hell,
adj. und adv. sonorus, clarus. ahd. ga-helli,
später helli,
mhd. hel,
von der wurzel hall,
inf. hellen
hallen ausgehend, und im ahd. ausschlieszlich, im mhd. noch vorzugsweise auf stimme und ton bezogen, bis sich eine erweiterung der bedeutung auf das durchdringen des lichtes geltend macht und im jetzigen nhd. sogar den ältern sinn mehr in den hintergrund drängt. 11) hell,
hallend, laut, durchdringend von der stimme: dô gehôrten sie schiere, in heller süeʒer stimmeûf rôtvarwer vert nâch wundem tiere ein bracke kom hôchlûtes zuo zin jagende. Wolfram
Tit. 132, 3;
canorus helle Dief. 95
b;
sonorus lude, hel, helle 542
b; helle luten
oder thonen
sonare. voc. inc. theut. i 4
a; hälle und hohe stimm,
vox acuta Maaler 205
b; hund die häll und laut bällend,
canes arguti das.; schrei der pfaff heller und sterker denn ander leut. Pauli
schimpf 131
b; liefen sie mit hellem geschrei der abtei zu.
Garg. 202
b; der bawer schruw (
schrie) mit heller stimm. Wickram
rollw. 23, 8
Kurz; macht mit heller stimm ein solch zettergeschrei. Kirchhof
wendunm. 219
b; schrye also mit heller stimm: Jesus, Jesus. Schuppius 752; von hellem hals (
erfordernis eines jägers). Becher 47,
vergl.laut von halse
sp. 254; es (
das fräulein) sang von heller stimme, dasz in dem garten erschal. Uhland
volksl. 104; die lerch tut sich erschwingen mit irem hellen schal.
s. 113; die klare Bachara grüszt uns aus heller zungen. Fleming 187, 100
Lappenb.; ein steiler felsen steht, ob schon die schnelle bach hell rauschend um ihn scheust. A. Gryphius 1698 1, 446; heller wirbelt der hain (
der vogelgesang dort). Hölty 65
Halm; helle morgenmusik strömt vom wipfel.
s. 137; (
die wachtel die) ihren silberschlag so hell gellend anschlug. Ramler 1, 18; eben wie mädchenstimm umscholl ein helles gekreisch mich.
Odyssee 6, 122; hell wieherte der hippogryph. Schiller
Pegasus im joche; denn niemand wagt es, diesen oder den zu küren mit dem hellen ruf der wahl. Uhland
Ernst v. Schwaben s. 67; drunten singt bei wies und quelle froh und hell der hirtenknab.
ged. 13; da sprach das schweigen über allen mehr als der hellste jubellaut. 85; oft sasz er zwischen uns vergnügt und lachend, nur lacht er gar zu hell. H. Heine 16, 117.
von einer knarrenden thüre: der kühne graf erreicht das zimmer seiner schöne, und hemmet voller list der thüre helle töne. Zachariä 1, 222. hell
wird namentlich auch gesagt in bezug auf den ton der aus metall verfertigten musicalischen instrumente: trummet die häll gadt und in die gell,
tuba clara Maaler 205
b; mit ehernen cymbeln helle zu klingen.
1 chron. 16, 19; zwei glöcklein klangen helle. Uhland
ged. 214; die leier, die so hell erschollen. 243; er greifet in sein saitenspiel; das ist gar hell erklungen. 389; welch tiefes summen, welch ein heller ton zieht mit gewalt das glas von meinem munde? Göthe 12, 44; mit psalter, harfen und hellen cymbeln.
1 chron. 16, 16; gott feret auf mit jauchzen, und der herr mit heller posaunen.
ps. 47, 6; er wird senden seine engel mit hellen posaunen.
Matth. 24, 31; wenn die hellen kirchenglocken laden zu des festes glanz. Schillbr
glocke v. 96; horchend umringten diese das helle klavier. Voss 1, 121 (
Luise 3, 21).
von der laut schmetternden nachtigall: wen seine mutter unter den zärtlichen gesängen heller nachtigallchör empfing. Ramler 1, 55.
der gegensatz von hell in dieser bedeutung ist dumpf,
th. 2, 1523: dann strömte himmlisch helle des jünglings stimme vor, des alten sang dazwischen wie dumpfer geisterchor. Uhland
ged. 390.
