groschen,
m. II.
form. I@11)
das wort zeigt, wie nach dem grundwort, mlat. grossus,
zu erwarten, in den älteren quellen ss
oder sz:
grossus eyn grosze, en grosse, krosse Diefenbach 270
b;
Thuronensis grosz 602
c; 2 schog behmischer grossen
Marienb. treslerb. 103, 23
Joachim; bair. herrschen im 15.
jh. formen wie zwen gros, sechs grosz, zwen grosen Schmeller 1, 1014;
doch in Tuchers
baumeisterb. funf gross 101, 9
neben fünf grosch 112, 26;
in den fastnachtspielen umb
ein grossen 1, 369, 5
neben grosch 208, 12; 265, 17
u. ö. im schwäb. dauert die s-
form noch länger; in den Augsb. chroniken des 15.
jhs. fast allein üblich, s. Fischer schwäb. 3, 851;
doch grosch
städtechron. 5, 112, 6;
auch im anfang des 16.
jhs. noch auftretend: (
der hafter galt) 14 grosz ain schaff
städtechron. 23, 464, 13;
vgl. 465, 19;
erst in Clem. Senders
chronik herrscht grosch: 1 schaff koren um 10 grosch
ebd. 34, 23;
vgl. 81, 7; 102, 15.
am zähesten hält das alem. an der echten form fest: belege bis ins 17.
jh. bei Staub-Tobler 2, 802;
vereinzelt, aber gewisz nur orthographisch, auch bei Luther: die pfennige und grossen 19, 77, 27
W. aus dieser s-
form verniederdeutscht sind die münzbezeichnungen nd. grot,
engl. groat. I@22)
das bislang unerklärte sch
von groschen
wird aus der böhm. form groš
herzuleiten sein; denn der böhmische groschen ist das vorbild des deutschen geworden (
s. u. II 1),
und im böhm. muszte aus lat. grossus
lautgesetzlich groš
entstehen; daher fast alle nachweise für sch
aus dem 14.
u. 15.
jh. nach Ostdeutschland führen, s. die belege unter II 1;
vgl. noch das stadtbuch von Falkenau ed. Rietsch, das s. 32
ff. nur die form grosch(en)
kennt. die dem böhm. groš
entsprechende kurzform grosch
ist in älterer sprache sehr verbreitet: grosch
regalis Diefenbach 490
a; grasch
grossus 270
b; der grosch
fastnachtsp. 1, 208, 12; ein baierisch grosch Aventin 4, 402, 7; ein behemischer weisser grosch Mathesius
Sarepta 176
b;
auch im accus.: den verloren grosch Berth. v. Chiemsee
teutsche theol. 284;
im stadtbuch von Falkenau heiszt es gewöhnlich einen groschen 35,
aber das macht viii grosch 34, newn grosch 36
u. dgl.; für zwen grosch
fastnachtsp. 1, 265, 17
K.; weitere belege s. II 1, 4, 7.
die lexicographen des 17.
jhs. bevorzugen die kurzform, so Hulsius (1618) 2, 183
b; Orsäus
nomencl. method. (1623) 147; Zehner
nomencl. (1645) 314; Stieler 708
setzt an grosch, groschen;
auch im 18.
jh. noch grosch
bei Kramer
teutsch-ital. 1, 567
c;
Frisch (1741) 1, 375
hat nur grosch, Weitenauer
orthogr. lex. (1764) 58 grosch, groschen.
bei schwacher flexion des sing. scheint die nom. form grosche
nie sonderlich verbreitet gewesen zu sein: grosche
grossus Diefenbach 270
b; grösche Luther, Henckel
s. u. 3; grosche Zincken
allg. öcon. lex. 993; ein verlorner grosche Zinzendorf
reden in Bethel gehalten (1758) 55;
vereinzelt noch im 19.
jh.: der grosche, den ich aufgehäuft für mich
Shakespeare 8, 78;
doch heute auch mundartlich: groske Bauer - Collitz 146;
aber seit dem 16.
jh. auch im nom. sing. mit steigender häufigkeit groschen: mein groschen ist gefunden Fischart
geschichtklitt. 107
ndr.; so bei Gryphius
s. II 5, Petri II 7, Ang. Silesius II 8;
seit dem 18.
