wange,
f. (
ahd. mhd. n.),
gesichtsseite, seitentheil. II.
herkunft und form. I@11) wange,
ahd. wanga,
mhd. wange
ist ein gemeingermanisches wort, ihm entspricht im as. wanga,
meist als f. angegeben, doch wahrscheinlich n., ebenso mnd. wange,
nl. wang,
f., ags. wang,
m. und wange, wænge,
n. Bosworth-Toller 1166
a;
im nengl. nur noch dialektisch wang Wright 6, 377
b,
in der schriftsprache in wangtooth '
backenzahn'
erhalten; anord. vangi,
m. Fritzner 3, 858;
in norw. dial. vange Aasen 897;
dän. vange '
seitenstück'
ist aus dem deutschen entlehnt;
im got. ist *waggô
zu erschlieszen aus dem dat. waggarja (
s.wanger).
diese wörter führen auf ein germ. *wangō.
abgeleitet davon ist mit ja -
suffix an. vengi,
n., ahd. wengi,
n. '
kleines kissen' (wengi Steinmeyer-Sievers 2, 9, 6,
plur. orwenga 1, 644, 19,
vgl.wängel),
wie öhr
von ohr (Wilmanns
gramm.2 2, 238),
ferner wanger (
s. d.) '
kopfkissen'.
ital. guancia '
wange'
ist ein germ. lehnwort, setzt aber eine nebenform *wankja
voraus Uhlenbeck
2 163.
beiträge 19, 522. Kluge
7 482.
aus dem germanischen wird als etymologisch verwandt damit zusammengestellt (
doch ohne dasz engere bedeutungsverwandtschaft bestünde)
got. waggs '
paradies',
anord. vangr '
wiese'
u. s. w. (
s. oben wang,
m.),
ferner (
auf germ. *vanha-,
wechselform zu *vanga-
zurückgehend)
got. unwâhs '
tadellos',
as. wâh '
übel',
ags. wóh '
krumm' (Zupitza
gutturale 142),
aisl. vangr '
falsch',
lat. convexus, vacillo (Walde 141),
aind. vañcati '
wackelt', vaṅka- '
fluszkrümmung', vaṅkri- '
rippe', vakrá- '
gebogen, krumm' Fick
4 3, 389.
all dies führt auf eine idg. wurzel vak, vank
mit der bedeutung '
krumm sein'. wange
wird also wol ursprünglich '
gesichtswölbung'
und zwar die durch das jochbein gebildete bedeutet haben. Scheftelowitz (
Bezzenbergers beitr. 28, 157)
führt als bedeutungsparallele an aind. gaṇḍa- '
anschwellung, wange', gaṇḍu- '
kopfkissen', gaṇḍika- '
hügel'. I@22)
ahd. wanga,
mhd. wange
ist neutrum, dies wird in der schriftsprache allmählich durch das femin. verdrängt. I@2@aa)
seit spätmhd. zeit läszt sich das neutr. sicher nur aus dem artikel beim nom. acc. sg. bestimmen, doch werden die meisten der gen. des wangs
und dat. dem wang (
s. 3)
dem neutr., nicht dem spärlich belegten masc. (
s. b)
zuzuweisen sein. belege für das neutr. vom 14.
bis ins 18.
jh.: Matthias v. Beheim
Lucas 6, 29; Joh. Rothe
düring. chronik 520;
codex Teplensis Lucas 6, 29; Mentels, Zainers
und Koburgers
bibel, 1. kön. 22, 24; Berth. v. Chiemsee
tewtsche theologey 366; Liliencron
volksl. 2, 246, 20 (1504,
schwäbische fassung); Lauterbeck
Melanchthons oratio von landgr. Fridrichen (
Frkf. a. M. 1563)
fol. 10; Calepinus (1584) 785
a (
mala, ein wange); Heribert v. Salurn (
Tiroler prediger 1637—1700)
nach A. Hueber,
über H. v. Salurn 24; A. Gryphius
lustspiele 353 (man streu auf jedes wang ein fleischfarb rosen-licht)
und 388
Palm; ein wange Hoffmannswaldau
getr. schäfer (1678) 62; Selhamer (1694)
bei Schmeller
2 2, 958; Chr. Weise
von deutschen versen (1702) 417; Steinbach 2, 933.
mundartlich wird das neutr. auch jetzt noch im bairisch-österreichischen bezeugt (
s. II 1
d),
ferner wird es aus der schlesischen Oberlausitz angegeben. I@2@bb)
das masc. erscheint ganz vereinzelt: an
den wang
sog. Schweizerbibel (
in Nürnberg gedruckt)
1. kön. 22, 24
nach Kurrelmeyer; er hies den ander wangen dar bietten so man yn an eins [!] schlge.
der ewigen wiszheit betbüchlin (
Basel 1518) 190
a; auff huob er da seyn weysze hand, schluog sich selber an seynen wang.
flieg. blatt. Nürnberg, bei Kunegund Hergotin, ebenso bei Val. Neuber (Uhland,
volksl. 1, 248 (107, 10) an sein wang).
masc. wohl auch: so eyn sun seinen vatter schlecht an wangen Seb. Münster
cosmogr. 379 (
die entsprechende stelle des Schwabenspiegels hat an daʒ wange).
mundartlich ist das masc. aus neuerer zeit im steirischen belegt Unger-Khull 617
b,
ferner in Habkern bei Interlaken (
zeitschr. f. deutsche mundarten 1907, 313),
wenn nicht verwechslung mit wang '
halde'
vorliegt, da das schweiz. idiot. 4, 1074
das fehlen des wortes betont. I@2@cc)
der übergang zum fem. läszt sich aus mangel an belegen nicht genau übersehen; einige für das fem. herangezogene mhd. stellen sind nicht beweiskräftig: Maszmann
deutsche gedichte 347,
des todes gehugde v. 324
hat an der wange,
aber Heinzel
liest Heinrich v. Melk
erinnerung 328 an dem wange;
bei Matthias v. Beheim
Matth. 5, 39 an dîn rechte wange
ist rechte
als swn. aufzufassen (
vgl. Matth. 5, 29 dîn rechte ouge),
da Luc. 6, 29 an daʒ wange
steht; ebenso an ir rehte wange Ebernand v. Erfurt 3707,
wo dicht daneben 3716
u. 3718 an irme (
hs. orme) wangen.
das fem. scheint im nl. und nd. früher aufgetreten zu sein als im hd., und hat sich vielleicht von dort aus verbreitet: en slotel in der wange drucken
Grimm rechtsalt.4 2, 298 (
Utrecht 1459);
bei Liliencron
volksl. 2, 246, 20 (1504)
hat die nd. fassung an sine wang,
während die schwäbische ans wang
hat; auf hochdeutschem gebiete sind die ältesten belege: in der wangen 1, 115, 28 (
lied auf die schlacht bei Seckenheim 1462,
doch '
nur in verjüngter gestalt erhalten')
; gena, die wange under den augen Diefenbach
nov. gl. 190
a (
voc. ex quo 1476 '
rheinländisch').
aus dem 16.
jh. ist kein zeugnis fürs fem. vorhanden, auch bei Luther
läszt sich nicht feststellen, ob er das wort als f. oder n. gebraucht. das vordringen des fem. und sein eindringen in die schriftsprache wurde (
wie bei vielen andern wörtern)
begünstigt durch den ganz überwiegenden gebrauch des plurals, der zuweilen sogar bewirkt, dasz das wort als plurale tantum gefaszt wird, vgl. die wangen oder backen,
mala Maaler 484
a (
nach Frisius 794
a);
gena, f., genae, pl., die wangen, backen Dentzler 1, 305
a;
guancia, guancie, die wangen, backen Castelli
ital.-deutsch 299
b,
gota, gote, pl., die backen, wangen 292
b; wangen ... das ist, die backen Gueintz
rechtschreibung (1666) 153;
vgl. auch u. II 1
b α Nemnich 1, 692.
deshalb ist auch plur., nicht ein nom. sg. wangen,
im folgenden anzunehmen: gena, der gantz back von augbrawen bisz auff das kyne, wangen Frisius (1568) 599
b; backen, wangen,
bucca, mala Henisch 171, 32;
mala, backen oder wangen, der kiefel Dentzler 1, 426
a; wangen,
f., guancia, gota Krämer 1208
b = Castelli
deutschital. 343
a.
wie diese beiden letzten, so führen auch die anderen wörterbücher des 17. und 18. jhs., soweit sie genusangaben machen, mit ausnahme Steinbachs (
s. o. a), wange
als f. an: Schottel 1440. Stieler 2503. Ludwig 2380. Adelung.
litterarischer beleg fürs fem. im 17.
jh.: S.
Dach 425. I@33) wange
wird ursprünglich als swn. declinirt, wie mhd. herze, ôre, ouge,
also nom. acc. sg. wange,
pl. wangen;
den sw. gen. sg. wangen
zeigt noch Ortolff v. Bayerlandt
arzneibuch (
Augsb. 1479) 28
a,
die form mit s wangens Zainers
bibel, richter 15, 14.
auszug aus Vesalius (16.
jh.) A 3
b,
den sw. dat. sg. wangen Ebernand v. Erfurt 3716
u. 3718. Herm. v. Fritslar,
d. mystiker 1, 19, 35. Sebiz
feldbau (
Straszb. 1579) 153.
doch wurde im mhd. wange
auch st. wie die neutra der ja -
classe declinirt, belegt sind der dat. sg. dem wange H. v. Melk
erinnerung 328
Heinzel. G. v. Straszburg
Tristan 1304.
häufiger der nom. acc. pl. diu wange (
vgl. Paul
mhd. gr. § 131, 1):
Genesis 94, 30
Diemer. Nibel. 572, 4. H. v.
d. Türlin
crone 26025.
Winsbekin 17, 10. Arigo
decameron 506, 25 (
meist wang). Zainers
u. Koburgers
bibel, klagel. 3, 30 (
meist wang).
daneben tritt im oberdeutschen eine verkürzte form wang,
sie erscheint schon im 13.
jh. und ist noch jetzt die bairisch-österreichische dialektform (
s. II 1
d).
der nom. acc. sg. wang
ist, wol nur zufällig, erst seit dem 15.
jh. belegt: H. Wittenweiler
ring 16
c, 25. H. Mülich,
städtechr. 22, 320. Mentels
u. Zainers
bibel, richter 15, 15,
Matth. 5, 39. Berth. v. Chiemsee
tewtsche theologey 366.
herzmaner 67
a. Liliencron
volksl. 2, 246, 20 (1504,
schwäbisch). Diefenbach
gl. 526
b (
Augsb. 1512,
wo Cöln 1507 wange
hat),
nov. gl. 190
a. Alberus
dict. (1540) 62
a. Lauterbeck
a. a. o. Schönsleder
prompt. K k 5
a. Hulsius 272.
den st. zum nom. wang
gehörigen gen. sg. wanges
zeigt Mentels
bibel, richter 15, 17, wangeʒ (
sic)
gesta Romanorum 43 (
cap. 31)
Keller, wangs Zainers
u. Koburgers
bibel, richter 15, 17.
häufiger ist der st. dat. sg. wang
belegt: Erlauer spiele 3, 447. Mentels
u. Zainers
bibel, richter 15, 16. Zainers
u. Koburgers
bibel, Sirach 35, 18.
voc. theut. (
Nürnb. 1482) n 2
a. Aventin 4, 14, 20. 4, 23, 21. Eck
bei Schmeller
2 2, 958. Fischart
Garg. 98
a (147
Alsleben). Lindener
Katzipori 182.
bis ins 13.
jh. reichen die belege für die verkürzte form des nom. acc. pl. wang
zurück: Enikel
reimchronik 5144.
decameron 100, 26. 625, 23. Zainers
u. Koburgers
bibel, Hiob 16, 10,
hohel. 1, 10. 5, 13,
Micha 5, 1. Suso (
Augsb. 1482) 81
b.
altd. passionsspiele aus Tirol 258,
v. 3996
Wackernell. Ecks
bibel, hohel. 1, 10. Schaidenraiszer
Odyssea (1537) 42
b.
zum nom. sg. wang
wird auch ein pl. wanger, wänger
gebildet: bucca, wang, wenger Diefenbach
gl. 83
a (
dialekt nicht angegeben); kuemewler, wänger Diefenbach - Wülcker 894 (
aus dem Frankfurter archiv);
in neuerer zeit aus dem bairisch - österr. bezeugt: mit dem weiszen schlair ... bedecken sie das haubt, das gestirn, die wänger, hals, schlund und kün Kirchhueber
kloster Anger (1701) 21; wenger Schmeller
2 2, 957; wangen
u. wanger Lexer 250; g'wanger Schöpf 800.
noch ist zu erwähnen, dasz das wort als masc. den acc. sg. entweder sw. wangen (
betbüchlin, Basel 1518, 190
a. Seb. Münster
cosmogr. 379)
oder st. wang (
flieg. blatt s. o. 2
b)
bildet. nach dem übertritt zum fem. wird wange
im sg. st., im pl. sw. declinirt. als erstes glied von compositis erscheint das wort ahd. mhd. als wang-, wange- (
s. die formen bei wangenfleisch, -kissen, -schlagen),
selten als wangen- (
s.wangenbausz),
was jetzt die regel ist; im oberdeutschen behauptet sich dialektisch wang- (
s. wanghobel). IIII.
bedeutung und gebrauch. II@11)
abgrenzung gegen backe. wange
bedeutet zunächst, der angenommenen etymologie entsprechend, die wölbung der gesichtsseite über dem jochbein (
das deshalb auch wangenbein
heiszt)
unterhalb des auges, backe
eigentlich die kinnlade, dann die über ihr lagernden fleischtheile; spuren dieser unterscheidung finden sich, besonders in anatomischen werken, bis in die neueste zeit (1
b α).
es fehlte nun aber eine bezeichnung für den ganzen theil zwischen nase, auge, ohr und kinn, und es konnte dort, wo es auf eine genaue scheidung nicht ankam, bald wange
bald backe
gebraucht werden, dadurch verwischten sich die bedeutungsgrenzen, so dasz wange
auch die backengegend, die pausbacke (
vgl. 10),
weiterhin die mundhöhle (1
b η),
gelegentlich sogar die kinnlade (1
b ζ)
bezeichnet. eine neue unterscheidung bei der anwendung der beiden wörter schuf die gehobene sprache (1
c). II@1@aa)
in den glossen und vocabularien giebt wange
sowohl gena als bucca '
die aufgeblasene, vollgestopfte backe'
und mala, maxilla, beide zunächst '
kinnlade',
dann auch '
backe',
wieder; dieselben lateinischen wörter werden auch mit backe
übersetzt: gena, wange Diefenbach
gl. 259
b; die wange under den augen; hewffel, wang
nov. gl. 190
a;
bucca gl. 83
a,
n. gl. 61
a;
mala gl. 344
a,
nov. gl. 243
b;
maxilla gl. 352
b;
maxilla (
verberanti praebere maxillam) Steinmeyer-Sievers
gl. 2, 329, 56;
gene, hufelin,
maxilla, wange 3, 438, 55.
entsprechungen in späteren wörterbüchern (
s. o. I 2
c): wang,
gnathus (
γνάθος),
maxilla, gena, wange,
mala Dasypodius 451
d;
gena, ein wang Alberus
dict. (1540) 62
a; backen, wangen,
bucca, mala Henisch 171, 32; wang,
gena, mala Schönsleder
prompt. K k 5; wange,
gena Schottel 1440, Stieler 2503;
gena, mala, wangen, backen Dentzler 1, 305
a; wange, backen,
la jouë Rädlein 1028; die wange, der backen,
a cheek Ludwig 2380.
ungewöhnlichere lateinische entsprechungen sind: perforatis follibus, giplastin
vel palgin wangon, palgun wangon igiplastin (
sic) Steinmeyer-Sievers
gl. 2, 451, 67
und 452, 1 (Prudentius
peristephanon 10, 553 '
buccis scilicet, quae follium instar inflantur ad emittendam vocem')
; faux s. 1
b η)
; facies s. 14. II@1@bb)
bedeutung von wange
und das verhältnis zu backe
in anatomischer hinsicht. II@1@b@aα)
die scheidung von wange
und backe
ist das ursprüngliche: gene, wangen Gersdorff
wundartzney (o. o. u. j.) 77
a;
maxillare, mandibula, kinnback, der under und der ober 77
b;
poma maxillarum, die backen 78
a; die schleff, wangen und backen seind tayl der seyten des antlitz 4
b. Jos. Schmid
spiegel der anatomiä (
Augsb. 1646) 211
unterscheidet die wangen (
über dem jochbein)
und die auffgeblasenen holbacken; zwischen dem schlaff und der nasen ... sind die wangen, unter denselben sind die backen oder kinnbacken Comenius
janua linguarum (
Danzig 1647) 249;
bucca, der backen ... die gegend, welche vom munde und dem unteren theil der nase nach den ohren zu geht und den schlafferen theil des gesichtes ausmacht. ... dagegen heiszt die unmittelbar unter den augen liegende erhabene gegend, die wangen (
gena, mala) Nemnich 1, 692; die wange,
gena, ist der erhabenste theil des antlitzes und entspricht dem stark hervortretenden wangenknochen C. E. Bock
handb. der anatomie (1838) 1, 34;
vgl.wangengegend. C.
