wehen,
verb. verwandtschaft, formen, verbreitung. 11)
das wort ist gemeingerm. und nur anord. und asächs. nicht belegt: got. waian,
ahd. wâen, wâjan, wâjen, wâhan,
mhd. wæjen, wêgen, wêwen, wæn,
md. wân, wên,
mnd. weien, weigen,
mnl. wâien,
ndl. waaijen,
afries. waia,
helgol. wai,
ags. wáwan,
mengl. wáwen;
schwed. vaja,
dän. vaie
sind wol entlehnungen aus dem nd. die germ. starke verbalwurzel führt in eine reiche idg. verwandtschaft: skr. vāti, vāyati '
er weht', vātas, vāyús '
wind',
avest. vāiti '
er weht',
aslav. vějati '
er bläst', větru '
wind, luft',
lit. vějas,
lett. wêjsch '
wind',
air. feth '
luft',
gr. ἄημι,
ἀήτης,
ἀήρ,
ἄελλα.
zum idg. part. praes. *vnt-
gehört germ. winda-,
lat. ventus,
s. u. wind.
dem ai
von got. waian
wird von Braune
got. gr. § 22
und fast allgemein der lautwerth eines langen æ
zuerkannt, das wie in saian
germ. ê
vertritt. bestritten ist, ob dieser lautwandel im hiatus eingetreten ist. Kluge in der
festschrift für Vietor (1910)
macht ein idg. wêjô
mit j-
praesens, urgerm. wêjô,
inf. wêjan
glaubhaft, aus dem got. waian
mit schwund des j
nach dem vertreter des ê
hervorgegangen wäre. 22)
die idg. verwandten zeigen mi -
conjugation, dagegen ist got. waian
redupl. verb: praet. waiwô
wie ags. wéow,
mnl. wieu.
ahd. ist in wiwint '
wirbelwind' Graff 1, 624
eine spur der reduplication erhalten, das verbum, im ältesten ahd. wâen
mit e
für ja
in nebensilbe, zu den schwachen verben auf -jan
übergetreten. prät. und flectirte form des part. sind von haus aus umlautlos. belege dafür, dasz rückumlaut in die unflectirte form des part. eingedrungen wäre, liegen nicht vor. während das umlautlose prät. obd. im 13.
jahrh. im allgemeinen noch fest ist (Konrad Fleck, Rudolf v. Ems, Konrad v. Würzburg, Ulrich v.
d. Türlin),
und sich im 14.
sogar ein wote
zeigt (
städtechron. 8, 136, 6
Straszburg),
setzt sich früh umlaut durch bei Bayern und Östreichern (Wolfram,
Tnugdalus, Servatius, städtechron. 4, 107, 20,
Augsburg um 1400, Heinrich v. Neustadt)
und, bedeutsam für die nhd. schriftsprache, auf md. boden (Passional, Heinrich v. Hesler). 33)
einschiebung eines h
findet sich seit dem 8.
jahrh.: uentosi uuahente,
flabris uuahendi
keron. gl. bei Steinmeyer-Sievers 1, 138, 31; thiu zuei firuuahent thannethie suntigon alle Otfrid 5, 19, 28.
statt dieses übergangslautes erscheint mhd. gelegentlich palatale spirans (
s. o. wächte, wächteln): Fridrich begund mange fröd sechen: in jämer kund sein hertz wehen
Friedrich v. Schwaben 2604
Jellinek; darumb mein fröd hoch wechen: von unnser baider lieb ist geschechen das ain frucht ist entpfangen 2853. w
für intervoc. j
ist besonders im ostfränkischen zu erwarten Bremer
beitr. 11, 71
f. Braune
ahd. gr. § 359 a. 3).
nach Graff 1, 622
bietet die Stuttgarter Williramhs. 72, 6 uueuuet. Weinhold
mhd. gr. § 167
macht auf Hermann v. Fritzlar
aufmerksam: wanne her wolde, her dunrete und bliczete unde regente und snîete, und wart winder und summer und winde wêweten, und wart schône weter wanne her wolde
d. mystiker des 14.
jahrh. 1, 199
Pfeiffer. Diefenbach
gloss. 238
c bucht wewen
vel busten
aus einem vocabular der Mainzer kartause, Hertel 255 weindwêwe
aus Salzungen. Luther
bietet sehr oft (
s. an alph. stelle) weben '
flare',
dessen b
auf w
zurückweist und das vom modernen sprachgefühl zu weben
ahd. wëban
gezogen wird. Eck
kann mit seinem einzigen webdt
apg. 27, 13
von Luther
beeinfluszt sein, H. Sachs
schwankt: sein frucht wirt weben mit peschaid wie Libanon, wen der wint wet (: stet) 18, 283
Keller-Götze. seit dem 11.
jahrh. ist das j-praesens uuaio uuaiet (Graff 1, 621, Braune § 152
b)
im übergewicht. die weitere entwicklung der form ist wesentlich durch den halbvocal bestimmt, der zum spiranten oder vocalisch werden oder verstummen kann. 44)
j wird zur spirans in wægen, wegen,
das am Oberrhein bis ins 16.
jahrh. häufig bleibt: sin gaist und sin wint die hant geweget
Grieshabers pred. 2, 4; (
ein speer) mit dem der fürste kam nâ zirkels meʒ gedræget, geflogen und gewæget snelleclîchen sunder lug
Reinfrid v. Braunschweig 17336
Bartsch; alsô daʒ uns die vier winde dicke ane wêgent
sprüche d. mystiker des 14.
jahrh. Germ. 3, 235
a 15
Pfeiffer; der erste (
wind) heiʒit
boreas. der weget von
septentrione, daʒ ist von des herwagenes gerihte, daʒ ist von der mitter naht. der ander heiʒit
eurus, bisa oder nider wint, unde weget von
oriente Meinauer naturlehre 9
f. Wackernagel; die warmen wind ginnend wægen und man sol eren und sægen
teufels netz 9705
Barack; entspr. 7587; 9621; weget der wind an der ersten cristnacht, des jares sterbent die lüt gern. weget der wind an der ander nacht, des jares verderbent gern die win
wetterregel aus Einsiedeln, 15.
jahrh. in Mones
anz. 19, 218; gar vil die klummen uff die böwm ... man stachs mit spieszen überab: ir gefider inen kein hilff gab, der wind mocht sy nit wegen Veit Weber
lied auf den sieg v. Murten (1476)
Wackernagels lesebuch2 1, 1053, 28; der schnee, das wetter vnd der regen die wind nit glücklich lassen wegen Murner Vergil (Str. 1515) 49
a; wan der wint vil vnd vast weget von mittag Braunschweig
liber pestilentialis (
Straszbg. 1500) 3
a; wenn der wind in ain feür wäget, so erlöschet er es zuo dem ersten ain wenig Keisersberg
predigen teutsch (1510) 35
b; sich sich, der wind weget drei schneider von dem fenster Pauli
Eulensp. 78
neudr.; (
Straszburg ist ausgezeichnet) mit zuwegen senffter wind Wimpfeling
Germania deutsch hg. von Moscherosch
transactions of the Wisconsin academy 15, 870
Voss. auch g
in mnd. nd. weigen
neben weien
ist spirans (Schiller-Lübben 5, 655; Diefenbach
gloss. 238
c;
nov. gloss. 176
b). 55)
anderseits verbindet sich j
mit dem vorausgehenden vocal zum diphthongen. hd. weien
ist seit dem 15.
jahrh. vom bayr.-östr. bis ins Elsasz und die Schweiz belegt: by deren stuond ain ror, das bog sich, so offt der wind weyet Steinhöwel
Äsop 190
Keller; als aber Algwin ... abgestorben ... huob ein anderer wind an zuo wäyen Guler v. Weineck
Raetia (1616) 69
a; von windt weiende
weist. 4, 153 (
Sundhofen im Oberels. 15.
jahrh.); der wynd weiget hin und her wo er wil Keisersberg
post. 3, 36
a;
s. Antonius sahe im geist etlich ston die da luft oder wind wejeten in das mul
emeis 29
b; die .xv. schel ist
nauigare brachiis weigen mit den armen. es gond etlich weigen mit den armen als wolten sie fliegen, ietz mit einem arm, ietz mit beiden armen: das ist ein vnzucht
narr. 36
b; wer nit will sitzen by dem wyn tag vnd nacht, bisz die katzen kreygt oder der morgen lufft har weygt Brant
narr. 95, 45; dieweil es nun so grausam schneit, wiewol der wind noch hefftig weiht Wickram 4, 101
Bolte; du hast gewAeyet mit deinem wind
Zürcher bibel (1531)
2. Mos. 15 B; der wind wäygt in alle land
Baruch 6, 61.
das gleiche gebiet umfaszt die erscheinung in neuerer mundart: ai
setzt bayr. â
voraus: es wáút '
es herrscht schneegestöber'. es wáút ei~ '
schnee wird vom wind (
durch eine öffnung des hauses, daches)
getrieben'. dém wátús és ei~ (
scil. geld und gut) Schmeller
2 2, 823; weien (ai)
wie saien
st. säen: der wind weit her so glicksamlich Schmid
schwäb. wb. 522; wäje (wájə
allg., wjə
Straszburg, weststreifen) Martin - Lienhart 2, 806
b; weien
v. act. u. n. '
wehen, windig seyn'. es weiet Stalder 2, 442; wäije
intr. vb. ... '
wehen' Seiler
Basel 308; wäje ( ) '
wehen' Hunziker
Aargau 285.
soweit diese ei-
formen in das gebiet des intervocalischen w > b (
oben 3)
reichen, gilt eine form weiben,
die sich früh mit den nachkommen von ahd. weibôn
mischt und sie in ihrer bedeutung beeinfluszt (
s. u. weiben). 66)
das alte geschlossene hauptgebiet des diphthongen ist aber das nd. und mfränk., hier ist monophthong, wie ihn Hönig 202
a aus Köln bucht (wihe),
die ausnahme. weien
ist hier seit dem 12.
jahrh. belegt: swâr er zô der dicke quam, dâr slouc her ûffe den man, daʒ sie al zescreitin alsô ein stôp daʒ dô hine weite
Rother 2746
v. Bahder; de konde den hanen dreygen so alse de wynde weygen bewilen sr, darna soyte
Braunschweiger schichtspiel v. 67
d. städtechron. 16, 103 (1488); dyt ghefeerde to vorspeygen (
auszuspähen) wu de wynde wolden weygen v. 3184 (1490) 16, 202; waeyen (weyen, wynden)
flare, ampullari v.
d. Schueren
teuthonista 478
Verdam (
Cleve 1477); weyen
gemma gemm. (
Köln 1507)
bei Diefenbach
gloss. 238
c; wen överst de windt weyet
nd. bibel (
Wittenberg 1599)
Hiob 37, 21; he leeth weyen den ostenwindt ps. 78, 26
und so noch zwölfmal; waien
brem. wb. 5, 164
f.; weien, weijen ... de wind weijet Dähnert 544
b; wei'n Danneil 246; wäj
en Bauer-Collitz 111
a; waigen Woeste 314
a; weihn Sibeth
meckl.-vorpomm. 106
a; wenn de wind weiht, so wibbelt und wabbelt dat Wossidlo
meckl. volksüberl. 1, 91; dēt wait dicht har '
es stürmt' Siebs
Helgoland 300; weien oder waien ... 't fangt an to weien (
und so immer in den beispielen) Doornkaat-Koolman 3, 529
b. 77) j
verschwindet in der contractionsform wæn,
die mhd. als norm gilt. md. steht daneben wên: der wint wete so sere daʒ er in funf hundert gezelt warf nider uf daʒ felt Herbort v. Fritslar
troj. 7366
Frommann; ein wint daʒ hus wol durchsluc, der vil starke wete
passional 25, 10
Köpke; der keiser hieʒ do balde holn ein michel teil gluender koln, die sie musten alle boln under den rost und zusprên und die luft da zu wên unz eʒ wart ein heiʒe glut 384, 86; (
fittiche) da mite sie den wint weten Heinrich v. Hesler
apok. 8536
Helm; mir hat ein wint in die oren gewet, du seist die weil nicht belieben stet
fastnachtsp. 165, 16; desselben jars (1463) am mitwoch vor Peter stulfeier donert es und plitzet und was darnach ein grosser wint und weet pis hin umb an freitag
d. städtechron. 10, 284, 4 (
Nürnberg). 88)
an den mundartlichen formen und an der analogie der masse der verba hatte die nhd. schriftfestsetzung halt und anlasz genug, trotz mhd. wæn,
md. wên
die zweisilbige form zu bevorzugen, die fortan wehen
geschrieben wird, ohne dasz h
mehr als graphische bedeutung hätte. dasz frühnhd. wehen
wirklich zweisilbig gemeint ist, kann Wickram
beweisen, bei dem es der vers verlangt: dann das ich newes hertzensehr noch eynmol an mir musz gesehen, wo die joch immer her wend wehen
werke 8, 179
Bolte; die windt irs wehens lieszen ab 8, 207.
wo er einsilbigkeit braucht, schreibt er wegt: wie dann jetz jedes inn sein grodt noch ordnung gots flieszt, wegt und stot 7, 9;
entspr. 5, 134; 8, 96.
sicher zweisilbig ist auch wehet
im Teuerdank 56, 35: da wehet dermaszen ein wind, das er den held erhub geschwind.
von theoretikern äuszert sich Buchner (1665): ferner kann ich wol sagen stehn, gehn, steht, geht, nicht aber so wol flehn, wehn, vor flehen, wehen
anleitung zur d. poeterei 83.
die neueren dichter wechseln nach versbedarf: hui, singt er, hui! wer macht aus wind, wer sich aus regen was? nur wehn und wehen kann der wind, und regen macht nur nasz Bürger 4
a. 99)
im 16. 17.
