verlangen,
n. wunsch, begehren. substantivischer infinitiv zum vorigen. mhd. verlangen. 11)
expectatio, desiderium, appetentia, cupiditas. Dasyp. 51
a. Maaler 423. Stieler 1069. Frisch 1, 576
u. s. w. ohne nähere bezeichnung: als wehre mir nichts erfreulichers, dann das ich in seinen dinsten mein leben zubringen solte. dises mein verlangen bitte ich obhochbesagtem herrn beyzubringen. Butschky
hd. kanz. 108; wer sich durch die gefräszigkeit des verlangens nicht beherrschen lässet, hat die besitzung aller dinge.
Patm. 571; gesänge, die unsere innere und äuszere welt eben in dieser rücksicht mit klage, wunsch, verlangen und freude schildern. Herder
lit. u. k. 12, 131 (1821); unvermuthet schlang sie ihren arm um seinen hals und küszte ihn mit dem lebhaftesten ausdrucke des verlangens. Göthe 18, 211; dennoch bleibt in liebesflammen sein verlangen allzeit grosz, ruft und wecket uns zusammen in den weiten himmelschosz. P. Gerhard 63, 50; der armen sterblichen wallfahrt reizet dich zum verlangen nicht mehr. Herder
lit. u. k. 11, 453 (1821); das dacht' er, sahe morgenroth, verlangen im gesicht! der gute morgen, den er bot, wie munter war er nicht! Gleim 1, 3 (1819); leise tritt zum schlafgemach der holden, aber kühn und voll verlangen Assad. Platen 325; eure wangen, sonst der sitz schamhaft erröthender bescheidenheit, sie glühten nur vom feuer des verlangens. Schiller
hist.-krit. ausg. 12, 414 (
M. Stuart 1, 4);
plural: seine wünsche, triebe, verlangen, begierden u.
s. w. Mendelssohn
in Nicolais leben von Göckingk 20; deine verlangen will ich, du erstling der auserwählten, sprach mit freundlicher stimme der seraph, dem söhnenden kund thun. Klopstock
Mess. 1, 511.
mit genitiv: so wenig schmeichelhaft also im grunde für einen mann von genie das verlangen des publicums, ihn von person zu kennen, sein müszte .. Lessing 7, 164; o aller welt verlangen, o meiner seelen zier. P. Gerhard 25 (10) 3
Gödeke. mit objectivem genitiv: denn dis leben soll nicht anders sein, denn ein hasz uber den alten menschen und ein suchen und verlangen des lebens in dem neuen menschen. Luther 1, 17; das verlangen desz guoten oder desz bösen,
concupiscentia Maaler 423.
durch adjectiv näher bestimmt: darumb sol unser leben also gestellet werden, das es nichts anders sey, den ein stetes verlangen und warten auff das zukünfftig leben. Luther 2, 423; einem ein grosz verlangen bringen. Maaler 423
a; Dr. Faustus hat indessen mit groszem verlangen die eröffnung der stadtpforten mit angebrochenem tage erwartet. Widmann
Fausts leben 104; und folgt dem manne nach, den sie, wie sehr er schnarcht, ausz herzlichem verlangen der keuschen wollust küszt auff seine braunen wangen. Opitz 1, 139; und wie ein unbezwinglich verlangen ihn hergeführt an diesen ort. Wieland 18, 255; wir streichelten die süszen wangen, uns lockt und zog ein süsz verlangen, wir gleiteten zur vollern brust. Göthe 1, 49; herzliche liebe verbindet uns stets und treues verlangen, und den wechsel behielt nur die begierde sich vor. 1, 279; also standen sie auf und schauten beide noch einmal in den brunnen zurück und süszes verlangen ergriff sie. 40, 310; ein unermeszliches verlangen ist meinem innern aufgegangen. Lenau
Faust 189.
mit folgender präposition: so ist doch durch deine allerthewrste apostel ein gros untreglich verlangen nach dieser allerheiligsten bulle des abendfressens erstanden. Luther 2, 50
b; bisher hat er (
David) seine not geklaget. nun hebet er an seine begirde und verlangen nach dem leben, das in gotte ist. 3, 18
b; da sie aber an ihm verzweyffelt, sie möcht ihn nit erlauffen und sich niderlegt und kein verlangen mer nach jhm hät, da thät er sich freuntlich zuo ihr .. Frank
Erasmus lob d. thorh. 94
b; er hat erlangt, dar nach er lang verlangen hat gehebt,
adeptus est, quod diu desideravit Dasyp. 51
a; ein grosz verlangen nach einer stadt haben
desiderio urbis flagrare; machen, das man ein verlangen oder hoffnung nach im hat,
expectationem cui concitare; man hat ein grosz verlangen nach dir,
summa est expectatio tui; wir haben ein träffendlich verlangen darnach,
insidet nobis desiderium rei alicujus. Maaler 423; das verlangen nach einer person ist das sicherste kennzeichen der liebe. Gellert 3, 165; Jhesus Cristus, den du von dem heiligen geist hast empfangen, hilff, das wir allzeyt zuo dir haben verlangen. Wackernagel
kirchenlied 2, 849
a; du spiegel der dreifaltigkeit, dein lob ist breit, zu dir habn wir verlangen. Wackernagel
kirchenlied 2, 892; das verlangen zu dem abendessen. Klinger 6, 227.