F. Th. Krause
handb. der anat.2 (1842) 1, II, 1057
unterscheidet entsprechend wangen-
und backennerven;
vgl. wangennerv.
dies berechtigt, auch im folgenden gesonderte bedeutung der beiden wörter anzunehmen: unden bey der nasen zu beiden seitten erheben sich die wangen und packen mit einer zymlichen geschwulst als zwei puochlein (
var. phelein '
colles'), die beyde augen beschirmen Eyb
eheb. 43, 27
Herrmann; die musculen ... des haupts, der stirnen, der augbrawen und auglider, der lefftzen, der backen und wangen Ryff
anatomi (1541) 13
a.
unrichtig definirt Oken: die seitentheile zwischen der nase und den ohren (
heiszen) die backen; zwischen dem mund und dem hinteren winkel des unterkiefers die wangen 4, 327. II@1@b@bβ)
aber auch schon ältere anatomen gebrauchen wange
in der backe
mit umfassenden bedeutung, wobei dann zuweilen die obere
und die untere wange
unterschieden wird: die bein der wangen ... under der nasen Brunschwyg
anathomi (1497) B 5
a; die understen wangen hant bein in der teylung nit offen
eb.; zuo der nasen, stirnen und obern wangen Ryff
anatomi (1541) 26
a.
die backengegend wird auch als weiche wange
bezeichnet: wangengegend,
regio buccalis; sie liegt im gebiet der weichen wange,
bucca s. mala, und reicht bis an den unteren rand des unterkiefers herab v. Langer
anatomie9 282. II@1@b@gγ)
doch auch ohne zusatz wange
von der eigentlichen backengegend: das meuszlein, daʒ da kompt von der innersten seyt des wangens, da es mit dem einen theyl im nasen flügel, mit dem andern in die öbern leftzen ... eingesetzt wirdt
auszug aus Vesalius A 3
b;
musculus buccinator. er bildet einen breiten, platten muskel, der in der tiefe der wange gelagert, die grundlage der wandung der wangenhöhle abgiebt Gegenbaur
anatomie3 1, 335;
vgl. auch: dem ain wang geschwollen ist
hs. bei Schmeller
2 2, 958; keine spur von geschwollener wange! (
bei zahnschmerzen) Holtei
erzähl. schriften (1861) 1, 13. II@1@b@dδ)
da also keine übereinstimmung in der benennung herrscht, so wird häufig die völlige gleichbedeutung beider wörter betont. 1))
für die ganze fläche: gena, die wange oder der backen, ist das theil des menschlichen gesichts, welches von der nasen bisz an die ohren und unten an das kinn gehet Hübner
naturlex.5 (1727) 777;
ähnlich Kulmus
anatom. tabellen (1789) 22. Pierer
medic. wb. (anat.) 1, 615.
F. Hildebrandt
lehrbuch der anatomie2 (1799) 3, 219; die seitentheile des gesichtes lassen ... so wenig unterschiede erkennen, dasz der gemeine sprachgebrauch die ganze fläche ... mit dem namen wange oder backe belegt Fr. Merkel
handb. der topogr. anatomie 1, 442. 2))
seltener für den oberen theil: die ort, neben den seitten der nasen furhangend und rottlich wie ain apfel, werden von ettlichen die wangen, und ettlichen die backen genandt ... das teil des angesichts das wir auffblasen, nennet man die pfausz oder auffgeblasen backen
auszug aus Vesalius C 5
b;
gena, mala, der backen, die wange; derjenige theil des gesichts, der auf der seite der nase sitzt, und von da bis zu den ohren gehet; oder auch die ganze gegend ... bis an den äussersten rand des unterkiefers
onomat. medica, hg. v. Haller (
wundarznei 1756) 672. II@1@b@eε) Campe
bestimmt wange
als '
oberfläche des obern theils des gesichtes ... unter den augen; zum unterschiede von backe,
worunter man die ganze fleischige masse an den seiten des gesichts zwischen nase und ohren versteht'.
ähnlich Sanders im
handwörterbuch 972
a 'wange,
die oberfläche der backe, und zwar zunächst der unter den augen liegende theil'; Georges
lat.-deutsches handwörterbuch5 1, 617
unterscheidet bucca die (
im reden, essen aufgeblasene, vollgestopfte) backe
von genae, der bloszen oberfläche des gesichts, den wangen.
dies betonen der oberfläche bezieht sich mehr auf den litterarischen als auf den anatomischen gebrauch und ist auch dort ausdrücken wie welke, volle wange
gegenüber nicht verwendbar. II@1@b@zζ) wange
in der bedeutung '
kinnbacken'
ist nur selten sicher nachweisbar, nicht jede übersetzung von maxilla braucht hierher zu gehören; eindeutig sind die stellen richter cap. 15
vom eselskinnbacken (
ι),
im folgenden dient ein aufgezäumtes thier als bild: sein geyst ist eyn úbergiessender bach ... zeverliesen die leút zuo nichten, und den zAem (
l. zAvm) der irrsal der do was in den wangen (
in maxillis) der vOelker Zainers
bibel, Jes. 30, 28 (
ebenso Koburger; backen Luther; künbacken Eck; kinbacken Dietenberger
und Züricher bibel). II@1@b@hη)
bis ins 16.
jh. konnte wange
auch die von den backen eingeschlossene mundhöhle oder auch nur den raum zwischen zähnen, kiefern und der inneren wangenwand bedeuten, so im obd. belegt, doch nicht als anatomischer kunstausdruck; dasz fast stets der sing. verwandt wird, läszt wol darauf schlieszen, dasz eine loslösung von der vorstellung der umschlieszenden wangen begonnen hatte: faux, wangen (
auch kynpack, packenholin, rache) Diefenbach
gl. 228
b;
faucibus, den wenglen, wangen
nov. gl. 169
a; so ist das sein zang, da mit er pricht di zend auʒ dem wang.
Erlauer spiele 3, 447
Kummer; er aber mit eynr eysznen zangen ir zungen risz aus iren wangen. Wickram 7, 289
Bolte; das si (
die deutsche sprache) zwai s, zwai z, zwei h hat wie die juden
etc., und die puechstaben, so nit in den fünfen
aeiou begriffen werden, allain oft ausspricht, wie im wort 'adl' und in mêr dergleichen, oder das e kurz (so die juden scheua nennen ...) im wang verschlecht Aventin 4, 14, 20
Lexer; ea diphthongon, das a im wang verslagen 4, 23, 21;
vgl. auch: auf huob er da sein weisze hand, schluog sich selber an sein wang: 'se hin, mein maul, und hab dir das, dasz du doch nichts verschweigen magst'. Uhland
volkslieder 1, 248 (107, 10).
vor allem als höhlung, in der das kauen vor sich geht: den ersten sach ich essen mersant so geitichleich, daʒ er zuo paiden tailn deʒ wangeʒ her wider gie
gesta Romanorum 43 (
cap. 31)
Keller; er käut es hin und her im wang Fischart
Garg. 98
a (147
Alsleben); aber sein mawl ist ime nicht sonderlich weyt, kan in einem yeden wang allein zwölff oder fünfftzehen ungerische ochssen verbergen Lindener
Katzipori 182
Lichtenstein. neuere belege sind selten: es ist widerlich, die gesichter, so frisch und ausdrucksvoll, durch den ekligen (
tabak-) knäuel in der wange verunstaltet zu sehen Steub
drei sommer in Tirol 1, 198. II@1@b@thθ)
ganz vereinzelt steht die bedeutung des plurals wangen '
fleischtheile, welche unterkiefer und hals verbinden (
selten)' Lenz
vgl. wb. des Handschuhsheimer dial. 76. II@1@b@iι) wange
gilt zunächst von der menschenwange: ihre wangen waren gleich eines affen backen, darinn sie offt einen gantzen hauszrath verbergen können Philander 1 (1650), 262.
dann heiszen aber auch die kopfseiten der thiere wangen;
bei säugethieren: die backen (
buccae, genae), wangen, stellen die seitenwände der maulhöhle dar
encykl. der ges. thierheilkunde 1, 335
b; neme das rechte ohr und ziechs herab an den hals dasz er (
lies: es?) erwindt beim wangen Sebiz
feldbau (1579) 153; die wangen (
des schimpansen) sind faltig Brehm
tierleben3 1, 76; eine rostrote binde ... trennt die weisze schnauze (
des panda) von den wangen 2, 264;
vgl. auch 9
d γ wangen (
des katers) E. Th. A. Hoffmann 10, 45
Grisebach. als schlachtstück: und was hie oben von ingeraib inn sonderhait nit gemeldet ist, als ochsen und kuemewler, wänger, sülczen und dergleichen mag man wie von alter her von der hand verkauffen Diefenbach - Wülcker 894
aus dem Frankf. archiv; die umgebung des ohrs beim schwein, unterhalb bis zur augenhöhe heiszt die ohrwange
vgl. Allenstein
kochbuch13 abb. 3.
auch bei vögeln: die wangen (
des falken) an dem kopff sind auch kurtz und synwel Mynsinger
von den falken, pferden und hunden 3
Haszler; die seiten des kopfs vor und zum theil unter den augen heiszen wangen (
genae) Naumann
vögel Deutschlands 1, 35.
bei fischen: grancia (
vermischung von brancia und guancia?),
nd. kyve (
kieme), de vedder in des visches wanghe Diefenbach
gl. 268
b;
dann auch die kieme selbst: senecia, cuwe off wange van dem visch (
gemma gemm. Colon. 1507), kyfel
vel wang von dem fisch (
Augsb. 1512) 526
b;
vgl.panzerwange (
ein fisch)
th. 7
sp. 1433.
bei gliederthieren: die seiten des kopfes (
der insekten) von den augen bis zu den freszwerkzeugen, heiszen wangen (
genae) Hartig
forstl. conversationslex. 482; wangen,
genae, die beiden seitlichen, mit augen versehenen theile der kopfbrust der trilobiten Leunis
zool.3 2, 637.
vgl. auch die auf thiere bezüglichen belege unter wangenfeder, -fleck, -gegend, -haar, -haut, schild, -seite, -wulst.
vom kinnbacken eines thieres (
vgl. oben ζ): kinnbacke oder wange des pferdes ... ist jener theil, welcher die zwo wände des kopfes vom auge bis zur gurgel und von der gurgel bis zum kinn zusammen hält. sie wird eigentlich durch das untere kieferbein gebildet Jacobsson 6, 254
b; er fande ein wang das ist zewissen ein kinbacke des esels Mentels
bibel, richter 15, 15; in dem wang eins esels, in dem kinback eins fúls der eslin hab ich sy vertilgt 16 (
ebenso Zainer; Luther
und die späteren kinbacken). II@1@b@kκ)
besonders hervorzuhebende stellen der wangen
sind: II@1@b@k@11)) die dünne der wangen,
die wange in der schläfengegend: wem die grossen schüsz geet under die augen oder under den zänen, der sol nemen pfeffer, weirauch ... und streich es an ein tch und lege es an die dünne des wangen Ortolff v. Bayerland (
Augsb. 1479) 28
a;
vgl. duninge th. 2
sp. 1532, tünewenge,
stn. Lexer
mhd. hwb. 2, 1569, dunninge,
f. Schiller-Lübben 1, 599
a, Kluge
7 103
b unter dünn, Falk
u. Torp
übers. v. Davidsen 1262
unter tinding. II@1@b@k@22))
das besonders beim lachen sichtbare grübchen in den backen mancher menschen: lacumilla, grublein in eins wachenden (
lies: lachenden?) menschen wang
voc. theut. (
Nürnberg 1482) n 2
a;
lacunula, grublin in den wangen Diefenbach
gl. 316
a;
lacuna, ein lochlin, kuyle in den wangen 315
c; das sanfte lächeln ..., welches zugleich diente ihre schönen zähne, und die grübchen in ihren runden wangen zu zeigen Nicolai
Seb. Nothanker (1773
ff.) 3, 121; deiner wangen grübchen sind wie zwei rothe rosen mir erschienen. W. Müller
verm. schriften 2, 140. II@1@b@k@33))
die runzeln: in den runzeln der wange schleichen bekümmerte tränen. Lenz
schriften 1, 6
Blei. II@1@b@k@44))
vgl. auch: und der üppiggespannte mund, dessen winkel sich in die wangen graben ... es leuchtet eine ... sinnlichkeit daraus H. Grimm
Michelangelo (1890) 1, 318. II@1@cc)
die wangen
im engeren sinne sind die stellen, auf denen die röte der gesundheit und schönheit und der gemütsbewegungen erscheint (
s. 6),
und über die die thränen zunächst flieszen (
s. 8),
die backen
treten besonders beim blasen und kauen in thätigkeit. dies gab wol den ersten anstosz, dasz wange
gegenüber backe
als edlerer ausdruck empfunden wurde. schon im mhd. wird von den dichtern wange
gebraucht und backe
vermieden nicht nur dort, wo von der wangenröte, sondern auch dort, wo vom weinen und vom küssen die rede ist, zartiu wangen
stehen veiʒten backen
gegenüber. in Luthers
bibel dagegen läszt sich eine edlere bedeutung von wange
nicht nachweisen; nur an zwei stellen kommt das wort vor: deine wangen sind wie der ritz am granatapffel
hohelied 4, 3; ich hielt ... dar ... meine wangen, denen, die mich raufften
Jes. 50, 6;
dem stehen 15
belege für backe
gegenüber, und zwar nicht nur auf die backen schlagen (
Hiob 16, 10,
Micha 4, 14),
sondern auch: seine backen sind wie die wachsende wurtzgertlin
hohelied 5, 13; die threnen der widwen fliessen wol die backen herab
Sirach 35, 18.
