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Blind

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Adelung
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Blind

Bd. 1, Sp. 1074
Blind, -er, -este, adj. et adv. des Gesichtes, oder der Werkzeuge des Sehens beraubt.[]1. Eigentlich. Blind seyn. Auf einem Auge, auf beyden Augen blind seyn. Ein blinder Mann. Sprichw. Ein blinder Mann ein armer Mann, weil die Blindheit in der Erbfolge von den Lehengütern ausschließet. Er urtheilet wie ein Blinder von der Farbe, ohne Kenntniß. Einen hohen Grad der Blindheit druckt man im gemeinen Leben durch starrblind, stockblind aus; S. diese Wörter. Hierher gehöret auch die im täglichen Umgange übliche figürliche R. A. blind kommen, oder blind ankommen, wie ein Blinder, der überall anstößet, empfangen werden. Wer so etwas von mir verlangt, der kommt bey mir blind, oder, der kommt blind bey mir an, der betriegt sich in seiner Hoffnung. Da kommt die List der Mißgunst blind, Günth. Da kommt Damötas blind, euch macht er wohl nicht dumm, Rost. 2. In weiterer Bedeutung, auf kurze Zeit des Gesichtes beraubt. Jemanden mit sehenden Augen blind machen, im gemeinen Leben, ihm etwas überreden, wovon ihm doch seine Augen das Gegentheil versichern. Unfallo das allein darumb seyt, Das er den Held möcht machen plindt Mit gesehenden Augen, Theuerd. Kap. 48. Hierher gehöret auch das im gemeinen Leben übliche Spiel, die blinde Kuh, da einer mit verbundenen Augen einen andern aus der Gesellschaft erhaschen muß, welches Spiel in Oberdeutschland, Franken und Thüringen Blinzelmäuschen, Blinzelmaus, blinde Mäuslein, in Schwed. Blindbock, im Dän. Blindebuk, im Französ. aber Cligne-mussette heißt, welche Benennung mit dem Deutschen Blinzelmäuschen überein kommt. Im Griech. hieß dieses Spiel Collabismus, von κολλαβιζειν, anstoßen, weil eine solche blinde Kuh überall anstößt. In Italien, wo es, dem Vetelius zu Folge, von den Ostgothen soll seyn eingeführet worden, ist es unter dem Nahmen Gioco de la cieca bekannt. Worm hat den wunderlichen Einfall, daß dieses Spiel erfunden worden, der Absichten Julii Cäsaris wider die nordischen Völker zu spotten. 3. Figürlich. 1) Trübe, seines Glanzes beraubt. Das Silber siehet ganz blind aus. Der Spiegel ist blind geworden. 2) Nur den Schein einer Sache habend. Blinde Fenster, blinde Thüren, in der Baukunst, die wie Fenster und Thüren aussehen, ohne es wirklich zu seyn. Blinde Taschen, bey den Schneidern. Blinde Köpfe setzen, bey den Wundärzten, Schröpfköpfe ohne Öffnung der Haut setzen. Blinde Soldaten haben, oder führen, Soldaten als wirklich vorhanden angeben, die doch nicht im Dienste sind. So auch im Bergbaue, blinde Häuer, und in der Seefahrt, blinde Matrosen führen. Ein blinder Lärm, der ohne Grund, ohne wirklich vorhandene Gefahr gemacht wird. Ein blinder Angriff, der nur zum Scheine geschiehet. Blind laden, entweder nur zum Scheine, oder doch ohne Kugel, bloß mit Pulver laden. Blind schießen, ohne Kugel. Blind blühen, ohne Früchte anzusetzen. Ein blinder Passagier, der heimlich auf der Post mitfähret, ohne eingeschrieben zu seyn, und ohne das gehörige Postgeld zu bezahlen. Blind mitfahren, auf der Post. Blinde