jh. bei den lexicographen vorherrschend: groschen Dentzler 2, 140
b; Steinbach 1, 645; Aler
dict. (1727) 1, 984
a; Apinus
gloss. nov. 255. I@33)
gewisse md. gebiete zeigen seit alters umgelautete formen: ein grösche Luther 33, 127, 10
W.; die grösschen 18, 71, 1; kein grösche Henckel
gewissens tritt (1621) 27; '
olim gröschen' Stieler 708;
entsprechend noch in heutiger ma. jreschen Hertel
Thür. 110; Liesenberg 147. IIII.
bedeutung und gebrauch. II@11)
in Frankreich wurde seit der münzreform k. Ludwigs IX. 1266
zur ausprägung des bisher nur als rechenwerth geltenden solidus (= 12
denarii)
eine dickmünze, der (denarius) grossus
geschlagen, nach seiner prägestelle grossus Turonensis, gros Turnois,
genannt. die münze fand schnell auch in Deutschland anklang. der name begegnet als turnos, turneis, tornusch
u. ä. bis ins 16.
jh. Lexer 2, 1586; Diefenbach 602
c s. v. Thuronensis; auch mit adjectivierung des grossus: ein pfenningbrot galt 3 grosze turnose
städtechron. 8, 53 (Closeners
Straszb. chr.)
; von den dreiszig silberlingen: ir wærind viere also guot als nu ain grosser turnei tuot
Schweizer Wernher
Marienl. 8106;
im j. 1300
liesz Wenzel II. von Böhmen nach franz. vorbild in Prag silberne dickmünzen schlagen, die grossi Pragenses (du Cange 4, 117
a)
oder böhmischen groschen,
die sich solcher beliebtheit erfreuten, dasz sie bald in den nachbarländern, später in ganz Deutschland (
mit ausnahme der küstengebiete)
nachgeprägt wurden; vgl. Krünitz 20, 116
ff.; Halke 120
ff. das wort wurde allmählich zur gangbarsten münzbezeichnung in Deutschland; attributive adjectiva müssen die sehr verschiedenen münzsorten scheiden: ein guldener, halb guldener groschen Fischer
schwäb. 3, 851 (
Ulm 1529); wie ein armer bergkmann .. bisz in hundert tausent gülden groschen ... auszbeut gehaben Mathesius
Sarepta 17
b; steck' unter seine zung' ihm diesen güldnen groschen Lohenstein
Cleopatra (1680) 104;
vgl.gülden-groschen Frisch (1741) 375
b; der (
sc. müntz) von zin (
gelten) xxv für ein silberin grosch Seb. Franck
weltb. (1534) 207
a; eine yede person ein silbern groschen Luther 12, 28
W.; vgl. silbergroschen th. 10, 1, 1009; küpfferne Marien-groschen (
d. h. gefälschte) Weise
erznarren 16
ndr.; im osten Deutschlands waren im 18.
und 19.
jh. kupfergroschen
des polnischen münzsystems im kurs, vgl. Bernd
Posen 83; Frischbier 1, 255;
daher die redensart: einen roten groschen bei seite legen
zs. für d. maa. 6 (1911), 58; a. 1506 werden gemacht bayrisch weisz grosch, der ainer ... ainlfthalb schwarze pfenning gilt Schmeller 1, 1014; auff zalten sie vier weisse groschen
bergreihen 48
ndr.; vgl. Weilmeyr 261; schwarze groschen Jacobsson
technol. wb. 5, 738
b;
vgl. ein groschen schwarzer münze Adelung; auch huob man an die gantzen grosz ze stempffen
städtechron. 4, 321; halber oder schwertgroschen
dimidius grossus Stieler 709; a. 1390 sollen keine halben grossen weiter geschlagen werden Schmeller 1, 1014;
vgl. Weilmeyer 253
f.; doppelte groschen
ebd. 250; Marperger
kaufmann-mag. 986; ein hauffen alte grosse böhmische groschen
disc. v. d. itzigen zustand d. kipper u. wipper a 2
a; dasz nicht .. grosse groschen vor zweygroschen-stücken ... mit eingezählet werde Schmidt
rockenphilos. 1, 13; ain kleinen groschen oder sieben kleine pfennig quattembergelt
mittheil. d. ver. f. gesch. d. Deutschen in Böhmen 39, 85;
vgl. Jacobsson 5, 738
b; mittelgroschen Krünitz 20, 122; dieser hohmeister (
Heinrich Deszmer 1345) müntzete zum ersten die breiten groschen in Preussen Schütz
hist. rer. pruss. (1592) 81
a; umbe eine und sechzcig schok und hundert breiter groschen
lehnbuch Friedrichs d. Strengen 283; umbe firczenhundert schok smaler groschen
ebd. 282;
vgl. Krünitz 20, 120
f.; Frisch 375
b.c; leichter groschen,
Hassiacus, alias dickbein Stieler 708;
nach dem prägbild: hornichte, schildichte groschen Frisch 1, 375
c; bärtige groschen Wachter 617; guter groschen
seit dem 18.
