klimmen ,
klettern, steigen, praet. klomm (
pl. klommen),
part. pr. geklommen,
imp. klimm (
z. b. Klopstock I, 2,
b);
die echte bildung war mhd. klimmen,
praet. klam,
plur. klummen,
part. geklummen,
und sie hat sich lange, theilsweis bis jetzt ziemlich gut erhalten, noch bei Rist
z. b. klummen
pl. praet. (I, 2,
c),
doch drängt sich in neuerer zeit schwache bildung vor (
s. I, 3),
während mundartlich nach Adelung
selbst das alte praet. klamm noch lebte, das freilich auch ein part. geklammen
nach sich zog. es heiszt auch nd. klimmen,
nl. klimmen (klom, geklommen),
mnl. climmen (
praet. noch clam,
pl. clommen),
altengl. climme
und clemme,
dial. noch clim,
praet. clam;
nord. fehlend. die form mit e
ist auch mnl., clemmen,
noch jetzt nrh. (klemme
Aachner mundart 111),
und selbst oberd., s. I, 5.
das weitere über die form s. a. e., es zeigen sich in form und bed. wesentliche abweichungen, die gewöhnliche bed. ist sogar nur ein bruchstück des urspr. ganzen. II. klimmen,
steigen, klettern. I@11)
eigentlich. I@1@aa)
mühsam steigen, in die höhe: gên berge klimment nâch ir nar (
nahrung) die geiʒe. Frauenlob
frauenleich 20, 1; des hiesz er do die laitren pringen, werfen an (
die mauer) und aufhin chlimen. Wittenweiler
ring 57
a, 43; inwendig
im thurn man uf hin klam. Körners
hist. volksl. 27; gar vil (
der fliehenden feinde) die klummen uf die böum. Veit Weber
siegeslied von Murten (
leseb. 1, 1053, 23); der klimmt auf einen gähen und spitzen felsen hin. Opitz 1, 246; hinan zu klimmen an den glatten wänden. Schiller 544
b; der balken brach, worauf er geklommen. Heine
romanz. 174.
auch bloszes klimmen
gleich emporsteigen: vom krebs, der an dem ufer klimmt. Olearius
pers. ros. 7, 10
anm. a; die anstrengung, durch lose asche zu klimmen welche bei jedem tritte nachgab. Göthe 37, 208 (
auf dem Ätna). I@1@bb)
zuweilen als reines trans.: zwei mädchen seh ich, die den steilen pfad mit mühe klimmen. Göthe 10, 318,
hier wie gehn, kommen
u. a. mit dem acc. des weges; aber auch völlig für erklimmen: diu katze sprach 'ich kan boume klimmen' Nic. v. Straszburg
myst. 293, 21,
vgl.klettern 1,
b. in andern fällen gehört der acc. zugleich oder mehr zu einer praep. mit oder ohne partikel: disz ist dasz erste mahl, dasz du bist aufgeklommen den hügel. Rist
Parn. 627; die jägerin liesz das blutende reh und klomm in dem strauche das gebirg hinan. Klopstock 9, 195 (
Herm. u. d. fürst. 1); und gieng und strauchelt' und klomm den schmalen weg auf.
Mess. 10, 383; einst klomm die luftgen schnecken (
des Straszb. münsters) ein musensohn hinan. Uhland
ged. 364; sie klimmen durch das dickicht den steilsten weg hinan. 433. I@1@cc)
es gilt übrigens ebenso gut von abwärts gehender bewegung der art (
wie klettern
auch und steigen
selbst): dâ klummen engel hin und wider (
auf und ab). Frauenlob
s. 23; in sînem slâfe sach er eine leiter ûf gên in den himel unde die engel klimmende ûf und abe. Eckhart 129, 34; wie es (
das heer) auf den steilen abschüssigen felsen bergauf und bergunter klimmte. Schiller 855
b.
auch abklimmen, niederklimmen Stieler 966: er klomm zwischen den klippen nieder. Immermann
Münchhausen 1, 219. I@1@dd)
natürlich auch über etwas hinweg, an etwas hin klimmen
u. ä.: wann ich vil soll durch hursten kriechen und uber zäun und stauden (
sträuche) klimmen, so laszt mein kutt das haar.