jahrh. herrscht die schreibung wAehen (wAeen)
weithin im süden und westen: vff das hertz bloszt oder wäht die lung zuo erquickung Gersdorff
wundarznei (1517) VIII 2
a;
flo, -as, ich blase, wAehe, kuche Dasypodius (1537) 76
a; wAehen
flare 454
a; allain die predigermünich warn päbstisch; doch fielen si ie zu zeiten auf des kaisers seiten protshalben, darnach der wint her wähet, kerten si den mantl Aventin
bayr. chr. 2, 461, 33
Lexer; den westenwind ... liess er frey wähen Schaidenreisser
Odyssea (1537) 41
a; oster- und westerwind, den man ober und nider nent, wäen dick und oft und gegen denen pflegt man nit zu pauen 1, 41, 31; im ersten truog sie der guot windt zuo der stadt ... darnach begundt sich der windt vmbwenden, vnd das möre mit lünden zuo wAehen Livius (
Mainz 1557) 314
a (1514: bewegen); auff solches bate der könig die Darioleta im garten zu besehen, woher der wind wähet
Amadis 1, 24
Keller; aber je strenger ... er wähete vnd wülte, je enger vnd strenger der wanderer den mantel ... an sich hilte Fischart
ehzuchtb. 134, 6
Hauffen; die wind ... nach dem sie ... starck oder sitsam wAehen Sebiz
feldbau (1579) 6; wann solcher regen vom nordwind getriben vnd gewAehet ist worden 159; mein vatter ist nicht daheime, so sitzt mein mutter und wieget das kind, so wähet der wind, so schlafen wir beide alleine
Frankfurter lb. von 1584,
Uhlands volksl. 155, 3; solche gesellen aber sind mehr dann hündisch, sie wAehen ihren wadel ... zu allen dingen
Philander 2, 99; der wind wAehet jetzo unter seinen füssen hin Happel
akad. roman (1690) 47.
auf diesen schreibgebrauch weist Stieler 2459,
der selbst stets wehen
schreibt, hin: weh, wehen, gewehet, et nonnullis wAehen, gewAehet. Gisbert
teutsche orthographi (
Mühlhausen 1650)
schwankt zwischen wähen
und wehen ( v. Bahder
grundlagen 130). 1010)
nhd. wehen
statt wähen
ist von den grammatikern durchgesetzt worden, weil ihnen das wort etymologisch isolirt war. neben nähen, krähen, säen
stand naht, kraht, saat,
von ihnen wird wehen (
wie auch drehen)
seit dem 16.
jahrh. getrennt. dem schriftbild ist die gebildete aussprache gefolgt, die seitdem gleichfalls die historisch gleichwerthigen laute scheidet (Braune
einigung d. d. aussprache 25).
der sieg von wehen
ist zugleich im sinne der md. kanzlei- und drucksprache. während noch in Ecks
bibel (
Ingolstadt 1558)
auf vier wehen
drei wAehen
und ein wAeen
kommen, ist bei Luther 1545 wehen
durchgeführt, Dietenberger
hat schon Mainz 1534
ausnahmlos wehen.
md. theoretiker begünstigen gleichmäszig diese schreibung: flare wehen, ween
voc. ex quo (
Nürnberg 1482); wehen. dasz windwehen Güntzel 845;
flo ... ich wehe Comenius
januae vestibulum (1650)
index; der wind treibet, weht allen sand aus den feldern zusammen Hederich
promt. 2678
b; wehen (
das, infin.)
flamen, flatus Steinbach 2, 957. 1111)
in eigner weise meiden die südlichen sprachinseln den hiatus: benen Schmeller
cimbr. 172; wēnən (bēnən)
part. gəwēnt Bacher
Luzern 226. 1212)
in der heutigen mundart des badischen oberlands wird waije
vom schneesturm gebraucht, Hebel
kann von der Wiese sagen: wo di liebligen othem weiht, se färbt si der rase 10, 178;
aber der wind gôt, blôst, fliegt.
aus Colmar meldet V. Henry
dialecte alaman 237: vāye,
mais inusité; on dit t vẹnt plst, kt.
für Handschuhsheim bezweifelt Lenz
vgl. wb. 76,
ob weeə
volksthümlich sei: s kεit ə starkɐ wint,
und es ist wol kein zufall, dasz von wörterbüchern fränkischer mundarten das luxemburgische wie auch Spiesz
und Vilmar
unser wort übergehen. damit rückt die seltsamkeit in neues licht, dasz von alten denkmälern dieses gebiets Tatian das verbum nicht verwendet, Otfrid
nur firuuae 1, 28, 6
und firuuahent 5, 19, 28
bietet, Hartm. v. Aue
ein einziges wæn
Greg. 1837,
indes es sonst an älteren alem. und fränk. belegen nicht fehlt. bedeutung und gebrauch. II. wehen
ist die dem natürlichen menschen fühlbarste und vertrauteste eigenschaft der ihn umgebenden luft, ihre eigenbewegung, die die ganze auf einmal gespürte leichtbewegte masse in flusz bringt. I@AA.
insofern intransitives wehen
die normale mäszige bewegung bezeichnet, ist wind
sein gewöhnliches subject, nicht der schwächere hauch
oder der stärkere sturm (
doch: über ihnen wehte der nasse sturm Göthe
Weim. 4, 3, 9). I@A@11) der wind weht
ist von altersher die häufigste verbindung und der ausgangspunkt aller weiteren entfaltung des verbs. I@A@1@aa)
im eigentlichen sinne: iþ marei winda mikilamma waiandin urraisida was (
ἀνέμου μεγάλου πνέοντος) Ulfilas
Joh. 6, 18;
spirat vuait
glosse zu Gregors dial. 2, 21 Steinmeyer-Sievers 2, 254, 4; iro chorungen nemegen si uuidersten, also daʒ stuppe geligen ne mag, so der uuint uuaet Notker
psalm 34, 5
Wiener hs.; si (
die burg) stuont reht als si wære gedræt. eʒ enflüge od hete der wint gewæt, mit sturme ir niht geschadet was
Parzival 226, 16; daʒ tet der sʒʒen meide kint. von des krefte wate ein wint der sluoc den nebel vaste wider in daʒ fule waʒʒer nider Wirnt v. Gravenberg
Wigalois 6866; daʒ mer den schîn hâte, als der wint drûfe wâte Albrecht v. Halberstadt 15, 212
Bartsch; sô die winde wâten, sô truogen sie den wint innerhalp unz an diu kint Fleck
Flore u. Blanscheflur 2022; Êolus phlac snelheit: durch daʒ habet ir geseit, der wint wæje als er welle. der ist ouch in der helle worden nû des tiuvels kint: wan er ist tôt, noch wæt der wint Rudolf v. Ems
Barlaam 257, 11; daʒ der vil starken winde sûs ir dienen müeste drâte und bî der zîte wâte naht unde tac nâch ir gebote Konrad v. Würzburg
troj. 24082
Keller; entspr. 24756; so der wind wati, daʒ denn die öpphel schone klingletint
st. Georger prediger 34, 11
Rieder; daʒ die öpphel klingeltent, so der wind dar an wâte, daʒ bezaichent: so der wind der gedultsami uns an wäget 34, 23; wenn der wind in ain feür wäget, so erlöschet er es zuo dem ersten ain wenig Keisersberg
predigen teütsch (1510) 35
b;
conflages, ort da vil wind hin wehend Altenstaig (
Hagenau 1516) bei Diefenbach
gloss. 141
b; es schnei oder regn oder wähe der wint, dasz in die luft nicht nezet
Uhlands volksl. 798; ihr, die jhr höret an, wie mancher sturmwind wehet Opitz
t. poemata 160
neudr. I@A@1@bb)
die ganze formel kann bildlich gebraucht werden: diese wurde den 7. november getaufft; es wehete dabey ein gnadenwind in der gemeine
schriften für schlesw.-holst. kirchengesch. 2, 2, 257 (
pietistisch 1738); da wollt ihn der herr aus dem futter schaffen, aber der esel merkte dasz kein guter wind wehte, lief fort Grimm
märchen (1819) 1, 141 (
nr. 27); wenn der churfürst anfangs gesagt hatte, welcher wind auch wehe, er werde immer für Oestreich sein, so hatte er das ... nicht vollkommen gehalten Ranke
werke 1, 255. I@A@1@cc)
der plural ist gleich alt, bleibt aber stets seltener: qemun aƕos jah waiwoun windos (
ἔπνευσαν οἱ ἄνεμοι) Ulfilas
Matth. 7, 25. 27;
adspirant uvatun
glosse zu Virgils Aen. 7, 8 Steinmeyer-Sievers 2, 658, 54; die vogele vluges vergâʒen, die tier nicht enâʒen, die winde nicht enwâten, von vrouden die sie hâten Albrecht v. Halberstadt 33, 363
Bartsch; ach gutter narr was zeuchstu gott, dasz er deim kopff nach wittern sott: lasz in kalt machen, schneyen, regnen (
lies: regen), die sonn thun scheinen unndt windt wegen Brant
epigr. nr. 12
Zarncke s. 155
b; der winde so viele und mancherlei wehn Arndt
werke 6, 204
Rösch u. Meisner; im untern Südamerika gegentheils wehen die winde vom eise des südpols Herder 13, 44
Suphan. übertragener gebrauch schlieszt sich auch hier an: die privatwinde, lieber gott! die wehen, und wehen in jedem visiten-zimmer anders Lichtenberg
briefe 2, 224. I@A@22) wind
wird irgendwie näher bestimmt. I@A@2@aa)
nach der art wie er weht. I@A@2@a@aα)
attributive adj. charakterisiren: eʒ (
das glück) ist als ein sneller wint, der wider und vür wæt, niender ist eʒ stæt Heinrich v.
d. Türlin
krone 6032
Scholl; ein sanfter wind vom blauen himmel weht Göthe
Weim. I 21, 233; dort weht kein kühlender wind Klinger 3, 145 (
Faust);
ebenso beim plural: kühlende winde wehten leise hin und her
maler Müller
werke 1, 58; es weht ein groszer wind, mein herr E. Th. A. Hoffmann
sämtl. werke 10, 20
Grisebach; hier weht seit mehreren tagen ein schneidender ostwind Moltke
ges. schriften 4, 175. I@A@2@a@bβ)
adverbiale zusätze steigern: kein phîl noch vogel ist sô snel noch hagelstein sinewel, der gâhes zu der erde slât, sô der wint mit krefte wât Albrecht v. Halberstadt 17, 32
Bartsch; als nun den jäger daucht sein zeit das der wind am seristen weit, schrie er den edlen helden an
Teuerdank 56, 28
Goedeke; ich acht es sei fyrtag geweszen oder es hab vileicht geregt, auch der wind zu vast gewegt; du hettest sonst darfür gemegt (
gemäht) Brant
freiheitstafel str. 51
Zarncke s. 161
b; da gedacht er: der winter ist hart vnd wegt der windt darzuo saur Pauli
Eulensp. 27
neudr.; seitenmal der windt so streng wehet Xylander
Polybius (1574) 39; herausser schnurrten mannigfaltig die wind, vnd wehten sehr gewaltig Spreng
Aeneis 4
a; da der wind gewaltig weht Müllner
dram. werke 1, 22; mir ums gesicht wehte scharf der wind Arnim
trösteins. 325
Pfaff; gleich verbirgt sie sich (
die sonne) und der wind weht kalt Peschel
völkerkunde 256; da er aus osten und zwar sehr lebhaft wehte Moltke
ges. schriften 1, 118.
im heutigen els.: dr wind wäjt fërm, satt, nit lëtz, grüserli Martin-Lienhart 2, 806
b. I@A@2@bb)
nach der richtung aus der er weht. I@A@2@b@aα)
die classischen einzelnamen werden auf deutschem boden kaum heimisch: nascitur auster vvâit
glosse zu Virgils georg. 3, 279 Steinmeyer-Sievers 2, 638, 56; bey schönem wetter still vnd lind, wann sich erhebt kein rauher wind, vnd der grim boreas nit weht Spreng
Ilias 62
a; sobald ich zu Rom wieder eintrat, war mirs, da eben ein sirocco wehte, als ob ich ersticken sollte Gleim
briefw. 2, 432
Körte; jetzt weht der scirocco Göthe
Weim. I 31, 24; der Thrakias werde in Italien ... Kirkas genannt, weil er vom vorgebirge Circeji her wehe Niebuhr
röm. geschichte 1, 27; aura, du wehest so sanft! o zephyr, wie wehest du lieblich Herder 23, 283
Suphan; der zephyr, der mich zu erfrischen sonst wehte, stürmt und wird zum nord Göthe
Weim. I 4, 181; milder wehen zephyrs flügel, augen treibt das junge reis Schiller 11, 199 (
klage der Ceres). I@A@2@b@bβ)
aus deutschen mitteln bietet sich nur éin poetischer einzelname dar: den hayn färbt frisches grün, die weste wehn gelinder Cronegk
schriften 2, 97.
die andern geben nüchtern die richtung an: so die mitteglichen wind ween
Luk. 12, 55
codex Teplensis; weent
erste gedr. bibel (1466); wenn jr sehet den sudwind wehen Luther 1545 (weben 1522—27); mittags wind wehen Dietenberger (
Mainz 1534) und Eck (
Ingolst. 1558); wenn jhr sehet den sudwindt wehen Nigrinus
von zäuberern (1592) 137; wenn gy sehen den südenwindt weyen
nd. bibel (
Wittenberg 1599); ein südwind auf brennenden sohlen ... wehte mir ins gesicht B. v. Arnim
frühlingskranz (1844) 79; als ich erwachte, wehte noch immer der warme südwind G. Keller
ges. werke 2, 9; ein feuchter nordwest wehte vom meer über die landschaft Storm
werke 1, 79. I@A@2@cc)
nach der zeit zu der er weht. I@A@2@c@aα)
tageszeit: säuselnd wehn die abendwinde Herder 25, 148
Suphan; weht, o wehet, liebe morgenwinde Mörike 1, 175
Göschen; der morgen (
statt morgenwind) wehte frisch durch den frühling J. Paul
Titan 2, 49. I@A@2@c@bβ)
jahreszeit: und feucht wehen am abend die herbstwind über die stoppel Voss
sämtl. ged. 2, 98; die kiele streichen hin; in der einsamen mittagsstunde sitzt Isote auf dem verdeck. der sommerwind weht in ihren goldenen haaren Storm
werke 1, 47 (
späte rosen).
