der so gestoszen und geschwecht, ist blieben et manebit 34, 1, 503; seine beständigkeit soltu nicht stoszen noch rühren
Reinicke Fuchs (1650) 97; sein gefühl war von allen seiten gestoszen und verwirrt Pestalozzi
w. 3, 119; unsere gefühle sind gestoszen, unsere gleichmüthigkeit ist zerrüttet 8, 246. I@9@b@aα)
die wendung wird bildhaft weiter ausgeführt, so etwa in dem stutzenden oder gar schreckhaften auffahren eines auf seinem wege dahinschreitenden durch plötzliches vor den kopf stoszen, vgl. auch bei Luther: denn wie der bock mit den hörnern stöszet, so stöszet auch die predigt des evangelions für den kopf, was grosz ist 24, 401
Weim. im übergang von der verwendung unter a: nichts kan er sagen, das man ihm nicht wider auf seinen kopf stosze und treffe 18, 195. (
von der kraft geistigen widerspruchs:) da sie nu für den kopf gestoszen waren mit dissem und dergleichen spruch, das sie nichts mochten dagegen aufbringen, ... 10, 1, 1, 249; ietz gemelte sprüche stoszen alle losen christen für den kopf Eberlin v. Günzburg
schr. 3, 272
neudr. (
abschreckend:) darmit der weisz für den kopf stiesz den, dasz er ihn zufried liesz Hans Sachs 16, 466
Keller-Götze. im nebeneinander mit entsprechendem begriff: die rechten gewerken mit schweren zubuszen abschrecken und fürn kopf stoszen Mathesius
Sarepta 38
a; (
nicht die absicht,) den churfürsten durch einen runden abschlag zu disgustiren und vor den kopf zu stoszen Chemnitz
schwedischer krieg (1653) 2, 246; dergleichen conferenz werde eclat machen, der werde auch wohlgesinnete alieniren und vor den kopf stoszen Leibniz
deutsche schr. 2, 127;
selten nur noch in verbindung mit dem plural: die drei schwestern stiesze solches hart vor die köpfe Zendorius
teutsche winternächte (1682) 121.
nur vereinzelt sind andere verbindungen versucht, so: diesze materien ... stiesz vil zuo höher, für ire stirn Carlstadt
ob gott ein ursach des teuflischen falls (1524) B 1
a; (
er) stiesz aber dabei auch das volk in manchem so vor die stirn, dasz ... Herder 17, 58; die ständ thät es (
das bilderstürmen in Prag) für die stirne stoszen Opel-Cohn
dreiszigj. krieg 109. immer war ich wie vors hirn gestoszen Auerbach
neues leben 1, 132.
das gegensätzliche, widrige u. s. w. arbeitet mehr heraus: nicht in der absicht ..., den könig
wider den kopf zu stoszen, oder seine befehle zu übertreten H. L. Wagner
theaterst. (1779) 55 (
Evchen Humbrecht 2, 3).
im älteren ndd.: dut stotte Hollant vor dat hovet
städtechron. 16, 378;
dagegen wohl unter nhd. einflusz Götting. grubenhagensches hei stött ne vorn kopp. I@9@b@bβ)
der begriffsinhalt des bildes vor den kopf stoszen
als fester ausdruck für unfreundliches, fremden plan störendes benehmen, auch mangel an entgegenkommen u. s. w.: einen vor den kopf stoszen
aliquem offendere Apinus (1728) 310,
daneben auch jemand mit etwas vor den kopf stoszen Kramer
dict. (1702) 2, 987
a (Adelung
lehrgang 2, 179). I@9@b@b@aaαα)
das bewegende in dem bildvorgang wird von für eigentlich besser zum ausdruck gebracht (
vgl.für th. 4, 1, 1
sp. 618): ich werd für den kopf gestoszen, man handelt unfreundlich mit mir
inhumane mecum agitur Alberus (1540) a 4
a; diese letzte worte stieszen den captain zwar gewaltig für den kopf Happel
akad. roman (1690) 734 (A. U. v. Braunschweig
Octavia [1677] 3, 95); und der ist nicht unpartheyisch, der recht und unrecht, den unschuldigen und schuldigen gleich befriedigen, oder gleich für den kopf stoszen will Lavater
verm. schr. (1774) 2, 376. I@9@b@b@bbββ)
doch gewöhnlich das jüngere vor: man musz ihn nicht vor den kopf stoszen, und wenn er auch unter zehnmalen nur einmal recht haben sollte Lessing 2, 137;
vgl. auch Schweinichen
denkw. 153; Schubart
leben und gesinnungen 2, 90; nach den hergebrachten sitten der bescheidenheit ..., wo man lieber einem esel nachgiebt, um ihn nicht vor den kopf zu stoszen Bettine
dies buch gehört dem könig (1843) 1, 197; man muszte ... aufmerksamkeit an den tag legen, um ihn nicht vor den kopf zu stoszen Polenz
Grabenhäger 1, 31. I@9@b@b@ggγγ)
besonders gern im bereiche der familienpolitik (
liebe, ehe, erbschaft u. s. w.): sie (
meine anverwandten) hatten mir vorgeschlagen, eine alte reiche wittwe zu heyrathen, wodurch mir in meiner handlung auf einmal wäre geholfen gewesen. ich stiesz sie also vor den kopf, da ich mich in ein schönes gesicht vergaffte, und lieber glücklich lieben, als glücklich leben wollte Lessing 2, 6 (
misogyn 1, 2),
auch Gottsched
deutsche schaubühne (1741) 3, 148; der onkel hat im sinne, mich zu verheirathen, er hat mir vielleicht schon eine frau ausgesucht. vor den kopf stoszen will ich ihn doch nicht Bauernfeld
schr. 2, 225 (Meisl
theatr. quodlibet 1, 136); (
es könnte) sich noch zutragen, dasz du deinen bruder vor den kopf stieszest, und wir die erbschaft verscherzten Petrasch
lustspiele (1765) 2, 234. I@9@b@b@ddδδ)
das formelhafte der wendung tritt in der verbindung mit pluralem begriff stärker hervor: (
behutsam zu werke gehen,) um die fürsten nicht vor den kopf zu stoszen
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 3, 69 (Grimmelshausen 4, 576
Keller); nicht wenige Gottsched
neuestes a. d. anmuthigen gelehrsamkeit 9, 771; (
nicht wagen,) den truchsesz, den herzog von Bayern und den schwäbischen bund vor den kopf zu stoszen Hauff
w. 1, 186; ihr herr gemahl hat sämtliche besitzer der gegend vor den kopf gestoszen Viebig
schlafendes heer 2, 504.
auch: keinen von beiden vor den kopf stoszen wollen
vgl. bibliothek älterer schriftw. der Schweiz II 3, 75; um niemand vor den kopf zu stoszen J. E. Schlegel
w. 4, 339; er glaubt, keine vernunft annehmen, jedermann vor den kopf stoszen, sey regieren Dahlmann
an Gervinus im briefw. mit den brüdern Grimm 2, 171; alle welt vor den kopf zu stoszen Stifter
w. 1, 134. I@9@b@b@eeεε)
mit adverb. bestimmung: so gewaltig
bei Happel (
oben unter αα); nicht allzu sehr Ziegler
asiatische Banise (1689) 257; dermaszen Hahn
einl. zu der teutschen staats-, reichs- u. kayserhistorie (1721) 3, 171; Bode
Thomas Jones 6, 12; er (
Herder) stiesz Jacobi hart vor den kopf durch die ganz richtige äuszerung, dasz es thöricht sei, spinozismus und atheismus für einerlei zu erklären G. G. Gervinus
geschichte d. dtsch. dichtung 5, 293 (
s. auch oben Zendorius). I@9@cc)
einen scharf anfassen; ihm nachhaltigen schaden zufügen; '
so mit abgaben belegen, mit steuern bedrücken': andere werke stehen gleichfalls ganz schwach, und wenn man sie sehr stoszen wird, werden sich selbige nicht mehr aufhelfen können
mitteil. d. hist. ver. für Steiermark 37, 181.
besonders entsprechend oben 2: I@9@c@aα)
eine sache völlig erledigen, ihr den garaus machen u. s. w., so von der völligen überwindung geistiger anschauungen, bewegungen: dadurch neulicher zeit verderblicher aufstand wider all oberkait in teutsch landen geursacht und daneben christenlicher glaub an vil orten zuo poden gestoszen ist Berth. v. Chiemsee
theologey 212; ich weisz fast wol, das das wortlein 'lieben' den bapst und seine romanisten mühd und matt macht, wolten auch nit gerne, dasz man hart drauf drunge, dan es stoszet das bapstum zu boden Luther 6, 321
Weim.; durch disze gezeugnis der schrift wirt das euszerliche priesterthum im neuen testament zu boden gestoszen 8, 487; darumb ist das ein trefflicher text, der zu boden stoszet alle heilickeit 16, 399; so sihet man, wie das exempel für uns ist und eben zu bodem stöszet alles, was man geleret hat von gelübden 24, 506; sin nutz. sin eer fürderet er alle stund, die göttlich eer stoszet er zuo grund
N. Manuel
v. papst u. Christi gegensatz 118
B.;
so auch: das ist das evangelium, welches das papsthumb und alle concilia zu grundt und boden stoszet Luther 10, 3, 258
Weim.; Johannes musz zu trümern stoszen alles was unser ist 10, 3, 207.
entsprechend 2
b: fulmen igitur ille articulus est omnis propriae iusticiae, die stoszet er gar uf eynen haufen Luther 29, 280
Weim.: mit welchen (
ausflüchten) er alle heidnische historicos in zweifel ziehet, und mit einem wort alle richtigkeit der verlaufenen geschichte zu haufen stöszet J. Kepler
opera 4, 261; er möchte nur ... verhüten, das der beim kaiser, bei dem er viel golte, nicht alles über einen haufen stiesze A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 240; den allegirten articulum ... ganz übern haufen stoszen Chr. Thomasius
gedancken 1, 60; lasst uns mit frischer hand zureiszen, was man schrieb! stoszt alles über haufen, was Rha und Tyger schlosz A. Gryphius
trauersp. 190
Palm.; so stiezest du ja deinen endzweck selbst über den haufen Schwabe
belustigungen 1, 116; er wird mein ganzes glück noch über den haufen stoszen Petrasch
lustsp. (1765) 1, 670; in jener nacht, als er den brüdern Wildungen ihre üblichen moralischen voraussetzungen über den haufen stiesz Gutzkow
ritter vom geiste 6, 231. I@9@c@bβ)
rechtlichen charakter trägt die redensart einen über den stock stoszen (
vgl.stock 3
i, oben sp. 26): und auf diese art haben diese arglistige leute, welche nur in kleinen dingen treu und glauben halten: dasz sie ihnen den weg bähnen, andere völker über den stock zu stoszen ..., die leichtgläubigen Deutschen unzehlich mal bevortheilt Lohenstein
Arminius 1, 872
a; botschafter wären die fürnehmsten kundschafter, und einen andern über den stock stoszen ihr handwerk 1, 1017
b; einander auf zu lauern, zu verunglimpfen, über den stock zu stoszen, sind sie (
die Italiener) besser Leibniz
deutsche schr. 1, 227. I@9@c@gγ)
dagegen das bild vom unerwünschten gast, der kurzweg über die thürschwelle (
den tölpel
s. th. 11, 1
sp. 665
unter c)
fliegt, liegt der redensart über den tölpel stoszen (Hederich [1777] 2982)
zu grunde;
s. die belege a. a. o. und: wenn ich Aristen nicht übern tölpel stoszen kann: doch er ist ein gutherziger frommer schöps! Cronegk in der
sammlung von schauspielen 2, 71. I@9@dd)
nach der verwendung unter I 3 eines aus dem mittel stoszen (
d. h. aus der stellung des vermittlers, vgl. mittel
n. th. 6
sp. 2385
unter 8): die wöllen die kost des vaters aus dem mittel stoszen Luther 10, 3, 162
Weim.; so felt man hyn auf werk und stoszt den Christum aus dem mittel 164.
daneben einfach: nun muosz ich aber ain block aus dem weg stoszen, ee ich zuo dem evangelio greif 10, 3, 236; hindernisse ..., die sie mit dem fusze oder mit einem systematischen schlusse aus ihrem wege stoszen können Möser
w. 2, 23. I@9@ee)
entsprechend I 5: I@9@e@aα)
so auf dem grunde von a, von vergeblichem ansturm: so lang die Türken an Ungarn die köpfe stoszen, hat es ... keine noth Leibniz
deutsche schr. 1, 227,
wie sonst sich einrennen. I@9@e@bβ)
auf dem grunde von 5
b von aller vorwitzigen, unerwünschten einmischung in fremde angelegenheit: seine nase in allen dreck stoszen wollen,
dar del suo naso in ogni merda Kramer
dict. (1702) 2, 987
b; die nase in etwas stoszen. du solt die nasen nicht darein stoszen
haec nihil ad te Dentzler 2, 210
a (
s.nase th. 7
sp. 401
unter 4
a η) du wilt an allen orten zum ersten dein nas in einen jeden stoszen Frey
gartengesellschaft 88
Bolte; als rathschlag an den grobianer mit der erläuterung: stosz dein nasen in alle ding: hörst du, dasz jemands in der still ein andern etwas sagen will, so lauster im gar eben zuo, und hör was man da handlen thuo Scheit
grobianus 3698
neudr. sein maul auch in etwas stoszen: was hast du dein maul darein zu stoszen? Kramer
dict. (1702) 2, 32
b; die welt stöszt ir maul in alle ding, urthailt, beraflet und tadelt ein jedes, das sie nit kent oder versteht S.
Frank sprichw. (1541) 2, 108
a; keiner soll sein maul in allen dreck stoszen Lehmann
florileg. politic. (1662) 3, 180;
deshalb auch: das maul in den himmel stoszen, wider gott murren W. Körte
sprichw. 301; das maul in himmel stoszen ... den schelmen auch kein schnabel brist, do mit si biss in himmel reichen und strafen gott in seynen zeichen Murner
schelmenzunft 44
ndr. gröber in der verbindung mit rüssel (
entsprechend dem ausgang: das schwein stöszt den rüssel in koth, mist und lachen Lehmann
florileg. politic. [1662] 1, 329): dann war sie etwas unlustigs, sündigs und scheutzliches bey uns ersehen, bald stoszens ire rüssel darein J. Nas
antipap. eins und hundert 2, E 7
b.
ungewöhnlicher: solche leuth, die wie wir Teutschen sagen, ihre hende in allen dreck stoszen wöllen J. Menius
auslegung über die sprüche (1526) 141
a; (
eigentlich im guten sinne von der thätigkeit des bäckers die hände in den teig stoszen,
d. h. ihn tüchtig durchkneten, vgl. Keisersberg
sünd. d. munds 41
b und hand,
th. 4, 2
sp. 341
unter 8). I@9@e@gγ)
in einem edleren sinne '
einen nachdrücklich auf eine bemerkung u. s. w. bringen': dieser grosze Toskaner (
Cesalpino) ... stöszt mich wieder mit gewalt auf die bemerkung, die ich schon bei Beccaria gemacht habe E.
M. Arndt
schr. f. u. an m. l. Deutschen 2, 470. I@9@ff)
als ein kaufmännischer ausdruck, von der überweisung einer schuld auf einen andern gläubiger (
doch heute völlig veraltet): die schuld auf einen anderen stoszen, anweisen
rejicere debitum in alium Dentzler 1, 345
b,
wie sonst auch verstoszen (
th. 12, 1
sp. 1785),
s. auch schuld
f. (
th. 9
sp. 1878);
andrerseits auf den schuldner: die vertheidigung ist mit ungemeiner liebe geschrieben, und du wirst dieser liebe die breite verzeihen, welche andere leser auf meine kosten, wie auf die des Engländers stoszen werden Niebuhr
leben 3, 235.
in diesem umkreis auch das der gaunersprache angehörende stoszen '
gestohlnes gut wissentlich aufkaufen' Kluge
gaunersprache 409,
vgl. ähnlich schieben
und verschieben
in der gegenwärtigen zeit nach dem weltkriege. I@9@gg)
entsprechend oben 7: einem einen tag stoszen,
ihm einen termin setzen Schm.
22, 789,
s. auch anstoszen (
th. 1
sp. 489
unter 13)
wie sonst ein ziel stecken (
s.stecken verb. unter 4
a, th. 10, 2
sp. 1303)
dann auch erweitert: von dem auf solcher tagung verhandelten, beschlossenen: die (
Placidia) handelt so vil zwischen ... irem bruoder und Alrich, irem man, dasz sie einen fried stieszen S. Franck
chron. 51
b (
vgl. auch Schm.
a. o.) Fortuna sprach: mit mir magst du kein fried nicht stoszen Hans Sachs 14, 201
Keller-Götze. I@9@hh)
entsprechend oben 8: dann solche gründt der artzney von solchen artzten setzen ihr gedanken gleich einem schneider, der stoszt sinn und vernunft in fingerhut Paracelsus
chir. (1618) 268; wenn nachher der spitz einen hundtag bringt, hab ich ihn schon angefangen und stosze nur den historischen rest gar an die einleitung Jean Paul
Hesperus 3, 150
R.; Klopstock, der ist mein mann, der in neue phrasen gestoszen, was er im höllischen pfuhl hohes und groszes vernahm Göthe 5, 1, 223
Weim. IIII.
intrans. II@11)
mit stoszender gewalt sich bewegen (
entsprechend oben I 1): II@1@aa)
so von thieren '
stoszende eigenschaft haben' (
vgl. I 1
c): der ochs will gegen ihm stoszen Herold-Forer
Gesners thierbuch (1563) 15; ein groszer bock ... fing nicht schlecht an zu stoszen Brentano 4, 260 (
übertragen); der stier von Uri darf einen stoszen Äg. Tschudi
chron. helvetic. 2, 692; ob (
sie noch) nicht vernomen het, mit was hörner die manne stieszen Arigo
dec. 110
K. II@1@bb)
mit angabe einer richtung: an einen stein, felsen, klippe stoszen Kramer
dict. 2 (1702), 987
a; derhalben sagt man, das (
der adler) ... in maszen, die jugend gleichsam wider zuo erneuwern, an einen harten scharpfen felsen stosze Heyden
Plinius (1565)
vorr. 3
b; sorgen macht worgen, und macht euch also unleidlich, dasz ir an ein jeden treck stoszet, der im weg ligt Fischart
Garg. 75
neudr.; und indem stiesz er mit dem fusz so grob an das beth, dasz ...