jh. sehr geläufig, gewöhnlich für den meisznischen groschen, von dem 24
auf einen reichsthaler gehen, vgl. Frisch 1, 375
b; Weilmeyr 252
ff.; (
er) erhielt für die stunde einen guten groschen Göthe
gespr. 1, 11; vier gute groschen hab' ich gespart Hebbel
w. 6, 167;
dagegen scheint ein guter grosch
un buon grosso Kramer
teutsch-ital. 1, 567
c als gegensatz zum bösen groschen (
s. u.)
gemeint; schlechte groschen
im fränk. Jacobsson 5, 738
b;
in älterer sprache häufig auch alter groschen: einen englischen, deren drey einen alten grossen thun
quelle v. 1357
bei Frisch 1, 376
b; Heinz Mist hat alter groschen vil
fastnachtsp. 1, 109, 17
K.; was wöllen ir darfür haben? der meister sprach: ein alten groschen
Eulensp. 72
ndr.; neue groschen Halke 320 (15.
jh.); neuer groschen
nummus recens percussus Stieler 708;
noch zahlreicher sind die unterscheidungen nach dem ausgabeland oder -ort; am verbreitetsten war in älterer zeit der böhmische groschen: a. 1433 gehn 20½ behemisch grosz auf den gulden rhein. Schmeller 1, 1014
nebst weiteren belegen, in jüngerer tritt besonders hervor der meisznische
allg. dtsche bibl., anh. zu 25—36, 3312
oder (ober)sächsische groschen Steinbach 1, 645; Chomel
öcon. lex. 4, 1363;
zu den geringwerthigsten gehörte der polnische groschen
pars imperialis nonagesima Steinbach 1, 645;
daher: wie sie allsammt blank ... wären und keinen polnischen groschen im beutel hätten Gaudy 3, 142;
ausführliche liste dieser art bei Weilmeyr 250—266; Frisch 1, 375
f.; ein nicht vollgewichtiger groschen heiszt böser
gr.: worunter (
unter den 2
fl.) doch ein böszer grosch gewesen J. Thomasius
aufzeichn. 313; man streitet ... über böse groschen E. Th. A. Hoffmann 1, 10
Gr.; gelegentlich auch bildlich im sinne '
leichte ware': im schlusz .. geht freilich wol ein böser grosch mit durch Er. Francisci
lust. schaub. (1698) 2, 634. II@22)
bei gröszeren zahlungen rechnete man ehedem nach schock groschen: zwei tausent geschoke ... preiter guter Freiperger grosen
quelle v. 1373
th. 4, 1, 3, 4507
δ; item 10 schok bemischer groschen
Marienburg. tresslerbuch 9, 2
Joachim; zahlreiche weitere belege unter schock,
th. 9, 1433;
vgl. Halke 320;
seltener ist die rechnung nach mark groschen: alle iar 20 mr. groschin czu czinse
archiv f. österr. gesch. 31, 115;
nach Adelung 3, 1616
f. in Böhmen im 13. 14.
jh. gleichwerthig mit schock groschen. II@33)
im 18.
und beginnenden 19.