poetisch frühling, juni
statt frühlingswind, juniwind: doch hat dir blumenkränze des frühlings hand gestreut, und ruhst du, wo er im schatten weht Klopstock 1, 13 (
Wingolf 4); dasz für heimische, für gäste herrlicher das thal erglänze, dem ein neuer frühling weht Göthe
Weim. I 16, 311; genieszen sie (
die götter) kost der unsterblichkeit, sie im westlichen Elysion, woher frühling weht Voss
antisymb. 2, 37; da die Apenninen ... oft noch mit schnee bedeckt sind, wenn zu Rom schon der frühling weht Niebuhr 3, 440; der winter zieht fort, der frühling weht Heine 2, 6
Elster; noch einmal legt ein junges herz an meines seinen starken schlag; noch einmal weht an meine stirn ein juniheiszer sommertag Storm
werke 1, 22. I@A@33)
zu formelhaftem gebrauch führen zwei eigenschaften der naturerscheinung. I@A@3@aa)
der wind weht immerfort, soweit menschen zurückdenken können. namentlich die wasserkante und die norddeutsche tiefebene kann sich der deutsche nicht ohne ihn vorstellen. solange der wind weht
heiszt darum hier schon im frühen mittelalter '
seit ewigen zeiten': ock schal de vaget van wegen des köninges gerechticheit alle jar up
s. Martens
Dach by sunnenschin den köningtins entfangen, und de den nicht utgift by den sunnenschin, den schal de tins dubbelt upschlahen, so vaken de klocke sleyt, de hane kreyt, de wind weit, sunne und mand, ebbe und flot up und dale geyt
brem. urkundenbuch 1, 338
f. (1259); also langh soe di wynd fan da wolkenen wayd
altfries. landrecht bei Richthofen 1122
a; alzo langh als wynt wayet ende kynt scrayet, gres groyet ende bloem bloyet
rechtsquelle von 1475
das.; so lange de wind waiet un de hane kreiet,
ist eine sehr alte formel für: zu ewigen zeiten brem. wb. 5, 164;
entspr. Richey 337; so lang de wind weit unde haon kreit bedeutet die unendliche zukunft Danneil 246; so lang de wind weijet un de haan kreijet '
immerhin' Dähnert 544
b; so lank de wind weid un de hâne kreid Doornkaat Kool man 3, 529
b. I@A@3@bb)
der wind weht nur drauszen, wer daheim bleibt, schützt sich dagegen, wird aber vom sprichwort darum verachtet: noch jetzt beurkunden sprichwörter des reisetriebs deutschheit ... 'er hat sich keinen wind um die nase wehen lassen' Jahn
volksthum 444; ich ... habe mir lassen wind um die nase wehen Iffland
theatr. werke 2, 95 (
jäger 3, 3);
das sprichwort setzt A. v. Droste
voraus: um meine scheitel wehte mancher wind
werke 2, 116. I@BB.
charakterisiren will die wahl des milderen subjects luft;
ausgesprochen ist diese absicht in der abgrenzung gegen synonyma bei Comenius: wann eine sanffte lufft wehet (
spirat), erquicket sie vns, vnd dewet auf was gefroren ist: wann ein starcker, hefftiger vndt vngestümer windt bläset (
flat), schüttelt er, reisset darnieder, wirft vmb vndt vmb
janua (1643) § 55.
stets ist das subject irgendwie bestimmt, auszer etwa im sprachgebrauch der physik: einen geschlossenen körper, in welchem die luft weht und oxydiert Oken
allg. naturgesch. 1, 8 (1839). I@B@11) luft
im eigentlichen sinne. I@B@1@aa) I@B@1@a@aα)
der singular mit adverbialer o. ä. bestimmung: auch erfuhr ich, dasz ihr mund und andere theile ihres körpers mit den gewürzinseln die aehnlichkeit hätten, dasz sie, wenn die luft herüber weht, ihren duft ... verbreiteten Bahrdt
geschichte s. lebens (1790) 2, 89; wie so köstlich wehet die luft von meinen heymath-gebürgen Schiller 2, 128 (
räuber 4, 1); so guck' einmal, nebst deinem theuern weibe, auf meinen rock, durch deines fensters scheibe, und sieh die luft in hundert hadern wehn, und meinen leib dem winter offen stehn Bürger 31
b; die luft ... weht hier und dort, weht überall Becker
Mild. liederbuch (1799) 10; bis die luft der strasze um sein erhitztes gesicht wehte O. Ludwig
ges. schriften 2, 328. I@B@1@a@bβ)
gut entwickelt ist namentlich die bestimmung durch attributives adjectiv: wie wir (
der insel) endlich nahe kamen, wehte uns eine wunderliebliche ... luft entgegen Wieland
Lucian (1789) 4, 190; führt ... zur weiteren gebirgsebene ... wo nun schon wahre kühle alpenluft weht Ritter
erdkunde (1822) 1, 202; schnell verdampft die nässe in der lauen luft, welche durch die straszen weht E. Th. A. Hoffmann
sämtl. werke 1, 10
Grisebach; (
sie) lieszen Emerentien in ein anderes bad, worin eine zehrende und abmagernde luft wehte, reisen Immermann 1, 63
Hempel; nun weh an diesem orte, o goldne luft, fortan Rückert
werke (1867) 1, 140; ich legte es (
mein haar) mit dem gröszten vergnügen auf den altar des vaterlandes und fühlte behaglich die frische luft um meinen geschorenen kopf wehen G. Keller
ges. werke 2, 90; wo die rohe russische luft so herbstlich und unmenschlich weht
briefe von und an Herwegh 18; vom park her wehte die warme, weiche luft des maiabends herein v. Polenz
Grabenhäger 2, 150.
attributiver bestimmung steht hier die diminution nahe: so offt ein lüfftlein weht, so ist kein haar an ihm, das nicht zu berge steht Rachel
sat. ged. 60
neudr.; in den zweigen über ihr rauschte es wunderbar, wie wenn sie aus eigenem antriebe sich selbst bewegten, denn kein lüftchen wehte Holtei
erz. schriften 5, 108. I@B@1@bb)
der plural spielt eine relativ gröszere rolle. I@B@1@b@aα)
adverbial oder ähnlich bestimmt: frühlinges lüfte wehn. der himmel heitert sich Herder 27, 44
Suphan; da wehen die lüftchen so schaurig Bürger 2, 29; liesz den kehrenden wandrer die fluth bestehn, dasz er sterbe, wo lüfte der heimath wehn Freiligrath
ges. dichtungen (1886) 5, 122; die lüfte, die daher wehen (
von der heimath) Herder 17, 311
Suphan; die lüfte, welche süsz und sommerlich in den chor der cicaden wehen Humboldt
kosmos (1845) 2, 18. I@B@1@b@bβ)
mit attributivem adjectiv: die grosze hitze wird durch frische lüfte gedämpft, die fast den ganzen tag über wehen Göthe
Weim. IV 29, 259; und Apoll belebt die stille seiner thäler, seiner höhen. süsze laue lüfte wehen I 2, 24; da lacht ein milder nie bewölkter himmel und leichtre lüfte wehn Schiller 13, 210 (
jungfrau 1, 7); dort wehen sanft're lüfte Müllner
dram. werke (1828) 2, 9; nur wellen ziehn, und leise lüfte wehen mit süszem duft ums holde brautgemach E. Schulze
bez. rose v. 1995. I@B@22)
der übertragene gebrauch bevorzugt den plural: die lüfte gottes wehten Schubart
leben u. gesinnungen 2, 3; in den bildern dieser (
dichtung) ... wehn erquickende lüfte Herder 2, 33
Suphan; der dichtkunst heil'ge lüfte wehen Körner
werke 2, 21
Hempel. I@CC.
nur übertragen steht hauch
als subject des wehens: der hauch des gottes, der Adelberts flöte zu beseelen schien, wehete in ihre saiten Pfeffel
pros. versuche (1810) 6, 41; es weht wie ein eisiger hauch über mein leben Pückler
briefwechsel (1873) 1, 458.
in übertragungen auch sturm: der in der noth mich kennt, nicht aus dem spiel sich drähet, so bald ein unglüks-sturm und trübes lüftlein wehet Rachel
ged. 85
neudr.; gleich einem schwanken rohr, wann zweiffels-stürme wehn Heräus
ged. 201 (1721). I@DD.
so selbstverständlich ist die luft subject des wehens, dasz sie bei unpersönlichem gebrauch mit sicherheit ergänzt wird. auch in syntaktisch doppeldeutigen fällen ist die beziehung nicht zweifelhaft: weisz doch gott mit welchem hirten sie auf's neue sich ergeht: musz ich in das meer mich gürten, wie es sauset, wie es weht Göthe
Weim. I 3, 31. I@D@11)
das bedürfnisz nach einem impersonale hat sich, wie bei andern wetterbezeichnungen (es regnet, schneit, hagelt, blitzt, donnert, wittert, friert, thaut)
früh eingestellt: so iʒ uuat, so uuagot iʒ. so iʒ regenot, so nazscent te bouma. so iʒ uuat, so uuagont te bouma
st. Galler Hieronymushs. des 10.
jahrh. Müllenhoff
und Scherer
denkm. 31, 58
f.; dô wâte eʒ vor der selben zît: alsô wæte (
lies: wæt) eʒ iemer sît Rudolf v. Ems
Barlaam 257, 17; eʒ wæe, eʒ regen, eʒ snîe, eʒ tuoo daʒ oder ditze, gedanken ich an schrîe Hadamar v. Laber
jagd str. 291; wann sie (
die esel) langsam und faul herein gehen, als dann wehets oder regnets gern Albertinus
Gusman 165; ein soldat stunt uff der wacht, als es sehr schneyte, hagelte, wehete, so dasz der arme übel gekleydte soldat halb erfroren in das wachthaus lief Weidner
apophth. 4, 170; hat weit dat sööwen prêstern (skruadern) kön ian kualwskan eg hual
friesisches sprichwort Haupts
zeitschr. 8, 356; hat weit an hat sneit an hat skap hat dreit
das. 371; komm, goldne zeit ... komm zu uns, wo dir es schon im haine weht, und herab von dem quell schon tönet Klopstock 1, 17 (
an Giseke); er hat sie gelehnt an den eichensprosz ... die inhaltvolle Telyn! es weht um ihre saiten, und sie tönt von sich selbst: vaterland! 1, 244 (
hügel u. hain); aus verborgnen grotten und felshöhlen her weht' es unter den bäumen hervor
maler Müller
werke 1, 41; dir (
dem eichhorn) sagts der geist, wie der wind sich dreht, du stopfest zuvor ihm die klinzen, und lauschest behaglich, wie's drauszen weht, du frohster verzauberter prinzen Rückert
ges. ged. 4, 271; die erde dröhnt; von Deutschland weht es her, mir ist, ich hör ein lied im winde klingen, es kommt heran schon wie ein brausend' meer, um endlich alle schande zu verschlingen Storm
werke 1, 149. I@D@22)
in moderner prosa ist das gebiet von es weht
beschränkt durch es zieht,
das für den durch widerstände eingeengten und dadurch beschleunigten luftzug (
nicht wind)
allein gilt. heute fällt darum die folgende wendung auf: man ... setzte sie (
die genesende) vor ein fewr in ein gemach, dar es nicht wehete Kantzow
chronik von Pommern (letzte bearb.) 401
Gäbel. I@D@33) es weht
ist die gelindere bewegung der luft (
s. o. Comenius),
ausnahmen sind selten: i, nu will't waien! sagt man, wenn sich einer zu viel heraus nimmt: nun will es gar zu arg werden
brem. wb. 5, 165.
im ganzen bedarf es einer ausdrücklichen verstärkung, wo wehen
einmal den scharfen luftzug bezeichnen soll. I@D@3@aa)
seltsam und vielleicht eher transitiv im mnd.: (
am 22.
nov. 1412) so de lude wolden slapen gan, weygede it so groten starken storm, dat des gheliken nement denken mochte
brem. geschichtsquellen 141
Lappenberg; ok weyede it vele stormes (
gen. abhängig von viel), dat de schipvarenden lude wol vornemen, de uppe der zee vordrunken Detmar
chronik 2, 343
Grautoff (1472). I@D@3@bb)
in nhd. prosa wird durch adverbien verstärkt: da wehet es erst sawer vnter augen Luther
Jen. 6, 49
b (1533);
il vente fort ... es wehet starck, der wind gehet sehr Duez
nomencl. 14; die mittelste (
klippe) ist niedrig, wanns hart wehet, so gehet die see darüber Manson
seebuch 12; diese nacht hat es stark geweht. ich denke bei jedem windstosz an die armen marschen Niebuhr
leben 3, 128.
qualitative adverbien sind jung: hier auf dem hügel weht es kühl Kretschmann
sämtl. werke 6, 247; kalt weht es und stürmisch aus norden Chamisso
werke 3, 72; es wehte so lau herüber über's dach Holtei
erzähl. schriften 15, 154. IIII.
