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Darm

ahd. bis spez. · 29 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
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31 in 29 Wb.
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Darm

Bd. 4, Sp. 519
Darm (Darmkanal, Darmrohr, Intestinum), der Verdauungskanal der Tiere, der sich meistens in drei Abschnitte sondert: Vorderdarm (mit Speiseröhre und Kaumagen), Mitteldarm (eigentlichen Magen) und Hinterdarm. Nur der Mitteldarm und ein Teil des Hinterdarms dienen alsdann zur Verdauung, während der vordere meist nur die Zuleitung (durch den Mund), die Zerkleinerung und Auflockerung (Vorverdauung) der Speisen besorgt. Die unverdauten Reste gelangen durch den Endabschnitt des Hinterdarius, den En d- oder Mastdarm, mittels des Afters nach außen. Im engern Sinne, namentlich bei den Wirbeltieren, versteht man unter D. die auf den Magen folgenden Teile des Darmkanals, die sich gewöhnlich von dem weiten Magen durch größere Enge (Dünndarm) unterscheiden und häufig sehr lang sind. Die Strecke des Dünndarms unmittelbar nach dem Magen wird bei den Säugetieren Zwölffingerdarm, der Rest Dünndarm im engern Sinne genannt, bis auf das letzte Stück, das nach seiner bedeutendern Weite Dickdarm heißt und meist auch einen Blinddarm zum Anhang hat, dessen Funktion dunkel ist. Drüsige Anhänge des Vorderdarms sind die Speicheldrüsen, des Mitteldarms Leber und Bauchspeicheldrüse. Bei manchen Fischen sitzen am Anfang des Mitteldarms dicht am Pförtner des Magens die sogen. Pförtneranhänge (appendices pyloricae), d. h. Blindschläuche von verschiedener Form und Gruppierung; auch hat wohl der ganze Mitteldarm innen eine spiralig verlaufende Schleimhautfalte (Spiralklappe), welche die innere Oberfläche des Darmes vergrößert und zugleich der Nahrung einen längern Weg vorschreibt, also ihre bessere Ausnutzung ermöglicht. Bei den Vögeln ist der Blinddarm paarig, bei den Säugern unpaarig oder fehlt auch ganz (Bären); sein Ende verkümmert oft und bildet so den Wurmfortsatz (Nager, Affen, Mensch). Das kurze Endstück des sehr verschieden langen Hinterdarms, der Mastdarm, mündet bei den meisten Wirbeltieren zusammen mit den Gängen der Harn- und Geschlechtswerkzeuge in einen besondern Raum, die Kloake, bei den Säugetieren (mit Ausnahme der Schnabeltiere) jedoch durch den Äster direkt nach außen; auch am Ende des Mastdarms befinden sich bei manchen Wirbeltieren drüsige Anhänge. Beim Menschen (s. die Tafeln »Eingeweide I-III« und Tafel »Blutgefäße«, Fig. 4) liegt der D. in der Bauch- und Beckenhöhle und ist beim Erwachsenen im Durchschnitt 8 m, also etwa fünfmal so lang wieder Körper. Der vorderste Abschnitt heißt Zwölffingerdarm (intestinum duodenum), weil seine Länge etwa der Breite von zwölf Fingern entspricht. Er hat bei mittlerer Füllung einen Durchmesser von etwa 4 cm und umfaßt mit einer nach rechts gewendeten Schlinge die Bauchspeicheldrüse; in ihn münden der Ausführungsgang dieser Drüse sowie der Gallengang gemeinschaftlich ein. Der eigentliche Dünndarm ist ein 4–8,5, gewöhnlich 5,5–6 m langes, in vielfache Schlingen gelegtes Rohr; seine ersten zwei Fünftel heißen Leerdarm (i. jejunum), der Rest Krummdarm (i. ileum). Dem letztern folgt der Dickdarm (i. crassum) mit einer Länge von 1,1–2,3, meist 1,3–1,6 m und einer Weite von 4–6 cm; an der Grenze von beiden befindet sich innen eine kreisförmige Schleimhautfalte, die sogen. Bauhinsche oder Blinddarmklappe (valvula Bauhini s. coli). Der Dickdarm besitzt als sackförmigen Anhang den Blinddarm (i. coecum), von 6–8 cm Länge; dieser endet mit dem 5–7 mm weiten und etwa 5–8 cm langen Wurmfortsatz (processus vermiformis). Der Dickdarm steigt zunächst bis zur Leber empor (aufsteigen der Grimmdarm, colon ascendens); dann geht er als Quergrimmdarm (c. transversum) am Magen links zur Milz hinüber; hier biegt er um und verläuft als absteigen der Grimmdarm (c. descendens) links abwärts, bildet dann eine S-förmige Krümmung (flexura sigmoidea oder S romanum) und geht zuletzt in den etwa 16 cm langen Mastdarm (intestinum rectum) über. Dieser senkt sich gerade von oben nach unten und mündet durch den After nach außen. – Die Darmwand