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stunde

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

stunde f.

Bd. 20, Sp. 487
stunde, f. II. herkunft und form. I@11) gemeingermanisches, nur gotisch unbezeugtes wort: ahd. stunta hora, tempus, stunto vice, as. stunda, afries. stunde stunde, zeit, mal, ags. stund zeit, stunde, intervallum, punctum, signum, an. stund weile, zeit, zeitpunkt, stunde, stück wegs. auszerhalb des germ. fehlend (lit. stùndas stunde ist dtsch. lehnwort). germ. stundō wird meist zu standan stehen gestellt, das u der wurzelsilbe erklärt sich entweder aus ablautsentgleisung oder doppelter reduction. die bedeutung hätte an ahd. stulla hora, momentum, punctum zur wz. stel in stellen eine parallele, s. Franck-v. Wijk 670; Falk-Torp 1190 f.; Hellquist 890; Torp 734; sie wäre nach Kieckers idg. forsch. 38, 210 aus 'haltepunkt' über 'weg-', dann 'zeitstrecke (zwischen zwei haltepunkten)' zu 'zeitstrecke' überhaupt entwickelt, vgl. got. hweila χρόνος, ὥρα, καιρός mit hweilan παύσασθαι und lat. quies. dagegen spricht immerhin, dasz von einer solchen grundbedeutung keine spur erhalten ist und dasz die übergangsbedeutung 'wegstrecke' nur im an. vorliegt, wo sie aber erst secundär aus 'zeitstrecke' erwachsen sein wird (vgl. den entsprechenden vorgang im nhd. unter II D). daher faszt man stunde besser mit Franck et. woordenb.1 973, Kluge11 604 als 'feststehender zeitpunkt'. — mundartlich ist das wort im ganzen deutschen sprachgebiet verbreitet. I@22) neben stunde steht vornehmlich in älterer zeit stund, stunt, worin man einen rest der im nom. sg. der starken fem. lautgesetzlichen endungslosigkeit erblickt. wahrscheinlich aber liegt apokope der endung vor, die in den adverbien driostunt, fiorstunt u. s. w. functionslos und damit überflüssig geworden war, s. Loewe in Kuhns zeitschr. 47, 126 und W. Horn sprachkörper. IIII. bedeutung und gebrauch. II@AA. zeitpunkt, zeitraum, zeit. bestimmung für einen zeitraum von punktförmig zusammengezogener bis die ganze dauer des menschlichen lebens umfassender ausdehnung, dessen abgrenzung gegen früher oder später durch das vorliegen einer bestimmten sachlichen oder seelischen einheit, also vom gefühl her, nicht aber nach objectiv gültigen mathematischen gesichtspunkten (s.C) bestimmt wird. daher in den meisten fällen geradezu synonym mit unserem unbestimmten 'zeit': mora Diefenbach nov. gl. 256b; articulus ebda 35. so bereits in altdeutscher zeit allgemein verbreitet: thes wirdid sô fagan an is môde man te sô managaro stundu! Heliand 900; demo dei ougin sêrezzin,der îli si dâr mite nezzin: uber churze stuntsint si imo gisunt Merigarto 2, 47; und kuste in hundert tûsent stunt in einer kleinen stunde Gottfried v. Straszburg Tristan, v. 1311. II@A@11) bestimmter zeitpunkt; zeitraum, der in der vorstellung punktförmig zusammengezogen gedacht wird; momentum Diefenbach gl. 366a. in neuerer zeit dafür meist 'augenblick, minute'. II@A@1@aa) stundenpunkt; nur in älterer zeit: niemand kan sehen, wie der schatten in der sonnenuhr oder zeiger im uhrlein vorgeht, bisz es uff ein stund oder punct kompt, so ists da Lehman florileg. polit. (1662) 1, 71; ähnlich: und seind die linien des selbigen zeigers (der sonnenuhr) nit recht uf die stunden gericht gesein Eppendorff Plinius (1543) 7, 39; ungewöhnlich: die uhr zeigte unabänderlich auf dieselbe stunde Stifter sämtl. w. 5, 1, 58 Sauer. seltsam und vereinzelt auch für die uhr unmittelbar: schmer czu der orglen und czu den klocken und paumell (baumöl) czu der stunden und el yn di lamp (1529) quellen z. gesch. v. Kronstadt 2, 168; item czu der stünt in