In Obersachsen nennt man eine helle frau
eine solche, die laut und scharf befiehlt und schilt. 22)
mit hell
verbindet sich, wenn es von worten gesagt wird, zu der bedeutung laut der nebensinn deutlich: εὐστομία, ein guot auszsprechens, ein helle sprach. Alberus G 3
b; und folgends ... durch Hans Mühlnern den jungen das schöffen weiszthum offentlich mit heller stimm lesen lassen.
weisth. 2, 336. 33) hell
überträgt sich von dem gehör auf das gesicht und gilt 3@aa)
von den durchdringenden strahlen des lichtes und feuers: doch wer metaphysik studiert, der weisz, dasz wer verbrennt nicht friert, weisz, dasz das nasse feuchtet, und dasz das helle leuchtet. Schiller 97
b.
der gegensatz ist dunkel
oder finster.
in dieser bedeutung erscheint hell
nachweislich seit dem anfange des 16.
jahrh., wahrscheinlich aber schon viel früher, da die bedeutung 3,
b unten die eben genannte zur voraussetzung hat. was ist heller denn die sonne?
Sir. 17, 30; da die sonne schein und helle ward.
st. in Esther 9, 3; sein angesichte leuchtet wie die helle sonne.
offenb. 1, 16; die hellen sterne zieren die himel.
Sir. 43, 9; ich bin .. ein heller morgenstern.
offenb. 22, 16; hab ich das liecht angesehen, wenn es helle leuchtet?
Hiob 31, 26; mitten in dem selben fewr war es wie liecht helle.
Hes. 1, 4; wird dich erleuchten wie ein heller blitz.
Luc. 11, 36; mit einem hellen fewr.
ps. 78, 14; die hellen flammen der sterne.
weish. 17, 5; die helle lampen auf dem heiligen leuchter.
Sir. 26, 22; du wirst wie ein heller glanz leuchten.
Tob. 13, 12; heller denn der sonnen glanz.
ap. gesch. 26, 13; uber die da wonen im finstern lande, scheinet es helle.
Jes. 9, 2; die sterne am himel und sein Orion scheinen nicht helle, die sonne gehet finster auf, und der mond scheinet dunkel. 13, 10; die dicken wolken scheiden sich, das helle werde.
Hiob 37, 11; so wird es helle, wo es tunkel ist.
ps. 68, 15; die drei männer saszen wieder da und kreideten .. bei einer hellen lampe auf dem tisch, als hätten sie eine wichtige rechnung zu schlieszen. Grimm
deutsche sagen 1,
no. 15; da sprühten die hellen schmiedefunken mir vor dem gesicht umher. Immermann
Münchh. 2, 147; schein uns, du liebe sonne, gib uns ein hellen schein! Uhland
volksl. 75; auf get sie mir im herzen gleich wie die helle sonn. 120; er ist der morgensterne, er leucht mit hellem schein. 164; der mond der scheint so helle zu liebes fensterlein ein. 228; drauf kam der helle schein (
des lichts), liesz nichts nicht mehr verborgen auf gottes anbefehl. Opitz 3, 211; der mond ist aufgegangen, die goldnen sternlein prangen am himmel hell und klar. Claudius 4, 91; sie freuten sich der schönen glut, die, wie ein helles osterfeur, gen himmel flog. Hölty 37
Halm; Henning, es blizt! hell zuckte zum abendsterne die leuchtung unten vom bläulichen duft! Voss 2, 96 (
Idyll. 5, 238); Hespers heller kerze gleicht ihr aug. Ramler 1, 88; und in immer tiefre ferne zieh ich helle götterbahn. Uhland
ged. 55; hat er tapfer sich geschlagen, dasz die hellen funken stoben. 254. 3@bb) hell
ist das, was die strahlen des lichtes und feuers wiederspiegelt, in ihnen glänzt. hier berührt sich das wort mit heiter (2
und 3
sp. 921. 922),
und sein gegensatz ist wie bei der folgenden bedeutung trübe. hell
wird schon im 13.
jahrh. in dem angegebenen sinne von einem saubern metallgefäsze gebraucht: dô nam ich her für den napf mîn: der kunde heller niht gesî
n. frauend. 331, 22;
auch weiterhin von erz, schwertern (
vergl. hellgeschliffen): glinzeten wie ein hell glat erz.
