Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
geisel stswF.
2 übertr.
1 eigtl.: – zum Antreiben (des Viehes, auch des Menschen): mit der geiselen er in [den Esel] uaste sluͦch VMos 73,18; die ackirman mit dir ruitin, die enki [Viehknecht] mit dir geisilin Mühlh 109,13; lobelich und schonne in zeltt / gieng es [Pferd] völlenklichen gang. / mitt gaisslen es dü raine twang / selten GTroj 21138; HvNstAp 4144. 19892; Lanc 604,13; der heiden hers ein woldan [Zug, Schar] / wol vünf hundert mennische vuorten, / die si mit geiselen ruorten Wh 90,14; er sah einen roten man [...] / mit einer geysel trijben / von den schönsten wijben [...] ein grosze schar, / die allerhande cleyder bar / vnd nackent warn Krone 28634. 14187; EnikWchr 28168. – zum Treiben des Kreisels: hie helt diu geisel, dort der topf [Kreisel] : / lâtz kint in umbe trîben Parz 150,16; er sluͦg in vaste uf den kopf, / daz von geiseln nie kein topf / also vaste umme gelief Rennew 1230. – zum Vertreiben: er gie in daz templum [...] und treip si auz mit einer geiseln PrOberalt 145,4; das er ain gaislen macht / uss hanff und da mit schluͦg / die da tribend groͮss unfuͦg / in dem hailgen tempel guͦt KvHelmsd 976; EvBerl 36,5 ( Io 2,15); EvAug 213,2. – als Züchtigungs-, Straf-, Folterinstrument: swâ sie [die Untertanen] dîn vater berte / mit geiseln, dâ soltû die schar / mit scorpîônen slahen gar [vgl. III Rg12,10] RvEAlex 16207; PrBerth 1:152,15; der zornig wirt da [in der Hölle] mit fúrinen geisseln gesclagen Mechth 3: 21,58; mit geiseln sie in [Jesus Christus] vilten RvEBarl 2841; MarlbRh 22,38. 27,32; PassI/II 67,24; unde viengin die herin botin unde sluͦgin si mit gêisilin Spec 75,21. – zur Selbstgeißelung: ir buozliet si sungen, / [...] und swan si kômen inder nâhen, / daz si eine kirchen sâhen, / sô sluogen si sich selbe an / mit geiseln Ottok 9447; dô stuont ain volk auf, daz hiez man die gaislær, die sluogen sich mit gaiseln alsô nakent BdN 217,16; er nam sin geisel her fúr mit den spizigen dornen, und schluͦg sich selben úber den lip und umb die arme und dú bein Seuse 43,16; MerswZM 8,10. – als Waffe (oder Reitpeitsche) der Riesen, Zwerge: die riesen [...] / trogen liechte helme / vnde brunien sne wize, / [...] die swert zo den stangen, / de geislen also lange: / daz die riemin solden sin, / daz warin ketenen iserin, / groze knopfe hingen dar an Roth 689; helm unde ringe er [Alberich] an dem lîbe truoc / unt eine geisel swære von golde an sîner hant NibB 494,3; daz getwerc [...] si mit der geisel sluoc / die ez in der hant truoc Er 54. 97; Parz 401,16; UvZLanz 428 2 übertr.: unser herre, der almæchtig got, wiset der arm sel manigen weis. [...] oft mit sinem gebot, etwenn mit siner geiseln, daz ist der sichtum und swaz unz ze leid geschiht, daz ist sein geisel PrOberalt 146,35; drú ding [...] : / der muͦstu [David] einis duldin / durh dastu súnditist an got / und úbir gienge sin gebot. / dirre geisiln der sint dri: [...] RvEWchr 31165; es si enkein gabe uf disem ertrich, da lige ein geisel uffe Mechth 3: 16,3; er wart genant von gotes gebote / gotes geisel, wan er rach / swaz gote unrehte dô beschach RvEAlex 10055; du [Antichrist] bist aller welte ein geisel, gesant von gotte dur der boͤsen bosheit und dur der guͦten helikeit Mechth 6: 15,57; diu neigunge ze den sünden enist niht sünde, aber wellen sünden, daz ist sünde [...] wan diu neigunge [...] trîbet in [den Menschen] ze der tugent mit gewalt, und si ist ein strengiu geisel, diu den menschen ze der huote und ze der tugent trîbet Eckh 5: 215,2
MWB 2 289,32; Bearbeiter: Tao