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wehen

mhd. bis spez. · 17 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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26 in 17 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wehen verb.

Bd. 28, Sp. 69
wehen, verb. verwandtschaft, formen, verbreitung. 11) das wort ist gemeingerm. und nur anord. und asächs. nicht belegt: got. waian, ahd. wâen, wâjan, wâjen, wâhan, mhd. wæjen, wêgen, wêwen, wæn, md. wân, wên, mnd. weien, weigen, mnl. wâien, ndl. waaijen, afries. waia, helgol. wai, ags. wáwan, mengl. wáwen; schwed. vaja, n. vaie sind wol entlehnungen aus dem nd. die germ. starke verbalwurzel führt in eine reiche idg. verwandtschaft: skr. vāti, vāyati 'er weht', vātas, vāyús 'wind', avest. vāiti 'er weht', aslav. vějati 'er bläst', větru 'wind, luft', lit. vějas, lett. wêjsch 'wind', air. feth 'luft', gr. ἄημι, ἀήτης, ἀήρ, ἄελλα. zum idg. part. praes. *vnt- gehört germ. winda-, lat. ventus, s. u. wind. dem ai von got. waian wird von Braune got. gr. § 22 und fast allgemein der lautwerth eines langen æ zuerkannt, das wie in saian germ. ê vertritt. bestritten ist, ob dieser lautwandel im hiatus eingetreten ist. Kluge in der festschrift für Vietor (1910) macht ein idg. wêjô mit j-praesens, urgerm. wêjô, inf. wêjan glaubhaft, aus dem got. waian mit schwund des j nach dem vertreter des ê hervorgegangen wäre. 22) die idg. verwandten zeigen mi - conjugation, dagegen ist got. waian redupl. verb: praet. waiwô wie ags. wéow, mnl. wieu. ahd. ist in wiwint 'wirbelwind' Graff 1, 624 eine spur der reduplication erhalten, das verbum, im ältesten ahd. wâen mit e für ja in nebensilbe, zu den schwachen verben auf -jan übergetreten. prät. und flectirte form des part. sind von haus aus umlautlos. belege dafür, dasz rückumlaut in die unflectirte form des part. eingedrungen wäre, liegen nicht vor. während das umlautlose prät. obd. im 13. jahrh. im allgemeinen noch fest ist (Konrad Fleck, Rudolf v. Ems, Konrad v. Würzburg, Ulrich v. d. Türlin), und sich im 14. sogar ein wote zeigt (städtechron. 8, 136, 6 Straszburg), setzt sich früh umlaut durch bei Bayern und Östreichern (Wolfram, Tnugdalus, Servatius, städtechron. 4, 107, 20, Augsburg um 1400, Heinrich v. Neustadt) und, bedeutsam für die nhd. schriftsprache, auf md. boden (Passional, Heinrich v. Hesler). 33) einschiebung eines h findet sich seit dem 8. jahrh.: uentosi uuahente, flabris uuahendi keron. gl. bei Steinmeyer-Sievers 1, 138, 31; thiu zuei firuuahent thannethie suntigon alle Otfrid 5, 19, 28. statt dieses übergangslautes erscheint mhd. gelegentlich palatale spirans (s. o. wächte, wächteln): Fridrich begund mange fröd sechen: in jämer kund sein hertz wehen Friedrich v. Schwaben 2604 Jellinek; darumb mein fröd hoch wechen: von unnser baider lieb ist geschechen das ain frucht ist entpfangen 2853. w für intervoc. j ist besonders im ostfränkischen zu erwarten Bremer beitr. 11, 71 f. Braune ahd. gr. § 359 a. 3). nach Graff 1, 622 bietet die Stuttgarter Williramhs. 72, 6 uueuuet. Weinhold mhd. gr. § 167 macht auf Hermann v. Fritzlar aufmerksam: wanne her wolde, her dunrete und bliczete unde regente und snîete, und wart winder und summer und winde wêweten, und wart schône weter wanne her wolde d. mystiker des 14. jahrh. 1, 199 Pfeiffer. Diefenbach gloss. 238c bucht wewen vel busten aus einem vocabular der Mainzer kartause, Hertel 255 weindwêwe aus Salzungen. Luther bietet sehr oft (s. an alph. stelle) weben 'flare', dessen b auf w zurückweist und das vom modernen sprachgefühl zu weben ahd. wëban gezogen wird. Eck kann mit seinem einzigen webdt apg. 27, 13 von Luther beeinfluszt sein, H. Sachs schwankt: sein frucht wirt weben mit peschaid wie Libanon, wen der wint wet (: stet) 18, 283 Keller-Götze. seit dem 11. jahrh. ist das j-praesens uuaio uuaiet (Graff 1, 621, Braune § 152b) im übergewicht. die weitere entwicklung der form ist wesentlich durch den halbvocal bestimmt, der zum spiranten oder vocalisch werden oder verstummen kann. 44) j wird zur spirans in wægen, wegen, das am Oberrhein bis ins 16. jahrh. häufig bleibt: sin gaist und sin wint die hant geweget Grieshabers pred. 2, 4; (ein speer) mit dem der fürste kam nâ zirkels meʒ gedræget, geflogen und gewæget snelleclîchen sunder lug Reinfrid v. Braunschweig 17336 Bartsch; alsô daʒ uns die vier winde dicke ane wêgent sprüche d. mystiker des 14. jahrh. Germ. 3, 235a 15 Pfeiffer; der erste (wind) heiʒit boreas. der weget von septentrione, daʒ ist von des herwagenes gerihte, daʒ ist von der mitter naht. der ander heiʒit eurus, bisa oder nider wint, unde weget von oriente Meinauer naturlehre 9 f. Wackernagel; die warmen wind ginnend wægen und man sol eren und sægen teufels netz 9705 Barack; entspr. 7587; 9621; weget der wind an der ersten cristnacht, des jares sterbent die lüt gern. weget der wind an der ander nacht, des jares verderbent gern die win wetterregel aus Einsiedeln, 15. jahrh. in Mones anz. 19, 218; gar vil die klummen uff die böwm ... man stachs mit spieszen überab: ir gefider inen kein hilff gab, der wind mocht sy nit wegen Veit Weber lied auf den sieg v. Murten (1476) Wackernagels lesebuch2 1, 1053, 28; der schnee, das wetter vnd der regen die wind nit glücklich lassen wegen Murner Vergil (Str. 1515) 49a; wan der wint vil vnd vast weget von mittag Braunschweig liber pestilentialis (Straszbg. 1500) 3a; wenn der wind in ain feür wäget, so erlöschet er es zuo dem ersten ain wenig Keisersberg predigen teutsch (1510) 35b; sich sich, der wind weget drei schneider von dem fenster Pauli Eulensp. 78 neudr.; (Straszburg ist ausgezeichnet) mit zuwegen senffter wind Wimpfeling Germania deutsch hg. von Moscherosch transactions of the Wisconsin academy 15, 870 Voss. auch g in mnd. nd. weigen neben weien ist spirans (Schiller-Lübben 5, 655; Diefenbach gloss. 238c; nov. gloss. 176b). 55) anderseits verbindet sich j mit dem vorausgehenden vocal zum diphthongen. hd. weien ist seit dem 15. jahrh. vom bayr.-östr. bis ins Elsasz und die Schweiz belegt: by deren stuond ain ror, das bog sich, so offt der wind weyet Steinhöwel Äsop 190 Keller; als aber Algwin ... abgestorben ... huob ein anderer wind an zuo wäyen Guler v. Weineck Raetia (1616) 69a; von windt weiende weist. 4, 153 (Sundhofen im Oberels. 15. jahrh.); der wynd weiget hin und her wo er wil Keisersberg post. 3, 36a; s. Antonius sahe im geist etlich ston die da luft oder wind wejeten in das mul emeis 29b; die .xv. schel ist nauigare brachiis weigen mit den armen. es gond etlich weigen mit den armen als wolten sie fliegen, ietz mit einem arm, ietz mit beiden armen: das ist ein vnzucht narr. 36b; wer nit will sitzen by dem wyn tag vnd nacht, bisz die katzen kreygt oder der morgen lufft har weygt Brant narr. 95, 45; dieweil es nun so grausam schneit, wiewol der wind noch hefftig weiht Wickram 4, 101 Bolte; du hast gewAeyet mit deinem wind Zürcher bibel (1531) 2. Mos. 15 B; der wind wäygt in alle land Baruch 6, 61. das gleiche gebiet umfaszt die erscheinung in neuerer mundart: ai setzt bayr. â voraus: es wáút 'es herrscht schneegestöber'. es wáút ei~ 'schnee wird vom wind (durch eine öffnung des hauses, daches) getrieben'. dém wátús és ei~ (scil. geld und gut) Schmeller2 2, 823; weien (ai) wie saien st. säen: der wind weit her so glicksamlich Schmid schwäb. wb. 522; wäje (wájə allg., wjə Straszburg, weststreifen) Martin - Lienhart 2, 806b; weien v. act. u. n. 'wehen, windig seyn'. es weiet Stalder 2, 442; wäije intr. vb. ... 'wehen' Seiler Basel 308; wäje ( ) 'wehen' Hunziker Aargau 285. soweit diese ei-formen in das gebiet des intervocalischen w > b (oben 3) reichen, gilt eine form weiben, die sich früh mit den nachkommen von ahd. weibôn mischt und sie in ihrer bedeutung beeinfluszt (s. u. weiben). 66) das alte geschlossene hauptgebiet des diphthongen ist aber das nd. und mfränk., hier ist monophthong, wie ihn Hönig 202a aus Köln bucht (wihe), die ausnahme. weien ist hier seit dem 12. jahrh. belegt: swâr er zô der dicke quam, dâr slouc her ûffe den man, daʒ sie al zescreitin alsô ein stôp daʒ dô hine weite Rother 2746 v. Bahder; de konde den hanen dreygen so alse de wynde weygen bewilen sr, darna soyte Braunschweiger schichtspiel v. 67 d. städtechron. 16, 103 (1488); dyt ghefeerde to vorspeygen (auszuspähen) wu de wynde wolden weygen v. 3184 (1490) 16, 202; waeyen (weyen, wynden) flare, ampullari v. d. Schueren teuthonista 478 Verdam (Cleve 1477); weyen gemma gemm. (Köln 1507) bei Diefenbach gloss. 238c; wen överst de windt weyet nd. bibel (Wittenberg 1599) Hiob 37, 21; he leeth weyen den ostenwindt ps. 78, 26 und so noch zwölfmal; waien brem. wb. 5, 164 f.; weien, weijen ... de wind weijet Dähnert 544b; wei'n Danneil 246; wäjen Bauer-Collitz 111a; waigen Woeste 314a; weihn Sibeth meckl.-vorpomm. 106a; wenn de wind weiht, so wibbelt und wabbelt dat Wossidlo meckl. volksüberl. 1, 91; dēt wait dicht har 'es stürmt' Siebs Helgoland 300; weien oder waien ... 't fangt an to weien (und so immer in den beispielen) Doornkaat-Koolman 3, 529b. 77) j verschwindet in der contractionsform wæn, die mhd. als norm gilt. md. steht daneben wên: der wint wete so sere daʒ er in funf hundert gezelt warf nider uf daʒ felt Herbort v. Fritslar troj. 7366 Frommann; ein wint daʒ hus wol durchsluc, der vil starke wete passional 25, 10 Köpke; der keiser hieʒ do balde holn ein michel teil gluender koln, die sie musten alle boln under den rost und zusprên und die luft da zu wên unz eʒ wart ein heiʒe glut 384, 86; (fittiche) da mite sie den wint weten Heinrich v. Hesler apok. 8536 Helm; mir hat ein wint in die oren gewet, du seist die weil nicht belieben stet fastnachtsp. 165, 16; desselben jars (1463) am mitwoch vor Peter stulfeier donert es und plitzet und was darnach ein grosser wint und weet pis hin umb an freitag d. städtechron. 10, 284, 4 (Nürnberg). 88) an den mundartlichen formen und an der analogie der masse der verba hatte die nhd. schriftfestsetzung halt und anlasz genug, trotz mhd. wæn, md. wên die zweisilbige form zu bevorzugen, die fortan wehen geschrieben wird, ohne dasz h mehr als graphische bedeutung hätte. dasz frühnhd. wehen wirklich zweisilbig gemeint ist, kann Wickram beweisen, bei dem es der vers verlangt: dann das ich newes hertzensehr noch eynmol an mir musz gesehen, wo die joch immer her wend wehen werke 8, 179 Bolte; die windt irs wehens lieszen ab 8, 207. wo er einsilbigkeit braucht, schreibt er wegt: wie dann jetz jedes inn sein grodt noch ordnung gots flieszt, wegt und stot 7, 9; entspr. 5, 134; 8, 96. sicher zweisilbig ist auch wehet im Teuerdank 56, 35: da wehet dermaszen ein wind, das er den held erhub geschwind. von theoretikern äuszert sich Buchner (1665): ferner kann ich wol sagen stehn, gehn, steht, geht, nicht aber so wol flehn, wehn, vor flehen, wehen anleitung zur d. poeterei 83. die neueren dichter wechseln nach versbedarf: hui, singt er, hui! wer macht aus wind, wer sich aus regen was? nur wehn und wehen kann der wind, und regen macht nur nasz Bürger 4a. 99) im 16. 17. jahrh. herrscht die schreibung wAehen (wAeen) weithin im süden und westen: vff das hertz bloszt oder wäht die lung zuo erquickung Gersdorff wundarznei (1517) VIII 2a; flo, -as, ich blase, wAehe, kuche Dasypodius (1537) 76a; wAehen flare 454a; allain die predigermünich warn päbstisch; doch fielen si ie zu zeiten auf des kaisers seiten protshalben, darnach der wint her wähet, kerten si den mantl Aventin bayr. chr. 2, 461, 33 Lexer; den westenwind ... liess er frey wähen Schaidenreisser Odyssea (1537) 41a; oster- und westerwind, den man ober und nider nent, wäen dick und oft und gegen denen pflegt man nit zu pauen 1, 41, 31; im ersten truog sie der guot windt zuo der stadt ... darnach begundt sich der windt vmbwenden, vnd das möre mit lünden zuo wAehen Livius (Mainz 1557) 314a (1514: bewegen); auff solches bate der könig die Darioleta im garten zu besehen, woher der wind wähet Amadis 1, 24 Keller; aber je strenger ... er wähete vnd wülte, je enger vnd strenger der wanderer den mantel ... an sich hilte Fischart ehzuchtb. 134, 6 Hauffen; die wind ... nach dem sie ... starck oder sitsam wAehen Sebiz feldbau (1579) 6; wann solcher regen vom nordwind getriben vnd gewAehet ist worden 159; mein vatter ist nicht daheime, so sitzt mein mutter und wieget das kind, so wähet der wind, so schlafen wir beide alleine Frankfurter lb. von 1584, Uhlands volksl. 155, 3; solche gesellen aber sind mehr dann hündisch, sie wAehen ihren wadel ... zu allen dingen Philander 2, 99; der wind wAehet jetzo unter seinen füssen hin Happel akad. roman (1690) 47. auf diesen schreibgebrauch weist Stieler 2459, der selbst stets wehen schreibt, hin: weh, wehen, gewehet, et nonnullis wAehen, gewAehet. Gisbert teutsche orthographi (Mühlhausen 1650) schwankt zwischen wähen und wehen ( v. Bahder grundlagen 130). 