Muthung, im Bergbaue, wenn in einem Muthzettel weder der Gang noch der Ort des Gebirges bemerket worden. Blinde Granaten, in der Feuerwerkerkunst, die nicht mit doppeltem Feuer geworfen werden, sondern erst Feuer bekommen, wenn sie die Erde oder einen harten Körper berühren. Blinder Hopfen, in Liefland, wilder Hopfen. Blindes Holz, Blindholz, am Rheinstrome, die bey dem Beschneiden des Weines abgeschnittenen Spitzen der Reben, so auch zum Versenken gebraucht werden, und in Franken Rebspitzen heißen. Blinde Hämorrhoiden, ohne Ausfluß des Blutes. Ein blinder Kauf, der nur zum Scheine[] geschiehet. Eine blinde Läuterung, in den Rechten, die wider ein noch nicht geschehenes Urtheil eingelegt wird. 3) Der nöthigen und zu seinem Wesen gehörigen Öffnung beraubet. Der blinde Darm, in der Anatomie, ein Darm, der auf der rechten Seite des Grimmdarmes lieget, und unten zu ist; Intestinum rectum. Ein blindes Schloß, welches an allen Seiten verdeckt ist, so daß es nirgends anders, als mit dem dazu gehörigen Schlüssel geöffnet werden kann. Eine blinde Wand, in der Baukunst, die keine Öffnung weder zur Thür, noch zu Fenstern hat. 4) Verborgen, versteckt. Ein blinder Schlüssel, der verdeckte Spanner an einem Schlosse, vermittelst dessen dasselbe ohne Schlüssel von innen geöffnet werden kann; der Blindschlüssel. Sie graben mir viel blinde Gruben ein, Opitz Ps. 119, 43. Doch in dieser Bedeutung ist es im Hochdeutschen nur sehr selten. 5) Der Augen des Verstandes beraubt, mit den Augen des Geistes nicht sehend. Die Liebe ist blind. Die Glückseligkeit des Reichen bestehet mehr in der Meinung des blinden Haufens, als in wahren Vorzügen, Dusch. Er ist blind gegen sein Glück. Die Freundschaft ist parteyisch, immer blind für die Fehler ihrer Lieblinge, Weiße. Niemahls hat mich das Vorurtheil für diejenigen, die ich liebe, und ihre Mängel blind gemacht. Blind zufahren, ohne Prüfung und Überlegung. 6) Aus einer solchen Blindheit herrührend, ohne Wahl und Beurtheilung geschehend. Ein blinder Gehorsam, welchen man leistet, ohne die sittliche Beschaffenheit der befohlnen Sache zu untersuchen. Ein blindes Verlangen, das von Leidenschaften, von Vorurtheilen erzeuget wird. Das blinde Glück, weil es oft die am meisten begünstiget, die es am wenigsten verdienen. Die blindeste Liebe hat ihn hingerissen. Blinde Gewohnheit, Gewohnheit ohne Bewußtseyn. Blinde Nachahmung, ohne Beurtheilung. Anm. Blind ist eines von den wenigen Wörtern, die weder durch die Jahrhunderte, noch durch die Mundarten einige Veränderungen erlitten haben. Schon bey dem Ulphilas lautet es blind, und eben so lautet es bey den Alemannen, bey den Franken, bey den Angelsachsen, bey den heutigen Engländern, bey den Niedersachsen, Isländern, Schweden, Dänen und Holländern. Diese seltene Übereinstimmung ist zugleich Ursache, daß man diesem Worte in Ansehung seiner Abstammung wenig anhaben kann. Vermuthlich gehöret es zu dem alten bliga, lugen, blühen, sehen und scheinen. An das n darf man sich nicht stoßen, weil auch das gleichfalls davon abstammende Zeitwort blinken dasselbe hat.
6049 Zeichen · 87 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 9.–12. Jh.
    Altsächsisch
    blindAdj.

