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flicken

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

flicken

Bd. 3, Sp. 1774
flicken , sarcire, reficere, mhd. vlicken, kein ahd. flicchan überliefert; wenn blicken, nicken, stricken, zwicken auf bleichen, neigen, streichen, zweigen zurückgehen, so liesze flicken ein unerhörtes fleichen oder fleigen im hintergrund erwarten. den begrif des flickens enthalten auch bletzen, büszen. 11) zerrissene kleider und schuhe: niemand flickt ein alt kleid mit einem lappen von newem tuch (goth. ni hvashun lagjiþ du plata fanan þarihis ana snagan fairnjana). Matth. 9, 16; niemand flicket einen lappen von newem tuch an ein alt kleid (ni manna plat fanins niujis siujiþ ana snagan fairnjana). Marc. 2, 21; niemand flicket einen lappen vom newem kleid auf ein alt kleid (ainshun plat snagins niujis ni lagjid ana snagan fairnjana). Luc. 5, 36; ein geflicktes hemd, geflickter rock; und wenn ein frosch ein storchen verschlickt und der pettler nimmer an den claidern flickt. fastn. 299, 3; und anderseits den reim mit leichten fabeln spicken, heiszt ihm ein altes kleid mit neuen lumpen flicken. Günther 778; und ist schad, wenn man newen zeug auf alten rock flicket. Lehmann 13; mancher trägt lieber ein verrissen kleid als ein geflicktes. 100; in den stand der geflickten hosen kommen (sich verheiraten). pers. rosenth. 6, 5 in der überschrift; auch ihre kleider waren reinlich, obgleich alles fast doppelt und dreifach an ihr geflickt war. Göthe 18, 172; bildlich, zuriszne seelen weisz ich leider nicht zu flicken. Gryphius 1, 670; einem am zeuge flicken, kleinlichen, hämischen tadel aussprechen, aber auch in gutem sinne einem etwas anhaben, ihn fassen: der kaiser will gern mir am zeuge was flicken und hat mir drei nüsz auf die zähne gepackt. Bürger 66b; er strich den fuchsschwanz vorn, doch hinter jemands rücken wust er der unschuld selbst am zeuge was zu flicken. Kl. Schmidt kom. dicht. 204; Huisgen wollte mich zum tüchtigen rechtsgelehrten haben, ein nothwendiges handwerk, wie er meinte, damit man sich und das seinige gegen das lumpenpack von menschen regelmäszig vertheidigen, einem unterdrückten beistehen und allenfalls einem schelmen etwas am zeuge flicken könne. Göthe 24, 257. strümpfe flicken heiszt gewöhnlich stopfen. zwischen schuhe flicken und flecken ist etwa der unterschied, dasz jenes allgemein bessern, dieses stücke leder oder sohle ansetzen ausdrückt. so ist kein emptlein so klein, solet es nicht, so flickt es doch. Mathesius 1562, 214a. 22) netze, körbe, wagen, kessel, pfannen, scherben, häuser, dächer, brücken flicken: und da er von dannen furbasz gieng, sah er zween andere brüder, Jacobum und Johannen im schif mit irem vater Zebedeo, das sie ire netze flickten (vulg. reficientes retia sua, ahd. rihtenti iro nezzi). Matth. 4, 21; (goth. manvjandans natja). Marc. 1, 19; so sie aber ein korp zu flicken hat. fastn. 372, 29; darzu kan ich auch flicken alt wegen und auch karrn. 617, 6; alt pfannen pletzen, kessel flicken. 