1010) nhd. wehen statt wähen ist von den grammatikern durchgesetzt worden, weil ihnen das wort etymologisch isolirt war. neben nähen, krähen, säen stand naht, kraht, saat, von ihnen wird wehen (wie auch drehen) seit dem 16. jahrh. getrennt. dem schriftbild ist die gebildete aussprache gefolgt, die seitdem gleichfalls die historisch gleichwerthigen laute scheidet (Braune einigung d. d. aussprache 25). der sieg von wehen ist zugleich im sinne der md. kanzlei- und drucksprache. während noch in Ecks bibel (Ingolstadt 1558) auf vier wehen drei wAehen und ein wAeen kommen, ist bei Luther 1545 wehen durchgeführt, Dietenberger hat schon Mainz 1534 ausnahmlos wehen. md. theoretiker begünstigen gleichmäszig diese schreibung: flare wehen, ween voc. ex quo (Nürnberg 1482); wehen. dasz windwehen Güntzel 845; flo ... ich wehe Comenius januae vestibulum (1650) index; der wind treibet, weht allen sand aus den feldern zusammen Hederich promt. 2678b; wehen (das, infin.) flamen, flatus Steinbach 2, 957. 1111) in eigner weise meiden die südlichen sprachinseln den hiatus: benen Schmeller cimbr. 172; wēnən (bēnən) part. gəwēnt Bacher Luzern 226. 1212) in der heutigen mundart des badischen oberlands wird waije vom schneesturm gebraucht, Hebel kann von der Wiese sagen: wo di liebligen othem weiht, se färbt si der rase 10, 178; aber der wind gôt, blôst, fliegt. aus Colmar meldet V. Henry dialecte alaman 237: vāye, mais inusité; on dit t vẹnt plst, kt. für Handschuhsheim bezweifelt Lenz vgl. wb. 76, ob weeə volksthümlich sei: s kεit ə starkɐ wint, und es ist wol kein zufall, dasz von wörterbüchern fränkischer mundarten das luxemburgische wie auch Spiesz und Vilmar unser wort übergehen. damit rückt die seltsamkeit in neues licht, dasz von alten denkmälern dieses gebiets Tatian das verbum nicht verwendet, Otfrid nur firuuae 1, 28, 6 und firuuahent 5, 19, 28 bietet, Hartm. v. Aue ein einziges wæn Greg. 1837, indes es sonst an älteren alem. und fränk. belegen nicht fehlt. bedeutung und gebrauch. II. wehen ist die dem natürlichen menschen fühlbarste und vertrauteste eigenschaft der ihn umgebenden luft, ihre eigenbewegung, die die ganze auf einmal gespürte leichtbewegte masse in flusz bringt. I@AA. insofern intransitives wehen die normale mäszige bewegung bezeichnet, ist wind sein gewöhnliches subject, nicht der schwächere hauch oder der stärkere sturm (doch: über ihnen wehte der nasse sturm Göthe Weim. 4, 3, 9). I@A@11) der wind weht ist von altersher die häufigste verbindung und der ausgangspunkt aller weiteren entfaltung des verbs. I@A@1@aa) im eigentlichen sinne: iþ marei winda mikilamma waiandin urraisida was (ἀνέμου μεγάλου πνέοντος) Ulfilas Joh. 6, 18; spirat vuait glosse zu Gregors dial. 2, 21 Steinmeyer-Sievers 2, 254, 4; iro chorungen nemegen si uuidersten, also daʒ stuppe geligen ne mag, so der uuint uuaet Notker psalm 34, 5 Wiener hs.; si (die burg) stuont reht als si wære gedræt. eʒ enflüge od hete der wint gewæt, mit sturme ir niht geschadet was Parzival 226, 16; daʒ tet der sʒʒen meide kint. von des krefte wate ein wint der sluoc den nebel vaste wider in daʒ fule waʒʒer nider Wirnt v. Gravenberg Wigalois 6866; daʒ mer den schîn hâte, als der wint drûfe wâte Albrecht v. Halberstadt 15, 212 Bartsch; sô die winde wâten, sô truogen sie den wint innerhalp unz an diu kint Fleck Flore u. Blanscheflur 2022; Êolus phlac snelheit: durch daʒ habet ir geseit, der wint wæje als er welle. der ist ouch in der helle worden nû des tiuvels kint: wan er ist tôt, noch wæt der wint Rudolf v. Ems Barlaam 257, 11; daʒ der vil starken winde sûs ir dienen müeste drâte und bî der zîte wâte naht unde tac nâch ir gebote Konrad v. Würzburg troj. 24082 Keller; entspr. 24756; so der wind wati, daʒ denn die öpphel schone klingletint st. Georger prediger 34, 11 Rieder; daʒ die öpphel klingeltent, so der wind dar an wâte, daʒ bezaichent: so der wind der gedultsami uns an wäget 34, 23; wenn der wind in ain feür wäget, so erlöschet er es zuo dem ersten ain wenig Keisersberg predigen teütsch (1510) 35b; conflages, ort da vil wind hin wehend Altenstaig (Hagenau 1516) bei Diefenbach gloss. 141b; es schnei oder regn oder wähe der wint, dasz in die luft nicht nezet Uhlands volksl. 798; ihr, die jhr höret an, wie mancher sturmwind wehet Opitz t. poemata 160 neudr. I@A@1@bb) die ganze formel kann bildlich gebraucht werden: diese wurde den 7. november getaufft; es wehete dabey ein gnadenwind in der gemeine schriften für schlesw.-holst. kirchengesch. 2, 2, 257 (pietistisch 1738); da wollt ihn der herr aus dem futter schaffen, aber der esel merkte dasz kein guter wind wehte, lief fort Grimm märchen (1819) 1, 141 (nr. 27); wenn der churfürst anfangs gesagt hatte, welcher wind auch wehe, er werde immer für Oestreich sein, so hatte er das ... nicht vollkommen gehalten Ranke werke 1, 255. I@A@1@cc) der plural ist gleich alt, bleibt aber stets seltener: qemun aƕos jah waiwoun windos (ἔπνευσαν οἱ ἄνεμοι) Ulfilas Matth. 7, 25. 27; adspirant uvatun glosse zu Virgils Aen. 7, 8 Steinmeyer-Sievers 2, 658, 54; die vogele vluges vergâʒen, die tier nicht enâʒen, die winde nicht enwâten, von vrouden die sie hâten Albrecht v. Halberstadt 33, 363 Bartsch; ach gutter narr was zeuchstu gott, dasz er deim kopff nach wittern sott: lasz in kalt machen, schneyen, regnen (lies: regen), die sonn thun scheinen unndt windt wegen Brant epigr. nr. 12 Zarncke s. 155b; der winde so viele und mancherlei wehn Arndt werke 6, 204 Rösch u. Meisner; im untern Südamerika gegentheils wehen die winde vom eise des südpols Herder 13, 44 Suphan. übertragener gebrauch schlieszt sich auch hier an: die privatwinde, lieber gott! die wehen, und wehen in jedem visiten-zimmer anders Lichtenberg briefe 2, 224. I@A@22) wind wird irgendwie näher bestimmt. I@A@2@aa) nach der art wie er weht. I@A@2@a@aα) attributive adj. charakterisiren: eʒ (das glück) ist als ein sneller wint, der wider und vür wæt, niender ist eʒ stæt Heinrich v. d. Türlin krone 6032 Scholl; ein sanfter wind vom blauen himmel weht Göthe Weim. I 21, 233; dort weht kein kühlender wind Klinger 3, 145 (Faust); ebenso beim plural: kühlende winde wehten leise hin und her maler Müller werke 1, 58; es weht ein groszer wind, mein herr E. Th. A. Hoffmann sämtl. werke 10, 20 Grisebach; hier weht seit mehreren tagen ein schneidender ostwind Moltke ges. schriften 4, 175. I@A@2@a@bβ) adverbiale zusätze steigern: kein phîl noch vogel ist sô snel noch hagelstein sinewel, der gâhes zu der erde slât, sô der wint mit krefte wât Albrecht v. Halberstadt 17, 32 Bartsch; als nun den jäger daucht sein zeit das der wind am seristen weit, schrie er den edlen helden an Teuerdank 56, 28 Goedeke; ich acht es sei fyrtag geweszen oder es hab vileicht geregt, auch der wind zu vast gewegt; du hettest sonst darfür gemegt (gemäht) Brant freiheitstafel str. 51 Zarncke s. 161b; da gedacht er: der winter ist hart vnd wegt der windt darzuo saur Pauli Eulensp. 27 neudr.; seitenmal der windt so streng wehet Xylander Polybius (1574) 39; herausser schnurrten mannigfaltig die wind, vnd wehten sehr gewaltig Spreng Aeneis 4a; da der wind gewaltig weht Müllner dram. werke 1, 22; mir ums gesicht wehte scharf der wind Arnim trösteins. 325 Pfaff; gleich verbirgt sie sich (die sonne) und der wind weht kalt Peschel völkerkunde 256; da er aus osten und zwar sehr lebhaft wehte Moltke ges. schriften 1, 118. im heutigen els.: dr wind wäjt fërm, satt, nit lëtz, grüserli Martin-Lienhart 2, 806b. I@A@2@bb) nach der richtung aus der er weht. I@A@2@b@aα) die classischen einzelnamen werden auf deutschem boden kaum heimisch: nascitur auster vvâit glosse zu Virgils georg. 3, 279 Steinmeyer-Sievers 2, 638, 56; bey schönem wetter still vnd lind, wann sich erhebt kein rauher wind, vnd der grim boreas nit weht Spreng Ilias 62a; sobald ich zu Rom wieder eintrat, war mirs, da eben ein sirocco wehte, als ob ich ersticken sollte Gleim briefw. 2, 432 Körte; jetzt weht der scirocco Göthe Weim. I 31, 24; der Thrakias werde in Italien ... Kirkas genannt, weil er vom vorgebirge Circeji her wehe Niebuhr m. geschichte 1, 27; aura, du wehest so sanft! o zephyr, wie wehest du lieblich Herder 23, 283 Suphan; der zephyr, der mich zu erfrischen sonst wehte, stürmt und wird zum nord Göthe Weim. I 4, 181; milder wehen zephyrs flügel, augen treibt das junge reis Schiller 11, 199 (klage der Ceres). I@A@2@b@bβ) aus deutschen mitteln bietet sich nur éin poetischer einzelname dar: den hayn färbt frisches grün, die weste wehn gelinder Cronegk schriften 2, 97. die andern geben nüchtern die richtung an: so die mitteglichen wind ween Luk. 12, 55 codex Teplensis; weent erste gedr. bibel (1466); wenn jr sehet den sudwind wehen Luther 1545 (weben 1522—27); mittags wind wehen Dietenberger (Mainz 1534) und Eck (Ingolst. 1558); wenn jhr sehet den sudwindt wehen Nigrinus von zäuberern (1592) 137; wenn gy sehen den südenwindt weyen nd. bibel (Wittenberg 1599); ein südwind auf brennenden sohlen ... wehte mir ins gesicht B. v. Arnim frühlingskranz (1844) 79; als ich erwachte, wehte noch immer der warme südwind G. Keller ges. werke 2, 9; ein feuchter nordwest wehte vom meer über die landschaft Storm werke 1, 79. I@A@2@cc) nach der zeit zu der er weht. I@A@2@c@aα) tageszeit: säuselnd wehn die abendwinde Herder 25, 148 Suphan; weht, o wehet, liebe morgenwinde Mörike 1, 175 Göschen; der morgen (statt morgenwind) wehte frisch durch den frühling J. Paul Titan 2, 49. I@A@2@c@bβ) jahreszeit: und feucht wehen am abend die herbstwind über die stoppel Voss sämtl. ged. 2, 98; die kiele streichen hin; in der einsamen mittagsstunde sitzt Isote auf dem verdeck. der sommerwind weht in ihren goldenen haaren Storm werke 1, 47 (späte rosen). poetisch frühling, juni statt frühlingswind, juniwind: doch hat dir blumenkränze des frühlings hand gestreut, und ruhst du, wo er im schatten weht Klopstock 1, 13 (Wingolf 4); dasz für heimische, für gäste herrlicher das thal erglänze, dem ein neuer frühling weht Göthe Weim. I 16, 311; genieszen sie (die götter) kost der unsterblichkeit, sie im westlichen Elysion, woher frühling weht Voss antisymb. 2, 37; da die Apenninen ... oft noch mit schnee bedeckt sind, wenn zu Rom schon der frühling weht Niebuhr 3, 440; der winter zieht fort, der frühling weht Heine 2, 6 Elster; noch einmal legt ein junges herz an meines seinen starken schlag; noch einmal weht an meine stirn ein juniheiszer sommertag Storm werke 1, 22. I@A@33) zu formelhaftem gebrauch führen zwei eigenschaften der naturerscheinung. I@A@3@aa) der wind weht immerfort, soweit menschen zurückdenken können. namentlich die wasserkante und die norddeutsche tiefebene kann sich der deutsche nicht ohne ihn vorstellen. solange der wind weht heiszt darum hier schon im frühen mittelalter 'seit ewigen zeiten': ock schal de vaget van wegen des köninges gerechticheit alle jar up s. Martens Dach by sunnenschin den köningtins entfangen, und de den nicht utgift by den sunnenschin, den schal de tins dubbelt upschlahen, so vaken de klocke sleyt, de hane kreyt, de wind weit, sunne und mand, ebbe und flot up und dale geyt brem. urkundenbuch 1, 338 f. (1259); also langh soe di wynd fan da wolkenen wayd altfries. landrecht bei Richthofen 1122a; alzo langh als wynt wayet ende kynt scrayet, gres groyet ende bloem bloyet rechtsquelle von 1475 das.; so lange de wind waiet un de hane kreiet, ist eine sehr alte formel für: zu ewigen zeiten brem. wb. 5, 164; entspr. Richey 337; so lang de wind weit unde haon kreit bedeutet die unendliche zukunft Danneil 246; so lang de wind weijet un de haan kreijet 'immerhin' Dähnert 544b; so lank de wind weid un de hâne kreid Doornkaat Kool man 3, 529b. I@A@3@bb) der wind weht nur drauszen, wer daheim bleibt, schützt sich dagegen, wird aber vom sprichwort darum verachtet: noch jetzt beurkunden sprichwörter des reisetriebs deutschheit ... 'er hat sich keinen wind um die nase wehen lassen' Jahn volksthum 444; ich ... habe mir lassen wind um die nase wehen Iffland theatr. werke 2, 95 (jäger 3, 3); das sprichwort setzt A. v. Droste voraus: um meine scheitel wehte mancher wind werke 2, 116. I@BB. charakterisiren will die wahl des milderen subjects luft; ausgesprochen ist diese absicht in der abgrenzung gegen synonyma bei Comenius: wann eine sanffte lufft wehet (spirat), erquicket sie vns, vnd dewet auf was gefroren ist: wann ein starcker, hefftiger vndt vngestümer windt bläset (flat), schüttelt er, reisset darnieder, wirft vmb vndt vmb janua (1643) § 55. stets ist das subject irgendwie bestimmt, auszer etwa im sprachgebrauch der physik: einen geschlossenen körper, in welchem die luft weht und oxydiert Oken allg. naturgesch. 