Eine Bekleidung, die mit den Jahrhunderten an den Beinen hochgewandert ist — von der Wade über das Knie bis zur Hüfte. Der Name aber blieb derselbe, seit dem 9. Jahrhundert.
Im Althochdeutschen, im 9. und 10. Jahrhundert erstmals belegt, bezeichnet hosa noch nicht die Hose, wie wir sie kennen. Glossen geben das lateinische tibialia wieder — eine Bedeckung des Unterschenkels — und ocrea, einen Beinschiener oder Stiefelschaft. Was wir heute Hose nennen, hieß noch bruoch: das pruoh, das die Schamteile bedeckte und kürzer oder länger zum Oberschenkel hinabreichte.
„hose, f., meist plur. hosen, femoralia. vom ahd. pruoh, mhd. bruoch unterschieden, welches die um die schamtheile gehende, nach art unserer schwimmhosen verfertigte und kürzer oder länger zum oberschenkel hinabreichende beinbekleidung bezeichnet, drückt hose allgemein die bedeckung des unterschenkels aus."
— Grimm, DWB Bd. 10, Sp. 1837
Das Mittelhochdeutsche kennt die hose bereits paarweise — die Lexer-Belege zeigen, dass „hosen" als Plural die Regel ist, nicht der Singular. Und sie wandert schon: bei Notker bedeckt sie noch den Fuß und die Wade, bei Konrad von Würzburg reicht sie schon zum Knie. Im Mittelniederdeutschen mit dem typischen Längezeichen hōse, ergänzt um Komposita, die das Stück Stoff in seine handwerkliche Welt einbetten: hosenmaker, hosenbant, hosenstrick.
Der etymologische Befund verbindet hose mit Wörtern, die zunächst weit weg scheinen. Die indoeuropäische Wurzel ist *(s)keu- „bedecken, umhüllen" — und sie steckt auch in Haus, Haut, Hort, Hütte, Scheune, Schuh. Pfeifer rekonstruiert eine s-Erweiterung *(s)keus-, aus der germanisches *husōn- wird, und daraus althochdeutsches hosa.
„Hose f. ‚Beinkleid', ahd. hosa (9./10. Jh.), mhd. hose, asächs. hosa, mnd. mnl. hōse, aengl. hosa, anord. hosa führen auf ie. *(s)keus-, eine s-Erweiterung der mehrfach weitergebildeten und verbreiteten Wurzel ie. *(s)keu-, *(s)keu̯ə-, *(s)kū- ‚bedecken, umhüllen'."
— Pfeifer, Etymologisches Wörterbuch des Deutschen
Die entscheidende Wanderung passiert im 16. Jahrhundert. Bis dahin teilte sich die Beinbekleidung in zwei Stücke: bruoch für oben, hose für unten. Ende des Mittelalters verschmelzen sie — und der Name bruoch verschwindet mit dem Stück. Die hose bedeckt jetzt das, was sie vorher nicht bedeckte. Das Wort bleibt, das Ding wandert. Adelung und Campe schreiben im 18. Jahrhundert nur noch von der Hose, plur. die -n als „enge Bekleidung der Beine und der Geschlechtstheile" — als wäre das schon immer so gewesen.
In den modernen Mundarten überlebt der Plural als Norm. Das Pfälzische Wörterbuch verzeichnet die Hose ausdrücklich als f. Pl.: in pfälzischer Mundart heißt es „die Hose anziehe", auch wenn nur ein Stück gemeint ist. Im Norden — Schleswig-Holsteinisches Wörterbuch — konkurriert das Wort mit dem niederdeutschen Büx, im Rheinischen mit Buks. Aber überall: dasselbe alte ie. *(s)keu-, dasselbe „bedecken".