gefällig,
adj. zu gefallen als zeitwort und hauptwort, auch zu gefall
und gefälle;
mhd. gevellic,
ahd. gifellîg Graff 3, 465.
mnd. gevellich,
nl. gevallig.
auch oberd. noch im 15.
jh. ohne umlaut: gevallig,
placibilis. voc. inc. teut. i 6
a (h 1
a), gefallig Dief. 439
b (
s. II, 2).
auch mit be-
für ge- (
s. sp. 1623)
nrh. bevellick
Teuth. 22
b gleich gevellich,
bequem 106
a,
wie bevallen
placere Dief.
nov. gl. 293
b. II.
zu gefallen I,
verstärktem fallen. I@11)
im eigentlichsten sinne in ungefellig
abruptus Dief. 4
c,
s. dazu gefälle 1,
e. auch noch oberbair. e gfellige albm,
wo das vieh leicht in gefahr kommt über felsen zu fallen, wo gefälle
ist. Schm.
2 1, 706.
vergl. schweiz. fällig
was leicht umfällt Stalder 1, 352. I@22)
zu gefälle 2,
b, glück, das noch schweiz. ist, ebenso das adj. gfellig
cui fortuna favet Fromm. 3, 83
a, Tobler 219
a,
von einem menschen dem alles gelingt, ungfellig
durch zufall unglücklich Stalder 1, 352.
im 16.
jh.: perbeatus, gar glücksälig, überaus gefellig. Frisius 972
b, Maaler 161
d,
gewiss schon mhd., wie ungevellic
unglücklich, und noch bei Henisch 986 ungefällig,
unglückhaftig, auch gefällig,
dem es wol gehet, felix. ursprünglich gewiss auch vom glücklichen zufall, wie das im folgenden noch anklingt, nur mit II
vermischt: man sagt, dem sei ein glück beschert, dem
was gefälligs widerfehrt. Henisch 1414, 39.
genauer aber eig. nur zufällig: gefällig,
fortuitus, fortunatus. Henisch 1414, 14.
mhd. auch für möglich, gevellic unde mügelich Konrad
troj. kr. 28,
wie schon bei Scherz 493
bemerkt ist. I@33)
zu gefallen I, 4,
e, gefälle 3,
von schuldigen zinsen, zahlungen, leistungen: ich wollte, das haus wäre fertig, und hättest nur eine stube drinnen vermiethet .. der zins müste alle ostern und michaelis gefällig sein. Chr. Weise
erzn. 97; das geld ist gefällig, strafgefälliges geld Steinb. 1, 369;
die zahlung ist auf michaelis gefällig. Frisch 1, 244
b; meine zu johannis gefällige besoldung. Lessing 12, 305.
s. auch fällig (6). I@44)
auch von tagen, fristen u. ä. (
s.gefallen I, 5,
a): da der Georgentag an einem sonntag gefällig wäre; auf die woche, welche vor der aschermitwoche gefällig. Schm. 1, 520; das fest ist morgen gefällig. Steinbach 1, 369. I@55) einem eines dinges gefällig sein,
ihm worin beifallen, beistimmen, eigentlich bei der abstimmung, beschluszfassung im rate, zu gefallen I, 6,
d, nur scheinbar zu II
gehörig: des wolden om (
ihm) die stete nicht gevellig syn. Rothes
thür. chron. 458,
var. gevolgig (
Germ. 5, 230),
auch volgen einem eines
d. galt bei abstimmungen (
noch nhd., s. Wickram
unter II, 1,
c),
vgl. u. gefolgig 3; seine zwen brder sagten zu, seines raths gefellig zu sein.
Aimon c; wollent ir aber meines raths gefellig sein, so belägerent disz schlosz. l ij,
wo der dativ im, mir
von dem gleich folgenden seines, meines
gleichsam verschlungen ist. IIII.
zu gefallen,
placere. II@11)
den übergang bildet die bedeutung geeignet, passend, gelegen u. ähnl., s. dazu gefallen II, 1,
b. 2,
c. II@1@aa)
so ahd. für idoneus, opportunus (
mit subst. gifelligî
congruentia),
noch mhd. so vorherschend, z. b.: und werde in allin gevellich êre irbotin. Haupts
zeitschr. 16, 262,
zugleich gebührend; dâ von was daʒ gevelliger, daʒ éin persône die menscheit an sich næme. 9, 20; (
reitet) etswar ze einem walde .. der iu dar zuo gevellec sî.