Amadis 67;
um aufmerksamkeit zu erregen an eine tür
u. s. w., um einlasz zu begehren u. ä.: da denn, als die Sylvia gantz leise an die thüre stiesz, Ehrenfried heraus zu ihr kam
mediz. maulaffe (1719) 29; wer ist der, der dô bôʒet und an die dore stôʒet Mone
schausp. 1, 125.
hierher die bildliche wendung: darumb sollen wir denken ..., das wir bewegt werden und entpfinden ein wandel in unsern hertzen ..., wann es an das hertz stoszt, dann mag es nutz schaffen Luther 7, 188
Weim.; herr, bisz mein fels, mein sterk, mein trost, wann mir der tod ans hertze stoszt, und meine augen sich verwenden, so steh mir bei und hilf mir enden
M. Hafenreffer
christl. leuchpredigt (1600) 17
a: stoszt der krug an ein stein, so bricht er Lehmann
florileg. polit. (1662) 2, 860; da er ... auch mitten in den gedanken unversehens an die wiege stiesz J. Riemer
pol. maulaffe (1679) 41; indem stiesz der drache mit solcher grausamen flucht an den stein, dasz derselbe zerrisz und erschüttert, als ob er in einen haufen fallen wollte
gehörnter Siegfried (1726) 78
neudr.; vergangen gieng ich einmal des abends ohne laterne über den hof und stiesz an einen balken, dasz ich hinfiel Gottschedin in der
samml. v. schausp. 5, 7 (an den tisch Stephanie
d. j.
singsp. [1792] 186; Steffens
was ich erlebte 1, 124; an die goldenen gitterstäbe Brentano
schr. 5, 115); sie sollten mich wohl in acht nehmen und nicht an meinen zerbrochenen fusz stoszen Göthe 43, 353
Weim. (Knigge
umgang 1, 123); von neuem jede wunde blutet, wenn die unbescheidne neugier daran stöszt Tieck
schr. 1, 139 (
vgl. schr. d. Göthe-ges. 9, 259); stöszt du an ein leeres fasz, dröhnend wälzt sichs um und um; ist mit wein es angefüllt, bleibt es liegen fest und stumm W. Müller
ged. (1868) 2, 156;
in der bildlichen entwicklung des sittlichen anstosz: lass andre auch verbrennen sich, so kann man nicht vexieren dich, und stoszen auch an deinen stein, dasz du nicht habst gestraucht allein Scheit
grobianus 2821
neudr.; dabei stiesz die schöne gräfin mit ihrer fuszspitze an einen baumstumpf Fontane
w. I 2, 9; ihr fusz an einen erdenhügel stöszt Pfeffel
poet. vers. (1802) 2, 15; ich höre fern das ungeheure meer an seine ufer dumpferbrandend stoszen Schiller 14, 52 (
braut 991). (
besonders vom schiff:) ein schiff ... wird von wind und wellen so lange herum geworfen, bis es an die klippen stöszt und zerscheitert Sperling
Nicodemus quaerens 2 (1719), 1032; an seichte örter kommen oder an verborgne klippen stoszen J. E. Schlegel
w. 2, 282;
gern als bild: Adelung
magazin 2, 13; stets an neue klippen stoszen K. L. v. Haller
restauration 1, xliii;
sprichw.: grade zu stöszt oft an klippen Günther
ged. (1735) 181.
daneben auf: das schiff stiesz auf einen felsen, aufs land, auf den sand Kramer
dict. 2 (1702), 987
a; das von seinem führer verlassene (
fahrzeug) hatte der strom mit groszer schnelligkeit hinabgeführt, bis es auf einen der vielen felstrümmer stiesz Moltke
schr. 1, 80.
sonst noch: wann ein haf auf den andern stoszt, zerbrechen sie bede S. Franck
sprüchw. (1541) 2, 80
b; (
die frau) warf sich zu seinen (
des gatten) füszen, stiesz mit dem angesicht auf den boden des zimmers und gab keinen laut von sich Schiller 3, 569 (Bettine
dies buch gehört dem könig 1, 269);
mit mehr activem sinn: wenn man auf diesen hügel stöszt, so vernimmt man einen hall, woraus sich schlieszen läszt, das er inwendig einen ausgemauerten raum haben müsse Gerstenberg
Schlesw. literaturbr. 249 (21). darumb stöszt das clein wörtlein: das reich gottes gar hart
wider des bapsts reich Luther 10, 3, 373
Weim.; Pegasus, equus natus ex cruore Medusae, das flog uff den berg Helicon und stiesz mit eim fuosz wider ein stein, da quall ein brunn heraus Alberus (1540) 67
b; ich stiesz wider die türe, da sie mich hinaus warfen Klinger
w. 1, 59. früh fand er die grenzen der menschheit zu enge und stiesz mit wilder kraft
dagegen an, um sie über die wirklichkeit hinüber zu rücken 3, 4; in steter furcht ..., gegen einen vorsprung des felsen zu stoszen Mörike
w. 3, 80; nie mehr wird (
die fliege) gegen die scheiben (
des fensters) stoszen W. Raabe
Sperlingsgasse 164 (Hirschfeld
mütter 59).
zugleich einbohrend (
vgl. oben I 7): 'das hat dir der teufel gesagt' schrie das männlein und stiesz mit dem rechten fusz vor zorn so tief in die erde, dasz es bis an den leib hinein fuhr brüder Grimm
kinder- u. hausmärchen 55 (1, 255). II@1@cc)
um sich stoszen: oder sie (
die menschliche frucht) wirdt ungeschlacht, fecht an umb sich zu stoszen Wirsung
artzneybuch (1588) 548
c; ein ochs verkannte seinen herrn, und so oft ihn dieser vor den pflugschar spannte, stiesz er um sich mit macht Lessing 8, 57; ihr brauchtet hier mit euren ellenbogen nicht so um euch zu stoszen, um eurer trödelwaare platz zu machen Tieck
schr. 3, 176; (
ein kurzer dicker mann,) der in gröszter wuth nach allen seiten um sich stiesz Eichendorff
w. 3, 185; (
im garten) alles still; nur die wie von luftdämonen beseelten weiberhülsen (
d. h. zum trocknen aufgehängte wäsche) säuselten sachte hin und her, bis ein windstosz sie plötzlich emporwirbelte, die langen weiszen strümpfe gleich geisterbeinen um sich stieszen G. Keller
w. 2, 109. II@22)
als besondere bedeutungsgruppen: II@2@aa)
von der charakteristischen art der raubvögel, aus der luft herunterschieszend, ihre beute zu greifen: der falk stöszet auf den reiger Kramer
dict. 2 (1702), 987
a (
allgem. haushalt. lexic. [1749] 1, 52
a); der raubvogel ... auf die taube stoszen will Aitinger
jagd- u. weidbüchl. (1681) 3; im felde schwebt der grosze bussard niedrig über den boden hinweg, um auf feldmäuse zu stoszen Allmers
marschenbuch5 121; wie? läszst du deine daube sterben, auf die ein grimmer adler stöszt Drollinger
ged. 38.
sprichwörtlich: ein gänseaar stöszt auf kein weiszkelchen Düringsfeld
sprichw. 1, 7
a; kein geyer stöszt auf geyer J. D. Falk
satiren 1, 34 (
wie sonst eine krähe hackt der andern kein auge aus). (
vereinzelt:) wenn er (
der grosze würger)
nach einem vogel stöszt, macht er ... eine eigene schwenkung Naumann
vögel 2, 12. II@2@a@aα)
allgemein von jeder (
aus hoher luft herab)
schieszenden flugbewegung: indem sein (
des gottes Roman) schneller flug durch blaue lüfte stiesz, entdeckt er unter sich das prangende Paris Zachariä
poet. schr. (1763) 1, 95. II@2@a@bβ)
im vergleich: wie ein falke, der auf seinen raub stöszt Ritter
erdkunde 2, 512 (Hauptmann
Rose Bernd [3] 90); wie ein falk, der auf den erschrockenen reiger stöszt A. v. Haller
Usong (1771) 5; (
wie ein falk) sich wirft auf die schüchterne taube; seitab streichet sie zwar; doch dichtnachsausenden fluges stöszt er beständig und giert, sie zu haschen Bürger 236
Bohtz; geberdest du dich doch, als ob ein sperber mit blutgen krallen ich hernieder stiesze Rückert
w. 1, 288; wer seinen zorn an kleinem gesindlein verzettelt, gleicht dem bussard, der nach mäusen stöszt G. Freytag
w. 11, 24.
übertragen: er (
Immo der Thüring) ist ein falk aus den thüringischen bergen, diese ertragen schwer die kappe, sind sie aber gebändigt, dann stoszen sie freudig 9, 39.
auch bildkräftig (
etwa '
der auf zarte lämmer herabstoszende geier')
bei Luther: ey, sanct Paule ... wenn wiltu aufhoren? wie beyssistu, wie stichstu, wie stossistu so greulich auf dissen tzarten haufen mit den weychen oren 10, 1, 1, 656
Weim.; vgl. auch: so schwer anfechtung auf uns stoszt, darmit wir hart werden beladen Hans Sachs 18, 449
Keller-Götze. II@2@bb)
vom winde: die luft drückt: bald wird der wind stoszen Lagarde
deutsche schr. 491; wenn sturm und strömung stoszen, zerrn, sie werden doch nicht deine herrn Göthe 3, 365
Weim. daher: so fürete der grausame sturmwind (so stracks in einem thun ohne aufhören daher stiesz) einen solchen wust mit sich von staube, laube, strohe, heu, zweigen und reisern von beumen, schindeln, ziegeln und schiefern von dachen, dasz es nicht zu sagen C. Spangenberg
mansfeld. chron. (1572) 498
a;
weiter richtung bestimmend: (
eine bank,) dar man für dem vom lande stoszenden winde setzen kann, wo es die noth so erfordert Manson
seebuch 4; wind, der nur manchmal vom hügel her stiesz Göthe 37, 67
Weim.; kühler stiesz jetzt der wind vom walde her maler Müller
w. 1, 34.
in: in die flammen, als wie in segel, stöszt der wind Göthe 49, 1, 82
Weim. auf: die nord- und westwinde stoszen frei auf Schlesien Rätel-Curäus
chron. d. herz. Schlesien (1607) 272 (Schütz
hist. rer. prussic. 6, P 4
c).
an: da nu ein platzregen fiel, und ein gewesser kam, und webeten die winde, und stieszen an das haus, fiel es doch nicht, denn es war auf einen felsen gegründet
Matth. 7, 25; der wind fegte durch die straszen, er stiesz an den rücken des magisters und beschleunigte seinen schritt G. Freytag
verl. handschrift 3, 254.
bildlich: wen die unglückswinde auf eine seele stoszen Zäunemännin 35; soll ich den die groszmuth lehren, der sie mehr geübt, als ich? oder dessen kräfte mehren, der noch keinem unfall wich und sich stets gesetzt erwies, wenn ein wetter auf ihn stiesz Gottsched
ged. 1 (1751), 136; (
eine stadt,) die zwar den alten glanz verloren, seit alles unglück auf sie stiesz 1, 161.
im menschlichen mikrokosmos eine dichterische formulirung für den physiologischen vorgang der aufsteigenden schamröthe: o, stirne, deiner scham entblöszt, schau, was für röth jetzt auf dich stöszt, die in der höllen glut sol baden
Königsb. dichterkreis 183
neudr. II@33)
zum ausdruck einer plötzlichen begegnung, eines unvermutheten antreffens u. s. w.: II@3@aa)
an eines stoszen (
wie mit dem fusz, und nun stutzen und aufmerksam werden, vgl. Schiller 2, 190
in der scenar. bemerk. zu den '
räubern'): könig Ludwig ... ward in der heimfahrt auf dem meer von den Saracenen gefangen: an die stiesz könig Rogerius ... ongefärd, uberwand sie im schiffstreit und erlediget Ludowicum wider Stumpf
Schweytzerchron. (1606) 84
a; darumb so derselben (
armen) einer an dich stoszet, und deiner hülf begert, so steht Christus vor dir selbst und bittet umb hülf Schaller
theologischer herold (1664) 273; bey mir in dem wildesten walde ist man ja sicherer, als in dem verzweifelten Paris, keinen schritt kann man thun, man stöszet an einen beutelschneider
ollapatrida 169
Wien. neudr.; ebenso mag sich der idealist gegen die dinge an sich wehren wie er will, er stöszt doch, ehe er sichs versieht, an die dinge auszer ihm Göthe IV 13, 11
Weim.; (
ein wandrer, der) zufrieden, von strecke zu strecke an das vermeinte wasser zu stoszen Schopenhauer
w. 1, 117
G; (
gut thun,) keinen fluch auszusprechen über die zeichen der zerstörungsbarbarei (
in einem schlosse), an welche der fusz stöszt Laube
schr. 4, 132; auf einmal sahen wir auf der höhe neben uns leuchtende weisze gebäude, und unser fusz stiesz an das städtchen 5, 27;
in der norddeutschen haussprache: ich stiesz eben zufällig an das büchergestell ... und da blieb mir dies buch in der hand Stinde
familie Buchholz 131; kaum hat der gräber arm den festen grund gebrochen, so stöszt das eisen schon an tausend menschenknochen Pietsch
geb. schr. (1740) 11; und hier stosz ich an die sphären E.
M. Arndt
w. 5, 192
Rösch-Meisner; so oft wir (
die im saale von verschiedenen seiten auf- und abwandelnden freunde)
an einander stieszen, lächelten wir Jean Paul
biogr. belustig. 1, 129
R. II@3@bb)
selten gegen (
zugleich mit einem stosz
anklopfend): sowohl gegen die palläste der groszen als gegen die hütten der armen pflegt zu stoszen der bekannte freund Hein Kortum
Jobsiade (1795) 1, 186. II@3@cc)
gewöhnlich auf: II@3@c@aα)
zunächst erläutert durch wirklichkeiten, wie beim graben mit dem spaten in der erde u. ä.: (
die arbeiter) stieszen mit dem grabscheit auf etwas hartes Winckelmann
bei Justi 1, 372 (H. Seidel
Leberecht Hühnchen 153); diesz jahr stiesz ich beym ackern auf einen schönen marmorbruch
der arme mann im Tockenburg 2, 90; öde felder, auf denen man 6 bis 7 palmen tief graben konnte ..., tiefer aber nicht, weil man da überall auf fels stiesz Ritter
erdkunde 1, 145; sie sind auf einen schindanger gestoszen und nicht auf das Teutoburger schlachtfeld Immermann
w. 1, 136; als ich hinauskam, war man mit der arbeit auf eine grosze hölzerne mulde, schiff oder sarg gestoszen Moltke
schr. 6, 416 (auf einen seinerzeit absichtlich verborgenen schatz Luschin v. Ebengreuth
münzkunde 109); tief im grunde vieler moore stöszt man sehr häufig auf eine menge von überresten vielfach zerschmetterter und geknickter einheimischer waldbäume Allmers
marschenbuch5 78 (
vgl. S. Brunner
erz. 2, 19). auf eine quelle
u. ä. die mineurs sind bey ihrer arbeit abermals auf wasser gestoszen Lessing 18, 447;
auch gern bildlich: (
ein miszverständnis,) auf dessen tiefliegenden quell wir in der folge stoszen werden
F. Schlegel
pros. jugendschr. 1, 121; auf eine noch entferntere quelle des sprichworts stoszen Gervinus
gesch. d. deutschen dicht. 3, 72. II@3@c@bβ)
der menschliche (
oder thierische)
körper oder seine theile als vermittler der erfahrung besonders hervorgehoben: die füszlein stieszen oft auf unebenheiten, und sie mussten häufig büheln ausweichen Stifter
w. 5, 1, 233. die nase stöszt auf etwas,
entsprechend oben I 5
b: am weihnachtsabend endlich, wo der kinderlose ... die gassen durchstöberte, ... stiesz er fast mit der nase auf den gesuchten Holtei
erz. schr. 5, 125;
doch besonders von stöbernden jagdhunden, vgl. zwei ehrliche hühnerhunde, die in der schule des hungers zu schlauköpfen gemacht, alles griffen, was sich auf der erde blicken liesz, stieszen auf einen vogel H. v. Kleist
w. 4, 126.
dann schon erweitert; für die entwicklung dieses gebrauchs besonders in geistiger richtung wichtig das auge: worauf mein auge stöszt, begegnen mir fremde gesichter Schiller 3, 122 (
Fiesko 4, 11).
vgl.wenn dort der durchdringende scharfblick des geschäftsmannes auf den ideenvorrath des systematischen gelehrten stöszt, so blitzt es funken, bei deren anblick es einem wohl wird, ein mensch zu sein G. Forster
schr. 4, 281. II@3@c@gγ)
auf personen: das verhängnis wollte, dasz der junge Vologeses ... auf diese prinzessin stiesze A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 52 (Xylander
Polybius [1574] 103); erst gegn morgen stieszen sie auf einige haufen der geflüchteten Klinger
w. 4, 185 (auf freunde Arnim
w. 7, 84); wenn ihr auf meine wachtgefährten stoszt, Horatio und Marcellus, heiszt sie eilen
Shakespeare 3, 140 (
Hamlet 1, 1); dasz Konstanze noch auf ihn gestoszen, war immerhin denkbar Mörike
w. 3, 82 (Viebig
schlaf. heer 1, 208);
als scenarische bemerkung: Möller im abgehn stöszt auf Robert und Andres O. Ludwig
w. 3, 36 (Stephanie
d. j.
lustsp. (1771) 15; Iffland
theatr. w. 1, 43; Kotzebue
dram. w. 2, 101;
vgl. O. Jahn
Mozart 3, 93).
noch mehr entdeckungsmäszig: übrigens sind die meisten gesellschaften, auf welche man unterwegs stöszt, mehr lästig als angenehm Bode
Montaigne 6, 30; man stöszt auf menschen, die den teufel umarmen würden, weil er der mann ohne seines gleichen ist Schiller 2, 5 (
räuber, vorr.); ich stiesz auf ein summendes gewimmel von vielen hundert jungen leuten G. Keller
w. 2, 90.
insbesondere: entlich stöszt er auf einen fuhrmann Hayneccius
Hans Pfriem 4
neudr.; wie ich aber ongefehr an das wilde ort kommen, hab ich auf disz (
ausgesetzte) kind gestoszen, das genommen, mit mir getragen
buch der liebe (1587) 190
d; stehen dir in dem einen winkel der welt deine spielgesellen nicht an, rutsche nur eine ecke weiter zu andern! es müszte nicht gut sein, wenn du nicht hier und da auf eine leidliche seele stoszen wolltest Thümmel
reise 2, 5 (auf zwei abenteuerliche menschen E.