    Köbler As. Wörterbuch

    blind , Adj. nhd. blind ne. blind (Adj.) ÜG.: lat. caecus H Vw.: s. rėgin-* Hw.: vgl. ahd. blint Q.: H (830) E.: germ. *…

  2. 8.–11. Jh.
    Altenglisch
    blindAdj.

    Köbler Ae. Wörterbuch

    blind , Adj. nhd. blind, dunkel, inwendig, dumm, nicht stechend ÜG.: lat. (caecare) Gl, caecus Gl, (privare) Vw.: s. for…

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    blindAdj.

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    blind , Adj. Vw.: s. blint

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Blind

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Blind , -er, -este, adj. et adv. des Gesichtes, oder der Werkzeuge des Sehens beraubt. 1. Eigentlich. Blind seyn. Auf ei…

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    blind

    Goethe-Wörterbuch

    blind 1 a vorwiegend sinnl-visuell α ohne Sehvermögen, des Augenlichts beraubt, auch: für kürzere Zeit unfähig zu sehen …

  6. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Blind

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Blind , Karl, geb. 1826 in Mannheim, als Student ungebärdiger Journalist, 1848 bei dem bad. Aufstand betheiligt, bei Str…

  7. modern
    Dialekt
    blind

    Bayerisches Wörterbuch · +10 Parallelbelege

    blind Band 2, Spalte 2,1312–1315

  8. Sprichwörter
    Blind

    Wander (Sprichwörter)

    Blind 1. Besser blind an den Augen, als blind am Gemüth. – Simrock, 1151. 2. Besser blind und furchtsam als unvorsichtig…

  9. Spezial
    blind

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    blind adj. 1 (ohne Sehvermögen, auch ‹fig› ) verc (verc, -ia) 2 (maßlos) verc (verc, -ia), ezesssif (-s, -iva) 3 (vorget…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit blind

323 Bildungen · 284 Erstglied · 33 Zweitglied · 6 Ableitungen

blind‑ als Erstglied (30 von 284)

Blindauge

SHW

Blind-auge Band 1, Spalte 941-942

Blinddarm

SHW

Blind-darm Band 1, Spalte 941-942

Blindholz

SHW

Blind-holz Band 1, Spalte 941-942

Blindloch

SHW

Blind-loch Band 1, Spalte 941-942

Blindrebe

SHW

Blind-rebe Band 1, Spalte 941-942

Blindaal

Campe

blind·aal

Der Blindaal , des — es, Mz. die — e, ein noch nicht genug bekannter Fisch, der einem kleinen Aale ähnlich ist und an welchem man keine Auge…

Blindaddere

WWB

Blind-addere. „ Blindadder “ Blindschleiche (Frbg.) ( Lin Mu).

Blindader

RhWBN

blind·ader

Blind-ader -ō:- Neuw-Goldschd f.: empfindl. Stelle am Ellenbogen.

blindatöra

LDWB1

blindatöra [blin·da·tö·ra] f. (-res) Panzer m.

blindauge

DWB

blind·auge

blindauge , n. siehst du denn nicht, blindauge, dasz es derselbe cristallpocal ist? Tieck nov. 7, 171 .

Blindboden

Adelung

blind·boden

Der Blindboden , des -s, plur. die -böden, bey den Bierbrauern, der obere blinde oder falsche Boden in dem Maischbottige, welcher weggenomme…

Blindbodeⁿ

Idiotikon

Blindbodeⁿ Band 4, Spalte 1031 Blindbodeⁿ 4,1031

blindboren

KöblerAe

blind·boren

blindboren , Adj. nhd. blind geboren ÜG.: lat. caecus Gl Q.: Gl E.: s. blind, *boren L.: Hall/Meritt 52a

blind als Zweitglied (30 von 33)

foregeblind

KöblerAe

foregeblind , Adj. nhd. erblindet ÜG.: lat. (occaecare) Gl Q.: Gl E.: s. fore (1), ge-, blind L.: Hall/Meritt 126b

halbblind

DWB

halb·blind

halbblind , adj. semicaecus, caeculus. Stieler 195 ; ihre halbblinde liebe für den bruder. J. Paul Titan 2, 151 .