Trist. 12734.
auch nhd. noch: gefellig, geschickt,
aptus, bequem.
voc. 1482 k 4
b; gefellig zeit ..
opportunitas. k 4
a; gefellig
aptus Dief. 43
a. II@1@bb)
daher auch gelegen, willkommen, dienlich: hie mit ein ritter ryten kam, der was mde und was hellig (
erschöpft). das für das was im gefellig, wenn er was sere erkalt. Büheler
Diocl. 5604,
was auch heiszen könnte es gefiel im,
kam ihm gelegen, wie man noch jetzt sagt die warme stube gefällt einem bei solchem wetter
u. ähnl. noch im 17.
jh.: das er lad, die im gfällig,
ut quos ei commodum sit, invitet. Schönsleder N 8
d (die ihm gefällig sind Aler 861
a). II@1@cc)
wie das von selber zugleich in die folgende bed. übergeht, zeigt z. b. auch: ich frage euch ehrbare scheffen, ob es heut zu tag zeit und platz seie .. hochgericht zu halten? darauf antwortet der älteste scheffen frei: wenn es
den herren beamten also gefällig.
weisth. 6, 666 (
vom j. 1622),
gelegen ist und beliebt; bei einer abstimmung im rate sagt ein '
ratsfreund' ich volgs (
s. I, 5) dem obristen meister,
der aber abwesend ist und ein tyrann, und erklärt dem erstaunten umfrager seine abstimmung u. a.: wann er heim kumpt und es (
das beschlossene) im nit gefellig sein wirt, wirt (
so l.) er das nach séinem gefallen machen. darumb volge ichs im. Wickram
rollw. 160, 23. 161, 3; es sollen .. zwei fechter .. allweg ain jar oder solang es ainem ersamen rath gevöllig, zu inhabern der schulen erwölt werden.
ordn. der Augsb. fechtschule, Adrian
mitth. 277. II@22)
in der engeren bedeutung ist, wie es da ursprünglich heiszt wol gefallen (
s. d. II, 2,
a),
auch wol gefellig
eigentlich wol die volle wendung, gewiss schon mhd.: placidus, wol gefallig (
noch unmittelbar an wol gefallen
angeschlossen), woilgefellig Dief. 439
b; wol geföllig,
plausibilis Dasyp. 337
a, wolgefellig 185
d.
noch jetzt geläufig, nur etwas altfränkisch klingend, auszer wolgefällige miene
u. ä., wo man es zum subst. wolgefallen
zieht. II@33)
wie lebhaft man anfangs noch das zeitwort dahinter fühlte, zeigt z. b.: ist es dem gemeinen manne noch nicht gefellig. Reutter
kriegsordn. 61,
vorher so es dem gemeinen mann nicht gefallen würde;
vgl. den wechsel von übel gefallend
und ungefallig
im ack. aus Böhmen sp. 2109.
so wird uns das alte gefällig sein
oft erst klar, wenn wir gefallen
dafür denken, z. b.: wann wer der wält gefällig ist, haiszt nit ain junger Jesu Christ. Schwarzenb. 151
a; wo ich reime schreiben soll, die gefällig allen bleiben, leg ich meine feder weg, und begere nichts zu schreiben. Logau 2, 9, 29,
die durchgehends allen gefallen; aber dasz dieser autor mir .. meinen Imaus ... nicht passiren lassen will ... ist mir gar nicht gefällig.