die luft ist der nothwendige träger von feuer, schall und geruch, darum stets betheiligt, wo im leben diese drei wahrgenommen werden. so kommt die sprache der dichtung dazu, ihnen die eigenschaft des wehens zuzuschreiben. II@AA. flamme, licht, glut weht,
d. i. sprüht, glüht, flimmert, züngelt. II@A@11)
im eigentlichen sinne. die alten ansätze bleiben ohne fortgang: man sach dâ fiwer ûʒ helmen wæn unt swert in henden umbe dræn
Parzival 222, 5; das frauenbild, vor dem zwei kerzen wehen, das war's, dem man die ehr' erwies Stoppe
Parnasz 1, 112. II@A@1@aa)
besonders geeignet ist flamme
als subject dieses wehens, weil es den begriff des züngelnden, flatternden (
s. u. V B)
herausarbeitet: dann seh ich ... flämmchen erwachen und wehn Klopstock 2, 120 (
bündnis); kein jüngling mehr, in dem noch flammen wehn, bleibt ohn' erröthen bey uns stehn Lenz
ged. 102
Weinhold; vom wind gegeiszelt, wehn die flammen schon bis an des giebels höh'n Schiller 1, 234; wenn die flamme weht Tieck
schriften (1828) 1, 83. II@A@1@bb)
ein gleiches gilt für die fackel
unter den gebilden von menschenhand, die morgenröthe
unter den naturerscheinungen: es wehten fackeln in einem weiten kreise spanischer soldaten hin und wider Göthe
Weim. I 8, 286; und schon dunkelten die fluthen, und sie liesz der fackel gluten von dem hohen söller wehn Schiller 11, 342 (
Hero u. Leander); die flügel der morgenröthe wehen Klopstock 1, 251 (
mein vaterland); hoch Aurora flammend weht Eichendorff
ged. 2, 131
Dietze. II@A@1@cc)
alle anderen bindungen bleiben wagnisse einzelner dichter: wohin du schaust, da wehen funken noch in seinem fuszpfad Schubart
sämtl. ged. (1825) 2, 11; wie des dampfes säule weht, schwinden alle erdengröszen Schiller 11, 395 (
siegesfest); da wir heut das fest begehen, dem tausend freudenfeuer sprühn, und, wo sie nicht von bergen wehen, doch tief in allen herzen glühn Uhland
ged.2 100; aus dem blütenschnee fühlt' eine glut ich wehn Rückert
ges. ged. 4, 387; die gräber bersten und die sarkophage, durch öde grüfte weht des lichtes helle Platen 187 (
gläs. pant. 3). II@A@22)
auch im bildlichen gebrauch steht die flamme
voran, nur die fackel
folgt hier: wenn die flamme deines zorns weht
maler Müller
werke 1, 175; die flammen meiner seele wehen bis zum körper und sengen den mürben lebensfaden ab J. Paul
Hesperus 2, 240; die göttliche flamme, die in allen weht Wackenroder
herzenserg. (1797) 78; noch läszt zu nimmermüdem streben die forschung ihre fackel wehn Geibel 4, 232 (
heroldsrufe). II@BB. töne wehen,
d. h. sie klingen weit ins land: man hôrte vogeldœne hôh in den wolken wæ
gen. man sach ûʒ sæten drægen die lerken gên den lüften Reinfrid v. Braunschweig 2827
Bartsch; nachrichten werden ruchbar: Servatius heilt durch handauflegen einen geborstenen altar: daʒ zeichen wîten wæte
Servatius hg. von Haupt (
zs. 5) v. 1064. II@B@11)
nhd. gilt dieses wehen zuerst von seufzern: lasz fliessen dein hertz vnnd augen, lasz winden vnnd wehen deine seufftzer, lasz gehen in lüfften deine begirden: zu mir, zu mir soltu schreyen Spee
g. tugendb. 221; was sie (
die gottverlobte) weint, das weinet sie mit wonne; was sie seufzt, das wehet himmelan Bürger 98
b; ein pilger ... der freundlich sich zur seite dreht, woher des fräuleins seufzer weht
maler Müller
werke 1, 245; und seufzer wehn, die selten ich ersticke Platen 104; doch sehnsuchtsthränen rinnen, und seufzer wehn: von hinnen! ach von hinnen! Fouqué
reiseerinnerungen 1, 266 (1823). II@B@22)
wo worte zum subject erhoben werden, sind es vorwiegend gelinde und freundliche: da weht' es oft so bittend und so schmeichelnd, oft, wie ein göttergebot, von den zarten, blühenden lippen Hölderlin
dichtungen 2, 111
Litzmann; wenn was irgend ist geschehen, hört man's noch in späten tagen; immer klingend wird es wehen, wann die glock' ist angeschlagen Göthe I 4, 71; wohl, rief sie, wohl, so schwör' ich dir den frommen schwur der liebe ... er wehe hoch zum haus des herrn Platen 2; wie schnell zusagen wehn aus fürstlichem mund, und ach! gleichschnell verweht sind 116; der elfenton altnord'scher lieb' und kunst weht durch den sinn ihm Fouqué
held des nordens (1810) 1 A 2
a; dazwischen hört' ich eine stimme wehen Mörike
werke 1, 54; und dann wehte durch's ganze gedicht ein unverkennbar heimathlicher ton Holtei
erz. schriften 24, 256.
möglich sind aber doch auch harte worte: und es ist als wehte mitten durch gebete dumpfer flüche schall Rückert
ges. ged. (1837) 3, 423; waffengelärm und wilder kampfruf weht durch den sturm, tosend schwingt sich die geisterschlacht durch die lüfte Scheffel
Ekkeh. 222. II@B@33)
vor allem hat Eichendorff
die fügung geliebt: und nun wehen lerchenlieder, und es schlägt die nachtigall
gedichte 75
Strausz (
der schalk); schon wehen wunderklänge aus der ferne 100 (
glückliche fahrt); keine glockenklänge wehen mehr fromm über die felder 2, 184
Dietze; das waldhorn (
statt: der ton des waldhorns) fromm wird auf und nieder wehen 197.
nächst ihm Lenau: ich mein' ich höre wehen leise deiner stimme klang
ged. (1857) 1, 34; durch den wald vom himmel weht eine leise liebeskunde 90; durch alle haine weht die trauerkunde 98; wohl hast du ihrem ruhm gelauscht, der weit durch die Provence wehte
werke 4, 36
Grün (
Albigenser). II@B@44)
neuere dichterinnen bilden den wortgebrauch fort: wo bist du denn, o hort, o lebenshauch? kannst du nicht wehen, dasz mein ohr es hört? Droste-Hülshoff 3, 77
Cotta; doch wills nicht gelingen, aus tönen, die mir entgegen wehn, die melodie zu verstehn Hertha König
sonnenuhr (1910) 6. II@CC. düfte wehen
ist die jüngste der drei fügungen. mit seltener ausnahme stumm steht er da, ein ritterlich phantom, und um ihn wehn des moders feuchte düfte Droste-Hülshoff 2, 248
Cotta sind es blumendüfte. II@C@11)
das wort duft
scheint dabei unentbehrlich, ausnahmen sind: hier wehet eine zimmet-lufft Stieler
geh. Venus 92
neudr.; wohlgerüche wehten durch die luft Kosegarten
bei Campe 5, 627
b. am abend wehet mein reinster duft Pfeffel
poet. versuche 2, 125; an den bergen umher wehet der lilien duft Herder 26, 27
Suphan; wo du gehst, werden düfte wehn
maler Müller
werke 1, 203; lasz mich duft der rosen kosten, der von meiner heimat weht Rückert
ges. ged. 4, 191; ein maienathem kommt aus deinen landen her, es weht wie duft vom ort, wo wir uns fanden, her Platen 81 (
gas. 97); der duft von unsern fliederbüschen wehte Schnitzler
gr. kakadu (1899) 43; II@C@22)
nur durch zusammensetzung wird es gelegentlich variirt: was streift vorbei im dämmerlicht? war's nicht mein holdes kind? und wehten aus dem körbchen nicht die rosendüfte lind? Uhland
ged.2 45 (
vorabend); noch wenig schritt', hier wehte fliederduft Droste-Hülshoff 2, 107
Cotta. IIIIII.
wie die den menschen umströmende luft, weht
auch die ihm entströmende. der crepitus ventris spielt dabei kaum eine rolle (er liesz einen wind wehen.
ei fece passare vn vento Güntzel [1648] 845),
umsomehr der athem, dem ja schon der der blume entströmende duft mindestens poetisch nahe steht. auf die gehobene rede der neuen zeit bleibt auch dieses wehen
beschränkt. III@AA.
der eigentliche gebrauch ist schwer vom bildlichen abzugrenzen: den meisten weht's aus einer brust bald heisz, bald kalt; sie sind zur lust und unlust gleich geschwind Bürger 47
a; ich zog, da ging lebendig der odem in meinem busen. noch weht's; ich reckte mein ohr hin, da klangs
maler Müller
werke 1, 16,
doch ist er in zweifellosen fällen und bis heute vorhanden: wohin jhr athem wehet, ihr athem also bald, gleich dem westwind auszseet der blümlein mannichfalt Zinkgref
auserl. ged. 56
neudr.; keinen süden wil ich sehen, wenn mir, liebste, nur beginnt vmb die lippen her zu wehen deines mundes süsser wind
Königsb. dichterkr. 87
neudr.; schiffet heim zum theuren lande wo ihr athem weht Schiller 11, 237 (
Toggenburg); nur ein stilles leben führen wollt' ich, wo dein odem weht Heine
werke 1, 32
Elster; während sie sprach, belebten sich ihre augen, von ihrem feinen munde wehte ein hauch zu Eustach hinüber, der ihn gefangen nahm Zahn
die da kommen u. gehen (1909) 187.
vom athmen des thierrachens braucht Lenau wehen: denn wenn ein feind sich schleicht in seine nähen, der sieht im glühwurm roll'n des tigers augen, der spürt im nachtwind seinen rachen wehen
werke 4, 3
Grün (
Albigenser).
nur als nachbar des athems kann das lächeln wehen: der tiefe, beinahe wehmütige ernst der züge ... war durch ein lächeln gemildert, das fein und flüchtig um die zarten lippen wehte Hauff 7, 81
Hempel. III@BB.
häufiger ist bildlicher gebrauch der fügung III@B@11)
namentlich neben lebensodem: der strom der zeit steht nie still; jetzt rieselt er sanft, jetzt rauscht er gewaltig; allenthalben aber wehet auf ihm othem des lebens Herder 17, 5
Suphan; lebensodem zur erneuung weht gewisz auch über mich Bürger 11
b; leben odem wehte überall
maler Müller
werke 1, 16; ihr blumen am gestade, wo weht des lebens odem? 85; was in diesem schönen aufruf antiker welt (
der Iphigenie) doch als geheimer lebensathem der gegenwart weht und wirkt Varnhagen v. Ense
denkwürd. (1837) 1, 421.
hierher auch: sein (
gottes) odem weht durch diese strahlenlaube Tiedge
bei Campe 5, 627
b. III@B@22)
freier schaltet Rückert: meint ihr, wenn meines odems stürme wehen, die burgen eurer feinde werden dauern?
werke (1867) 1, 18; wohl hat, als dumpfer brodem der knechtschaft uns umgab, ein leiser freiheitsodem geweht von diesem grab 76; solang als gottes odem weht
ges. ged. (1873) 3, 436. III@B@33)
auch die neuere prosa verfügt über das bild: die allgemeine theilnahme, deren odem er um sich wehen fühlte, hatte ihn erst recht befestigt Ranke
werke 1, 335; die unvergänglichen denkmale der frühesten jahrhunderte, in denen der odem der jungen menschheit weht ... bekam das deutsche volk jetzt ... in die hände 2, 57; jener athem von unabhängigkeit, der in ihm weht Nitzsch
d. studien (1879) 177; die Berliner luft ist doch etwas stickig und hat nichts von dem atem gottes, der drauszen weht Fontane
ges. werke I 5, 306. IVIV.
die eigenbewegung, deren ursache man nicht sieht, können körperliche gebilde und abstractionen mit der luft theilen. IV@AA.
die alte sprache sieht windartige eigenbewegung, ein sprühen, in dem splitternden holz und im blut, das aus der wunde spritzt: trunzûne starc al niuwe von in wæten gein den lüften
Parzival 262, 19; der helt was zornes dræte: er sluog in daʒ im wæte vome schafte ûʒer swarten bluot 155, 2; von Parzivâles drucke bluot wæte ûʒ ôrn und ûʒ der nasen 212, 25; (
Morold verwundete Tristan) daʒ daʒ bluot ûf schræte und after dem werde wæte
Tristan 6934; swa die knöphe der gaislen hin giengent, da zuktent sú im daʒ flaisch von dem ruggen, und wâte im daʒ bluot nach der gaislen
st. Georger prediger 29, 28
Rieder. IV@BB.
moderner sprache ist das fremd geworden. sie kennt ein wehen
bei ätherischen wesen, die sich die phantasie aus luft und licht gebildet denkt: zum sehen nicht taugen die thränenden augen; sonst müsztet ihr sehn von hinnen mich (
mein unsterbliches) wehn Rückert
ges. ged. (1837) 3, 94; die ziehenden chöre der schattengestalten wehn hinter ihm drein 167; die geister ... die um sie (
die bäume) wehen und weben Arndt
sämtl. werke (1892) 1, 243; das alter ist ein dämmerungsfalter, der recht unheimlich um unsere ohren weht Stifter
studien (1850) 5, 193.
die lautlose rasche leichtigkeit der bewegung beherrscht die vorstellung so stark, dasz, wenn diese elemente gegeben sind, derartiges wehen
auch von leibhaften wesen gesagt werden kann: das wild weht den berg hinauf Withof
bei Kinderling
reinigkeit (1795) 437; sie weht' im hemdchen an die thür und liesz mich still hinein Bürger 103
a.
mundartlich ist dieser sprachgebrauch fest geworden: hê weide hâst weg — man weid hâst up Doornkaat Koolman 3, 529
b. IV@CC.