je mehr aber wange
aus den mundarten schwindet (
d),
desto enger wird das wort auf den gebrauch in gehobener sprache eingeschränkt. in den wörterbüchern des 17.
u. 18.
jh. stehen die adjectiva eingefallen, hohl, runzelig,
auch bleich
sowohl bei backe
als wange, rot
steht meist bei wange,
bei küssen
und weinen
wird stets wange
gebraucht, bei schlagen, zerkratzen, aufblasen, schminken
meist backe. Kramer (1719)
im holl.-dtschen theil 501
a übersetzt roode wangen mit rothe wangen,
aber een slag op de wang geeven einen streich auf den backen geben.
eine gröszere ausdehnung gibt Steinbach 2, 933 (
vielleicht auf grund der volkssprache) wange
z. b. die wangen zerkratzen. Adelung
sagt, dasz wange '
vorzüglich in der edlern schreibart an statt des im gemeinen leben üblichen backe
gebraucht wird',
ähnlich Campe. II@1@dd)
während so wange
sein gebiet als anatomischer begriff im groszen und ganzen behauptet, in der gehobenen sprache auf kosten von backe
erweitert hat, ist das wort jetzt, von übertragenen technischen bedeutungen (17)
abgesehen, in den meisten mundarten völlig von backe
verdrängt. die zeit, in der dies in den einzelnen gegenden geschah, läszt sich nicht feststellen; in Niederdeutschland ist das wort noch hie und da gebräuchlich vgl. z. b. ten Doornkaat Koolman 3, 507.
auch in Schlesien, wo früher —
wie auch bei dem Zittauer Ch. Weise —
öfter das wang
vorkommt (
s. o. I 2
a),
scheint es noch jetzt volksüblich zu sein, vgl.: se streechelt se uf ihre wangen Holtei
schles. gedichte8 165 (
s. auch oben b γ Holtei).
die hd. dialektwörterbücher verzeichnen es nur noch aus dem bair.-österreichischen: als neutr. wang Höfer 3, 269. Schmeller
2 2, 958. Schöpf 800 (
der daneben g'wang
anführt). Lexer 250;
als masc. Unger-Khull 617
b.
aus Handschuhsheim (
bei Heidelberg)
führt Lenz
vergl. wb. 76
den plural in abweichender bedeutung an (
s. oben b θ).
das fehlen des wortes in der mundart bezeugen ausdrücklich Crecelius
oberhess. wb. 80
und H. Fischer
schwäb. wb. 1, 565
unter backen;
schweiz. idiot. 4, 1074
unter baggen (
doch vgl. oben I 2
b zeitschr. f. d. mundarten).
auch Martin-Lienhart
führen das wort für das Elsasz gar nicht an, so dasz es also wol dem ganzen südwesten abgeht. das verschwinden des wortes aus der volkssprache erklärt es, dasz in der hauptmasse der unter 2)
bis 15)
gegebenen belege wange
in der oben c)
behandelten gehobenen bedeutung erscheint. II@22)
die wangen
sind paarige körpertheile (
vgl.wangenpaar),
es wird daher II@2@aa)
unterschieden die linke
und die rechte wange: in thín zeswa wanga
Tatian 31, 3
Sievers; do muoszt die kaiserin den kaiser küssen an das recht wang und der kaiser sie widerumb an das gelingk wang H. Mülich,
städtechr. 22, 320; auf der linken wange O. Ludwig 2, 425. II@2@bb)
zum plural tritt betonend nicht zwei,
sondern das dualische beide: lieblich thät ich ihn umbhälsen, küsset seine wangen beyd. Spee
trutz-nachtigall (1649) 102; sie wolte noch was mehr, als eine thränen-bach von beyden wangen schosz, und ihre worte brach. A. Gryphius
trauerspiele 111 (
Leo Arm. 5, 1, 34)
Palm; sie hat mich geküszt auf beide wangen Bettine
die Günderode (1840) 1, 124. II@2@cc)
der singular statt des zu erwartenden plurals steht II@2@c@aα)
in der bedeutung '
mundhöhle' (
s. oben 1
b η). II@2@c@bβ)
häufig in gehobener sprache, besonders in der neueren zeit (
dieselbe erscheinung zeigt sich bei auge
und ohr).
eine grosze anzahl von belegen bieten die weiteren abschnitte, hier sollen nur einige wenige zusammengestellt werden: mit vrömder varwe (
schminke) an dem wange. Heinrich v. Melk
erinnerung 328
Heinzel; ir roter munt ir rœselehteʒ wange.
minnesinger 1, 14
a Hagen; (
Aphrodite) lasz blut in diese wange (
der statue) rinnen! geusz feuer in diesz auge! Ramler
lyrische gedichte (1772) 296 (
Pygmalion); und mit schön gefärbter wange singet sie schon würd'ge lieder. Göthe 2, 25, 71
Weim. ausg.; schon decket meine wange todesblässe. Uhland
ged.2 137; blühende gesundheit auf seiner (
des athleten) wange Gerstenberg
schlesw. literaturbriefe 14, 35
neudr.; ihre wange (
schien) eben so leicht der liebenswürdigen röthe empfänglich Göthe 23, 75, 2
Weim. ausg.; von diesen (
den augen) erhält die wange erst ihre rechte bedeutung und entzückt durch heiteres ansehn; denn der sitz der heiterkeit ist die wange 49, I, 85, 12 (
Philostrats gemählde); sie (
die thränen) floszen—stürzten stromweis von dieser mitleidigen wange Schiller 2, 16 (
räuber 1, 1
schausp.); menschen, auf deren wange selten einmal etwas von einer martialischen farbe glüht G. Forster
schriften (1843) 3, 169; ihr haar war von feuchte schwer und die wange von der herbstluft mit reinem
purpur gerötet G. Keller 2, 41. II@33)
bei der schilderung des antlitzes wird wange
am häufigsten mit dem mund
oder den lippen,
dann auch mit den augen,
seltener mit der stirn
zusammen genannt: sî underkusten tûsentstunt ougen wangen unde munt. Hartm. v. Aue
Iwein 7504; Jesu wangen, stirn und mundt mit gnad sein ubergossen. Spee
trutz-nachtigall (1649) 5; man siht auf wang und mund den warmen lebenssaft. Drollinger
gedichte 75; auf den lippen war die stille treue, auf den wangen lieblichkeit zu hause. Göthe 2, 101, 18
Weim. ausg.; wie ich an aug' und wange mich und mund mich weidete. 2, 180, 57; welch entzücken umschwebet mund und wange! 10, 288, 908 (
natürl. tochter 2, 3); ja nun, indes mit hoher feuerhelle der blitz die stirn und wange mir verklärt. Mörike
werke (1889) 1, 48; auf stirn und lippen und wangen ist schon vergangen das süsze roth. Geibel 1, 13; er sah, dasz meine wangen und augen glühten
fürst Pückler
briefwechsel u. tagebücher (1873
ff.) 1, 91. II@44)
die wangen
bieten ein sehr beliebtes mittel zur personenschilderung; am meisten sticht hervor ihre farbe (5),
doch auch schon ihre form, die art ihrer oberfläche und ihr gefüge lassen schlüsse zu auf alter und körperbau, besonders gibt das unter der wangenhaut lagernde, in seiner stärke ziemlich rasch wechselnde fettpolster einen bequemen gradmesser für den ernährungszustand ab. weiterhin kann man auch auf die geistigen anlagen schlieszen, was Megenberg 46, 10
so ausdrückt: welhes antlütz vol flaischs ist, der ist træg und ain tôr. welhes wangen grobeʒ flaisch habent, der ist ainr groben nâtûr.
mit wange
wird hier meist die untere fläche, '
backe',
oder die ganze fläche gemeint. die schilderung geschieht meist (
doch s. l)
durch adjectiva. II@4@aa) schön, anmutig: mein aug ist frisch, das wang anmuthig. A. Gryphius
lustspiele 388 (
schwerm. schäffer 3, 61)
Palm; deine tausendschöne wangen. A. Silesius
heil. seelenlust 55
neudr.; jugend, lust und schöne wangen stehn fast stündlich auf der flucht. Günther
gedichte (1735) 325; harter tod! ... rührten dich die schönen wangen und die muntern augen nicht? Gottsched
gedichte (1751) 224. II@4@bb) frisch: nennten manchen, der dort, frischer wange, fröhlich sich mit uns bekränzt, und auf dessen hügel nun schon lange thau im morgenschimmer glänzt. Filidor (Hnr. Chr. L. Senf)
im Gött. musenalm. f. 1788, 25; den frohsinn, der mir hier von frischen wangen entgegen lacht Kotzebue
sämmtl. dram. werke (1827) 2, 34 (
menschenhasz und reue 2, 3). II@4@cc) breit: mein auge blitzt, die nase springt vor, meine wangen sind breit Goethe 45, 9, 26 (
Rameaus neffe)
Weim. ausg. II@4@dd) dick, fett, wohlgenährt:
gravigena, der grosz (
dicke) wangen hat, die groisse wangen hait Diefenbach
gl. 269
b;
gravigena, schwer wang
nov. gl. 197
b;
macticus, matticus, i. qui os patens habet, der grosz wangen, und ein mund hat der immer uffstehet Alberus
dict. (1540) 62
a; einer der dicke wangen hat,
a blub-cheeked man Ludwig 2380; aus fetter wange geht hervor ihr blick. Herder 12, 236
Suphan; wir ruhen bald von unsrer einz'gen süszen, planlosen arbeit mit genährten wangen. Göthe 5, 172, 6
Weim. ausg. II@4@ee) rund, voll:
hofmarschall. ist sie von adel?
präsident. ... eines musikanten tochter ... wem unter der sonne wird es einfallen, ein paar runde wangen nach dem stammbaum zu fragen Schiller 3, 431 (
kab. u. l. 3, 2); wangen und lippen der liebe sind rund. Arndt
gedichte (1811) 271; ihr, die, mit voller wang' am morgenroth, die schwestern überstrahlt: ihr hat itzt, da der tag entflieht, der tod die wange bleich gemalt. Hölty
gedichte (1869) 47
Halm; wer aber gäbe mir die vollen wangen der ersten jugend und den glanz zurücke, woran allein der menschen blicke hangen? Platen 102 (
son. 68); keine wange unter diesen wangen ist roth und voll. ihr seid blasz und hohl, wie die geister der mitternachtsstunde Gerstenberg
Ugolino akt 3,
d. nat.-lit. 48, 241, 17; sie sah mit muthwilliger schadenfreude, wie geheimer kummer die unglücklichen folterte, und gram und bleichsucht an ihren vollen wangen zehrte Musäus
volksmährchen (1805) 4, 203; eine leidenschaft ... hatte sein ganzes innerstes auf die vollen wangen hervorgetrieben Göthe 24, 67, 2
Weim. ausg. II@4@ff) zarte wangen (
durch die das blut leicht hindurchschimmert),
genae teneres Stieler 2503: bekenne bitt ich mir, warumb doch wiltu prangen mit deiner augen glantz, mit deinen zarten wangen. Opitz
teutsche poemata 22 (4, 42)
neudr.; wenn Bathseba mit ihren zarten wangen und leibesziehr den David nicht gefangen. Neumark
poet. u. mus. lustwäldchen (1652) 6. weich: die weichen wangen glühten von der flamme des herds Hölderlin 2, 149, 11 (
Hyperion)
Litzmann. II@4@gg) schmal; auf den schmalen wangen wallte ein erröten über das andere hin G. Keller 1, 210. II@4@hh) mager, dürr, welk, runzelig, gefurcht: magere (eingefallene) wangen,
jouës creuses, runzeliche wangen,
jouës cousuës Rondeau; man sieht die magre wangen, die wie ein dürres fel gleich einer taschen hangen. Rachel
satyr. gedichte 78
neudr.; dürre wangen, graue locken; seiner hand entfiel der zaum. Uhland
ged.2 265; die runtzelschlaffe wangen verziehren meine zier. G. Treuer
deutscher Dädalus (1675) 1, 75.
ähnlich: dîn stirne und dîne wangen mit runzelen sint bevangen. H. v. Freiberg
Tristan 5107
Bernt; als auch Helena ire wangen mit runtzlen jetzundt sah umbfangen. Wickram 8, 233
Bolte; während da und dort eine stumme träne über die gefurchte wange rann
Leipz. neu. nachrichten 7. 3. 1911. II@4@ii) dünn, durchsichtig: über dem nackten gebein gerunzelte haut ..., spitze lippen, dünne, durchsichtige wangen: alle voll grauen über den ausgestandenen hunger Ranke 3, 400. II@4@kk) tief, hohl, eingedrückt, eingefallen, abgefallen, abgehärmt: eingefallene wangen,
genae lapsae Stieler 2503; einer der hole, oder eingefallene, wangen hat,
a hollow-cheeked man Ludwig 2380; ein rechter und warer philosophus ... sol auch einen kahlen kopff und tieffe wangen, ein gelbes oder bleiches angesicht ... haben Albertinus
fürstlicher lustgarten (1619) 1, 218; das haar schneeweisz, die wangen so hohl. Lenau
gedichte 2, 122; sie aber erschrak beim anblick ihres mannes. seine wangen waren hohl G. Hauptmann
bahnwärter Thiel (1892) 58; keine sonderlich schöne nase, die durch das eingedrückte der wangen sehr erhöht wird Göthe
briefe 1, 21, 18
Weim. ausg.; verwelkte lebensblüte, ein matter und scheuer blick, eingefallene wangen und zitterhafte hände Zimmermann
über die einsamkeit 2, 271; deine wangen sind ganz bleich und eingefallen Immermann
Münchh.2 3, 82; mit abgefallnen wangen, erloschnen augen, und kummerbleichen lippen
epigonen2 1, 81; ein thränenstrom stürzte ihr plötzlich über die eingefallenen wangen A. v. Droste-Hülshoff 4, 77
Kreiten; (
mitleid, du) prägst des lächelns heitre züge abgehärmten wangen ein. v. Salis
gedichte (1793) 11. II@4@ll) die wange welkt, sinkt, fällt ein (sie hängt
s. oben h) Rachel): die stimme zündet, wenn die wangen sanken, wenn auf die stirn sich lagerten gedanken, wenn licht und jugend aus dem antlitz flohn! Freiligrath 6, 54; die wangen (
des leichnams) waren eingesunken Rosegger
das buch von den kleinen 25. II@4@mm)
auf den bartwuchs der wange
oder sein fehlen geht bärtig, rauh, glatt
u. ä.: das (
wein-)blatt und deine wange sind beide wollig Bettine
Göthes briefwechsel mit einem kinde (1834) 1, 34; die jungfer, derer glatte wangen mit keinem bart-haar sind behangen. J. Prätorius
Anthropodemus Plutonicus (1666) 2, 301; herr Hüon stand nunmehr, bis auf die lilienglatte bartlose wange, wie ein wahrer sultan da. Wieland 22, 205 (
Oberon 5, 29);
vgl. die wange putzen '
rasiren': und soll ich nach philisterart mir kinn und wange putzen, so will ich meinen langen bart den letzten tag noch nutzen. Chamisso
werke (1836) 3, 197. II@55)
von der wangenfarbe kann man nicht nur auf gesundheit und jugendfrische oder auf krankheit und alter schlieszen, sondern die spiegelung des innenlebens auf der wange durch das erröten und erbleichen gibt auch die möglichkeit, jenes durch diese zu kennzeichen, kein körpertheil, höchstens das auge ausgenommen, ist so dazu geeignet. eine durchgehende trennung der sich hierauf beziehenden belege von denen, die bleibende röte oder blässe schildern, würde zu wiederholungen führen, einige gruppen stellen sich von selbst auf die eine oder andere seite. durch pigmentirung entsteht ferner gelbe oder bräunliche, doch nicht auf die eigentliche wangengegend beschränkte färbung. II@5@aa)
mit adjectiven. II@5@a@aα) blutgefüllt, blutleer, blutlos: die aufgeschürzte bauernmagd mit blutdurchströmeten wangen Lessing 6, 11 (5.