Simpl. 3, 392, 28
Kurz; einen gefälligen handel treffen,
der uns gefällt. Adelung.
noch Göthe
brauchte es so als adj. zu gefallen,
das dabei zu denken ist: der ländlichen wirklichkeit und einfalt, die uns hier gefällig umgibt. 25, 364,
umgibt und so sehr gefällt; dort, an gefälligen plätzen, lagerten sie sich auf den rasen. 29, 221,
die ihnen eben gefielen, ganz nach gefallen. nur der alte dativ steht nun nicht mehr dabei, und wo wir ihn noch setzen, z. b. kommen sie wenn es ihnen gefällig ist (
s. 6),
da ist gefallen
daneben nicht mehr gebräuchlich. II@44)
zu gefallen
von freude, behagen, zufriedenheit, gefällig
als gefallen erweckend, freude machend u. ähnl. II@4@aa)
so gott gefällig (
vgl. gottgefällig)
u. ä.: ein gott gefälliger mensch. Kant 6, 291; es ist nicht alles recht und gott gefällig, was glück und fortgang hat. Lehman
flor. 1, 371; wer darinnen Christo dienet, der ist gott gefällig.
Röm. 14, 18; gerechtigkeit, die im gefellig ist.
Luc. 1, 75; ich will dich füren den weg, darinnen du mir gefellig wandelst. Luther 1, 24
b,
s. auch vor gott gefällig 7,
a; nach dieser ehr' lasz, herr, mich trachten, dasz ich nur dir gefällig sei. Rist
himl. lied. 2, 243; dasz ich mit newem muht ... werd dir gefällig wider. Weckherlin 331; menschen gefällig: gedenk ich menschen gefellig zu sein?
Gal. 1, 10; der welt, allen gefällig
s. unter 3; wer mir in gunst will wonen bei, red stäts das mir gefällig sei. Schwarzenb. 134
a; wie will doch ein menschen und gott gefälliges leben aus verderblichen grundsätzen entspringen? Göthe 48, 8.
vergl. gottgefällig. II@4@bb)
bemerkenswert verstärkend mit süsz
verbunden: da wirt gott dem herzen so lieblich und gefellig und süsz, das es nit mehr begert. Luther
bei Dietz 2, 36
b,
von sinnlichem behagen entlehnt nach art der mystiker, sodasz es wol zu dem gefallen II, 4,
a von wolschmeckendem wein stimmt und es bestätigt, auch z. b.: als am tisch, wie der wein (der gut war) ieglichem gefiele, herumb gefragt ward. Kirchhof
wend. 1, 190
Öst. II@4@cc) sich einem gefällig machen,
ihm zu gefallen etwas thun oder zu gefallen leben (
sp. 2101): gleich wie ich auch jederman in allerlei mich gefellig mache.
1 Cor. 10, 33.
jetzt sich einem gefällig erweisen Frisch 1, 244
b, der sich jederman gefällig zu erweisen sucht,
omnium votis inserviens. Weber 329
b.
auch sachlich, einem etwas gefälliges erweisen,
wie sonst eine gefälligkeit: es war ihr angenehm, ihrem gönner ... etwas gefälliges zu erweisen. Göthe 17, 385 (
wahlv. 2, 16),
was ihm gefiele; siehe, dir bin ich nun nach Rom gefolget, ich möchte dir im fremden gebiet gern was gefälliges thun. 1, 277 (
röm. el. 13).
vgl.was gefälligs
aus Henisch
unter I, 2. II@4@dd) einem gefällig sein,
zu gefallen, zu willen, auch gegen einen gefällig sein: freilich sollte so ein blindlingsgefälliges werkzeug (
eines buchhändlers) eine bescheidenere sprache führen. Lessing 6, 3.
als höfliche wendung: wenn ich ihnen damit gefällig sein kann, sehr gern,
wenn ich ihnen damit einen gefallen thue; wollen sie wol so gefällig sein?
mir den gefallen thun? auch so: auf ihr gefälliges schreiben erwiedere ich,
abgekürzt aus: das sie so gefällig waren an mich zu richten.
und im adv.: wollen sie gefällig platz nehmen? ich bitte gefälligst platz zu nehmen,
was doch zugleich verschwimmt mit wenn es (ihnen) gefällig ist,
s. 6.