375, 11; obsc. und flick alspald die meit darneben. ebenda; ir hern, die alten korb ich pletz, darbei richt ich dan an mein geswetz gen den hausmeiden, wo ich dan flick, das ich aus in erforsch vil dick das sie mir offenbarn ir herz. 789, 17; wer einen narren leret, der flicket scherben zusamen. Sir. 22, 7; derhalben lieben bergleut ... hütet euch für allen andern farten und treppen, die ander leut gen himel machen wöllen, es reicht doch keine hinauf, und wenn alle müniche und nonnen dran zimmern, flicken und binden hülfen. Mathesius 1562, 200b; ein altes, übel gebautes und beinahe schon gänzlich zerfallnes gebäude musz nicht geflickt, es musz vollends eingerissen und nach einem bessern plane neu aufgeführt werden. Wieland 7, 210; am dach der kirche musz alle jahre geflickt werden; ist es rathsamer die wege zu flicken, als neu zu machen? Möser patr. ph. 2 no 65; und du flickst zwischen der vergangenheit erhabne trümmer für deine bedürfnisse eine hütte, o mensch. Göthe 2, 182; eine schwalbe hat ihr nest oben an den balken geflickt; unerfahrne baumeister durch ihr ungereimbt flicken und klicken dem feind die eroberung in die hand geben haben. Kirchhof disc. mil. 12. bildlich wird das flicken eines gebäudes angewandt auf das erneuen eines lobs in einem gedichte bruder Wirners MSH. 3, 16a. 33) gedicht, lied, reim, sprache, wort und rede werden geflickt: nieman sol sprëchen, daʒ ich flicke mîn getihte, ob ich ëʒ verzwicke und mit dër heiligen schrift bewære. Renner 20143; ein reuterliedlein mit garstigen bossen geflickt. Philander 1, 613; nimb beide testament für dich, des Luthers und des sudlers, halt sie gegeneinander, so wirstu sehen, wer in allen beiden der dolmetscher sei, denn was er in wenig örten geflickt und geendert hat (wiewol mirs nicht alles gefellet), so kan ichs doch wol leiden und schadet mir sonderlich nichts, so vil es den text betrift. Luther 5, 141a; und wolt es alles mit dem alten testament flicken. Frank weltb. 98a; die musen würkten zwar durch kluge tichtersinnen, dasz Deutschland solte deutsch und artlich reden künnen, Mars aber schaft es ab und hat es so geschickt, dasz Deutschland ist blutarm, drum geht es so geflickt. Logau 1, 64, 57, drum musz es so viel fremde wörter aufnehmen; es gilt euch alles gleich, geschickt und ungeschicket, gereimt und ungereimt, gesticket und geflicket, gemengt und abgetheilt, halb oder ausgeführt, und ist auch gar genug, wenns nur heiszt discuriert. 2, 69; wo kein brunn, da kans nicht flieszen, wer viel redet, musz viel wissen. Veit sagt viel, weisz nichts. er flicke, dünkt mich, lügen für die lücke. 3, 149, 69; es hat der schuster Franz zum dichter sich entzückt, was er als schuster that, das thut er noch, er flickt. Lessing 1, 17; personen, die sich die allerseltsamsten töne, ausathmungen, banale reden angewöhnen, um damit ihren vortrag zu spicken, zu flicken und zu zerstücken. Göthe 49, 156; an dieser lehre zu leimen, zu flicken und zu verkleistern. 59, 220. 44) und wenn der arzt schon lange dran flickt, so gehets doch endlich also 'heute könig, morgen tod'. Sirach 10, 11; und wenn du gleich hie und da flickest, so kompstu doch nicht eraus. 11, 10; auch das, was ich ihnen bisher gegeben habe, hat mir eine lücke gemacht, die ich wieder flicken musz. bei Schöll 172; nun hat der feldscheer zwar geschickt mich wieder so zurecht geflickt. Gökingk 3, 128; minister flicken am staat, die richter flicken am rath, die pfarrer an dem gewissen, die ärzt an händen und füszen: o Jobsen, was flickest dann du? du flickest an den ministern, an richtern, ärzten, magistern zerriszne schuh! Weisze kom. opern 2, 147. 