literaturbrief); herr, mäszigt euch; ihr seyd sehr krank; rothe ringe zirkeln sich um eure augen; eure wange ist angeschwellt vom blut. Grabbe
werke 1, 34 (
herzog v. Gothland 1, 1)
Blumenthal. II@5@a@bβ) warme, heisze, glühende, kalte wangen (
vgl. b α die w. glüht): feurige wangen,
genae igne suffusae Stieler 2503; als er Even noch schlafend fand, mit zerstraubten locken und glühenden wangen, wie nach einer unsanften ruhe Bodmer
abhandl. v. d. wunderbaren (1740) 328; entsezlich ist der gedanke — gräszlich genug ... die glüende wange der freude zu bleichen Schiller 3, 436 (
kab. u. l. 3, 4); die heisze wange Göthe 6, 182
Weim. ausg. (
s. u. 12
m); die heisze wang' v. Löben (Isidorus orientalis),
Guido (1808) 231; eine so warme wange Holtei
erzähl. schriften 3, 44 (
s. u. 11
a); tiefgesenkt die braune wimper, purpur auf den heiszen wangen. Freiligrath (1858) 1, 67; die wangen werden kalt, die rohte lefftzen bleich. Rist
Parnass 644. II@5@a@gγ) leuchtend: liehtiu wange
Nibel. 572, 4; liehteberndiu wangen K. v. Würzburg
troj. krieg 19953 (
s. u. 6
b α). II@5@a@dδ) rote wangen,
genae rubicundae Stieler 2503;
jouës vermeilles Rondeau (rosenrote w.
s. u. 6
b β). II@5@a@d@11))
als zeichen des lebens, der gesundheit, der jugendfrische: zeig nur nu auch ir rote wangen, die frölich warn, sprungen und sungen der tod hat sie allsampt verschlungen. Kirchhof
wendunmuth 2, 46
Österley; die aloebringt bittres weh, macht gleichwohl rote wangen. P. Gerhardt 85
Gödeke; das übrige ist alles zu erlangen, paläste, gärten, brüstlein, rothe wangen. Göthe 15, 17 (
Faust II, 1)
Weim. ausg.; seine groszen etwas verschlafenen augen und die vollen roten wangen gaben ihm das aussehen eines groszen gutgearteten jungen W. v. Polenz
Büttnerbauer 1, 2. II@5@a@d@22))
als folge innerer erregung: ihre galanterieen fallen ... in ein siedendes blut ... wäre die nacht nicht so dichte, du würdest meine flammrothe wangen sehen, und dich erbarmen Schiller 3, 123 (
Fiesko 4, 12); schamhaft mit rothen wangen tritt sie hervor Fr. Müller 1, 223; so sah den engel gottes einst mit wangen freudenroth im paradiese lächelnd nah'n der mensch, der reine noch. Lenau
ged. (1857) 1, 16; gerötet: der diaconus folgte ihm tiefbewegt ... laszt den freistuhl verfallen ... rief der diaconus mit gerötheter wange Immermann
Münchh.2 4, 134; meistens kam Friedrich zuerst, mit hochgerötheten wangen und blitzenden augen ... nach hause geritten v. Ebner - Eschenbach (1893) 4, 7; mit röte gefärbt: leicht mit röthe gefärbt die wangen. Voss 5, 103;
auch nur gefärbt '
gerötet': die zarte, von einer strengen luft nur leicht gefärbte wange Mörike
werke (1889) 3, 76; schamgeröthet, verschämt: jeder warme ausdruck ihres herzlichen geständnisses entfaltete eine rose mehr auf den jugendlich verschämten wangen Thümmel
werke (1853) 5, 171; und herrlich, in der jugend prangen, wie ein gebild aus himmels höh'n, mit züchtigen, verschämten wangen sieht er die jungfrau vor sich stehn. Schiller 11, 307 (
glocke). II@5@a@eε) weisze wangen
werden als zeichen einer zarten haut bei den frauen gerühmt, gemeint ist hier die gröszere fläche, auf der sich dann die röte um so schöner abhebt: schneeweisze wangen,
genae niveae Stieler 2503; die schöne zierligkeit, den schnee der weissen wangen, ... habt ihr jetzt in gewalt. Opitz
teutsche poemata 72
neudr.; die weiszen wangen seiner braut musz eine keusche röthe färben. J.
V. Pietsch
geb. schriften (1740) 157. II@5@a@zζ) bleich, blaß, fahl: bleiche wangen,
genae pallidae Stieler 2503; wo viel klagens und heulens ist, wo jammer und elend mit bleichen wangen und zerstreuten haar über die gefilde taumeln Schubart
ästhetik der tonkunst 73; mit hinein, wo der kühnsten wange bleich wird! Fouqué
gefühle, bilder (1819) 1, 73; seine augen waren erloschen, und die wangen bleich Immermann
epigonen2 1, 91; und nun rafft er sich auf, und entflieht mit verblichenen wangen. Bürger 206, 35
Bohtz; ha! die wange, bleich und matt, drücket schwerer kummer. Fr. Müller 1, 200; gebunden wird an hand und fusz der schwache, auf's lager hingestreckt mit bleichen wangen. Platen 295 (
Oedip. 4); man kunt' an jedes stirn' und blaszen wangen sehn, was einzele für sich, was allesamt vermiszen. Heräus
gedichte u. l. inschriften (1721) 125; blasz, wie vormals meine wange. J.
M. Miller
gedichte (1783) 2; diese (
die schwermut) kann es gewesen sein, die seinen blassen wangen kindlichen anstrich verlieh Holtei
erzähl. schriften 2, 77; wo die personen blutlos sind, mag immerhin das blut des dichters durch ihre fahlen wangen hindurchschimmern O. Ludwig 5, 381. II@5@a@hη) entfärbt, farblos: (
eine ergrimmte jungfrau) mit zerstreuten haaren, ... mit entfärbten wangen Stranitzky
Fuchsmundi 37, 6
neudr.; seine vorfallenden schultern, seine farblosen wangen lieszen keinen zweifel übrig, dasz ein arbeitsamer hypochondrist gegenwärtig sei Göthe 23, 132, 19
Weim. ausg. II@5@a@thθ)
von sonne und wetter gebräunt, braun: um ihn (
Bacchus) springen rasende Mänaden, ihre tänze loben seinen wein, und des wirthes braune wangen laden lustig zu dem becher ein. Schiller 11, 5 (
götter Griechenlands); seine gebräunten wangen Alexis
Roland von Berlin (1840) 1, 90;
vgl.: zwar brennt sie (
die sonne) meine wangen braun. R.
Z. Becker
Mildheimer liederbuch (1799) 2. II@5@a@iι)
von krankheit gelb: an des lebens vesten lekt die schlange (
Venus), geifert gifft ins hüpfende geblüt, knochen dräuen aus der gelben wange die nun aller purpur flieht. Schiller 1, 190. II@5@a@kκ) grau, greis '
mit ergrautem bart': der schläfe frischen reif, den schnee der greisen wangen, der sich umb euer haupt, o vater, hat gehangen. Fleming 1, 111
Lappenberg. II@5@bb) wange
im nom. II@5@b@aα)
sie brennt: seht diese wangen, ihr engel! wie sie in unschuldigem feuer brennen, und dann verdammt mich, wenn ihr könnt Lenz
schriften 1, 74 (
hofmeister 5, 10)
Tieck; seine küsse — paradiesisch fühlen! ... lippen, wangen brannten, zitterten, — seele rann in seele. Schiller 2, 109 (
räuber 3, 1
schausp.); es brennen die wangen, wie flammende sonnen, dem lachenden glück. Platen 188 (
gläs. pant. 3);
sie glüht: ha! wie pochts mir so bange! ha! wie glüht mir die wange! Voss 4, 72; brüder, laszt uns alles wagen! eure reine wange glüht. Göthe 2, 27, 128
Weim. ausg.; nun glühte seine wange roth und röther von jener jugend, die uns nie entfliegt. 16, 166, 49 (
epilog zu Schillers glocke); die wangen glühten, und der busen stieg. 37, 26, 12 (
Annette); eure wangen, sonst der sitz schaamhaft erröthender bescheidenheit, sie glühten nur vom feuer des verlangens. Schiller 12, 414 (
Maria Stuart 1, 4); er senkt das aug' in thränen und seine wangen glühn. Uhland
ged.2 212; ganz in unschuld, lieb' und güte glühte die wange dir. Platen 71 (
gas. 12); dasz mir von schüchternheit die wang' einst würde glühn? Müllner
dramat. werke (1828) 6, 3 (
die zweiflerin 1); die augen funkeln, die wangen glühen, die muskeln schwellen Zimmermann
über die einsamkeit 3, 477; freundlich glühten seine wangen am silbergrauen barte Fr. Müller 1, 14; seine wangen glühten vor scham und verdrusz Immermann
epigonen2 1, 65;
sie sprüht: es ist der helm, der sie so kriegerisch beseelt. seht eure tochter
an. ihr auge blitzt, und glühend feuer sprühen ihre wangen! Schiller 13, 185 (
jgf. v. Orl. prol. 3); du trinkst des weines gluth zu rasch hinab, dein auge funkelt, deine wange sprüht. Bauernfeld
schriften 3, 85 (
Fortunat 3, 10). II@5@b@bβ)
sie glänzt: von hoher röthe glut seh ich die wangen des bruders glänzen, und sein auge blitzt. ich weisz nicht was es ist, doch ists die farbe der freude und mitfreuend theil ich sie. Schiller 14, 36 (
braut v. M. 1, 5); die wange glänzt, zunehmend stündlich, wie der mond. Prutz
die politische wochenstube3 65. II@5@b@gγ) die wange rötet sich, färbt sich rot,
in gleicher bedeutung auch nur färbt sich: während die pförtnerin die geschichte mit allen umständen erzählte, färbten sich die wangen der jungen nonnen hochroth Klinger 3, 9 (
Fausts leben); das auge des jünglings belebt sich, seine stimme sinkt, die wange des mädchens färbt sich: zwei geschöpfe verlangen nach einander und wissen nicht, was sie verlangen Herder 13, 54
Suphan; die blasse wange färbte sich ein wenig Mörike
werke (1889) 3, 55; der mochte sich hüten, der sein auge flammen und seine wangen sich färben sah Mommsen
röm. gesch.2 2, 338.
ähnlich: die wangen der artigen verbrecherin belebten sich ... durch die reizende farbe der schamhaftigkeit Göthe 21, 73, 22
Weim. ausg. II@5@b@dδ)
sie erbleicht: von vorhten bleichent mir diu wangen rôt. Walther 123, 12; herczekint, dine wangen sint dir so gar vorblichen, dine macht und dine kraft ist dir so gar entwichen.
Alsfelder passionsspiel 6078; ein andres antlitz, eh sie geschehen, ein anderes zeigt die vollbrachte that. ... ist sie geschehn und begangen, blickt sie dich an mit erbleichenden wangen. Schiller 14, 94 (
braut v. M. 3, 5);
vergl.: der wangen zier verbleichet, das haar wird greisz. Opitz
teutsche poemata 143
neudr. II@5@b@eε)
sie bräunt sich: eh noch die wange sich männlich bräunte. Denis
lieder Sineds (1772) 150, 18. II@5@cc) wange
im gen.: II@5@c@aα) glut der wangen: auf den rasen sank ich rückwärts nieder, schnell erloschen war der wange gluth. Körner 1, 65 (
Hempel). II@5@c@bβ) glanz, schein, licht: der schönen jugend kranz, der roten wangen glanz wird wie ein kleid verzehret. P. Gerhardt 88
Gödeke; ist denn meiner haare gold, meiner wange liecht und leben, euch zu dienen, wie ihr wolt, mir zu hohn und spott gegeben? S. Dach 425
Österley; am Gardasee fand ich die leute sehr braun und ohne den mindesten röthlichen schein der wangen Göthe 30, 56, 14
Weim. ausg. II@5@c@gγ) röte der wangen: die unruhe der verwichenen nacht hatte ... das roth ihrer wangen gebleichet Bürger 252
Bohtz; die reizende röthung der wangen sei als ersatz des helms zu betrachten Ed. Gerhard
akad. abhandlungen (1866
ff.) 1, 361; willst du uns das schaamroth und die blässe der wangen mild' erlassen, wenn wir knieend dem richter hier geheime schulden bekennen? Herder 27, 78
Suphan; ach, ich sah den purpur deiner wangen! Schiller 1, 284 (
geheimnisz der reminiszenz).
