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Blind

as. bis spez. · 25 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Campe
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26 in 25 Wb.
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Eintrag · Campe (1807–1813)

Blind adj., adv.

Bd. 1, Sp. 565a
Blind, — er, — este, adj. u. adv. 1) Des Gesichts oder des Vermögens zu sehen beraubt. Blind werden, blind sein, blind machen. Auf beiden Augen blind sein. Ein blinder Mensch. Sprichw. Ein blinder Mann, ein armer Mann, weil die Blindheit von Erbfolge bei Lehengütern ausschließt. Er urtheilt davon wie der Blinde von der Farbe, ohne Kenntniß. Hieher gehört auch die uneigentliche Redensart im gemeinen Leben: Blind kommen, oder blind ankommen, wie ein Blinder, der überall anstößt d. h. übel ankommen. Wer mir das zumuthet, der kömmt bei mir blind, oder der kömmt bei mir blind an d. h. der täuscht sich gewaltig. Da kömmt die List der Mißgunst blind. Günther. Da kömmt Damötas blind, euch macht er wohl nicht dumm. Rost. Uneigentlich. Х Einen bei sehenden Augen blind machen wollen, ihn etwas glauben machen wollen, wovon ihm doch der Augenschein das Gegentheil zeigt. Uneigentlich gebraucht man blind auch von demjenigen Zustande des Gesichts, wo man auf eine kurze Zeit nichts sehen oder erkennen kann, wenn man aus der Helle plötzlich ins Dunkle tritt, oder wenn man in die Sonne geblickt hat  Auch selbst den, welchem die Augen verbunden sind, nennt man blind. Blinde Kuh, ein Spiel, wobei einer aus der Gesellschaft mit verbundenen Augen einen Andern zu haschen sucht, der dann seine Stelle einnehmen muß; in O. D. blindes Mäuslein, Blinzelmäuslein, Blinzelmäuschen. Blind zufahren, so als wenn man blind wäre d. h. gerade zu, ohne Überlegung, ohne vorher zu sehen. 2) ◬ Des Lichtes beraubt, finster. — — und ich in die Tiefe mich tauchend Eile durch blindes Geklüft zur Ortygia — Voß. O ihr himmlischen Mächte wie hüllt die sterblichen Herzen Blinde Nacht. — —Ders. 3) Des Glanzes beraubt, trübe. Das Silber, das Zinngeschirr sieht ganz blind aus. Der Spiegel, die Fenster sind blind geworden. 4) Nur den Schein einer Sache habend. I der Baukunst, blinde Fenster, blinde Thüren, die bloß das Ansehen wirklicher Fenster und Thüren haben, ohne es zu sein. Bei den Schneidern, blinde Taschen, wo bloß Taschendeckel aufgenähet sind. Blinde Knopflöcher, wie Knopflöcher benähete Stellen, die nicht aufgeschnitten also keine wirkliche Knopflöcher sind. Ein blinder Lärm, der auf ein bloßes Gerücht, ohne gegründete Ursache gemacht wird. Ein blinder Angriff, der nur zum Schein geschieht. Tief in dem Busen indeß der beiden Huldinnen hämmert Der blinde Schrecken noch fort, der ihn seit kurzem (n) durchfuhr. Thümmel. Blind laden, entweder nur zum Schein, oder nur mit einem weichen Pfropfe laden. So auch blind schießen. Ein blinder Postreisender, der heimlich auf der Post mitfährt, ohne eingeschrieben zu sein. So auch, blind mitfahren. Bei den Wundärzten, blinde Köpfe setzen, Schröpfköpfe ohne Öffnung der Haut setzen. Blinde Soldaten haben, oder führen, Soldaten als wirklich dienstthuend angeben, die doch nicht vorhanden sind. I den Bergwerken, blinde Muthung, ein Muthzettel, in welchem weder der Gang noch der Ort des Gebirges genannt sind. Ein blinder Schacht, im Mansfeldischen, ein Gesenk, das vom Tagschachte entfernt und besonders abgeteuft ist. Blinde Namen führen, vom Schichtmeister gesagt, auf gewisse Arbeiter Lohn verschreiben, die nicht wirklich auf der Zeche angefahren sind. I der Kriegsbaukunst, blinde Linien, die Seiten des äußersten Vieleckes an einem Werke. I der Baukunst, eine blinde Schleife, eine leichte Schleife von einem Seile oder Taue, die man an etwas anschlägt, damit man sie leicht wieder aufziehen kann. I der Feuerwerkskunst, blinde Granaten, die nicht mit doppeltem Feuer geworfen werden, sondern erst Feuer bekommen, wenn sie die Erde berühren. Ein blinder Kauf, der nur zum Scheine geschichet. Blindes Geld, dessen Gepräge abgegriffen ist. Der blinde Afterblutfluß (blinde Haemorrhoiden), wobei kein Ausfluß des Blutes Statt findet. Eine blinde Läuterung, in den Rechten, die wider ein noch nicht gefälltes Urtheil eingelegt wird. † Blinder Hopfen, in Liefland, wilder Hopfen. † Blindes Holz, oder Blindholz am Rhein, die beim Beschneiden des Weines abgeschnittene Spitzen der Reben; in Franken, Rebspitzen. 5) Der nöthigen und gehörigen Öffnung beraubt. Der blinde Darm, oder Blinddarm. S. Blinddarm. Ein blindes Schloß, Blindschloß, welches an allen Seiten verdeckt ist, so daß es nur mit dem dazu gehörigen Schlüssel geöffnet werden kann. Eine blinde Wand, die keine Öffnung, weder zu Thüren noch zu Fenstern hat. 6) Versteckt, verborgen. Ein blinder Schlüssel, der verdeckte Spanner an einem Schlosse, vermittelst dessen man dasselbe ohne Schlüssel von innen öffnen kann; der Blindschlüssel. Sie graben mir viel blinde Gruben ein. Opitz. Uneigentlich, den Augen des Verstandes gleichsam beraubt. Die Liebe ist blind. »Die Glückseligkeit des Reichen besteht mehr in der Meinung des blinden Haufens, als in wahren Vorzügen.« Dusch. »Die Freundschaft ist parteiisch, immer blind für die Fehler der Lieblinge.« Weiße. 7) Von Blindheit des Verstandes herrührend, ohne Wahl und Überlegung. Ein blinder Gehorsam, ein unbedingter Gehorsam, ohne erst die Beschaffenheit der befohlnen Sache zu untersuchen. Ein blinder Glaube, ohne vorher angestellte Prüfung. Ein blindes Verlangen, bei dem man die Stimme der Vernunft nicht hört. Das blinde Glück, ein Glück, das oft die begünstiget, die es am wenigsten verdienen. Eine blinde Nachahmung, eine Nachahmung ohne Beurtheilung.
5318 Zeichen · 84 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 9.–12. Jh.
    Altsächsisch
    blindAdj.