nhd. das hauptgebiet dieses wehens
sind aber abstractionen. IV@C@11)
in aller sprache wird der geist als hauch behandelt, seine bewegung ist demgemäsz ein wehen. IV@C@1@aa)
in religiöser färbung ist der sprachgebrauch alt: (
der hl. geist) wil si durchwêgen mit sinen genadon ... sin gaist hât gewêget und diu waʒʒer der zeher diu sint vlieʒʒende worden
Grieshabers predigten 1, 33; man fühlt alsofort, dasz ein höherer geist im ganzen buche (
der apokalypse) weht, als in irgend einem werk des menschlichen genies Jung-Stilling
werke 3, 19
Grollmann; o allmacht! rief sie, die um dieses grause staubgewühl weht, o höre mich! Benzel-Sternau
bei Campe 5, 627
b; woher er (
der heilige geist) kommt, wohin er weht, das hat noch niemand ausgespäht Göthe
Weim. I 5, 132; hier webet gottes geist ... du hörst sein wehn Voss
sämtl. ged. 5, 72. IV@C@1@bb)
von weltlichem geiste findet sich der ausdruck in vielfältiger abschattung: doch eh' ich Erlang verlasse, so musz ich noch den musikalischen geist preisen, der damals daselbst wehte Schubart
leben 1, 55; lesen sie mehrere, frühere oder spätere oden Klopstocks, und läugnen noch, dasz auch auf deutschen höhen oder in ihren thälern ein prophetischer geist der zeiten wehe Herder 17, 67
Suphan; bei ihrer (
der gemmen) betrachtung weht ein belebender geist über die endlosen trümmer Göthe
Weim. IV 42, 274; der alte Vasari, in welchem der geist der urväter der kunst noch wehte Wackenroder
herzenserg. (1797) 40; geistergeschichten! wo geister spuken weht kein geist Jahn
volkstum 202; obschon dieses büchlein in Paris gedruckt ist, so hoffe ich doch, sie werden finden, dasz ein rein deutscher geist darin weht Görres
ges. briefe 3, 122; so viel ist klar, dasz in allen hervorbringungen schon gegen die mitte des jahrhunderts hin, ein anderer geist weht Ranke
sämtl. werke 37, 318; der geist groszer heldenzeit weht drin (
im Waltharilied), wild und fast schaurig Scheffel
Ekkeh. 425; und der geist der alten helden wehte in den tannen Körner 3, 7. IV@C@1@cc)
die feste formel der geist weht
zieht freiere wendungen nach sich und wird von ihnen vorausgesetzt: schöpfung wehete in seinem allmächtigen barte
maler Müller
werke 1, 87; eine kalte strenge weht durch das ganze lied Scherer
literaturgesch.7 55; aus jedem lied weht, was gewehet im ersten hat Rückert
ges. ged. 4, 118. IV@C@22)
alle andern verbindungen sind auf die sprache der dichtung beschränkt. neben wechselnden abstractionen steht wehen
seit dem 13.
jahrh. bis jetzt: wand sin kint vur in bat, do sin gesicht (
die sehkraft) im wider wart (
lies: wat) uʒen an den ougen
passional 302, 96
Köpke; diu red ist üppec, und iuwer zunge lüppec: dâ wæt von der gæhe tôt Reinbot v. Durne
Georg 4179
Kraus; erzöllen den andern jhren gesellen, was für gefärligkait vnd angst vns vnder augen gewähet het Schaidenreiszer
Odyssea (1538) 39
b; von dem orte wo der pforte drohende gefahren wehn Göthe
Weim. I 16, 204; so lang dir das glück weht so hast du gute freundt
zs. des mähr. landesmus. 1, 134 (
aus Znaim); so lange das glück meinem vatter günstig wehete, dacht ich, dasz es beständig nur liebliche düfte hauchen würde; aber izt hat das unglük so heftig auf ihn zugestürmt Bodmer
Karl v. Burgund 19, 30
neudr. (3, 1); heiterer friede wehte unter uns Pfeffel
pros. versuche 5, 139; durch die ganze natur weht jene kraft Hufeland
kunst d. leben zu verlängern (1797) 3. IV@C@33)
von menschlichen gedanken und erinnerungen: schon wehten leise ahndungen in seinem geiste: ist es dieser misztrauische sultan wohl werth, dasz ich mich ihm aufopfre ...? Klinger 7, 127; ist es denn solchen (
lesern) noch dunkel, dasz dreifache spitzbüberei hier wehe und spinne? Jean Paul
werke 40, 119 (
holzschnitte); so wehten thöricht vorwärts die gedanken Chamisso
werke 4, 156
Hitzig (
Salas y Gomez); wie der wind zu herbsteszeit mordend hinsaust in den wäldern, weht mir die vergangenheit von des glückes stoppelfeldern Lenau
ged. (1857) 1, 103; wie wird das bild der alten tage durch eure träume glänzend wehn Freiligrath 1, 18. IV@C@44)
vor allem aber von gefühlen, stimmungen und leidenschaften: ûʒ dîner wunden jâmer wæt
Parzival 160, 26; ey reiner man Jhesus, wie manig bitter zorn sus vor dinen oren wete Heinrich v. Neustadt
gottes zukunft 2525
Singer; wie das meer gantz ungestim, dasz die schif oft untergehen: also kan zu hof der grim eines fürsten ärger wehen Weckherlin 2, 255
Fischer; wenn für ihn zum himmel tausend wünsche wähen Denis
lieder Sineds (1772) 106, 11; wo über Ekhofs grab geheime schauer wehn Gotter 1, 271; angst rieselt ihm durch mark und bein; ihm wird so schwül, so dumpf und taub! entgegen weht ihm kaltes grausen, dem nacken folgt gewittersausen. das grausen weht, das wetter saust Bürger 71
b (
der wilde jäger);
entspr. 72
b; welch ein lispeln, welch ein schauer weht vom grabe des geliebten Göthe
Weim. I 5, 12; doch gibt es noch ein süszes, das vom innern zum innern spricht, genieszbar in der ferne, das kann nur bis zu dir hinüber wehen I 2, 14; seliger trost wehet um ihn
maler Müller
werke 1, 87; kalt wehn des grabes schrecken wo dräuend der granit in kühngethürmten blöcken den abgrund übersieht Matthisson
ged. 132; ängstigende ahndung weht um mich. mir dünkt, ich sehe die unsichtbaren dämonen schadenfroh lachen und die gierigen zähne fletschen Tieck
Vitt. Accorombona 2, 103 (1840); schauer weht von diesen wänden (
des grabgewölbes) Grillparzer
werke (1874) 2, 131 (
ahnfrau 5): zwar du lieszest nicht die stimme kritischer vernunft erschallen, aber nach dem kapitole, dessen höhn ich jetzt erklimme, lieszest wehn du mir begeistrung Platen 65 (
verm. ged.); ein leises etwas, nenn' ich wink es oder grusz, weht von dir zu mir und lindert unsre plage lange schon 85 (
gas. 122); es ist worden kühl und spät, nebel auf der wiese weidet, durch die öden haine weht heimweh — alles flieht und scheidet Lenau
ged. (1857) 1, 115; und wie reizend ist die dirne, wenn sie vor dem räuber steht und um ihre blonde stirne glühend hasz und neigung weht Geibel 2, 36 (
Juniusl.); lasz einmal noch durch meine brust des vollen lebens schauer wehn, eh seufzend in die grosze nacht auch meine sterne untergehn Storm
ges. schr. 1, 25; nur eine liebe weht in unserm bunde, nur ein gedank' im festlichen gewühl Waiblinger
ged. aus Italien 92
Grisebach. VV.
alle bisherigen gebrauchsarten kennen wehen
als eigenbewegung. seit dem mittelalter kann wehen,
mit umsprung des subjects, auch von körpern ausgesagt werden, die der wind trägt. V@AA.
der gewehte körper wechselt als ganzes den ort. V@A@11)
am frühsten sind es sehr massive körper, die dergestalt wehen,
so dasz der ausdruck gewissermaszen als hyperbel neben dem wehen
etwa von lanzensplittern steht: reht als diu ors gewæget an (
lies: ân) loufen kæmen dur den luft, sus fuoren sî nâ muotes guft Reinfrid v. Braunschweig 1044
Bartsch; in demesulven iare (1359) ... do was so grot wint in Prutzen, dat bi Groneshove weiden alle umme bome mit den wortelen ... ok de kloctorn to Mispelwalde mit al den klocken weide van der stede xvj vote gans unde untobroken Detmar
chronik von Lübeck 1, 281
f. Grautoff; etliche meinten, man solte sie (
die gesträuche) liegen lassen, es möchte etwan ein starcker wind kommen und sie zu dem flecken wehen Agyrtas
grillenvertreiber (1670) 57. V@A@22)
zumeist und jetzt immer sind es aber doch dinge, die nach aller erfahrung vom winde getragen werden: dat schip weid d'r man so hen Doornkaat Koolman 3, 529
b; ein pulver, das der wind hin vnd her wehet vnd wirfft Paracelsus
opera (1616) 2, 345
Huser; ich sah: vorbey der eiche wehte dunkler der staub, und mein blick verlor sie (
die wettlaufenden) Klopstock 1, 102 (
die beiden musen); denn wie empor an blauen himmelshöhen mit meiner kraft zugleich die sonne schwebt, und weit hinweg die dunkeln wolken wehen, die dort das licht, wie mich das leid, umwebt E. Schulze
bez. rose v. 19; aber Luna lenkt die zügel über thal und waldeshügel, aetherwölkchen wehn und tragen ihren klaren silberwagen Platen 20; die letzten gelben blätter wehten von den bäumen Storm
sämtl. werke (1899) 1, 158. V@BB.
viel reicher entwickelt ist wehen
von dingen, die an einer seite fest sind und mit dem freien ende flattern. die anschauung ist im wehen der flamme (oben II A)
schon angebahnt. derart wehen V@B@11)
leichte kleider: sô hol wæren diu füeʒelîn, sleht ze tal und ûf gedrât, alse ir von loufe daʒ hemdel wât und der burgrævinne biz an diu knie Ulrich v.
d. Türlin
Willehalm 192, 4
Singer; wehet das flügelkleid dir an der schulter? Hölty 72
Halm; wie die apfelgrünen bänder wehen von dem strohhut Salis
ged. (1793) 32; da träumte mir, als käme die schöne frau aus der prächtigen gegend unten zu mir gegangen oder eigentlich langsam geflogen zwischen den glockenklängen, mit langen weiszen schleiern, die im morgenrothe wehten Eichendorff
sämtl. werke2 3, 28 (
taugenichts); wir ... lieszen bänder flattern, schleier wehen B. v. Arnim
Günderode 1, 131; ihre langen röcke flogen und wehten um die wette G. Keller
werke 4, 262; mir war, als sähe ich den saum seines blauen mantels durch die zweige wehen Storm
werke (1899) 1, 130; Helenen's weiszes nachtkleid wehte durch die stäbe des gitterwerkes Holtei
erz. schriften 20, 160;
entspr. 21, 133; viel blaue, grüne röckchen wehn, gleich bunten rädern sieht man's drehn Droste-Hülshoff 2, 84
Cotta. V@B@22)
haare: die haare wehten mir um die stirne
maler Müller
werke 1, 17; und wo die haare lieblich flattern, um menschenstirnen freundlich wehn Schiller 2, 65 (
kraniche d. Ibykus); noch seh' ich ... ihr blondes haar ... im winde wehn Salis
ged. (1793) 3; sieh seine graue haare weh'n um den bereiften bart Becker
Mild. liederbuch (1799) 103; wie gewitterklar mein' ich dich zu sehn, und dein langes haar frei im sturme wehn Lenau
ged. (1857) 1, 34; Marianne legte den hut ab. der wind risz ihr kleine haarlocken an stirn und schläfe auf, dasz sie wehten Zahn
die da kommen und gehen (1909) 24.
auch im bilde kann der dichter vom wehen des haars
sprechen: lasz, leben, nicht so wild die locken wehen, es will so rascher ritt mir nicht mehr glücken Eichendorff
ged. 113
Strausz (
abschied).
ohne bild beim haar der thiere: um den bug des riesenpferdes weht des reiters gelbe mähne Freiligrath
sämtl. werke (1886) 1, 151 (
löwenritt). V@B@33)
haare und federn als helmbusch: er sprichts, und schleunig weht auf seinem haupt des fremden helmes busch, Androgeos geraubt Schiller 6, 366 (
Än. 2
str. 69); grosze thaten dort geschehen durch des helden arm, ihres helmes büsche wehen in der feinde schwarm 11, 237 (
Toggenburg); vom goldnen helme weisze federn wehn Droste-Hülshoff 2, 205
Cotta; ums braune antlitz wehn im morgenwind ihm weisze federn 2, 213; von den tschako's weht die feder Freiligrath 1, 72. V@B@44)
was im boden wurzelt, weht
mit der spitze. vielleicht hierher gehört A. v. Drostes
kühnes bild: auch keiner glühen rosen schein, die üppig unter dornen wehen
werke 1, 164.