vgl. dienstgefällig. II@4@ee)
aber auch gefallen ausdrückend: do der hailig vatter ersach den personlichen man (
ihn selber) .. (
hat er) mit gefelligen anblick in mit der abty uszer bäbstlichen gnaden .. versehen. Oheim
chron. von Reichenau 160, 19,
placido vultu, freundlich, wie jetzt noch mit wolgefälliger miene; und der göttin blick weilet gefällig auf mir. Göthe 1, 320,
zugleich für gefallen empfindend, s. 8
und gefälligkeit 5, gefälliglich. II@55)
zu gefallen
gut dünken (
s. dort II, 3,
a);
daher gleich dem heutigen plausibel: wol geföllig, das man mit frolockung annimpt,
plausibilis. Dasyp. 337
a; (einem etwas) gefellig machen, machen das einer etwas guot befindt,
probare. Maaler 161
d,
vergl. Aler 861
a.
auch von einem beschlusse, anordnung einer behörde: was den vattern (
patribus) gefellig, das er offentlich .. antwort geben solt.
N. v. Wyle,
leseb. 1040, 11,
d. i. placuit, placitum est,
s. dazu sp. 2111.
von einwilligung, zustimmung: Sanct Peter ward wol halber schellig (
aufgeregt, bös). iedoch weil ers im hat gefellig erst laszen sein und drumb gebeten, muszt er das göttlich ampt vertreten. Waldis
Es. IV, 95, 234 (2, 263
Kz.),
wie sich gefallen lassen
sp. 2114.
auch ohne dat.: in einem kaiserlichen briefe vom jahre 1449,
welcher schiedsrichter für eine fehde bestellt: und waʒ sie auch hierinne handeln, fürnemen, gepieten, tun und beslieszen, daʒ wollen wir gefellig halden.
Nürnb. chron. 2, 164, 4,
für genehm achten, gut heiszen. II@66)
beliebig, zu gefallen
belieben (
s. dort II, 3,
besonders e): ain iedes stirbt zuo rechter zeit, wie gott sölchs würt gefällig sein. Schwarzenb. 151
a; es begegne uns was gott gefellig sei.
Aimon m. noch im 18.
jh. für beliebig: der anführer ... wählt eine gefällige anzahl verdammter seelen zum schmause für seine untergebenen. Klinger 3, 18.
noch jetzt als höfliche wendung (
s.gefallen II, 3,
d): ist dirs gefällig, so ..,
si placet, si tibi videtur Weber 329
b; wenns gefällig ist,
ladet z. b. der vorsitzende zum beginn der verhandlung ein. auch nach den wünschen eines andern fragt man so, z. b. der wirt bei tische, der kellner im wirtshause: was ist gefällig?
womit kann ich dienen? man könnte das schon bei Nicl. v. Wyle
finden in der widmung seiner translat.: und bitt das eüwer gnad disz .. werklin wöll von mir sovil gefelliger annemen .. als .. Wackernagel
les. (1839) 1038, 27. II@77)
besonders entwickelt ward es in der bedeutung 4,
gefallen erweckend, gefällig
schlechthin, ohne dativ. II@7@aa)
so schon in älterer sprache vor gott gefällig (
vgl. 4,
a): meine lere ist fur dir recht und gefellig. Luther
bei Dietz 2, 36
b; was recht und gefellig ist fur dem herrn.