M. Arndt
w. 1, 171;
auch 1, 64
und Müllner
dram. w. 2, 105); in Paris habe ich erlebt, dasz unverständige gewaltthaten gegen menschenmassen plötzlich stockten, weil sie auf 'un monsieur décoré' stieszen Bismarck
erinnerungen 1, 101; (
die jesuiten) stoszen auf hochbetagte männer, welche niemals das abendmahl empfangen Ranke
w. 38, 260.
möglich auch: ich blätterte ein wenig in dem buch und stiesz gleich überall auf die anziehendsten persönlichkeiten Mörike
w. 3, 88 (
maler Nolten); viele jahre allein, bis er brieflich auf einen längst vergessenen jugendfreund stiesz Ebner-Eschenbach
schr. 4, 155.
mit dem charakter des unerfreulichen, ja feindlichen: die ausführung all der despotischen verordnungen ... erfolgte fast durchwegs in nachsichtiger und humaner weise, sobald man nicht auf die ganz untergeordneten, von jeder bildung entblöszten beamten stiesz Laube
schr. 1, 164.
besonders aber in der räubersphäre: da die räuber auf diese zwo personen stieszen, faszten sie ir gewehr, spannten die bogen auf sie zu schieszen
buch der liebe (1587) 199
d; ich fürchtete daher, ich möchte auf einen solchen stoszen, der mir nicht allein meine leucht ausblasen, sondern wol gar zerschlagen könnte Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 8; weil er fürchtet, in jedem, auf den er stöszt, einen mörder zu finden Klinger
w. 3, 208 (auf räuber Novalis 2, 102,
vgl. W. Raabe
Horacker 31); kein köhler, keine hütte, nirgend, nirgend — ja, wenn ich auf den grimmen mörder stiesze, er wäre rettung mir Tieck
schr. 3, 131.
auf wilde thiere: unterwegs bringen wir alle wölfe, auf die wir im walde stoszen, um Jacob Grimm
Reinhart Fuchs xxiii; dem wolf entfliehend, ist er auf die wölfin gestoszen Düringsfeld
sprichwörter 1, 225
a (
wie sonst '
aus dem regen in die traufe')
vgl.wenn ein wildes thier auf einen stöszet, da musz einer aufsehen, dasz es nit etwa ihn anfalle Cyr. Spangenberg
jagteufel (
theatr. diabol. 1, 205
b).
auf örtliches: beym dorfe war ein edelmannssitz, auf diesen stoszen sie zuerst
allg. dtsch. biblioth. (1765) 1, 2, 101 (auf einen ort Pfeffel
poet. vers. 1, 136; auf eine insel
vgl. F. Th. v. Schubert
verm. schr. 1, 264; auf eine ecke oder einen abgrund 1, 14); dann aber stöszt man hier (
in Paris) bei jedem schritt beinahe auf örter, welche entweder die alte oder die neue geschichte bezeichnet hat Jacob Grimm
an Wilhelm (1.
märz 1805,
briefw. 18).
auch: am ausgange des gehölzes stoszen sie auf einen fahrweg Raupach
dram. w. kom. gatt. 2, 48; auf frische fährten von bären und ebern Nehring
tundren 111; auf schwache spuren von fusztritten H. v. Barth
nördl. Kalkalpen (1874) 169
und sonst gegenständliches: er stöszt auf einen sessel und prügelt ihn aus Göthe 9, 94
Weim. (
mitschuldige); als er bekümmert und geschwächt eine anhöhe hinaufging, stiesz er auf einen neuen und bequemen reisewagen G. Keller
w. 5, 12 (Bettine
dies buch gehört dem könig 1, 15); dann brachte er speis und trank zur sprache, was hier oder dort gut zu trinken oder zu meiden sei, die leckeren nationalgerichte, die er nie vergessen und auf die ich stoszen werde, je nach landesart G. Keller
w. 2, 128 (auf eine inschrift Polenz
Grabenhäger 2, 129,
vgl. Justi
Winckelmann 1, 267)
und im übergang zum folgenden: unversehens aber stiesz ich auf die bände deutscher rechtsaltertümer, weistümer, sagen und mythologie, welche damals in der blüte ihres ruhmes standen G. Keller
w. 3, 26 (
M. I. Schmidt
gesch. der Deutschen (1778) 4, 233).
auf stellen in einer schrift u. s. w. (
gewisz auch unter dem einflusz von mit der nase auf etwas stoszen (
s. oben): gerechter Mirabeau! dachte ich bey mir selbst, als ich gestern auf dieses dedicationsgekrächz (
bei Voltaire) stiesz Cramer
Neseggab 1, 56; er (
Schiller) stöszt in dem ganzen werk nicht auf eine einzige stelle, ... Wieland
an Böttiger (
Göthe-jahrb. 1, 325); indessen schlage man das buch (
Weckherlins gedichte) auf, wie es fällt, so stöszt man in seinen weltlichen gedichten auf artigkeiten und lieblichkeiten, ... Herder 16, 245 (Göthe
gespräche 4, 296); (
in der besprechung einer schrift) wir stoszen auf manche wunderlichkeiten 41, 1, 359
Weim. (Hippel
kreuz- u. querzüge [1793] 1, 4); auf viel interessantes stoszen W. v. Humboldt
briefe an Welcker 26; wenn du liegen läszt, was dir (
beim lesen) nicht ganz klar wird, wirst du auf vieles stoszen, was dich erquickt und erbaut Brentano 9, 274; indem ich ihren brief wieder durchlese, stosze ich auf eine stelle, die mir noch mehr beweist, wie flüchtig sie meine briefe lesen Pückler
briefw. 1, 335; (
sich erinnern,) in der
ars amandi (
des Ovid) auch auf rezepte gegen die liebe gestoszen zu sein E. Th. A. Hoffmann
w. 10, 163; wenn er die schrift studirte, so stiesz er auf sprüche, die ihm ein grauen erregten Ranke
w. 1, 197; nicht weit lesen, ohne auf ein citat von Fuggers ehrenspiegel zu stoszen 1, 344; (auf die göttliche weisheit der sprüchwörter Strausz
w. 4, 59); (
sich schmeicheln,) auf irgend einen kecken Callot-Hoffmanschen humor, auf ergötzliche hypergenialität zu stoszen Gaudy
w. 5, 101; dagegen stoszen wir überall auf die lustigsten schlemmerlieder W. H. Riehl
die deutsche arbeit 112.
besonders noch über jedes lateinische wort, worauf sie (
die schönen geister) in einem buche stoszen, das dictionarium zu hülfe nehmen Ayrenhoff
w. 3, 94; soeben stosz ich auf ein paar druckfehler Heinse
w. 3, 519 (Gerstenberg
Hamb. n. ztg. 288
l. denkm.); ganze strophen durchwandern, ohne auf ein einziges a zu stoszen A. W. Schlegel im
Athenäum 1, 32; ein ausdruck, der bei Ducange ... nicht einmal verzeichnet ist; ich stosze auf ihn aber sonst Jacob Grimm
kl. schr. 3, 14; schon bei flüchtigem lesen stöszt man häufig auf offenbare fehler 4, 2.
auch sonst '
auf beobachtungen, betrachtungen, erwägungen'
u. s. w.: auf einen gemeinplatz stoszen Lavater
verm. schr. 2, 3; wer im eigenen denken auf einen sonderbaren satz stöszt, kommt auch wohl wieder davon ab, wenn er falsch ist Lichtenberg
verm. schr. 1, 160; indem ich manche verhältnisse, welche bald bei der Jenaischen litteraturzeitung zur sprache kommen werden, bedenke, stosze ich auf folgende betrachtungen Göthe IV 16, 330 (
vgl. auch IV 34, 33
Weim.); also soll auch die vernunft nicht auf etwas einfaches stoszen wollen Hegel
w. 3, 225. auf einen punkt Brentano
Godwi 1, 41 (hundertmal auf diesen punkt Laube
schr. 1, 160; auf einen streitpunkt H. Seidel
vorstadtgesch. 52). in allen glaubensarten stöszt das nachforschen ... auf ein geheimnis Kant 6, 314; wir stoszen auf wirkungen C. W. Hufeland
kunst d. menschl. leben zu verlängern (1797) 3; so stoszen wir in unserer gedrängten darstellung auf hundert ähnlichkeiten und beziehungen Gervinus
gesch. d. dtsch. dichtung 5, 102 (auf trostlosigkeit 5, 15); als ich 1852 die gesandtschaft in Wien zu leiten hatte, stiesz ich dort auf die gewohnheit ... Bismarck
gedank. 1, 256; ich stosze in deinem vor mir liegenden brief wieder auf die selbstbeherrschung
br. a. s. braut 46; (
eine visitation der klöster war) auf unverantwortliche ausschweifungen, greuel ... wie in Sodom gestoszen Ranke
w. 4, 42; wie oft stöszt nicht der historiker der nationalökonomie auf alttestamentliches herkommen W. H. Riehl
deutsche arbeit 194 (auf die nämliche sitte Peschel
völkerkunde 229); ohne je auf die finsteren mächte irdischen könnens zu stoszen G. Keller
w. 2, 267. II@3@c@dδ)
widerstandsmäszig: auf einen machtspruch Miller
briefw. dreier akd. freunde (1778) 1, 43; jede abweichung vom herkommen stöszt auf unfügsames J. H. Voss
antisymbolik 2, 12; mit jedem schritt meines daseins stosz ich auf lauter widerwärtige ungereimtheiten Bettine
Brentanos frühlingskranz (1844) 29; der erste beginn solcher unternehmungen stoszt freilich immer auf mannigfache vorurtheile und hindernisse Stifter
w. 14, 201; er (
Friedrich) stiesz bereits damals auf österreichische gegenwirkungen auch an dem russischen hofe Ranke
w. 31/32, 16; hier stoszen wir auf eine neue schranke des begriffs W. H. Riehl
deutsche arbeit 262; auf ganz unübersteigliche hindernisse Ranke
w. 4, 155 (Fr. Th. Schubert
verm. schr. 2, 7; Moltke
schr. 2, 119); ohne auf irgend einen nennenswerten
widerstand zu stoszen Mommsen
röm. gesch. 2, 114 (auf welchen zähen widerstand Treitschke
hist. u. pol. aufs. 1, 13; Ranke
w. 1, 101). der reiz, seine erkenntnisse zu erweitern, ist so grosz, dasz man nur durch einen klaren
widerspruch, auf den man stöszt, in seinem fortschritte aufgehalten werden kann Kant 3, 31
ak. ausg.; da diese behauptung auf groszen widerspruch stoszen dürfte, ... Jhering
geist d. röm. rechts 2, 1, 111 (Bismarck
ged. 2, 47);
auch: der anblick der mächtigen opposition, auf die er stiesz Ranke
w. 1, 117 (Nitzsch
deutsche studien 17). allein auch diese beziehung ... stöszt gleich jener überall auf
schwierigkeiten Jacob Grimm
Reinhart Fuchs ccliv (Dahlmann
gesch. v. Dänemark 1, 137); ich dachte auf die gröszten schwierigkeiten zu stoszen Gutzkow
ritter vom geiste 3, 375 (Mommsen
röm. gesch. 5, 76); auf kaum geahnte schwierigkeiten Mörike
w. 3, 21 (
maler Nolten); auf mancherlei schwierigkeiten Moltke
schr. 4, 70 (Ranke
w. 31/32, 132); so stoszen wir bereits bei diesem ersten schritt sogleich auf neue schwierigkeiten Hegel
w. 10, 1, 6 (Schleiermacher
w. I 12, 189); Melanchthon, ein mensch, der jede schwierigkeit, auf die er stiesz, innerlich durcharbeitete Ranke
w. 3, 119.
auch auf bedenken stoszen Laistner
nebelsagen (1879) 14 (Bismarck
ged. 1, 70); auf die erklärung 2, 59; auf die einwendung Ranke
w. 1, 216; nach allen seiten stoszen wir auf misztrauen Moltke
schr. 7, 109; auf eine weniger günstige aufnahme Bismarck
pol. reden 4, 94; die Dänen stoszen in diesem augenblick auf eine unglückliche konjunktur Moltke
schr. 4, 160; und so stiesz Iphigenie auf keine günstige zeitstimmung Bielschowsky
Goethe 1, 446. II@3@dd)
als reciproker begriff auf einander: aus welchem geschach, dasz unvürsichtiglich ir beyder augen mit den gesichten aufeinander stieszen
buch der liebe (1587) 113
d; wenn wirkung und gegenwirkung auf einander stoszen Ranke
w. 37, xii; aber ewig sich verwandelnd, wo sie (
die wolken) auf einander stoszen, ziehn sie eine bucht krystallen um der sonne rad voll rosen Brentano 3, 85;
gegen einander: die beiden herren gingen neben ... einander her, ohne gegeneinander zu stoszen E. M Arndt
w. 1, 223; hart stöszt in solchen familiengeschichten pflicht gegen pflicht, und vernichtend brennt eine leidenschaft gegen die andere auf G. Freytag
w. 17, 182.
auch: wenn die lantzen
an einander stieszen, gaben sie mehrentheils einen knall Fleming
teutscher soldat (1726) 197; die prärogative der krone im sinne der alten könige, das privilegium des parlaments im sinne der kommenden zeiten stieszen unmittelbar an einander Ranke
w. 16, 107. II@3@ee)
besonders als militärischer terminus: II@3@e@aα)
entsprechend oben 3
c γ: '
auf den gegner treffen',
auch hier mit dem beisinn des zufälligen: wenn (
der partisan) auf eine feindliche parthie stoszen, und solche rencontriren sollte, musz er sich ganz vergnügt und fröhlich. erzeigen Fleming
teutscher soldat (1726) 265; der Türk sich wider sehen liesz, Marco Herbat auch auf in stiesz Schmeltzl
zug in das Hungerland (1558) B 2
a; allein nun stieszen sie erst auf die hauptarmee, gegen die sie nicht aushalten konnten
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 4, 210 (Th. Abbt
verm. w. 6, 2, 111; Göthe 33, 18
Weim.); er streitet erst tapfer gegen einzelne leichte truppen, aber bald stöszt er auf ganze legionen U. Hegner
schr. 5, 382; Poniatowski, auf einen stärkeren feind stoszend, als er erwartet hatte Fontane I 1, 513; bald darauf stiesz man auf feindliche kavallerieposten Moltke
schr. 6, 92 (auf feindliche vorposten Pfeffel
pros. vers. 1, 75, auf eine patrouille Dahlmann
franz. revolution 227).
in der umkehrung mehr angriffsmäszig: und nicht lange oder weit ritten sie, da stieszen auf sie mehr denn zehen tausend Türken und heyden, zu rosz und zu fusz
buch der liebe (1587) 28
c; sah man, wie schon auf uns der Preuszen anzug stiesz v. König
ged. (1745) 205.
auch: schon früh morgens stieszen auf dem rechten flügel die Bayern auf lebhaften widerstand vor den ... mauern von Weissenburg Moltke
schr. 3, 12; aber er stiesz auf ebenso mannhafte gegenwehr Ranke
w. 9, 196. II@3@e@bβ)
entsprechend 3
d: und Joab ... zoch aus sampt den knechten Davids und stiszend auf einander
Zürcher bibel (1531)
2 kön. 2 (Hans Sachs 2, 125
Keller); bringt es nicht ein geringe frucht, dasz reuter und knecht zugleich angreifen und mit einander darauf hauen, doch mit anschickung, dasz fuszknecht auf fuszknecht stoszen Fronsperger
kriegsbuch 1, 52
b; es waren nicht armeen wie andere, sondern zwei religiös-politische secten, die hier auf einander stieszen Ranke
w. 4, 45;
mit adverb.: zu Ashdown, in der nähe von Readwig stieszen die beiden heere nochmals auf einander A. v. Haller
könig Alfred (1773) 8 (plötzlich auf einander Treitschke
deutsche gesch. i. 19.
jahrh. 1, 248); der Griechen und Troyaner heer, welche bisher mit starker wehr gegen einander sich gesetzt und ihre schwerter scharf gewetzt, auch auf einander hart gestoszen Spreng
Ilias (1610) 32
a. II@44)
in der bedeutung des aus dem slav. übernommenen grenzen
verb. (
th. 4, 1, 6,
sp. 148),
nicht so vielseitig in seiner verwendung und beschränkt auf den gebrauch mit präpositionen; doch hat auf der anderen seite unser wort eine gröszere innere activität, besonders deutlich in den fällen von an einander: die nächsten nachbauren, so mit ihren heuseren an einander gestoszen Wickram
w. 2, 121; dasz die beiden ... wüsten an einander stoszen Göthe 7, 176
Weim. (Fouqué
zauberring);
ähnlich die häuser stieszen wand an wand; die drei unabhängigen städte Königsberg's, welche, mauer an mauer stoszend, sich bekriegten Niebuhr
röm. gesch. 1, 182 (
auch zeitlich); in dreien schichten, die an einander stieszend Bech-Agricola
bergwerkbuch (1621) 67. II@4@aa) (
nur vereinzelt mit der präp. auf)
besonders in den jüngeren belegen begrifflich lockerer als das gewöhnlich gebrauchte an): den halbin morgin, der da stoʒit uf der Betzichindorfer pat vor den struch
hessisches urk. b. 452 (
z. j. 1335)
Wyss; (
zu lehen geben einen burgstall), zu der ainen seiten stoszent auf den pach und hinten an das feld Lori
baier. bergrecht 27 (
z. j. 1426); so louft Ulenspiegel mit dem kopf und schultern in das glasfenster, dann die stub stuond uf der erden und stiesz uf die strasz
Eulenspiegel (1515) 72
neudr.; das gebürge, das uf mOer stoszet bey der statt Troas Eppendorff
Plinius (1543) 112 (
vgl.welchen sye [
die augenbrauen] vor uf die nas stoszen, seint ernsthaftige leut 230); (
ein anderes stübchen) das auf die landstrasze stöszt Pfeffel
pros. vers. 9, 4.
dagegen mehr '
in der richtung verlaufen; die richtung nehmen auf': im finstern den gang (
hingehen), der auf die stube stiesz Bode
Tristram Schandi (1774) 3, 42 (Nicolai
reise 3, 14). II@4@bb)
der plastische gehalt von stoszen an
als '
scharf angrenzen'
auch von belegen aus ganz anderer sphäre erhellt: (
die zweige) krümmten sich, wie sie an den querübergelegten ziegel stieszen A. G. Kästner
verm. schr. (1755) 1, 120; die wällen an zwen schrofen stieszen Spreng
Äneis (1610) 56
a.
auch: die wolken an das dach am hause stoszen Schupp
schr. (1663) 156
und umgekehrt vom fliegenden Robert (H. Hoffmann
Struwelpeter 24): an die wolken stöszt er schon.
vgl. noch aus dem umkreis von I: (
die zwietracht,) die anfänglich gar klein ist, nach und nach wächst, und zuletzt ihr haupt an den himmel stöszt Breitinger
crit. dichtkunst (1740) 1, 149. II@4@cc)
beispiele aus dem grenzverhältnis von wasser und land: ora, das ans meer stöszt, euszerst ort des lands Alberus (1540) 45
b; das (
rothe) meer steszt an Arabia Schiltberger
reisebuch 70; an etlichen orten des indianischen lands, so an das meer stoszend Herold-Forer
Gesners thierbuch (1563) 139; das gebirg so ... an die linke siten der Limmagt stoszt Tschudi
chron. helvetic. 1, 14; auch heiszt ein statt Flavinium stoszt an den see Cyminicum Spreng
Äneis (1610) 147
b; dieser garten ..., der unten an schöne ufer der Saale stöszt Wilhelm Grimm
an Jacob (
briefw. 101); (
die landwehr, d. h. der römische limes) zieht ... über Dünkelsbühl gegen die Donau, an welche sie bey Pföring stöszt K.