mondblind

DWB

mond·blind

mondblind , adj. , von pferden, blind, je nach dem wandel des mondes: ein mondblindes pferd. Adelung. vergl. mondäugig und mönig.

mānblind

Idiotikon

mānblind Band 5, Spalte 112 mānblind 5,112

mōdblind

KöblerAe

mōd·blind

mōdblind , Adj. nhd. geistig blind, einsichtslos E.: s. mōd (1), blind L.: Hall/Meritt 239a

rëgeⁿblind

Idiotikon

rëgeⁿblind Band 5, Spalte 112 rëgeⁿblind 5,112

rėginblind

KöblerAs

rėginblind , Adj. nhd. „schicksalsblind“, ganz blind, völlig blind, gänzlich blind ne. all blind (Adj.) Hw.: vgl. ahd. *reginblint? Q.: H (8…

schneeblind

DWB

schnee·blind

schneeblind , adj. blind, geblendet vom schnee, mhd. snêblint: schneeblind, nivis candore excoecatus Frisch 2, 213 a ; sprichwörtlich: schne…

schönblind

DWB

schoen·blind

schönblind , adj. mondblind, von pferden Adelung. vielleicht mit scheme als bezeichnung eines augenübels ( s. theil 8, 2538, 5) zusammenhäng…

stallblind

DWB

stall·blind

stallblind , adj. ' von pferden, blind vom langen stehen im dunkeln stalle '. Campe, mit verweis auf Maaler, der jedoch schreibt: staalblind…

star(r)blind

Idiotikon

star(r)blind Band 5, Spalte 112 star(r)blind 5,112

Starblind

Campe

star·blind

Starblind , adj . u. adv . durch einen Star am Auge blind. Daher der, die Starblinde , eine solche Person.

starrblind

DWB

starr·blind

starrblind , adj. völlig blind ( ähnlich wie unten stockblind), nach Adelung und Campe ' weil bei blinden personen die augen ganz starr und …

starreⁿblind

Idiotikon

starreⁿblind Band 5, Spalte 112 starreⁿblind 5,112

stockblind

DWB

stock·blind

stockblind , adj. , völlig blind: stockblind, oculorum lumine omnino carens Stieler 195 , oculis, lumine cassus Dentzler 277 a . eine wortst…

stockstaarblind

DWB

stock·staarblind

stockstaarblind , adj. , weitere steigerung von oben staarblind ( th. 10, 2 sp. 264) und oben stockblind ( sp. 52): man sagt viel, das adele…

stærblind

KöblerAe

stærblind , Adj. nhd. starblind ÜG.: lat. scotomaticus Gl Hw.: vgl. afries. starublind (1), ahd. starablint Q.: Gl E.: s. stær (3), blind; g…

stæreblind

KöblerAe

stæreblind , Adj. Vw.: s. stærblind

Ableitungen von blind (6 von 6)

blinde

DWB

blinde , n. caligo, wobei feld oder raum ausgelassen zu denken ist: du tappst im blinden; ich irre im blinden herum; er ritt ins blinde hine…

erblinde

BMZ

erblinde swv. werde blind. an beiden ougen si erblindet Karaj. 90,2. si sô erblindent daʒ si iuwer niene vindent Iw. 54. dâ von mîn lîp in d…

erblinden

DWB

erblinden , oculos amittere, caecari, 1 1) im eigentlichen sinn: von dem glanz und schimmer erblinden; er erblindete von dem anblick des sch…

verblinde

BMZ

verblinde swv. werde blind. er machet iuch sô verblinden Pass. 284,66. daʒ si verblinten alle Mar. himmelf. 1356. verblindet Mone altd. scha…

verblinden

DWB

verblinden , verb. obscurari, ahd. nicht nachgewiesen, mhd. verblinden, verstärkung des einfachen blinden, welches im ahd. plindên, mhd. bli…