1, 8 (1839). I@B@11) luft im eigentlichen sinne. I@B@1@aa) I@B@1@a@aα) der singular mit adverbialer o. ä. bestimmung: auch erfuhr ich, dasz ihr mund und andere theile ihres körpers mit den gewürzinseln die aehnlichkeit hätten, dasz sie, wenn die luft herüber weht, ihren duft ... verbreiteten Bahrdt geschichte s. lebens (1790) 2, 89; wie so köstlich wehet die luft von meinen heymath-gebürgen Schiller 2, 128 (räuber 4, 1); so guck' einmal, nebst deinem theuern weibe, auf meinen rock, durch deines fensters scheibe, und sieh die luft in hundert hadern wehn, und meinen leib dem winter offen stehn Bürger 31b; die luft ... weht hier und dort, weht überall Becker Mild. liederbuch (1799) 10; bis die luft der strasze um sein erhitztes gesicht wehte O. Ludwig ges. schriften 2, 328. I@B@1@a@bβ) gut entwickelt ist namentlich die bestimmung durch attributives adjectiv: wie wir (der insel) endlich nahe kamen, wehte uns eine wunderliebliche ... luft entgegen Wieland Lucian (1789) 4, 190; führt ... zur weiteren gebirgsebene ... wo nun schon wahre kühle alpenluft weht Ritter erdkunde (1822) 1, 202; schnell verdampft die nässe in der lauen luft, welche durch die straszen weht E. Th. A. Hoffmann sämtl. werke 1, 10 Grisebach; (sie) lieszen Emerentien in ein anderes bad, worin eine zehrende und abmagernde luft wehte, reisen Immermann 1, 63 Hempel; nun weh an diesem orte, o goldne luft, fortan Rückert werke (1867) 1, 140; ich legte es (mein haar) mit dem gröszten vergnügen auf den altar des vaterlandes und fühlte behaglich die frische luft um meinen geschorenen kopf wehen G. Keller ges. werke 2, 90; wo die rohe russische luft so herbstlich und unmenschlich weht briefe von und an Herwegh 18; vom park her wehte die warme, weiche luft des maiabends herein v. Polenz Grabenhäger 2, 150. attributiver bestimmung steht hier die diminution nahe: so offt ein lüfftlein weht, so ist kein haar an ihm, das nicht zu berge steht Rachel sat. ged. 60 neudr.; in den zweigen über ihr rauschte es wunderbar, wie wenn sie aus eigenem antriebe sich selbst bewegten, denn kein lüftchen wehte Holtei erz. schriften 5, 108. I@B@1@bb) der plural spielt eine relativ gröszere rolle. I@B@1@b@aα) adverbial oder ähnlich bestimmt: frühlinges lüfte wehn. der himmel heitert sich Herder 27, 44 Suphan; da wehen die lüftchen so schaurig Bürger 2, 29; liesz den kehrenden wandrer die fluth bestehn, dasz er sterbe, wo lüfte der heimath wehn Freiligrath ges. dichtungen (1886) 5, 122; die lüfte, die daher wehen (von der heimath) Herder 17, 311 Suphan; die lüfte, welche süsz und sommerlich in den chor der cicaden wehen Humboldt kosmos (1845) 2, 18. I@B@1@b@bβ) mit attributivem adjectiv: die grosze hitze wird durch frische lüfte gedämpft, die fast den ganzen tag über wehen Göthe Weim. IV 29, 259; und Apoll belebt die stille seiner thäler, seiner höhen. süsze laue lüfte wehen I 2, 24; da lacht ein milder nie bewölkter himmel und leichtre lüfte wehn Schiller 13, 210 (jungfrau 1, 7); dort wehen sanft're lüfte Müllner dram. werke (1828) 2, 9; nur wellen ziehn, und leise lüfte wehen mit süszem duft ums holde brautgemach E. Schulze bez. rose v. 1995. I@B@22) der übertragene gebrauch bevorzugt den plural: die lüfte gottes wehten Schubart leben u. gesinnungen 2, 3; in den bildern dieser (dichtung) ... wehn erquickende lüfte Herder 2, 33 Suphan; der dichtkunst heil'ge lüfte wehen Körner werke 2, 21 Hempel. I@CC. nur übertragen steht hauch als subject des wehens: der hauch des gottes, der Adelberts flöte zu beseelen schien, wehete in ihre saiten Pfeffel pros. versuche (1810) 6, 41; es weht wie ein eisiger hauch über mein leben Pückler briefwechsel (1873) 1, 458. in übertragungen auch sturm: der in der noth mich kennt, nicht aus dem spiel sich drähet, so bald ein unglüks-sturm und trübes lüftlein wehet Rachel ged. 85 neudr.; gleich einem schwanken rohr, wann zweiffels-stürme wehn Heräus ged. 201 (1721). I@DD. so selbstverständlich ist die luft subject des wehens, dasz sie bei unpersönlichem gebrauch mit sicherheit ergänzt wird. auch in syntaktisch doppeldeutigen fällen ist die beziehung nicht zweifelhaft: weisz doch gott mit welchem hirten sie auf's neue sich ergeht: musz ich in das meer mich gürten, wie es sauset, wie es weht Göthe Weim. I 3, 31. I@D@11) das bedürfnisz nach einem impersonale hat sich, wie bei andern wetterbezeichnungen (es regnet, schneit, hagelt, blitzt, donnert, wittert, friert, thaut) früh eingestellt: so iʒ uuat, so uuagot iʒ. so iʒ regenot, so nazscent te bouma. so iʒ uuat, so uuagont te bouma st. Galler Hieronymushs. des 10. jahrh. Müllenhoff und Scherer denkm. 31, 58 f.; dô wâte eʒ vor der selben zît: alsô wæte (lies: wæt) eʒ iemer sît Rudolf v. Ems Barlaam 257, 17; eʒ wæe, eʒ regen, eʒ snîe, eʒ tuoo daʒ oder ditze, gedanken ich an schrîe Hadamar v. Laber jagd str. 291; wann sie (die esel) langsam und faul herein gehen, als dann wehets oder regnets gern Albertinus Gusman 165; ein soldat stunt uff der wacht, als es sehr schneyte, hagelte, wehete, so dasz der arme übel gekleydte soldat halb erfroren in das wachthaus lief Weidner apophth. 4, 170; hat weit dat sööwen prêstern (skruadern) kön ian kualwskan eg hual friesisches sprichwort Haupts zeitschr. 8, 356; hat weit an hat sneit an hat skap hat dreit das. 371; komm, goldne zeit ... komm zu uns, wo dir es schon im haine weht, und herab von dem quell schon tönet Klopstock 1, 17 (an Giseke); er hat sie gelehnt an den eichensprosz ... die inhaltvolle Telyn! es weht um ihre saiten, und sie tönt von sich selbst: vaterland! 1, 244 (hügel u. hain); aus verborgnen grotten und felshöhlen her weht' es unter den bäumen hervor maler Müller werke 1, 41; dir (dem eichhorn) sagts der geist, wie der wind sich dreht, du stopfest zuvor ihm die klinzen, und lauschest behaglich, wie's drauszen weht, du frohster verzauberter prinzen Rückert ges. ged. 4, 271; die erde dröhnt; von Deutschland weht es her, mir ist, ich hör ein lied im winde klingen, es kommt heran schon wie ein brausend' meer, um endlich alle schande zu verschlingen Storm werke 1, 149. I@D@22) in moderner prosa ist das gebiet von es weht beschränkt durch es zieht, das für den durch widerstände eingeengten und dadurch beschleunigten luftzug (nicht wind) allein gilt. heute fällt darum die folgende wendung auf: man ... setzte sie (die genesende) vor ein fewr in ein gemach, dar es nicht wehete Kantzow chronik von Pommern (letzte bearb.) 401 Gäbel. I@D@33) es weht ist die gelindere bewegung der luft (s. o. Comenius), ausnahmen sind selten: i, nu will't waien! sagt man, wenn sich einer zu viel heraus nimmt: nun will es gar zu arg werden brem. wb. 5, 165. im ganzen bedarf es einer ausdrücklichen verstärkung, wo wehen einmal den scharfen luftzug bezeichnen soll. I@D@3@aa) seltsam und vielleicht eher transitiv im mnd.: (am 22. nov. 1412) so de lude wolden slapen gan, weygede it so groten starken storm, dat des gheliken nement denken mochte brem. geschichtsquellen 141 Lappenberg; ok weyede it vele stormes (gen. abhängig von viel), dat de schipvarenden lude wol vornemen, de uppe der zee vordrunken Detmar chronik 2, 343 Grautoff (1472). I@D@3@bb) in nhd. prosa wird durch adverbien verstärkt: da wehet es erst sawer vnter augen Luther Jen. 6, 49b (1533); il vente fort ... es wehet starck, der wind gehet sehr Duez nomencl. 14; die mittelste (klippe) ist niedrig, wanns hart wehet, so gehet die see darüber Manson seebuch 12; diese nacht hat es stark geweht. ich denke bei jedem windstosz an die armen marschen Niebuhr leben 3, 128. qualitative adverbien sind jung: hier auf dem hügel weht es kühl Kretschmann sämtl. werke 6, 247; kalt weht es und stürmisch aus norden Chamisso werke 3, 72; es wehte so lau herüber über's dach Holtei erzähl. schriften 15, 154. IIII. die luft ist der nothwendige träger von feuer, schall und geruch, darum stets betheiligt, wo im leben diese drei wahrgenommen werden. so kommt die sprache der dichtung dazu, ihnen die eigenschaft des wehens zuzuschreiben. II@AA. flamme, licht, glut weht, d. i. sprüht, glüht, flimmert, züngelt. II@A@11) im eigentlichen sinne. die alten ansätze bleiben ohne fortgang: man sach dâ fiwer ûʒ helmen wæn unt swert in henden umbe dræn Parzival 222, 5; das frauenbild, vor dem zwei kerzen wehen, das war's, dem man die ehr' erwies Stoppe Parnasz 1, 112. II@A@1@aa) besonders geeignet ist flamme als subject dieses wehens, weil es den begriff des züngelnden, flatternden (s. u. V B) herausarbeitet: dann seh ich ... flämmchen erwachen und wehn Klopstock 2, 120 (bündnis); kein jüngling mehr, in dem noch flammen wehn, bleibt ohn' erröthen bey uns stehn Lenz ged. 102 Weinhold; vom wind gegeiszelt, wehn die flammen schon bis an des giebels höh'n Schiller 1, 234; wenn die flamme weht Tieck schriften (1828) 1, 83. II@A@1@bb) ein gleiches gilt für die fackel unter den gebilden von menschenhand, die morgenröthe unter den naturerscheinungen: es wehten fackeln in einem weiten kreise spanischer soldaten hin und wider Göthe Weim. I 8, 286; und schon dunkelten die fluthen, und sie liesz der fackel gluten von dem hohen söller wehn Schiller 11, 342 (Hero u. Leander); die flügel der morgenröthe wehen Klopstock 1, 251 (mein vaterland); hoch Aurora flammend weht Eichendorff ged. 2, 131 Dietze. II@A@1@cc) alle anderen bindungen bleiben wagnisse einzelner dichter: wohin du schaust, da wehen funken noch in seinem fuszpfad Schubart sämtl. ged. (1825) 2, 11; wie des dampfes säule weht, schwinden alle erdengröszen Schiller 11, 395 (siegesfest); da wir heut das fest begehen, dem tausend freudenfeuer sprühn, und, wo sie nicht von bergen wehen, doch tief in allen herzen glühn Uhland ged.2 100; aus dem blütenschnee fühlt' eine glut ich wehn Rückert ges. ged. 4, 387; die gräber bersten und die sarkophage, durch öde grüfte weht des lichtes helle Platen 187 (gläs. pant. 3). II@A@22) auch im bildlichen gebrauch steht die flamme voran, nur die fackel folgt hier: wenn die flamme deines zorns weht maler Müller werke 1, 175; die flammen meiner seele wehen bis zum körper und sengen den mürben lebensfaden ab J. Paul Hesperus 2, 240; die göttliche flamme, die in allen weht Wackenroder herzenserg. (1797) 78; noch läszt zu nimmermüdem streben die forschung ihre fackel wehn Geibel 4, 232 (heroldsrufe). II@BB. töne wehen, d. h. sie klingen weit ins land: man hôrte vogeldœne hôh in den wolken wægen. man sach ûʒ sæten drægen die lerken gên den lüften Reinfrid v. Braunschweig 2827 Bartsch; nachrichten werden ruchbar: Servatius heilt durch handauflegen einen geborstenen altar: daʒ zeichen wîten wæte Servatius hg. von Haupt (zs. 5) v. 1064. II@B@11) nhd. gilt dieses wehen zuerst von seufzern: lasz fliessen dein hertz vnnd augen, lasz winden vnnd wehen deine seufftzer, lasz gehen in lüfften deine begirden: zu mir, zu mir soltu schreyen Spee g. tugendb. 221; was sie (die gottverlobte) weint, das weinet sie mit wonne; was sie seufzt, das wehet himmelan Bürger 98b; ein pilger ... der freundlich sich zur seite dreht, woher des fräuleins seufzer weht maler Müller werke 1, 245; und seufzer wehn, die selten ich ersticke Platen 104; doch sehnsuchtsthränen rinnen, und seufzer wehn: von hinnen! ach von hinnen! Fouqué reiseerinnerungen 1, 266 (1823). II@B@22) wo worte zum subject erhoben werden, sind es vorwiegend gelinde und freundliche: da weht' es oft so bittend und so schmeichelnd, oft, wie ein göttergebot, von den zarten, blühenden lippen Hölderlin dichtungen 2, 111 Litzmann; wenn was irgend ist geschehen, hört man's noch in späten tagen; immer klingend wird es wehen, wann die glock' ist angeschlagen Göthe I 4, 71; wohl, rief sie, wohl, so schwör' ich dir den frommen schwur der liebe ... er wehe hoch zum haus des herrn Platen 2; wie schnell zusagen wehn aus fürstlichem mund, und ach! gleichschnell verweht sind 116; der elfenton altnord'scher lieb' und kunst weht durch den sinn ihm Fouqué held des nordens (1810) 1 A 2a; dazwischen hört' ich eine stimme wehen Mörike werke 1, 54; und dann wehte durch's ganze gedicht ein unverkennbar heimathlicher ton Holtei erz. schriften 24, 256. möglich sind aber doch auch harte worte: und es ist als wehte mitten durch gebete dumpfer flüche schall Rückert ges. ged. (1837) 3, 423; waffengelärm und wilder kampfruf weht durch den sturm, tosend schwingt sich die geisterschlacht durch die lüfte Scheffel Ekkeh. 222. II@B@33) vor allem hat Eichendorff die fügung geliebt: und nun wehen lerchenlieder, und es schlägt die nachtigall gedichte 75 Strausz (der schalk); schon wehen wunderklänge aus der ferne 100 (glückliche fahrt); keine glockenklänge wehen mehr fromm über die felder 2, 184 Dietze; das waldhorn (statt: der ton des waldhorns) fromm wird auf und nieder wehen 197. nächst ihm Lenau: ich mein' ich höre wehen leise deiner stimme klang ged. (1857) 1, 34; durch den wald vom himmel weht eine leise liebeskunde 90; durch alle haine weht die trauerkunde 98; wohl hast du ihrem ruhm gelauscht, der weit durch die Provence wehte werke 4, 36 Grün (Albigenser). II@B@44) neuere dichterinnen bilden den wortgebrauch fort: wo bist du denn, o hort, o lebenshauch? kannst du nicht wehen, dasz mein ohr es hört? Droste-Hülshoff 3, 77 Cotta; doch wills nicht gelingen, aus tönen, die mir entgegen wehn, die melodie zu verstehn Hertha König sonnenuhr (1910) 6. II@CC. düfte wehen ist die jüngste der drei fügungen. mit seltener ausnahme stumm steht er da, ein ritterlich phantom, und um ihn wehn des moders feuchte düfte Droste-Hülshoff 2, 248 Cotta sind es blumendüfte. II@C@11) das wort duft scheint dabei unentbehrlich, ausnahmen sind: hier wehet eine zimmet-lufft Stieler geh. Venus 92 neudr.; wohlgerüche wehten durch die luft Kosegarten bei Campe 5, 627b. am abend wehet mein reinster duft Pfeffel poet. versuche 2, 125; an den bergen umher wehet der lilien duft Herder 26, 27 Suphan; wo du gehst, werden düfte wehn maler Müller werke 1, 203; lasz mich duft der rosen kosten, der von meiner heimat weht Rückert ges. ged. 4, 191; ein maienathem kommt aus deinen landen her, es weht wie duft vom ort, wo wir uns fanden, her Platen 81 (gas. 97); der duft von unsern fliederbüschen wehte Schnitzler gr. kakadu (1899) 43; II@C@22) nur durch zusammensetzung wird es gelegentlich variirt: was streift vorbei im dämmerlicht? war's nicht mein holdes kind? und wehten aus dem körbchen nicht die rosendüfte lind? Uhland ged.2 45 (vorabend); noch wenig schritt', hier wehte fliederduft Droste-Hülshoff 2, 107 Cotta. IIIIII. wie die den menschen umströmende luft, weht auch die ihm entströmende. der crepitus ventris spielt dabei kaum eine rolle (er liesz einen wind wehen. ei fece passare vn vento Güntzel [1648] 845), umsomehr der athem, dem ja schon der der blume entströmende duft mindestens poetisch nahe steht. auf die gehobene rede der neuen zeit bleibt auch dieses wehen beschränkt. III@AA. der eigentliche gebrauch ist schwer vom bildlichen abzugrenzen: den meisten weht's aus einer brust bald heisz, bald kalt; sie sind zur lust und unlust gleich geschwind Bürger 47a; ich zog, da ging lebendig der odem in meinem busen. noch weht's; ich reckte mein ohr hin, da klangs maler Müller werke 1, 16, doch ist er in zweifellosen fällen und bis heute vorhanden: wohin jhr athem wehet, ihr athem also bald, gleich dem westwind auszseet der blümlein mannichfalt Zinkgref auserl. ged. 56 neudr.; keinen süden wil ich sehen, wenn mir, liebste, nur beginnt vmb die lippen her zu wehen deines mundes süsser wind Königsb. dichterkr. 