5 Mos. 12, 28; thue was fur im gefellig ist. 1
Joh. 3, 22,
ἀρεστὰ ἐνώπιον αὐτοῦ. II@7@bb)
allgemein gefallend, allen leuten gefallen erweckend, beliebt u. ähnl. (
vgl.gefallen II, 5,
b): weil sich ihrer jugend pracht überall gefällig macht. Günther 273; ich finde ohnedem in der liste seiner werke nichts verliebtes, und es wäre schade, wenn er der welt sein poetisches talent von einer so gefälligen seite verbergen wollte. Rabener (1755) 1, 213; man befleiszige sich leutseliger und gefälliger sitten. Gellert 7, 158; sie tritt herbei.seht sie gefällig stehn! nur absichtslos, doch wie mit absicht schö
n. Göthe 13, 142; alles ist glied (
an ihr), und alles gelenk, und alles gefällig. 1, 359; das gefallen an sich selbst, das verlangen dieses selbstgefühl andern mitzutheilen, macht gefällig, das gefühl eigner anmuth macht anmuthig. 22, 45 (
wanderj. 2, 3); trat ein munterer, wolgebauter, gefälliger mann herzu. 22, 39; und euch dadurch selbst die freude verkümmern möchtet, in gefälliger gesellschaft zu sein und selbst zu gefallen. 22, 42,
wo gegenseitiges gefallen der grundton ist; die gute gesellschaft in Frankreich ist weichlich, sanft und gefällig. Sturz 1, 113 (1786 1, 296),
complaisant. vgl. allgefällig. II@7@cc)
daher für freundlich, anmutig, leicht ansprechend u. ähnl.: dasz die folgenden gedichte nicht so sehr den erhabenen, als den gefälligen character der ode zu besitzen wünschen. Hagedorn 3, III,
vgl. s. 23; das talent seines leichten gefälligen reims. Gotter 3, 15,
ebenfalls zugleich im gegensatz zum ernsten, würdigen, nach hohem strebenden, es ward lange so ein lieblingswort der zeit, auch bei Schiller
und Göthe,
zugleich ein versuch das übelklingende graziös
deutsch auszudrüeken; der kriegerische inhalt (
der Äneide) .. die gravität seines ganges werden durch eine gefällige versart gemildert. Schiller VI, 344, 19; wie machen wirs, dasz alles frisch und neu und mit bedeutung auch gefällig sei? Göthe 12, 9; tod alles schönen und edlen ists zu glauben, dasz die kunst alles, auch das ekelhaft widrigste gefällig behandeln und damit töne des menschlichen herzens verwirren dürfe. Herder
Adrast. 5, 273.
wieder auch als höflichkeit: frau v. Racknitz bitte ich in den gefälligsten worten, die sie finden können, in meinem namen zu danken. Falk
bei Böttiger lit. zust. 2, 290. II@7@dd)
daher auch geradezu gleich schön
oder sich ihm nähernd, mit der angedeuteten färbung: der hof herzog Friedrichs II. (
von Gotha) hatte auf mancherlei art die gefälligen wissenschaften begünstigt. Schlichtegroll im
leben Gotters, in dessen werken 3, xviii; das seltne und gefällige talent Gotters.
das. xv;
vergl. die wissenschaften zum vergnügen Lessing 1, 178, die fröhlichen wissenschaften Hagedorn 3, iv; behieng ich je mit kränzen dein (
Apolls) gefällig heiligthum. Bürger 142
a; schön ist er wirklich (
der kranz). sieh ihn nur an! es wechseln die schönsten kinder Florens um ihn, bunt und gefällig, den tanz. Göthe 1, 306.
vgl. schon im 17.
jh.: oft sehen das gefällige thut den augen wol. Henisch 1414, 55. II@88)
wie vielseitig das wort ist (
dabei mit fortwährendem verflieszen mehrerer seiten),
zeigt gefällig
schlechthin gleich selbstgefällig: von dem ersten zarten selbstgefühl, wenn das mädchen verweilt, den krug aus dem klaren wasser wieder herauf zu heben, und indessen ihr bild gefällig betrachtet. Göthe 20, 200 (
lehrj. 8, 5),
gefallen empfindend an sich selbst, vgl. 4,
e. II@99)
auch für mild, nachgiebig, selbstvergessen willig u. ähnl. (
eigentlich: nur andern zu gefallen lebend),
wie lat. placidus:
placidus, gefellig, gar (
ganz) senft. Melber s 1
b;
placabilis, mitigabilis, exorabilis, erbitlich, ein gefelliger.
das.; gefelliger,
placidus, mansuetus, tranquillus. voc. 1482 k 4
b.
zu belegen ist das schon mhd. und noch nhd.: denken (
imp.) dâ bî, dâ ein junkherre einer küniginne kamerer wære, wie gevellich, wie snel, wie zühtic alleʒ sîn leben (
thun und lassen) müeste sî
n. myst. 1, 521; er .. hatte milchhaare im bart und flachshaare um die schläfe, er war so gefällig wie ein weidenschöszling. Göthe 8, 54. 42, 67 (
Götz v. B.).; wenn drache und tiger gefällig sich neigt (
vor Amor). Herder
von d. art u. k. 64.