55) sie haben hie viel marterns in diesem spruch, wie sie in allen andern haben, und können doch nichts schaffen, on das sie immer am schlegel flicken. Luther 8, 129b. was heiszt das? einen hammer (tudes) kann hier schlegel nicht ausdrücken, eher coxa, wie man sagt rehschlegel. 66) sagt dem guten gesellen, das sichs nicht so wird flicken lassen für gott und im gewissen. Luther 4, 351b; item wie er sein bosheit mit andern flickt und entschuldiget. Frank weltb. 38b; geflickte lieb oder freundschaft wird nimmer ganz. Lehmann 100; wer händel flickt, der macht selten etwas besser. daselbst; an einem weib und einer mühl ist immer zu bessern und zu flicken. 159; geflickte freundschaft ist einem erzenen gefäsze gleich, welches heute glänzet, morgen aber rostig ist. Butschky Patm. 315. 77) steht ein dat. der person bei flicken, so sind ausgefallne acc. der sache zu ergänzen (gramm. 4, 693), z. b. die haut, das fell flicken: die hunde verfolgten den hasen und flickten ihm; dem kind den hintern flicken; wie wol er ist ein junger buob, so kan er sich ind sach wol schicken, ich mein Circis die söll im flicken. Gengenbach s. 125, wie der verfolg zeigt, die gauchhaare abscheren. es heiszt aber auch das kind auf den hintern flicken oder blosz das kind flicken, ihm die ruthe geben. bair. und östr. sagt man 'einen flicken', umgang, kameradschaft mit ihm haben. Höfer 1, 230. Schmeller 1, 585, gleichsam ihm einen lappen zum schutz ansetzen, ihn hegen, decken. 88) sich flicken, zudecken, entschuldigen, schmiegen: weil Carlstad das werk hat aus eigenem kopf frevelich angefangen, wolt er sich hernach gern flicken und die schande mit feigenbletter zudecken. Luther 3, 38a; das aber Carlstad sich hie flickt mit einer glose. 3, 70b; das sie solche arme, elende bettler uber mir werden und sich so flicken müssen. 3, 331b; wie denn alle die thun, so böse sachen haben und sich so jemerlich flicken und allerlei renke suchen. 5, 279a; erstlich sehe man doch an, wie elendiglich und kumerlich sein (Davids) königreich anfieng, da er unter Saul so lange muste unsicher sein, und nach Sauls tod, ah wie flickt er sich, ehe er zum könig bestetigt ward. 6, 165b; das die priester nichts handeln, wuochern, noch sich in weltlich gescheft flücken (für flicken). Frank chron. 357a; denn er hat wunderliche list und künste, durch welche er sich flickt und einwickelt in die gemüte der menschen. Melanchthon vom abendmal, übers. von Mich. Meurer. 1532 f 4; die vordern büg sollen inen (den ausgesuchten zuchtkälbern) zottecht und kurz sein, die schenkel schlecht, vest, feiszter dan lang und die sich nit an einander flicken (fügen, oder ficken, reiben?), so si gond. Mich. Herr feldbau 1545, 141a; anno 997 flickte sich Sylvester 2 mit listen in das bapstthumb. Kirchhof wendunm. 387a; der sich zuo keiner unzucht flickt. Schmelzl verl. sohn 5b; so kumbt der teufel, flickt sich ein und sät auch seinen samen drein. hochzeit 7a. man sagt auch: er hat sich geflickt, satt gegessen (eigentlich restauriert, hergestellt). s. anflicken, ausflicken, einflicken, nachflicken, zerflicken, zuflicken.
9679 Zeichen · 130 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    flickensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +3 Parallelbelege