Hes. 1, 7; hell funkelten im morgenroth die damascener-klingen. Bürger 54
a; helle schwerter klirren wild. H. Heine 15, 50;
von andern, glänzenden gegenständen: ein heller edelstein; helles silber; wie ein spiegelglas so hell; und seine kleider wurden helle und seer weis, wie der schnee (
καὶ τὰ ἱμάτια <μιλεστονε θνιτ="παγε" ν="482"> αὐτοῦ ἐγένετο στίλβοντα,
λευκὰ λίαν ὡς χιών).
Marc. 9, 3,
Ulfilas hat glitmunjandeins; ein man in einem hellen kleid (
ἐν ἐσθῆτι λαμπρᾷ).
ap. gesch. 10, 30; sahe des thals grau ziehenden duft, und des plätschernden baches helle flut. Voss 1, 110 (
Luise 2, 298), ja, ja, der wein, das ist mein element! in seinen goldig hellen liebesfluthen will ich gesund die kranke seele baden. H. Heine 16, 75; prachtgebäude und paläste schimmern hell im glanz der sonne. 15, 58; dies kleinod, hell wie sonnenschein, ein riese trägts im schilde sein. Uhland
ged. 339;
von der strahlenden schönheit der natur und der guten jahreszeit: hellscheinende bletter (
des weinstocks). Spangenberg
lustg. 130; kumt der helle summer. Uhland
volksl. 703; wo hoch und golden sich die ernte hebt, mit rothen, blauen blumen hell durchwebt.
ged. 115; seid ihr bei den güldnen blümlein, die auf lieblich grüner aue funkeln hell im morgenthaue? H. Heine 15, 71;
vielfach auch von der glänzenden schönheit eines menschen, von herrlichen abschnitten seiner lebenszéit: darausz sie denn (es ist nicht zu sagen, wie schön sie würden an allen gliedern) so schön und helle allen anzuschauen wären. Schuppius 418; die heilige engel sind geister zum ebenbild gottes, gerecht, verständig, frei, keusch, hell, schön, klar, .. erschaffen.
Simpl. 2, 60
Kurz; auf dem vorgrund einer hellen warmen jugend. J. Paul
Hesperus 3, 159; die helle kinderzeit, die ja allen menschen einerlei Eden verheiszet.
flegelj. 1, 144; während zwischen dem professor und dem doctor eine helle frauengestalt aufstieg. Freytag
handschr. 1, 171; sein angesicht war freundlich gar, sein ganzer leib war hell und klar.
aus Herders nachlasz 1, 171; nächtlich stille, hell im dunkel, also kommt, so herrscht der held (
Christus). Herder
zur sch. litt. 4, 114;
übertragen ferner helle thaten,
glänzende, strahlende: keine ewig helle that hebt dich aus der nacht der grüfte. Uhland
ged. 6. helle augen,
glänzende, klare: das die augen des herrn viel heller sind, denn die sonne.
Sir. 23, 28; helle, klare augen,
oculi clari, nitentes, fulgentes Frisch 1, 441
a; sie durft aus deinen hellen augen den glanz der himmel in sich saugen. Uhland
ged. 19; klein Roland hebt die augen hell, den öhm begrüszt er laut. 338. 3@cc)
auch in den formeln heller tag, heller morgen, heller himmel
u. ähnl. schlieszt sich das adjectiv noch der gegebenen bedeutung an, obwol hier seine abschwächung zu der bedeutung 4
bereits vorbereitet wird. denn während helle sonne
und heitere sonne
im begriffe identisch sind, bezeichnet heller tag
weniger wie heiterer tag (
vergl. sp. 921): wil ich die sonnen am mittage untergehen lassen, und das land am hellen tage lassen finster werden.