besteht aus drei Schichten; die äußerste (sogen. seröse) Haut (s. Tafel »Eingeweide III«, Fig. 1 r) gehört dem Bauchfell an und befestigt den D. in der Bauchhöhle. Die mittlere oder Muskelhaut besteht aus einer äußern Längsfaser- und einer innern Ringfaserschicht; die durch sie hervorgerufenen (peristaltischen) Bewegungen des Darmes gleichen somit denen eines Wurmes und schreiten vom Magen her gegen den After hin fort. (In umgekehrter Richtung verlaufen die antiperistaltischen Bewegungen, die den Inhalt des Darmes nach dem Magen zurückdrängen, so daß selbst Kot erbrochen werden kann.) Die Ringfaserschicht bildet am Ende des Mastdarms den innern Schließmuskel des Afters (sphincter ani internus), der durch den äußern (innerhalb gewisser Grenzen der Willkür gehorchenden) Schließmuskel unterstützt wird und schon im Ruhezustande den After leicht geschlossen hält. Die Längsfaserschicht erstreckt sich kontinuierlich über den ganzen Dünndarm, am Dickdarm beschränkt sie sich auf drei etwa 9 mm breite Bänder (taeniae coli), die sich erst weiter hinten über den ganzen Umfang verbreiten. Die innerste oder Schleimhaut ist weich, etwa 1 mm dick, an Blut- (c) und Lymph- (resp. Chylus-) Gefäßen (l), die in der untersten Lage der Schleimhaut, der Submukosa s, Geflechte bilden, sowie an Drüsen überaus reich und an ihrer freien Fläche mit einer Lage von Epithelzellen e überkleidet. Die Schleimhaut des Dünndarms ist in zahlreiche Querfalten (sogen. Kerckringsche Falten) gelegt und in ihrer ganzen Länge mit kleinen Zotten, den Darmzotten (villi intestinales) z (den stärker vergrößerten Durchschnitt einer Darmzotte s. Tafel »Eingeweide III«, Fig. 2; vgl. Verdauung), besetzt; durch sie wird die innere Fläche des Darmes bedeutend (auf das Fünffache) vergrößert, sie saugen aus dem Speisebrei den Chylus (s. d.) auf und führen ihn der Säftemasse des Körpers zu. Überall zwischen den Darmzotten kommen die sogen. Lieberkühnschen Drüsen d (s. d.) zur Absonderung des Darmsaftes (succus entericus) in ungeheurer Anzahl vor. Auf das Anfangsstück des Zwölffingerdarms sind die traubenförmigen Brunnerschen Drüsen beschränkt, die eine dem Bauchspeichel ähnliche Flüssigkeit absondern. Im ganzen Dünndarm finden sich kleine Lymphdrüsen oder geschlossene (sogen. solitäre) Follikel f, etwa von der Größe eines Hirsekorns (s. Lymphdrüsen), die sich im hintern Abschnitt des Dünndarms zu den sogen. Peyerschen Drüsen ff (s. d.) anordnen. Der Dickdarm enthält viele Falten von geringer Höhe, aber keine Zotten und wenige Drüsen. In Fig. 1 der Tafel III, der ein ideales Bild des Dünndarms darstellt, gibt B den Durchschnitt, A die Ansicht der Oberfläche mit den frei hervorragenden Zotten und den Öffnungen der Lieberkühnschen Drüsen a a, die an den Stellen fehlen, wo die Follikel das Epithel vorwölben. – Die Arterien des Darmes stammen aus den beiden Gekrösarterien; die Venen münden in die Pfortader (s. Tafel »Blutgefäße«, Fig. 4); die Nerven (nervi splanchnici) gehören zum Sympathikus (s. d.). Über die Verrichtungen des Dünndarms s. Verdauung. Die Krankheiten des Darmes sind größtenteils Erkrankungen der Schleimhaut, die auf die Muskelschicht und den serösen Überzug des Darmes übergreifen können; sie sind sehr selten auf die Muskel- und Nervenschicht des Darmes beschränkt, selten auch ist die seröse Haut einziger Sitz des Leidens, da dasselbe dann gewöhnlich Teilerscheinung einer allgemeinen Bauchfellentzündung zu sein pflegt. Katarrh, Amyloidentartung, Blutungen etc. kommen gleich häufig in allen Teilen des Darmes vor, während vorwiegend die runden Geschwüre im Zwölffingerdarm, die typhösen Veränderungen im untern Teil des Dünndarms, die Ruhr im Dickdarm, die Syphilis im Mastdarm, die Tuberkulose vorwiegend im untern Dünndarm beobachtet wird. Für Geschwulstbildungen sind die Blinddarmklappe und der Mastdarm besonders disponiert. Die Geschwülste sind so überwiegend krebsiger Natur, daß die wenigen Schleimhautpolypen, Myome, Fettgeschwülste, die sonst noch vorkommen, dagegen ganz zurücktreten. Vgl. Nothnagel, Die Erkrankungen des Darms und des Peritoneum (2. Aufl., Wien 1903).
8060 Zeichen · 80 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    darm

    Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA) · +2 Parallelbelege

    darmAWB m. a-St. ‚Darm, Mastdarm, Einge- weide, intestina, extalis, exta‘ 〈Var.: tharama, darama pl. mit Sproßvokal〉. – …

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    DARMstm.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +4 Parallelbelege

    DARM stm. darm, intestinum. Gr. 1,671, 2,146. Graff 5,226. zu derren? man sach rîsen derme und magen nider ûf die heide …

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    darmM.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    darm , M. Vw.: s. dārm

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Darm

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Der Darm , des -es, plur. die Därme, Diminut. das Därmchen, Oberdeutsch Därmlein, diejenigen häutigen Röhren in den thie…

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Darm

    Goethe-Wörterbuch

    Darm a iZshg morphol Studien N6,402,24 MetamIns uö ebd ‘blinde Därme’: für die Malpighischen Gefäße der Insekten, Schmet…

  6. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Darm

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Darm , Darmkanal (ductus intestinalis) , das aus einem langen häutigen Schlauch bestehende Eingeweide des Körpers, welch…

  7. modern
    Dialekt
    Darm

    Bayerisches Wörterbuch · +9 Parallelbelege

    Darm Band 3, Spalte 3,1230–1232

  8. Sprichwörter
    Darm

    Wander (Sprichwörter)

    Darm 1. Auf leeren Därmen ist gut liegen. Andere Sprichwörter sind anderer Ansicht, z.B. Bauch 95. 2. Bässer den Darm ge…

  9. Spezial
    Darm

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Darm m. (-[e]s, Därme) ‹anat› barot (-oc) m. , stentin (-s) m. ▬ den Darm entleeren (Stuhlgang haben) jí de corp; desćia…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit darm

481 Bildungen · 355 Erstglied · 123 Zweitglied · 3 Ableitungen

darm‑ als Erstglied (30 von 355)

Darmgicht

SHW

Darm-gicht Band 1, Spalte 1395-1396

Darmkobel

SHW

Darm-kobel Band 1, Spalte 1395-1396

Darmkraut

SHW

Darm-kraut Band 1, Spalte 1395-1396

Darmspiß

SHW

Darm-spiß Band 1, Spalte 1395-1396

Darmstadt

SHW

Darm-stadt Band 1, Spalte 1395-1396

darmachen

DWB

darm·achen

darmachen , dahin schaffen, thun, moliri, agere Henisch 655 . sich darmachen herzu eilen, so saum dich nit und mach dich dar Wittenweiler Ri…

darmalge

DWB2

darm·alge

darmalge f. enteromorpha Lk.: 1913 Marzell pflanzennamen 2,209.