F. Eichhorn
deutsche staats- u. rechtsgesch. 1, 66; (
zwei tiefländer), die nur an innere meeresgolfe stoszen Ritter
erdkunde 2, 69; (
landhaus,) dessen garten an den Müggelsee stiesz G. Hauptmann
einsame menschen (1891) 1.
von land, an land u. s. w.: Capadocia, welches land stiesz an das landt Menelauii
V. Schumann
nachtbüchlein (1559) 253
Bolte (
vgl. Alberus [1540] 14
b); ein heupstadt des lands genannt Marsvani, und das stöszt an des Caramans landt Schiltberger
reisebuch 12; in den letzten theilen Affricæ, so an das Morenland stoszend Herold-Forer
Gesners thierbuch (1563) 78; wo es (
Italien) an Frankreich stoszt, da haben die Cisalpini viel von der französischen sprache angenommen Morhof
unterricht (1682) 1, 184; landschaften, die zunächst an Wälschland und Frankreich stoszen Gottsched
sprachkunst (1748) 11; Jütland, welches an das land der Wenden stöszt Gerstenberg
schlesw. litbr. 245
lit. denkm. und so immer mehr ins enge sich ziehend; die Steinbergsalp, wo der Zingelgletscher an den Steinberg stöszt Göthe IV 4, 84
Weim.; der letzte ort des hügellandes, wo es an das hochgebirge stöszt Stifter
w. 3, 307; ein fruchtbar thal stiesz an des berges fusz Gellert
w. 1, 194 (Fouqué
held des nordens [1810] 2, 116). und stöszt ein holtz daran (
an den acker) G. v. Berlichingen
lebensbeschreibung 66; (
das) gütchen stiesz an eines des grafen Hippel
lebensläufe 3, 1, 317; in der schweigenden laube eines gärtchen, das an einen kirchhof stiesz, wo alte heilige linden Herder 1, 484 (Laroche
frl. v. Sternheim [1771] 2, 165); (
dieser garten,) weil er an einen öffentlichen spaziergang stöszt, ... Fr. Schlegel
Europa 2, 205 (brüder Grimm
sagen 1, 134); die prinzessin, deren lustgärten an den wald stieszen Novalis
schr. 4, 82
Minor; an unsern hinteren gartentheil stiesz ein zweiter garten Stifter
w. 5, 1, 118; es stöszt ein busch an die landstrasze, wie gemacht zu einem hinterhalt G. Freytag
w. 2, 49.
von baulichkeiten: (
schlösser,) dy an das land zu Bemen stoszen Stolle
thüring. chron. 12; (
die mauer,) da sie an die runde stest Dürer
etlicher underricht (1527) B 2
a; zu Trebbin wonet ein gastgeber ... desselben stallung stiesz an Clawerts hof B. Krüger
Hans Clawert 30
neudr.; hinten am hause, wo es an den garten und hof stiesze Grimmelshausen 2, 422
Keller; an den tempel des Apollo stöszet das wohnhaus des kaysers August Lohenstein
Arminius (1689) 2, 951
a; das haus stöszt an das meinige, und ist als obs eines wäre Ayrenhoff
w. 4, 85 (Kramer
dict. 2 [1702], 987
b); an diesen (
garten) stiesz ehmals das alte karthäuserkloster Stolberg 6, 34; an einem lustwalde vorüber, der an ein schlosz stiesz Klinger
w. 3, 183; ein haus, das an die parlamentsgebäude stiesz Ranke
w. 15, 50; an diesen (
thurm) stöszt das zweistöckige schlosz Moltke
schr. 6, 234;
noch: (
in dem) backhause stieszen einige zimmer an den baumgarten E.
M. Arndt
w. 1, 27;
auch: es (
das zimmer) stöszt ja an seine zimmer Gottsched
schaubühne (1741) 1, 82 (J. E. Schlegel
w. 2, 580
die braut in trauer 1, 1); da die eine thüre des saales an den garten stöszt
samml. v. schausp. 7, 7. II@4@c@aα)
von personen; mit mannigfachem übergang von dem land zu seinem beherscher, bewohner u. s. w.: welicher auch an eins herren von Einsidlen brüel oder an die weid stoszet, der selb und die so daran stoszend, söllent durch ir heg dem brüel und der weid frid geben
weisth. 1, 157 (
Einsiedeln 1493); er fuort auch allzeit krieg wider den künig von Granaten, an den auch sein land stoszet
Fortunatus 101
neudr.; Sebulon wirt am gstad des meers wonen, und am gstad der schiffen, und stoszen an Zidon
Zürcher bibel (1531) 49
b; (
die frechheit der Hussiten so grosz,) dasz sie alle herren und stett schädigend, die an sie stieszend, als Sachsen, Michsnen, Beiern Ä. Tschudi
chron. helvet. 2, 90 — die Bulgaren stoszend an Ungerland Zwingli
deutsche schr. 1, 45; und als sie mit den Thüringen, an die sie stieszen, nit mochten eins bleiben ... S. Münster
cosmogr. 320; disz ist ein starck fursichtig volk, den Medern, Persiern und Syriern, an die sie stoszen, fast grausam und forchtsam S. Franck
Turckey (1530) K 1
b; Agathyrsi, stoszen an die Scythen Alberus (1540) 46
b; für allem aber soll man sehen, dasz man an einen guten nachbaren stosze Sebiz
feldbau (1579) 10. II@4@c@bβ)
mit einer weitern bestimmung: daran stoszt zu zwaüen seiten der gemaine weg v. Brandis
landeshauptleute von Tirol 35 (
z. j. 1319); Peleponnesus ist ein halbe insel und stöszet an das land mit einem engen ort Isthmos genannt Carbach
Livius 230; an diese provinz stöszt gegen Italien und den Alpen eine andere, das alte Rhaetia S. v. Birken
vermehrter Donaustrand (1684) 38,
so besonders der himmelsrichtung: Paran ist das gebirge, das vom mittage werts stöszt ans land Canaan Luther 19, 427
Weim.; die Samniter, welche gegen aufgang der sonnen und mitternacht an die landschaft der Latiner stieszen Xylander
Polybius (1574) 4; Österreich stöszet von aufgang an Ungarn, von nidergang an Bayern, von mittag an Steyermarck, und von mitternacht an Mähren und Böhmen Kramer
dict. 2 (1702), 987
b; (
ein garten,) der von der abendseite an die ringmauer eines klosters stiesz Schiller 4, 336; von diesen elf sysseln stoszen die beiden zuletzt genannten südlich an die Schottburger aue Dahlmann
geschichte v. Dänemark 1, 141 (Ritter
erdkunde 1, 97).
auch mit andern adverb. bestimmungen: ain behausung ... stoszt
neben an Hansen Brendels hausz Knebel
chronik v. Kaisheim 348 (A. Dürer
undericht [1527] C 1
a); dat lentgen dar zo gehoerende heyscht Morea und stoszt
hart an die Turkije
pilgerfahrt des ritters v. Harff 67; sie kamen bey ein wisz, die Lan (
Lahn) mit einem arm stöszt hart daran Alberus
fabeln 210
neudr.; die cantzeltreppe, welche allernächst an die kirchenthür stiesze J. Riemer
polit. maulaffe (1679) 130 (
nahe Jacob Grimm
kl. schr. 3, 142)
hierher auch: köpfe, die nahe an die groszen stoszen, sind geheime spötter Hippel
über die ehe (1774) 138; das dorf Giesendorf stiesz
dicht an Grabitz E.
M. Arndt
w. 1, 25; an der grenze des genuesischen gebietes, wo die Apenninen dicht an das ufer des tyrrhenischen meeres stoszen Herman Grimm
Michelangelo (1890) 1, 234. es (
das gastzimmer) stiesz
unmittelbar an den groszen saal Holtei
erz. schr. 3, 81 (O. Ludwig
schr. 2, 134). das äuszerste (
zimmer) von allen stöszt seitwärts an ein kabinet, wohin ... Schiller 5, 1, 87. II@4@c@gγ)
selten mit locativ, dann in dem sinne '
seine grenzen finden': eine gewisse gegend in Westmünster, die
am park stöszt Archenholz
England u. Italien (1785) 1, 2, 354. II@4@c@dδ)
als erläuterung von lat. confinia
in der ersten deutschen bibel (4, 252): und darzuo alle gegent, die doran seind stoszent;
sonst: confinis, conterminus, limitaneus, das an ein land stöszt, das
zusamen stöszt Alberus (1540) 42
b; und andre land, so an die und umb die länder stoszen
Fortunatus (1509) 82
neudr. II@55)
metrisch: wan reimende worte in einer zeile auf einander stoszen, ... Zesen
vermehrter Helikon (1656) 1, 230; die gebräuchlichste und accurateste verschrenkung unter den 6 zeiligen strophen, weil sie niemals drei gleiche reimzeilen auf einander stoszen läszt Neukirch
anfangsgründe (1724) 76. mit hebung stöszt an hebung ... der unruhig anstrebende antispast () J. H. Vosz
zeitmessung (1802) 157. II@66)
wider etwas stoszen an stelle des gewöhnlichen verstoszen (
th. 10, 1
sp. 1787
unter B 2): (
etwas,) was wider des reiches ehren stöszt brüder Grimm
sagen 2, 84; was unrecht, schlimm, krumm, falsch, was billig zu verschmähen und wider tugend stöszt Logau 631
Eitner. so auch bei Göthe
in dem fragment '
nach Falconet und über Falconet'
in der ausgabe letzter hand 44, 8: das stöszt nicht gegen die geschichte;
dagegen in der Weimausg. auf grund des Carlsruher drucks von 1780 (4, 126): das ist nun schicklich! das ist gehörig! das stöszt nicht mit der geschichte! 37, 320,
eigentlich doch zusammen, wie ein hörnerträger mit einem andern, vgl. es sind zween alte pfarren, die freche muete hand: niemand darf mit inen stoszen, die wil sie sind eidgenossen Tschudi
chron. helvet 1, 139. II@77) '(
sich)
fortbewegen'
als besonderer begriff immer stärker herausgearbeitet. II@7@aa) (
schifffahrt)
vom land stoszen sich auf die fahrt begeben (Kramer
dict. 2 [1702], 987
b),
die begriffliche weiterbildung des trans. das schiff vom ufer stoszen (
mit der ruderstange)
s. oben I 3: so würd ... das schiff von land stoszen Wickram
w. 2, 238; schaut! dort stöszt gleich ein schiff vom land J. Ayrer
zwei fürstl. räte 4; das segel bläht, die barke stöszt vom lande Kind
gedichte (1817) 1, 72 (Chph. v. Schmidt
schr. 2, 15).
auch von Charons schiff: wer wird nach dem düstern strande meines grames bote seyn? ewig stöszt der kahn vom lande doch nur schatten nimmt er ein Schiller 11, 200; als zwei boote ... vom strande stieszen Chamisso
w. 1, 115; da stöszet kein nachen vom sichern strand Schiller 11, 286 (
bürgschaft)
vgl. Uhland
ged. 1, 356. II@7@a@aα)
von den fahrenden personen: so nu das schiff wol geladen ist, so stoszet er von lande J. Tauler
sermones (1508) 53
aa; (
es ist kais. maj. zu Genua) zu schiff gangen, von land gestoszen nach Monacho und Nitza Scheurl
briefbuch 2, 175; sie stieszen vom land wie sie mochten, denn sie hetten weder ruder noch schalten
buch der liebe (1587) 103
c; (
ein schiff bestellen,) das nach Morgenland segelfertig läge, damit man, wann es vonnöten, vom land stoszen könte A. U. v. Braunschweig
Octavia 1, 519; schwarzer schiffer stosz vom lande! Schiller 2, 161 (
räuber 4, 5); ich erreichte das fahrzeug, als man in begriff war, vom ufer zu stoszen Moltke
schr. 1, 106 (
im vergleich Göthe
gespr. 8, 64
Biedermann); du weiszt, dasz man vergnügt von diesem ufer stiesz Gottsched
deutsche schaubühne 2, 3; freudig stosze vom ufer, obwohl vom grabe du abfährst eines unglücklichen Herder 26, 130; bevor ihr stoszt vom strande, trinkt noch eins auf gute fahrt! Geibel 6, 117.
bewegungshaft gesteigert: als du in see stieszest, trankest du auch hier .... uns dein letztes lebewohl zu Tieck
schr. 19, 130; ich wil im schiff von dannen stoszen
schweiz. schausp. d. 16 jh. 3, 104
Bächtold. II@7@a@bβ)
andererseits von der landung: und als der gedacht haubtmann von Antorf auf der see mit 26 schiffen seinen zuegeben und knechten zu lant stiesz, hetten die inwohner des lendleins ir losung und zaichen
Wilwolt v. Schaumburg 99; damit stiesz der haubtman zu lant, jagt tröstlich nach 120; das es (
schiff) mit ... vollem segel zuo lande gestoszen hette Arigo
dec. 322
Keller; bald die Kriechen sahen den brand (
Trojas), stieszen sie all wider zu land Hans Sachs 2, 156
Keller;
vgl. auch einen entsprechenden transitiven gebrauch: (hartz oder bech,) das sich versamlet im grund des mörs und gestoszen zu land durch kraft der wind, wird herausgezogen Franck
weltb. 172
b —
selten: do wir
am lande stieszen und unser saihl anwurfen Dürer
tagebuch 70;
heute gewöhnlich: sie fuhren tage neunzig und neun, gen ost war der wind gewandt, und bei dem hundertsten morgenschein da stieszen sie
an das land Strachwitz
ged. 290; das schiff stiesz an das ufer, wir sprangen schnell ans land Eichendorff 3, 95 (Storm
w. 1, 291). II@7@a@gγ)
sehr viel gröszer war hier die bewegungsfreiheit unseres wortes im mhd.: Waten schif des alten wâren nu in eine habe gestôʒen
Kudrun 1572, 4;
und sogar: nu was doch daʒ von sînem gebot, daʒ daʒ schiflîn hie her stieʒ
Wigalois 5390. II@7@bb) (
militärisch)
von bewegungen, die eine vereinigung mit anderen truppenkörpern u. s. w. zum ziel haben: zu einem stoszen '
sich ihm anschlieszen, mit ihm vereinigen'. II@7@b@aα)
noch in deutlicher berührung mit dem vorigen gebrauchskreise: der obriste Lesle ... ist mit seinem regiment ... zu Stralsund zu schiffe gangen und nach Penemünde abgefahren, woselbst er zu der andern königlichen armee gestoszen Chemnitz
schwed. krieg 1, 56: Friderich liesz eine (
flotte) dagegen ausrüsten ..., zu der auch mehrere Pisanische schiffe stieszen
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 3, 44; die Sparten bewilligten zehn schiffe zur verbündeten flotte ... stoszen zu lassen A. G. Meissner
Alcibiades (1781) 3, 172 (Mommsen
röm. gesch. 1, 297). II@7@b@bβ) zu einem stoszen, zu einer parthey stoszen Kramer
dict. 2 (1702), 987
b; still liegen, bis die andern hauptleut zuo diesen stieszen Carbach
Livius 149
b; (
sie) fielen in sechshundert stark aus, zu denen noch zweyhundert reuter vom obristen König stieszen Chemnitz
schwed. krieg 2, 157; 8000 kosacken seien zum kaiserlichen heere gestoszen
verh. der schles. fürsten u. stände 4, 193
Palm; demnach näherte sich Vindex mit seinem heer, um zu dem Verginius zu stoszen A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 454; so zerstreueten sich doch die aufrührer, als sie nur hörten, dasz ... eine gröszere anzahl hülfsvölker zu ihm gestoszen waren Lohenstein
Arminius (1689) 1, 44
a (
s. auch 2, 231); zu welchen noch dreiszigtausend Aracaner stoszen mussten Ziegler
asiat. Banise (1689) 762; die völker aber, als die einmal zur allianzarmee gestoszen, der allianz billig verbleiben Leibniz
deutsche schr. 1, 187: Civilis meldet ihnen seinen sieg und ermahnt sie, zu ihm zu stoszen
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 1, 87 (
der arme mann im Tockenburg 1, 144); wer befahl dir aber, zu uns zu stoszen? H. L. Wagner
theaterst. 77; (
indem) wir auf die art (
durch den abgegebnen schusz) zeit gewannen, wieder zu den unsrigen zu stoszen G. Forster
schr. 2, 130 (
vgl. auch 8, 293); den 12. august stoszen noch drei bataillone und zwei kavallerieregimenter nebst artillerie zu uns Moltke
schr. 4, 6; die wachen würgt ihr stahl, indesz schon die genoszen, durchs thor eindringend, zu den fürsten stoszen Schiller 6, 359; wir hatten sechzehn fähnlein aufgebracht lothringisch volk, zu deinem heer zu stoszen 13, 212 (
jungfrau v. Orl. 1, 9). II@7@b@gγ)
örtlich weiter bestimmt: die Heruler ... stieszen zu denselben in Liguria Micrälius
altes Pommerland 1, 102 (bei Straszburg Stumpf
Schweytzerchron. [1606] 280
a;
auch Lohenstein
Arminius 2, 940); werdet ihr ... fern vom treffen bleiben, und nicht in die ebene zu euren völkern stoszen? Klinger
w. 1, 289; Alexander zog auf Baktria los ...; auf dem wege stiesz Philipp aus Ekbatana zu ihm Droysen
Alexander d. gr. 283; (Archelaos) stiesz in Boeotien zu der pontischen hauptarmee Mommsen
röm. gesch. 2, 292. II@7@b@dδ)
in der syntaktischen erweiterung mit einem: und stiesz kayser Maximilian zu uns mit etlich hundert pferden Berlichingen
lebensbeschr. 9; als indess Karlmann ... mit einer groszen verstärkung von Baiern und Alemanniern zu ihnen gestoszen
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 461; freunde, die mit ihren reisigen zu uns stoszen maler Müller
w. 3, 38; hierauf stiesz der bethörte Vitellozzo mit seinen völkern ... zu mir Klinger
w. 3, 243 (Arnim
w. 3, 461); im nämlichen sommer (1807) aber noch wurde ich beordert, mit dem bataillon zu einem dänischen korps zu stoszen Moltke
schr. 1, 13 (
aus aufzeichnungen seines vaters); auch Hessen schickte hülfe, und der herzog von Longueville stiesz mit herzog Bernhards nachgelassener armee gleichfalls zu ihm Hebbel
w. I 9, 196; (
du Plessis) forderte seine freunde auf, mit der ansehnlichen macht, über welche sie verfügten, zu dem belagerungsheere zu stoszen Ranke
w. 9, 36; ich versprach dem kanzler, wenn er mir sechzehn tausend mann vertraut, mit achtzehn tausend von des kaisers heer dazu zu stoszen Schiller 12, 220 (
Wallensteins tod 1, 5). II@7@b@eε)
verblassend (
in einer rechnerischen feststellung): er hält 1200 cavalleristen, in eisendrahtpanzer gekleidet, in sold, wozu noch einige tausend reiter seiner vasallen stoszen, und ... bis 12 000 mann fuszvolk, eine nicht geringe macht Ritter
erdkunde 9, 398. II@7@b@zζ)
stoszen lassen: doch kann ich heimlich ein zwanzig reiter zu euch stoszen lassen Göthe 8, 87
Weim.; mit einem heer, zu welchem die Nürnberger 600 mann zu fusz ... stoszen lassen Ranke
w. 1, 137; (
du kannst) nicht die regimenter zum Spanier stoszen lassen Schiller 12, 110 (
Piccolomini 2, 6). (
vgl.ε:) die truppenzahl wurde bestimmt, welche der papst ... zu ihm (
dem Alexander Farnese) stoszen lassen wollte Ranke
w. 38, 142. II@7@b@hη)
auch auszerhalb der militärischen sphäre: endlich kehrete er mit etlichen kaufleuten, die unterweges zu ihm stieszen, wieder nach Marsilien Happel
akad. roman (1690) 337; ich habe ihm versprochen, diesen abend zu ihm zu stoszen Pfeffel
pros. vers. 5, 4; der herzog ... und ein paar vertrautinnen, zu denen Seckendorf gestoszen war Göthe IV 3, 153
Weim.; auszer den obenerwähnten waren noch ein virtuose aus Rom, einige Schweizer und ein avanturier aus Palermo ... zu uns gestoszen Schiller 4, 208 (
geisterseher),
vgl. auch 13, 75; von Quenstedt, wo der pastor und seine frau zu uns stieszen, ... Novalis
tagebuch 23; mehrere benachbarte edelleute waren schon frühmorgens ... im walde zur jagd gestoszen und vermehrten nun den trupp ansehnlich Eichendorff
w. 2, 90; (zu der expedition Chamisso
w. 1, 12;
vgl. auch Mörike
w. 3, 9; G. Keller
w. 1, 133); (
ich) stiesz erst nach einer halben stunde wieder zur übrigen gesellschaft Moltke
schr. 6, 231; nun war freilich die zigeunerin erst vor einigen tagen ... ganz zufällig mit ihrem kind zu ihm gestoszen Spielhagen 2, 25. II@7@b@thθ)
übertragen und bildlich, besonders bei Jean Paul
in dem sinne '
dazu kommen, rechnen'
u. s. w.: zu den übeln, die ich schon bekannt gemacht, stöszt noch eine lebendige eidexe, die sich in meinem magen aufhält
unsichtbare loge 3, 46
R.; wozu noch die wachteln stoszen
leben Fibels 15
R.; wozu (
den leiden) noch der kummer stiesz, dasz ...