der kirgen drot (draht) ebda; dazu stundenmacher, -stüblein, s. d. II@A@1@bb) die durch die gleichmäszige einteilung des tages in 24 stunden mathematisch genau bestimmten, durch die uhr angezeigten anfangspunkte jeder stunde. II@A@1@b@aα) vereinzelt im frühnhd. mit der kardinalzahl wie sonst 'uhr': an s. Bartholomeustag um des zeygers eyn stund kam d. Martinus, und waren gleich die lewt den merer theyl am feld Luther 15, 341 W.; new aprill wird umb zwölff stund mittags Paracelsus opera (1616) 2, 650 Huser; hierher wohl auch: das ander neu würd am kalten montag, als die fraw den beltz verbrant, zu mitternacht am sonnenschein, 3. (l. drei) stund siben minuten im eselsstall Fischart praktik 17 ndr. II@A@1@b@bβ) gewöhnlich mit der ordinalzahl. dabei ist ursprünglich der durch ausrufen oder ausblasen oder durch den schlag der uhren gekennzeichnete stundenpunkt in der reihe der 24 stunden des tags gemeint; doch verschwimmt diese vorstellung sehr bald bereits mit der anderen, die den zeitraum innerhalb der bezeichneten tages- oder nachtstunden umfaszt, und führt somit hinüber zu der bedeutung von stunde als zeitmasz (C): deszhalb hat got geordent, im weingartten heiliger schrifft stAetigs ze arbaitten von dritter stund bis auf die aindlift stund Berthold v. Chiemsee teutsche theologey 104 R.; wir sind nit truncken, wenn es ist noch kum tertie zit, die drit stund des tags Geiler bilgersch. (1512) 19b; ist er an einem tag umb die sechszten stund ze obrest ins hus uffhin gangen Zwingli von freiheit der speisen 5 ndr.; das gestirn hat ein lauff von der ersten stunde biss zu der letzten Paracelsus opera (1616) 2, 334 Huser; ob dir schon sey beim hanen kundt dasz es erst sey die zehent stundt, sprich doch es hab lang zwölffe gschlagen Scheit Grobianus, v. 2340 ndr.; die burgtrompette bläst jetzt aus die sechste stunden Gryphius trauerspiele 76 lit. ver.; am 23. tag septembers umb die drit stund erlasch die sunn Tschudi chron. helvet. 1, 41; da schmaust' und tanzt' man, hopsasa, bis um die zwölfte stunde Schubart s. ged. (1825) 2, 101; der nachtwächter rief eben die elfte stunde Eichendorff sämtl. w. (1864) 3, 392; anders ungewöhnlich: sie brachte kaum die vierte stund ihres diensts in der küche zu Grimmelshausen 2, 340 lit. ver. in jüngerer zeit dafür üblich die verbindung von uhr mit der kardinalzahl. bis in die gegenwart hinein lebendig geblieben allein in den verbindungen in elfter, zwölfter, dreizehnter stunde in übertragener bedeutung 'im letzten, äuszersten augenblick', wobei die vorstellung des zeitraums die ursprüngliche des zeitpunkts bereits völlig überwuchert hat: in der zwölften stunde erwachte Albrechts gewissen, und er fuhr nach der eisenbahnstation M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 142; in den folgenden kämpfen schwankten die fürsten und der papst unsicher zwischen beiden parteien. in der elften stunde warf ein zufall Otto den sieg zu, der meuchelmord, durch den könig Philipp fiel Nitzsch deutsche studien 45; frau Mira hatte uns in zwölfter stunde noch einen schub damen (für den ball) besorgt v. Polenz Grabenhäger 2, 290. vgl.C 1 a. II@A@1@b@gγ) ohne zahlenangaben; dabei erscheint besonders in jüngerer zeit die begriffliche abgrenzung gegenüber stunde als mathematisch bestimmtes zeitmasz verwischt: grab spitzigen wegerichwurtz, hencke sie an hals, und merck, auff welche stund du sie anhenckest, auff dieselbe stund thue sie wider herab Gäbelkover artzneybuch (1595) 2, 155; sonst wäre uns unser glaube genug, welche stund wir auch stürben Moscherosch insomnis cura parentum 2 ndr.; jetzund gleicht ein prediger einem wächter, der