jh. hat, in Norddeutschland wenigstens, der gute groschen,
der 12
pf. gilt und von dem 24
auf einen reichsthaler gehen, die vorhand, vgl. Aler
gloss. nov. (1727) 255; Frisch 1, 375
b; Chomel 4, 1363;
deshalb sagt der prahler: sechs und zwanzig groschen gilt mein thaler! Göthe 2, 250
W.; kleine groschenmengen regeln sich daher nach dem duodecimalsystem; manche dieser werthbezeichnungen sind, zur formel erstarrt, in niederer sprache bis heute lebendig geblieben; die kleinsten mengen, zwei und vier groschen, treten schon sehr früh als landläufige summen mehr oder minder formelhaft auf: die (
eam) nem ich fur zwen grosch ein nacht
fastnachtsp. 1, 265, 17
K.; dein vater .. hat mir offt ein gantze wochen nit tzween groschen in die kuchen gegeben Vogelgesang
heiml. gespr. 24
ndr.; wer einen schandfleck braucht, der darf zwey groschen zahlen Stoppe
Parnasz 318; der kamerer zu dem pfarrer sprach: nempt hyn vier grosch, get selbst darnach
pfarrer v. Kalenberg 68
ndr.; die wochen vier groschen fastengeld
n. samml. v. schausp. (1764—69) 6,
haush. n. d. mode 57; und spendirte ihre vier groschen .. zur kanne wein Joh. Riemer
polit. maulaffe 2;
als festes eintrittsgeld: (
ein student) der jederzeit geschmack an dieser bühne fand und ihr auch tag vor tag vier groschen zugewandt Rost
verm. ged. 67; wie scheusale angestaunt .. von bürgern um vier groschen Göthe 17, 100
W.; ich bitte sie um vier gute groschen
um alles in der welt Albrecht
Leipz. 126
a; bey den musterungen sol .. iedweder person desz tages 6 weisse groschen ex publico erfolgen
acta publ., verhandl. d. schles. fürsten u. stände 2, 119;
diese summe (= ¼
thaler)
aber erst in jüngerer zeit häufiger: wir geben alle monate sechs groschen in die armencasse Raupach
dramat. werke kom. gattung 4, 66; er hat neulich den Aaron geprügelt und ihm sechs groschen genommen Droste-Hülshoff 2, 268;
desgleichen: wilstu mit gehen, so kanstu auch 8
gr. verdienen Chr. Reuter
ehrl. frau 32
ndr.; für acht groschen sohle habe ich mir von den stiefeln gelaufen Raupach
dramat. werke kom. gattung 2, 145; eine soldzulage von zwölf groschen monatlich Meinecke
Boyen 2, 126; (
das buch) kostet .. hier und in Potsdam 16
gr. Lessing 7, 2
M.; er soll sich ja wohl sechzehn groschen erspart haben G. Hauptmann
Rose Bernd (1904) 15;
das erstarren gerade dieser summenzahlen wurde dadurch begünstigt, dasz für sie besondere münzstücke vorhanden waren; vgl. groschenstück, gröschner; -gröschler
unter gröschlein.
als durch das reichsgesetz vom 9.
Juli 1873
die neue reichswährung eingeführt wurde, übertrug man die bezeichnung auf das 10-
pfennig-stück; so heute noch allgemein; ein treueres festhalten an älterer währung liegt vor, wenn sich bezeichnungen wie zwei groschen
für 25
pf., sechs groschen
für 75
pf. in der landbevölkerung (
z. b. Schlesiens)
bis ins 20.
jh. gehalten haben. II@44)
das nebeneinander vieler groschensorten in älterer zeit führte dazu, dasz das wort auch schlechthin im sinne '
münze'
gebraucht werden konnte: ein iglicher gab ihm einen schönen grosschen
Hiob 42, 11; verehret mir auf den fall ein schön groschen, der ungefähr 9 gran schwer war Schweinichen
denkw. 78
Österley; nachklingend in fällen wie: wir kaufen .. eine pelzmütze und hängen .. einen blanken groschen an die troddel Fontane I 1, 288; '
unter der benennung groschen
oder dickpfennige
werden in den münzgeboten von 1506
und 1513
allerley ausländische .. münzstücke aufgeführt' Schmeller 1, 1015;
noch das 18.