    Köbler As. Wörterbuch

    blind , Adj. nhd. blind ne. blind (Adj.) ÜG.: lat. caecus H Vw.: s. rėgin-* Hw.: vgl. ahd. blint Q.: H (830) E.: germ. *…

  2. 8.–11. Jh.
    Altenglisch
    blindAdj.

    Köbler Ae. Wörterbuch

    blind , Adj. nhd. blind, dunkel, inwendig, dumm, nicht stechend ÜG.: lat. (caecare) Gl, caecus Gl, (privare) Vw.: s. for…

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    blindAdj.

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    blind , Adj. Vw.: s. blint

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Blind

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Blind , -er, -este, adj. et adv. des Gesichtes, oder der Werkzeuge des Sehens beraubt. 1. Eigentlich. Blind seyn. Auf ei…

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    blind

    Goethe-Wörterbuch

    blind 1 a vorwiegend sinnl-visuell α ohne Sehvermögen, des Augenlichts beraubt, auch: für kürzere Zeit unfähig zu sehen …

  6. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Blind

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Blind , Karl, geb. 1826 in Mannheim, als Student ungebärdiger Journalist, 1848 bei dem bad. Aufstand betheiligt, bei Str…

  7. modern
    Dialekt
    blind

    Bayerisches Wörterbuch · +10 Parallelbelege

    blind Band 2, Spalte 2,1312–1315

  8. Sprichwörter
    Blind

    Wander (Sprichwörter)

    Blind 1. Besser blind an den Augen, als blind am Gemüth. – Simrock, 1151. 2. Besser blind und furchtsam als unvorsichtig…

  9. Spezial
    blind

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    blind adj. 1 (ohne Sehvermögen, auch ‹fig› ) verc (verc, -ia) 2 (maßlos) verc (verc, -ia), ezesssif (-s, -iva) 3 (vorget…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit blind

323 Bildungen · 284 Erstglied · 33 Zweitglied · 6 Ableitungen

blind‑ als Erstglied (30 von 284)

Blindauge

SHW

Blind-auge Band 1, Spalte 941-942

Blinddarm

SHW

Blind-darm Band 1, Spalte 941-942

Blindholz

SHW

Blind-holz Band 1, Spalte 941-942

Blindloch

SHW

Blind-loch Band 1, Spalte 941-942

Blindrebe

SHW

Blind-rebe Band 1, Spalte 941-942

Blindaal

Campe

blind·aal

Der Blindaal , des — es, Mz. die — e, ein noch nicht genug bekannter Fisch, der einem kleinen Aale ähnlich ist und an welchem man keine Auge…

Blindaddere

WWB

Blind-addere. „ Blindadder “ Blindschleiche (Frbg.) ( Lin Mu).

Blindader

RhWBN

blind·ader

Blind-ader -ō:- Neuw-Goldschd f.: empfindl. Stelle am Ellenbogen.

blindatöra

LDWB1

blindatöra [blin·da·tö·ra] f. (-res) Panzer m.

blindauge

DWB

blind·auge

blindauge , n. siehst du denn nicht, blindauge, dasz es derselbe cristallpocal ist? Tieck nov. 7, 171 .