Garg. 244
a (460
Sch.); mit einer armee über die Alpen klimmen. Schiller 944
b; als die einen am riffe
dort, die andern klommen am hagen. Ann. v. Droste 313. I@1@ee)
noch anders von thieren, wo wir jetzt steigen
sagen, gleichsam der beginn des klimmens; so hiesz in der wappenkunde der sich bäumende löwe, sonst der steigende,
auch der klimmende. ein klimmender lew von Alzey. Laszberg
lied von grave Friz von Zolre s. 41.
ähnlich von einem pferde: (
Gargantuas ross muszte) schwimmen, klimmen, uber den pfal, uber die schranken, uber Eppelins häuwagen (
s. Uhlands
volksl. nr. 135, 38).
Garg. 176
a (323
Sch.),
setzen, springen, eig. wol vom bäumen beim ansprunge. daher vom bespringen der thiere, das auch steigen, besteigen
heiszt, bei Besser,
ruhestatt der liebe: das schuppenvieh im meer, was hilft sein schnelles schwimmen, es musz durch diesen zug (
der liebe) doch an einander klimmen.
Hoffmannswaldaus u. and. Deutschen ged. 1, 177.
nl. ist das noch der gewöhnliche ausdruck, z. b. von einem hengste, hij heeft nog nooit geklommen,
er hat noch nicht gestiegen. I@1@ff)
im gebrauch des lebens ist es übrigens jetzt räumlich beschränkt, in md. mundarten scheint es nicht heimisch, z. b. in Sachsen und Thüringen ist es durchaus nur aus der höheren sprache bekannt (
vgl. Seume
unter klettern),
schon Steinbach, Rädlein
kennen es nicht als bodenständig, schon Luther
in der bibel braucht klettern
dafür, von der leiter Jacobs 1 Mos. 28, 12 steigen;
aber in nd. und oberd. mundarten findet sichs noch, wie Heynatz
antib. 2, 188
angibt (
nd. s. 2,
b a. e.),
doch auch Frisius, Maaler, Schmeller
haben es nicht. vergl. klimsen, klimmern, klebern 1, kleppen, kletten. I@22)
auf andres steigen übertragen. I@2@aa)
sinnlich: die klimmende sonne,
die aufgehende, im gegensatz zur sinkenden,
in der ältern rechtssprache, z. b. rechtsalt. 37. 947 (
noch nl.); so hoch, wo über uns der leier sternen klimmen. Fleming 59.
die lerche klimmt aufwärts Simrock
kinderbuch nr. 375,
von ihrem allmählichen steigen mit dem anschein des mühsamen, zugleich von ihrem gesange (
vgl. Lenau
unter klettern 1,
e): galander climmet in acutis ûf ein mâl.
Kolm. meist. 3, 4;
das schnelle gerade steigen des falken heiszt klimmen Nemnich 2, 1570. wie wann die see ergrimmt und die betrübte flut bisz an die wolken klimmt. Opitz 1, 107 (
lob des kriegsg. 740). aber in freieren schlangen durchkreuzt die geregelten felder, jetzt verschlungen vom wald, jetzt an den bergen hinauf klimmend, ein schimmernder streif, die länderverknüpfende strasze. Schiller 75
b (
spazierg.).
botaniker nennen kletterpflanzen klimmende Nemnich 4, 1232,
in nd. mundarten heiszt der epheu klimmop (klinop) 3, 107,
ostfries. klimmup
und klivupp Stürenb. 111 (
zu letzterm s. sp. 1052
d),
nl. klimop, klemmerboom.
