Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
klopfen swV.
1.1 ‘(an/ auf etw.) klopfen, pochen’ , überw. mit präp. Erg. ( ane, ûf )
1.2 ‘ein klopfendes Geräusch machen, schlagend lärmen’ , auch ‘klatschen’
1.3 ‘schlagen, hauen’
1.4 rhythmisch schlagen, pulsieren, ‘pochen, klopfen’ (häufig subst.; vgl. klupf )
1.5 übertr. ‘nach etw. verlangen, um etw. bitten’ (offen zu 1.1 )
2 tr.
2.1 ‘etw. schlagen’
2.2 ‘etw. (eine Flüssigkeit) schlagend rühren’
2.3 ‘etw. durch Schlagen entfernen, von etw. abklopfen’ , mit präp. Erg. ( von )
1 intr. ‘klopfen’ 1.1 ‘(an/ auf etw.) klopfen, pochen’, überw. mit präp. Erg. (ane, ûf): ie clopfe ich ein wenig an die want Frl 5:75,17; der konynck kloppde up synen zant [zum Schwur] KarlGalie 2004; bildl.: si clopphet an den stætigen man, / er clinget sam der ganze haven Vateruns 187. – meist spez. ‘(an eine Tür) klopfen, klopfend Einlass erbitten bzw. sein Kommen ankündigen’ [er] hob sich wil drate / zo iris vater kemenaten / vnde clofphete an daz turlin Roth 2333; besliezet vaste zuo die tür; / ob er ûzen klopfe dran, / daz man in wîse iedoch hin dan Wh 130,1; ohne präp. Erg.: an die tür gienc er zuhant / der kemenâten [...], / er clopte gar gemechlich HvFreibTr 2779; als er quam vur daz tor, / do clopfete er da vor / vnde sprach: "tut vf die porten!" Herb 18321; genre kloppfete aber; er sprach: ‘was wiltu?’ Tauler 27,6 u.ö.; BrEb 66. – bildl. ‘Einlass erbitten’ (vgl. 1.5): [Gott] klophet an die herze mit drin dingen PrSchw 1,139; [der Tod] an daz herze clopfte Vät 26567; mir ist verspart der sælden tor / [...]. / mich hilfet niht, swaz ich dar an geklopfe Walth 20,33; set da clopfet got zur tur / der herzen aller der da sten HeslApk 7336. 21842 u.ö.; ohne präp. Erg.: daz himelrîche schulin wir suͦchin mit rehtime lebin [...]. mit lûterm gebet schulin wir statilichen klophin Spec 65,22; alle tage chumet got unde clopfet [macht auf sich aufmerksam] , swenne er uns mit siechtoͮme chundet ebd. 127,10. 65,19 u.ö.; Tauler 206,24; EvBeh Lc 12,36. – subst.: ein klopfen vor der himmelporte Mechth 6: 24,9; Gnadenl 3:A2,69. – subst. Part.Präs.: dem chlopfenden wirt vfgetan EvAug 161,16 1.2 ‘ein klopfendes Geräusch machen, schlagend lärmen’, auch ‘klatschen’ dô klopft ich [als Aussätziger] , daz ez lûte erschal UvLFrd 331,23. 331,7 u.ö.; ir oren sie verstopten / swen mine hende clopten, / uf daz sie mich nicht horten Daniel 3238; sô sal man an der venien alsô lange sîn, biz der priester clopphet StatDtOrd 125,1; subst.: gêt einem ein imp [Bienenschwarm] ab aus seinem peichar [Bienenkorb] , der sol im under dem flug nâch gên mit chlophen und mit læutten RbRupr 124 (vgl. BdN 292,21 unter 2.1) 1.3 ‘schlagen, hauen’ das leret dich die gottes minne, wie der smiden hammere klopfeten und sluͦgen dur sine hende und voͤsse an dem crúze Mechth 7: 27,39; klopfen und demmern [schlagen, hämmern] / muͦsten sie do pflegen vil HvNstGZ 3324. – bergm. ‘Steine schlagend bearbeiten, behauen (um Erz herauszuschlagen)’ (vgl. klopfære 2): ein man czuhet perk aus einer gruben und schutet den auf ein halden und wil di klopper auf der selben halden nicht lassen kloppen BgRIglau 326,29. – mit präp. Erg. an sîne brust ~ ‘sich auf die Brust schlagen’ (als Klagegebärde): an seine brust begunder chlophen; / ez vielen hæize trophen / ze tal über sein wange Serv 829; vgl.: im zeherten diu ougen / unde [erg.: er ] klophet an die brust, / sîn houbet neict er mit gelust / in grôzer andâht gein dem grabe LvRegFr 4877 1.4 rhythmisch schlagen, pulsieren, ‘pochen, klopfen’ (häufig subst.; vgl. klupf ): daz herze [...] klopfet und reget sich âne underlâz Eckh 3:403,20; sîn [des Menschen] herze klopfet z’aller zît Freid 22,24; da [in der Blase] vult he clopfen inne SalArz 60,24. – von Ohrgeräuschen: der wermaten saf mit ochsengallen gemischet unde in das ore gelassen vortribet das clophen Macer 3,24. 17,16 1.5 übertr. ‘nach etw. verlangen, um etw. bitten’ (offen zu 1.1): der freunt der uns diu driu brot pitet lihen, der chlopfet vast, daz sag ich eu zwar PrOberalt 103,30; wir schuͤln suchen, wir schuͤln chlopfen, daz uns gegeben werde diu verstandnuͤsse dez hiligen gotes wortes ebd. 104,1 u.ö.; ib er [der Bewerber] kominde vollestat cloffende [ si veniens perseveraverit pulsans, sinngemäß ‘beharrlich weiter Aufnahme begehrt’ ] BrZw 58; cloffende BrHoh 58; BrEng 58. – mir Pron.-Adv.: noch kêr ich mich herwider sâ / und kloph ich anderswar darnâ SM:UvS 27: 1,7. – mit Gen.: nv ist reht vnde brudirlih, / daz wir umbeinander gemeinlih / diner irbarmunge / herre keiser allir kuninge / vil emzliche cloppen Litan 1397 2 tr. 2.1 ‘etw. schlagen’ die peinen fräwent sich, wenn man die hend ze samen klopfet, und wenn man klingelt mit gesmeid, sô samnent si sich BdN 292,21; wohl hierher: Wolfherdietrich, der milte, grosser krefte wielt. / er kloppfete vil der schilte, vil manigen helm er schriet WolfdD 1247,2 (vgl. aber die Konjekturen klopte WolfdD (H) 1247,2 und kloupte WolfdD (J) 6:188,2, vgl. kloben bzw. klûben 3 swV.) 2.2 ‘etw. (eine Flüssigkeit) schlagend rühren’ wer warm wazzer vast klopfet und trüftelt mit öl, daz ist den müeden glidern gar guot [ oleo aqua fortiter conquassata prodest multum membris lassis ] BdN 336,11 2.3 ‘etw. durch Schlagen entfernen, von etw. abklopfen’, mit präp. Erg. (von): gêt ûz von dannen und clopfit den stoup von ûweren fûzen [ excutite pulverem de pedibus vestris ] EvBeh Mc 6,11
MWB 3,1 361,40; Bearbeiter: Hansen