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blau

mnd. bis spez. · 20 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Pfeifer_etym
Anchors
30 in 20 Wb.
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Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)

blau Adj.

blau Adj.

blau Adj. in der Farbe dem wolkenlosen Himmel ähnlich, ahd. (8. Jh.), asächs. blāo ‘blau’ (in allen Schattierungen), mhd. mnd. blā, mnl. blā, blau, blaeu, nl. blauw, anord. blār ‘blau, dunkel, schwarz’, schwed. blå setzt ein zur Wurzel ie. *bhel- ‘glänzen(d), weiß’ gehöriges ie. *bhlēu̯os ‘blau, gelb, blond’ (germ. *blēwa-) voraus und ist verwandt mit lat. flāvus ‘goldgelb, rotgelb, blond’ und lat. fulvus ‘rotgelb, braungelb’. blau ist mit anderen germ. Farbadjektiven (s. blank, brünett, greis, blond) in roman. Sprachen entlehnt, vgl. frz. bleu ‘blau’ (daraus engl. blue), aprov. blau ‘blau’. Die meisten Farbbezeichnungen sind anfangs noch nicht genau bestimmt; so ist die ursprüngliche Bedeutung von blau wahrscheinlich ‘hell, glänzend’; noch ahd. blāo steht gelegentlich als adäquater Ausdruck für lat. flāvus ‘gelb’. Erst im Mhd. wird blau deutlicher abgegrenzt, zugleich tauchen Komposita für einzelne Abstufungen auf: lāsūrblā ‘blau wie Lasur’, liehtblā ‘hellblau’, satblā ‘gesättigtes Blau, dunkelblau’, wolkenblā ‘himmelblau’. Im Nhd. folgen schwarzblau, blauschwarz, graublau, tiefblau, kornblumenblau, veilchenblau. blau begegnet in zahlreichen Wendungen. Die Haut nimmt infolge von Schlägen blaue Färbung an, daher grün und blau schlagen (Anfang 17. Jh.), ein blaues (‘blutunterlaufenes’) Auge haben, mit einem blauen Auge (‘glimpflich’) davonkommen. Es wird mir blau vor den Augen (heute es wird mir schwarz vor den Augen) als Zeichen beginnenden Schwindelgefühls ist seit dem 16. Jh. bezeugt. Daran schließt sich offenbar die neuerdings häufig gebrauchte Wendung blau (‘betrunken’) sein an. Als Farbe der Sinnestäuschung vor allem in dem seit dem 16. Jh. belegten Ausdruck blauen Dunst vormachen ‘Unwahres glaubhaft zu machen suchen’. Vielleicht hängt damit zusammen sein blaues Wunder erleben ‘ganz verwundert sein’; eine ähnliche Wendung aus dem 17. Jh. lautet da sollte man seine blauen Wunder gesehen haben. Nicht mit Sicherheit erklärbar ist die Redensart ins Blaue hinein reden ‘ohne Plan und Zweck reden’. Unter einem blauen Brief versteht man einen ‘Mahnbrief der Schule’; im 19. Jh. bezeichnet man damit in Preußen ein Schreiben des Königlichen Kabinetts (nach den blauen Umschlägen); in den 70er Jahren überträgt man den Ausdruck auf die offiziell ergangenen Mahnungen an Offiziere und Beamte, ihre Versetzung in den Ruhestand zu beantragen. Die blaue Blume (Novalis 1802) wird zum Sinnbild der Sehnsucht in der romantischen Dichtung. Der blaue Montag ist ursprünglich vielleicht der Montag vor Fastnacht, wegen der für diesen Tag vorgeschriebenen liturgischen (violetten) Farbe; an diesem Tag wird nicht gearbeitet, der Ausdruck daher allmählich auf alle Montage übertragen, an denen man nicht seiner Arbeit nachgeht (in diesem Sinne zuerst 1550, anfangs auch guter Montag genannt); danach blaumachen ‘feiern, nicht arbeiten’. blaues Blut als Zeichen adliger Abstammung (1. Hälfte 19. Jh.), nach span. sangre azul oder goda ‘blaues’ oder ‘gotisches Blut’, geht auf die durchschimmernden blauen Adern der hellfarbigen (westgotischen) spanischen Adligen zurück; dazu blaublütig Adj. ‘adlig’ (2. Hälfte 19. Jh.). blauäugig Adj. ‘mit blauen Augen ausgestattet’, blauäugicht (17. Jh.), ‘treuherzig, naiv’ (Mitte 19. Jh.). – Bläue f. ‘blaue Färbung’, ahd. blāwī (11. Jh.), mhd. blæwe. blauen Vb. ‘blau werden, sein’ (17. Jh.); bläuen Vb. ‘blau färben’, mhd. blæwen; zuweilen auch blauen (Goethe). bläulich Adj. ‘ins Blaue spielend’ (17. Jh.); älter sind blawelich, blaulicht, blaulecht (16. Jh.). Blaubart m. ‘Frauenmörder’ (Ende 18. Jh.), nach dem französischen Märchen vom Ritter Barbe-Bleue ‘Blaubart’, der die Neugier seiner Frauen prüft und sie tötet, wenn sie die Probe nicht bestanden haben. Blaubeere f. landschaftliche, besonders nordd. Bezeichnung für ‘Heidelbeere’ (18. Jh.); vgl. dän. blåbær. Blausäure f. farblose, sehr giftige Säure, Zyanwasserstoff; von ihrem Entdecker Scheele 1782 aus Berliner Blau dargestellt und Berliner-Blau-Säure genannt. Blaustrumpf m. im 17. und 18. Jh. Schimpfwort für den damals vielfach blaue Strümpfe tragenden Gerichtsdiener im Sinne von ‘Spitzel, Verräter’; heute nur für eine ‘gelehrte Frau ohne weiblichen Charme’. In dieser Bedeutung aus engl. bluestocking übersetzt, einer spöttischen Bezeichnung für literarische Zirkel um 1750 in London und deren Teilnehmerinnen. Im Dt. vereinzelt um 1800, danach durch Börnes „Pariser Briefe“ (1830) allgemein bekannt.
4430 Zeichen · 107 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    blauAdj.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    blau , Adj. Vw.: s. blā (1)

