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verlangen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

verlangen verb.

Bd. 25, Sp. 715
verlangen, verb. nach etwas streben, etwas zu erreichen suchen. mhd. verlangen, mnd. vorlangen. zusammensetzung mit langen, dessen bedeutung ver nicht wesentlich ändert, jedoch ist das zeitwort fast nur abstract. die ursprüngliche bedeutung ist wol 'lang sein, lang machen'. 11) aus ersterer (intrans.) entsteht: an etwas reichen, etwas berühren, daher begegnen, zustoszen, anlangen: einem verlangen oder bekommen, obvenire Maaler 423b; ich bin fro, dasz dir das nach deinem willen und beger verlanget ist istuc tibi ex sententia tua obtigisse laetor; einem ein ding lassen verlangen und ze lieb werden afferre consecucionem alicujus rei. ebenda. 22) transitiv aus der zweiten, den arm lang machen (langen), reichen, überlassen, zureichen: was zween einhelliglich begerend uff disem erdrych an gott in meinem namen, wirt jnen verlangt. Zwingli 1, 177. 33) bei weitem häufiger ist verlangen in abstracter bedeutung, die aus dem sinnlichen 'sich nach etwas lang machen, ausstrecken' entspringt, also zu erfassen streben, begehren, erstreben. 3@aa) intransitiv mit folgender präposition: sehnlich verlangte er nach einem glase bier. Göthe 26, 281; dasz mir dein abseyn nicht die halb verzehrte seele, die so nach dir verlangt, bisz auff das sterben quäle. Fleming 30; verlangt dein ermüdeter leib nach seiner erquickung? Klopstock Mess. 1, 67; denn glaube, Sappho konnte schier nicht mehr nach Phaon, als nach dir (dem schlafe) mein schweres augenlied verlangen. Gökingk 2, 74; verlangst du nicht nach einem besenstiele? ich wünschte mir den allerderbsten bock. Göthe 12, 202; niemand verlanget nach da unten, der raset, der den tod herbeiwünscht. Schiller 234b; ihr verlangt nach Troja, Griechen? gut. das loos entscheide, wesz tochter sterben soll. 234a. vielleicht auch durch auslassung des objectes (etwa ein gespräch, eine beredung, im zweiten belege den aufenthalt) oder durch verkürzung eines infinitivsatzes (auf einen augenblick zu sprechen): die ankunft Egmonts erfreut und beruhigt mich und ich verlange auf ein wort darüber. Göthe 29, 121; da bin ich itzt, herr Nathan, und verlange des tags wohl hundertmal auf Thabor. Lessing 2, 320. 3@bb) impers.: uns allen verlangt dorthin. Niebuhr leben 2, 297. 44) verlangen transitiv, erstreben, vorfordern, begehren. zwischen verlangen nach etwas und verlangen etwas ist ein kleiner unterschied der bedeutung meistens festzustellen, indem das transitiv sinnlicher als das intransitiv. ersteres ist eine einmalige handlung, bedeutet oft ein (lautes) begehren, letzteres (intransitiv) bedeutet mehr einen zustand (verlangen tragen), zu dem eine laute äuszerung nicht nöthig ist: (mit zu ergänzendem objecte) eine gestalt soll verlangen, bitten, wünschen, flehen mit ihrem munde. Herder 11, 306 (1821); (mit persönlichem objecte) sie sollen ihr die gröszten gefälligkeiten erweisen, damit sie anfängt, sie recht zu wünschen und zu verlangen. Gellert 3, 156; und sie kehren sich um und weg war gerufen der richter von den seinen, die ihn bedürftig des rathes verlangten. Göthe 40, 95; man fragt nach mir — die königin verlangt mich. Schiller 273a (don Carlos 2, 12). mit angabe des zweckes: Faust verlangt den schnellsten geist der hölle zu seiner bedienung. Lessing 6, 43; (unter dessen töchtern) Johannes eine besonders bemerkte, die ... ihm so wohl gefiel, dasz er sie zur frau verlangte. Göthe 34, 17; woher weiszt du denn, dasz es der Louise gilt? du kannst dem herzog rekommandirt worden seyn. er kann dich ans orchester verlangen. Schiller hist.-kr. ausg. 3, 408 (kab. u. l. 2, 4). mit sächlichem objecte: das ist alles was man verlangen kann. Lessing 4, 56; wer hier ein schönes bild verlangt, auf den hat der dichter seinen ganzen eindruck verfehlt. 6, 392; in wenigen tagen führte Johannes seine geliebte nach hause und verlangte keine mitgift. Göthe 34, 18; ich erhielt dadurch eine anschauung der einzelnen gestalt und eine übersicht des ganzen, welches sonst nicht zu verlangen gewesen wäre. 3, 188; briefe und manuscripte sendet man an den redacteur dieser monatsschrift, der .. bereit ist, jedem, sobald es verlangt wird, rechnung davon abzulegen. Schiller in Schiller-Göthes briefw. 1, 19; der mensch verlangt geschäfte, auch solche, die einen gewissen zwang mit sich führen. Kant 10, 418; manche kinder erhalten wieder alles von den eltern, was sie nur verlangen, wenn sie sich aufs bitten legen. 10, 427; so wollen sie zum exempel, dasz die kinder ... essen sollen, wenn sie es verlangen. 10, 409; (der gutmüthige) ist ein schlimmer schuldner und verlangt immer fristen. 