Katzenbergers badereise 2, 58
R.; doch vereinzelt schon früher: doch dasz nicht auch die reue zu diesem kummer stöszt, so lass ichs ungewagt Fleming
ged. 1, 219 (
poet. wälder 5, 17). II@7@cc)
zu handen stoszen in älterer sprache bildkräftiger als das heute allein gebräuchliche zustoszen (
s. u.),
geschöpft aus der plastik alter rechtshandlung, zum besondren ausdruck der '
greifbarkeit'
einer begegnung, eines geschehnisses u. s. w. für den erlebenden, vgl. hand (
th. 4, 2
sp. 344
unter II 1
d),
eigentlich von dem gegner vor gericht und den von ihm überreichten urkundlichen instrumenten. doch in den belegen erscheint nur selten noch eine person als subject: euch gott ... mit einer unvorsehelichen und behenden krankheit heimsuchen würde oder zu handen stiesz Reutter v. Speir
kriegsordnung 43; welche (
weiber) dir ungezweifelt auch werden zu handen stoszen, wo du ihren weg gehen wirst J. Barth
weiberspiegel (1565) N 1
b; mit den bekanntesten helden, die ainem gleich zu hand stoszen Fischart
podagr. trostb. 38
Hauffen. belege (
mannigfach übertragen und bildlich): sondern uns bewegt die grosze natur, die uns zu handen stoszt Paracelsus
opera (1616) 1, 816
c (Forer-Herold
Gesners thierbuch [1563] 27); von speise genieszen, so ists doch nur das erste das beste, so ihnen etwa zu handen stöszt
junker Harnisch (1648) 119; was jedem da zu handen stiesz, dachsgablen, stangen oder spiesz. dasselb ihm für ein wöhr belieb Spreng
Äneis (1610) 143
a; (
die göttin wird) dich führen durch göttliche kraft, bis dir Italia geleich zu handen stoszet freudenreich 53
b. werestu bey mir bliben, dise geferligkeit wer dir nit zuo handen gestoszen Wickram
w. 2, 170 (
Amadis 1, 53); mich der ritter nicht wenig dauren würd, solt ihm etwas leyds zu handen stoszen
buch der liebe (1587) 245; (
die frage,) ob ihr etwas böses zu handen gestoszen? J. Barth
weiberspiegel (1565) B 7
b; (
hoffnung,) es wer inen hierdurch gute glegenhait zu handen gestoszen v. Brandis
landeshauptleute von Tirol 12 (ungemächlichkeit A. U. v. Braunschweig
Octavia 2, 417); (
aus einer briefschluszformel:) wünschende, dasz bekwehmigkeit zu handen stoszen möchte, mich zu erreichen Butschky
hochd. kanzelley 3 (gefährligkeit, die einem zu handen gestoszen Lehmann
florileg. pol. [1662] 4, 197); wäre mir dieser todesfall zu handen gestoszen ... Menantes
allerneueste art, höflich und galant zu schreiben (1718) 376; was für ein grosz und seltsam wunder stoszt mir zu handen jetzt besunder Spreng
Ilias (1610) 284
b; da mir solche possen ohn gefehr zu handen stoszen G. Voigtländer
oden u. lieder (1642) 80.
schicksalsmäszig: es stöszt mir etwas zu handen: ain psalme für di, welchen desgleichen etwas zu handen gestoszen ist Melissus
ps. 128; ein trunkener mensch vergisst leichtlich, was ihm zu handen stöszt in seiner trunkenheit Lehmann
floril. pol. (1662) 2, 799; ob ich schon drüber viel hab ausgestanden, und mir noch täglich viel stöszet zu handen G. Voigtländer
oden u. lieder (1642) 48; im fall er also lebt, so ist er gantz ohn sorgen, und fraget nichts darnach,was heut ihm oder morgen zu handen stoszen sol S. Dach
ged. 117 (
Reinicke Fuchs [1650] 362); thuet alles frei dahin, wie es yhm
zu henden stöszet Luther 7 17, 1, 119
Weim.; (
neben handen
s. o.:) des ... mir zu händen gestoszenen vilfältigen unglücks Butschky
hochd. kanzelley 646. II@7@c@aα)
seltner mit dem sing.: der seltsamest bosz, ... der mir auch villeicht mein lebtag nicht mehr also zu hant stoszen wirt Lindener
rastbüchlein 15; doch ist im under anderm ein wunderbarlicher handel zu hand gestoszen
Amadis 106; was ihm zuo hand stiesze, allzeit eylends gen Zürych zuo wüssen thun Stumpf
Schweytzerchron. (1606) 745
a; wann ich zeuch auch weit umb im landt, ob er mir etwan stiesz zu handt Hans Sachs 12, 363
Keller-Götze; west du, was mir und deinem heer zu handt wer gstoszen auf dem meer, du würst unnützer sorg vergessen 13, 523
Keller-Götze; du solt uns jetz etwas nüws sägen, wie es in frömden landen stand und was dir gstoszen sy zuo hand
schweiz. schausp. 1, 266
Bächtold; auch: aber eh sie reichten das landt, stiesz ihn manch gferlichkeit
zur handt Wickram
w. 8, 133; denn dasselbig (
klug sein) hat bestand, wenn uns unglück stöszt zur hand
Reinicke Fuchs (1650) 113 (
neben zu handen). II@7@c@bβ)
in verbindung mit entsprechenden begriffen, so neben begegnen: anderst sein wir, wann uns freud begegnet, ... anderst wann uns traurigkeit zu hand stöst Schweickhart
gr. zu Helfenstein
Basilius Magnus (1591) 185.
neben treffen: wann uns ein unglück treffen und noht zu handen stoszen würde
Nürnberger biblia v. 1662 (3.
Macc. 2, 10). II@7@c@gγ)
vereinzelt unter handen u. ä.: das wir stracks hynach (
nach gottes wort) faren und zurück schlagen alles, was uns unter handen stoszen odder im wege liegen kann Luther 28, 25
Weim.; wers elend baut und fremde landt, dem stöszt mancherley untert handt Hans Sachs 9, 517
Keller; vil unrhats stöszt mir unter hend 18, 114
Keller-Götze; neben betreffen: damit alle diese widerwärtigkeit, kummer und sorgen, so mir das vergangene jahr unterhanden gestoszen, gänzlich von mir hinweg sein und dies jahr nicht mehr betreffen mögen Schweinichen
denkw. 516.
stoszen lassen neben zuschicken: kummer und sorgen, so der liebe gott mir zugeschicket und unterhanden hat stoszen lassen
ebenda. an die hand: (
nicht wissen,) wann im ein schiff, so in Portugal schiffen würd, an die hand stiesz Wickram
w. 2, 234; als ihm eine kleine gelegenheit an die hand stiesze Xylander
Polybius (1574) 44; als ihm ... ein bequemer guoter nachwind an die hand gestoszen, hat er alle segel aufgespannen 36; (
die möglichkeit,) so inen mit der zeit gelegne freundt und bundsgenossen an die hand stieszen, dieselben anzunemmen 132; sy ... raubten in sieben meil wegs was yn an die hand stiesz S. Franck
chron. 209
a; darumb wann es sich gibt, dasz solch glück, fuog, oportunitet, gestalt und gelegenheyt an die hand stöszt, das Cato occasionem nennt
sprichwörter, sch. w. klugreden (1548) 178
b; magst dein tochter, son, wahr auf ein stund eim versagen und verhalten, dasz dir ein solcher werber oder kaufmann nimmer mehr an die hand stoszt
ebenda (
für '
die rechte gelegenheit verpassen'); damit uns nit bösers an die hand stiesz, dan man villicht in guoetigkait erholen möcht J. v. Watt
deutsche hist. schr. 3, 333;
hier wie in folgendem häufig in der neueren sprache dafür zustoszen (
s. u.). er nimpts an wie ein ander frey werk, das im on sein erwelen
auf die hand stoszet Luther 6, 214
Weim. wer vor vierzig jaren nicht witzig wirt, weyl ihm vil sachen indes seind
vor handen gestoszen, do ist hoffnung aus Agricola
sprichw. z 1
b — alle glückseligkeiten, so ihm in der fremde
obhanden stoszen Neumark
poet. u. mus. lustwäldchen (1652) 48. II@7@dd)
unter augen stoszen
als ein verstärktes '
sichtbar werden',
vgl.auge (
th. 1
sp. 791
unter 5): das hat er (
Abraham) alles aus den augen gesetzt, nicht darnach gerichtet, so das er fülete und ihm unter augen stiesz, ... Luther 24, 318
Weim.; was wird yhm (
Abraham) in den hundert jaren unglücks unter augen gestoszen sein? 428; (
dasz) der tod unter die augen stöszt 17, 1, 296, 16
Weim.; (
neben begegnen:) was inen begegnen und unter augen stoszen mag 4, 393
a; wenn dir auf dem wäg under augen stoszt ein vogelnäst auf einem baum
Zürcher bibel (1531)
5. Mos. 22; der verlorne son lief zum ersten zu seinem vatter, da ihm angst und noth unter die augen stiesz Val. Schumann
nachtbüchlein (1559) 227
Bolte; wenn ihm alle sachen glücklich naher gehen und kein unfall under augen stöszet Kirchhof
wendunm. 1, 49; des anderen tages seind den Dehnen drey sundische schiffe unter augen gestoszen Schütz
historia rerum prussic. (1592) 10,
a 1
b; darf mir auch die süsze lieblichkeit des anmutigen schlafs unter augen stoszen?
schausp. engl. comödiant. 216, 27
Creizenach. II@7@d@aα)
vereinzelt bei Luther
neben unter (
s. o.): wenn gleich einer (
ein frommer christ) für sie kompt und ihn in die augen stöszt, sehen sie ihn doch nicht 17, 1, 434
Weim.; obs ihr (
der welt) gleich offensichtlich gepredigt und so klar furtragen wird, das ihn in die augen stoszet 28, 198
Weim. II@7@d@bβ) zu gesichte: ein jedes ding, was ihm zu gesichte stiesz Zesen
rosenmand (1651) 17. II@7@ee)
mehr gefühlsmäszig zu herzen stoszen: weswegen uns grosze traurigkeit und melancholie zu herzem gestoszen
schausp. engl. comödianten 158
Creizenach; das gefühl des schmerzhaften verstärkt: die harten gedanken, die ihm
ans herz stoszen Herder 10, 104,
vgl. herz,
n. (
th. 4, 2
sp. 1213
unter I 4
d). II@7@ff)
auch in den weg stoszen: und, siehe da! stöszt ihm (
dem Odysseus) ein andrer bettler in den weg Herder 3, 218. II@88) ins
horn stoszen (Kramer
dict. 2 [1702], 987
a),
entsprechend oben stosz 4
d (
sp. 459)
signalmäszig, um aufmerksamkeit zu erregen; im gegensatz zu blasen (
th. 2
sp. 68),
das mehr dem musicalischen vortrag dient: (
der ausrufer musz,) wenn er sein ausrufungsgeschäft verrichtet, von zeit zu zeit dabei ins horn stoszen Klopstock
gelehrtenrepublik (1774) 74; endlich ... wird in ein horn gestoszen Göthe 25, 1 ,234
Weim.; jäger auf! seht, seht, es tagt; stoszt ins horn! — fort, fort, zur jagd! Stephanie
d. j.
singsp. (1792) 71; und als ich den hirsch an der erde sah, da stiesz ich lustig ins horn, trara! Uhland
ged. 1, 232; (
er) richtete mit zorn sich auf nach jägersitte und stiesz ins jägerhorn Rückert
w. 3, 97; vivat, und ins horn ich stosze! vivat, wie so hell es klingt, wenn es in der morgenstunde meinem schatz ein vivat bringt W. Müller
ged. 39; der postillon stiesz ungeduldig ins horn, dasz er hätte bersten mögen Eichendorff
w. 3, 45 (Heine
w. 2, 461
Elster); (bald) beginnt das geläute vom turme, und der turmwächter stöszt ins horn Pocci
komödienb. 60; nachtwächter ward ich und im zorn stiesz ich gewaltig in das horn Hoffmann v. Fallersleben
schr. 5, 118 (Kotzebue
dram. w. 18, 87,
kleinstädter 4, 3); wenn dir aber gefahr droht, so stosz in dein horn Simrock
volksbücher 1, 52 (Laube
schr. 8, 228); geduldet euch, ich stosze dort am rand der Moldau einmal noch ins horn und wecke die männer jenseits Brentano
schr. 6, 34; (Gerstenberg
Ugolino 252
nat. lit.; Fouqué
held des nordens 2, 125; Strachwitz
ged. 201); ehe ein krieg ausbricht, thut sich der berg auf, kaiser Karl kommt hervor, stöszt in sein hifthorn brüder Grimm
sagen 1, 17 (maler Müller
w. 2, 205).
selten hier das instrument im plural: lustig in die rüdenhörner stoszen Heppe
lehrprinz (1751) 243; die kleinen tritonen stieszen lustig in ihre hörner Wieland
w. 1, 248 (Müllner
dram. w. 3, 101). II@8@aa)
in andern verbindungen; dabei geringere versteinerung (
d. h. nichtbeschränkung auf den sing.)
festzustellen: vil trumeter under in stieszen in die trumeten S. Franck
chron. Germ. (1538) 270 (kaiser Maximilian
Teuerdank 219); indem man aber in die trompeten stöszt, ... bin ich mit schrecken erwacht Harsdörfer
frauenzimmergesprechsp. 7, 29; nun lasset bald in allen stetten lantraisig stoszen in trometen, dasz alles volck sich samel spat Hans Sachs 10, 119
Keller-Götze; als sie dem fuesvolk nehen detten, stiesz der drometer in drometten 22, 185; Fama! stosz in die trompeten! auf Europa! freue dich! Neukirch
ged. (1744) 241; alle augenblick stiesz der turmwächter in die trompete Caroline 1, 25
Waitz (Brentano
schr. 6, 282); jetzt ihr spielleute, jetzt ist es zeit, zu blasen! nehmt beide backen voll und stoszt in die trompeten; lasst die pauken laut und lauter donnern! Tieck
schr. 11, 29 (mit vollem munde J. E. Schlegel
w. 5, 325; laut Herder 23, 213); als sie sich in der nähe der inseln befanden, stieszen die schiffer in die mit sich geführten trompeten Platen
w. 3, 42; in die lärmtrompete stoszen Willibald Alexis
Roland von Berlin (1840) 1, 40; auf, auf, soldaten! stoszt in die trompeten! Grabbe
w. 1, 35 (Klinger
w. 1, 284).
besonders in der biblischen welt: Immanuel kömmet ... mit etlichen engeln, so in die posaunen stoszen Rinckhart
christl. ritter 104
neudr. (Zachariä
poet. schr. 9, 131; G. Forster
schr. 3, 54); kömpt denn der tag, o höchster fürst, der kleinen und der groszen, da du zum allerletzten wirst in die posaune stoszen P. Gerhardt (
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 3, 422
b).
auch: (
er) stiesz ... mit gewalt in ein pfeifchen Göthe 25, 4
Weim.; der feind kommt! da stöszt er ins pfeifchen und ruft: Mörike
w. 1, 60.
bei Luther
auch: das er die posaunen aufbleset und in die drummel stoszet 8, 281
b (
Jenaer ausg. 1555—58,
wenn nicht druckfehler für drummet). II@8@bb)
auffällig mit einem vereinzelten instrumentalen accus.: schau! es kombt ein curir daforn, dann ich hab ihn ja hörn blasen. — ja er thut das posthorn stosen J. Ayrer
Melusina 2, 5; der viert stöszt die trompeten Erlach
volkslieder 1, 361. II@8@cc)
bildlich; so zur ruhmverkündigung: und die geschichte ... würde doch hie und da in die posaune gestoszen haben, wenn er zu rechter zeit hätte sterben können E.