jh. konnte das wort so verstehen Krünitz 20, 116;
daher bildungen wie groschenkabinett,
s. d. II@55)
der literarische gebrauch des wortes spiegelt in der wechselnden farbe des ausdrucks vielfach das sinken des münzwerths wieder: ich habe ir selbs viel erlebt, welche in die tasschen griffen .. und keins grosschen nicht achten, aber hernach fro weren worden, das sie so viel heller hetten gefunden Luther 32, 471
W.; der todte gilt ihnen etwan ein pfennig, der lebendige aber vielmahls ein groschen .. oder mehr Aitinger
jagd- und weidbüchl. 144;
erst in jüngerer zeit mit dem beisinn der geringwerthigen münze: preise dem kinde die puppen, wofür es begierig die groschen hinwirft Göthe 5, 245
W.; (
kerle zu diesem spasz) find ich an jeder ecke und bezahl' sie nur mit groschen Grabbe 2, 67
Bl.; auch erst in jüngerer zeit als almosen: dasz ich einem knaben, der neben mir vorbeihüpfte, einen groschen bot Schiller 4, 69
G.; er pflegte .. stehen zu bleiben, bis ihm ein groschen zugeworfen wurde Holtei
vierzig jahre 1, 51,
sehr anders im ethos als im 16.
jh.: wo sie (
die landstreicher) nit etliche grosschen, herberg und maltzeit dazu kriegen, so .. Pape
bettel- und garteteufel k 2
b;
ebenso scheiden sich: ich gib euch ein pfunt (
feigen) neur umb ein grossen
fastnachtsp. 1, 369
K. und: man konnt' an kirschen mehr als zwölf pfund am gewichte um einen einz'gen groschen kaufen Brockes
ird. vergn. 2, 433;
im scherz: ein stiller behäbiger mann, er sprach nicht viel um einen groschen Auerbach
schatzk. 1, 4;
deshalb auch erst in neuerer zeit in mannigfachen wendungen, die das sparen malen: wie süsz war die empfindung, mit der ich einst jeden ersparten groschen zurücklegte Kotzebue
sämtl. dram. werke 7, 189; sie legte groschen zu groschen G. Keller 3, 32; sie hat mir .. versprochen, künftig alle groschen umzuwenden, ehe sie einen ausgibt
theater d. Deutschen 8, 210; so nimm ein altes weib .. die jeden groschen weis nach ellen auszudehnen Neukirch
ged. 135;
vom geiz: das herz hängt ihm am groschen
allg. dtsche bibl. anh. zu 25—36, 2043;
andere bilder zielen auf das saure erringen des geldes: so wie hingegen ein mit schweisz beträufter groschen einem wechselgroschen gleicht Schubart
leb. u. gesinn. 1, 147; da ist wohl kein groschen im kasten gewesen, da nicht etliche seufftzer von armen leuten daran geklebet Weise
erznarren 94
ndr.; das er .. manchen groschen, daran .. trehnen .. kleben, unter seinen vorraht menget Butschky
Pathmos 141;
eine geprägte formel scheint: den todten (
sie) hin zum grabe singen, so lang dabey die groschen klingen B. Waldis
päpstlich reich (1555) P p 3
a;
anders: welch groschen itzt nicht klingt, wen Jesus leucht undt kehrt, .. taug nichts, als das man ihn weg sambt dem unraht schmeisse Gryphius
sonn- u. feiertagsson. 46
ndr.; schon in älteren recepten als ungefähre maszangabe: es nehmen auch etliche vor ein groschen entzian und vor ein groschen wolffsmilch J. Walther
pferde- u. viehzucht 65; nim .. darvon .., so vil auff einem groschen ligen kan Gäbelkover
arzneib. 1, 22;
öfter ist von dem groschen
als ziel die rede: schosz eim ein groschen zwischen den fingern hin Fischart
geschichtklitt. 285
ndr.; dasz er mit einem bogen oder feuer-rohr auff einen groschen zu schiessen weisz Abr. a St. Clara
auf, auf ihr christen! 81
ndr. II@66)
sehr gewöhnlich als umschreibung von '
geld': so lang sie (
sc. reuter und schreiber) nur noch groschen wiszen, sind sie auf deren fang befliszen Brant
narrensch. 77
Z.; zumeist in mehr oder minder formelhaften wendungen. II@6@aa)
nur selten, mit respect vor dem groschen, im sinne einer beträchtlichen summe: und wie dus (