die stunden in der nacht mit ruffen meldt Grob dichter. versuchgabe (1678) 49; wo der fesselbeladene liegt und mit schiefer stunden wie tage und monde wie schaltjahre in die felsenwand gräbt Schubart s. ged. (1826) 1, iv; der an ihnen (den sternen) oft die stunden zählte Arndt sämtl. w. (1892) 1, 62; ich hörte nichts, es war die wache, die die stunden rief H. v. Kleist sämtl. w. 2, 394 E. Schmidt; ein solcher sterbegreis sagt daher ganz genau stunde, minute und augenblick seines todes voraus Immermann 1, 13 Boxb.; zwar ist es meine pflicht, hier vor dem hause die stunden zu singen Bauernfeld ges. schr. 1, 65; dasz ich die stunden zähle, bis er kommt, das macht mich glücklich Fontane ges. w. I 5, 133; der grosze hammer für die vollen stunden Hans Grimm volk ohne raum 1, 9. II@A@1@cc) die stunde schlägt, hat geschlagen: ursprünglich seit der allgemeinen verbreitung der schlaguhren von dem schlagen der uhr zu beginn jeder stunde; vielleicht abgekürzte ausdrucksweise für die uhr, die glocke schlägt (die stunden) Kramer dict. 2 (1702) 540. in eigentlicher verwendung ungewöhnlich: eine solche frau haben, wäre ebenso wie unter der groszen kirchenuhr wohnen, wo man nichts als das fürchterliche schlagen der stunden hört Tieck schr. (1828) 4, 60; von den uhren der kirchen fielen einzelne glockenschläge, die die stunde schlugen Stifter sämtl. w. 3, 163 Sauer. dagegen seit älterer zeit beliebt in der übertragung; noch mit bildhafter vorstellung: wer etwas thun will, der sehe auff gottes uhr, und versuche es, ob die stund geschlagen, darin er sein geschäfft verrichten will Lehman florileg. polit. (1662) 2, 935; vielleicht wenn alle die lande, darinnen die christen itzo wohnen, ganz wieder zum heidenthum gekehrt sind: als dann wird Awa die stunde für Africa, Asia und America schlagen Zinzendorf hauptideen (1759) 101; meist aber als völlig abgeblaszte redensart: doch schlägt die stunde des abschieds, wünsch ich den älteren mir stets vor dem jüngern voran Herder 26, 40 S.; sie könnten uns ihren August gönnen, und wenn seine stunde schlägt, ihn selbst herbringen Voss im Göthejahrbuch 5, 59; auch seine stunde (der erleuchtung) wird schlagen Gutzkow ritter vom geiste (1850) 1, 285. auch vom augenblick des todes: allein, ich musz so lang im leben bleiben; bis mir auch einst die letzte stunde schlägt Triller poet. betrachtungen 6, 378; sey ruhig, armes herz! bald wird die stunde schlagen, die dich von allem gram befreyt Miller ged. (1783) 24; wie bitter ist es, wenn im momente des erkennens die stunde schlägt des ewgen trennens! Heine werke 2, 45 Elster. auf geschichtliche und geistige entscheidungen angewandt: die stunde hat geschlagen, der entscheidende kampf musz geliefert werden K. L. v. Haller restaur. d. staatswiss. 1, lix; wir sind, wie heute die stunde schlägt, kein gemeinsames volk Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen 3, 636; also dasz ein gutmütiger gesell zu dem glauben gelangen mag, die stunde der weltliteratur, von welcher Göthe träumte, habe bereits geschlagen Treitschke hist. u. polit. aufsätze 1, 1. davon die redensart eine (ganze) geschlagene stunde (warten, brauchen) Kramer dict. 2 (1702) 1026a. II@A@1@dd) astronomische stunde, die durch das horoskop bestimmt wird: horoscopium czeubernisse mit den stunden, horoscopus uffmerker der stunde vel uff die stunde Diefenbach gl. 280b; manigerley horologia, in den man sehen kan die stund der planeten Dürer underweysung (1525) k 1a; nun seind der syderischen leib alle stund von frawen und mannen Paracelsus (1616) opera 2, 384 Huser; ein wahrsager von dem tag und stund der geburt her Calepinus