M. Arndt
schr. f. u. a. s. l. Deutschen 2, 221 (in die trompete irdischen ruhms
w. 1, 236, ins jubelhorn Arnim
w. 17, 267); auf denn, beflügeltes gerücht! stosz in die tönenden posaunen Weichmann
poesie der Niedersachsen 1, 21.
um eine stimmung rege zu machen, die öffentliche meinung zu beeinflussen: weswegen die zwietracht in die trompete stöszt Dusch
verm. schr. (1758) 114; Napoleon liesz seinen moniteur gegen den verfasser in die posaune stoszen Fr. L. Jahn
w. 2, 400; es ist leicht für einen staatsmann, ... mit dem populären winde in die kriegstrompete zu stoszen Bismarck
pol. red. 1, 265;
vgl. dazu: sie stoszen ... in die blecherne kindertrompet der vox populi Bettine
dies buch gehört dem könig 2, 311.
deshalb in das
nämliche horn stoszen Holtei
erz. schr. 23, 211,
wie sonst '
an dem gleichen strang ziehen; der gleichen meinung sein'
u. ä.: dasz aber auch sie in das horn stoszen, dasz ich nicht die stimmung des bei weitem gröszten teils der völker kenne, ist mir unbegreiflich Bismarck
ged. 1, 332.
so auch: so bald seine (
Fichtes) einladungsschrift abgedruckt ist, ... erhalten sie solche aus seinen briefen scheint es, er habe vor, in ein sonderbares horn zu stoszen Göthe IV 10, 157
Weim. II@99)
eine erschütterung empfangen und weitergeben. II@9@aa)
mit bezeug auf die erschütterung eines wagens auf unebner strasze: die kutsche stoszt gewaltig Ludwig (1716) 1882; kein wagen fährt so ruhig, dasz er nicht einmal stöszt Düringsfeld
sprichw. 1, 272
b; der letzte wagen stiesz abscheulich Göthe IV 11, 5
Weim. seltner transitiv: aber zartes gefühl äuszert sich wohl bei jedem, den der wagen verdammt stöszt Jean Paul
Katzenbergers badereise 1, 29
R. (
von pferden:) sehr magere und langbeinige pferde, die einen beim reiten ordentlich stoszen und werfen
M. Greif
nachgel. schr. 279.
ähnlich in hinblick auf den rückstosz (
s. th. 8
sp. 1378)
einer schuszwaffe Hoyer-Kreuter 1, 739: die büchsz hab gestoszen Fischart
Garg. 286
ndr.; die flinte stöszt, wenn man sie überladen Jean Paul
literar. nachl. 2, 181
R. einer maschine: weil eine solche schwere maschine einen starken schwung hat, so wird sie sehr stoszen Nicolai
reise 1, 6.
vgl. noch: das eckichte stöszt Herder 22, 44. II@9@bb)
auch von theilen des menschlichen und thierischen körpers; so vom angstvoll pochenden herzen: ir (
der frau) hertz stiesz, ir mund schwaig, der kalt schwaisz ir usz drang Hätzlerin 126;
vom nervösen schlagen der glieder (
bei aufregungen u. s. w.). owe, owe mir, immer wee! ach und ach sy aber schrey! ... stoszen und pliwen tetten ir arm und pein 125.
vgl. auch als sie ihn sah, stiesz ein zittern durch ihren ganzen körper O. Ludwig
w. 1, 271.
zu dem folgenden leitet über: nur zuweilen stiesz das schluchzen noch in der kehle Frenssen
Jörn Uhl (1902) 112. II@9@cc)
beim vorgang des gärens: most musz verbrausen und stoszen Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 444; das bier stöszt (
gärt) Albrecht
Leipz. ma. 218
b.
vgl. abgestoszenes
d. h. ausgegorenes bier. II@9@dd)
hierher noch: dem alten stiesz es feucht in die augen Frenssen
sandgräfin 52; der geruch stiesz mir in die nase Kramer
dict. 2 (1702), 987
a. II@1010)
im bair. (
vgl. Schmeller
2 2, 789)
entsprechend stosz
m. II 2 (
sp. 474)
vom gefrieren des wassers: da fiel plötzlich ein kelte ein, stiesz das wasser ... Aventin
chron. 98; da die Bastarner im winter über die Donau, so gestoszen hett, wollten rucken ... 89;
s. auch gestoszen
verb. 3
c (
th. 4, 1, 2
sp. 4244),
eine begriffliche verstärkung, die zum folgenden hinüberleitet: im anfang des winters, so das erste eis stoszt ...
mon. boic. 12, 262 (
z. j. 1466). II@1111)
das bewegungshafte besonders hervorgekehrt: II@11@aa)
stoszend gehen (
so als erscheinung des gichtischen alters): und der blint vatter stuond auf, er begund ze laufen und ze stoszen mit den füszen (
coepit offendens pedibus currere)
erste deutsche bibel 7, 28 (
Tob. 11, 10).
sonst besonders beim bergsteigen: nicht gleitenden noch wankenden tritts, wuchtig ans knirschende gestein gestoszen, gelangte ich nun (
mit steigeisen) rasch in höhere regionen v. Barth
nördl. Kalkalpen (1874) 294 (
vgl. auch 325). II@11@bb)
als weiterentwicklung von oben II 3
d (
sp. 526): (
die fürsten) stieszen zuohauf, wolten des bapstes ungnade nit auf sich laden, wälten Fridericum Henrici VI sun S. Franck
chron. Germ. (1538) 175;
auch: wie eine bunte schlange stiesz die abteilung durch die schwarze menschenmenge nach vorwärts Polenz
w. 8, 37. II@11@cc)
vom emporsteigen der himmelslichter über den erdhorizont, so des neumondes: (
drei tage,) eher das neu liecht an den himmel stoszt, alle morgen ... von dieser wurtzel (
einnehmen) Gäbelkower
artzneib. (1595) 1, 30. II@11@dd)
entsprechend stosz II 9 (
sp. 477)
von den bienen '
schwärmen; den alten mutterstock verlassen': stoszen wie die bienen
examinare, vernare Dentzler (1716) 2, 277
a; die bienen stoszen
apes vernant, examinant Aler (1727) 2, 1845
a; es ist gewisz, wenn der ölbaum herfürkummet, dasz da vil immen stoszen Eppendorff
Plinius (1543) 177 (
vgl. auch 176); der immen willen ..., wann dieselben stieszen, und wie die falken in ein ander land fielen Fischart
Garg. 307
ndr.; (
junge schwärme) stoszen und davon fliegen wollen Sebiz
feldbau (1579) 300; von haus mit freuden stoszen (
die bienen) in vollem flügeltrab Spee
trutznachtigall 136; auf der erde wimmelte es wie in einem bienenkorbe, der stoszen will J. Gotthelf
schr. 5, 157. II@11@ee)
von samen '
den keim hervortreiben; hervorsprieszen': damit aber der samen desto eher stosze Sebiz
feldbau (1579) 314 (
neben herfür stoszen 24). II@1212) '
im sprechen anstoszen',
statt des gewöhnlicheren stottern (
s. u.).
vgl. auch anstoszen
verb. (
th. 1
sp. 489
unter 12): lispeln, mit der zungen stoszen
balbutire Schöpper
syn. c 6
d; stoszen in der red
haesitare lingua Aler 2, 1845
a IIIIII.
reciproc. III@11)
einander: quandoque ein glid das ander stoszt Luther 34, 1, 446
Weim. (Sebiz
feldbau [1579] 123); jetzt aber seind sie (
die kardinäle) so wolfeil, dasz sie einander stoszen und verhindern Sleidanus
reden 66
Böhmer; als er (
der wolf) aber anfing zu gehen und sich hin und her zu bewegen, so stieszen die steine in seinem bauche aneinander und rappelten brüder Grimm
kinder- u. hausmärchen 1, 33.
sogar über einander: sie (
die wolke) drang auf mit solchem schwunge, dasz der schüler stürzt zu boden, und die treppenthüre suchend alle über 'nander stoszen Brentano
schr. 3, 133. III@22)
sich mit einander: und die kinder stieszen sich miteinander in irem leib
Zürcher bibel (1531) 25
c; kämpfen sagt man, wann sich zwei hirsche mit einander stoszen Täntzer
jagdgeheimnisz 1, 12; (
ein knabe,) der, wenn allein der vater ihn im hofe liesz, sich mit dem ziegenbocke stiesz: nicht wahr? das war nicht fein Gökingk
ged. 3, 184.
besonders bildlich '
im widerspruch mit einander stehen'
u. ä.: aber die lehre und das wordt stoszen sich mit eynander Luther 9, 602
Weim.; (
masznahmen,) die sich mit den hällen gebotten Christi stoszend J. v. Watt 1, 26; (
das ziel,) dasz wir kein stück und keinen umstand in den zusammenhang der ausführung hineinbringen, der sich mit dem zeugnis der h. scribenten stosze J. Bodmer
von dem wunderbaren (1740) 50; ihre (
der menschen) angelegenheiten verweben und stoszen sich mit den unsrigen Lavater
physiognom. fragm. 1, 153 (mit unsern vorstellungsarten und hypothesen Herder 6, 17). — wider einander: was nu dieser tag und diese finsternis seyn gewesen, werden wir weiter hören am vierden tag, da wird sichs widder einander stoszen Luther 24, 32
Weim.; (
innehalten,) weil sich ... der begriff von sehen und der begriff von schlafen so gegen einander stieszen, dasz nach gewöhnlicher rechnung ein unsinn zum vorschein kommen muszte Thümmel
reise (1791) 1, 119. aber schon früherhin haben wir uns auf eine art
aneinander gestoszen, die keine augenblickliche ausgleichung zuliesz Platen
tagebücher 2, 555; vernehmet, wie im unding alles durcheinander ging, im verschlossnen hasz die elemente tosend, und kraft an kräften widrig sich stoszend Göthe 16, 93
Weim. III@33)
einfaches sich stoszen: angesehen, dasz sich so vil schriften also stoszen, dasz sie nit wisten, war der grund und warheyt wehr Carlstadt
ob gott ein ursach ist des teuflischen falls (1524) B 1
a; Apollo hielt die recht mensur, das sich ir gsang und spil nit stiesz Scheit
frölich heimfart L 4
a; die rosse, die sie (
die ritter) auch so schnelle rennen lieszen, sich wie die widderböck in diesem laufe stieszen Dietr. v.
d. Werder
rasender Roland (1636) 1, 36; wenn die muse und der heil. geist, ein Gabriel und ein Apollo, eine Maria aus den gegenden das himmels und eine Diane zugleich, auf einerlei art ... poetische handlung auf dem schauplatze eines heiligen gedichtes bekommen: so stoszen sie sich in unserer seele Herder 3, 240; die wolken, die sich hier in diesem sacke stoszen, die ungeheuren felsen bald zudecken Fr. Schlegel
pros. jugendschr. 2, 36; wenn zwei körper mit gleicher grösze der bewegung in gerader richtung ... sich stoszen, so müssen beide ruhen Liebig
chemie (1843) 1, 17.
mit weiterer adverb. bestimmung: vielleicht gerathen wir also, wenn wir uns erst eine weile schwankend hin und her gestoszen haben, in ein gutes gleichgewicht Solger
Erwin (1815) 1, 7; leicht bei einander wohnen die gedanken, doch hart im raume stoszen sich die sachen Schiller 12, 243 (
Wallensteins tod 2, 2).
in der nebenordnung mit einem entsprechenden begriff die böcke stoszen oder stutzen sich Castelli
wb. (1741); die widder und alte schaaf, allweil der früheling wäret, sich oft an einander hängen und stoszen Sebiz
feldbau (1579) 44; begreifen, in wie vielfältig verschiedener weise die ansprüche der verschiedenen parteien sich reiben und stoszen mögen Görres
ges. schr. 1, 411; die andern kleinen ... stieszen und neckten sich Tieck
schr. 4, 372; die köpfe: fänden sich doch auch unsere schreibherren so zusammen, dasz sie sich nicht die köpfe stieszen, sondern die hände reichten Gutzkow
w. 11, 28.
mit instrumentaler angabe: (
es) lief alles untereinander, stiesz sich mit den ellnbogen ... ohne weitere entschuldigung Bettine
Brentanos frühlingskranz 137; sich mit den hacken stoszen Willibald Alexis
Roland v. Berlin 1, 18. IVIV.
reflexiv. IV@11)
sich stoszen (
entsprechend oben I 1)
durch unvorsichtigkeit u. s. w.: ich hab mich gestoszen Kramer
dict. 2 (1702), 987
c; wer oben ausz will und nirgend an, der stöszt sich zum ersten Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 73; wer mit dem kopf wider die mauer lauft, der stöszet sich 2, 910; wo sich der esel einmal stöszt, da nimmt er sich in acht Blum
sprichwb. (1780) 2, 66; lieber auf den gebrauch unserer gliedmaszen verzichten, als die gefahr laufen, uns zu stoszen G. Forster
schr. 9, 106; auf deinem weg sindt sie (
die engel) mit dir, dasz dich nicht stoszest ungefehr Nigrinus
von zäuberern (1592) 125; auch stül und benk trag mit herzuo (
zum tisch), damit sich niemant stoszen thuo Scheit
grobianus 1493
ndr. besonders im finstern: stoszet euch nicht, es ist finster Kramer
dict. (1702) 2, 987
b; im (
finstern) gebäude stiesz man sich, stolperte, fiel Göthe 21, 256
Weim.; er (
der blinde) treit daʒ liecht und stôʒet sich Boner
edelst. 85, 64; stoszt euch nit! ich musz finsterlich euch hinauf bringen Hans Sachs 17, 12
Keller-Götze. (
biblisch:) welcher am tag wandlet, der stoszt sich nit, dann das liecht ist in im Wickram
w. 2, 172 (Dannhawer
catechismusmilch 1, 276).
neben fallen: der nicht sorg hat, wo er sein fünf sinn hin setzt, ob er fall oder sich stosz ... dasz die schuld nun sein ist Paracelsus
opera (1616) 2, 208 (Gäbelkower
artzneibuch 1, 365); (
der läufer) sich stöszet vor dem ziel und fällt P. Fleming
ged. 1, 52;
auch: also wo der geist hin wil, da stöszet er sich, dasz er daumelt und musz fallen Luther 26, 489
Weim.; mit adverb. bestimmung: (
der riese) strauchelt uber ein stock und stiesz sich so hart, dasz er zurück fiel
buch der liebe (1587) 15
c; sich nicht so hart stoszen Sebiz
feldbau (1579) 118. (
bergmännisch) die wetter stoszen sich,
wenn sie bei ihrem durchziehen durch einen grubenbau mit krümmungen und biegungen an den vorstehenden ecken an- und zurückprallen (Veith 470).
hierher ein bildliches sich gesund stoszen
während und nach dem weltkriege '
sich schnell und auf unehrliche weise bereichern'
; vgl. sich gesund machen '
seine schulden abstoszen'
und oben I 9
f (
sp. 519). IV@1@aa) sich in das auge stoszen
u. s. w.: quandoque wil sich einer krawen und stost sich ins auge Luther 34, 1, 446
Weim.; besonders aber woran: (
wünschen,) dasz gott die waden vorn hingesetzt hätte, weil man sich so oft an die schienbeine stosze Göthe III 3, 227
Weim. (Heinse
w. 10, 211); wer sich an ein schienbein stöszet, der hat grosze, kurze schmerzen Logau 460, 97. IV@1@bb)
so vor allem die local gefaszte äuszere ursache des stoszes: IV@1@b@aα)
eigentlich: an einen stein
u. s. w. an einen groszen stein, der an einem ort im weg gelegen, pflegten sich viel zu stoszen Lehmann
floril. polit. (1662) 2, 715; herr, hebt auf euere payn, das ir euch nit stöszt an ain stain!
altdeutsche passionssp. aus Tirol 160; der unerweichte stein, an den sich alles stöszt, zerfleuszt, von deiner hand zermalmt und aufgelöst Weichmann
poesie der Niedersachsen 1, 54; wer sich an den stein gestoszen, springt in die höh Arnim
w. 1, 147 (Fouqué
held des nordens 1, 112; O. Ludwig
w. 2, 185); (
sprichw.): ein stein ist auch from, man stoszt sich übel daran S. Franck
sprüchw. (1541) 1, 28 (Lehmann
floril. polit. [1662] 1, 242; Harsdörfer
frauenzimmergesprechsp. 1, L 2
a). IV@1@b@bβ)
besonders bildlich verwendet; vgl. auch anstosz m. (
th. 1
sp. 486),
zunächst das zu grunde liegende bild noch deutlicher durch den stein des anstoszes
u. ä. herausgearbeitet: hüte dich ..., dasz du nit dich verschuldest und dinem nechsten ursach gebest zu sünden, im ein struchstein legest, daran er sich stoszt Keisersberg
bilgerschaft (1512) 3
a; (
es) stoszen sich noch ... vil an disen stein (
das verhältnis gottes zum papstthum) Sleidanus
reden 62
Böhmer; aber sie waren grosze männer, die sich nur an den gröbsten steinen des anstoszes stieszen
neuestes aus der anmuth. gelehrsamkeit 7, 786; wer sich an Christum stöszt (er ist ein felsenstein), zerschölt: wer ihn ergreift, kan ewig sicher sein Angelus Silesius
cherub. wandersmann 115
ndr.; wer an den stein sich stöszt, der kann kein Deutscher sein Rückert
w. 1, 101; so hab ich den trockenen ast, an welchen sie sich stieszen, sogleich abgehauen Solger
nachg. schr. 1, 434.
der begriffliche inhalt in mannigfacher färbung, vom einfachen '
bedenken haben'
über '
eine sache als hinderungsgrund ansehen'
bis zum '
ärgernis nehmen': stoszet euch nicht hieran Kramer
dict. 2 (1702), 987
b; ein solcher (
der auf Christus gebaut hat) soll sich an nichts stoszen Arnold
kirchen- und ketzerhistorie (1699)
vorr. 46; was ihnen gleich einleuchtet, das nehmen sie wohl willig auf, über alles, woran sie sich nach ihrer art stoszen, urtheilen sie auch schnell ab Göthe IV 11, 119
Weim.; mögen die groszen sich dran stoszen E.