geläufig ist der ausdruck von gras und saat, baum und hain: und des grases spitzen wehen Gotter 1, 55; dorn und distel würden stehen, wo jetzt goldne saaten wehen Rückert
ges. ged. 1, 432; weht, bäume des lebens, ins harfengetön Klopstock 1, 167 (
dem unendlichen); wird sein festlicher name schon genannt, wo die palme weht? 1, 81 (
friedensburg);
entspr. 1, 100; zur wolke steigen, rauschen, ihm ungehört, der deutschen dichter haine, begeisterer, wehn nah am himmel sie 1, 174 (
kaiser Heinrich); er ist gestorben und die palme des nachruhms weht auf seinem grabe Schubart
leben 2, 28; und pappeln wehen in blauer luft Bürger 9
b; um uns her am wassersaum regt sich blatt und hälmchen kaum, nur die pappel wehet Voss 5, 201;
entspr. 4, 165; da wo die alte fichte allein zum himmel weht Göthe
Weim. I 1, 115; eine ... birke wehte über mir Arndt
sämtl. werke 1, 130; es wehn zwei bäumelein A. v. Arnim
werke 13, 88
Grimm; sie haben nicht die linden gebrochen, die noch wehn Rückert
ges. ged. (1837) 3, 28 (
werke 1, 75); durch der linde flüstern, die leise weht, wo dein elternhaus unter blumen steht Freiligrath
ges. dichtungen 5, 121; die quelle nur bricht murmelnd durch's gebüsch, die alten bäume nur weh'n träumerisch 1, 48; (
der himmel) der ein einziger edelstein schien, und die riesigen lindenwipfel wehten dran hin und her, als ob sie ihn noch blanker fegen wollten G. Keller
ges. werke 3, 112; die blattgehänge der birken am bahndamm wehten und flatterten wie gespenstige roszschweife G. Hauptmann
bahnwärter Thiel 33. V@B@55)
fahne, wimpel, banner sind zum wehen bestimmt. V@B@5@aa)
im eigentlichen sinn: der admiral läst die flagge, oder schiffs-fahne wehen,
the admiral has set up the flag Ludwig (1716) 2413; als auf das glück der neuen republik getrunken wurde, weheten auch in unserem garten eine dänische und nordamerikanische flagge H. Steffens
was ich erlebte (1840) 1, 80
f.; cedernhäuser trägt der Atlas auf den riesenschultern: sausend wehen über seinem haupte tausend flaggen durch die lüfte Göthe
Weim. I 2, 55; drum flog ein schiff heran und liesz die flagge stattlich wehen Hölty
ged. 30
Halm; und läszt er gleich nicht flagg' und wimpel wehn Hagedorn
versuch einiger ged. 42
neudr.; und Gallien ... dessen fahnen und wimpel unter allen himmeln wehn Ramler
lyr. ged. (1772) 128; es läuft ins meer, die segel blähen sich rauschend auf, die wimpel wehen Pfeffel
poet. versuche (1805) 8, 104; sobald der groszherr sich in sein kaik begeben hatte, feuerten die batterien der festung und der fregatte, bunte wimpel wehten von allen masten, und die schiffsmannschaft in ihrer rothen uniform paradirte auf den raaen Moltke
ges. schriften 8, 134 (1837); bald soll des reichs banner gegen ihn wehen Göthe
Weim. I 13, 1, 254; ihre teuern schwerter blitzen, ihre guten banner wehn Heine 1, 154
Elster; bald weht ein schwarzes banner hoch vom thor Droste-Hülshoff 2, 211
Cotta; schon weht von den vier kastellen herab des propheten panier Platen
werke 1, 13
Hempel. als feldzeichen weht der adler in der fahne: Preuszens adler soll zum kampfe wehen Körner
werke 1, 124
Hempel; zeichen, das voran im streite weht Arndt
sämtl. werke 4, 15.
am häufigsten doch von der fahne selbst: wo unsre fahnen vorwärts wehn, da weh auch die standart hinein, da siege rosz und mann Klopstock 1, 218 (
schlachtlied); wo Machmuts fahne weht, da sinkt der muth, der muth Schubart
sämtl. ged. (1825) 3, 88; das zeichen sieht er prächtig aufgerichtet ... das in so mancher siegesfahne weht Göthe
Weim. I 16, 173; bis das raubnest ganz zerstört, und nichts, als eine schwarze fahne von seinem öden trümmerhaufen weht H. v. Kleist
werke (1863) 2, 519 (
Hermannschlacht 5, 24); flammen lodern, fahnen wehn v. Schenkendorf
ged. (1815) 18; vom grauen thurme wehten bunte fahnen Geibel 1, 10;
entspr. 3, 130; als die fränkischen fahnen auf den wällen von Mainz wehten Kerner
bilderbuch (1849) 75; aber nicht so verstand es Wilhelm, wenn er einst die päpstliche fahne auf der flotte ... hatte wehen lassen Ranke
werke 14
238; der sonnenwirth ... läszt eine flasch' um die andere springen; ich hab' gehört, er hab' einen fahnen auf'm hut wehen H. Kurz
sonnenwirth 1, 128; von dem freiheitsbaum ... wehte die deutsche fahne
briefe von u. an Herwegh (1896) 159; die fahne weht vom dache, die gräfin wird angekommen sein Ebner-Eschenbach 4, 131; sobald sie ihn erblickte, liesz sie ihr goldgesticktes taschenfähnlein wehen 1, 117.
an fahne
reiht sich farbe
in gleicher verwendung: auf einer courierreise nach Berlin ... wehten in dem kleinsten städtchen die gelb-weiszen farben Moltke
ges. schriften 1, 25. V@B@5@bb)
im poetischen bilde: der schönheit fahne weht purpurn noch auf wang' und lippe dir Göthe
Weim. I 9, 269; das leichte segel weht. es zittern well und flut Drollinger
ged. 75 (1745).
nur im vergleich mit wimpel und flagge möglich sind: hoch von dem ragenden mast wehet der festliche kranz Schiller 11, 87 (
spaziergang v. 115); zum teppich musz er hin sich wenden, der winkend ihm entgegen weht Rückert
ges. ged. (1837) 3, 71. VIVI.
der substantivirte infinitiv folgt in rascherem gang dem intransitiven wehen
in alle wichtigeren verwendungsarten. VI@AA.
zumeist von der eigenbewegung. VI@A@11)
subject ist der wind. VI@A@1@aa)
schlechthin von wind, luft,
oder in selbstverständlicher beziehung auf diesen (
ungenannten)
träger der handlung: summa, des rauchs, nebels, staubs und wehens ist hinden und vornen (
in einer schlacht) ohne maszen Kirchhof 2, 304
Österley; zwar ihm strömten zurück die trocknern locken vom wehen des herwirbelnden windes Lavater
verm. schriften 1, 282 (1774); ich höre ... das wehen deiner winde vom berge herüber
maler Müller
werke 1, 358; ich verstehe die gestirn- und himmelszeichen, das wehen aller winde und den sand im meer Grimm
märchen 2, 285 (1812); die hitze ... war stark; die hohen berge hinderten das wehen der lüfte Ritter
erdkunde (1822) 3, 214; denn Thyia war ... ohne zweifel göttin des winds und des wehens Welcker
alte denkmäler (1849) 1, 160; unter dem wehen des windes war es ihr, als höre sie den bekannten abgemessenen schritt Storm
werke (1899) 1, 127; ihr thränend auge schien den himmel anzuflehen: die haare flogen wild nach reger lüfte wehen Uz
werke 297
neudr.; nichts kommt an die thür, als des windes gebrause, ein wehen und weben und wogen Rückert
ges. ged. (1837) 3, 447; keines wetters last, kein wehen hindert deiner reise lauff S. Dach 687
Österley; leszt auff den hagel vnd das wehen sich nicht einmal der himmel sehen mit vnbewölcktem sonnenschein?
Königsb. dichterkreis 93
neudr.; wehen
flare, spirare. das wehen
flatus Frisius (1703) 2, 303
b.
ebenso im bilde: das wehen aus der heimath ist westhauch in der schwülen hitze des tagwerks Benzel-Sternau
bei Campe 5, 627
b; sein nahen ist ein wehen aus der ferne, sein reden wie ein strömen von den bergen H. v. Kleist 1, 40 (
fam. Schroffenstein 2, 1). VI@A@1@bb)
das wehen
im eigentlichen sinne wird näher bestimmt. VI@A@1@b@aα)
nach seiner art durch attributives adjectiv, das neben dem infinitiv mit für das adverb eintreten musz: mit meinem starcken blost und wegen für ich zuo schne und schlos den regen Wickram 7, 299
Bolte; der ... sonnen schein kan zur see nach rauhem wehen leuten so gewünscht nicht seyn S. Dach 563
Österley; habt jhr nicht das kalte wähen, das die gantze welt erfrört sausen vmb euch her gehört?
Königsberger dichterkreis 199
neudr.; ja zephyr selbst musz durch das sanfte wehen sich noch in sie verliebet sehen Neukirch
ged. 286 (1744); geh hin mit deinem sanften wehen, westenwind
fortgepfl. musik-poet. lustw. (1657) 1, 296; ein holder west, ein sanftes wehen ... erfüllet mich mit muht und lust Drollinger
ged. 15 (1745); mit lieblichem wehen athmen die weste Klopstock
oden 2, 4 (
entspr. 112); ein starkes wehen erfüllet das haus Herder 19, 25
Suphan; da trieb ein kleines wehen die entfliegenden laute heiszer und näher an ihr herz Jean Paul
Hesperus 3, 239 (
entspr. 3, 76); die birken taumeln in dem lauen wehen B. v. Arnim
Günderode 2, 138; wenn dann ein leises wehen im schönen blütenbaum ..... vollendet unsern traum Becker
Mild. liederbuch 5 (1799); bei diesem kalten wehen sind alle straszen leer Uhland
ged 1, 48
Schmidt (
winterreise); o süszes graun, geheimes wehn 1, 16 (
schäfers sonntagslied); was weckst du, frühling, mich von neuem wieder? dasz all die alten wünsche auferstehen, geht übers land ein wunderbares wehen Eichendorff
ged. 76
Strausz (
frau Venus); ihr busen stieg, wie sanft im schwülen wehen der sommerluft ein weiszes segel schwillt E. Schulze
bez. rose v. 257; oft, wenn ein melodisch wehen durch der säulen hohlen schaft zog, sasz er dort, sang schöne lieder Scheffel
trompeter 164; und in den büschen ein schaurig wehn Bierbaum
irrgarten 207; noch stand der sternseher am offenen fenster und athmete das wilde aber nicht kalte wehen ein Raabe
leute aus dem walde 2, 92. VI@A@1@b@bβ)
nach seiner richtung: bey zephyrs lauem wehn Pfeffel
poet. versuche (1812) 8, 53; was, leichter west, sinnst du für schwere sachen, dasz du so ganz des wehens hast vergessen? Rückert
werke (1867) 1, 341. VI@A@1@b@gγ)
nach tages- und jahreszeit: du schwebtest um mich durch die ganze schöpfung, auf blumenreicher aue ... im wehen des abends
maler Müller
werke 1, 94; Stäudlin erschien Homer im wehenden mitternachtsschauer Bodmer
krit. ged. 79
neudr.; und giengen dann, im wehn der abendkühle, der hütte zu Hölty
ged. 57
Halm; ich fühlte das wehen der morgenluft Hölderlin
ges. dicht. 2, 92
Litzmann; der feierstunde heilig wehn schwellt meinen jungen muth Körner
werke 1, 117
Hempel; es ging der dämmrung wehen um das stille dörfchen her 2, 106; wo in der sommernächte wehen ein hirte gern, ein dichter ruht Mörike
werke 1, 49
Göschen; damit da das wehen des frühlings ihre gesunknen schwingen hebe Jean Paul
Hesperus 2, 237; und (
ich) fühlte das wehen des kommenden frühlings durch meine ganze seele Schubart
leben 2, 213; das periodische wiedererwachen der natur beim ersten wehen der frühlingslüfte A. v. Humboldt
ansichten der natur (1808) 1, 173. VI@A@22)
subject sind flamme, schall
oder duft: und als wollte sie (
die flamme) im wehen mit sich fort der erde wucht reiszen, in gewalt'ger flucht, wächst sie in des himmels höhen Schiller 11, 312 (
glocke); hast du vernommen von der stadt, die sich gemacht zum fönix hat, um aus der flamme wehen verjüngt hervorzugehen? Rückert
werke 1, 155; ihrer rede mildes wehn war in mir zum sturmestoben, sie, der schöne maientag, in mir zum gewitter worden Uhland
ged.2 273; als er auf dem rasenplatz bei den rosen angekommen, ging ein süsztönendes wehen durch die büsche E. Th. A. Hoffmann 5, 59
Grisebach; in dem duft regt sich ein wehen, wie von leisem morgenwind im lenz O. Ludwig
ges. schriften 1, 235; ein sanfter jüngling löscht das licht und ruht — sanft wird das ende, wie ein wehn der harfe Novalis
im Athenäum 3, 196 (1800); mäonidisch und maronisch klang die leier in lindem wehn Voss
sämtl. ged. 6, 81. VI@A@33)
vom wehen des athems
gleichfalls nur dichterisch: ich fühle schon wehn von dem oden, der über mich ausgeht
maler Müller
werke 1, 36; merkbar war das wehen seines odems in jeder groszen that der welt Schubart
sämtl. gedichte 2, 282; welch ein säuseln, welch ein wehen, wann sie kosend mich umfing, und mit süszem liebeflehen brünstig mir am halse hing Bürger 43
b; (
Hero) stürzte auf die knie und weinte laut, mit ihres atems wehn, mit ihren thränen zum leben ihn zu rufen ohne furcht bemüht Grillparzer
werke 5, 112; so warm das haupt, so süsz des athems wehn 6, 105. VI@A@44)
von abstractionen wird das substantivirte wehen
relativ häufig gebraucht, einzig gefühl
als subject bleibt selten: es schweigt das wehen banger erdgefühle Göthe
Weim. I 1, 7 (
zueignung).
von gott: und fühle die gegenwart des allmächtigen, der uns nach seinem bilde schuf, das wehen des allliebenden, der uns in ewiger wonne schwebend trägt und erhält I 19, 8 (
Werther); bis ... er gott geschaut ... und in der kunst des herren wehn gespühret
Z. Werner
Luther (1807) VI
prolog; entspr. XVI.
vom heiligen geiste: lasz dein sanfftes wehen auch bey uns geschehen, dämpffe fleisch und blut B. Schmolcke
trost- u. geistreiche schriften 1, 402 (1740).
von tod
und leben, schönheit, liebe
und dichtung,
die zunächst als geistige flügelwesen vorgestellt werden können: seiner gnaden linder ost leszt hie durch ein sanfftes wehen unser rechtes wachsthumb sehen S. Dach 573
Österley; erstes wehen der schönheit aus dem schosze der nacht, des unsichtbaren Gleim
briefw. 1, 260
Körte; das wehen und weben der räthselhaft mordgeschichtlichen romanzen ist hier höchst lebhaft zu fühlen Göthe
Weim. I 40, 349; dem zu vergleichen nicht ist, was entgegen uns blüht aus der dichtung heilgem wehen W. v. Humboldt
ges. werke 3, 397; drum breit' ich sehnend rings um ihn (
den tod) mich her; ich lasse mich von seinem wehn umfangen Rückert
werke 3, 191; der liebe sanftes wehen schwellt mir das bewegte herz Körner
werke 2, 26
Hempel; sein blick, je mehr und mehr zum stern entglüht, verkündet überird'scher tröstung wehen Droste-Hülshoff 2, 247; durch das wehen ihrer milden lehre weckten sie meinen geist J. Grimm
kl. schriften 1, 114; indem man ... in dem abgegriffenen handexemplar der gesetzsammlung, das schon von den randglossen entschlafener vorgänger bedeckt ist, wieder seite um seite aufgehobener bestimmungen durchstreicht, die man vor wenig jahren vielleicht selbst in diesem papiernen tempel aufgehangen hat, empfindet man nicht immer den rechten respekt vor dem frischen wehen des lebens, dem stürmischen vorschritt des volkes, der solchen wechsel bedingt G. Keller
nachgel. schriften (1893) 9. VI@BB.