Amos 8, 9; am hellen tage, auf breiter strasze musz man dahin wandeln. Kotzebue
dramat. sp. 2, 197; sofern das wetter nur einigermaszen hell war. Immermann
Münchh. 2, 139; eine helle nacht; die hellen nächte des hohen nordens;
sprichwörtlich das liegt am hellen tage,
ist offenbar; tautologisch auch am hellen lichten tage,
vergl. unten helllicht; der wechter an der zinnen ... den hellen tag anblies. Uhland
volksl. 177; und als der helle morgen anbrach, da hub sie an zu weinen. 220; ach! ihr güldenen dukaten ... lächelt nicht am himmel hell. H. Heine 15, 72. 44) hell
ist in der bedeutung abgeschwächt von dem glänzenden, leuchtenden zu dem blosz lichten, erleuchteten; als gegensatz tritt, wie bei 3,
a, dunkel
oder finster
auf. ein heller saal; ein helles zimmer; ein heller park; in einem gar hällen zimmer wohnen,
in bene illustri conclave habitare Steinbach 1, 669; in dem orte ist es hälle,
hic clarus et illustris est locus. das.; das ganze lager wird vom feuer hälle,
castra omnia magno ignis fulgore collucebant. das.; wie sehr verwundert müszte er aber sein .. nur drei frauenzimmer, die baronin, Hilarien und das kammermädchen in hellen zimmern zwischen klaren wänden, neben freundlichem hausrath, durchaus erwärmt und behaglich, zu erblicken. Göthe 22, 83; das haus war für eine privatwohnung geräumig genug, durchaus hell und heiter. 24, 37; wo eine helle gränze über die dunkle umgebung hinaustritt. 52, 109; eine unterirdische treppe, welche aber ganz hell schien. Grimm
deutsche sagen 1,
no. 15; ein dunkler todtenflimmer macht indesz die fenster helle. Hölty 35
Halm. helle wälder,
solche die '
gelichtet'
sind; der wald wird hell,
wenn gegen den ausgang die bäume weniger dicht stehen und das licht herein lassen; bildlich in einer redensart: glück zu Franz! weg ist das schooszkind — der wald ist heller. Schiller
räuber 1, 1. 55) hell
zugleich mit dem nebensinne rein, so namentlich in bezug auf wasser, glas: dieses wasser ist nicht ganz hell; ein hälles glas,
vitrum nitens Steinbach 1, 669; helle fensterscheiben,
solche die sauber geputzt sind; mein vater, euer strom musz hell und sauber flieszen. A. Gryphius 1698 1, 711; ihm wird ein glasz gereichet, .. ein helles cristallin. Opitz 1, 62; da rieselt so helle vom felsen die quelle. Uhland
ged. 317; ... gieng zu einem quelle: da wusch er sich von staub und blut gewand und waffen helle. 342. 66)
an diese bedeutung reiht sich der häufige gebrauch von hell
als rein in weniger concretem sinne, vielmehr rein, offenbar, pur, nichts als. wenn es heiszt: das wir sein heiliges wort und die heilige biblia hell und lauter in die deudsche sprache bracht haben. Luthers
bibel von 1548,
warnung, so wird die bedeutung von hell
hier noch ganz sinnlich empfunden; ebenso in späteren beispielen: die reinste und hellste menschheit, die sich nicht schämt, weil sie sich nicht zu schämen braucht. Tieck
Sternb. 2, 351,
wo rein
und hell
eben so zu einander stehen, wie oben hell und lauter; will sie auch für euch all begrüeszen mit einem lied wahr, hell und rein. Weckherlin 339;
in andern belegen aber ist der concrete sinn verdunkelt (
vergl. einen ähnlichen übergang von klar
th. 5, 989): die helle dürre warheit an den tag bringen. B. Armati
rettung der edlen teutschen hauptspr. C
b; er habe nur die teutsche helle warheit der welt reveliret. B
b; aus der hellen erfahrung vergewissert. Chr. Weise
erzn. 32; die helle einfalt. Hermes
Soph. reise 4, 166; nachbars Daniel wolte das gute Suschen aus heller bosheit .. in den bach herunter stoszen. Musäus
kinderkl. 89; nun müszte einer aber gewisz sehr übler laune sein, wenn er diese art, der einbildung oder dem gedächtnisse zu hülfe zu kommen, für den hellen weg zum aberglauben erklären ... wollte. Möser
verm. schriften 1, 333; dasz helles blut aus der wunde spritzte. Beckers
weltgesch. 1, 271; das bluot zur stirn usz ran, mit hellen tropfen thet es uszher brächen. P. Gengenbach 41, 74
Gödeke; so an einer steigerung kömmt man oft um hellen spott zu sachen, die man lange gern gehabt hätte. J. Gotthelf
schuldenb. 296; wo wir um acht uhr (
abends) bei hellem regen anlangten. Sicherer
Lorelei (1870) 1, 36;
adverbial: diese religion hilft ihren trägern im unglück hell nichts. J. Gotthelf
schuldenb. 45;
vergl. auch hellauf; sie fragt in heller unschuld: was? was ich wohl von ihr wollte? Bürger 30
b; helle thränen,
deutliche, ausgebildete thränen: dasz .. ihr die hellen zäher in die augen schossen.