M. Arndt
w. 5, 352.
besonders lebendig an mit dem accus. der richtung: an disse wort stoszen sich ettlich auch der gelerten und maynen, Christus hab hie nit den andern backen dar gehalten, wie er geleret hat Luther 6, 37
Weim.; wie die werkheiligen sich stoszen an die schrift, meynen, es sey ein schlechter tand 24, 370; nur wird man sich an die gleich folgende zeile stoszen Lessing 10, 155
M (Liscow
schr. [1739] 210); wie können sie sich so an das äuszere stoszen? Lessing 3, 226
M; stoszen sie sich nicht an sein äuszeres, besonders nicht an seine nase H. Heine 3, 296 (O. Jahn
Mozart 3, 465); und wer sich bis anher an ihre blösze stiesz, der nahm die wahrheit an, die jetzo fabel hiesz Lichtwer
fabeln (1748) 50; ich bin zu sehr ihr freund, um mich an unzeitige bescheidenheit zu stoszen Kretschmann
w. 3, 65; also stosze man sich nicht, weder an prophetische visionen, noch an wunder und zeichen Herder 12, 53; bei der religion stosze man sich nicht an das wort 'christ' 16, 301 (
neben an dem worte substanz 440); und die sich an die ehe stoszen, weil sie so wenig ehen sehn, die, weil sie erst aus gott geflossen, auch wiederum zu gotte gehen Zinzendorf
ged. (1766) 58;
so neben nur vereinzeltem am (
s. u.)
bei Göthe: sich an die form (
Shakespeares) nicht stoszen 21, 290
Weim.; ein wahrer philosoph — stoszet euch nicht an diesen ausdruck — 24, 253 (an den titel IV 37, 9); stoszt euch nicht an die weiszen läppchen und barbarischen uniformen IV 22, 16; nun stöszt sich der gute mann an ein äuszeres höflichkeitszeichen IV 22, 50; stoszt euch an meine rede nicht, ihr herrn Schiller 12, 161 (
Piccol. 4, 4). an die lächerlichkeit des widerspruchs Bernhardi im
Athenäum 3, 213; dies wird darum erinnert, damit niemand sich an die anscheinde nichtigkeit und unzulänglichkeit unserer auflösung stosze Fichte
w. 1, 130 (an ausdrücke Holtei
vierzig jahre 1, 29); er würde immer fürchten, irgend ein schwachkopf auf einer der inseln im stillen ocean könnte sich an eines seiner harten worte stoszen Börne
schr. 1 xx; Schiller hatte den Wallenstein erst in prosa begonnen, bald aber sich an die trockenheit gestoszen O. Ludwig
schr. 5, 269; wenn sonst jemand lust hat, zu kommen, so wird er sich an zwei tagereisen nicht stoszen Moltke
schr. 5, 86; mögen sich die räthe der krone an misstrauen und misstrauensvoten nicht stoszen Bismarck
pol. reden 1, 304.
rein local gewendet und so begrifflich abschwächend: denn man stöszt sich hie an der geringen summa, dasz man einen acker umb so ein schlecht gelt hingeben solle Mathesius
Sarepta (1571) 171
b; heiszt marzipan soldatenbrot? so aszens nur die groszen, der arme knecht der mag sich nur am pumpernickel stoszen Logau 354, 45
E.; der recensent stöszt sich an einer definition Kant 5, 120; das gefühl des erhabnen stöszt sich an nichts so sehr als am vielen, vergeblichen Herder 22, 277 (bald an der widerwärtigkeit, bald am übermaas der bilder 16, 19); er führe die zeugen auf, die sich an meinem lebenswandel stoszen Göthe 38, 279
Weim.; in den krankengeschichten werden sie sich an der humoralpathologie nicht stoszen und solche in eine andere sprache, vielleicht jetzt in die hahnemannische übersetzen IV. 33, 59; (
sich) an solchen nebensachen nicht stoszen Miller
briefw. dreier akad. freunde (1778) 1, 32; ihr werdet euch an meinem antrag stoszen
Shakespeare 8, 267 (
Heinrich VI: III 3, 2); an der form Fr. Schlegel
Athenäum 2, 297; ich nahm die königliche zustimmung ... gern entgegen, ohne mich an ihrer unverbindlichen form zu stoszen Bismarck
ged. 2, 68.
auch: stoszen sie sich nicht an dem etwas herben ton dieser antwort Gentz
schr. 4, 212; sie stieszen sich ... schon an den 45 jahren dieser schauspielerin Gutzkow
w. 7, 92; das glücklichste organ erfährt seine ungeschmeidigkeit, wenn es sich erst am spröden stoffe stöszt Fr. Th. Vischer
ästhetik 3, 12; (
bitten,) sich nicht an dem beständigen wiederkehren der schimpfnamen zu stoszen S. Brunner
erz. 1, 257; sich an dem lehrgehalte des johanneischen evangeliums nicht minder als an seiner geschichtserzählung stoszen Strausz
leben Jesu 3, 127; der könig ... hatte sich an der forderung von 2000 thaler gestoszen Justi
Winckelmann 2, 2, 310.
als gegenstand personen: ich stiesz mich zuerst an der person Jesu Schubart
leben 1, 107; viele gleichgültige und unwissende spötter ... stoszen sich an der dreiheit in der einheit E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. l. Deutschen 3, 449. nun weiszt du alles ... nun wirst du weniger dich an mir stoszen Hölderlin
dicht. 2, 121
L.; von dieser grenzenlosen lauheit und schlaffheit der Berliner hat eben nur der eine vorstellung, der sich in jeder minute, wie ich zur stunde, an ihnen stöszt
br. v. u. an Herwegh 66.
mit adverb. bestimmung: viele von den idealisirenden stoszen sich mit eckel an dem gegenstande Fr. Schlegel
Europa 2, 99.
sich daran stoszen, dasz ...: hieran stöszet er sich am meisten, dasz ... Kramer
dict. 2 (1702), 987
b (Hohberg
georgica 3, 327
a; Gottsched
deutsche sprachkunst 23); die hohe kirche stiesz sich daran, dasz das christentum vernunftmäszig sein sollte Herder 23, 138; er stöszt sich nicht daran, dasz man ihm dichtung und wahrheit anbietet Göthe IV 23, 274
Weim. (Gerstenberg
Hamb. n. ztg. 278
lit. denkm.); ohne sich daran zu stoszen, dasz wir beide nicht so viel geld hatten Bahrdt
leben (1790) 1, 51; wir wollen uns nicht daran stoszen, dasz wir andere röcke tragen und andere hüte E. Th. A. Hoffmann
w. 6, 16.
vereinzelt: also haben auch die sophisten in den hohen schulen sich dran gestoszen, da sie die beide (
sprüche) nicht kunden mit einander reimen Luther 11, 245
Weim.; damit kein leser sich dran stosze, was dieses für eine ruthe sey, so soll er wissen ... J. Prätorius
glückstopf (1669) 14; wenn sie hätten gehen wollen, so würde er sich nicht daran gestoszen haben,
wenn sie ihn verlassen hätten Klopstock
briefe 73 (
an Bodmer)
Lappenberg; es scheint, ... dasz man sich alsdann auch nicht prinzipiell daran stöszt, wenn sie fortfahren ohne busze, ja mit rühmen sich zu ihrer wurzel im unrecht (
der illegitimen geburt) zu bekennen Bismarck
ged. 1, 200.
in älterer sprache in der verbindung sich stoszen und ärgern: Simeon redet von Christo dermaszen, dasz sich viel Juden an ihm stoszen und ergern Luther 10, 1, 1, 394
Weim.; werden wir uns an Christo stoszen und ergern 28, 358; das ist, so zu leben, dasz sich niemand an mir stoszen noch ergern kann 6, 54
b (
Jena 1561); dasz sich die feinde des herrn Christi und dieser jetziger seiner leer daran stoszen, ergern und gentzlich schliszen, dasz nit müglich sey ..., dasz sie von gott sey Musculus
hosenteufel 20
ndr.; darumb soll sich an dem titel niemand stoszen noch ergern
theatr. diabol. (1569)
vorr 1; wiederum strafet er die hochbedunckenden menschen, die sich ob den einfältigen stoszen und ärgern Luther
bei J. Arndt
theologia (1631)
A 2
a.
mit adv. bestimmung: darumb kriegen auch die tollen fursten und bischoffe nicht viel rechtschaffener christen für sich, sondern gemeiniglich narren oder schwermer, daran sie sich feindlich stoszen und ergern Luther 17, 1, 434
Weim. neben anlaufen: sondern an Tertulliani spruch hat er angelaufen und sich dran gestoszen, dasz er ist yrre worden 26, 386. IV@1@b@gγ)
aus dem begriff des abschreckenden entwickelt sich '
ein beispiel daran nehmen': ich stosz mich an eins andern unglück
fruor aliena insania Alberus (1540) kk 3
a; sich an eines seinem bösen exempel stoszen Kramer
dict. 2 (1702), 987
b; ist si der sach (
d. h. ehelicher untreue) überzeugt, so soll man dar zuo tuon, dasz sich ander frowen daran stoszen
summerteil der heiligen leben (1472) 78
a; also hat got Pharaonem ... langsam gestraft, dasz sich ander daran stieszen und erindert wurden der gotlichen kraft Berth. v. Chiemsee
teutsche theologey 271; wie vor zeiten bei den Römern gewesen ist, da man solchen flugs auf die hauben greif, dasz sich andere daran stoszen muszten Luther 4, 403
a (
Jena 1566); ich meynete, Paris, Lowen und Collen hette grobe esel, und dise wolberümpte universitet sollt sich an denselben gestoszen haben, aber ich sehe, dasz eyne wie die ander ist 15, 125
Weim.; hette man meynem rad ... gefolget und flux eyn bauern oder hundert dran gewagt und auf die köpfe geschlagen, dasz sich die andern dran gestoszen hetten, so hette man damit viel tausent erhalten 18, 393; das sol man ... allezeit in frischem gedechtnis behalten, davon singen und sagen, auf dasz sich ein jeder dran stosze und from sey 28, 512; dasz ich sölichs gern hab anzeigt, nit dasz ich hoff, dasz ir üch daran stoszen werdind, sunder dasz ich dheinen zwyfel hab, die frommen wächter oder pfarrer werdint sölchen weg an die händ nemen Zwingli
deutsche schr. 1, 338; sundern die oberkeit setz die bösen regierer ab, und thuo inen nach irem verdienst, uff dasz die andern sich daran stoszen H. Gebwyler
beschirmung des lobs Marie (1523) 37
a; so sollen die missethäter ... gestraft werden, damit sich andere daran stoszen Reuter v. Speier
kriegsordn. 33 (
urk. z. gesch. Maximil. I
s. 73); disz hab ich von den münchen geschriben, damit sich andere daran stoszend und ihren orden steyfer halten Montanus
wegkürzer 81, 19
B.; aber die schelmen stoszen sich nit daran, meynen ymmer, sie wöllen etwas darvon bringen, bis sie gar an den galgen kommen
V. Schumann
nachtbüchlein 233
Bolte; wann man solchen schlepsecken allen so thet, so wurden sie sich daran stoszen und sich nicht so gleich undter einen strecken Lindener
rastbüchlein 36
L.; gott schlegt oft die kleinen hündlein, dasz sich die alten dran stoszen und bessern Petri 2, G g 4; auch haben wir ihn oft darumb gestrafet, aber unser straf nie so müglich gewesen ist, dasz er sich daran hett wöllen stoszen
buch der liebe (1587) 140
d; damit, so wir nicht an frembdem schaden haben weise werden wollen, doch an unserm eigenen unglück uns stoszen Moscherosch
insomnis cura parentum 139
ndr.; er wolle ein exempel an ihm statuiren, dasz sich ein ander daran stoszen und lernen soll, wie er sein maul im zaum halten solle Schupp
freund in der not 32
ndr.; daran gleichwol die bauren im Brisgou sich nicht gekehret noch gestoszen, sondern gleichfalls zusammen rottiret Chemnitz
schwed. krieg (1653) 2, 45; und helffet richten das crucz mit em entbor, das hie stehe den bosen vor, dasz sie sich an em stoiszen und nicht werden sin genoszen!
Alsfelder passionspiel 177
Grein; man sol in richten mit dem strang und an den lichten galgen hang zu spodt und schandt vor iederman, dasz sich ein ander stosz daran H. Sachs 13, 232
Keller-Götze; 'unser brüder hond wir gelaszen, bringt uns gar ain kleinen gwinn' daran mag sich ain ieder stoszen, wer hab verstand und sinn R. v. Liliencron
histor. volkslieder 4, 335 (
z. j. 1546); drumb wil ich gewarnet han, es wöll sich menklich daran stoszen
tragödia Joannis (1549) A 2; an syn (
des Moses) warnung sond wir uns stoszen, uns leidt sin, was wir hand begangen, so werden wir gotts gnad erlangen
schweiz. schausp. 2, 161
Bächtold; manch redlich man ist syn verdorben, noch stoszend jr üch nit daran H. R. Manuel
weinspiel 3268
ndr.; so frag ich üch jetz wyter drumb, wie man gen im sol halten sich, ... damit sich mengklich stosze dran, und nit usz eynem will und gwalt ein ieder mache was im gfalt 3583; die rychen stieszend sich nüt dran, dry gulden (
die sie strafe zahlen muszten) sy lychtlich verachten 3767; wenn übels thut ein ander mann, so meid dasselb und stosz dich dran Ringwaldt
lauter wahrheit 167. IV@1@cc)
vereinzelt, vielleicht unter dem einflusz von einen über den tölpel stoszen (
s. oben I 2): sie pochen mit unserm hergot: ich habe solche wergk gethan, darumb sol mich got bezalen; der stoszt sich über got Luther 29, 463
Weim. im folgenden wohl unter dem einflusz des nebengeordneten begriffes: ich weisz wol, dasz vil erfunden werden, die sich fast ergeren und stoszen ob sollicher ordnung Eberlin v. Günzburg
schr. 3, 30
ndr.; es verwundern und stoszen sich vil darob, dasz ungerische taibücher disz laster von der königin Gisla anzeigen Feyerabendt
ungarische chronica (1581) 104
a. IV@22)
ein unpersönliches es stöszt sich daran '
findet widerstand und schwierigkeiten'
u. ä. IV@2@aa)
den übergang von dem vorigen bilden verwendungen: damit endlich an der hertzoge von Mechelburg restitution der friede sich nicht stoszen möchte, ward ihnen in commission gegeben ... Chemnitz
schwed. krieg (1648) 1, 10; mit der vollmacht, dasz wenn über hoffen der friede sich an etwas stoszen möchte ... Lohenstein
Arm. 2, 1332
a; seine begriffe stoszen sich an allem Gerstenberg
Schlesw. litbr. 96
lit. denk.; die vollziehung des vertrags stiesz sich zwar noch an einige formalitäten, doch ward er schon im sommer 1630 als definitiv betrachtet Ranke
w. 38, 363. IV@2@bb)
belege: die schwürigkeit, es also abzufassen, dasz beyde theile sehen, wie man in den grundsachen einig, und zu einer commission treten könne, denn daran stöszet sich alles Leibniz
deutsche schr. 2, 259; was war es, woran es sich stiesz? (
dasz ein gütliches abkommen nicht erfolgte) Ranke
w. 16, 128. an eines: was fehlt denn aber sonst? stöszt sichs denn an die kleider? J. E. Schlegel
w. 3, 530; (
nicht dankbar genug,) dasz sie uns einer so nahen verbindung gewürdigt haben. allein es stöszt sich noch an eine sehr grosze schwierigkeit Lessing 2, 119
M (
freigeist 5, 4); freylich wäre es ein glück; aber es stöszt sich an die austeuer 2, 143 (
schatz 4); an getreide war in der stadt auf jahr und tag ein genugsamer vorrath vorhanden; allein am mahlwerk wollte es sich etwas stoszen Chemnitz
schwed. krieg (1648) 1, 358; es stöszt sich nur an dem kleinen umstande der macht, so gingen die rezensirten eben so mit ihnen (
den rezensenten) um wie Dionysius mit den tadlern seiner verse W. Schlegel
Athenäum 1, 2, 16; es stöszt sich daran, dasz: (
alles) stöszt sich hier daran, dasz der mammon der ungerechte mammon heiszt; und das anstöszige wird wegfallen, wenn ... J.