vgl. purpur
th. 7
sp. 2257
c. II@5@c@dδ) farbe der wangen,
meist in der bedeutung '
röte': wen liebliche gestalt betzeuget, wem seiner wangen farbe leuget, o herr! o himmels herr! hält er sich schöner wol als dich? A. Gryphius
trauerspiele 151 (
Cath. v. Georg. 1, 55)
Palm; die farbe der wange, der liebreiz des mundes Herder 22, 121 (
Kalligone 1)
Suphan. II@5@c@eε) blässe, bleiche: lasz dich umarmen, tod, an dieser leiche! mein auge laben an der wangen bleiche! Lenau
ged. (1857) 1, 157; die interessante blässe ihrer wangen hat die ganze zeit über nicht die geringste veränderung erlitten v. Ebner-Eschenbach (1893) 4, 41. II@5@dd) wange
im acc. II@5@d@aα)
einer verfärbt die wangen '
er wechselt die farbe, er erbleicht oder errötet': die wangen verfärben,
suffundere sanguine, vel pallore genas Stieler 2503. II@5@d@bβ) blut, röte färbt die wangen
u. ä.: wenn herzblut seine wange tuscht. Schubart
sämtl. gedichte (1825) 2, 311; verräth nicht schon die hohe röthe, die bei anhörung einer solchen geschichte unsre wangen färbt, dasz unsre bescheidenheit vor der bewunderung zittert? Schiller 4, 43 (
philos. briefe); eine fliegende röthe färbte die wangen H. Steffens
was ich erlebte (1840) 1, 272; scham, erregung, färbt sie: sonst musz scham meine wangen färben Fr. Müller 1, 200; die begeisterung hatte seine wangen geröthet Storm
werke (1899) 1, 150; die edle jungfrau seh' ich überrascht, und ihre wangen färbt die zücht'ge schaam. Schiller 13, 266 (
jgfr. v. Orl. 3, 4); des herzens sehnen färbte meine wangen. Körner 2, 12 (
Hempel); freude färbt des groszen würgers wangen, weil Europa hinter ihm versinkt. Platen 1, 5 (
Hempel);
ähnlich: ich ... gerieth in verlegenheit, was meine wangen in scham tauchte Arnim (1857) 1, 345. II@5@d@gγ) furcht, schreck bleicht sie: ihre feinde sollen sich nicht rühmen, dasz furcht des todes ihre wangen bleichte. Schiller 12, 552 (
Maria Stuart 5, 3). II@5@d@dδ) etwas erhitzt die wangen
u. ä.: glut durchkochte seine wangen Arnim (1857) 15, 115. II@5@ee) wange
im dat.: wo der wange die röth' entfloh. Klopstock 1, 107 (
ihr schlummer); alle farbe entschwand seinen wangen Mylius
Peregr. Pikle bei Kinderling
reinigk. d. deutsch. sprache (1795) 381. II@5@ff) wange
abhängig von richtungspräpositionen. II@5@f@aα) auf
mit acc.: auf ihre wangen zog ein zarter schein. A. v. Droste-Hülshoff 2, 242
Kreiten (
s. u. 6
a). II@5@f@bβ) in
mit acc.: II@5@f@b@11)) das blut steigt, schieszt in die wangen: das blut stieg mir davon in wangen und augen Arnim (1857) 1, 345; da er Hackert's lächeln sonderbar fand, setzte er, indem ihm das blut in die wangen schosz, mit unterdrücktem zorn hinzu ... Gutzkow
ritter vom geist2 1, 248; das blut steigt in die wangen Scherer
litteraturgeschichte7 61. II@5@f@b@22)) einer
oder etwas treibt das blut in die wangen: so will ich mit einem wort', oder nur mit einem blick', all' ihr blut in ihre wangen jagen! Babo
schauspiele (1792) 70 (
Otto v. Wittelsbach 2); es waren die schönen reden ihrer tänzer, die ihr das blut in die wangen trieben Alexis
Roland v. Berlin (1840) 1, 383; es überfielen ihn plötzlich alle nur möglichen zweifel an dem fremden, von dem er sich düpirt zu werden als etwas dachte, was ihm das blut in die wangen trieb Gutzkow
ritter vom geist2 2, 103; die affecte, die den genossen unserer rasse das blut in die wangen treiben J. Henle
über das erröthen 6. II@5@f@gγ) zu den wangen: ha! das blut, voll wütendem verlangen, drängte sich muthwillig zu den wangen Lauren zu empfangen. Schiller 1, 282 (
geheimnisz der reminiszenz). II@5@f@dδ) über die wangen: wenn ... flüchtige augenblickliche röthe sich über die bleichen wangen seines vaters gosz Klinger 4, 7 (
Raphael de Aqu.); über die blassen wangen des kranken jünglings lief ein leichtes roth Tieck
novellen (1852) 1, 234; eine leichte blässe flog über ihre wangen v. Ebner-Eschenbach (1893) 4, 73. II@5@f@eε) aus den wangen: feindschaft der brüder war das schreckenswort, das alles blut aus seinen wangen jagte. Immermann 14, 16; das blut, die röthe weicht aus den wangen,
dann auch: aus seinen wangen weiche allmälig die leichenblässe zurück Steub
novellen und schilderungen 127. II@5@f@zζ) von den wangen: und (
sie) streicht die blasse furcht von meinen todten-wangen (
indem sie mir nicht mehr zürnt). Neukirch
in: Hoffmannswaldaus
und anderer gedichte (1697
ff.) 2, 22; die liebe nimmt die röthe von den wangen. Tieck
schriften (1828) 1, 72; denn der gesundheit farbe saugt ihr heiszer blick dem jüngling von den wangen und verzehrt den mann. Mörike
werke (1889) 1, 193. II@5@gg) wange
abhängig von präpositionen der ruhe. II@5@g@aα) auf
mit dat.: damals soll sich die erste schamröthe auf seinen bleichen wangen gezeigt haben Abbt
verm. werke (1768
ff.) 3, 69; damals ... lag noch der duft der jugend auf ihren wangen Storm
werke (1899) 1, 48;
attributiv: er soll mir zahlen die todesblässe auf diesen wangen! Klinger 2, 28 (
Aristodemos 2, 2). auf der wange brennen: es brannte die frühlingsglut einer verzweifachten liebe auf meinen wangen
fürst Pückler
briefwechsel u. tagebücher 1, 124; er fühlt die spöttischen blicke seiner umgebung auf seinen wangen brennen Treitschke
hist. u. polit. aufsätze 1, 79; flammende röthe brannte auf seinen wangen v. Ebner-Eschenbach 1, 137. glänzen, funkeln: die lebhafte farbe der gesundheit glänzte auf seinen wangen Göthe 22, 85, 25
Weim. ausg.; stets hat der freude roth auf meinen wangen, aus meinen augen jugendmuth gefunkelt.
graf Strachwitz
gedichte (1850) 2. II@5@g@bβ) in der wange: sang was gisungan,wîg was bigunnan, bluot skein in wangôn:spilôdun ther Vrankon.
Ludwigslied 49; verhülle mit dem schwarzen mantel mir das wilde blut, das in den wangen flattert, bis scheue liebe kühner wird, und nichts als unschuld sieht in inn'ger liebe thun.
Shakespeare Romeo und Julia 3, 2;
attributiv: präsident. wenn ich hinter gewisse historien komme? — halt! holla! was bläszt so auf einmal das feuer in deinen wangen aus?
Ferdinand (
schneeblasz und zitternd). wie? was? Schiller 3, 368 (
kab. u. l. 1, 7). II@66)
die farbe der wangen ist der anknüpfungspunkt für eine fülle von vergleichen und bildern. vereinzelte metaphern sind: es waren auch ir wangen als plut in milch zergangen. H. v. Neustadt
Apollonius 13211
Singer; den schnee der weiszen wangen. Opitz
teutsche poemata 72
neudr.; thust du stolz mit deinen wangen, die mit milch und purpur prangen? ach! die rosen welken all'! Hauff 1, 52
Schwab; deine wang sind als der bruch des roten apffels Zainers
bibel, hohel. 4, 3 (Luther: deine wangen sind wie der ritz am granatapffel); ihre wangen wie die roten krebs Guarinonius
grewel der verwüstung (1610) 487.
zwei gruppen aber sind besonders hervorzuheben: II@6@aa)
das rot der wangen wird mit dem morgen- oder abendrot, auch mit einem stern verglichen (
s. auch oben 5
b α Platen 188
und 5
b β Prutz
polit. wochenstube 65): deine tausend-schöne wangen seynd zwey edle hügelein, da mans morgen-roth sieht prangen bey dem frühen tages-schein. A. Silesius
heilige seelenlust 55
neudr.; wie oft dein (
des morgens) holder stern auf Leonorens wangen durch seinen wieder-schein mir doppelt aufgegangen. Günther
gedichte (1735) 316; ein bescheidnes schämen, das ... des reifen tages abendroth auf die zu blöden wangen lenket. Stoppe
Parnass (1735) 261; und auch du — da mich dein auge spähte, was verrieth der wangen morgenröthe? Schiller 1, 282 (
geheimnisz der reminiszenz); auf ihre wange zog ein zarter schein, wie morgenhimmel, wogend überm schnee, ihm seine leichten spuren drückte ein. A. v. Droste-Hülshoff 2, 242
Kreiten; wie hoher abendpurpur färbte sich die zarte wange vom bewegten blute. 2, 21. II@6@bb)
am beliebtesten und auf die verschiedenste weise gewendet ist aber der vergleich der wangenfarbe mit blumen, zunächst der roten; unter diesen nimmt die rose die herrschende stellung ein (
vgl. auch oben Hauff 1, 52
und rose
th. 8
sp. 1175). II@6@b@aα) die wangen leuchten
u. dgl. wie die rosen: diu lûter und diu fîne truoc liehteberndiu wangen, diu wâren umbevangen mit rôte an iegelicher stat; si lûhten als ein rôsenblat, daʒ sîne bollen hât zertân und êrst dar ûʒ beginnet gân des morgens in dem touwe. K. v. Würzburg
troj. krieg 19953
Keller; ir wangen lûhten als die rôsen.
gesammtabent. 3, 131, 71.
seltener ist der vergleich mit anderen blumen: es gefallen ihm ... die wangen, weil sie zierlicher wachsen, als die thessalischen violen Butschky
Pathmos (1677) 519. II@6@b@bβ)
zu wange
treten die adjectiva rosenrot, nelkenrot (
vgl. auch unten 12
a α venusgärtlein): von eime trostlichen wibe mit rœselehtem wangen.
minnesinger 1, 112
a Hagen; darzu sitz ich (
die mücke) auch mit verlangen den schön frawen aufft röszlet wangen. H. Sachs 9, 149, 6
Keller; ein angenehmes kind von rosenrothen wangen. Neukirch
gedichte (1744) 137; sennin, o wie reizend blüht deine wange rosenroth. Lenau
ged. (1857) 1, 209; meine nelkenrohte wangen. Grob
dichter. versuchg. (1678) 23. II@6@b@gγ) die wangen blühen: wäre sie mitgenossin des verbrechens, ihre wangen würden blühen Klinger 2, 30 (
Aristodemos 2, 2); die fessel und die knechtschaft fliehn, und, wo nur schöne wangen blühn, um schöne wangen sich bemühn: das nennt man itzo zärtlichkeiten. Hagedorn
poetische werke (1769) 3, 33; so sieht der hirt den marmor schon erwarmen, den schönen mund, die wangen frischer blühn. Wieland 10, 172 (
urtheil des Paris). blühende wangen (
s. auch unten 15
a Pfeffel
poet. vers. 1, 24): im dunklen gewande ein götterkind keck mit purpurmund, blühenden wangen. Kind
gedichte (1808) 104. II@6@b@dδ) die wange, ihr rot verblüht (
vgl. auch u. 7 verblühter wangen feld Uz 287): achte die seele, wenn auch das frische roth der wangen verblüht ist Iffland
theatralische werke (1827
f.) 1, 135 (
verbrechen aus ehrsucht 1, 7); und mir ist, als wohne drüben meine braut und harr' in schmerz, dasz ich komme, sie zu lieben, eh' verblüht ist wang' und herz. Lenau
ged. (1857) 1, 28. II@6@b@eε) rosen schmücken die wangen, blühen auf den wangen
u. ä. (
vgl. auch oben 5
a δ Thümmel): ein mädchen, dem die nahe gegenwart des todes keine der rosen rauben konnte, die ihre wangen schmückten G. Kerner
bei J. Kerner
bilderbuch (1849) 79; weise die rose nicht ab von deinem busen, sie blühet noch auf der wange dir, noch in dem herzen dir auf. Göthe 4, 232
Weim. ausg.; gesundheitsblumen, die auf wangen blühn, das sind die einz'gen, die ich weisz zu schätzen. Rückert
werke 3, 118;
für blumen
steht der lenz: die liebenswürdge Hedera, lenz war auf ihren wangen. Gerstenberg
recensionen 69, 27
Fischer; auf seinen wangen blühte lenz. Denis
lieder Sineds (1772) 98, 7. II@6@b@zζ) die rosen verwelken auf den wangen: nun, liebes herz? warum so blasz die wange? wie sind die rosen dort so schnell verwelkt?
Shakespeare sommernachtstraum 1, 1; und auch auf meinen wangen ... entfärben sich die rosen. Chamisso
werke (1836) 3, 42. II@6@b@hη) die rosen, die blüte,
u. s. w. der wangen: auf der wangen rosen-bahn darff man nicht sein pfund vergraben. Günther
ged. (1735) 310; wo bleibt der hellen augen paar, die rosenblüthe voller wangen. Gottsched
ged. (1751) 117; dieses auge, das mich blendet, dieser wangen weiche blüte. Platen 56 (
verm. ged.); dahero die arme buhlerinn den so angebeteten früling seiner schönen wangen ... in einen ungestalten ... winter sich verwandeln ... hat sehen müssen v. Birken
ostländischer lorbeerhayn (1657) 14. II@6@b@thθ)
um die rote stelle noch besonders durch den gegensatz hervorzuheben, wird von mhd. zeit an bis in die neuzeit die übrige wangenfläche mit den lilien verglichen (
ein ähnlicher gegensatz oben 6
zu anfang bei H. v. Neustadt
und Hauff;
vgl. auch lilie
th. 6, 1022): si nam daʒ ich ir bôt, einem kinde vil gelîch daʒ êre hât. ir wangen wurden rôt, same diu rôse, dâ si bî der liljen stât. Walther 75, 30; Amor selbst hat ... die von scham gestriemeten lilien und rosen auf ihre wangen gemahlet Schottel
friedens sieg 25
neudr.; der mund ist kirschenroth, die lilenweisze wangen mit purpur angemahlt. Rachel
satyr. gedichte 26
neudr.; eine wange, wo die ros' unter liljen blühet. R.
Z. Becker
mildheimisches liederbuch 68; das blut in ihren wangen zart trieb solch ein roth und weisz, als ob da ros' und lilie stritt' um den wettepreis. Herder 25, 135
Suphan; vgl. auch: milch- und rosenwangen Stieler 2503. II@77)
um mangelnde frische röte oder zarte blässe auf den wangen hervorzurufen, werden sie geschminkt. II@7@aa) die wangen schminken,
malas caerussa oblinere, Steinbach 2, 933; einreiben, anstreichen, bemalen: uns triuget der werlde goukelspil an manigen meiden und jungen wîben, die verre uns gebent liehten schîn: daʒ aber si niht kleider und wangen rîben, wer wil des ir bürge sî
n. Hugo von Trimberg
renner 12695
Ehrismann; auch kan ich (
Sathanas) dy frauen und dieren anstreichen dy wang und das hieren.
altd. passionsspiele aus Tirol 258,
v. 3996
Wackernell; vgl.: wer nennt so oft, wie sie (
Lesbia), Paris und grosze welt, und mahlt mit höherm roth verblühter wangen feld. Uz
werke 287 (98, II, 12)
neudr. II@7@bb) schminke auf die wangen reiben, malen: eine andere ... riebe schmincke auf die wangen Happel
akad. roman (1690) 35;
ähnlich: der reiz verschwand mit ihrer jugend; der zeit zum trotz malte sie den entflohenen reiz auf ihre wangen Rabener
werke (1777) 4, 144. II@7@cc) geschminkte, bunte,
dann auch falsche, fremde wangen: schön geschminkte wangen haben,
buccas belle purpurissatas habere Steinbach 2, 933; wir haben an der bunten wange der alten Babel uns berauscht. v. Schenkendorf
gedichte (1815) 59; mir gefällt bey netten sachen stets die einfalt der natur, und wo fremde wangen lachen, sieht mein eckel gleich die spur. Günther
gedichte (1735) 243. II@7@dd) geschminkt auf der wange: worunter ein scharfgezeichnetes, dünnes gesicht hervortrat, das nur auf der linken wange geschminkt war Heine 3, 243
Elster; ähnlich: mit ir hôhvertigem gange unt mit vrömder varwe an dem wange. Heinrich v. Melk
erinnerung 328
Heinzel. II@88)
die thränen flieszen aus den augen über die wangen, in mannigfacher weise werden daher die wangen bei der schilderung des weinens verwandt; in ähnlichen wendungen wird berichtet, wie schweisz oder blut von der stirn auf die wange rinnt. II@8@aa)
mit adjectiven, nasse, bethränte wangen
u. ä.: mit thränen benetzte wangen,
cheeks bathed with tears Ludwig 2380; was so manches land von dir mit gebet' und nassen wangen noch zur zeit nicht kan erlangen, vater das besitzen wir. S. Dach 844
Österley; bewiesz das mitleid nasser wangen, wie tieff der risz in dein geschlecht der groszmuth durch das hertz gegangen. Günther
gedichte (1735) 145; ich bin ein kriegsmann, verstehe mich wenig auf nasse wangen — Fiesko — das sind meine ersten thränen Schiller 3, 160 (
Fiesko 5, 16); das mühmchen floh durchs hinterhaus mit heiszbethränten wangen. Langbein
schriften2 4, 107. II@8@bb)
als subject: da wart manic wange von wainunden ougen naʒ.
daʒ jüdel, Hahns ged. 134, 22; so entquoll's seinem herzen; er segnete mich, und ging mit wangen, die inniges mitleiden trofen, hinweg Schubart
leben und gesinnungen 2, 143. II@8@cc) wange
im acc. (
vgl. auch e ε). II@8@c@aα) thränen benetzen die wangen
u. ä.: des herzen vlut zu ougen vlôʒ, die im die wangen begôʒ mildeclîche hin zutal.