87 neudr.; schiffet heim zum theuren lande wo ihr athem weht Schiller 11, 237 (Toggenburg); nur ein stilles leben führen wollt' ich, wo dein odem weht Heine werke 1, 32 Elster; während sie sprach, belebten sich ihre augen, von ihrem feinen munde wehte ein hauch zu Eustach hinüber, der ihn gefangen nahm Zahn die da kommen u. gehen (1909) 187. vom athmen des thierrachens braucht Lenau wehen: denn wenn ein feind sich schleicht in seine nähen, der sieht im glühwurm roll'n des tigers augen, der spürt im nachtwind seinen rachen wehen werke 4, 3 Grün (Albigenser). nur als nachbar des athems kann das lächeln wehen: der tiefe, beinahe wehmütige ernst der züge ... war durch ein lächeln gemildert, das fein und flüchtig um die zarten lippen wehte Hauff 7, 81 Hempel. III@BB. häufiger ist bildlicher gebrauch der fügung III@B@11) namentlich neben lebensodem: der strom der zeit steht nie still; jetzt rieselt er sanft, jetzt rauscht er gewaltig; allenthalben aber wehet auf ihm othem des lebens Herder 17, 5 Suphan; lebensodem zur erneuung weht gewisz auch über mich Bürger 11b; leben odem wehte überall maler Müller werke 1, 16; ihr blumen am gestade, wo weht des lebens odem? 85; was in diesem schönen aufruf antiker welt (der Iphigenie) doch als geheimer lebensathem der gegenwart weht und wirkt Varnhagen v. Ense denkwürd. (1837) 1, 421. hierher auch: sein (gottes) odem weht durch diese strahlenlaube Tiedge bei Campe 5, 627b. III@B@22) freier schaltet Rückert: meint ihr, wenn meines odems stürme wehen, die burgen eurer feinde werden dauern? werke (1867) 1, 18; wohl hat, als dumpfer brodem der knechtschaft uns umgab, ein leiser freiheitsodem geweht von diesem grab 76; solang als gottes odem weht ges. ged. (1873) 3, 436. III@B@33) auch die neuere prosa verfügt über das bild: die allgemeine theilnahme, deren odem er um sich wehen fühlte, hatte ihn erst recht befestigt Ranke werke 1, 335; die unvergänglichen denkmale der frühesten jahrhunderte, in denen der odem der jungen menschheit weht ... bekam das deutsche volk jetzt ... in die hände 2, 57; jener athem von unabhängigkeit, der in ihm weht Nitzsch d. studien (1879) 177; die Berliner luft ist doch etwas stickig und hat nichts von dem atem gottes, der drauszen weht Fontane ges. werke I 5, 306. IVIV. die eigenbewegung, deren ursache man nicht sieht, können körperliche gebilde und abstractionen mit der luft theilen. IV@AA. die alte sprache sieht windartige eigenbewegung, ein sprühen, in dem splitternden holz und im blut, das aus der wunde spritzt: trunzûne starc al niuwe von in wæten gein den lüften Parzival 262, 19; der helt was zornes dræte: er sluog in daʒ im wæte vome schafte ûʒer swarten bluot 155, 2; von Parzivâles drucke bluot wæte ûʒ ôrn und ûʒ der nasen 212, 25; (Morold verwundete Tristan) daʒ daʒ bluot ûf schræte und after dem werde wæte Tristan 6934; swa die knöphe der gaislen hin giengent, da zuktent sú im daʒ flaisch von dem ruggen, und wâte im daʒ bluot nach der gaislen st. Georger prediger 29, 28 Rieder. IV@BB. moderner sprache ist das fremd geworden. sie kennt ein wehen bei ätherischen wesen, die sich die phantasie aus luft und licht gebildet denkt: zum sehen nicht taugen die thränenden augen; sonst müsztet ihr sehn von hinnen mich (mein unsterbliches) wehn Rückert ges. ged. (1837) 3, 94; die ziehenden chöre der schattengestalten wehn hinter ihm drein 167; die geister ... die um sie (die bäume) wehen und weben Arndt sämtl. werke (1892) 1, 243; das alter ist ein dämmerungsfalter, der recht unheimlich um unsere ohren weht Stifter studien (1850) 5, 193. die lautlose rasche leichtigkeit der bewegung beherrscht die vorstellung so stark, dasz, wenn diese elemente gegeben sind, derartiges wehen auch von leibhaften wesen gesagt werden kann: das wild weht den berg hinauf Withof bei Kinderling reinigkeit (1795) 437; sie weht' im hemdchen an die thür und liesz mich still hinein Bürger 103a. mundartlich ist dieser sprachgebrauch fest geworden: hê weide hâst weg — man weid hâst up Doornkaat Koolman 3, 529b. IV@CC. nhd. das hauptgebiet dieses wehens sind aber abstractionen. IV@C@11) in aller sprache wird der geist als hauch behandelt, seine bewegung ist demgemäsz ein wehen. IV@C@1@aa) in religiöser färbung ist der sprachgebrauch alt: (der hl. geist) wil si durchwêgen mit sinen genadon ... sin gaist hât gewêget und diu waʒʒer der zeher diu sint vlieʒʒende worden Grieshabers predigten 1, 33; man fühlt alsofort, dasz ein höherer geist im ganzen buche (der apokalypse) weht, als in irgend einem werk des menschlichen genies Jung-Stilling werke 3, 19 Grollmann; o allmacht! rief sie, die um dieses grause staubgewühl weht, o höre mich! Benzel-Sternau bei Campe 5, 627b; woher er (der heilige geist) kommt, wohin er weht, das hat noch niemand ausgespäht Göthe Weim. I 5, 132; hier webet gottes geist ... du hörst sein wehn Voss sämtl. ged. 5, 72. IV@C@1@bb) von weltlichem geiste findet sich der ausdruck in vielfältiger abschattung: doch eh' ich Erlang verlasse, so musz ich noch den musikalischen geist preisen, der damals daselbst wehte Schubart leben 1, 55; lesen sie mehrere, frühere oder spätere oden Klopstocks, und läugnen noch, dasz auch auf deutschen höhen oder in ihren thälern ein prophetischer geist der zeiten wehe Herder 17, 67 Suphan; bei ihrer (der gemmen) betrachtung weht ein belebender geist über die endlosen trümmer Göthe Weim. IV 42, 274; der alte Vasari, in welchem der geist der urväter der kunst noch wehte Wackenroder herzenserg. (1797) 40; geistergeschichten! wo geister spuken weht kein geist Jahn volkstum 202; obschon dieses büchlein in Paris gedruckt ist, so hoffe ich doch, sie werden finden, dasz ein rein deutscher geist darin weht Görres ges. briefe 3, 122; so viel ist klar, dasz in allen hervorbringungen schon gegen die mitte des jahrhunderts hin, ein anderer geist weht Ranke sämtl. werke 37, 318; der geist groszer heldenzeit weht drin (im Waltharilied), wild und fast schaurig Scheffel Ekkeh. 425; und der geist der alten helden wehte in den tannen Körner 3, 7. IV@C@1@cc) die feste formel der geist weht zieht freiere wendungen nach sich und wird von ihnen vorausgesetzt: schöpfung wehete in seinem allmächtigen barte maler Müller werke 1, 87; eine kalte strenge weht durch das ganze lied Scherer literaturgesch.7 55; aus jedem lied weht, was gewehet im ersten hat Rückert ges. ged. 4, 118. IV@C@22) alle andern verbindungen sind auf die sprache der dichtung beschränkt. neben wechselnden abstractionen steht wehen seit dem 13. jahrh. bis jetzt: wand sin kint vur in bat, do sin gesicht (die sehkraft) im wider wart (lies: wat) uʒen an den ougen passional 302, 96 Köpke; diu red ist üppec, und iuwer zunge lüppec: dâ wæt von der gæhe tôt Reinbot v. Durne Georg 4179 Kraus; erzöllen den andern jhren gesellen, was für gefärligkait vnd angst vns vnder augen gewähet het Schaidenreiszer Odyssea (1538) 39b; von dem orte wo der pforte drohende gefahren wehn Göthe Weim. I 16, 204; so lang dir das glück weht so hast du gute freundt zs. des mähr. landesmus. 1, 134 (aus Znaim); so lange das glück meinem vatter günstig wehete, dacht ich, dasz es beständig nur liebliche düfte hauchen würde; aber izt hat das unglük so heftig auf ihn zugestürmt Bodmer Karl v. Burgund 19, 30 neudr. (3, 1); heiterer friede wehte unter uns Pfeffel pros. versuche 5, 139; durch die ganze natur weht jene kraft Hufeland kunst d. leben zu verlängern (1797) 3. IV@C@33) von menschlichen gedanken und erinnerungen: schon wehten leise ahndungen in seinem geiste: ist es dieser misztrauische sultan wohl werth, dasz ich mich ihm aufopfre ...? Klinger 7, 127; ist es denn solchen (lesern) noch dunkel, dasz dreifache spitzbüberei hier wehe und spinne? Jean Paul werke 40, 119 (holzschnitte); so wehten thöricht vorwärts die gedanken Chamisso werke 4, 156 Hitzig (Salas y Gomez); wie der wind zu herbsteszeit mordend hinsaust in den wäldern, weht mir die vergangenheit von des glückes stoppelfeldern Lenau ged. (1857) 1, 103; wie wird das bild der alten tage durch eure träume glänzend wehn Freiligrath 1, 18. IV@C@44) vor allem aber von gefühlen, stimmungen und leidenschaften: ûʒ dîner wunden jâmer wæt Parzival 160, 26; ey reiner man Jhesus, wie manig bitter zorn sus vor dinen oren wete Heinrich v. Neustadt gottes zukunft 2525 Singer; wie das meer gantz ungestim, dasz die schif oft untergehen: also kan zu hof der grim eines fürsten ärger wehen Weckherlin 2, 255 Fischer; wenn für ihn zum himmel tausend wünsche wähen Denis lieder Sineds (1772) 106, 11; wo über Ekhofs grab geheime schauer wehn Gotter 1, 271; angst rieselt ihm durch mark und bein; ihm wird so schwül, so dumpf und taub! entgegen weht ihm kaltes grausen, dem nacken folgt gewittersausen. das grausen weht, das wetter saust Bürger 71b (der wilde jäger); entspr. 72b; welch ein lispeln, welch ein schauer weht vom grabe des geliebten Göthe Weim. I 5, 12; doch gibt es noch ein süszes, das vom innern zum innern spricht, genieszbar in der ferne, das kann nur bis zu dir hinüber wehen I 2, 14; seliger trost wehet um ihn maler Müller werke 1, 87; kalt wehn des grabes schrecken wo dräuend der granit in kühngethürmten blöcken den abgrund übersieht Matthisson ged. 132; ängstigende ahndung weht um mich. mir dünkt, ich sehe die unsichtbaren dämonen schadenfroh lachen und die gierigen zähne fletschen Tieck Vitt. Accorombona 2, 103 (1840); schauer weht von diesen wänden (des grabgewölbes) Grillparzer werke (1874) 2, 131 (ahnfrau 5): zwar du lieszest nicht die stimme kritischer vernunft erschallen, aber nach dem kapitole, dessen höhn ich jetzt erklimme, lieszest wehn du mir begeistrung Platen 65 (verm. ged.); ein leises etwas, nenn' ich wink es oder grusz, weht von dir zu mir und lindert unsre plage lange schon 85 (gas. 122); es ist worden kühl und spät, nebel auf der wiese weidet, durch die öden haine weht heimweh — alles flieht und scheidet Lenau ged. (1857) 1, 115; und wie reizend ist die dirne, wenn sie vor dem räuber steht und um ihre blonde stirne glühend hasz und neigung weht Geibel 2, 36 (Juniusl.); lasz einmal noch durch meine brust des vollen lebens schauer wehn, eh seufzend in die grosze nacht auch meine sterne untergehn Storm ges. schr. 1, 25; nur eine liebe weht in unserm bunde, nur ein gedank' im festlichen gewühl Waiblinger ged. aus Italien 92 Grisebach. VV. alle bisherigen gebrauchsarten kennen wehen als eigenbewegung. seit dem mittelalter kann wehen, mit umsprung des subjects, auch von körpern ausgesagt werden, die der wind trägt. V@AA. der gewehte körper wechselt als ganzes den ort. V@A@11) am frühsten sind es sehr massive körper, die dergestalt wehen, so dasz der ausdruck gewissermaszen als hyperbel neben dem wehen etwa von lanzensplittern steht: reht als diu ors gewæget an (lies: ân) loufen kæmen dur den luft, sus fuoren sî nâ muotes guft Reinfrid v. Braunschweig 1044 Bartsch; in demesulven iare (1359) ... do was so grot wint in Prutzen, dat bi Groneshove weiden alle umme bome mit den wortelen ... ok de kloctorn to Mispelwalde mit al den klocken weide van der stede xvj vote gans unde untobroken Detmar chronik von Lübeck 1, 281 f. Grautoff; etliche meinten, man solte sie (die gesträuche) liegen lassen, es möchte etwan ein starcker wind kommen und sie zu dem flecken wehen Agyrtas grillenvertreiber (1670) 57. V@A@22) zumeist und jetzt immer sind es aber doch dinge, die nach aller erfahrung vom winde getragen werden: dat schip weid d'r man so hen Doornkaat Koolman 3, 529b; ein pulver, das der wind hin vnd her wehet vnd wirfft Paracelsus opera (1616) 2, 345 Huser; ich sah: vorbey der eiche wehte dunkler der staub, und mein blick verlor sie (die wettlaufenden) Klopstock 1, 102 (die beiden musen); denn wie empor an blauen himmelshöhen mit meiner kraft zugleich die sonne schwebt, und weit hinweg die dunkeln wolken wehen, die dort das licht, wie mich das leid, umwebt E. Schulze bez. rose v. 19; aber Luna lenkt die zügel über thal und waldeshügel, aetherwölkchen wehn und tragen ihren klaren silberwagen Platen 20; die letzten gelben blätter wehten von den bäumen Storm sämtl. werke (1899) 1, 158. V@BB. viel reicher entwickelt ist wehen von dingen, die an einer seite fest sind und mit dem freien ende flattern. die anschauung ist im wehen der flamme (oben II A) schon angebahnt. derart wehen V@B@11) leichte kleider: sô hol wæren diu füeʒelîn, sleht ze tal und ûf gedrât, alse ir von loufe daʒ hemdel wât und der burgrævinne biz an diu knie Ulrich v. d. Türlin Willehalm 192, 4 Singer; wehet das flügelkleid dir an der schulter? Hölty 72 Halm; wie die apfelgrünen bänder wehen von dem strohhut Salis ged. (1793) 32; da träumte mir, als käme die schöne frau aus der prächtigen gegend unten zu mir gegangen oder eigentlich langsam geflogen zwischen den glockenklängen, mit langen weiszen schleiern, die im morgenrothe wehten Eichendorff sämtl. werke2 3, 28 (taugenichts); wir ... lieszen bänder flattern, schleier wehen B. v. Arnim Günderode 1, 131; ihre langen röcke flogen und wehten um die wette G. Keller werke 4, 262; mir war, als sähe ich den saum seines blauen mantels durch die zweige wehen Storm werke (1899) 1, 130; Helenen's weiszes nachtkleid wehte durch die stäbe des gitterwerkes Holtei erz. schriften 20, 160; entspr. 