M. Miller
predigten fürs landvolk 2, 165; die Reimer - Hirzelsche verlagssache wird, hoffe ich, doch ihr rechtes ziel erreichen. wie ich glaube, stöszt es sich hauptsächlich daran, dasz die verlagshandlung sie beide blos als redactoren betrachtet hatte Dahlmann
an Jacob Grimm (
briefw. 1, 178); wie gehts dann zu? (
dasz zank im himmel ist) was ist die sach? woran sichs stöszt, das kuntbar machen, wir habens allbereit vernommen, dasz ihr nicht überein könnt kommen Hayneccius
Hans Pfriem 38
ndr. (
consecut.): woran es sich aber gestoszen, dasz es nicht vor sich gegangen, ist mir gar nicht wissend Schweinichen
denkw. 23. (
vereinzelt): nunmehr hassen sie einander so sehr, als sie einander zuvor liebten. es stöszt sich nur daran, wer von beyden den hof meiden soll, weil sie beide sich sehr wohl daselbst befinden J. E. Schlegel
w. 3, 191; es stöszt sich nur noch daran, auf was für art er zu ihr kommen könne Adelung
magazin 2, 4, 40. IV@33) sich stoszen '
auf schwierigkeiten gerathen'
u. s. w.: alspald sich die teiding zu Nuremberg gestoszen heten, so wolten sie für unser stat gezogen sein
städtechron. 1, 165; dasz sich das concilium so schier stoszen als fürgängig seyn möchte Pontanus (
bei Melanchthon
opera 3, 147); es hat sich auch dieser vertrag sonderlich gestoszen des Achei halben Xylander
Polybius (1574) 300; wie es dann gwonlich gat, dasz im glückfall vil helfer sich erzeigend, und so bald sich die sach stoszt, so wicht einer nach dem andern ab Ä. Tschudi
chron. helvet. 1, 166.
selten von personen: kam gen Constantinopel der persisch gesandte, im friden zu handlen: der stiesz sich im ersten antritt, weyl jetlicher Mediam fur sich behalten wolt Stumpf
Schweytzerchron. (1606) 31
b. IV@3@aa)
besonders beliebt auch hier das unpersönliche es stöszts sich: da stöszts sich
hic impingitur Alberus (1540) k k 3
a; das stoszet sich oder es reimt sich nicht mit der gemeinen meinung Ludwig (1716) 1881: es stöszet sich, wer bezahlen soll Kramer 2 (1702), 987
b; hier stöszet sichs
ebenda; do ligts an und da stöszet sichs, wer die christliche kirche sey? Luther 33, 455
Weim.; da stöszt sichs, quod alii etiam pastores volunt esse et docere 34, 1, 332; es stoszt sich, quia adest Sathan, caro et mundus 34, 1, 446; aber hie stöszt sichs, und scheidet sich ihre treume und unser gewisse lere Mathesius
Sarepta (1571) 184
a; 'es ist noch mehr zu thun als jemand darf vermeinen' in wahrheit, wie ich seh, es stöszt sich hier und dar (
d. h. die vollstreckung eines todesurteils zieht sich in die länge) A. Gryphius (1698) 1, 288. IV@3@bb)
vereinzelt in syntaktischer erweiterung: desgleichen hat auch gethan der jetzige regierende herzog zu Würtemberg ... es hat sich aber bei dem marggraf Ludwig von Baden etwas gestoszen Leibniz
deutsche schr. 2, 298; es mag wohl sein, dasz mehrgedachtem Ottoni der huth durch alles dieses trefflich gestiegen, weil er mit seinen völkern bis nach Würtzburg streifte ... jedoch es stiesz sich mit ihm an allen orten Hahn
teutsche staats-, reichs- und kayser-histor. (1721) 4, 62; es hat sich ja auch lange genug damit gestoszen, bis sie ihn im kapitel durchgebracht haben (
d. h. seine erwählung zum bischof) J. Wolff
raubgraf (1886) 56. IV@44)
vom kampf der elemente sich stoszen '
im anprall seine gewalt und kraft verlieren'
u. s. w.: (
man) leszt den blas nit mitten in ofen gehen, sondern an ein eysernes rohr, dasz gegen einen winkel gesteckt und gericht ist daran stöszt sich der wind Ercker
mineral ertz (1580) 105
a; der sturm, der sich bis dahin an die Tyberinsel gestoszen, ... A. U. v. Braunschweig
Octavia 4, 203; daselbs ligt ein verborgen ort und insul, die macht einen port, darinn das wasser stoszet sich, und wütet nit so grimmiglich Spreng
Äneis 5
b;
auch: da man, wenn die sonne anfängt zu stechen und heisz zu werden, solche (
zur mast bestimmten weideochsen) an einen schattigen ort bringet, und sie so lange dorten grasen lässet, bis sich die hitze gestoszen Chomel
öc. lex. 6, 587;
bildlich: Olympia dachte alsofort nach, an was für klippen sich die zornwellen dieses wüterichs gestoszen haben müszten Lohenstein
Arminius (1689) 1, 239
a; hier das ufer? — hier in diesen grotten stranden eurer wünsche stolze flotten? hier — wo eurer grösze flut sich stöszt Schiller 1, 342;
zugleich unter dem einflusz von oben 3: und ist (
das alter) also des lebens summen, drinn all unfell zusammen kummen, damit der sachen werd ein endt, im alter sich alles stöszt und wendt B. Waldis
Esopus 2, 35
Kurz. IV@55) sich stoszen '
sich irren, einen fehlschlusz thun'
u. ä. vgl.: (
kein) wunder, ob er yrre, sich stosze, falle, unfürsichtig handele Agricola
sprichw. 52; haben viel groszer trefflicher leut darynn gefelt und stoszen sich yttzund viel groszer prediger, wissen den Mosen nicht zu predigen Luther 16, 393
Weim.; darum sich diejenigen stoszend, die vermeinend, dasz die möncherei in Gallien oder Frankreich von
s. Benedicten har iren ursprung habe J. v. Watt 1, 12 (
vgl. auch 1, 37); dann ob sie schon . . sich auch in dem nit wenig stieszen, dasz sie mit iren menschlichen satzungen verstrickten Stumpf
Schweytzerchronik (1606) 81
a; hier stoszen sich Gebwyler und die, so Sigibertum könig Thietrichs ... sohn wöllen hie entrunnen ... und von im die alten ... grafen von Habspurg abkommen sein 310
a; (
schwarze weissager) im vorsagen des gewitters sich oft grob . . gestoszen und järlich stoszen Guarinonius
grewel der verwüstung (1610) 31. IV@66)
sich stoszen lassen, so entsprechend oben I 2: denn erstlich alle republiken den königen verhasset seind, weil solche ... sich nicht leicht übern stock stoszen lassen Leibniz
deutsche schr. 1, 243; er hat sich von mir lassen übern tölpel stoszen Lessing 2, 27
M; (
Wallenstein, der) durch die macht der umstände sich in die richtung stoszen läszt, die er aus eigener willenskraft nicht einschlagen kann O. Ludwig
schr. 5, 279. VV.
adject. gebrauch des partic. V@11)
stoszend. V@1@aa)
so im eigentlichen sinne entsprechend oben I
ff.: ein ochs, oder stoszend kuohe
cornipeta Alberus (1540) 59
a; ein stoszender ochs, bock Kramer
dict. 2 (1702), 987
b; stoszend pöck Albr. v. Eyb
spiegel der sitten (1511) 188
a; im schilde einen stoszenden stier (
führen) Lohenstein
Arminius 2, 445
b (
auch 2, 207
b); sei nicht ein stoszender ochse, denn wer seinen nächsten stöszet und untertritt, den wird der herr wieder stoszen Möller
erklärung der evangelien (1729) 39
b; gleich stoszenden widdern Jacob Grimm
kl. schr. 3, 34: gleich wie man die hörner verbind eim stoszenden ochsen als balt
griech. dramen 2, 10
Dähnhardt; der fuchs legt sich an rugken und empfacht also den stoszenden adler Heuslin
Gesners vogelbuch (1557) 2
a; dieser stosz wird um so kräftiger sein, der stier wird um so eher den raubtieren widerstehen, je stärker und härter die stoszende stirne ist Strausz
schr. 6, 126; stoszendes betragen der schweine
vgl. Oken
naturgesch. 7, 1131; das tiefe, unruhige, stoszende geflatter der dohlen O. Ludwig
schr. 1, 359;
auch: die linke hand macht eine von sich stoszende bewegung G. Forster
schr. 3, 51.
technisch: stoszendes werkzeug, rammen allerlei art Benzler
beim deichbau vork. kunstwörter 2, 213; die stoszende bewegung (
einer bohrmaschine) Lueger 2, 610; bohren mit stoszender wirkung des werkzeuges Karmarsch-Heeren
3 1, 696; für das stoszende bohren dient der meisselbohrer 9, 465; (
bald) kam ein stoszender wind auf Frenssen
Hilligenlei 37 — heute hab ich ihn (
den vater) auf eine tour 4 meilen weit in einem stoszenden wagen begleitet Pauline zur Lippe
an Christian v. Augustenburg (1791) 161; so schonungslos hin und hergeschüttelt auf den stoszenden wägen Holtei
erz. schr. 13, 1;
begrifflich anders gewendet: stoszende wege, wind und schnee verleideten uns bald die konversation
jb. d. Grillparzer
gesellsch. 1, 116; (
bildlich) durch die gefühle stoszender erniedrigung krampfhaft geworden Pestalozzi 8, 277. V@1@bb)
besonders entsprechend oben II 4: (
das mädchen) war unterdessen in eine von den alleen des an ihre wohnung stoszenden gartens gegangen Löwen
schr. (1765) 3, 62; (
er) eilte nach der kirche des heiligen Quirinus, und suchte sicherheit in dem daran stoszenden taufsaal Zimmermann
über die einsamkeit 2, 379; denn nicht allein die dortigen schönen besitzthümer des fürsten, sondern ... sämmtliche daran stoszenden reviere waren uns zugänglich Göthe II 6, 100
Weim.; der neue besitzer des ehemaligen hertelischen hauses ... gedenkt den an meinen garten stoszenden theil seines gebäudes zu verändern IV 29, 72
Weim.; aus dem daran stoszenden gebirge Aurbacher
volksbüchlein (1835) 31; den Markusplatz ... und den an diesen stoszenden kai Gaudy
w. 13, 7; die hintere, an einen feldweg stoszende begrenzmauer des gartens Seidel
vorstadtgesch. 175.
von der folge der zeit: das daran (
an 1654) stoszende 1655 igste jahr Brandis
des tirolichen adlers immergr. ehrenkräntzel (1678) 225;
auch: warum wird denn aber das ans gelbe stoszende grün niemals sichtbar Göthe II 2, 194 (
farbenlehre)
Weim. weiter ausgestaltet: die nechst daran stoszenden zwey heuser Nas
antipap. eins und hundert (1567) 1, 59
b; das nahe daran stoszende fremdenzimmer
vgl. Lohenstein
Arminius (1689) 1, 393
a; ihr kennt ... die beiden
an einander stoszenden zimmer, die ich mit meiner selgen frau bewohnte Göthe 9, 152
Weim.; Jacob und Wilhelm Grimm hatten in ihren schuljahren an einem tische gearbeitet ... zuletzt in zwei an einander stoszenden zimmern Scherer
kl. schr. 1, 6. V@1@cc)
adverb: wie hat mein gnädiger könig geruht? — dero puls, wenn ich bitten darf, — ei! ei! wie hastig! wie unzusammenhängend! wie stoszend! Tieck
schr. 3, 277.
in dem sinne von '
dringend, drängend': wenn der herzog nicht antwortet; so schreib ich wieder deszwegen feurig und drückend und stoszend an deinen hrn. obrist Schubart
briefe 2, 167. V@22)
pass. gestoszen. V@2@aa)
von einem stosz getroffen: dann soll er (
der habicht) den gestoszenen raub halten, so ist vonnöten, dasz er einen krummen schnabel und klauen habe Sebiz
feldbau (1579) 571. V@2@bb)
durch stoszen
und stampfen zerkleinert (
entsprechend oben I 1
d): gestoszne zimet oder negelin haben mehr dann gantze kraft S. Franck
sprüchw. (1541), 1, 119
b (Fontane I 1, 415); gestoszne negelin Gäbelkower
artzneibuch (1595) 1, 2; thuo gestoszen alaun ... in ein warm wasser Seuter
hippiatria 2; das mehl von gestoszen bonen Ryff
confectbuch (1548) a 7
a; gestoszen kolen 301
a; also wol, lieblich und wolgeschmacken reucht, es, gleich wie gestoszen ziegelstein und gebratene bockshörner Lindener
katzipori 62
L; für bittere wasser sind gestoszen corallen gut Sebiz
feldbau (1579) 16; silber mit gestoszenem glas bestreuet Mathesius
Sarepta (1571) 71
b; das sie ihren vatter ... mit spinnen und gestosznem glas in der speys hinrichten wöllen Stumpf
Schweytzerchron. (1606) 134
b; unter dem pfeffer thut man finden vil harter gestoszen brotrinden Schade
satiren und pasquille 1, 169; durch allerley gestoszene gewürze Gottsched
neuestes aus der anmuth. gelehrs. 9, 769; die erde zu gebrannten ziegeln wurde in Italien mit gestoszenem tuffstein vermischt
briefe, die neueste litt. betr. 12 (1761), 222; ich habe hier gestoszenen colophonium, den blase ich durch ein licht, so wird daraus der blitz Tieck
schr. 5, 318; durch gestoszene baumrinde ... sein leben fristen Ritter
erdkunde 2, 614; eine schale voll gestoszenen zucker Ebner-Eschenbach
schr. 4, 383:
vgl. (
fülle) den gläsernen korb mit gestoszenem zucker J. H. Voss
ged (1802) 1, 166:
von breiartigem: zwentzig cor gestoszens öls
Zürcher bibel (1531)
3. kön. 5; gestoszene feigen Eppendorff
Plinius (1543) 190; gestoszene trauben S. Gessner
schr. (1777) 1, 99; gestoszener most, mit den hülsen, trappen und kernen Kramer
dict. 2 (1702), 75
a;
auch: ist der mensch krank, so magst du im wol geben von eim gestoszenen huon Gersdorff
wundarzney (1517) XX 1
a; ein gestoszenes essen für einen kranken Kramer
dict. 2 (1702), 987
c. VIVI.
subst. VI@11)
partic. das stoszende,
welches anstosz bei einem erregt: da der affekt des ärgers ... das stoszende sucht O. Ludwig
schr. 5, 145. VI@22)
das stoszen: VI@2@aa)
entsprechend I 1: (
in der marterwoche jagt man den Judas) in der rumpelmetten mit hämmern ... poltern, stoszen und klopfen so unsinnig als stürmten die teufel das fegfeuer Fischart
bienenkorb (1588) 164
a; da hingegen loben und schelten bei freies stands kindern vil mehr, als alles rasen, tretten, geyseln, stoszen und stürmen mag verfahen
ehezuchtb. 299
Hauffen; mit raufen, zanken, 'schlagen und stoszen (
ein weib hart halten)
V. Schumann
nachtbüchlein 325
Bolte; (
totgeburt) von vil euszerlicher ursach kompt, als von hartem stoszen, fallen, schlagen Ruoff
hebammenbuch (1580) 124: das ungebührliche schlagen, stoszen, hauen Dannhawer
catechismusmilch (1657) 2, 124; dasz ein schaden an einem bein begegnet durch kratzen, jucken, stoszen Paracelsus
opera (1618) 1, 124; kein schütteln, rütteln, raufen noch stoszen konnte ihn erwecken
Leipz. avanturieur 1, 93; ohne zu fühlen, dasz tag für tag etwas treffliches und würdiges durch staub und moder, durch schieben, reiben und stoszen einen groszen theil seines werthes verliert Göthe IV 26, 133
Weim.; sie (
die engelscharen) führen auf den straszen wohl die groszen und die kleinen, auf dasz ihr fusz nicht straucheln soll im stoszen an den steinen G. Reimann
im hannov. gesangb. 162, 3; Albrechts lanze scharfes stoszen hatt ihm seinen helm entwandt Schönaich
Heinrich der Vogler (1757) 28; seinen feind im sand zu höhnen, regt sich fusz, und arm, und hand, bald mit stoszen, bald mit dehnen Göthe 37, 15
Weim.; wie ist auf dem wege so heisz das gedränge! ein stetes fluchen und stoszen und treiben E.
M. Arndt
w. 3, 96; da war groszes gewirr auf dem platz, ein stoszen und drängen und lärm von trommeln und pfeifen Eichendorff
w. 3, 419; ein mühsames, schier kleinliches schieben und stoszen, hängen und würgen Bennigsen
national-lib. partei 77; mit stoszen und drängen einen weg zum ausgange zu bahnen suchen Ebner-Eschenbach
schr. 2, 77; das beste von allem (
beim weihnachtsmarkt) war der abend mit seinem nebel, seinem ... verdoppelten lärmen, drängen, stoszen und treiben Raabe
hungerpastor 1, 39; ein leises winseln schleicht herbei vom klostertor, ein stoszen, kratzen, ein rütteln wie mit schweren tatzen Annette
w. 2, 57; das stoszen der böck Fischart
Garg. 274
ndr.; der bock läszt sein stoszen nicht Petri 2, N 5; das stoszen der rinder Fr. Paulsen
aus meinem leben 48; die böcke nemen zu, die schafe müssen weichen und auf den letzten zug von ihrem stoszen keichen Logau 199, 68
E. auch: (
der falke) scheuszt ... under sich, dann in sölichem stoszen reiszt er dem raub lange wunden Heuslin
Gesners vogelbuch (1557) 149
a.
als eigenschaft des windes: anno 1184 ist im früling ein solcher ungestümer wind entstanden und hat mit so gewaltigem stoszen etliche stunden aneinander geweret, dasz ... Binhardus
thüring. chron. (1613) 145.
bei einem saiteninstrument: (
die bogenführung gestattet das feinste) an- und abschwellen zwischen forte und piano, sie gestattet kräftiges, absolut energisches stoszen und reiszen Vischer
ästhetik 3, 4, 1035. VI@2@bb)
entsprechend oben I 6: wie dann euere recepta gnugsam bezeugen, da kein kunst betracht wirdt, als allein stoszen, mischen und einschütten Paracelsus 1 (1616), 257
a; das stoszen in einem mörschner Harsdörfer
frauenzimmergesprechspiele 3, 293; nimm weinrauten, wasser, pfeffer ... stosze es wol in einem mörser, geusz im stoszen immer biszweilen ein wenig essig mit dran Walther
pferde- u. viehzucht (1658) 131; (
der umstand,) dasz gerade das subjekt und der provisor giftigen bilsensamen im mörser stampften; da ... dieses giftkraut unter dem stoszen und kochen den arbeiter unter der hand in ein tollerbosztes ... wesen umsetzt Jean Paul
Katzenbergers badereise 1, 60
R; durch reiben, stoszen, pulvern, verwandeln wir eine grosze masse in viele kleinere J. Liebig
chemie (1843) 1, 10; schon lange war ein solches artiges mörserchen ihr wunsch gewesen, und der aufmerksame zeugschmied kam daher wie gerufen, als er an ihrem namenstage damit erschien und auch was zum stoszen mitbrachte: eine schachtel voll zimmet, zucker, nägelein und pfeffer G. Keller
w. 4, 231; das stoszen wird von zwei oder sogar drei frauen in einem einzigen mörser vollzogen Bücher
arbeit u. rhythmus 38. VI@2@cc)
entsprechend oben II 9: das stoszen der knüppeldämme E.
M. Arndt
w. 1, 134; die dichter, welche ... als bediente bei dem erhabenen hinten aufstehen; der jambus ist bei ihnen jene gegenschwingende bewegung in den knieen, womit sich solche diener das stoszen des pflasters erleichtern Brentano
schr. 5, 442; dem allmähligen verhallen des knarrens und stoszens der räder in den hohlwegen (
nachhorchen) Annette
w. 2, 263 (
judenbuche); wären seine gebeine nicht mit so zähen bändern aneinandergefügt gewesen, so hätte ihn das ewige stoszen (
hinten auf dem bedientenbrettlein der carrosse) ganz und gar zerrüttelt Brunner
erz. 1, 65; das stoszen des wagens weckte mich auf, doch sanken die augenlider bald wieder zu Heine
w. 2, 463
Elster. beim gewehr das stoszen zu verhindern Stahl
gewehrgerechter jäger (1762) 89;
auch: die bälge, wenn nicht gespielet wird, fein sittsam ohne merckliches stoszen niedergehen Bendeler
organopoeia (1690) E 3
a.
als erscheinung beim sieden einer flüszigkeit: die alkalische flüszigkeit siedet nie ganz ruhig, sondern manchmal sogar unter heftigem stoszen Muspratt
chemie 1, 903 (
auch 5, 377); die verdampfung geht ohne spritzen und stoszen vor sich 4, 668 (
vgl. auch 3, 515).