Marienlegenden 21, 104 (
s. 156)
Pfeiffer; da sach man träher mit gewalt netzen der edlen weiber wangen. C. Scheit
die frölich heimfart G 3
a. II@8@c@bβ) jemand benetzt (mit thränen) seine wangen: ûʒ ougen muost er wangen baden: von herzeliebe daʒ geschach.
Winsbeke 64, 1; du muost diu wange ûʒ ougen baden.
Winsbekin 17, 10; wann im ward sein härtz gar grosz, dasz er sein wangen mit weinen begosz. Gengenbach 239 (
v. 297)
Gödeke; ich mit meinen zähern meiner augen meine wange nicht neczen mochte
decameron 506, 25
Keller. II@8@dd)
im dat.: eine thräne, die mir still den wangen entfiel. Klopstock 1, 23 (
die künftige geliebte). II@8@ee)
abhängig von richtungspräpositionen oder von verben, die mit richtungsadverbien zusammengesetzt sind. II@8@e@aα) auf: das er die träher von iren augen auff wangen fallen siehet Carbach
Livius 183
b; dasz sie (
die thränen) mir nicht mit haufen auf meine wangen laufen. P. Gerhardt 143 (52, 30)
Gödeke; vom blut: ich wel die kronen drucken gern, dasz das blut rinnet uff sin (
Jesus) wangen.
Alsfelder passionsspiel 4302. II@8@e@bβ) zu: steigent denn nit ab die zäher der witwen zuo dem wang (
ad maxillam descendunt) Zainers
bibel, Sirach 35, 18,
ebenso Koburger (Luther, Eck, Dietenberger,
Züricher bibel: backen). II@8@e@gγ) über: die thränen flossen ihr über die wangen,
the tears trickled down her cheeks Ludwig 2380;
les larmes lui couloient le long des jouës Rondeau; die zæher runnen im langeubir siniu wange.
Genesis 94, 30
Diemer; weinen si began: über liehtiu wangesach man vallen trahen dan.
Nibel. 572, 4; daʒ waʒʒer ir über diu wang flôʒ. Enikel
weltchronik 5144
Strauch; ausz iren augen trehen wielen und ir über die wangen fielen. Wickram 7, 101, 1398
Bolte; über die wangen ihm fürbasz ablieffen vil der träher nasz. Spreng
Aeneis 87; freund, was sollen die thränen, die über die wange dir schleichen? Herder 26, 53
Suphan; und manche warme thräne rann mir über bleiche wangen. Platen 23 (
lied. u. rom.); und thränen stürzten über ihre wangen. Chamisso
werke (1836) 4, 67; seine augen wurden als vol das die czäher über die wang abrunnen Suso (
Augsb. 1482) 81
b; das im auch seine threnen ... uber seine wangen flieszen Mathesius
Sarepta (1571) 51
b; und lieffen ihm die zäher uber seine wangen herab Schumann
nachtbüchlein 143
Bolte; jungfrauen ..., die alle so viel thränen über ihre wangen flüszen lieszen Lohenstein
Arminius (1689) 1, 11
a; thränen rollten über ihre wangen S. v. Laroche
gesch. d. frl. v. Sternheim (1771) 1, 84; ein thränenstrom stürzte über ihre wangen Pfeffel
pros. versuche (1810) 5, 42. II@8@e@dδ) von: die threnen, die die braut lest rinnen von den wangen. Zinkgref
auserl. gedichte 30
neudr.; die thränen strömten von den wangen. Ramler
fabellese (1783) 1, 165; thränen schau'rten herunter von der bleichen wange. Schubart
gedichte (1825) 2, 41; die thränen ihm von den wangen flieszen. Göthe 16, 49
Weim. ausg. (
das neueste von Plundersweiler v. 116); verrätherisch rollten die tränen von ihren wangen Schiller 2, 132 (
räuber 4, 2
schausp.); stille thränen rinnen von den mütterlichen wangen herab Fr. Müller 1, 353; von den wangen fielen ihr thränen Arndt
werke 6, 169.
vom schweisz: so flosz mir auch der schweisz von hand, von stirn, von wangen. B. Mayr
päckchen satiren (1769) 12. II@8@e@eε) die wangen hinab, herunter: die zähre rinnt vor wuth die wang' hinab! Heinse
in Gleims briefwechsel 1, 50
Körte; sieh, da läuft die erste thräne, die ich seit meiner kindheit geweinet, die wange herunter! Lessing 2, 6 (
miss Sara Sampson 1, 5); nach volbrachtem opfer sah' ich eine thräne nach der andern die wangen meines vaters herabflieszen Hippel
lebensläufe (1778
f.) 1, 134; dennoch quellen ihm thränen die wangen herunter Fr. Müller 1, 103. II@8@ff)
abhängig von präpositionen der ruhe: II@8@f@aα) an
z. b. er hat eine thräne an der wange. II@8@f@bβ) in: waynent waynt sy in der nacht und ir zäher warn in iren wangen (
in maxillis) Zainers
bibel, klagel. Jerem. 1, 2,
ebenso Koburger, Eck (Luther, Dietenberger,
Züricher bibel: backen). II@8@f@gγ) auf (
jetzt das allein übliche): thau blinkt auf euern blättern, wie der liebe thräne auf meinen wangen blinkt Sal. Gessner
werke (1778) 2, 8; wo sind edlere thränen, als diese auf den wangen des greises Herder 3, 29
Suphan; wemüthig zittern tränen auf seiner sorgenden wange. Lenz
gedichte 4
Weinhold. vom schweisz: der kalte schweisz auf meinen wangen ist zwar ein vorbot dieser noth. Hoffmannswaldau
u. a. gedichte (1697) 323. II@8@gg)
das aufhören oder das stillen des weinens bezeichnen die wendungen die thränen von den wangen wischen, trocknen, die wangen trocknen: wische die ächzenden thränen von den wangen ab. Hoffmannswaldau
u. a. gedichte 1 (1697) 339; die tugend trocknet zähren von unsern wangen ab, die sie doch nicht entehren. v. Cronegk
schriften (1766) 2, 24; bis wir alle hingelangen hin zu dir, o lebensfürst, wo du von der deinen wangen alle thränen trocknen wirst. Schubart
gedichte (1825) 1, 37; und die freudenthräne, hell im abendstrahle, schweigend mir mein mädchen von der wange wischt. Hölderlin 1, 54
Litzmann; verbergt mich, dasz kein spötter die thränen sieht und lacht, wenn ich geschmiegt an seinem hügel die bebenden wangen trockne. 1, 80. II@99)
das muskelspiel der wangen tritt hinter dem der lippen und der mundwinkel zurück, doch hängt es mit diesem zusammen und wird in der backengegend besonders beim lächeln mit erregt. II@9@aa) die wangen zittern, beben: wangen brannten, zitterten Schiller 2, 109 (
s. oben 5 b
α); die bebenden wangen
s. den eben angeführten beleg aus Hölderlin. II@9@bb) die wangen (
unwillig oder höhnisch) verziehen
für das üblichere den mund verziehen: wie lang bin ich geduldig? ... nicht Glosters tod, noch die verbannung Herefords ... liesz je die wangen mich verziehn, noch runzeln hinwenden auf das antlitz meines fürsten.
Shakespeare Rich. II. 2, 2. II@9@cc) ein feiner lauernder zug um mund und wange! Göthe 8, 50, 17 (
Götz, schausp. 1)
Weim. ausg.; das sonderbare muskelspiel in den eingefallenen wangen E. Th. A. Hoffmann 1, 11
Grisebach. II@9@dd)
die wange
beim lachen. II@9@d@aα)
sie lacht: ihre thränen zerbeizen still das herz, indesz die wange lacht. Kretschmann
werke (1784
ff.) 2, 256; lachende wangen: dein lieblich gsichtmein hertz durch sticht, dein lachend mund und wangen. Forster
teutsche liedlein 44 (71, 2)
neudr.; denn ich bin gegen dir freylich zu schwach: aber der purpur der lachenden wangen mehret mein winseln. Neukirch
gedichte (1744) 35. II@9@d@bβ)
sie faltet sich, verzieht sich zum lächeln: selbst -'s abgefrömmelte, dem zeitlichen längst nicht mehr reizbare wange faltete sich hier wohl einmal wieder zu einem irdischen lächeln Lichtenberg 3 (1844), 205. II@9@d@gγ) lächeln spielt um die wangen: denn heiter blickst du wie ein glücklicher um dich und lächeln spielt um deine wangen. Schiller 14, 39 (
braut v. M. 1, 7); um bart und wangen (
des katers) spielte oft ein anmutiges lächeln E. Th. A. Hoffmann 10, 45
Grisebach. II@9@d@dδ)
andere wendungen (
vgl. auch oben 4
k Salis
gedichte 11): auf wangen, welche der reiz mit frohem lächeln bewaffnet, läszt du die jugend gefährlicher blühn.
N. D. Giseke
poet. werke (1767) 107; weinen will ich, so lang noch leben in mir ist, nie soll ein lächeln diese wangen mehr erheitern. Schiller 12, 548 (
Maria Stuart 5, 1). II@9@ee)
hierher gehören auch schmachtende wangen,
da das schmachten in einem einziehen der backen besteht; vgl. schmachten th. 9
sp. 886: zunächst bin ich bei frau Hart auf der Hartburg zur herbsternte, wo mich die rothen backen unserer edlen äpfel unglaublich mehr interessiren, als die schmachtenden wangen schöner damen Holtei
erzähl. schriften 5, 29. II@9@ff)
hierher wol auch: du solt niht geloben an zober ... noch an die nahtfrowen, noh an der agelstrun schrien, noch an die brawen und die wangen juken Wackernagel
altd. predigten 77 (42, 7).
th. 4, II, 2348
wird die wangen
als nom. gefaszt und jucken
als '
prurire'; Scherz-Oberlin 1938
erklären '
maxillas movere, divinationis genus'
; es wird unwillkürliches muskelzucken gemeint sein, vgl. Grimm
myth.4 2, 935, jucken '
springen, aufschnellen'
th. 4, II, 2347, dem juckt's (
fährt, zuckt es) durch alle glieder Martin-Lienhart 406
b. II@1010)
wendungen, die sich auf das aufblasen der wangen (
eigentlich und gebräuchlicher der backen)
beziehen. hierher gehört: scolpus, einplasung, geschwulst
vel pleuung des mundes, wange Diefenbach
gl. 519
c;
scolpus, wange
i. maxilla nov. gl. 331
b.
das lateinische wort, jetzt als stloppus, slopus gebucht, steht bei Persius
sat. 5, 13 (
nec stloppo tumidas intendis rumpere buccas)
und bedeutet nach Georges
5 2, 1602
den '
schall, der sich hören läszt, wenn man auf aufgeblasene backen schlägt, den klapps'. II@10@aa)
bucare, wang auf plasen Diefenbach
nov. gl. 61
a;
buccare, drengen de wangen (
nd.)
gl. 83
a; wenn man einen spieler die wangen unnatürlich aufblasen siehet, eine kleine flöte zu spielen Dusch
vermischte werke (1754) )( 4
a; da nahm einer der buben die wangen voll und blies mir die ganze herrlichkeit ... hinab Rosegger
das buch von den kleinen 306. aufgeblasene wangen: er bücket sich mit aufgeblasnen wangen, stützt den gesenkten kopf. König
gedichte (1745) 41. II@10@bb) durch die wangen blasen: ich hör ain horen schellen vor Jörigen Baders hus, er plaset durch die wangen vor grymm vnd auch vor zoren, chomm ich im an die stangen, den palg hab ich verlorn! Hätzlerin
liederbuch 25 (21, 17). II@10@cc) die wangen sind voll, schwellen an, laufen auf, spannen sich, bersten beim blasen (
vgl. auch u. wänglein Fischart): ich fühlte das anspannen meiner wangen, ich schrie, der odem ward mir im busen zu mächtig Fr. Müller 1, 17; ei, so blase du, dasz dir die wangen bersten! H. v. Kleist (1863) 2, 210 (
Käth. v. H. 3, 10); meine tuba gab ich längst der fama, die, die wangen voll von athem, lob verkündet. Herder 23, 218 (
Adrastea 2)
Suphan. II@1111)
die wange
kann einer person oder sache genähert oder durch seitwärtsdrehen des kopfes ihr zugekehrt, etwas kann der wange
genähert oder von ihr entfernt werden. folgende verbindungen sind hervorzuheben: II@11@aa) die wange an etwas legen, lehnen, drücken, die wange liegt an etwas: Apollo klagte ganze stunden am lorbeerbaum ... er lehnte seine feuchten wangen ans grüne holz. Hölty
gedichte (1869) 4
Halm; wie ein rechter liebesthor lehn' ich sanft an dich (
violine) die wange. Eichendorff 1, 16
Dietze; der pilger lehnte die heisze wang' an den felsen v. Löben (Isidorus orientalis)
Guido (1808) 231.
besonders sie an eines andern wange legen, drücken: und leite Riwalîne ir wange an daʒ sîne. G. v. Straszburg
Tristan 1292; ir rôsenvarwen wangen die dructe sie an die sînen. H. v. Freiberg
Tristan 5416
Bernt; armes gespenst! ... es drückte eine so warme wange an ihre heiszglühende Holtei
erzähl. schriften 3, 44; es war wange an wange gelegt Mörike
werke (1889) 1, 99.
dann auch losgelöst vom verbum wange an wange: sus lac si in der unmaht und âne sinne lange, ir wange an sînem wange. G. v. Straszburg
Tristan 1304; ain kusz ze tusent stunt und wang an wang widerstrit, da der minne zundel lit, daʒ wart mir frödenrichen man.
liedersaal 2, 339,
v. 83. II@11@bb)
zum zielen und abdrücken legt, reiszt man das gewehr an die wange, es liegt an der wange,
bairisch-österr. am, beim, im wang: kan er (
der schütze) ... so offt es nöthig am wang (
das rohr) spannen, sonst der schusz verlohren ist ... wan es sich aber begebe, dasz einen dasz rohr im wang nicht abgienge ...
mitteil. des histor. ver. f. Steiermark 48, 276 (
Pettauer schützenordnung um 1700); en buemb is nicks lieber, als s büchsal bei'n wang.
wildschützenlied bei Schmeller
2 2, 958. II@11@cc) die wange in, auf die hand legen, stützen,
bei gesenktem kopfe ein zeichen des nachdenkens, der trauer, der reue, bei emporgehobenem ein zeichen der erwartung, des lauschens, lauerns: ich hete in mîne hant gesmogen daʒ kinne und ein mîn wange. dô dâhte ich mir vil ange, wie man zer welte solte leben. Walther 8, 8; sus lac der junge klagende ... er hæte in sîne hant genomen vil riuweclîche ein wange. K. v. Würzburg
Engelhart 5421; o, wie sie (
Julia am fenster) auf die hand die wange lehnet! Göthe 9, 193 (
Romeo 379)
Weim. ausg.; sie legte ihre wange in die flache hand und sah ihn lauernd an Storm
werke (1899) 1, 14.
auch die hand an, unter die wange legen: ir wîʒe hant wol getân leite si an daʒ wange und loste dem vogelsange.