21, 133; viel blaue, grüne röckchen wehn, gleich bunten rädern sieht man's drehn Droste-Hülshoff 2, 84 Cotta. V@B@22) haare: die haare wehten mir um die stirne maler Müller werke 1, 17; und wo die haare lieblich flattern, um menschenstirnen freundlich wehn Schiller 2, 65 (kraniche d. Ibykus); noch seh' ich ... ihr blondes haar ... im winde wehn Salis ged. (1793) 3; sieh seine graue haare weh'n um den bereiften bart Becker Mild. liederbuch (1799) 103; wie gewitterklar mein' ich dich zu sehn, und dein langes haar frei im sturme wehn Lenau ged. (1857) 1, 34; Marianne legte den hut ab. der wind risz ihr kleine haarlocken an stirn und schläfe auf, dasz sie wehten Zahn die da kommen und gehen (1909) 24. auch im bilde kann der dichter vom wehen des haars sprechen: lasz, leben, nicht so wild die locken wehen, es will so rascher ritt mir nicht mehr glücken Eichendorff ged. 113 Strausz (abschied). ohne bild beim haar der thiere: um den bug des riesenpferdes weht des reiters gelbe mähne Freiligrath sämtl. werke (1886) 1, 151 (löwenritt). V@B@33) haare und federn als helmbusch: er sprichts, und schleunig weht auf seinem haupt des fremden helmes busch, Androgeos geraubt Schiller 6, 366 (Än. 2 str. 69); grosze thaten dort geschehen durch des helden arm, ihres helmes büsche wehen in der feinde schwarm 11, 237 (Toggenburg); vom goldnen helme weisze federn wehn Droste-Hülshoff 2, 205 Cotta; ums braune antlitz wehn im morgenwind ihm weisze federn 2, 213; von den tschako's weht die feder Freiligrath 1, 72. V@B@44) was im boden wurzelt, weht mit der spitze. vielleicht hierher gehört A. v. Drostes kühnes bild: auch keiner glühen rosen schein, die üppig unter dornen wehen werke 1, 164. geläufig ist der ausdruck von gras und saat, baum und hain: und des grases spitzen wehen Gotter 1, 55; dorn und distel würden stehen, wo jetzt goldne saaten wehen Rückert ges. ged. 1, 432; weht, bäume des lebens, ins harfengetön Klopstock 1, 167 (dem unendlichen); wird sein festlicher name schon genannt, wo die palme weht? 1, 81 (friedensburg); entspr. 1, 100; zur wolke steigen, rauschen, ihm ungehört, der deutschen dichter haine, begeisterer, wehn nah am himmel sie 1, 174 (kaiser Heinrich); er ist gestorben und die palme des nachruhms weht auf seinem grabe Schubart leben 2, 28; und pappeln wehen in blauer luft Bürger 9b; um uns her am wassersaum regt sich blatt und hälmchen kaum, nur die pappel wehet Voss 5, 201; entspr. 4, 165; da wo die alte fichte allein zum himmel weht Göthe Weim. I 1, 115; eine ... birke wehte über mir Arndt sämtl. werke 1, 130; es wehn zwei bäumelein A. v. Arnim werke 13, 88 Grimm; sie haben nicht die linden gebrochen, die noch wehn Rückert ges. ged. (1837) 3, 28 (werke 1, 75); durch der linde flüstern, die leise weht, wo dein elternhaus unter blumen steht Freiligrath ges. dichtungen 5, 121; die quelle nur bricht murmelnd durch's gebüsch, die alten bäume nur weh'n träumerisch 1, 48; (der himmel) der ein einziger edelstein schien, und die riesigen lindenwipfel wehten dran hin und her, als ob sie ihn noch blanker fegen wollten G. Keller ges. werke 3, 112; die blattgehänge der birken am bahndamm wehten und flatterten wie gespenstige roszschweife G. Hauptmann bahnwärter Thiel 33. V@B@55) fahne, wimpel, banner sind zum wehen bestimmt. V@B@5@aa) im eigentlichen sinn: der admiral läst die flagge, oder schiffs-fahne wehen, the admiral has set up the flag Ludwig (1716) 2413; als auf das glück der neuen republik getrunken wurde, weheten auch in unserem garten eine dänische und nordamerikanische flagge H. Steffens was ich erlebte (1840) 1, 80 f.; cedernhäuser trägt der Atlas auf den riesenschultern: sausend wehen über seinem haupte tausend flaggen durch die lüfte Göthe Weim. I 2, 55; drum flog ein schiff heran und liesz die flagge stattlich wehen Hölty ged. 30 Halm; und läszt er gleich nicht flagg' und wimpel wehn Hagedorn versuch einiger ged. 42 neudr.; und Gallien ... dessen fahnen und wimpel unter allen himmeln wehn Ramler lyr. ged. (1772) 128; es läuft ins meer, die segel blähen sich rauschend auf, die wimpel wehen Pfeffel poet. versuche (1805) 8, 104; sobald der groszherr sich in sein kaik begeben hatte, feuerten die batterien der festung und der fregatte, bunte wimpel wehten von allen masten, und die schiffsmannschaft in ihrer rothen uniform paradirte auf den raaen Moltke ges. schriften 8, 134 (1837); bald soll des reichs banner gegen ihn wehen Göthe Weim. I 13, 1, 254; ihre teuern schwerter blitzen, ihre guten banner wehn Heine 1, 154 Elster; bald weht ein schwarzes banner hoch vom thor Droste-Hülshoff 2, 211 Cotta; schon weht von den vier kastellen herab des propheten panier Platen werke 1, 13 Hempel. als feldzeichen weht der adler in der fahne: Preuszens adler soll zum kampfe wehen Körner werke 1, 124 Hempel; zeichen, das voran im streite weht Arndt sämtl. werke 4, 15. am häufigsten doch von der fahne selbst: wo unsre fahnen vorwärts wehn, da weh auch die standart hinein, da siege rosz und mann Klopstock 1, 218 (schlachtlied); wo Machmuts fahne weht, da sinkt der muth, der muth Schubart sämtl. ged. (1825) 3, 88; das zeichen sieht er prächtig aufgerichtet ... das in so mancher siegesfahne weht Göthe Weim. I 16, 173; bis das raubnest ganz zerstört, und nichts, als eine schwarze fahne von seinem öden trümmerhaufen weht H. v. Kleist werke (1863) 2, 519 (Hermannschlacht 5, 24); flammen lodern, fahnen wehn v. Schenkendorf ged. (1815) 18; vom grauen thurme wehten bunte fahnen Geibel 1, 10; entspr. 3, 130; als die fränkischen fahnen auf den wällen von Mainz wehten Kerner bilderbuch (1849) 75; aber nicht so verstand es Wilhelm, wenn er einst die päpstliche fahne auf der flotte ... hatte wehen lassen Ranke werke 14 238; der sonnenwirth ... läszt eine flasch' um die andere springen; ich hab' gehört, er hab' einen fahnen auf'm hut wehen H. Kurz sonnenwirth 1, 128; von dem freiheitsbaum ... wehte die deutsche fahne briefe von u. an Herwegh (1896) 159; die fahne weht vom dache, die gräfin wird angekommen sein Ebner-Eschenbach 4, 131; sobald sie ihn erblickte, liesz sie ihr goldgesticktes taschenfähnlein wehen 1, 117. an fahne reiht sich farbe in gleicher verwendung: auf einer courierreise nach Berlin ... wehten in dem kleinsten städtchen die gelb-weiszen farben Moltke ges. schriften 1, 25. V@B@5@bb) im poetischen bilde: der schönheit fahne weht purpurn noch auf wang' und lippe dir Göthe Weim. I 9, 269; das leichte segel weht. es zittern well und flut Drollinger ged. 75 (1745). nur im vergleich mit wimpel und flagge möglich sind: hoch von dem ragenden mast wehet der festliche kranz Schiller 11, 87 (spaziergang v. 115); zum teppich musz er hin sich wenden, der winkend ihm entgegen weht Rückert ges. ged. (1837) 3, 71. VIVI. der substantivirte infinitiv folgt in rascherem gang dem intransitiven wehen in alle wichtigeren verwendungsarten. VI@AA. zumeist von der eigenbewegung. VI@A@11) subject ist der wind. VI@A@1@aa) schlechthin von wind, luft, oder in selbstverständlicher beziehung auf diesen (ungenannten) träger der handlung: summa, des rauchs, nebels, staubs und wehens ist hinden und vornen (in einer schlacht) ohne maszen Kirchhof 2, 304 Österley; zwar ihm strömten zurück die trocknern locken vom wehen des herwirbelnden windes Lavater verm. schriften 1, 282 (1774); ich höre ... das wehen deiner winde vom berge herüber maler Müller werke 1, 358; ich verstehe die gestirn- und himmelszeichen, das wehen aller winde und den sand im meer Grimm märchen 2, 285 (1812); die hitze ... war stark; die hohen berge hinderten das wehen der lüfte Ritter erdkunde (1822) 3, 214; denn Thyia war ... ohne zweifel göttin des winds und des wehens Welcker alte denkmäler (1849) 1, 160; unter dem wehen des windes war es ihr, als höre sie den bekannten abgemessenen schritt Storm werke (1899) 1, 127; ihr thränend auge schien den himmel anzuflehen: die haare flogen wild nach reger lüfte wehen Uz werke 297 neudr.; nichts kommt an die thür, als des windes gebrause, ein wehen und weben und wogen Rückert ges. ged. (1837) 3, 447; keines wetters last, kein wehen hindert deiner reise lauff S. Dach 687 Österley; leszt auff den hagel vnd das wehen sich nicht einmal der himmel sehen mit vnbewölcktem sonnenschein? Königsb. dichterkreis 93 neudr.; wehen flare, spirare. das wehen flatus Frisius (1703) 2, 303b. ebenso im bilde: das wehen aus der heimath ist westhauch in der schwülen hitze des tagwerks Benzel-Sternau bei Campe 5, 627b; sein nahen ist ein wehen aus der ferne, sein reden wie ein strömen von den bergen H. v. Kleist 1, 40 (fam. Schroffenstein 2, 1). VI@A@1@bb) das wehen im eigentlichen sinne wird näher bestimmt. VI@A@1@b@aα) nach seiner art durch attributives adjectiv, das neben dem infinitiv mit für das adverb eintreten musz: mit meinem starcken blost und wegen für ich zuo schne und schlos den regen Wickram 7, 299 Bolte; der ... sonnen schein kan zur see nach rauhem wehen leuten so gewünscht nicht seyn S. Dach 563 Österley; habt jhr nicht das kalte wähen, das die gantze welt erfrört sausen vmb euch her gehört? Königsberger dichterkreis 199 neudr.; ja zephyr selbst musz durch das sanfte wehen sich noch in sie verliebet sehen Neukirch ged. 286 (1744); geh hin mit deinem sanften wehen, westenwind fortgepfl. musik-poet. lustw. (1657) 1, 296; ein holder west, ein sanftes wehen ... erfüllet mich mit muht und lust Drollinger ged. 15 (1745); mit lieblichem wehen athmen die weste Klopstock oden 2, 4 (entspr. 112); ein starkes wehen erfüllet das haus Herder 19, 25 Suphan; da trieb ein kleines wehen die entfliegenden laute heiszer und näher an ihr herz Jean Paul Hesperus 3, 239 (entspr. 3, 76); die birken taumeln in dem lauen wehen B. v. Arnim Günderode 2, 138; wenn dann ein leises wehen im schönen blütenbaum ..... vollendet unsern traum Becker Mild. liederbuch 5 (1799); bei diesem kalten wehen sind alle straszen leer Uhland ged 1, 48 Schmidt (winterreise); o süszes graun, geheimes wehn 1, 16 (schäfers sonntagslied); was weckst du, frühling, mich von neuem wieder? dasz all die alten wünsche auferstehen, geht übers land ein wunderbares wehen Eichendorff ged. 76 Strausz (frau Venus); ihr busen stieg, wie sanft im schwülen wehen der sommerluft ein weiszes segel schwillt E. Schulze bez. rose v. 257; oft, wenn ein melodisch wehen durch der säulen hohlen schaft zog, sasz er dort, sang schöne lieder Scheffel trompeter 164; und in den büschen ein schaurig wehn Bierbaum irrgarten 207; noch stand der sternseher am offenen fenster und athmete das wilde aber nicht kalte wehen ein Raabe leute aus dem walde 2, 92. VI@A@1@b@bβ) nach seiner richtung: bey zephyrs lauem wehn Pfeffel poet. versuche (1812) 8, 53; was, leichter west, sinnst du für schwere sachen, dasz du so ganz des wehens hast vergessen? Rückert werke (1867) 1, 341. VI@A@1@b@gγ) nach tages- und jahreszeit: du schwebtest um mich durch die ganze schöpfung, auf blumenreicher aue ... im wehen des abends maler Müller werke 1, 94; Stäudlin erschien Homer im wehenden mitternachtsschauer Bodmer krit. ged. 79 neudr.; und giengen dann, im wehn der abendkühle, der hütte zu Hölty ged. 57 Halm; ich fühlte das wehen der morgenluft Hölderlin ges. dicht. 