von mitgetheilter bewegung. VI@B@11)
von körpern, die als ganzes fliegen, zufällig selten: das wehen des flugsandes Ritter
erdkunde (1822) 1, 1028. VI@B@22)
dafür in poesie und prosa gern von dingen, die mit einem freien ende flattern: magst wohl die ernste stirne sehen, der augen gluth, der locken wehen Göthe
Weim. I 2, 265; der hufe donnerndes gepoch, der mähnen schwarzes wehen Lenau
ged. (1857) 1, 146; im helmbusch erst ein weh'n sich regt, ein rauschen ihn durchklingt A. W. Schlegel 1, 272
Böcking; (
ihr lied, das) statt im weh'n der haine mitzuwallen, von der steine hartem bau zurücke prallt 1, 284; es ruft mir aus der zweige wehen Körner
werke 1, 108
Hempel; ein Engländer ... sagt: es finde sich kaum ein schriftsteller ... der sich und seine leser mit den melodien der vögel, mit dem sanften wehen der gebüsche ... nicht unterhalte Zimmermann
einsamkeit 1, 111; ach um diese bäume und ihr frisches wehen beneide ich dich Heine 1, 483
Elster; dann auch der fahnen weh'n von luft'gen zinnen Fouqué
held des nordens 1, 127; um ihre grauen thore fliegt scharlachner fahnen trotzig wehn Freiligrath
ged. (1841) 292; er risz ... die beiden nebenflügel auf, so dasz von dem zuge, der ging, die gardinen ... ins wehen kamen Fontane
ges. werke I, 5, 161. VIIVII.
auch das particip hält sich vorwiegend zum intransitiven wehen. VII@AA.
die eigenbewegung ist auch hier das älteste, doch tritt sie nachmals gegen die mitgetheilte bewegung zurück. VII@A@11)
der eigentliche gebrauch geht durch unsere ganze prosa: si boreas emissus ab treicio antro i. a uallibus traci hanc verberet. also iʒ tanne ueret, ube daranah tiu
bisa fone
tratia uuantiu dia naht zefuoret Notker
Boethius 1, 7 (
Piper 17
z. 17); er hatt auch in ihm die andern element ... ein brennends fewr, ein wehende lufft, ein nasz schwartz truckens erdtreich Paracelsus
opera (1616) 2, 18
e Huser; es war othem gottes, wehende luft, die das ohr aufhaschte Herder 5, 14
Suphan; sanft wehende winde führten uns nach und nach bei vielen felsigen inseln vorbei G. Forster
sämtl. schriften 1, 117 (1843); dieser in den tropen beständig von osten nach westen wehende wind, welcher so sehr das erstaunen der seefahrer des 15. jahrhunderts erregte, ist der passatwind Joh. Müller
lehrbuch der kosm. physik (1856) 373; durch einflusz der von süden wehenden steppenwinde Ratzel
völkerkunde (1888) 2, 7.
übertragner gebrauch ist nur dichterisch möglich: o lasz den reinen hauch der liebe dir die gluth des busens leise wehend kühlen Göthe
Weim. I 10, 50. VII@A@22)
ungenaue beziehung ist nur in gehobenem stil möglich: ich benutze die heitere stille eines schönen, wehenden, blauen sommermorgens, dir in meinem eignen artigen garten unter ein paar dichten platanen weiter zu schreiben Passow
an Voss 23.
juni 1811 (
leben in briefen 143); wenn mildschimmernden scheins der mond den äther durchleuchtet, dann durch die wehende nacht, o freundin, schaue zum himmel Scheffel
Ekkeh. 465.
stürzendes wasser reiszt luft mit sich und wird darum selbst wehend
genannt: gekühlt von dem wehenden quell sasz und hatt' auf die Telyn sanft sich gelehnt Braga Klopstock 1, 206 (
Skulda); es wendet nach dem strome des quells sich der lautenklang des wehenden bachs 1, 209 (
der bach); es rieselt, klar und wehend ein quell im eichenwald Salis
ged. 61 (1793).
auf den ort wo wind weht angewendet, kommt wehend
zu der bedeutung '
windig': beid' an der warte vorbei und dem wehenden feigenhügel, immer hinweg an der mauer, entflogen sie über den fahrweg (
ἠνεμόεντα) Voss
Ilias 22, 145; sie durchwandelten bald die wehenden krümmen des berges (
πτύχας ἠνεμοέσσας)
Odyssee 19, 432 (1781: des berges luftige krümmen, 1831: erreichten des bergs scharfluftige krümmen). VII@A@33)
der anwendung auf flamme, schall und geist reiht sich beim particip die auf flug
und flügelschlag
an: nah hinter ihm an den dunkeln gestaden blieb es in seinem tritte zurück, wie wehende flammen Klopstock
Messias 1, 620; Selma, mein wort: du erblickst, sterb' ich vor dir, wehende flämchen
oden 2, 71; was das für einen gewaltigen einflusz auf das verständnisz ihrer sprache hat, ist hier nicht der ort zu sagen; dasz dies wehende aber den ursprung ihrer sprache verrathe, ist offenbar Herder 5, 14
Suphan; der über dem ganzen wehende hauch verkündet uns das oberhaupt, den Phidias H. Meyer
geschichte der bildenden künste (1824) 1, 269; jetzt wandten ihren wehenden flug die todesengel gen himmel Klopstock
Messias 8, 559; die zwietracht mit wehendem flügel trieb über Germaniens hügel und thäler der zündenden funken wuth Kretschmann
sämtl. werke 1, 279 (1784); ihm naht der wahrheit wehender flügelschlag Platen 107. VII@BB.
die mitgetheilte bewegung ist beim particip besonders gut entwickelt. VII@B@11)
mit ihrer ganzen masse fliegen blätter
oder wolken: ... rauschte vor dem fusz des Messias ein wehendes blatt. an dem blatte hing ein sterbendes würmchen Klopstock
Messias 2, 621;
darnach: mit dem laute, womit der lästerer endigte, rauschte vor den fusz des Messias ein wehendes blatt hin Lessing 8, 52
Lachmann-Muncker; lauter einzelne im sturm der zeiten wehende blätter aus dem buch der begebenheiten Herder 5, 219
Suphan; oben füllet Luna die wehenden wolkenfladen mit flüssigem silber an Jean Paul
Hesperus 1, 118. VII@B@22)
mit einem freien ende flattern VII@B@2@aa) kleider, haare
und federn
auf dem hut: unter keiner gestalt hat der fürst der finsternisz gröszere eroberungen gemacht, als wenn er im leichtfertigen gewande der bulerin erschien, und oft mit einem tappon, verschobenen halstuch, wehender schürze und frechem blikke die schönsten entschlüsse der erwachenden tugend niedertrümmerte Schubart
leben 1, 226; mit wehenden locken Bürger
werke 1, 275
Bohtz; deine wehenden locken schlugen harmonisch herab auf den goldnen riemen
maler Müller
werke 1, 172; wie hold schmückt unser eichenkranz der falben wehenden locken glanz Kretschmann
sämtl. werke 1, 121 (1784); hier im zweiten gemälde ... ist die still in sich schwebende person des höchsten wesens ... von einem ungeheuren sturmwind ergriffen ... dargestellt. der weisze bart wehend, die arme befehlend ausgestreckt Grimm
Michelangelo (1890) 1, 293; Isotens goldenes haar um Tristans schultern wehend Storm
werke (1899) 1, 50; ein seidner hut ... mit bunten, in den lüften wehenden federn E. Th. A. Hoffmann 14, 151
Grisebach; bei Homer ... hat Paris ... zum bogen auch lanze und schwerd und ehernen helm mit wehendem busch Welcker
alte denkmäler (1849) 1, 51; der hohe dreieckige trutzhut, über und über mit hahnen- und pfauenfedern, fuchs- und eichhornschwänzen verbrämt ... ehe der welsche sich besinnen konnte, sahen zwei funkelnde augen unter dem wehenden trutzhut ihm in das entfärbte gesicht Heyse
nov. 2, 310 (
weinhüter).
wol weil man von nasenflügeln
spricht, wagt Herder: muth hebt die brust, lebensothem die wehende nase 8, 172
Suphan. VII@B@2@bb) baum, zweig
und gras: wehende palmen Gotter 3, 102; risch der warte vorbei und dem wehenden feigenbaume Bürger
werke 1, 236
Bohtz; seh' ich freundesgestalten mir winken durch wehende zweige des dämmernden hains Göthe
Weim. I 4, 191; nun hing sie (
die sonne), ein strahlennest, in den wehenden zweigen
maler Müller
werke 1, 82; neben dem häuschen, unter wehenden buchen, sind etliche tische und stühle so einladend hingestellt Steub
drei sommer in Tirol 1, 12; der klare strom der zeit geht über einen hinabgelagerten blumenboden schöner stunden ... o wenn sich diese Eden-aue wieder aufwärts hebt und ich kann an deiner hand über die wehenden blumenfelder dieses lebens blicken Jean Paul
Hesperus 3, 119; ruht im wehenden gras, wann sich die kühl' ergieszt Hölty
ged. 77
Halm; ein dirnlein gar sittig mit fröhlichem sinn brach blumen vom wehenden rasen Kind
ged. (1808) 101. VII@B@2@cc) segel, wimpel
und fahnen: Wood mit seinem Homer auf den trümmern Trojas, und die Argonauten, Odysseen und Lusiaden unter wehendem segel, unter rasselndem steuer Herder 5, 169
Suphan; ein dänisches und ein englisches schiff, die mit allen segeln und wehenden flaggen auf dem wasser sanft vorbei fuhren G. Forster
sämtl. schriften (1843) 2, 416; ihr (
der sonne) wehrt umsonst der wehende vorhang Kosegarten
dichtungen 8, 189; es lag am ufer drunten ein schmuckes schiff bereit, mit bunten wimpeln wehend Uhland
ged.2 262; es waren vereine, die, das im morgenwinde wehende banner voran, der festhütte zuzogen Zahn
die da kommen und gehen (1909) 128. VII@CC.
unter wächeln II 1 a)
ist oben theil 13, 34
die bedeutung '
sich zitternd bewegen, weben von der heiszen luft'
aus bair.-östr., thür. und vogtländischer mundart belegt. der vogtländer Jean Paul
liebt eine anwendung von wehend,
der sichtlich dieses wächeln
vorschwebt: der brief ... leuchtete ihrem zarten auge milder als die gegenwart des gegenstandes, dessen glühfeuer erst durch eine entfernung zur wehenden wärme fiel
unsichtb. loge 3, 25; ach wenn er sich in die wolken hätte hinaufstürzen können, um auf ihnen, durch den wehenden himmel über die unübersehliche erde zu ziehen
Hesperus 1, 168;
entspr. 2, 98. 3, 45;
biogr. belustigungen 1, 57;
flegeljahre 1, 90;
dann auch als verbum finitum: seit einigen tagen weht ein blauer himmel, wie ihn nur meine phantasie verlangen kann
briefw. 317
Nerrlich. VIIIVIII.
die bedeutung '
fächeln'
ist auszer bei Stieler 2460 (ich begehre nicht, dasz mir iemand wehet,
nolo mihi fieri ventulum. wer wehet hier?
qvis est hic, qvi ventum ciet, excitat?)
stets bestimmt durch angabe des geräths, mit dem man fächelt: aber das iüngst döchterlin dz weiet mit den henden hin vnd her, vnd sprach stetz: ich wil keinen man, ich wil keinen man, vnd von dem selbigen weien wurden im sein hend zuo dem ersten trucken Pauli
schimpf u. ernst 23
Österley; elsässisch noch lebendig als: mit einem gegenstand heftig in der luft herumfahren. wäj nit eso mit dr ruete! Martin-Lienhart 2, 806
b; nun aber sollen schöne frauen mit taubenblick mir in die augen schauen, mit pfauenwedeln luftig wehen Göthe
Weim. I 16, 353; in unsrem übermut grüszten wir wieder, und Lina wehte sogar mit dem taschentuch Fontane
ges. werke I 5, 131.
in neuerer schriftsprache steht das reflexivum: ich fing mich an mit dem fechtel zu wehen
Clarissa 2, 322 (
nach Paul
zs. f. d. wortf. 12, 65); ich wehete mich mit dem fechtel
das. 373; die herrn und damen besehen die bücher und loben sie höchlich. endlich weht sich die eine mit dem fächer Lenz
pandämonium german. 30
Schmidt; damit wehte sie sich mit ihrem schnupftuch ein paar mal um die augen und ging in die weihnachtsstube zurück Storm
werke 1, 181 (
unter d. tannenbaum).
neben dem reflexivum kann dann die bestimmung, womit man sich fächelt, auch wider fehlen: sie kühlet ihr gesicht mit einem weher, sie wehet sich Ludwig (1716) 2413; ich nahm hierauf den fechtel und wehete mich
Clarissa 2, 319.
vereinzelt steht bei Stifter
die himmelsluft
als subject des refl. wehen: sonnenschein ist drauszen, als wäre er recht feierlich bestellt, und eine tiefdunkle bläue ist am himmel, fest sich wehend, wie frohnleichnamsfahnen, und frühsommer auf allen hügeln prangend
studien5 1, 73 (
feldblumen). IXIX.
transitives wehen. IX@AA.