10, 320; mache dich auf .. dasz der versammelte himmel der zeiten fülle vernehme, die er mit innigem heiszem verlangen verlangte. Klopstock Mess. 1, 182; verlange, was du willst, es soll sogleich geschehen. Wieland 18, 107. bildlich: nur betrug sie sich von anfang bis zu ende toll, wie es leider die rolle verlangt. Göthe 27, 128; meine augen verlangen schlaf und mein wohlgenährter körper verlangt bewegung. Thümmel 2, 55; die poesie verlangt, ja gebietet sammlung. Göthe 43, 21; sein groll verlangt dein blut. Wieland Ober. 2, 48; dergleichen entdeckungen verlangen weiberblicke. Schiller 272a (don Carlos 2, 12). object ein genitiv: tapffere seelen verlangen der jugend. Chr. Weise überfl. gedanken 2, 213; will gerne bleiben bey den lebendigen, bey den menschen, verlange der gottheit nicht. Fr. Müller 2, 266; o selige rast, wie verlang ich dein. Uhland n. a. d. thurme. mit folgendem infinitiv: du verlangest meine lebensgeschichte zu wissen, die ist sehr kurz. Herder 11, 355; als die neuen ankömmlinge hereingenommen zu werden verlangten, entstand ein allgemeines murren. Göthe 19, 48; was haben sie für ein recht von uns zu verlangen, in ihre gesinnungen einzutreten. Klinger theater 3, 321; kont ich meinen stand nicht mit der cron von England zu vertauschen je verlangen? Wekherlin 402. mit folgendem abhängigem satze: wenn dem mahler nicht jeder gebrauch willkührlicher zeichen untersagt ist; wenn er mit recht verlangen kann, dasz wir ihm gewisse voraussetzungen erlauben .. Lessing 8, 11; wenn sie (die alten) auch nicht einmal da duldeten, wenigstens nicht verlangten, dasz die göttinen der rache durch die häszlichen, schändenden kennzeichen des affekts entstellt .. würden. 8, 23; gott .. verlangt, dasz wir die tugend ihres inneren werthes wegen ausüben sollen und nicht deswegen, weil er es verlangt. 10, 394; (du) verlangst, dasz ich den edlen stolz verläugne, den dieses freie herz von je bekannt? Schiller 626a. 55) unpersönlich: es verlanget mich nach .. in bezug auf bedeutung steht dies imperson. wieder dem intransitivum näher, indem es mehr einen zustand, eine dauer als eine handlung ausdrückt: fieng an ihne (den kurfürsten von Sachsen) verlangen nach seinem land und leuten. Schärtlin 104; es wird dich nach einer antwort verlangen, guter Waitwell. Lessing 2, 82; es verlanget mich nach meinem sohne. Weise Esau u. Jacob 124; demungeachtet verlangte ihn nach dieser zusammenkunft. Wieland 1, 102; keine satiren mehr ... vergisz nicht, dasz mich nach dem ende deiner erzählung verlangt. 7, 330; nach ihrem romane, den sie mir communicieren wollten, verlangt mich sehr. Schiller briefwechsel S. m. G. 1, 47; den stillen mund, nach dem ihn so sehnlich verlangt hatte. Heyse kinder d. welt 3, 289; ewiger vater, das weist du, das wissen die himmel, wie innig mich seit diesem entschlusz nach der erniedrung verlangte. Klopstock Mess. 1, 103; nach dir, o herr, verlanget mich, du bist mein gott, ich hoff auf dich. P. Gerhard 91 (30) 1. mit präposition: mich verlanget sehr auf die acten. Lichtenberg verm. schriften 8, 106 (1844). mit folgendem infinitiv: denn es verlanget mich, euch zu sehen. m. 1, 11; mich verlanget zu erfahren, ob eine creatur zu Dresden sey, welche Mag. Bernh. Schmid heisze. Schuppius 804; und wie die spangen, wie die ohrgehenke, wie ring und kette dir gefallen werden, die in Damaskus ich dir ausgesucht, verlanget mich zu sehen. Lessing 2, 193; sieh da, dîe mutter mit der lieben tochter! wir wollen einmal von geschäften ruhn — kommt, mich verlangte, eine heitre stunde im lieben kreis der meinen zu verleben. Schiller hist.-krit. ausg. 12, 276 (Wallenst. tod 3, 4); o wie verlangt mich, euch zu hören. Wallensteins tod 4, 2. mit folgendem abhängigem satze: eine sprach, mich verlanget zu todt, bisz ich höre, was ich für einen mann bekommen werde. Philander 1, 219; die reihe, zu reden, ist nun an ihnen und es soll mich verlangen, wie weit es ihre exegetik treiben wird. Lessing 10, 169. in diesen fällen ist eigentlich ein infinitiv (zu hören, zu erfahren u. a.) nach verlangen zu ergänzen. 66) particip und participialconstruction: so bald der capitän Wodley seine rede geendiget, sahen wir alle mit verlangenden augen den altvater an, was derselbe darauf antworten würde. Felsenb. 2, 568; that vor der thronen freudigem blick gott offenbarend sein heiligthum auf, die verlangenden thronen zu den hohen gedanken des ewigen vorzubereiten. Klopstock Mess. 1, 369; freund erkenne du mich, deinen verlangenden geist. Herder lit. u. k. 12, 119 (1821); auf die versprochene schöne zeichnung vom petrificirten alligatorkopfe bin ich äuszerst verlangend. Merck briefs. (Sömmering) 1, 393; ich bin auf die folge sehr verlangend. Göthe in Böttiger lit. zust. 2, 146; recht neugierig und verlangend bin ich, was ihr dazu sagen werdet. Göthe 29, 79; ich bin sehr verlangend, ihre composition zu vernehmen. Göthe in Zelters briefw. 136. substantivisch: ich will die bezauberungskünste irgend eines volksfreundes nachäffen und den verlangenden höchst freigebig mittheilen. Shakesp. Coriolan 2, 3 (Tieck). part. prät.: ihr angenehmer und höchst verlangter Lysias. Chr. Weise kl. leute 225; ich schützte die höchst verlangte einigkeit vor. hauptverd. 30; und wer sollte dich nicht preisen, friede, du verlangtes licht? Rist Parnasz 850. 77) eine andere bedeutung, selten nachweisbar ist verlangen gleich 'falsch langen, verbrecherisch zulangen'. so reflex. sich verlangen: ein falsches langen nennt man recht verlangen, verlangt hat sich der sänger, welchen heute zu seiner schande sehen alle leute mit baumeln an dem hohen galgen hangen. Tieck 1, 72.
10250 Zeichen · 177 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    verlangenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +4 Parallelbelege