2, 92 Litzmann; der feierstunde heilig wehn schwellt meinen jungen muth Körner werke 1, 117 Hempel; es ging der dämmrung wehen um das stille dörfchen her 2, 106; wo in der sommernächte wehen ein hirte gern, ein dichter ruht Mörike werke 1, 49 Göschen; damit da das wehen des frühlings ihre gesunknen schwingen hebe Jean Paul Hesperus 2, 237; und (ich) fühlte das wehen des kommenden frühlings durch meine ganze seele Schubart leben 2, 213; das periodische wiedererwachen der natur beim ersten wehen der frühlingslüfte A. v. Humboldt ansichten der natur (1808) 1, 173. VI@A@22) subject sind flamme, schall oder duft: und als wollte sie (die flamme) im wehen mit sich fort der erde wucht reiszen, in gewalt'ger flucht, wächst sie in des himmels höhen Schiller 11, 312 (glocke); hast du vernommen von der stadt, die sich gemacht zum fönix hat, um aus der flamme wehen verjüngt hervorzugehen? Rückert werke 1, 155; ihrer rede mildes wehn war in mir zum sturmestoben, sie, der schöne maientag, in mir zum gewitter worden Uhland ged.2 273; als er auf dem rasenplatz bei den rosen angekommen, ging ein süsztönendes wehen durch die büsche E. Th. A. Hoffmann 5, 59 Grisebach; in dem duft regt sich ein wehen, wie von leisem morgenwind im lenz O. Ludwig ges. schriften 1, 235; ein sanfter jüngling löscht das licht und ruht — sanft wird das ende, wie ein wehn der harfe Novalis im Athenäum 3, 196 (1800); mäonidisch und maronisch klang die leier in lindem wehn Voss sämtl. ged. 6, 81. VI@A@33) vom wehen des athems gleichfalls nur dichterisch: ich fühle schon wehn von dem oden, der über mich ausgeht maler Müller werke 1, 36; merkbar war das wehen seines odems in jeder groszen that der welt Schubart sämtl. gedichte 2, 282; welch ein säuseln, welch ein wehen, wann sie kosend mich umfing, und mit süszem liebeflehen brünstig mir am halse hing Bürger 43b; (Hero) stürzte auf die knie und weinte laut, mit ihres atems wehn, mit ihren thränen zum leben ihn zu rufen ohne furcht bemüht Grillparzer werke 5, 112; so warm das haupt, so süsz des athems wehn 6, 105. VI@A@44) von abstractionen wird das substantivirte wehen relativ häufig gebraucht, einzig gefühl als subject bleibt selten: es schweigt das wehen banger erdgefühle Göthe Weim. I 1, 7 (zueignung). von gott: und fühle die gegenwart des allmächtigen, der uns nach seinem bilde schuf, das wehen des allliebenden, der uns in ewiger wonne schwebend trägt und erhält I 19, 8 (Werther); bis ... er gott geschaut ... und in der kunst des herren wehn gespühret Z. Werner Luther (1807) VI prolog; entspr. XVI. vom heiligen geiste: lasz dein sanfftes wehen auch bey uns geschehen, dämpffe fleisch und blut B. Schmolcke trost- u. geistreiche schriften 1, 402 (1740). von tod und leben, schönheit, liebe und dichtung, die zunächst als geistige flügelwesen vorgestellt werden können: seiner gnaden linder ost leszt hie durch ein sanfftes wehen unser rechtes wachsthumb sehen S. Dach 573 Österley; erstes wehen der schönheit aus dem schosze der nacht, des unsichtbaren Gleim briefw. 1, 260 Körte; das wehen und weben der räthselhaft mordgeschichtlichen romanzen ist hier höchst lebhaft zu fühlen Göthe Weim. I 40, 349; dem zu vergleichen nicht ist, was entgegen uns blüht aus der dichtung heilgem wehen W. v. Humboldt ges. werke 3, 397; drum breit' ich sehnend rings um ihn (den tod) mich her; ich lasse mich von seinem wehn umfangen Rückert werke 3, 191; der liebe sanftes wehen schwellt mir das bewegte herz Körner werke 2, 26 Hempel; sein blick, je mehr und mehr zum stern entglüht, verkündet überird'scher tröstung wehen Droste-Hülshoff 2, 247; durch das wehen ihrer milden lehre weckten sie meinen geist J. Grimm kl. schriften 1, 114; indem man ... in dem abgegriffenen handexemplar der gesetzsammlung, das schon von den randglossen entschlafener vorgänger bedeckt ist, wieder seite um seite aufgehobener bestimmungen durchstreicht, die man vor wenig jahren vielleicht selbst in diesem papiernen tempel aufgehangen hat, empfindet man nicht immer den rechten respekt vor dem frischen wehen des lebens, dem stürmischen vorschritt des volkes, der solchen wechsel bedingt G. Keller nachgel. schriften (1893) 9. VI@BB. von mitgetheilter bewegung. VI@B@11) von körpern, die als ganzes fliegen, zufällig selten: das wehen des flugsandes Ritter erdkunde (1822) 1, 1028. VI@B@22) dafür in poesie und prosa gern von dingen, die mit einem freien ende flattern: magst wohl die ernste stirne sehen, der augen gluth, der locken wehen Göthe Weim. I 2, 265; der hufe donnerndes gepoch, der mähnen schwarzes wehen Lenau ged. (1857) 1, 146; im helmbusch erst ein weh'n sich regt, ein rauschen ihn durchklingt A. W. Schlegel 1, 272 Böcking; (ihr lied, das) statt im weh'n der haine mitzuwallen, von der steine hartem bau zurücke prallt 1, 284; es ruft mir aus der zweige wehen Körner werke 1, 108 Hempel; ein Engländer ... sagt: es finde sich kaum ein schriftsteller ... der sich und seine leser mit den melodien der vögel, mit dem sanften wehen der gebüsche ... nicht unterhalte Zimmermann einsamkeit 1, 111; ach um diese bäume und ihr frisches wehen beneide ich dich Heine 1, 483 Elster; dann auch der fahnen weh'n von luft'gen zinnen Fouqué held des nordens 1, 127; um ihre grauen thore fliegt scharlachner fahnen trotzig wehn Freiligrath ged. (1841) 292; er risz ... die beiden nebenflügel auf, so dasz von dem zuge, der ging, die gardinen ... ins wehen kamen Fontane ges. werke I, 5, 161. VIIVII. auch das particip hält sich vorwiegend zum intransitiven wehen. VII@AA. die eigenbewegung ist auch hier das älteste, doch tritt sie nachmals gegen die mitgetheilte bewegung zurück. VII@A@11) der eigentliche gebrauch geht durch unsere ganze prosa: si boreas emissus ab treicio antro i. a uallibus traci hanc verberet. also iʒ tanne ueret, ube daranah tiu bisa fone tratia uuantiu dia naht zefuoret Notker Boethius 1, 7 (Piper 17 z. 17); er hatt auch in ihm die andern element ... ein brennends fewr, ein wehende lufft, ein nasz schwartz truckens erdtreich Paracelsus opera (1616) 2, 18e Huser; es war othem gottes, wehende luft, die das ohr aufhaschte Herder 5, 14 Suphan; sanft wehende winde führten uns nach und nach bei vielen felsigen inseln vorbei G. Forster sämtl. schriften 1, 117 (1843); dieser in den tropen beständig von osten nach westen wehende wind, welcher so sehr das erstaunen der seefahrer des 15. jahrhunderts erregte, ist der passatwind Joh. Müller lehrbuch der kosm. physik (1856) 373; durch einflusz der von süden wehenden steppenwinde Ratzel völkerkunde (1888) 2, 7. übertragner gebrauch ist nur dichterisch möglich: o lasz den reinen hauch der liebe dir die gluth des busens leise wehend kühlen Göthe Weim. I 10, 50. VII@A@22) ungenaue beziehung ist nur in gehobenem stil möglich: ich benutze die heitere stille eines schönen, wehenden, blauen sommermorgens, dir in meinem eignen artigen garten unter ein paar dichten platanen weiter zu schreiben Passow an Voss 23. juni 1811 (leben in briefen 143); wenn mildschimmernden scheins der mond den äther durchleuchtet, dann durch die wehende nacht, o freundin, schaue zum himmel Scheffel Ekkeh. 465. stürzendes wasser reiszt luft mit sich und wird darum selbst wehend genannt: gekühlt von dem wehenden quell sasz und hatt' auf die Telyn sanft sich gelehnt Braga Klopstock 1, 206 (Skulda); es wendet nach dem strome des quells sich der lautenklang des wehenden bachs 1, 209 (der bach); es rieselt, klar und wehend ein quell im eichenwald Salis ged. 61 (1793). auf den ort wo wind weht angewendet, kommt wehend zu der bedeutung 'windig': beid' an der warte vorbei und dem wehenden feigenhügel, immer hinweg an der mauer, entflogen sie über den fahrweg (ἠνεμόεντα) Voss Ilias 22, 145; sie durchwandelten bald die wehenden krümmen des berges (πτύχας ἠνεμοέσσας) Odyssee 19, 432 (1781: des berges luftige krümmen, 1831: erreichten des bergs scharfluftige krümmen). VII@A@33) der anwendung auf flamme, schall und geist reiht sich beim particip die auf flug und flügelschlag an: nah hinter ihm an den dunkeln gestaden blieb es in seinem tritte zurück, wie wehende flammen Klopstock Messias 1, 620; Selma, mein wort: du erblickst, sterb' ich vor dir, wehende flämchen oden 2, 71; was das für einen gewaltigen einflusz auf das verständnisz ihrer sprache hat, ist hier nicht der ort zu sagen; dasz dies wehende aber den ursprung ihrer sprache verrathe, ist offenbar Herder 5, 14 Suphan; der über dem ganzen wehende hauch verkündet uns das oberhaupt, den Phidias H. Meyer geschichte der bildenden künste (1824) 1, 269; jetzt wandten ihren wehenden flug die todesengel gen himmel Klopstock Messias 8, 559; die zwietracht mit wehendem flügel trieb über Germaniens hügel und thäler der zündenden funken wuth Kretschmann sämtl. werke 1, 279 (1784); ihm naht der wahrheit wehender flügelschlag Platen 107. VII@BB. die mitgetheilte bewegung ist beim particip besonders gut entwickelt. VII@B@11) mit ihrer ganzen masse fliegen blätter oder wolken: ... rauschte vor dem fusz des Messias ein wehendes blatt. an dem blatte hing ein sterbendes würmchen Klopstock Messias 2, 621; darnach: mit dem laute, womit der lästerer endigte, rauschte vor den fusz des Messias ein wehendes blatt hin Lessing 8, 52 Lachmann-Muncker; lauter einzelne im sturm der zeiten wehende blätter aus dem buch der begebenheiten Herder 5, 219 Suphan; oben füllet Luna die wehenden wolkenfladen mit flüssigem silber an Jean Paul Hesperus 1, 118. VII@B@22) mit einem freien ende flattern VII@B@2@aa) kleider, haare und federn auf dem hut: unter keiner gestalt hat der fürst der finsternisz gröszere eroberungen gemacht, als wenn er im leichtfertigen gewande der bulerin erschien, und oft mit einem tappon, verschobenen halstuch, wehender schürze und frechem blikke die schönsten entschlüsse der erwachenden tugend niedertrümmerte Schubart leben 1, 226; mit wehenden locken Bürger werke 1, 275 Bohtz; deine wehenden locken schlugen harmonisch herab auf den goldnen riemen maler Müller werke 1, 172; wie hold schmückt unser eichenkranz der falben wehenden locken glanz Kretschmann sämtl. werke 1, 121 (1784); hier im zweiten gemälde ... ist die still in sich schwebende person des höchsten wesens ... von einem ungeheuren sturmwind ergriffen ... dargestellt. der weisze bart wehend, die arme befehlend ausgestreckt Grimm Michelangelo (1890) 1, 293; Isotens goldenes haar um Tristans schultern wehend Storm werke (1899) 1, 50; ein seidner hut ... mit bunten, in den lüften wehenden federn E. Th. A. Hoffmann 14, 151 Grisebach; bei Homer ... hat Paris ... zum bogen auch lanze und schwerd und ehernen helm mit wehendem busch Welcker alte denkmäler (1849) 1, 51; der hohe dreieckige trutzhut, über und über mit hahnen- und pfauenfedern, fuchs- und eichhornschwänzen verbrämt ... ehe der welsche sich besinnen konnte, sahen zwei funkelnde augen unter dem wehenden trutzhut ihm in das entfärbte gesicht Heyse nov. 2, 310 (weinhüter). wol weil man von nasenflügeln spricht, wagt Herder: muth hebt die brust, lebensothem die wehende nase 8, 172 Suphan. VII@B@2@bb) baum, zweig und gras: wehende palmen Gotter 3, 102; risch der warte vorbei und dem wehenden feigenbaume Bürger werke 1, 236 Bohtz; seh' ich freundesgestalten mir winken durch wehende zweige des dämmernden hains Göthe Weim. I 4, 191; nun hing sie (die sonne), ein strahlennest, in den wehenden zweigen maler Müller werke 1, 82; neben dem häuschen, unter wehenden buchen, sind etliche tische und stühle so einladend hingestellt Steub drei sommer in Tirol 1, 12; der klare strom der zeit geht über einen hinabgelagerten blumenboden schöner stunden ... o wenn sich diese Eden-aue wieder aufwärts hebt und ich kann an deiner hand über die wehenden blumenfelder dieses lebens blicken Jean Paul Hesperus 3, 119; ruht im wehenden gras, wann sich die kühl' ergieszt Hölty ged. 77 Halm; ein dirnlein gar sittig mit fröhlichem sinn brach blumen vom wehenden rasen Kind ged. (1808) 101. VII@B@2@cc) segel, wimpel und fahnen: Wood mit seinem Homer auf den trümmern Trojas, und die Argonauten, Odysseen und Lusiaden unter wehendem segel, unter rasselndem steuer Herder 5, 169 Suphan; ein dänisches und ein englisches schiff, die mit allen segeln und wehenden flaggen auf dem wasser sanft vorbei fuhren G. Forster sämtl. schriften (1843) 2, 416; ihr (der sonne) wehrt umsonst der wehende vorhang Kosegarten dichtungen 8, 189; es lag am ufer drunten ein schmuckes schiff bereit, mit bunten wimpeln wehend Uhland ged.2 262; es waren vereine, die, das im morgenwinde wehende banner voran, der festhütte zuzogen Zahn die da kommen und gehen (1909) 128. VII@CC. unter wächeln II 1 a) ist oben theil 13, 34 die bedeutung 'sich zitternd bewegen, weben von der heiszen luft' aus bair.-östr., thür. und vogtländischer mundart belegt. der vogtländer Jean Paul liebt eine anwendung von wehend, der sichtlich dieses wächeln vorschwebt: der brief ... leuchtete ihrem zarten auge milder als die gegenwart des gegenstandes, dessen glühfeuer erst durch eine entfernung zur wehenden wärme fiel unsichtb. loge 3, 25; ach wenn er sich in die wolken hätte hinaufstürzen können, um auf ihnen, durch den wehenden himmel über die unübersehliche erde zu ziehen Hesperus 1, 168; entspr. 2, 98. 3, 45; biogr. belustigungen 1, 57; flegeljahre 1, 90; dann auch als verbum finitum: seit einigen tagen weht ein blauer himmel, wie ihn nur meine phantasie verlangen kann briefw. 317 Nerrlich. VIIIVIII. die bedeutung 'fächeln' ist auszer bei Stieler 2460 (ich begehre nicht, dasz mir iemand wehet, nolo mihi fieri ventulum. wer wehet hier? qvis est hic, qvi ventum ciet, excitat?) stets bestimmt durch angabe des geräths, mit dem man fächelt: aber das iüngst döchterlin dz weiet mit den henden hin vnd her, vnd sprach stetz: ich wil keinen man, ich wil keinen man, vnd von dem selbigen weien wurden im sein hend zuo dem ersten trucken Pauli schimpf u. ernst 23 Österley; elsässisch noch lebendig als: mit einem gegenstand heftig in der luft herumfahren. wäj nit eso mit dr ruete! Martin-Lienhart 2, 806b; nun aber sollen schöne frauen mit taubenblick mir in die augen schauen, mit pfauenwedeln luftig wehen Göthe Weim. I 16, 353; in unsrem übermut grüszten wir wieder, und Lina wehte sogar mit dem taschentuch Fontane ges. werke I 5, 131. in neuerer schriftsprache steht das reflexivum: ich fing mich an mit dem fechtel zu wehen Clarissa 2, 322 (nach Paul zs. f. d. wortf. 