Darmamyloid

Meyers

Darmamyloid , Amyloidentartung (s. d.) des Darmes, befällt namentlich den Dünndarm und hat starke Diarrhöen zur Folge. Die Behandlung beschr…

drmank

WWB

darm·ank

dar-mank Adv. [verstr.] dazwischen. ⟨ -mank [verstr.], -manker [ Bri Wal], -manken ( Det Is) ⟩

darmartig

GWB

darm·artig

darmartig in der Form eines Darms Das lange Faden- oder Darmartige System im Schmetterling N6,442,23 EntomologStudien N6,402,29 MetamIns Rüd…

darmatmer

DWB2

darmatmer m. lebewesen, bei dem der darm zusätzlich die funktion eines atmungsorgans hat: 1940 Francé lebenswunder 156.

Darmatrophie

Meyers

darm·atrophie

Darmatrophie , Schwund der Darmwand, vorwiegend der Darmschleimhaut und deren Drüsen, findet sich lokal beschränkt als Folgeerscheinung abge…

darmbähe

DWB

darmbähe , f. soviel als darmbad, lindernde darmbähen. dessen unterleib so geschwächt war, dasz er keinen tag mehr hinbringen konnte ohne si…

darm als Zweitglied (30 von 123)

smaladarm?

KöblerAhd

*smaladarm? , st. M. (a) Vw.: s. smal, darm

afterdarm

DWB

after·darm

afterdarm , m. intestinum rectum, ahd. aftarling, auch blosz der after: so gibt sich oft, dasz der afterdarm auszgehet. Paracelsus chir. sch…

arschdarm

DWB

arsch·darm

arschdarm , m. culus, extalis, ahd. arsdarm ( Graff 5 , 226); desgleichen haben sie den arsdarm zugeheilt, dasz sie also mangels halben der …

arsdarm

Lexer

ars·darm

ars-darm stm. BMZ extalis Voc. ; longio Dfg. 336 a .

Bode(n)darm

Idiotikon

Bode(n)darm Band 13, Spalte 1604 Bode(n)darm 13,1604

Bërdarm

Idiotikon

Bërdarm Band 13, Spalte 1605 Bërdarm 13,1605

Bërghüenerdarm

Idiotikon

Bërghüenerdarm Band 13, Spalte 1603 Bërghüenerdarm 13,1603

Chranzdarm

Idiotikon

Chranzdarm Band 13, Spalte 1604 Chranzdarm 13,1604

Chrūsdarm

Idiotikon

Chrūsdarm Band 13, Spalte 1604 Chrūsdarm 13,1604

Chǟsdarm

Idiotikon

Chǟsdarm Band 13, Spalte 1603 Chǟsdarm 13,1603

drozdarm

KöblerAhd

droz·darm

drozdarm , st. M. (a) nhd. Mastdarm, Eingeweide ne. rectum ÜG.: lat. extalis Gl Q.: Gl (Anfang 9. Jh.) I.: lat. beeinflusst? E.: s. darm L.:…

Dünndarm

Idiotikon

Dünndarm Band 13, Spalte 1606 Dünndarm 13,1606

eindarm

DWB

ein·darm

eindarm , m. homo macilentus, ein hagerer, der gleichsam nur einen darm zu haben scheint. wetterauisch.

endeldarm

DWB

endel·darm

endeldarm , m. intestinum rectum, culus, mastdarm, arschdarm. nnl. endeldarm, schw. ändtarm, dän. endetarm. Stürenburg 47 b .

Foddarm

BWB

Foddarm Band 3, Spalte 3,1234

Frëssdarm

Idiotikon

Frëssdarm Band 13, Spalte 1601 Frëssdarm 13,1601

Fëldhüenerdarm

Idiotikon

Fëldhüenerdarm Band 13, Spalte 1603 Fëldhüenerdarm 13,1603

Ableitungen von darm (3 von 3)

entdarmen

DWB

entdarmen , exenterare, eviscerare: entdermen. Jeroschin 180 a ; wütend scheu entdarmt den hund das zackigte geweih. Withofs gedichte 2, 86 …

gedarme

KöblerMhd

gedarme , st. N. Vw.: s. gederme

urdarm

DWB

urdarm , m. : der von entoderm ausgekleidete primitive darm heiszt der u. oder das archenteron R. Hertwig lehrb. d. zoologie 92 9 ; Brehm th…