xi ling. (1598) 609a; also wirds recht gehn, wann die schlang im strik wird stehn, so wird sie denn zu den stunden in dem vorgem stand gefunden Reinicke fuchs (1650) 306; fragt den astrologen, in kreis um kreise kennt er stund und haus Göthe 15, 1, 17 W.; der tag bricht an, und Mars regiert die stunde Schiller 12, 205 G.; ja, günstig war die stunde ihm, der gott war hochbegeistert Heine werke 2, 34 Elster; freier: kometen winken, die stund ist grosz Göthe 16, 372 W.; nichts in der welt ist unbedeutend. das erste aber und hauptsächlichste bey allem irdschen ding ist ort und stunde Schiller 12, 95 G. der mensch fürchtet vor allem den schädlichen einflusz einer bestimmten sternenstunde: es ist um ein böse stund zu tun Agricola 750 sprichwörter (1534) b 3a; aber er traff ein böse stund, dann ihm wurden verwundet bei 60 mann Stumpf Schweizerchron. (1606) 370b; es ist ein böse stund, die einem ein gantz jahr oder sein lebtag schadet Lehman florileg. polit. (1662) 2, 935. wichtig ist die stellung der sterne zur zeit der geburt des menschen: mancher ist zur unglückhafften stund gebohren, da Mars und Venus einander den rücken gewend Lehman florileg. polit. 2, 848; ich bin der stund geboren, dasz ich musz dahinden ston v. Liliencron hist. volkslieder 4, 138; du bist freilich in einer unglückseligen stund geboren Eulenspiegel 6 ndr.; darum gebar ich dich daheim zur stunde des unglücks Bürger werke 191 Bohtz; vgl.gute, glückliche, böse stunde, A 5 b. daher sind die stunden in ihrem charakter von vornherein verschieden: nun ist das jar lang und der tag vil und die stunden ungleich (1509) Fortunatus 134 ndr.; wann ich solche und noch gröszere gefahr täglich befürchten musz, die stunden aber ungleich und gar miszlich sind Moscherosch insomnis cura parentum 12 ndr. dagegen die zeitliche ungleichheit der stunden als jüngere vorstellung s. unter C 1 e. II@A@1@ee) stunde in formelhafter verbindung mit einem anderen, meist gröszere intervalle umfassenden zeitbegriff; dadurch wird der charakter einer fest umrissenen zeitbestimmung für stunde oft leise verwischt. II@A@1@e@aα) tag und stunde: sie kamen bede auf genanten tag und stund auf iren angezaigten platz mit iren vermainten wern Wilwolt v. Schaumburg 124 lit. ver.; so bestimpt er inen tag und stunde zu bemelten ursachen zum werckzeichen Nigrinus von zäuberern (1592) 239; o Gismunda, deiner ehr und zucht, der tag und stunde sey verflucht, darin ich sach mit meinen augen die schendlich that Hans Sachs 2, 31 lit. ver.; die straff ist nicht auszblieben, dann die Frantzosen hernach auff einen tag und stund alle todgeschlagen Weidner teutscher nation weisheit 3 (1653) 17; einen tag und stunde storben Hector und sein vaterland Chr. Weise polit. redner (1677) 462; es ward also tag und stund abgeredt, wo ich mit Laurenz verreisen sollte Bräker sämtl. schr. 1, 81; mich am vergangnen 28. august in Dresden zu erwarten, war eine ahnung vollkommen richtig; denn der gedanke, zu tag und stunde dort einzutreffen, stand auf dem punkte, in vorsatz überzugehen Göthe im Göthejahrbuch 21, 18. in neuerer zeit mit leichter bedeutungserneuerung und -verschiebung: indessen benutzten wir treulich tag und stunde auf mancherley weise Göthe IV 41, 103 W.; sonderbar, dasz man die jugend beneidet, in der der wille eines andern mit eisernem gebot tag und stunde beherrscht Ranke sämtl. w. (1867) 1, 196; wir können heute bei vielen seiner arbeiten fast tag und stunde angeben, wann er sie zuerst niederschrieb und vollendete H. Grimm Michelangelo 1, 69. in freierer, oft sichtbar durch die poetische form veranlaszter umformung: so haben die getreuen