Moriz v. Craon 1711
Schröder; hierauff legte sie die hände unter die wangen und hörte in diesem einsamen lust-walde ... dem annehmlichen klange der nachtigallen mit auffmercksamen ohren zu Menantes (Hunold)
der europäischen höfe liebes- u. helden-geschichte (1718) 5. die hände stützen die wangen: wie er so an dem feuchten flammenden quellen (
sic) sasz, beide hände die blasze wang' unterstüzten v. Löben (Isidorus orientalis)
Guido (1808) 217. die hand von der wange ziehen: 'Wieb', sagte sie, indem sie der alten die hand (
mit der sie sich aufstützt) von der wange zieht, 'Wieb, ist er todt?' Storm
werke (1899) 1, 60. II@11@dd) einem die wange bieten,
sie ihm durch drehung des kopfes zuwenden. II@11@d@aα)
zum schlagen, in der oder in anlehnung an die bibelsprache (
vgl. auch belege unter 12
f): swer dich slahe an dîn wange, sô sûme dichs niht lange, dû bietest im daʒ ander dar. Rud. v. Ems
Barlaam 104, 5; er gibet sein wange (
maxillam) den schlagenden in Zainers
bibel, klagel. 3, 30,
ebenso Koburger (Luther, Eck, Dietenberger,
Züricher bibel: backen); ich gab mein leib den schlagenden und meine wang den backenschlachenden
Jes. 50, 6 (Luther: ich hielt meinen rücken dar, denen die mich schlugen, und meine wangen denen, die mich raufften). II@11@d@bβ) zum kusse: sie bot ihm die schöne wange zum morgengrusz A. W. Schlegel
Athenäum 1, 157; blickte sie zuerst ihn, dann mich an und bot mir die wange. ich küszte sie v. Ebner-Eschenbach 4, 120. II@11@d@gγ)
wenn man einem die wange bietet, zuwendet, wendet man den blick von ihm ab; Walther
gebraucht diu wangen bieten, kêren
übertragen für '
sich von einem unwillig, verächtlich abwenden, ihn scheel ansehen': ich hân des Kerndæres gâbe dicke enpfangen: wil er dur ein vermissen bieten mir alsô diu wangen? er wænet lîhte daʒ ich zürne: nein ich, niht. 32, 18; swâ ich niht verdienen kan einen gruoʒ mit mîme sange, dar kêr ich vil hêrscher man mînen nac ode ein mîn wange. daʒ kît 'mir ist umbe dich rehte als dir ist umbe mich'. 49, 19. II@1212)
die wange
als object freundlicher oder feindlicher bethätigung. die seiten des gesichts sind stellen, auf die sich sowol liebkosungen als miszhandlungen gern richten. bei jenen wird auch jetzt noch in gewählter sprache wange
gebraucht, während bei diesen neue belege für wange
selten sind, man verwendet dafür lieber gesicht, backe,
bei schlagen
herrschen die wendungen hinter die ohren schlagen, eine ohrfeige geben
u. ä. II@12@aa)
der wangenkusz ist gegenüber dem lippenkusz der weniger innige, er gilt jetzt besonders als kusz der freundschaft und des ceremoniells, als zärtlichkeit liebender wird er in älterer zeit häufiger erwähnt als jetzt; bemerkenswerth ist, dasz Arigo
an mehreren stellen das basciare al fronte, das ihm wol für liebende ungewöhnlich und zu förmlich erschien, durch küssen an die wang
ersetzt. II@12@a@aα) die wangen küssen (
s. auch oben 3
Iwein 7504): ach möcht ich die hand erlangen schönste dam, dasz ich aus holt auch nur einmahl küssen solt deine rosenrothe wangen.
venusgärtlein 4
neudr.; wie ich dich von dem wagen nahm und küszte die gefrorne wangen. J. Schwieger (Stieler)
geharnschte Venus 19
neudr.; als die frau den trauer-scheidbrief sahe, küszte sie der beiden knaben stirne, küszt' die wangen ihrer beiden mädchen. Göthe 2, 50, 34
Weim. ausg.; dem papst küsse man die füsze, den engeln die wangen! 43, 80, 15; Eva ... küsset unzählichemahl seine männlichen wangen Fr. Müller 1, 96. II@12@a@bβ)
im 15.
u. 16.
jh. an die wange küssen: mit dem sy mit beyden armen umbfing, züchtig an ire beyde wang küsset (
le basciò al fronte)
decameron 625, 24
Keller;
ähnlich: 80, 21. 82, 4,
wo ebenfalls fronte entspricht; ime ... umb den hals fiele, mit weinenden augen an seine wangen züchtigklich kusset Montanus 148, 17
Bolte. II@12@a@gγ)
jetzt: auf die wangen küssen,
baiser à la jouë Rondeau; der graf liesz sich von seinem sohne die hand küssen, gab ihm einen kusz auf die wange Holtei
erzähl. schriften 7, 16; der bräut'gam kühn die braut umschlang, und küszt sie auf die wangen rot. Heine 1, 18
Elster. II@12@bb)
der leidenschaftliche kusz kann zum beiszen werden; in die wange beiszen: indem ich so dachte, so zuckte sie sachte, und bisz mich ins wange mit solcher caresse. Ch. Weise
gedancken von deutschen versen (1702) 417;
im trennungsschmerz: man hat mir nicht den rock zerrissen, es wär' auch schade für das kleid! noch in die wange mich gebissen vor übergroszem herzeleid. Uhland
ged.2 73;
hierher auch: den eltern Fridericum, dem die mutter mit dem bissz das wang verletzet
Melanchthon orat. von landgraff Friderichen, deutsch von Lauterbeck (1563)
f. 10;
daher: Friedrich mit der gebissenen wange (
was ein die wange beiszen
voraussetzt). II@12@cc) streicheln: ihre linke aber streichelt' sanft Evens holdselige wangen Fr. Müller 1, 9; das kindlein ... streichelte hals und wange der blassen schönen Tieck
schriften 4, 266 (
Phantasus 1); er meint immer, ich habe die kinderschuhe noch nicht ausgetreten, und begrüszt mich, indem er mir die wangen streichelt Bettine
briefe 1, 310; der graf ... war dann ganz väterlich zu seinem junker, obwohl zärtlich und zutraulich nie ... er hat ihn nie umarmt oder auch nur die wange gestreichelt Heyse
nov. 1, 257; sie ... streichelte ihm die wangen wie einem kleinen kinde Storm
werke (1899) 1, 253.
bildlich: ich werd's vergelten, wenn der genius mir sanft die wange streichelt Schubart
briefe 2, 186
Strausz. II@12@dd) einem die wangen, einen in die wangen kneifen,
als schäkerei: er (
der liebhaber) kneipt mir die wangen. Göthe 1, 31
Weim. ausg.; wo der kardinal Borghese ... die schwarzbraunen römerdamen ... kirchenväterlich und würdig in die wangen einstens kniff. Scheffel
gaudeamus37 123;
vgl. die wänglein zwicken. II@12@ee) einem auf die wangen klopfen,
als zeichen gönnerhaften wolwollens: lady (
Louisen auf die wange klopfend) meine Sophie heirathet. du solst ihre stelle haben Schiller 3, 460 (
kab. u. l. 4, 7); hatte er ihn ... freundlich auf die wangen geklopft Arndt
werke 1, 41. II@12@ff) schlagen, einen schlag geben
u. ä. II@12@f@aα) die wange schlagen: sie sluagun sâr thên gangonthiu heilegun wangun. Otfrid 4, 22, 31;
vgl.: mit wangôn thô bifiltênbigan er antwurten. 4, 19, 17; sy schendeten und schluogen mein wang (
maxillam meam) Zainers
bibel, Hiob 16, 10,
ebenso Koburger, Eck (Luther, Dietenberger,
Züricher bibel: backen); werden sy schlahen die wang des richters Israel (
maxillam)
Micha 5, 1,
ebenso Koburger (Luther, Eck, Dietenberger: backen,
Züricher bibel: auff die wangen).
jetzt ist der acc. ungebräuchlich, doch vgl. klatschen mit acc.: seh' ich eine wange, möcht' ich sie
klatschen. Göthe 5, 4
Weim. ausg. II@12@f@bβ)
vereinzelt ist in die wange schlagen: oba thih sihwer slahe in thin zeswa wanga (
in dextra maxilla tua) garawi imo thaʒ ander
Tatian 31, 3
Sievers; schlegt dich einer ins rechte wang, so biet ihm auch das linke Selhamer (1694)
bei Schmeller
2 2, 958. II@12@f@gγ)
desgleichen zu: Jesu, pis baldt gefangen oder ich schlach dir zu deinen wangen.
altd. passionsspiele aus Tirol 385
v. 1250
Wackernell. II@12@f@dδ)
bis ins 16.
jh. war das übliche an die wange schlagen: ouch gap sie ir einn guoten strich an ir rehte wange. daʒ ôr sûste ir lange. Ebernand v. Erfurt 3707; gedulteclichen er vertruoc, do man in an die wangen sluoc. Mone
schauspiele des mittelalters 1, 221, 329; des lachet der von Praunschweik, darum schluog in der könig ans wang. Liliencron
hist. volksl. 2, 246, 20 (1504); ob ein sun sinen vater geslagen hat an daʒ wange
Schwabenspiegel, landrecht2 16, 4
Gengler; so ein sun seinen vatter schlecht an wangen Seb. Münster
cosmogr. 379; ob dich îmant slêt an dîn rechte wange (
in maxillam), bût ime ouch daʒ andere Matthias v. Beheim
Matth. 5, 39
Bechstein, ebenso an:
codex Teplensis, Mentel, Zainer, Koburger; da du ... umb dein demutige und warhafftige antwurt an deyn gebenedeytes wang hertigklich geschlagen wardst
herzmaner 67
a. an
mit dat.: zu der mettenzeit wart hie gefangen, die judden slugen en an sinen wangen.
Alsfelder passionsspiel 8077;
dann auch: schläge empfangen an den wangen: manic druc und stôʒ wart dâ enphangen, an hirne und an wangen, an knien und an nasen. Ottokar
reimchr. 67956
Seemüller. II@12@f@eε) auf die wange schlagen: ob dich ainer schlecht auf ain wang, demselben halt hinwider das ander wang Berthold v. Chiemsee
tewtsche theologey (1852) 366; werdend sy schlahen den richter Israels auff die wangen
Züricher bibel, Micha 5, 1 (= 4, 14
der Lutherbibel); einen schlag auf die wange empfangen: für den schlagk, so er empfangen mit schmertzen hett auff sein wangen. Thym
Thedel v. Wallmoden v. 1650
neudr. II@12@gg) die wangen zerkratzen,
genas lacerare Steinbach 2, 933. II@12@hh) wunden schlagen in die wange, verwundet werden in der wange: Hans von Schönvelt ..., so ... ein wunden in das recht wang geschlagen entpfangen het Aventin 5, 497, 24
Lexer; worden si gewont in eren wangen unde umb ir houft also geslagen, dat man si's noch sit zeichen dragen. Hagen
buch von der stadt Cöln 5747,
städtechron. 12, 185;
vgl.: er haszt si ganz, das war (
im kampf) manch schranz den leuten in der wangen. Liliencron
hist. volksl. 1, 115, 28 (1462). II@12@ii) die wange durchstechen: von dem heiligen geiste wart er entfangen, daʒ des tûbelis wangen wurden zelochen vil garwe durhbrochen. Hartmann
vom glouven 598
v. d. Leyen; wan im (
Leviâtân) sîn wange hât durchbort des himelischen kindes tôt unde uns von der helle nôt durch sîn wange ûʒgezogen. Rud. v. Ems
Barlaam 79, 6; der pfalzgraf schlug gar manlich drin und stach si durch die wangen. Liliencron
hist. volksl. 1, 115, 5 (1462); durchstichst du sein (
des Leviathans) wang (
maxillam) mit einem halszband Zainers
bibel, Hiob 40, 21,
ebenso Koburger (Luther, Eck, Dietenberger: backen,
Züricher bibel: kinbacken). II@12@kk)
zur strafe wurden verbrechern die wangen
mit glühendem eisen durchstochen: aber des nachts machte er (
Veit Stosz) eifrig falsche wertpapiere, um sein gut zu mehren, und als er ertappt wurde, durchstach man ihm öffentlich mit einem glühenden eisen beide wangen G. Keller 2, 181;
daher durch die wange brennen: geschicht des not, das man sol ainen menschen auf dem aygen brennen durch das wange, so sol des gotzhaws amptman ... in dan antwurten in unser gewalt, ob wir im wellen prennen oder anslahen
monumenta Boica 6, 237 (
Tegernsee 1299);
andere ähnliche strafarten bei Grimm
rechtsalt.4 2, 298: enen penningk in sine wangen bernen (
Utrecht 1480); en slotel in der wange drucken (1459). II@12@ll)
speien: sey speybt im an die wangen seyn. H. v. Wittenweiler
ring 53, 4. II@12@mm)
auch lebloses berührt die wange
angenehm oder unangenehm, besonders die luft wird gern, mehr oder minder personificirt, in ihrer (
meist erquickenden)
wirkung erwähnt: wenn die blätter des baumes dem armen einsamen kühlung herabrauschen, ... und der hinzusäuselnde west seine wangen fächelt Herder 5, 49
Suphan; welche (
lüfte) in die brust des kranken wie balsam dringen und der wange des gesunden gleich seidnen händchen schmeicheln Immermann 1, 61
Hempel; (
der ostwind) kühlt auch mir die heisze wange. Göthe 6, 182
Weim. ausg.; küsset dir ein lüftelein wangen oder hände. Arnim (1857) 13, 33 kein lüftchen spielt mir um die wangen. Uhland
ged.2 63;
ferner: zum zeichen, dasz sich itzt die trübe luft verzogen, die ehmals wang' und brust mit nassen seuftzern schnitt. Günther
bei Steinbach 2, 933; sie (
die elfenkönigin) war's, die ungesehn bey ihm vorüber wallte, wenn er an seiner wang' ein geistig weh'n verspürt. Wieland 23, 109 (
Oberon 8, 66);
einwirkung anderer dinge: der wacholderstrauch ... stachelt meine wange Bettine
Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 175. II@1313)
nur wenige sprichwörter mit wange
sind aufgezeichnet, da das wort schon früh in den meisten mundarten verschwunden ist: rote wangen und weisze beine seind nicht allzeit die frömbsten, kochen nicht wol und betten übel Henisch 262, 14; salz und brod machen die wangen roth A. Schellhorn
sprichwörter (1797) 125 (
auch in der fassung: salz und brot macht wangen rot); rothe wange blüht nicht lange, kalte (todte) wangen schminkt man nicht Wander 4, 1780. II@1414)
die wangen
bilden die gröszten flächen des gesichts, sie können daher gelegentlich die bedeutung '
antlitz'
annehmen; als übersetzung von facies ist das wort verschiedentlich bezeugt: facies, wanga Steinmeyer-Sievers
gl. 3, 3, 68 (
vultus, antluzi 3, 70);
facias, wangun 3, 9, 10 (= Diefenbach
gl. 222
a) (
so auch engl. cheeks '
angesicht').