Amadis 92; beredter als ein Demosthen sprach unser held, nicht ohne helle zähren zu weinen. Wieland 10, 296; helle thränen uns vom auge flieszen. J.
M. Miller
ged. 59; trocknet mit dem weiszen leichentuche sich die hellen thränen ab. Hölty 61
Halm; von heller haut lachen,
stark lachen, wol so dasz das lachen über den ganzen leib zu gehen scheint: der teufel lacht von heller haut (
auf eine frage). Fischart
v. s. Dom. 3521
Kurz; in einem andern beispiel aber scheint es wie von heiler haut (
sp. 815)
zu stehen: auch lach zu zeiten uberlaut, on all ursach von heller haut, das niemandts weisz was das bedeut. Scheidt
grob. B 1 (
b. 1,
cap. 2). 77)
die letzten beispiele zeigen, wie hell
zu seinem substantiv schon fast als rein verstärkendes adjectiv in beziehung tritt; das wird auch anderweit beobachtet: er läuft in hellem sprunge. Meinert
Kuhländchen 229,
d. h. läuft in tüchtigem, derbem sprunge; namentlich in der formel der helle haufe,
die schon früh sich ausgebildet hat (
vergl. auch haufe
sp. 585);
es wird damit eigentlich der kern des heeres, die beste streitmacht (
im gegensatze zu vortrab
und nachtrab)
bezeichnet: do nimb zweitausend, zeuch hinauf, das im lager bleib der hell hauf. H. Sachs 3, 1, 26
b;
woneben es in freiere verwendung kommt: und bedanket sich gegen dem gemeinen mann und dem ganzen hellen haufen. Reuter v. Speir
kriegsordn. 69; erinnerung an den ganzen hellen haufen. Kirchhof
mil. disc. 65; wünschet dem ganzen hellen haufen viel heil.
s. 70; feldherr beschauwet und ermahnet den hellen haufen vor dem angriff. 158; disen ganzen hellen haufen (800,000
mann) hat diser fundgrübner zu gast gebeten und reichlich bewirtet. Mathes.
Sar. 14
b; es was auch schon dahin kommen, dasz der ganz häll hauf (
der ausziehenden juden) von durst dahin fiel. Forer
thierb. 47
a; dasz er als ein ... Goliat dem hellen haufen der lutherischen .. hon spricht. Fischart
bienk. 66
a; der ganze helle hauf.
Werth. Ded. 1, 260; der helle haufe dringet sich umb das ufer her. Opitz 1, 247;
namentlich bilden sich die fügungen mit, in hellen haufen
immer mehr zu festen formeln aus: es lagen
s. f. g. der pfalzgraf allda .. mit dem ganzen hellen haufen herum bis an 11 tage stille. Schweinichen 1, 271; darumb begab sich könig Genserich .. in Africam .. mit hellem haufen. Micrälius
alt. Pommern 1, 62; dasz sie drauf mit hellem haufen die Sachsen angefallen hetten. 2, 198; die Hunnen brachen mit hellen haufen an 2 verschiedenen orten ein. Hahns
hist. 1721 1, 45; nunmehro ging die ganze flotte mit hellem haufen auf die Athenienser los. Heilman
Thucyd. 413; die landvölker folgten mit hellem haufen nach. 635; o ja, o ja! schnatterten die Abderitinnen, und nun liefen sie in hellem haufen auf den Euripides zu. Wieland 19, 347 (306); als er mit seinem hellen hauf reit einen hohen berg hinauf. Uhland
volksl. 277; hernach kam Staphylus, der meister in dem saufen, der kahle Botrus auch mit ganzem hellen haufen. Opitz 1, 437; Rom war nie besser auf, als wie die hohen sinnen ein niedrig dach bewohnt: so balde sie beginnen an schlechter einfalt klein und bawen grosz zu sein, reist schand und üppigkeit mit hellem haufen ein.