das mahl) habst so thewr genomen, wie dichs so manchen groschen steh Scheit
Grob. 4140
ndr.; auch erweitert: darmit er neben seinen bossen bekommen hat manch schönen groschen Fischart
Eulensp. 159
Hauffen; wie manchen schönen groschen haben uns nur die präsenter — (
eingebracht) Schiller 3, 359
G.; vgl. schon künig Sigmund vollet mier den strich mit manchem groschen zier Osw. v. Wolkenstein 63, 198
var. Schatz; groschens musz der mensch haben Albrecht
Leipz. 126
a;
vgl. Brendicke
Berlin. 130; nicht bei groschen sein
kein geld haben; gewöhnlich bildlich: er ist nicht recht bei groschen
nicht recht gescheit Frischbier 1, 255;
weit verbreitete wendung. II@6@bb)
gewöhnlich zur bezeichnung einer geringfügigen summe; zuweilen mit dem beiklang des verächtlichen und zwar schon früh: sprechen, sie geben ihre gute werck umb einen grosschen Luther 30, 2, 214
W.; positiv '
ein kleiner betrag, eine kleinigkeit': herr — wenn zu ihren tressen da — auch nur etliche groschen von jenem vermögen verwandt sind Iffland
theatr. werke 2, 115; vom vormund erhielt ich .. nur wenige groschen, mein elendes, tägliches dasein zu fristen Holtei
erzähl. schr. 2, 105; für ein paar groschen iszt man so viel man will Göthe IV 8, 92
W.; wie er sich abäscherte, nur um dem schmied die paar groschen verdienst zu nehmen Immermann 1, 128
Hempel; so zumal auch in einigen festen verbalen fügungen: die frau soll, wenn sie dir den rachen voll läst schütten, dich dennoch, schöner wirth, um jeden groschen bitten Hoffmannswaldaus
u. a. Deutschen auserl. ged. (1695) 189; damit er nicht ehrenhalber einen groschen mehr verzehren dürfe Gottsched
dtsche schaub. 4, 497; dasz er zitterte, wenn er einen groschen ausgeben solte K. Fr. Bahrdt
gesch. s. lebens 2, 23;
auch bildlich: ich wette .., (
es) werden keine zwei (
dieser jungen leute) .. den gelehrten fond unseres vaterlandes um einen groschen bereichern Lichtenberg
verm. schr. (1844) 3, 6; weil es mir gelungen, von der schweren (
moralischen) schuld einen groschen abzutragen Kotzebue
sämtl. dram. werke 2, 19; (
der könig) der den letzten groschen von uns erpreszt Heine 2, 177
Elster; dasz diese partei bereit sei, den letzten mann und groschen zu bewilligen Moltke
ges. schr. u. denkw. 7, 137;
mit possessivpronomen: (
arbeiter) lieszen ihren groschen unter lautem gelächter aufgehen Nicolai
Nothanker 2, 25; der seinen groschen von heut auf morgen verdient Alexis
Roland v. Berlin 1, 123; um ihm (
dem kritiker) seinen freitisch nicht zu verderben und den groschen zu entziehen, den ihm der verleger zahlt Hippel
kreuz- u. querzüge 1, 577; wie wärs, .. wenn ihr euch hinseztet .. und um den lieben groschen recensirtet Schiller 2, 41
G. negativ '
nicht das geringste': zur schadloshaltung von Sachsen wolle er keinen groschen beitragen Ranke
sämtl. werke2 30, 380; schon ein jahr ist es, .. dasz ich keinen groschen vom papste erhalten habe H. Grimm
Michelangelo 1, 281;
zum bilde geworden: für das leben der königlichen familie gebe ich keinen groschen G. Forster 8, 193; ich habe von meinen eltern nicht einen groschen bekommen können Schoch
stud. leb. m 4
a; ohne dasz es ihm einen groschen kostet Alexis
ruhe 1, 143; reflectionen .., die aber nicht einen groschen taugen Göthe 38, 391
W.; alle wendungen beruhen auf der vorstellung des groschens als einer geringwerthigen münze, daher erst seit dem 18.
jh. recht entfaltet; im älteren nhd. nur ganz selten ähnliches: anders ich euch nitt mit einem groschen het gedienen mügen Arigo
decam. 537
lit. ver. II@6@cc)
die zusammenrückung groschen geld
seit dem 18.