12, 65); ich wehete mich mit dem fechtel das. 373; die herrn und damen besehen die bücher und loben sie höchlich. endlich weht sich die eine mit dem fächer Lenz pandämonium german. 30 Schmidt; damit wehte sie sich mit ihrem schnupftuch ein paar mal um die augen und ging in die weihnachtsstube zurück Storm werke 1, 181 (unter d. tannenbaum). neben dem reflexivum kann dann die bestimmung, womit man sich fächelt, auch wider fehlen: sie kühlet ihr gesicht mit einem weher, sie wehet sich Ludwig (1716) 2413; ich nahm hierauf den fechtel und wehete mich Clarissa 2, 319. vereinzelt steht bei Stifter die himmelsluft als subject des refl. wehen: sonnenschein ist drauszen, als wäre er recht feierlich bestellt, und eine tiefdunkle bläue ist am himmel, fest sich wehend, wie frohnleichnamsfahnen, und frühsommer auf allen hügeln prangend studien5 1, 73 (feldblumen). IXIX. transitives wehen. IX@AA. subject ist der wind. IX@A@11) dem wind als dem groszen zerstörer klarheit hat der äther, brand das feuer und zerstörung weht der sturm Arndt ged. (1860) 32 traut die sprache das mögliche zu: aber ach! wan wir in unseren hoffnungen und gemachten concepten am allersichersten und gewissesten zustehen vermeinen, so komt unversehens ein wind, der allen bettel auff einmal übern hauffen wehet, woran wir so lange zeit gebauet Simpl. 453 neudr. IX@A@1@aa) er weht ganze menschen von der stelle: diu ros nâch stiche truogendiu rîchen küneges kint mit hurte für ein ander,sam si wæte ein wint Nib. 184, 2 C; hett ich ain wint, der mich dar wähet Hätzlerin liederbuch 46; so ferr der windt ihnen entgegen oder vngestümm, müssen sie ersauffen oder werden wider zurück in Asia geweht vnd geworffen Fronsperger kriegsb. iij 189b; wie Eulenspiegel drey schneiderknecht von einem laden fallen macht vnd darnach ... sagte: der wind hett sie herab gewehet Fischart Eulenspiegel 238 Hauffen; in dem ... wann wir dem wind widerstreben, er uns zu bodem wehet Albertinus fürstl. lustgarten (1619) 1, 117; wir seyn in dises ungestimme meer gestürzt worden, das uns bisweilen hoch erhebet und aufwirft, bald auf dem seichten sizzen läszt; und (lies: uns) aber stets von einem ohrte zum andern wehet und treibet Butschky hd. kanzelley 699; als er in gräflichen und seinen eigenen angelegenheiten den ganzen tag zwischen Nikolopolis und Lukas-stadt hin und her geweht, endlich zur tafel kam Jean Paul komet 3, 137. was in alter zeit hyperbel ist, wird durch die luftschiffahrt wahrheit: der ostwind weht euch nach Paris, drum gieszt, so bald ihr euch erhaben, ihn in das segeltuch Alxinger Doolin von Mainz (1787) 6 str. 84. IX@A@1@bb) ein formelhafter gebrauch legt den nachdruck auf das wahl- und ziellose des wehens: de wind weide hum d'r hen Doornkaat Koolman 3, 529b; mein Caspar, wannen wehet dich der wind har? Wickram 2, 105 Bolte; o herr der pfarrer, was wint wät euch do her? Arigo decamerone 471, 7 Keller (darnach Lindener rastbüchlein 47 Bolte; in welche gegend, nach welchen orten der wind ihn wehe, dünkte ihm unbedeutend Holtei erz. schriften 36, 90; das soll, bey gott! von Artus rittern nicht gesungen werden noch gesagt im fremden lande, dasz einer nach dem andern, kegeln gleich, vom ersten, den der wind herbey geweht, sich so zu boden habe werfen lassen Wieland 18, 20 (Geron); wird diesen fremden gast ein guter wind einst nach Europa wehen, so kann er, ohne weit zu gehen, dergleichen götter täglich sehen Pfeffel poet. versuche (1802) 1, 15; so blase denn mich unbestand du sausewind umher ... und wo im dorf die fiedel klingt, da wehe mich hinein Wolff fahr. schüler (1900) 365. IX@A@22) eine andere redensart betont das mögliche: de wind waiet wol sand-barge to hope, man kine dikke büke: er ist von hunger und kummer so fett nicht geworden brem. wb. 5, 165; de wind weit wol berg' tohôp äöwer kene dicke bûk, d. h. von nichts kommt nichts Danneil 246; de wind waiget wol snêhöpe binên, àwer kainen dicken nacken Woeste 314a. derart, mit allerhand leichter ware als object, herrscht trans. wehen auch im freien gebrauch. IX@A@2@aa) der gewehte körper ist frei beweglich: de wind weid de bladen fan de bomen Doornkaat Koolman 3, 529b; er fuorteʒ (Sigfrid das schiff) alsô balde, sam ob eʒ wæte der wint Nib. 451, 4 C; alles holtes to brukende, also alse id de wint weyet lüb. urkundenbuch 4, 403 (1380); durch seinen willen wehet der sudwind vnd der nordwind, vnd wie die vogel fliegen, so wenden sich die winde, vnd wehen den schnee durcheinander Luther (1545) Sirach 43, 18 f.; weyen den snee dörch einander nd. bibel (Witt. 1599) das.; wie sich der staub mit allerhandt winden verkehrt vnd hin vnd her gewähet wirdet, also verenderen sich die reichthumb alle augenblick Albertinus zeitkürzer (1603) 66b; also ist serpentina ... nicht anderst zu verstehn, sonder gleich dem wind, der den staub ab dem korn wehet Paracelsus chirurg. bücher (1618) 214a Huser; (ein blitz fuhr) an der zeder hinab, stürzte, zermalmte sie, dasz der wind ihre splitter weht Kretschmann sämtl. werke 2, 55; also wehn blüthen im may weste dahin Klopstock oden 1, 170 (1889); ihr winde, die ihr jene wellen bäumet und jene wolken durch die lüfte wehet Uhland ged.2 425; ich hab' sie (die blätter) über die hügel geweht mit meinem flügel Rückert werke 3, 9; Zephyrus wehete die wurfscheibe des Apollo dem Hyacinthus an den kopf, dasz er starb Ramler fabellese 3, 243; den spinnenfaden ... den die luft ... gegen meinen rockkragen wehte O. Ludwig ges. schriften 1, 148; die art, wie er von dieser tugend (der beständigkeit) redet, 'damit er nicht wie ein leichtes rohr von den winden hin und her geweht werde', zeigt fast eine besorgnisz an, dasz es geschehen könnte Ranke sämtl. werke 4, 113. IX@A@2@bb) mit dem freien ende werden geweht strickleiter, segel, kleider, haar und halm: do der (die strickleiter) nit beschwert, weht in der wint hin und her Wilwolt v. Schaumburg 62; dann ursach in den dingen allen, sie wissen nichts darumb, so musz es ein fürgang nemen, wie der windt den segel wehet Paracelsus paragranum (Straszb. 1616) 1, 226 B; könig Boreas ... wie er einst neun tage und neun nächte allen wind untergeschluckt, um beym nächsten feste des Oceans schlanken töchterchen gar lieblich die röcke von den beinchen zu wehen maler Müller werke 1, 129; einige hohe zweige wilder rosen, die eine leise luft hin und her wehte Göthe Weim. I 23, 75; dicht ist die mähn' und senkt sich geweht auf die rechte der schultern (iactata) Voss Virgil 1, 222 (georg. 3, 86); von stürmen selber zu erwarten, dasz auch sie den halm zur reife wehen Tiedge schriften (1796) 1, 273. IX@A@33) licht, klang, duft werden geweht: daʒ fiur spranc von stâlealsam eʒ wæte der wint Nib. 430, 4; indem erblicket' er schimmer, der beynahe verlosch, geweht von dem winde Klopstock Messias 15, 209; der morgen weht mit goldner schwinge mir um die stirn den kühlen schein Geibel 2, 4 (Juniusl.); sie (die welt) bebt, sie wankt, so oft ein hauch aus seinem (gottes) munde den fluch in ihre sphären weht Lessing 1, 100 Lachmann-Muncker; die ferne sandte endlich nur hirtenflötentöne, und die wohllaute wehte ein mildes lüftchen bald weiter, bald näher Jean Paul bei Wackernagel lesebuch 3 II 939; die luft, so auf- und niedergeht, jetzt frischen klang herüber weht Droste-Hülshoff 2, 53 Cotta; hinschaun soll ihn nur ergetzen, wann sein schiff herum sich dreht, nur der süsze duft ihn letzen, den der west vom ufer weht Bürger 45a; kühlende hauche des nordwinds wehten erfrischung daher dem matt arbeitenden leben Voss Ilias 5, 698; der wind wehte tannenduft über die matten Zahn die da kommen und gehen (1909) 234. IX@A@44) unkörperlich denkt sich die mundart die plötzliche erkrankung: grad wi a mi gewäjt Martin-Lienhart 2, 806b und so leitet diese verwendung des trans. wehens über zu fällen, wo abstractes als ein geweht werden gefaszt wird. IX@A@4@aa) früh und gern stellt man sich religiöse beziehungen so vor: owe, edlú sele und sssú, du solt dich vröwen iemer me, won dir ist wol ze fröwenn geschehen daʒ du zuo got dim herren bist gewäget und er in dich st. Georger prediger 64, 14 Rieder; jvbileus ist vsz verchünt, wir solten tilgen unser sünt! das hat der bös vernomen, valschen sǎmen hat er gesäet, der sel hail gantz hin gewät, ablas ist vnderchomen Hätzlerin 1, 29, 5; herr dein wille soll geschehen! worte, die aus Jesu munde mir in mancher jammerstunde kühlung durch die seele wehen Schubart sämtl. ged. 1, 50; dasz das schlecht und rechte christenthum eine edle gleichgültigkeit, einen gewissen liederton im leben wirkt, der uns bei allem in der welt, wärs auch ein Alexanderverlust, ruhe ins herz wehet Hippel 1, 89 (lebensl. 1). IX@A@4@bb) sonst bleibt trans. wehen von gefühltem und gedachtem selten: schon begann für die Franken die morgenröthe zu dämmern, wehete schauer die frühe Klopstock oden (1889) 2, 94; aber ha! den spöttern und tyrannen weht entsetzen ihr verdammerspruch Hölderlin 1, 111 Litzmann; ich bin müde, begebenheiten anzusehen, die selbst unsre freye luft schwer von meiner stirne wehen kann Klinger neues theater 1, 201 (Roderico 4, 2); sobald die lauen zephir ... den lachenden frühling mit ihren frohen fittigen daher wehen B. Mayr päckchen satiren (1769) 58; dann weht ein herrlicher ... wind alle empfindungen ... in dieses land hinein Wackenroder herzenserg. (1797) 60; die brise wehte ihm alle dünste aus dem kopf Edm. Höfer bewegtes leben (1856) 10. IX@BB. pflanzen können urheber eines wehens sein. IX@B@11) bäume: die eiche weht ihm gelispel Klopstock 1, 185 (Thuiskon); der flieder und die linde wehn mir bange seelenschauer Hölty lied eines mädchens; dasz mir deine palme kühlung wehe ged. 44 Halm; angenehme kühlung wehen sollt' ein myrtenfächer dir Bürger 6a; die alten bäum' herum — so manchem wehn sie lebensathem wohl zum grossen werk Z. Werner theater 4, 95 (kreuz a. d. Ostsee I 2, 1); eine eiche pflanzt um diesen stein. wachse, freier baum in freiem lande! wehe blasse schrecken bleicher schande! Arndt ged. (1860) 148; nur die fichten stehn um ihn, und aufwärts wehn sie mit den flügeln grün des kindlichen gebetes reine gabe Droste-Hülshoff 2, 194 Cotta; IX@B@22) blumen: er trug an einem andern tag den raub von zwanzig blumenbeeten, der bunt in seinen körben lag, die süszen balsam von sich wehten Pfeffel poet. versuche 7, 36; die nesseln, die hier schauer dem narren wehn Hölty grd. 58 Halm; kann mein herz vor groll nicht hüten: ob sie (die blumen) holde düfte wehn: und mit stillem zauber sehn: kalt und roh sind diese blüthen Lenau ged. (1857) 1, 203; vom kelch der blüten, die nach stiller nacht sich öffneten und in erneu'ter pracht dem jungen tage düfte wehten Kind ged. (1806) 22. IX@CC. transitives wehen mit einem menschen als urheber ist nicht eben häufig, aber mannigfaltig entwickelt nach drei richtungen: IX@C@11) 'fächeln': die knaben treten hinan, wehend die palmzweige über seinem haupt Herder 28, 257 Suphan; oft auch erleichtert ihm den gang ein freund und spricht geduld ihm ein, und weht, mit myrtenzweigen, kühle ihm in das glühende gesicht Gotter 1, 253; und von den schiffen, von dem strande wehn die weiszen tücher noch den letzten grusz Göthe Weim. I 10, 348; einige damen wehten sich luft mit ihren fächern H. v. Kahlenberg familie Barchwitz 34 (1902). IX@C@22) 'wirbeln': schauer, schauer zurück, würger bei jedem staub, den dein fliegender gang wirbelnd gen himmel weht Schiller 1, 43 (eroberer); Penthesilea, wie sturmwind ein zerrissenes gewölk, weht der Trojaner reihen vor sich her H. v. Kleist 1, 168 (Penthes. 1); heilige Isabella, wehe himmelsluft auf meine heisze stirn A. v. Arnim sämtl. werke 1, 186 Grimm. IX@C@33) 'fegen': IX@C@3@aa) als fegen des tanzbodens ist ein els. wehen 'tanzen' zu fassen: na, du heš din teil jetz gewäjt Martin-Lienhart 2, 806b. IX@C@3@bb) oben theil 13, 507 ist alem. schwäb. wähen f. plur. 'backwerk' vermuthungsweise zum verbum wehen gestellt worden. die etymologie wird gesichert durch ein mundartliches wäjə 'backen, kuchen backen' bei Martin-Lienhart 2, 806b, das urspr. als fegen des backofens zu fassen ist, s. zs. f. d. wortf. 12, 214. XX. die über fünfzig zusammensetzungen mit -wehen sind vielfach transitiv und intransitiv zugleich; die in früheren bänden übergangenen sind gesperrt gedruckt: ab-, an-, auf-, aus-, be-, daher-, dahin-, darnieder-, dazwischen -, durch-, durcheinander-, ein-, einher-, empor -, ent-, entgegen-, fort-, gegen-, her-, herab-, heran-, herauf-, heraus-, herbei-, herüber-, herunter-, herzu-, hin-, hin- und her-, hinab-, hinan-, hinein-, hinüber -, hinunter-, hinweg-, hui-, nach-, nieder-, über-, um-, untereinander-, ver-, voneinander-, vor-, voran-, weg-, wider-, widerum-, wind-, zer-, zu-, zurück-, zusammen-, zwischenwehen.
92788 Zeichen · 1253 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    WËHENswv.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +8 Parallelbelege