nl. heiszt es auch de vloed klimt (
s. Opitz
vorhin), zij klimt met hare stem
von einer sängerin (
schon bei Kil.,
s. vorhin von der lerche)
u. a. I@2@bb)
geistlich, geistig, begonnen von den mystikern, sie reden von klimmen ze gote (Haupt 8, 227), ûfklimmen in got (Eckhart 275, 22. 24. 6. 274, 13
u. ö.),
vgl. ûfklimmen an daʒ kriuze Kristi
myst. 1, 293, 32: so sol man .. zu den tugenden klimmen als zum höchsten ding. Müglein
übers. des Valer. Maximus Augsb. 1489 59
b; und tugent scheint ain hoher berg, wiltu recht klimmen auf die spitz
u. s. w. Schwarzenberg 124
b; wer aber sich dem staat zu dienen hat bestimmt und nach der gottheit stell' auf tugendstaffeln klimmt. Haller (1777) 136; lasz nicht deine krone rauben, leid und klimm zu ihr hinan. Klopstock 7, 312; klimme mutig den pfad, bester, den dornenpfad durch die wolken hinauf, bis du den stralenkranz der nur weiseren dichtern funkelt, dir um die schläfe schlingst. Hölty 93 (
an Voss); aus der unschuld schosz gerissen, klimmt zum ideal der mann. Schiller 81
b (
würde der fr.); es kann etwas treffliches aus diesem menschen (
Tischbein) werden .. das unermüdete suchen und streben und klimmen musz ihn dem punkte nahe bringen, den so viele nicht erreicht haben. Karl August
in Mercks briefs. 1, 328,
vergl. das götting. sprichwort men môt wol klimmen un kleien, wenn men redlich dorch wil. Schambach 103
a,
wie schwimmen und baden
u. ä. I@2@cc)
von lebensverhältnissen, rang und stand: er klimmet in die höhe,
ad honores et dignitates ascendit. Stieler 966; (
die, welche) schwungen sich hinauf und klummen himmelan, von solchen ward gesagt: der ist ein edelman. Rist
Parn. 260,
zugleich zu b; de up de nadelspitz geklummen sind so hoch. Lauremberg 7 (1, 189),
von reichen schneidern. so nl. hij is aan 't klimmen,
er kommt empor. I@2@dd)
und noch allgemeiner für steigen: so hoch mag wol des engels traum nicht klimmen. Rückert 1, 209. überklimmen,
übersteigen, überschreiten, ein gebot: der arzt mit groszem fleisz sech an wie, wo und wen im loszen (
aderlassen) zim, das er das pot nit überklim. H. Folz
in den fastnachtsp. 1251. I@33)
in schwacher form (
s. schon Schiller
unter 1,
c): sie klimmt' am dornigen felsen empor. Bürger
ged. 1789 2, 171 (
des pfarrers tochter von Taubenh.); felsen, die ich mit mühe und schwierigkeit hinanklimmte. Göthe 37, 156; wir waren .. aufgeklimmt. 37, 208; der weg auf dem du emporklimmtest. Schiller 753
b,
und so wol immer häufiger, wie bei glimmen. I@44) glimmen
wird übrigens mit klimmen
verwechselt: dardurch ein ganzes land nicht schlechten aufwachs nimmt, wenn es zugleich mit ihm bis ans gestirne glimmt. Fleming 62; ein klimmend tacht. Rompler 170. I@55)
fraglich aber, ob verwechselung, ist klemmen gleich klimmen,
wie nl. engl. (
s. im anfang): klemmet er zum höchsten haus hinauf wie ein marter.
Garg. 179
b (330); das steigen und
klemmen hat sehr viel gefahr auf sich. Moscherosch
exerc. acad. 305; ear rennt fain fort,
klembt uobar da zaun. Fromm. 4, 88, 9,
schwäb. 17. jh., vgl.klemmer unter klimmer.
bei Altenstaig 78 klemen
scandere (Frisch 1, 523
a).
s. darüber II, 2,
b, auch das b
in dem klembt
könnte doch echt sein, s. III, 1,
a. IIII.
Verlorene bedeutungen. II@11) klimmen
packen, packend einengen u. ä. II@1@aa)
eigentlich, vom adler: dat ûch drômede van dem aren, de ûch dâr beiʒ inde klam (: nam).
Karlmeinet 505, 25; vil harde unsoeʒe beklame (
l. beklam) hei mich inde beiʒ. 502, 67,
eben von dem adler im traume, vgl. climmende vogel 2,
b. II@1@bb)
diese nrh. und nd. bed. musz aber alt und auch allgemeiner gewesen sein, denn zu dem im zweiten beispiele belegten beklimmen (
eig. umklammernd, rings um packen)
gehört noch unser verwaistes part. beklommen, worin das gefühl des so gepackten nur von auszen auf innen übertragen ist. wir zählen jetzt dazu beklemmen, beklemmung
und ein neueres praet. beklomm
ist erst aus beklommen
rückwärts entnommen: dasz ihr das herz lebhaft schlug und ihr die brust beklomm. Novalis 1837 1, 47 (1826 1, 34);
ebenso folg.: mich hätt' es in etwas beklommen. J. Paul 21, 169.
diesz beklommen
scheint übrigens erst im 18.
oder 17.