vgl.: wurdun imu is wangun liohte, blicandi so thiu berhte sunne. (
resplenduit facies eius sicut sol. Matth. 17, 2)
Heliand 3124
Sievers; oder ist dir mîn trôstund ander mîner mâge sô verre, daʒ dich niht ir helfe mac erlangen? war kom dîn sunneclîcher blic?wê wer hât den verstolen dînen wangen? W. v. Eschenbach
Titurel 112, 4.
die wange
wird zum symbol des ganzen äuszeren: eh' verblüht ist wang' und herz. Lenau
ged. (1857) 1, 28 (
s. 6
b δ).
schlieszlich steht der plural von wange
für die person selbst: wenn der schönheit schöne frucht wäre keuschheit, ehr und zucht, wären manche schöne wangen nicht ins hurenhaus gegangen. Logau 1, 1, 33; (
Alba zu Domingo, nachdem sie mit der Eboli die intrigue verabredet haben:) dasz es bis dahin kommen musz! — ich bin in seinen kriegen grau geworden — dasz ich betteln soll von diesen wangen, das, ich kanns nicht läugnen, das verdrüszt mich. Schiller 5, I, 151 (
dom Karlos 2, 16); Polyklet soll sogar das ernstere alter vermieden und sich über glatte wangen nicht hinausgewagt haben Göthe 46, 44, 27
Weim. ausg.; s. auch unter wänglein H. v. Neustadt
Apollonius 5797. II@1515)
bildlicher gebrauch. II@15@aa)
dem mond und der sonne legen die dichter wangen
bei, die rötliche rundung wird, theilweise unter einmischung der klassischen mythologie, einem vollen gesicht verglichen: deinen (
der freude) pfad, wo du gegangen, zeichnete das sanfte licht Cynthiens mit vollen wangen, die durch schwarze schatten bricht. Uz
werke 178 (79, 31)
neudr.; wie die königinn (
Luna) mit voller wange durch die linde lächelt. Hölty
ged. (1869) 49
Halm; vgl. auch: das glück ging mir nach diesem unglück bald wieder auf; anfänglich nur in gestalt eines halben mondes; ich hatte nur eine halbe glückswange Hippel 4, 266 (
lebensl. 4); und (
die sonne) lacht mit ihren wangen den runden welt-kreisz
an. venusgärtlein 131, 1
neudr. dann auch die wangen
der morgen- und abendröte (
wie umgekehrt oben 6
a die wangenfarbe mit der himmelsröte verglichen wurde): so glentzt herfür deins mundes röt, wie vor der sonn die morgenröt, mit rosinfarben wangen, hübsch, lustig klar auffgangen. Zinkgref
auserl. gedichte 5
neudr.; was Chloe doch wohl brauchen mag, um immer so zu blühn, wie kaum am schönsten frühlingstag Aurorens wangen glühn. Pfeffel
poet. versuche (1812
ff.) 1, 24;
ähnlich: eh' noch der tag mit rothgeschlafnen wangen die welt bekuckt.
Z. Werner
die söhne des thales (1803) 1, 130; prächtig mit rubinen und sapphiren, siehst du dann den abendhimmel prangen ... und in holder gluth die schönen wangen. Tieck
gedichte (1834) 1, 82.
wie die röte der wangen
dem lenz verglichen wird (
oben 6
b ε),
so wird umgekehrt das blumenfeld des frühlings seine wangen
genannt: lieben hat nur gott gemacht ... dasz bezeugt des frühlings pracht in so schön verblümten wangen, da fast alles, was nur lebt, in getreuer liebe schertzet. Rist
Parnass (1652) 575;
die wolken die wangen des himmels: mich dünkt, ich und der könig sollten uns so schreckbar treffen, wie die elemente von feu'r und wasser, wenn ihr lauter stosz des himmels wolk'ge wangen (
cheeks) jäh zerreiszt.
Shakespeare Rich. II. 3, 4;
im folgenden des himmels wangen
etwa '
das himmels gewölbe': die reine brust erhob sich zu den sphären und reinen sinns küszt' ich des himmels wangen. Tieck
schriften (1828
ff.) 2, 68 (
Genoveva). II@15@bb)
wenn rotschimmernde stellen von früchten wangen
genannt werden, so beruht dies gleichfalls auf einem vergleich ihrer rundlichen oder ovalen form mit einem gesicht: zu der apfel-verkäuferin kamen kinder gelaufen, ... beschauten mit verlangen nah und näher rothbäckige wangen. Göthe 3, 185
Weim. ausg.; am weg der kirsche wangen roth sich malen. Rückert
werke 1, 289; (
ein Borsdorfer apfel) mit hochgerötheter wange Bettine
dies buch gehört dem könig (1843) 1, V; als der pfirsich mit seiner sanften, rothen wange auf dem boden lag Stifter
werke (
Prag 1901
ff.) 5, 1, 121. II@15@cc)
von blumenblättern, vgl.: die blauen augen der vergiszmeinnicht und die vollen tulpenwangen und die blaszwangigen lilien J. Paul
Titan 3, 39. II@15@dd) die wangen
der stadt, ihre mauern: der mühsamlich mit manchem schnellen marsch, vor eure thor' ein gegenheer gebracht, um unverletzt die wangen (
cheeks) eurer stadt zu schützen.
Shakespeare kön. Johann 2, 1. II@1616)
die bezeichnung wange
wird auch auf andere wangenähnliche körpertheile übertragen. II@16@aa)
nates, arswang (1449)
bei Schmeller
2 2, 958 (
gewöhnlicher ist backe
als zweites glied, das zwar ursprünglich '
rücken'
bedeutete (Kluge
7 32, Weigand
5 1, 135),
in diesem compositum aber sicher als backe '
bucca, mala'
gedeutet wurde); ich sprich (
zum schneider): machs hübsch, wiesz kanst erdencken, zuom lon will ich dir trinckgelt schencken. das mäszt er dann uff scherpffst min wangen, uff das ich schön mög inher brangen.
schweiz. schausp. 2, 209, 2468. II@16@bb)
die labien der vulva: ist noch eine frouwe gesteken dorch beide wangen ores gemechtes
ostfries. landrecht 3, 77 (
s. 765)
v. Wicht. II@16@cc)
zura, ein wade, die wanghe off braede van den beynen (
gemma gemm. Colon. 1507) Diefenbach
gl. 635
c. II@1717)
in übertragener bedeutung werden paarige und meist parallele seitentheile oder seitenflächen der verschiedensten dinge wangen
genannt: in ... dem bauwesen, der schiffbaukunst und bei dem tischler so viel als backe Krünitz 233, 314; wangen, die seitlichen begrenzungen eines raumes oder körpers Kronthal
lex. d. techn. künste 2, 986
b. II@17@aa)
die menschlichen wangen
bedeckende seitentheile: sieh, er traf dem Eupeithes die eherne wange des helmes (
κορυθὸς διὰ χαλκοπαρῄου). Voss
Odyssee (1793) 24, 523 (1781
anders); jeder unmaskirte muszte zurück oder sich mindestens eine wange oder eine nase kaufen Gutzkow
ritter vom geist2 4, 235. II@17@bb) wangen
eines rahmens: man mache die wangen des rahmens, an die man den streifen befestigt, etwas breit Göthe
naturwiss. schriften 2, 89, 22
Weim. ausg. II@17@cc)
am hobel: II@17@c@aα) 'wangen
an einem hobel, sind die seiten innen im loch, zwischen welchen das eisen liegt, und der eingeschlagene keil, so das eisen oben hält, wie die wangen
neben her' Frisch 2, 422
a. Adelung: die sogen. wangen (
des hobelkastens) ... verhindern, dasz das eisen über die ganze breite der sohle reicht Karmarsch-Heeren
3 4, 343. II@17@c@bβ)
die absätze an den seiten eines wangenhobels (
s. d.) Prechtl
encykl. 7, 492. II@17@dd) wange,
die rinne einer drehbank, in der der reitstock hin und her geschoben wird Jacobsson 4, 590
a. Campe; wangen
in der bank des blockdrehers, ndl. wangen,
engl. cheeks Röding
wörterbuch der marine 6, 865;
zunächst die riegel oder träger, zwischen denen die rinne liegt, jumelles Karmarsch-Heeren
3 2, 680. II@17@ee)
seitenleisten des blattes eines webstuhls Prechtl
encykl. 20, 301;
senkrechte balken des hauptgestells einer papierschraubenpresse, auch backen, preszwangen 10, 511. II@17@ff) '
bei einem flaschenzuge die beiden flächen, zwischen welchen die rollen befestigt sind' Krünitz 233, 314; Mothes
baulex.3 4, 334
a. II@17@gg) wangen
am mast. II@17@g@aα) wangen,
jumelles, sind im seewesen ausgehöhlte lange hölzer von tannen oder eichen, welche an einen beschädigten mast zu beiden seiten angelegt, mit tauen bewunden und befestiget werden Benzler
deich- u. wasserbau 2, 259;
vgl. Hübner
naturlex.5 (1727) 2065. Steinbach 2, 933. schalen oder wangen Röding
wb. der marine 6, 421. Bobrik 580
b. Adelung;
ostfr. wange ten Doornkaat-Koolman 3, 507
b;
ndl. wang van Dale
4 1846
a;
dän. vange Falk
u. Torp
übs. v. Davidsen 638;
bei Kluge
seemannssprache 820
erster beleg von 1668. II@17@g@bβ) wangen
heiszen auch die beiden seiten des mastenspurs, einer holzzusammenfügung am mastfusz Röding 6, 675. Bobrik 723
a. II@17@hh)
im bergbau heiszen wangen
die seiten des geschlitzes, des einschnitts in den schwingen, in dem die kunststange an einem stecknagel befestigt ist Minerophilus (1730) 707. Adelung. C.
F. Richter,
berg- u. hütten-lex. (1805) 2, 609. II@17@ii)
an der uhr: am hinterblatte der uhr selbst sind ... zwey ziemlich cykloidisch gebogene wangen ... fest angeschraubt Krünitz 108, 373. II@17@kk) 'wangen,
ein beim glasgieszen gebrauchtes werkzeug, hands, mains' v. Hoyer
u. Kreuter
technol. wb.5 1, 830
a. II@17@ll) '
derjenige theil einer treppe, in welchen die stufen eingelassen sind, und von dem sie begrenzt und getragen werden' Helfft
landbaukunst 402; '
einfassungspfoste von treppenstufen' Mothes
baulex.3 4, 334
a. Lenz
vgl. wörterbuch des Handschuhsheimer dial. 76: die starken nägel, womit die wangen (
der treppe) an der seite befestiget werden
F. Ch. Schmidt
der bürgerl. baumeister 1 (1790) 201. II@17@mm) '
hohe seitenlehne eines sitzes, jouée, cheek, seitenwand eines chorgestühls' Mothes
3 4, 334
a.
besonders auf ndd. boden gebräuchlich: im zweiten der alten unbequemen stühle, welche auf ihren wangen die wappen vergangener bauerngeschlechter tragen Frenssen
die drei getreuen 283; das dreieckige hinterpflugeisen ... hängt noch heute über der thür seines hauses und steht noch in der wange seines kirchenstuhles
Jörn Uhl 223.
mnd. auch die bank selbst: '
beischlag, sitzbank zu seiten der haustüre, bes. die aufrecht stehenden seitensteine (wangelsteine)
derselben' Lübben
mnd. handwb. 553
a; Thidekino Buok III marcas pro smide ('
schmiedearbeit') ad sedilia dicta wanghen
meklenburg. urkundenb. 10, 168 (
nr. 6826,
ausgaben der Rostocker kämmereiherren 1349);
vgl. wänger. II@17@nn)
die tragewangen
einer bahre, die über die füsze hinausragenden enden der längsstangen: die vier kräftigen jünglinge, welche die bahre zuletzt getragen, saszen ruhend auf den tragewangen derselben G. Keller 2, 82. II@17@oo) wange '
die dreieckige wand, welche ein dachfenster zur seite begrenzt und gewöhnlich auf sparren aufgesetzt ist' Helfft
landbaukunst 402
a. Mothes
baulex.3 4, 334
a. II@17@pp) wang,
n., abhängige seite am fensterstock Schöpf 800;
vgl. auch das collectivum gewänge '
gewände'
th. 4, I, 5318. II@17@qq) wangen
oder schilde
heiszen die abgestumpften unteren ecken eines würfelkapitäls Mothes
baulex.3 4, 373
b und 334
a. II@17@rr)
beim gewölbebau: '
denkt man sich ein tonnengewölbe über einem rechteckigen raum durch zwei diagonal gestellte lothrechte ebenen geschnitten, so entstehen vier theile; die, welche anlaufspunkte und scheitellinien haben, heiszen kappen,
die mit anlaufslinien und scheitelpunkt heiszen wangen' Karmarsch-Heeren
3 3, 784. II@17@ss)
die mauern, welche einen schornsteinkasten umgeben Helfft
landbaukunst 402
a; '
die wände eines schornsteinrohres, so weit sie frei stehen' Mothes
baulex.3 4, 334
a; '
scheidewand in einem schornsteinkasten' v. Hoyer
u. Kreuter 1, 830
a; wange, ulme,
eines ofens, side-wall ebenda: der herd ist gemauert ..., mit seitlichen wangen und einer halbrunden überwölbung
das bauernhaus im deutschen reiche 109;
wand einer mauer, eines kessels ten Doornkaat-Koolman 3, 507. II@17@tt) wangen,
die seitentheile eines eisenhammers Scheuchenstuel
idioticon der österr. berg- u. hüttensprache 258. II@17@uu) wangen, backen
einer stampfmühle, cheeks, jumelles, montants v. Hoyer
u. Kreuter 1, 830
a. II@17@vv) wangen, backen der scharte,
die beiden seitenwände einer scharte militärencycl.2 8, 188
u. 10, 156. II@17@ww)
im folgenden kann sowol übertragene als nur bildliche bedeutung (
vgl. 15
d Shakespeare)
vorliegen: Wulferbutle her belach. vil groʒer wurphe men dha plach ... mit blyden an dher torne wanghen (
seitenwände).
braunschw. reimchron. 4155
Weiland. II@17@xx) wange, ulme, '
seitenfläche in einem stollen usw.' Dannenberg
u. Frantz
bergm. wb. 432: beim auswechseln von altem gezimmer gegen neues, ¼ lachter stark beide wangen und die firste mitzunehmen
archiv f. bergbau u. hüttenwesen 16 (1827) 92. II@17@yy) do wart de wal to W. gebowet unde de wangen to beyden siden
oldenburg. urkunde von 1377
bei Schiller-Lübben 5, 590
b, '
seitenwall oder böschung?'
vgl.wang '
dam, dijk' van Dale
woordenb.4 1846
a.