    ver-langen swv. BMZ unpers. mit acc. sehnlichst begehren Leseb. 1049,28. verl. nâch Engelh. 15 ;

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Verlangen

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Verlangen , verb. regul. act. & imperson. welches in einer doppelten Bedeutung üblich ist. 1. Ein lebhaftes Wollen nach …

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Verlangen

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    Verlangen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    verlangen

    Lothringisches Wb. · +5 Parallelbelege

    ver-langen [-làə n fast allg. ] 1. tr. verlangen: das kannscht de nit von mir v. — 2. intr. Heimweh haben: es isch noch…

  5. Sprichwörter
    Verlangen

    Wander (Sprichwörter)

    Verlangen 1. Man kann nicht verlangen, dass die Espe das Säuseln lasse, wenn es stürmt. 2. Stetes Verlangen bleichet die…

  6. Spezial
    verlangen, eine bestimmte Rektion v

    Dt.-Russ. phil. Termini · +4 Parallelbelege

    verlangen , v , eine bestimmte Rektion ~ управлять , гл чем-л.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verlangen

8 Bildungen · 5 Erstglied · 3 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von verlangen

ver- + langen

verlangen leitet sich vom Lemma langen ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von verlangen 2 Komponenten

ver+langen

verlangen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

verlangen‑ als Erstglied (5 von 5)

verlangende

KöblerMhd

verlang·ende

verlangende , (Part. Prät.=)Adj. nhd. verlangend Q.: Gnadenl (1390?) (FB verlangende) E.: s. ver…, verlangen W.: nhd. verlangend, (Part. Prä…

Verlangen (Subst.)

Wander

verlangen·subst

Verlangen (Subst.) Verlangen (Subst.). Soll ich han nach dir Verlangen, so komme nicht offt zu mir gegangen. – Pers. Rosenthal, 353.

verlangensvoll

DWB

verlangens·voll

verlangensvoll , adj. : verlangensvoll, aber gänzlich unbekümmert harre ich nun des tages, der mich zu jenen arbeiten zurückbringen soll. A.…

verlangen als Zweitglied (3 von 3)

abverlangen

DWB

abverlangen , expostulare, abfordern: hernach vier backenzähn und eine hand voll bart dem alten herren abverlangen. Wieland; nimm den ring z…

anverlangen

DWB

anverlangen , expetere, verlangen, an einen wie abverlangen von einem verlangen: die anverlangte abschrift; etwas gerichtlich anverlangen. v…

ȫverlangen

MNWB

oever·langen

ȫverlangen , ōver- , swv. : übergeben, aushändigen , bezahlen, „transporrigere transtendere” (Voc. Strals. ed. Damme), nēgenteyn mark stenda…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „verlangen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/verlangen/dwb?formid=V02386
MLA
Cotta, Marcel. „verlangen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/verlangen/dwb?formid=V02386. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „verlangen". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/verlangen/dwb?formid=V02386.
BibTeX
@misc{lautwandel_verlangen_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„verlangen"},
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  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
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  urldate      = {2026-05-12},
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