jh. von norddeutschen schriftstellern der sprache zugeführt, denn dort ist es heimisch nach folg.: beklummen,
beengt, voll dicker luft, unpers 'em is so beklummen',
er kann nicht frei atmen. Dähnert 31
b, beklommene tîd,
schwierige oder klemme
zeit. Schambach 20
a doch auch ein alem. zeugnis aus dem 15.
jh.: und sint im sin hende beklomen (: komen) ... bi dem füer er denn erwarmet. Büheler
Diocl. 3492,
von kälte starr, als wären sie von einer unsichtbaren kraft geklemmt; das heiszt ostmd. noch verklummen (
s.klamm sp. 936),
altengl. clumsen
verklummen sein Stratmann 113,
schwed. dial. klummsen, klomsen
adj. (
zur form s. klimsen),
auch klömen,
starr von kälte, besonders von händen Rietz 332
a,
womit der ausdruck in dieser bestimmten bed. sogar in vorgeschichtliche zeit rückt. auch verklummen
ist alt: Wolfhart der wîgant (
als leiche) het verklummen in der hant daʒ swert in sturmherter nôt.
klage 841
in BCD, die hand war verkrampft und das schwert darin, das nun selbst verklummen (
fest gepackt)
ist. auch gleich beklommen,
von einem geängstigten herzen, mnl. (
gewiss auch nd. md.): recht als ene druve (
traube), die wort gheparst (
gepresst) ... so is mijn herte verclommen.
hor. belg. 10, 227. II@1@cc)
den übergang aus der äuszerlichen in die innerliche verwendung zeigt eine angabe im Teuthonista vom nrh. 'clymmen,
als (
z. b.)
wee to doin, torquere, premere, urgere, angere'.
dazu bildlich auch ein mnd. sik beklimmen: gy Joden, wêre ju icht darumme (
läge euch etwas daran), dat ik my mit juwer ê beklumme unde myner kristenheit versôke (
entsagte)?
Theophilus 439
Hoffm., dasz ich euer gesetz annähme, mich damit gleichsam behaftete, beklemmte. dazu stimmt ostfries. beklemming
erbzinsverhältnis, beklemmde plâts
erbzinsgut Stürenburg 13
a,
gut das mit einem erbzins behaftet ist. II@22) klimmen,
zwicken, kneipen, das erste klimmen
in zahmerer form. II@2@aa)
bezeugt ist es altmd., einer der im schlafe gebissen wird, ruft erwachend: sô waʒ ist daʒ, daʒ mich sô clam? Jeroschin 24164.
aber noch in der Schweiz klimmen (
auch klumpen,
s. sp. 1167
mitte),
von bauchgrimmen heiszt es 'es klimmt mich' (die klimmete,
kolik) Stalder 2, 108
fg., mit part. geklummen: tagtägli händ mer ja zangget, hân i mys weggli (
mein weckchen) nüd mit ere theilt, so häd sie mi klumme. Usteri (1853) 1, 88. II@2@bb)
da trifft denn klimmen
wieder mit klemmen (1,
c)
überein, eben schweiz. heiszt kneipen auch klemmen,
und eben nrh. hiesz klemmen
auch das packen des adlers, und in den hss. des Ssp. 3, 47
heiszen die zur jagd gebrauchten raubvögel wie klemmende (
sp. 1139)
so auch climmende vogel,
s. auch I
am ende nhd. klemmen
klimmen. das erklärt sich nicht alles aus einer nd. nrh. trübung des i
in klimmen,
sondern das starke und das schwache wort sind da auf irgend einem wege wieder zusammengetroffen, wie bei brennen, rennen, klengen (2,
b),
s. auch sp. 1144
unten. II@33)
am merkwürdigsten klimmen
einschrumpfen, 16.
jh.: holz welches gefällt wird in den zween letsten feirtägen des merzes, das klimmet nimmer, da baw dein zimmer. Fischart
groszm. 103 (628
Sch.),
trocknes holz das nicht mehr zusammenläuft. das sieht sehr alt aus, vermutlich durch ein häusliches sprichwort erhalten. II@44)
die älteste bedeutung ist vielleicht die letzte oder steht ihr am nächsten: '
sich mit anstrengung krumm zusammenziehen',
eigentlich wol von den fingern, klauen, wo es unwillkürlich geschieht beim krampf, willkürlich beim greifen, packen; beim klettern (
auf bäume)
nehmen alle glieder an dieser arbeit theil. daher denn klamm
m. krampf, das in ags. clam
auch noch packender griff und klaue bedeutet, daher klammer
klaue und eisenklammer u. a. (
s. dort),
daher die adj. klamm, klimm
und klumm
eingezwängt, enge, u. s. w. IIIIII.