jh.: er vertraut deinen händen nicht einen groschen geld an Rabener 1, 201; jedes hielt für unschicklich, nur noch irgend einen groschen geld in der tasche zu behalten Göthe 21, 246
W.; mein vater gab mir noch einige groschen geld mit auf den weg Eichendorf 3, 3; einen hübschen groschen geld haben, sammeln, erben Campe. II@6@dd) 'groschen
ist auch die benennung gewisser ab- und ausgaben, als da sind abnahme-, gedinge-, häusel-, hufen-, mieth-, muth-, quartal-
und dergleichen groschen' Chomel
öcon. lex. 4, 1364;
dazu mancherlei andere compositionen wie bettel-, gnaden-, paten-, spargroschen. II@77)
sehr häufig tritt der groschen
in sprichwörtern auf; aus älterer zeit stammend behandeln sie ihn meist mit achtung: der zum heller geschlagen ist, der kompt nimmer zum groschen Lehmann
florileg. polit. 3, 124; wer den pfennig nicht acht, kommt nimmer zum groschen Stieler 709;
vgl.wer den pfenning nicht zu rathe hält, bekömmt sein lebtage keinen groschen
kern auserles. sprüchw. (1718) 59;
später: wer den heller nicht ehrt, ist des groschens nicht werth Schellhorn
sprichw. 142; der groschen, den man hat erspart, nutzt mehr, denn der gewonnen ward Petri
d. Teutschen weish. 2, o 1
a;
variiert: ein ersparter pfennig ist besser und gilt mehr, den ein unerworben groschen 2, t 6
b; der groschen, den die frau erspart, ist so gut als der, den der mann erwirbt Binder 80; der groschen ist wohl angewandt, wo ich viere erspahre
kern auserles. sprüchw. 10;
umgekehrt: ein groschen gewinn ist wenig werth, wenn er mit einem thaler erkauft wird Arnim 2, 351; besser heute einen groschen als morgen einen gulden Joh. Hoffmann
polit. Jesus Syrach 126; ein schwarzes kind find auch wol ein weissen groschen Petri
a. a. o. 2, y 4
a; man gehet niemals in den stall, man find einen groschen darin 2, N n 2
b; ein groschen im sack, aber für zwei groschen durst Binder 80;
vgl.hat er einen groschen in der tasche, so hat er für zwei groschen durst Heine 3, 25
Elster; gib einem jungen einen groschen und thu' es selber Binder 102;
andere sprichwörter knüpfen an die unterschiede nach werth und güte an: am gsang kent man das vögelein, häfen und groschen an dem klang Eyering
proverb. 1, 390;
ähnlich 2, 135;
vgl.es ist fein zu sehen, das man einen groschen uber dem licht scheiden kan, wenn er mit schweffel bestrewet ist Petri
a. a. o. 2, A a 7
a;
von verblühter schönheit: ihr groschen gilt keinen batzen mehr Körte
sprichw. 178;
zahlreiche sprichwörter aus neuerer ma. sammelt Fischer
schwäb. 3, 851
f. II@88)
einige biblische stellen, die vom groschen
handeln, sind literarisch fruchtbar geworden, besonders Luc. 15, 8
f.: jede (
ähre) macht uns freude, wie dem weibe sein verlorener und wiedergefundener groschen Jung-Stilling 5, 231; meine seele war der groschen, der verlohren und verloschen; aber nun ist er gefunden bey dem lichte deiner wunden Ang. Silesius
seelenlust 70
ndr.; zweifelte Susanna im geringsten nicht, sie müszte wohl der rechte verlorne groschen seyn, den sein wahrer eigenthümer wiedersuchte Bode
Thomas Jones 4, 17;
auch sprichwörtlich: wann gott nicht den verlohrnen groschen sucht, so gehet er nicht von sich selbst wieder in säckel Lehmann
florileg. polit. 1, 101;
nach Matth. 20, 1
ff.: doch weil du auch nimbst an, die nur in deinem dinst ein stundlin, herr, verthan, kanstu den groschen ja nicht wegern deinem kinde Gryphius
sonn- u. feiertagsson. 22
ndr.; auch in die geschichte von den anvertrauten centnern (
Matth. 25)
oder pfunden (
Luc. 19)
dringt des öfteren der groschen
ein: so wol die schlechte arten als auch die geringe anzahl meiner gedichten (in welchen beeden ich die armuth dessen mir verlyhenen groschens .. erkenne und gern bekenne) Weckherlin 1, 295
lit. ver.; vgl. wie Christus .. an viellen orten durch den auszverlihenen und wider abgeforderten groschen bezeugt Guarinonius
greuel d. verwüstung 14.