mit folgendem infinitiv; das verlangen, denjenigen, welchen man liebt, zu besitzen, läszt sich nicht so leicht befriedigen, als wir denken. Gellert 3, 163; das verlangen seine retterin wieder zu sehen, wuchs mit jedem tage. Göthe 19, 63; ihr verlangen, etwas zu lernen, schien durch diese neue kenntnisz noch viel lebhafter zu werden. 19, 102; so erfreuten sie sich ihrer heiligen liebe 18 jahre mit dem gröszten verlangen, kinder zu besitzen. 34, 18; ich bin gegenwärtig voll verlangen, Hohenheim zu sehen. 43, 89; wie lebhaft auch immer mein verlangen war, in ein näheres verhältnisz zu ihnen zu treten .. so begreife ich .. Schiller
in Schiller-Göthes briefw. 1, 25; ich markire mir jetzt das verlangen sie zu sehen. Göthe
in Göthe-Stein br. 1, 70; die reformation machte den Niederländern das spanische joch unerträglich, und weckte bei diesem volke das verlangen und den muth, dieses joch zu zerbrechen. Schiller 900
a; das volk bezeigte kein verlangen den grünen esel mehr zu sehn. Gellert
fabeln 1, 117; und zwischen zweifel und verlangen ein menschlich wesen vielleicht in diesen öden höhn zu finden, fährt er fort dem schimmer nachzugehn. Wieland
Oberon 1, 17.
mit folgendem abhängigem satze: dem traum hat er lange nachgedacht, fürnehmlich hett er gros verlangen, das er Franciscum möcht auffangen. Fischart
dicht. 1, 182, 1961
Kurz. beliebte zusammenstellungen: mit verlangen: das wir .. uns weder selbs für dem tod allzu hefftig entsetzen sollen, sondern der herzlichen seligen zukunfft Christi .. gleich mit eim hertzlichen sehnen und verlangen begeren sollen. Luther 2, 525; also thun auch die schergen und warten mit verlangen, wo der richter ihnen irgend einen angriff zu thun anbefehlen werde.
Philander 1, 16; unsre principalen werden den gerichtstag mit verlangen erwarten. Weise
Machiavell 7 (1724); auch hast du darinn inn weytem raum aller art gut fruchtbare baum, daran die süszen früchte hangen, die magst du essen mit verlangen. H. Sachs 1, 2 (1, 25, 19
Keller); ein weil Rebecca mit verlangen richt zu den Jacob aller ding, das er den segen selb empfing. 1, 18 (1, 88, 22
Keller); und Abraham durch gottes segen sach in der hecken mit verlangen ein wider mit den hörnern hangen. 1, 43 (1, 187, 3
Keller); ir speisz und tranck das wird genumen geordnter zeit gleich mit verlangen, wenn sie hunger und durst entpfangen. 1, 246 (3, 130, 13
Keller); derhalb hertz, mut und all mein sinn sind gar in irer lieb gefangen mit groszem sönen und verlangen. 2, 3, 15 (8, 55, 10
Keller); da (
im chor) man besach mit gros verlangen das ainhorn, welchs acht schuch lang war. Fischart
dicht. 2, 202, 922
Kurz; laszt uns hören mit verlangen wie im sommer neulich vergangen von Zürich ein gsellig burgerschafft .. gen Straszburg auf das schieszen fuhr. 2, 182, 85
Kurz; Corydon sprach mit verlangen zu der liebsten feldgöttin. Opitz 2, 200.
mit andern präpositionen: die kinder äuszern nachher, wenn man es ihnen abgewöhnen will, dasz man immer auf ihr verlangen hinzueilen soll .. eine so grosze wuth, als nur immer grosze leute deren fähig sind. Kant 10, 405; ich fragte drauff die wächter aus verlangen, wiszt ihr mein leben nicht? Opitz 3, 14; sänger, spiele mir ein liedchen, denn es geht mir nach verlangen. Platen 156.
beliebte fügungen mit zeitwörtern. verlangen
subj.: nach im (
dem heiligen geiste) stond ir verlangen (
der Maria). Wackernagel
kirchenl. (
v. j. 1525) 2, 7; wie wol er wiszt der juden list, nach guet stuendt sein verlangen. 2, 899. verlangen
object: komm, o schöne, wo ich bin, auff, lieb, stille mein verlangen. Opitz 3, 13; du bist ein zu getreuer hirt, um ein verlangen nicht zu stillen, das nur ein wort dich kosten wird. Wieland 18, 180; gälte diesz auch nur von einzelnen fällen, so war es für mich doch die mehrzahl und ursache, dasz ich mich ihm zu nähern, niemals verlangen trug. Göthe 26, 111; die weil ich auch allhier gefangen von gott die warheit sage, so weisz es gott was für verlangen ich stündlich nach euch trage. Opitz 3, 145. 22) verlangen,
das verlangte selbst: die reichen sind .. denen die in drangsaal sitzen, ein verlangen.
pers. rosenth. 7, 20. 33)
im anschlusse an verlangen
nr. 7
falsches, ungehöriges zulangen. vgl. beleg a. a. o.