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Blau

    Adelung (1793–1801) · +8 Parallelbelege

    Blau , -er, -este, adj. et adv. welches der Nahme einer der fünf Hauptfarben ist. Blau machen, blau seyn. Ein blauer Zeu…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Blau

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    Blau Farbstoff Schicke mir das aufgelöste B. in dem Gläsgen B6,149,18 ChStein 13.4.83 Das B. von Waid [ Pflanzenfarbstof…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Blau

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +3 Parallelbelege

    Blau , eine der Hauptfarben, von dem stärker gebrochenen Lichtstrahle erzeugt, wirkt chemisch besonders auf Silberoxyde;…

  5. modern
    Dialekt
    blau

    Bayerisches Wörterbuch · +7 Parallelbelege

    blau Band 2, Spalte 2,1171–1176

  6. Sprichwörter
    Blau

    Wander (Sprichwörter)

    Blau 1. Wir sollen alles nur blau, blau lassen. ( Holl. ) Unter der statthalterschaftlichen Regierung soll der Vorschlag…

  7. Spezial
    Blau

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    Blau n. (-[s],-[s]) (blaue Farbe) bröm (-s) m. , ble (bles) m. , parom (-s) m. , corú bröm (ble, parom) m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit blau

543 Bildungen · 499 Erstglied · 41 Zweitglied · 3 Ableitungen

blau‑ als Erstglied (30 von 499)

Blaubacken

SHW

Blau-backen Band 1, Spalte 923-924

Blaubart

SHW

Blau-bart Band 1, Spalte 923-924

Blaubeere

SHW

Blau-beere Band 1, Spalte 923-924

Blaufarbe

SHW

Blau-farbe Band 1, Spalte 925-926

Blaufeld

SHW

Blau-feld Band 1, Spalte 925-926

Blaufurz

SHW

Blau-furz Band 1, Spalte 925-926

Blauholz

SHW

Blau-holz Band 1, Spalte 925-926

blauisch

SHW

blau-isch Band 1, Spalte 925-926

Blauklee

SHW

Blau-klee Band 1, Spalte 925-926

Blaukopf

SHW

Blau-kopf Band 1, Spalte 925-926

Blaukraut

SHW

Blau-kraut Band 1, Spalte 925-926

Blauleinen

SHW

Blau-leinen Band 1, Spalte 925-926

Blaumal

SHW

Blau-mal Band 1, Spalte 925-926

Blaumaul

SHW

Blau-maul Band 1, Spalte 925-926

Blaumeise

SHW

Blau-meise Band 1, Spalte 927-928

Blaunase

SHW

Blau-nase Band 1, Spalte 927-928

blaurot

SHW

blau-rot Band 1, Spalte 927-928

Blausack

SHW

Blau-sack Band 1, Spalte 927-928

blau als Zweitglied (30 von 41)

bergblau

DWB

berg·blau

bergblau , was kupferblau, aus kupfervitriol bereitete farbe. Hohberg 3, 144 b . Brockes 9, 80 .