    flicken , sw. V. Vw.: s. vlicken (1)

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Flicken

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Der Flicken , des -s, plur. ut nom. sing. derjenige Fleck, welcher auf eine beschädigte oder zerrissene Stelle geheftet …

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    flicken

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    flicken auch subst a ausbessern, reparieren: Kleidung; einmal im Vergl ihre [ Mignons ] Kleider waren reinlich, obgleich…

  4. modern
    Dialekt
    flicken

    Elsässisches Wb. · +9 Parallelbelege

    flicke n [flekə allg. ] 1. Flicken, Flicklappen einsetzen, ausbessern, z. B. Kleidungsstücke, Fässer, Bottiche, Möbel. F…

  5. Spezial
    Flicken

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    Fli|cken m. (-s,-) flech (flec) m. , tacun (-s) m. , cunciadöra (-res) f. ✒ der Flicken muss allemal größer sein als das…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit flicken

24 Bildungen · 10 Erstglied · 10 Zweitglied · 4 Ableitungen

flicken‑ als Erstglied (10 von 10)

Flickenbüdel

MeckWB

flicken·buedel

Flickenbüdel m. Beutel, in dem die Flicken aufbewahrt werden; öft. im Vergleich, meist um vollkommene Hilflosigkeit auszudrücken: Un liggt d…

Flickendräger

MeckWB

Flickendräger m. der Schornsteinfeger wegen des Lederflickens auf dem Hosenboden: Schosteinfäger, Flickendräger, Sitt up 't Dack un flickt s…

Flickenflack

MeckWB

flicken·flack

Flickenflack m. Name des Schneiders im Volksreim: Oh nee, oh nee, du Flickenflack, Du snittst von all' de Stücken wat Sta Helpt .

Flickenhusor

MeckWB

Flickenhusor m. Schelte für ein zerlumptes Frauenzimmer Wa.

Flicken (Subst.)

Wander

flicken·subst

Flicken (Subst.) Flicken (Subst.). 1. Bäter 'n Flick'n as 'n Loch. ( Strelitz. ) – Firmenich, III, 71, 22. 2. Der Flicken muss grösser sein …

Flicken (Verb.)

Wander

flicken·verb

Flicken (Verb.) Flicken (Verb.). 1. Beim Flicken geht das Kleid in Stücken. Gesetz- und Verfassungsflickerei. 2. Es hilfft nicht viel flicke…

flicken als Zweitglied (10 von 10)

Achterflicken

Wander

achter·flicken

Achterflicken 1. Een Paar Achterflicken geben. – Richey. Eigentlich die Sohle unter dem Absatz; da diese bei Frauenschuhen aber leicht abgel…

anflicken

DWB

anflicken , assuere: dem mantel purpurlappen anflicken; es möchte noch alles gehen, wann er bisweilen doch nur eine wahrheit mit anflickte. …

aufflicken

DWB

auf·flicken

aufflicken , assuere, nnl. opflikken, fast eins mit anflicken, da das aufgenähte zugleich angenäht wird: wenn unser einer seine eigenheiten …

ausflicken

DWB

aus·flicken

ausflicken , resarcire, ausbessern: ein altes kleid, haus ausflicken; es braucht ein böser mensch das schweren wie ein tuch, damit zu flicke…

beiflicken

DWB

bei·flicken

beiflicken , assuere, anflicken: ich trieb den satz weit und flickte noch bei. J. Paul teufelsp. 2, 23 .

einflicken

DWB

ein·flicken

einflicken , 1 1) insuere, lappen einflicken, oft figürlich, worte einflicken; das ist eine später eingeflickte stelle; ich hoffe, meine Cli…

Püsterflicken

Campe

puester·flicken

† Püsterflicken , v. trs . im N. D. Püster oder Blasebälge flicken. I weiterer Bedeutung überhaupt, schadhafte Dinge ausbessern. Uneigentlic…

verflicken

DWB

ver·flicken

verflicken , verb. durch flicken erschöpfen, aufbrauchen: allen zwirn, alle lappen verflicken. Adelung versuch 4, 1419 ; in älterer zeit auc…

zuflicken

DWB

zuflicken , v. 1 1) zerrissene kleider, schuhe u. ä. ausbessern: ir werd den beltz nit gar zuflicken H. Sachs 1, 114 K.; hier ligt ein schne…

Ableitungen von flicken (4 von 4)

Beflicken

Campe

Х Beflicken , v. trs. mit Flicken, kleinen Stücken Zeug besetzen, an eine Sache flicken. Der Rock ist schon überall beflickt. Uneigentlich. …

erflicken

DWB

erflicken , consuere, zusammenstoppeln: kaum hatte noch des schneiders hand dem affen ein erflickt gewand von bunten flecken umgehangen. Gel…

verflicken

DWB

verflicken , verb. durch flicken erschöpfen, aufbrauchen: allen zwirn, alle lappen verflicken. Adelung versuch 4, 1419 ; in älterer zeit auc…

zerflicken

DWB

zerflicken , verb. , ein kleid in flicken zertheilen, zerreiszen: er ( der rock ) sol nit werden tzerflickt passionssp. aus Tirol 136 Wacker…