werke (
Straszb. 1624) 231; allein man schrie mit hellem haufen: was denkt der thor von unsrer stadt? Merk
briefs. 1, lix; da kommt das ganze städtchen und feilscht und wirbt mit hellem hauf ums allerlei im lädchen. Göthe 1, 37.
nach dem hellen haufen
bilden sich ähnliche formeln: die ganze helle bande der räuber. Bechstein
märchenb. 111; die göttin (
Venus) setzt sich auf und fährt also davon: die helle zunft folgt drauf. Fleming 69, 36
Lappenb.; trottiren und stäuben zu nellen schaaren. Göthe 13, 3; sie möchten gerne mit hellen schaaren aus ihren eignen häuten fahren.
s. 54; führen wir mit hellem heere eilig zum ägäischen meere, würd uns jede lust zu theil. 41, 135; da harrten schon zum festlichen empfang die frauen und der jungfraun helle schaar. Uhland
ged. 379. 88)
noch in anderer weise verläuft die bedeutung von hell 4 (
sp. 963),
so dasz der begriff des glanzes nicht mehr hervortritt; es gilt von farben, die sich dem weisz nähern: helle farben; ein helles blau, helles braun,
vgl. unten hellblau, hellbraun
u. a.; so helle wolken,
weisze, im gegensatz zu schwarzen, dunkeln wolken: wenn hoch obenhin die hellen frühlingswolken ziehn. Uhland
ged. 36; ein heller rock, ein helles kleid; die helle haut; die farbe ihres haares war ein helles blond; wandte sich weg, und streifte der baumwoll helles gewirk ab (
den strumpf). Voss 1, 138 (
Luise 3, 169); sie wusch sich heftig die augen aus, und helle ward aug und gesicht, und weisz und klar stellt sich die schöne müllerin dar. Göthe 1, 216; schwarze kleider machen die personen viel schmäler aussehen, als helle. 52, 20; das rothe ist verhältnismäszig gegen das schwarze viel heller als das blaue. 117. 99) helle augen (
abweichend von oben 3,
b),
solche, die volle sehkraft haben, das licht aufzufassen vermögen, während gegensätzlich dazu dunkele augen
blöde, der sehkraft beraubte sind (
th. 2, 1534): ach wär dein auge helle! E. v. Kleist 1, 112; und rieb die äugelchen sich hell. Gotter 1, 90. 1010) hell
in bezug auf erkenntnis und verstehen; in mehrfacher wendung, und mit dem allgemeinen begriffe klar, deutlich. 10@aa) er ist ein heller kopf, ein heller geist; er hat einen hellen blick; ein helles auge für die erfordernisse der zeit; unter einem hellen kopfe denkt man sich das talent einer lichtvollen, der fassungskraft des gemeinen verstandes angemessenen darstellung abstracter und gründlicher kenntnisse. Kant 1, 390; ich habe ihn als einen hellen forschenden mann gekannt. Claudius 5, 138; er ist ein mathematiker und also hartnäckig, ein heller geist und also ungläubig. Göthe 23, 221; es war (
meine frau) ein heller gast. Möser
verm. schr. 2, 33; der mann wuszte noch nicht völlig wie schwer es sei mit köpfen umzugehen, in denen es nicht hell ist.
Siegfr. v. Lindenberg 1, 96; als ich einen augenblick nachdachte, wurde es auf einmal helle in meinem kopf. Lichtenberg 5 (1803) 172;
präs. damit nun der fürst im netz meiner familie bleibe, soll mein Ferdinand die Milford heirathen — ist ihm das helle?
Wurm. dasz mich die augen beiszen. Schiller
kab. u. liebe 1, 5; helle verständigkeit und blinder glaube. Arnim
kronenw. 1, 246; rege und helle bedachtsamkeit. Niebuhr
kl. schr. 1, 22; und im geiste ward mirs helle. Rückert 289; darumb ist es hell gnug, das Moses der Jüden gesetzgeber ist, und nicht der heiden. Luther 3, 167
a; denn der unterschied zwischen beiden dichtarten ist hell. J. Paul
vorsch. d. ästh. 2, 89; das schöne bild seiner phantasie stand bald ganz hell vor ihm, bald rückte es tief in den hintergrund hinab. Tieck 26, 184;
ein fieberkranker, ein irrsinniger hat helle augenblicke,
in denen er klar denkt und versteht. 10@bb) helle worte: damit er einen nebel und wolken macht, das man diese helle wort nicht sehen solle. Luther 3, 61
b; das er helle klare wort beide aus den augen und ohren reiszen wil. 64
b; es sollen dürre helle sprüche und text da sein, die mit klarem verstand uns zwingen. 65
a; hieszen das sacrament nicht messe, sondern auf helle deudsch, ein opfer. 52
a; da stehen unser helle, dürre, freie wort, on alles tunkeln und mausen. 6, 108
a; dieses sind Pauli helle, gewisse wort und klare sprüche. J. Jonas
daselbst 383
b; darumb hat ein jeder fromer christ wichtige, nöthige, und helle ursachen gnug, das er dem bapst nicht gehorsam leiste.