Geschichte der form. III@11) klimmen
selbst. III@1@aa)
ahd. heiszt es vielmehr chlimban
scandere Graff 4, 558,
auch mhd. noch zu finden: durch daʒ klimbint ir an den vierden grât. Adrians
mittheil. 451 (
mystisch, zu I, 2,
b).
ebenso ags. climban (clamb, clumben),
daher noch engl. climb (
praet. clomb).
auch mnl. noch clemben
ascendere Dief. 53
a,
und nhd. vielleicht in dem klembt I
a. e., s. klambe klammer und klaue (
eine goth. spur in sp. calambre
sp. 941
unten).
dasz aber mm
auch hier aus dem mb
erst entstanden sei, wie bei lamm, kamm
u. a., ist sehr zweifelhaft; denn schon ags. bestand auch clymmian
steigen Grein 1, 164,
und in klamm
m., klemmen
ist wie mhd. so schon ahd. alts. ags. nur mm
im stamme, nicht mb,
sodasz er von alters her in zwei schwesterformen klimm
und klimb
bestanden haben wird. vgl. klingen I,
c. III@1@bb)
die zweite form erscheint auch mit andrer lautstufe in schott. climp
plötzlich fassen (climpy
zum stehlen geneigt, engl. dial. climp
stehlen, vgl. klemmen 1,
b),
nordengl. clumps
adj. von kälte starr Halliwell 258
a (
s. vorhin clumsen),
nd. klempern
klettern (
s. unter klimmern);
hd. in mhd. klimpfen (
wb. 1, 843
a)
gleich klimmen II,
stark wie dieses, daher geklumpfen
und verklumpfen (Heinzelein
s. 32)
gleich verklummen,
verkrampft, noch nhd. sind reste dieses klimpfen
da in oberd. klampfe, klampfer
klammer u. a. (
sp. 944).
unsicher ob selbstständig neben den formen mit mb
sind oberd. klamper
klammer, schweiz. klempere
f., klaue, finger Stalder 2, 108, klumpen
kneipen 2, 111
u. a., während md. klamp
krampf, klampe, klempe
klammer, klümpen (
s. d.)
krampfig zusammenziehen schon sicherer zu hd. klimpfen
gehören. die ganze manigfaltigkeit des auslauts ist noch nhd. sichtbar in klamme,
klambe, klampe, klampfe,
alle gleich klammer. III@1@cc)
sie alle aber gehen auf eine einfachere gestaltung zurück, klam, klim.
denn wie dem starken mhd. brimmen bram brummen
ein ahd. brëman bram brâmun
vorausgieng (
s. 2, 384
und brummen,
brunft,
auch kerren 1,
c),
so verrät sich eine gleiche urform zu klimmen
in mhd. klamere
klammer neben klamber, klamper, klampfer,
in klame
gleich klamm (
sp. 936
unten, wo mehr),
und auch in verbalformen, wie in mnd. klamen
klettern: bischof Magnus di vel edel man, de sik die mur tom erstn anklam (
diesz von anklimmen) vor die hovetlude alle, vordiende wol vier und veftig schock met dem ersten anklamen (
ersteigen der mauer). Liliencron
hist. volksl. 1, 274
a;
dahinter scheint alts. etwa klamôn
zu stehn, es wird gestützt durch altschott. clamyng
gleich climbing Jamieson
suppl. 1, 214
b,
s. auch clam, claum
packen sp. 938,
nd. verklamet (verklâmt)
br. wb. 2, 785
und verklômt Schambach 263
a,
nl. verkleumd
gleich verklummen
starr von kälte, die form mit o
nebst klome
engpass Scherz 798 (
vergl. sp. 937 5,
b)
ergänzen die ablautsreihe, die danach i a â u (o)
war. selbst das anzunehmende ahd. chlëman
könnte noch spät auftauchen in dem klemen
klettern bei Altenstaig (
s. I
a. e.),
in klâmen
kletterten: die felsen klamens uf behend. Lenz
Schwabenkr. 112
b;
glaubhaft wäre das schon fürs 16.
jh., da jenes ahd. brëman
noch im 19.