subject ist der wind. IX@A@11)
dem wind als dem groszen zerstörer klarheit hat der äther, brand das feuer und zerstörung weht der sturm Arndt
ged. (1860) 32
traut die sprache das mögliche zu: aber ach! wan wir in unseren hoffnungen und gemachten concepten am allersichersten und gewissesten zustehen vermeinen, so komt unversehens ein wind, der allen bettel auff einmal übern hauffen wehet, woran wir so lange zeit gebauet
Simpl. 453
neudr. IX@A@1@aa)
er weht ganze menschen von der stelle: diu ros nâch stiche truogendiu rîchen küneges kint mit hurte für ein ander,sam si wæte ein wint
Nib. 184, 2 C; hett ich ain wint, der mich dar wähet Hätzlerin
liederbuch 46; so ferr der windt ihnen entgegen oder vngestümm, müssen sie ersauffen oder werden wider zurück in Asia geweht vnd geworffen Fronsperger
kriegsb. iij 189
b; wie Eulenspiegel drey schneiderknecht von einem laden fallen macht vnd darnach ... sagte: der wind hett sie herab gewehet Fischart
Eulenspiegel 238
Hauffen; in dem ... wann wir dem wind widerstreben, er uns zu bodem wehet Albertinus
fürstl. lustgarten (1619) 1, 117; wir seyn in dises ungestimme meer gestürzt worden, das uns bisweilen hoch erhebet und aufwirft, bald auf dem seichten sizzen läszt; und (
lies: uns) aber stets von einem ohrte zum andern wehet und treibet Butschky
hd. kanzelley 699; als er in gräflichen und seinen eigenen angelegenheiten den ganzen tag zwischen Nikolopolis und Lukas-stadt hin und her geweht, endlich zur tafel kam Jean Paul
komet 3, 137.
was in alter zeit hyperbel ist, wird durch die luftschiffahrt wahrheit: der ostwind weht euch nach Paris, drum gieszt, so bald ihr euch erhaben, ihn in das segeltuch Alxinger
Doolin von Mainz (1787) 6 str. 84. IX@A@1@bb)
ein formelhafter gebrauch legt den nachdruck auf das wahl- und ziellose des wehens: de wind weide hum d'r hen Doornkaat Koolman 3, 529
b; mein Caspar, wannen wehet dich der wind har? Wickram 2, 105
Bolte; o herr der pfarrer, was wint wät euch do her? Arigo
decamerone 471, 7
Keller (
darnach Lindener
rastbüchlein 47
Bolte; in welche gegend, nach welchen orten der wind ihn wehe, dünkte ihm unbedeutend Holtei
erz. schriften 36, 90; das soll, bey gott! von Artus rittern nicht gesungen werden noch gesagt im fremden lande, dasz einer nach dem andern, kegeln gleich, vom ersten, den der wind herbey geweht, sich so zu boden habe werfen lassen Wieland 18, 20 (
Geron); wird diesen fremden gast ein guter wind einst nach Europa wehen, so kann er, ohne weit zu gehen, dergleichen götter täglich sehen Pfeffel
poet. versuche (1802) 1, 15; so blase denn mich unbestand du sausewind umher ... und wo im dorf die fiedel klingt, da wehe mich hinein Wolff
fahr. schüler (1900) 365. IX@A@22)
eine andere redensart betont das mögliche: de wind waiet wol sand-barge to hope, man kine dikke büke:
er ist von hunger und kummer so fett nicht geworden brem. wb. 5, 165; de wind weit wol berg' tohôp äöwer kene dicke bûk,
d. h. von nichts kommt nichts Danneil 246; de wind waiget wol snêhöpe binên, àwer kainen dicken nacken Woeste 314
a.
derart, mit allerhand leichter ware als object, herrscht trans. wehen
auch im freien gebrauch. IX@A@2@aa)
der gewehte körper ist frei beweglich: de wind weid de bladen fan de bomen Doornkaat Koolman 3, 529
b; er fuorteʒ (
Sigfrid das schiff) alsô balde, sam ob eʒ wæte der wint
Nib. 451, 4 C; alles holtes to brukende, also alse id de wint weyet
lüb. urkundenbuch 4, 403 (1380); durch seinen willen wehet der sudwind vnd der nordwind, vnd wie die vogel fliegen, so wenden sich die winde, vnd wehen den schnee durcheinander Luther (1545)
Sirach 43, 18
f.; weyen den snee dörch einander
nd. bibel (Witt. 1599)
das.; wie sich der staub mit allerhandt winden verkehrt vnd hin vnd her gewähet wirdet, also verenderen sich die reichthumb alle augenblick Albertinus
zeitkürzer (1603) 66
b; also ist serpentina ... nicht anderst zu verstehn, sonder gleich dem wind, der den staub ab dem korn wehet Paracelsus
chirurg. bücher (1618) 214
a Huser; (
ein blitz fuhr) an der zeder hinab, stürzte, zermalmte sie, dasz der wind ihre splitter weht Kretschmann
sämtl. werke 2, 55; also wehn blüthen im may weste dahin Klopstock
oden 1, 170 (1889); ihr winde, die ihr jene wellen bäumet und jene wolken durch die lüfte wehet Uhland
ged.2 425; ich hab' sie (
die blätter) über die hügel geweht mit meinem flügel Rückert
werke 3, 9; Zephyrus wehete die wurfscheibe des Apollo dem Hyacinthus an den kopf, dasz er starb Ramler
fabellese 3, 243; den spinnenfaden ... den die luft ... gegen meinen rockkragen wehte O. Ludwig
ges. schriften 1, 148; die art, wie er von dieser tugend (
der beständigkeit) redet, 'damit er nicht wie ein leichtes rohr von den winden hin und her geweht werde', zeigt fast eine besorgnisz an, dasz es geschehen könnte Ranke
sämtl. werke 4, 113. IX@A@2@bb)
mit dem freien ende werden geweht strickleiter, segel, kleider, haar
und halm: do der (
die strickleiter) nit beschwert, weht in der wint hin und her Wilwolt v. Schaumburg 62; dann ursach in den dingen allen, sie wissen nichts darumb, so musz es ein fürgang nemen, wie der windt den segel wehet Paracelsus
paragranum (
Straszb. 1616) 1, 226
B; könig Boreas ... wie er einst neun tage und neun nächte allen wind untergeschluckt, um beym nächsten feste des Oceans schlanken töchterchen gar lieblich die röcke von den beinchen zu wehen
maler Müller
werke 1, 129; einige hohe zweige wilder rosen, die eine leise luft hin und her wehte Göthe
Weim. I 23, 75; dicht ist die mähn' und senkt sich geweht auf die rechte der schultern (
iactata) Voss
Virgil 1, 222 (
georg. 3, 86); von stürmen selber zu erwarten, dasz auch sie den halm zur reife wehen Tiedge
schriften (1796) 1, 273. IX@A@33) licht, klang, duft
werden geweht: daʒ fiur spranc von stâlealsam eʒ wæte der wint
Nib. 430, 4; indem erblicket' er schimmer, der beynahe verlosch, geweht von dem winde Klopstock
Messias 15, 209; der morgen weht mit goldner schwinge mir um die stirn den kühlen schein Geibel 2, 4 (
Juniusl.); sie (
die welt) bebt, sie wankt, so oft ein hauch aus seinem (
gottes) munde den fluch in ihre sphären weht Lessing 1, 100
Lachmann-Muncker; die ferne sandte endlich nur hirtenflötentöne, und die wohllaute wehte ein mildes lüftchen bald weiter, bald näher Jean Paul
bei Wackernagel lesebuch 3 II 939; die luft, so auf- und niedergeht, jetzt frischen klang herüber weht Droste-Hülshoff 2, 53
Cotta; hinschaun soll ihn nur ergetzen, wann sein schiff herum sich dreht, nur der süsze duft ihn letzen, den der west vom ufer weht Bürger 45
a; kühlende hauche des nordwinds wehten erfrischung daher dem matt arbeitenden leben Voss
Ilias 5, 698; der wind wehte tannenduft über die matten Zahn
die da kommen und gehen (1909) 234. IX@A@44)
unkörperlich denkt sich die mundart die plötzliche erkrankung: grad wi a mi gewäjt Martin-Lienhart 2, 806
b und so leitet diese verwendung des trans. wehens
über zu fällen, wo abstractes als ein geweht werden
gefaszt wird. IX@A@4@aa)
früh und gern stellt man sich religiöse beziehungen so vor: owe, edlú sele und sssú, du solt dich vröwen iemer me, won dir ist wol ze fröwenn geschehen daʒ du zuo got dim herren bist gewäget und er in dich
st. Georger prediger 64, 14
Rieder; jvbileus ist vsz verchünt, wir solten tilgen unser sünt! das hat der bös vernomen, valschen sǎmen hat er gesäet, der sel hail gantz hin gewät, ablas ist vnderchomen Hätzlerin 1, 29, 5; herr dein wille soll geschehen! worte, die aus Jesu munde mir in mancher jammerstunde kühlung durch die seele wehen Schubart
sämtl. ged. 1, 50; dasz das schlecht und rechte christenthum eine edle gleichgültigkeit, einen gewissen liederton im leben wirkt, der uns bei allem in der welt, wärs auch ein Alexanderverlust, ruhe ins herz wehet Hippel 1, 89 (
lebensl. 1). IX@A@4@bb)
sonst bleibt trans. wehen
von gefühltem und gedachtem selten: schon begann für die Franken die morgenröthe zu dämmern, wehete schauer die frühe Klopstock
oden (1889) 2, 94; aber ha! den spöttern und tyrannen weht entsetzen ihr verdammerspruch Hölderlin 1, 111
Litzmann; ich bin müde, begebenheiten anzusehen, die selbst unsre freye luft schwer von meiner stirne wehen kann Klinger
neues theater 1, 201 (
Roderico 4, 2); sobald die lauen zephir ... den lachenden frühling mit ihren frohen fittigen daher wehen B. Mayr
päckchen satiren (1769) 58; dann weht ein herrlicher ... wind alle empfindungen ... in dieses land hinein Wackenroder
herzenserg. (1797) 60; die brise wehte ihm alle dünste aus dem kopf Edm. Höfer
bewegtes leben (1856) 10. IX@BB.
pflanzen können urheber eines wehens sein. IX@B@11) bäume: die eiche weht ihm gelispel Klopstock 1, 185 (
Thuiskon); der flieder und die linde wehn mir bange seelenschauer Hölty
lied eines mädchens; dasz mir deine palme kühlung wehe
ged. 44
Halm; angenehme kühlung wehen sollt' ein myrtenfächer dir Bürger 6
a; die alten bäum' herum — so manchem wehn sie lebensathem wohl zum grossen werk
Z. Werner
theater 4, 95 (
kreuz a. d. Ostsee I 2, 1); eine eiche pflanzt um diesen stein. wachse, freier baum in freiem lande! wehe blasse schrecken bleicher schande! Arndt
ged. (1860) 148; nur die fichten stehn um ihn, und aufwärts wehn sie mit den flügeln grün des kindlichen gebetes reine gabe Droste-Hülshoff 2, 194
Cotta; IX@B@22) blumen: er trug an einem andern tag den raub von zwanzig blumenbeeten, der bunt in seinen körben lag, die süszen balsam von sich wehten Pfeffel
poet. versuche 7, 36; die nesseln, die hier schauer dem narren wehn Hölty
grd. 58
Halm; kann mein herz vor groll nicht hüten: ob sie (
die blumen) holde düfte wehn: und mit stillem zauber sehn: kalt und roh sind diese blüthen Lenau
ged. (1857) 1, 203; vom kelch der blüten, die nach stiller nacht sich öffneten und in erneu'ter pracht dem jungen tage düfte wehten Kind
ged. (1806) 22. IX@CC.
transitives wehen
mit einem menschen als urheber ist nicht eben häufig, aber mannigfaltig entwickelt nach drei richtungen: IX@C@11) '
fächeln': die knaben treten hinan, wehend die palmzweige über seinem haupt Herder 28, 257
Suphan; oft auch erleichtert ihm den gang ein freund und spricht geduld ihm ein, und weht, mit myrtenzweigen, kühle ihm in das glühende gesicht Gotter 1, 253; und von den schiffen, von dem strande wehn die weiszen tücher noch den letzten grusz Göthe
Weim. I 10, 348; einige damen wehten sich luft mit ihren fächern H. v. Kahlenberg
familie Barchwitz 34 (1902). IX@C@22) '
wirbeln': schauer, schauer zurück, würger bei jedem staub, den dein fliegender gang wirbelnd gen himmel weht Schiller 1, 43 (
eroberer); Penthesilea, wie sturmwind ein zerrissenes gewölk, weht der Trojaner reihen vor sich her H. v. Kleist 1, 168 (
Penthes. 1); heilige Isabella, wehe himmelsluft auf meine heisze stirn A. v. Arnim
sämtl. werke 1, 186
Grimm. IX@C@33) '
fegen': IX@C@3@aa)
als fegen des tanzbodens ist ein els. wehen '
tanzen'
zu fassen: na, du heš din teil jetz gewäjt Martin-Lienhart 2, 806
b. IX@C@3@bb)
oben theil 13, 507
ist alem. schwäb. wähen
f. plur. '
backwerk'
vermuthungsweise zum verbum wehen
gestellt worden. die etymologie wird gesichert durch ein mundartliches wäjə '
backen, kuchen backen'
bei Martin-Lienhart 2, 806
b,
das urspr. als fegen des backofens zu fassen ist, s. zs. f. d. wortf. 12, 214. XX.
die über fünfzig zusammensetzungen mit -wehen
sind vielfach transitiv und intransitiv zugleich; die in früheren bänden übergangenen sind gesperrt gedruckt: ab-,
an-, auf-, aus-, be-,
daher-, dahin-, darnieder-, dazwischen -, durch-, durcheinander-, ein-, einher-,
empor -, ent-, entgegen-, fort-, gegen-, her-,
herab-, heran-, herauf-, heraus-,
herbei-, herüber-, herunter-,
herzu-, hin-,
hin- und her-, hinab-, hinan-,
hinein-, hinüber -, hinunter-, hinweg-,
hui-, nach-, nieder-, über-, um-, untereinander-, ver-, voneinander-, vor-, voran-, weg-, wider-, widerum-, wind-, zer-, zu-, zurück-, zusammen-, zwischenwehen.