    WËHEN ? swv. ? laut werden? vgl. wëcken vagire Pictor. Frisch 1,413. a. dô ich hôrte die hunde alsô wehen (: gesehen) Ha…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wêhen

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Wêhen , verb. regul. act. & neutr. im letzen Falle mit dem Hülfsworte haben, welches eigentlich von der gewöhnlichen Bew…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    wehen

    Goethe-Wörterbuch

    wehen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Wehen

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +2 Parallelbelege

    Wehen , s. Geburt .

  5. modern
    Dialekt
    wehen

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    we h e n [wéə Hf. ] unpers. schmerzen. s we h t gar grüserli ch in mi ne m Buch ich habe heftige Leibschmerzen. — Bayer.…

  6. Spezial
    wehen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    we|hen vb.intr. 1 (blasen) soflé (-la), venté (vënta), jí l’aria 2 (flattern) svatoré (-rëia), flaterné (-nëia). ▬ die F…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wehen

48 Bildungen · 26 Erstglied · 16 Zweitglied · 6 Ableitungen

wehen‑ als Erstglied (26 von 26)

wehenabschnitt

DWB

wehen·abschnitt

wehenabschnitt , m. mehrseitig wurde versucht, die dauer der einzelnen wehenabschnitte, die intensität der wehen und die dauer der wehenpaus…

wehenart

DWB

wehen·art

wehenart , f. nach dem zu anfang dieses kapitels gesagten müssen wir gemäss der wirkung und der art des auftretens folgende physiologische w…

wehenartig

DWB

wehen·artig

wehenartig , adj. zu schwache kontraktionen der gebärmutter mit normalen oder ebenfalls zu schwachen wehenartigen schmerzen, begründen die w…

wehenbefördernd

DWB

wehenbefördernd , adj. wehenbefördernde mittel. so werden diejenigen mittel genannt, welche die kraft besitzen, die wehenthätigkeit zu steig…

Wehenblume

RhWB

wehen·blume

Wehen-blume wEiə-, wēəblum Verbr. in Mörs , Geld , Klev-Üdem u. südl. wa·i.əm- Kemp-Ld f.: Kornblume, Centaurea cyanus.

wehendrang

DWB

wehen·drang

wehendrang , m. die verletzungen der scheide können zu sehr ernsten blutungen führen. sie entstehen meist durch unverhältniszmäszige grösze …

wehendruck

DWB

wehen·druck

wehendruck , m. Schatz führte die gummiblase seines tokodynamometers bis oberhalb des kindlichen kopfes in das cavum uteri ein und bestimmte…

weheneintritt

DWB

wehen·eintritt

weheneintritt , m. der weheneintritt bei abnorm hohen körpertemperaturen erklärt uns die so häufige schwangerschaftsunterbrechung bei acuten…

wehenkraft

DWB

wehen·kraft

wehenkraft , f. nicht die wehenkraft, vielmehr deren frequenz in summa wie in ihrem aufeinanderfolgen wächst mit dem geburtswiderstande Winc…

wehenlosigkeit

DWB

wehen·losigkeit

wehenlosigkeit , f. die künstlich herbeigeführte wehenlosigkeit ist stets die folge einer unzeitigen oder nicht indicirten zangenanlegung Eu…

wehenpause

DWB

wehen·pause

wehenpause , f. in der regel zeigt sich auch nach dem wassersprunge eine längere zeit andauernde wehenpause Busch und Moser handbuch der geb…

wehenpulver

DWB

wehen·pulver

wehenpulver , n. mittel zur beförderung der geburtswehen, besteht aus mutterkorn oder daraus dargestellten präparaten. wehenpulver dürfen nu…

wehenschieszen

DWB

wehen·schieszen

wehenschieszen , n. wehenschieszen (in die beine) = ausstrahlende, in die beine sich fortsetzende nervenschmerzen bei den geburtswehen Höfle…

wehenschmerz

DWB

wehen·schmerz

wehenschmerz , m. die wehe ist daher, wie dies auch ihr terminus schon anzeigt, mit einem schmerzgefühl, dem sogenannten wehenschmerz, verbu…

wehenschwäche

DWB

wehen·schwaeche

wehenschwäche , f. wir können demgemäsz auch hier wieder drei krankheitsformen annehmen, und zwar die wehenschwäche, die schwäche der gebärm…

wehenstillstand

DWB

wehen·stillstand

wehenstillstand , m. es kommen ohne erkennbare ursachen wehenstillstände sogar von stunden und tagen vor Winckel handbuch der geburtshülfe 1…

wehenstosz

DWB

wehen·stosz

wehenstosz , m. wehenstösse: die stossweise erfolgenden geburtswehen beim pferde Höfler 692 a aus Chr. Mayer fünfzigjähr. erfahrungen über t…

wehensturm

DWB

wehen·sturm

wehensturm , m. wenn dieses mehl nur zwei procent mutterkorn enthielt, so erhielt die patientin vier grm. mutterkorn, d. h. eine hinreichend…

Wehen (Subst.)

Wander

wehen·subst

Wehen (Subst.) Wehen (Subst.). 1. Die heftigen Wehen der Mutter lassen die Geburt eines Knaben erwarten. – Burckhardt, 54. Was man wünscht, …

wehenthätigkeit

DWB

wehen·thaetigkeit

wehenthätigkeit , f. die zu starke wehenthätigkeit ist von allen schriftstellern mit der übermäszigen stärke der bewegungsthätigkeit der geb…

wehenübereilung

DWB

wehen·uebereilung

wehenübereilung , f. bei noch kürzeren pausen und gröszerer aufregung spricht er ( Wigand ) von wehenübereilung und den stärksten grad der w…

Wehen (Verb.)

Wander

wehen·verb

Wehen (Verb.) Wehen (Verb.). 1. Es weht nicht immer Ein Wind. – Sailer, 210. 2. Hat weit an hat sneit, an hat Skap hat dreit; ik wul dat ik …

wehen als Zweitglied (16 von 16)

Geburtswehen

RDWB1

Geburtswehen Pl. родовые схватки, родовые муки

abwehen

DWB

abwehen , deflare, nnl. afwaajen: der wind weht alles obst von den bäumen ab; der sturm wehte die fahne vom dach ab; mhd starken liuten wæt …

anwehen

DWB

anwehen , n. afflatus, vgl. anwaht : die feineren saiten sie sind gestimmt dem anwehn, das sie rührt. Klopst. 2, 93 ; dieses anwehen der nah…

aufwehen

DWB

auf·wehen

aufwehen , efflari, efflare, nnl. opwaaijen: das pferd lief wider den wind zur lust, der maen und schwanz aufwehen must. froschmeuseler 3, 1…

auswehen

DWB

aus·wehen

auswehen , flando exstinguere, nnl. uitwaaijen: du wehst mir das licht aus; der wind weht die fackel aus; kein erdensturm vermag die fackel …

durchwehen

DWB

durch·wehen

durchwehen , wehend durchdringen, perflare, ahd. durchwâjan Graff 1, 622 , niederl. doorwaajen. durchwehen Eychmann Voc. pred. T iiij. Diefe…

einwehen

DWB

ein·wehen

einwehen , inflare, nnl. inwaaijen, 1 1) intr. frische luft, kühlung weht ein. 2 2) trans. flando evertere: der wind hat zwei fenster eingew…

fortwehen

DWB

fort·wehen

fortwehen , 1 1) pergere flare: der fortwehende ostwind hindert unsere abfahrt. 2 2) auferre flando: schon öfters hatte ihn seine robinsona…

gewehen

KöblerMhd

gewe·hen

gewehen , sw. V. nhd. erwähnen, erwähnen über Hw.: s. gewahenen, gewænen E.: s. ge, wahenen W.: nhd. DW- L.: Hennig (gewehen)

hinwehen

DWB

hin·wehen

hinwehen , verb. fortwehen, wegwehen: treu, warhait und stät hat der wind hin gewäit. fastn. sp. 496, 28 .

Kindswehen

Wander

kinds·wehen

Kindswehen Die rechten Kindswehen kommen erst morgens nüchtern. – Eiselein, 376.

umwehen

DWB

umwehen , vb. 1 1) trennbar. 1@a a) wehend zu boden werfen: eylff wind, die den menschen anweyen und ettwann umbweyen Keisersberg postill (1…

verwehen

DWB

verwe·hen

verwehen , v. , ahd. firwâen, ferwâhen Graff 1, 622 ; mhd. verwæjen, verwên mhd. wb. 3, 464; Lexer ; nhd. gemma gemmarum (1508) d 2 b ; Fris…

wegwehen

DWB

weg·wehen

wegwehen . 1 1) trans. von einem orte wegblasen: der wind hatte solches ( schreiben ) ... wäggewehet v . Zesen adriat. Rosemund 23 neudr.; w…

zuwehen

DWB

zuwehen , v. , vgl. wehen th. 14, 73 ff., th. 14, 93 ff. gewöhnlich trans., luft, kühlung u. ä. z.: mit dem anderen flügel da wäet er im den…

Ableitungen von wehen (6 von 6)

bewehen

DWB

bewehen , afflare, anwehen, umwehen, nnl. bewaaijen: der luft wird dich bewehen. Petr. 222 a ; ruhig schlummert am bache der Mai ein, liesz …

entwehen

DWB

entwehen , nnl. ontwaaijen, 1 1) intransitiv flando subduci, entfliegen: tönten sie ( die engel ) oft mit dem purpurflügel, dasz ihnen der e…

gewehen

KöblerMhd

gewehen , sw. V. nhd. erwähnen, erwähnen über Hw.: s. gewahenen, gewænen E.: s. ge, wahenen W.: nhd. DW- L.: Hennig (gewehen)

gewehenen

MWB

gewehenen swV. → gewahen stV. MWB 2 707,33;

verwehen

DWB

verwehen , v. , ahd. firwâen, ferwâhen Graff 1, 622 ; mhd. verwæjen, verwên mhd. wb. 3, 464; Lexer ; nhd. gemma gemmarum (1508) d 2 b ; Fris…

zerwehen

DWB

zerwehen , verb. , auseinanderwehen, zu wehen ( th. 14, 69); mhd. zewæjen, mnd. toweien; 1) trans.: die gottlosen ... sind ... gleych dem st…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „wehen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/wehen/dwb?formid=W11744
MLA
Cotta, Marcel. „wehen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/wehen/dwb?formid=W11744. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „wehen". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/wehen/dwb?formid=W11744.
BibTeX
@misc{lautwandel_wehen_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„wehen"},
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