blaßblau

BWB

blaßblau Band 2, Spalte 2,1176

Bleichblau

Adelung

bleich·blau

Bleichblau , adj. et adv. verschossen blau, Franz. bleu-mourant. So auch mit den Nahmen anderer Farben.

blitzblau

DWB

blitz·blau

blitzblau , lividus, dem ausbrechenden blitz wird blaue farbe beigelegt ( mythol. 162 und oben sp. 82), wildes feuer heiszt blaues feuer. we…

dunkelblau

DWB

dunkel·blau

dunkelblau , adj. und adv. schwärzlichblau, coeruleus color minus dilutus, fuscus Frisch 1, 211 a . tunkelblau cyaneus Stieler 191 . so müsz…

finsterblau

DWB

finster·blau

finsterblau , dunkelblau: weil sein innerer himmel wie der physische immer gerade und nahe über ihm finsterblau aussieht. J. P. Tit. 3, 47.

hellblau

DWB

hell·blau

hellblau , adj. coeruleum dilutum. Frisch 1, 441 a ; die hellblauen bairischen uniformen; hellblaue augen.

himmelblau

DWB

himmel·blau

himmelblau , adj. blau wie der himmel, mhd. himelblâ ( Lexer wb. 1, 1283 ): ein recht saphir ist himelblâ. Muskatblut 8, 107 ; die blumen ( …

indigblau

DWB

indig·blau

indigblau , adj. blau vom indig. auch als substantiv: ein tiefes indigblau.

kupferblau

DWB

kupfer·blau

kupferblau , n. ein blaues kupfererz das eine schöne himmelblaue malerfarbe gibt, auch bergblau, kupferlasur. vergl. kupferocher .

lasurblau

DWB

lasur·blau

lasurblau , adj. der farbe des lasurs gleich; als neutr. die blaue farbe des lasurs.

lasūrblau

KöblerMnd

lasūrblau , Adj. Vw.: s. lasūrblā*

lichtblau

DWB

licht·blau

lichtblau , adj. hellblau, himmelblau: der stain ( saphir ) ist himelvar, wan er ist liehtplâ. Megenberg 457, 21 ; mit liehtplaber und tunke…

Öhlblau

Adelung

Das Öhlblau , subst. indeclin. bey den Mahlern, ein Nahme der besten Schmalte, weil sie auch mit einem Öhlfirniß aufgetragen werden kann.

Preblau

Wander

pre·blau

Preblau Oeck bin van Preblau, wo de Hund' met dem Zagel wreble. ( Jeremtowitz. ) (S. Buxtehude 1 und Pröbbernau.) Antwort auf die Frage: Von…

sattblau

DWB

satt·blau

sattblau , adj. gesättigt blau, tief- oder dunkelblau ( vgl. satt 5, g ). satplaw im gegensatz zu liehtplaw in einer rechn. von 1392. Schm. …

sauerblau

DWB

sauer·blau

sauerblau , n. in Franken eine art roter weintrauben, welche einen dunkelroten, sauren most geben, auch sauerblauer zeug, Tauberschwarz gena…

schwarzblau

DWB

schwarz·blau

schwarzblau , adj. blau und ins schwarze fallend, dunkelblau Campe, livido Kramer dict. 2 (1702) , 702 a : ein wunde kompt entweder vom hawe…

Stahblau

Adelung

Stahblau , adj. et adv. der blauen Farbe des angelaufenen Stahles gleich.

Ableitungen von blau (3 von 3)

blaue

DWB

blaue , f. stragulum, linteum crassius: und mich auf etliche daselbst liegende plauen mit einem zimlichen rausch zur ruhe bequemte. Simpl. 2…

erblauen

DWB

erblauen , livescere, blau werden: ich wil der siben freud mit in spilen, das in die zeher die packen ablaufen, das in der ruck vor freuden …

verblauen

DWB

verblauen , verb. 1 1) intransitiv, dauernd blau werden. Heinsius 4, 2, 1267 a : speisen verblauen in kupfergefäszen; mundartlich zeigt sich…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „blau". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 11. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/blau/pfeifer_etym?formid=PF_blau
MLA
Cotta, Marcel. „blau". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/blau/pfeifer_etym?formid=PF_blau. Abgerufen 11. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „blau". lautwandel.de. Zugegriffen 11. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/blau/pfeifer_etym?formid=PF_blau.
BibTeX
@misc{lautwandel_blau_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„blau"},
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  urldate      = {2026-05-11},
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