verblinden,
verb. obscurari, ahd. nicht nachgewiesen, mhd. verblinden,
verstärkung des einfachen blinden,
welches im ahd. plindên,
mhd. blinden (
blind sein)
als sehr seltenes wort sich findet, vgl. Graff 3, 256. Lexer 1, 308,
nhd. in intransitiver bedeutung nicht nachgewiesen ist, s. theil 2, 124. 11)
intransitiv, die fähigkeit des sehens verlieren, coecus fio. Steinbach 1, 134:
mhd. er (
gott) machet ûch sô verblinden, ob im an ûch daʒ wil behagen, dâr ir nimmir muget erjagen swaʒ ir in ouch gesûchet.
pass. 284, 66
Hahn; nhd. wo der star bei einem menschen einfelt und derselbige daran verblindet oder blind wird. Bartisch
augendienst 85; wann ein pferd vil fette in den auggrüeblin hat, dasz ein ursach gibt zu verblinden. Seuter
rossarznei 148; nach der krankheit ist er verblindet,
post morbum oculorum aciem amisit. Steinbach 1, 134; das kind hatte eben die blattern und verblindete.
Sophiens reise 1, 13; nun sieh .. ich will, ich will auf der stelle verblinden, wenn ein teufel ist. Lessing 1, 415; schrecken und angst überfallen ihn, ein brennender schmerz tobet in seinen augen, sein gehirn leidet, er raset, er verblindet. 6, 405; ich wollte, der pfaffe müszte verstummen und verblinden, der dir solches zeug in den kopf gesetzt hat. Göthe 20, 111; 'bis dahin', er wirft den flor über sie, 'verblinde'. Schiller
hist.-krit. ausg. 3, 38 (
Fiesko 1, 12); mein herz so rein, eh meine augen sie sahen — o dasz sie verblindeten, diese augen, die mein herz verunreinet haben. Schiller
hist.-krit. ausg. 2, 295. 22)
trübe, undurchsichtig werden, von den augen auf dinge übertragen, die durchsichtig sind und zum sehen dienen: die fenster, brillengläser verblinden; die akademisch - optischen apparate, welche das jahr über verstauben und verblinden. Göthe 60, 32. 33)
auf geistige fähigkeiten übertragen, im bilde: wirf allen fürwitz weg; dasz dieses grosze licht des glaubens glimmend tacht ja gantz verdüstre nicht, hüll aug und antlitz ein, dasz du nicht gar verblindest. Lohenstein
himmelschl. 19, 382; wenn die gerechtigkeit für gold verblindet und im solde der laster schwelgt .. übernimmt die schaubühne schwerd und waage. Schiller
hist.-krit. ausg. 3, 514.
abstract, geistig blind werden, unfähig werden richtig zu erkennen: mhd. waʒ hilfet die grôʒe mankraft, ob wir dâr enbinnen verblinden an den sinnen?
pass. 66, 64
Köpke; daʒ ander was, daʒ wir uns erbarmen sülen über unsern ebenkristen, der dâ verblindet ist.
myst. 2, 495, 32; du solt nit lenger hangen an dem unglauben: vorblinden mustu und vortauben.
Alsfelder passionssp. 5175
Grein; doch seint ir eins teils szo ganz erhertt und verblindt.
ernest. archiv 1523; diesze dinck wirt man predigen ... im newen testament, darumb das disz volg disze ding nach nit begriffig ist, das do in seiner gerechtickeit vorblind ist. Luther
jub.-ausg. 1, 202, 32; jetzt verblindete er zu miszbräuchen, deren mitschuldiger er war. Schiller
hist.-krit. ausg. 7, 142. 44) verblinden,
unsichtbar sein, unscheinbar sein, nach blind
in der bedeutung unsichtbar, s. theil 2, 120: hier sind die linden höhen, für denen Hybla blatt ... und lilien nichts sind und helffenbein nicht taug und purpur wie verblind. Logau 2, 57, 5 (280
Eitner). 55)
transitiv, verblinden,
verblenden, blind machen, vergl. nd. verblinden Schiller - Lübben 4, 317.
in ähnlicher weise, wie oben sp. 141 verblenden
in die bedeutung von verblinden
trat, steht hier verblinden
für verblenden:
mhd. daʒ sint alleʒ steine und holz vil unreine, die dich hie tûnt verblinden.
pass. 641, 83
Köpke; nhd. sal ich uwer bosheit basz grunden, so wel ich uwer alde ee vorblinden.
Alsfelder passionssp. 4641
Grein; o dessen aug nichts kan verblinden. Weckherlin 22 (
ps. 7. 9); bisz mit gerechter straf sie meiner wafen furcht verblindet und verblaichet. 70 (
ps. 18. 65); was doch buntes dort verbindet mir den himmel mit der höhe? morgennebelung verblindet mir des blickes scharfe sehe. Göthe 5, 16;
auf abstracte begriffe übertragen: da ward das spiel verderbt, da ward der grund zu heilen der offnen schäden verblindet. Paracelsus
chir. schr. 67
a; verblindet,
verblendet: anzaigend das die urtail und straffen sollen kommen usz rechtem warhafften und ungefelschten grund des hertzens nit durch milt, gaben, gunst oder ungunst verblindt und vermassiget. Kessler
sabbata 309. 66)
reflexiv, sich verblinden: wer wollte deiner allmacht sich verblinden? Tieck 1, 147.