jh. lebt, in brämen
bei Leipzig (
doch schwach)
vom schreien und thun der brünstigen hausthiere (
s. brunft),
von brummigem widerstreben. auch in dem klemen (: remen,
d. i. mhd. ræmen)
sp. 1139
unten könnte danach klæmen
enthalten sein, vgl. norw. kläma
klemmen, kläma
f. klemme Aasen 224
b. III@22)
wichtiger noch eine form mit n
für m. III@2@aa)
mhd. klinnen für klimmen
klettern Haupt 4, 539 (71, 5),
und dazu klennen
für klemmen
bei Frauenlob (
sp. 1139);
dasz das nicht blosz mundartliche willkür, gleichsam nur versprochen ist, zeigt altnorw. klunna
sich anklammern (
und klettern?) Fritzner 354
b,
mit dem ablaut von klimmen.
auch der beweis für starke beugung von klinnen
ist noch da in folg. geklunnen,
das einem schreiber im 15.
jh. für geklummen
in die feder kam: des (
darum) wee der armen selen dein (
wird einem säufer gesagt) ... wer sie so oft nit untergestanden (
untergetreten), so sulch grosz platzregen (
von wein) sint kumen, oder nicht auf die benk
geklunen, sie wer vor zehen jarn ertrunken. Folz
in den fastn. 1211;
einfach geschriebene liquida ist damals oft doppelt gemeint, zum folg. taugt es wol wegen des u
nicht. dieser tausch von m
und n
ist wie in kahm
und kahn
sp. 31,
in kleimen
gleich klenen
sp. 1145,
und unserm falle genau entsprechend in brinnen, brennen
gleich brimmen
brummen (2, 384. Dief. 503
b rugire). III@2@bb)
auch die ältere form mit einfachem n
liegt noch jetzt vor im schweiz. klänen
klimmen Stalder 2, 105 (
vgl.klän specht).
auch eine nd. spur wol in klinop
gleich klimop
epheu (
s. I, 2,
a). III@2@cc)
und dazu selbst, wie beim vorigen, im auslaut verstärkt klingen klettern, hd. wie md. (
mhd. wb. 1, 843
b, 22): sein adel chlingt der êren steig. Suchenwirt 29, 171; (
creaturen) die beide swimmen unde sweben, vliegen, clingen, loufen, gâ
n. pass. H. 1, 35;
das verhält sich zu klinnen (klënen)
genau wie mhd. klimben
zu klimmen (klëmen).
als echt gestützt ist die form durch schwed. klänga
klettern, dial. auch klonga, klungra Rietz 329
b,
sie ist wie das erste klimmen
nur das hd. bruchstück eines wortes, das einst genau neben klimmen, klimben
hergieng. denn auch die andern bedeutungen von klimmen (klimpfen)
zeigen sich noch alle z. b. in schott. to clink up
packen (
mit erhöhter auslautstufe),
ags. beclingan
klammernd umschlieszen, fesseln, ags. clingan,
engl. cling
sich zusammenziehen, einschrumpfen (
nd. inklingen),
vgl. engl. dial. clunge
pressen, drücken Hall. 258
b,
dän. klynge sig
sich anklammern (
auch klettern),
engl. cling,
norw. klengja;
s. mehr sp. 951,
und besonders das zweite klinken. III@33)
am wichtigsten aber eine form mit r
für l. III@3@aa)
klimmen hiesz auch krimmen (
mhd. wb. 1, 881
a,
franz. grimper),
das klimmen
der raubvögel öfter krimmen,
der klamm
krampf auch kramm,
die klampe
klammer auch krampe,
das mhd. verklummen, verklumpfen II, 1,
b auch verkrummen, verkrumpfen,
selbst das schwed. klummsen
dort auch krummsen Rietz 353
b u. s. w., kurz neben unserm ganzen reich entwickelten stamme mit l
geht ein gleicher mit r
her in fast lückenloser vollständigkeit, s. weiter krampf, krimmen,
auch sp. 936 (5,
b). III@3@bb)
auch die form für klingen
fehlt nicht: engl. dial. crink
einschrumpfen, cringe
sich zusammenziehen u. a., s. krank. III@3@cc)
der ältere stamm mit r
zeigt auch eine andre form in krapfe
haken, krape
haken und klaue, und sie ist wol auch hier da in klaper, kloper
klaue, die zugleich an klauben, klieben
rühren.