Blindboden

Adelung

blind·boden

Der Blindboden , des -s, plur. die -böden, bey den Bierbrauern, der obere blinde oder falsche Boden in dem Maischbottige, welcher weggenomme…

Blindbodeⁿ

Idiotikon

Blindbodeⁿ Band 4, Spalte 1031 Blindbodeⁿ 4,1031

blindboren

KöblerAe

blind·boren

blindboren , Adj. nhd. blind geboren ÜG.: lat. caecus Gl Q.: Gl E.: s. blind, *boren L.: Hall/Meritt 52a

blind als Zweitglied (30 von 33)

foregeblind

KöblerAe

foregeblind , Adj. nhd. erblindet ÜG.: lat. (occaecare) Gl Q.: Gl E.: s. fore (1), ge-, blind L.: Hall/Meritt 126b

halbblind

DWB

halb·blind

halbblind , adj. semicaecus, caeculus. Stieler 195 ; ihre halbblinde liebe für den bruder. J. Paul Titan 2, 151 .

mondblind

DWB

mond·blind

mondblind , adj. , von pferden, blind, je nach dem wandel des mondes: ein mondblindes pferd. Adelung. vergl. mondäugig und mönig.

mānblind

Idiotikon

mānblind Band 5, Spalte 112 mānblind 5,112

mōdblind

KöblerAe

mōd·blind

mōdblind , Adj. nhd. geistig blind, einsichtslos E.: s. mōd (1), blind L.: Hall/Meritt 239a

rëgeⁿblind

Idiotikon

rëgeⁿblind Band 5, Spalte 112 rëgeⁿblind 5,112

rėginblind

KöblerAs

rėginblind , Adj. nhd. „schicksalsblind“, ganz blind, völlig blind, gänzlich blind ne. all blind (Adj.) Hw.: vgl. ahd. *reginblint? Q.: H (8…

schneeblind

DWB

schnee·blind

schneeblind , adj. blind, geblendet vom schnee, mhd. snêblint: schneeblind, nivis candore excoecatus Frisch 2, 213 a ; sprichwörtlich: schne…

schönblind

DWB

schoen·blind

schönblind , adj. mondblind, von pferden Adelung. vielleicht mit scheme als bezeichnung eines augenübels ( s. theil 8, 2538, 5) zusammenhäng…

stallblind

DWB

stall·blind

stallblind , adj. ' von pferden, blind vom langen stehen im dunkeln stalle '. Campe, mit verweis auf Maaler, der jedoch schreibt: staalblind…

star(r)blind

Idiotikon

star(r)blind Band 5, Spalte 112 star(r)blind 5,112

Starblind

Campe

star·blind

Starblind , adj . u. adv . durch einen Star am Auge blind. Daher der, die Starblinde , eine solche Person.

starrblind

DWB

starr·blind

starrblind , adj. völlig blind ( ähnlich wie unten stockblind), nach Adelung und Campe ' weil bei blinden personen die augen ganz starr und …

starreⁿblind

Idiotikon

starreⁿblind Band 5, Spalte 112 starreⁿblind 5,112

stockblind

DWB

stock·blind

stockblind , adj. , völlig blind: stockblind, oculorum lumine omnino carens Stieler 195 , oculis, lumine cassus Dentzler 277 a . eine wortst…

stockstaarblind

DWB

stock·staarblind

stockstaarblind , adj. , weitere steigerung von oben staarblind ( th. 10, 2 sp. 264) und oben stockblind ( sp. 52): man sagt viel, das adele…

stærblind

KöblerAe

stærblind , Adj. nhd. starblind ÜG.: lat. scotomaticus Gl Hw.: vgl. afries. starublind (1), ahd. starablint Q.: Gl E.: s. stær (3), blind; g…

stæreblind

KöblerAe

stæreblind , Adj. Vw.: s. stærblind

Ableitungen von blind (6 von 6)

blinde

DWB

blinde , n. caligo, wobei feld oder raum ausgelassen zu denken ist: du tappst im blinden; ich irre im blinden herum; er ritt ins blinde hine…

erblinde

BMZ

erblinde swv. werde blind. an beiden ougen si erblindet Karaj. 90,2. si sô erblindent daʒ si iuwer niene vindent Iw. 54. dâ von mîn lîp in d…

erblinden

DWB

erblinden , oculos amittere, caecari, 1 1) im eigentlichen sinn: von dem glanz und schimmer erblinden; er erblindete von dem anblick des sch…

verblinde

BMZ

verblinde swv. werde blind. er machet iuch sô verblinden Pass. 284,66. daʒ si verblinten alle Mar. himmelf. 1356. verblindet Mone altd. scha…

verblinden

DWB

verblinden , verb. obscurari, ahd. nicht nachgewiesen, mhd. verblinden, verstärkung des einfachen blinden, welches im ahd. plindên, mhd. bli…