von der gewalt und oberkeit des bapsts, das. 527
b; wie sy von uns ein häll wort (
bibelstelle) erfordrend, darinn stande man sol kinder toufen. Zwingli
vom touf (
Zürich 1525) n 1
b; nicht desz weniger haben wir helle beweisung in der schrift darvon. Fischart
bienk. 80
b; weil denn diese zeit von weihnachten an bisz daher die höchsten articul von Christi geburt, leiden, sterben und auferstehung aus hellen und klaren texten sind gehandelt. Schuppius 841; er glaubte den hellen wink des schicksals zu verstehen, das ihm durch Marianen die hand reichte, sich aus dem stockenden .. leben heraus zu reiszen. Göthe 18, 46. 10@cc) hell
adverbial: s. Paulus .. spricht frei und helle. Luther 3, 41
a; der heilige geist kan fein hell, ordentlich und deutlich reden. 50
a; das wir unsere christliche freiheit verteidingen und heller verstehen. 58
a; hell, teutsch und klar genug. B. Armati
rettung der edlen teutschen hauptspr. D iiij; eine hell eingesehene unmöglichkeit. Schiller 731; ich musz in dieser sache erst hell sehen, ehe ich urtheilen kann; ein jeder rür im selbst die schell, so merkt er seine thorheit hell. Fischart
nachtrab 2916; so viel alphabet (
druckbogen) voll weisheit, hell erklärt, und kettenweis bewiesen, jahr aus, jahr ein, gedruckt, und monatlich gepriesen. Gellert 2, 54; ich fühle klar und helle, was mir ewig, ewig dunkel bleiben sollte. Schiller
don Carlos 1, 5; du bist so weise? willst heller sehn als deine edeln väter?
Tell 2, 1. 1111) hell
in bezug auf stimmung und gemüt, soviel wie ruhig klar und heiter: dasz er seine beiden hände unter das schurzfell steckte, und dieses lustig in die höhe schnellte, und uns ungemein verschmitzt anblickte. ich benutzte und erhöhte seine hellere stimmung. J. Paul
herbstblum. 3, 81; er ist nicht heiter. warum ist ers nicht? ... war er doch ein ganz andrer auf der reise! so ruhig hell! so froh beredt! Schiller
Piccolom. 3, 4; klärt eure finstern blicke auf, seid heiter und hell heut abend unter euren gästen!
Macbeth 3, 5; wie anders ist mirs nicht?wie heller seit der zeit? Göthe 7, 75; theurer freund, du bist verliebt, und dich quälen neue schmerzen; dunkler wird es dir im kopf, heller wird es dir im herzen. H. Heine 15, 162.
auch von gesicht und minen, die die stimmung widerspiegeln: seine finstern minen wurden helle. 1212) hell
im substantiven gebrauch. es heiszt gewöhnlich das helle,
seltener und meist poetisch das hell: dasz zur erzeugung der farbe licht und finsternis, helles und dunkles .. gefordert werde. Göthe 52, 8; aus dem hellen ins dämmernde.
s. 17; das höchste nicht blendende helle wirkt neben dem völlig dunkeln.
s. 19; der mond der hat alles ins helle gebracht, der kirchhof er liegt wie am tage. 1, 229;
bildlich: doch lerne früh das lob entbehren, das hier die scheelsucht vorenthält. gnug, wann versetzt in höhre sphären, ein nachkomm uns ins helle stellt! Lessing 1, 98; ragten zerstreute gebäude aus ihrem stillen letzten hell in die dunkle gegend.
Dya Na Sore 2, 324. —
ohne artikel: wie sich die netzhaut gegen hell und dunkel verhält. Göthe 52, 19.