Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
endiluz
‚Stirn, frons‘. Das Wort ist wohl ein ursprl.
Kompositum, dessen Bildeweise der von ant-
lutti, antluzzi
‚Antlitz‘(s. d.), eigtl.
‚was ge-, entspricht; vgl. got. andaugi
genüber der Gestalt oder dem Gesicht [des
Partners] liegt‘
‚Antlitz‘, ahd. antlizzi
‚dss.‘(got. wlits
‚Ausse-), gr. πρόσωπον
hen, Gestalt, Angesicht‘
‚dss.‘
< *προτι-ωπ-ον
‚was gegenüber den Augen,(Frisk, Gr. et.
dem Anblick (des Partners) liegt‘
Wb. II, 602 f.). Ist endiluz tatsächlich ebenso
gebildet, so deutet -luz möglicherweise auf ein
urgerm. *-lutta-, vorurgerm. *-ludno- – wie
bei ahd. skaz, nuz, roz u. a. (vgl. Schatz, Ahd.
Gr. § 179) ist das -z wohl als Affrikata [ts] zu
interpretieren (→ einluzlîcho, ferner *ebanlôt,
einlôt). Der erste Bestandteil ist dann aber
nicht unmittelbar mit ahd. endi
‚Stirn‘iden-
tisch, sondern weist auf ein urgerm. Adv. *an-
þi oder *anþī
‚entgegen‘(< vorurgerm.
Lok. Sg. *ánti bzw. Dat. Sg. *ántei̯? [**H2ánti,
**H2ántei̯]?); zur Akzentuierung der Wurzelsil-
be der Fortsetzung von uridg. *ánt-s
[**H2ánt-s]
‚Vorderseite, Stirn‘vgl. z. B. anord.
ann-
‚entgegen‘(annlit
‚Antlitz‘); s. R. Lühr,
Mü. Stud. z. Spr.wiss. 38 (1979), 117 ff., beson-
ders 118 f. 138. – Ahd. Wb. III, 282; Splett, Ahd.
Wb. I, 183. 577; Starck-Wells 125.