fürsten und stände zu ermessen, wie eine hohe notturft es sei, keinen tag noch stunde mehr zu seumen acta publica 3, 36 Palm; bei dem sie nimmer keyn gute stund und tag hat Fischart 3, 230 Kurz; solches beweist fein und rund ein jeder tag und jede stund Lehman florileg. polit. (1662) 1, 98; mir ziemt nur, stets bereit und fertig dazustehen und so zum herren gehen, dasz alle stund und tage mein hertz mich zu dir trage P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 404b; der hochgepriesne mann ... sieht ... die herzen mehr als tag und stunden an Gottsched ged. (1751) 1, 330; dasz ich tag und stunden nutze, können sie leicht denken Göthe IV 8, 28 W. II@A@1@e@bβ) zeit und stunde: also ist auch nichts ungewissers dann die zeit und stunde desselbigen G. L. Hartmann fluchspiegel (1672) 10; der hett ein altes mütterlein bey deren er must täglich sein, die macht ihm lang die zeit und stund Sandrub hist. u. poet. kurzweil 104 ndr.; gerichtsschöpfe, ich frage euch, ob es heute an der zeit und stunde sei, des durchlauchtigsten hoferbgerichte zu hegen und zu halten weist. 6, 105; wir müssen alle sterben, wenn zeit und stunde kommt Chr. Reuter schlampampe 128 ndr.; mit dem futterfürlegen und träncken ihre gewisse zeit und stund ordentlich halten v. Hohberg georgica 3 (1715) 134b; ist zeit und stunde da: so schick ich mich darein, und will auch sterbend dir, mein keyser, ähnlich seyn Weichmann poesie d. Niedersachsen 1, 236; alles hat seine zeit und stunde Herder 16, 299 S.; hier durfte es (das gedicht) nicht fehlen, weil es ursprünglich durch die hohe kunst der madame Szymanowska zu bedenklicher zeit und stunde aufgeregt wurde Göthe 4, 81 W. in umgekehrter wortfolge: und wird die stund und zeit komen Luther 32, 126 W.; hie in dem leben, da man nicht, wie drunden auff der welt geschicht, die stund und zeit zu rechnen pflegt Hayneccius Hans Pfriem 32 ndr.; auch die musterregister den tag für der angehenden musterung oder wann die comissarien ihnen stund und zeit werden andeuten acta publica 1, 117 Palm; es tut und hilfft nichts, es sey dann die stund und zeit da Lehman florileg. polit. (1662) 2, 933. freier in der formulierung: kein gute stund noch zeit ich hab, ich werck mir selbs das leben ab Scheit Grobianus, v. 1562 ndr.; uff seinen flügeln er sie eilendts her thut führen, nicht willens einig stundt noch zeit mehr zu verlieren Zinkgref auserles. ged. 57 ndr. die genauigkeit der zeitangabe verblaszt bei pluralischer verwendung: zeichen und wunder weisz sie zuvor, und wie es zun zeiten und stunden ergehen soll weish. Sal. 8, 8; zu vil zeyten unnd stunden gerecht gewisz unnd war erfunden Reynmann wetterbüchl. 1; dem leser nicht verdriesze der zeit und stunden lang Spee trutznachtigall (1649) 4; es kommen stund und zeiten P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 298; für 'immer': deren cörpel mit unnatürlicher hitzt erfullet ist, werden alle zeit und stunde zu unreyner liebe bewegt Ambach vom zusauffen c 1a. in neuerer zeit erhält auch diese verbindung oft einen bewuszten, andersartigen sinngehalt: zwar steh ich oftmals auf der wach, und suche mit begier dies unerforschte gut; ich grüble zeit und stunde nach Warnecke poet. vers. (1704) 36; komm, was kommen mag! zeit und stunde legen auch den rauhesten tag zurück H. L. Wagner theaterstücke (1779) 21; auch diese stunden gingen vorüber: zeit und stunde rennt durch den rauhsten tag Göthe 33, 94 W. II@A@1@e@gγ) in anderen weniger fest gewordenen verbindungen: und da baitet der selbe mensch stunde und stat, biss das es sich wol füget zu straffen Tauler sermones (1508) 47b; statt und stund thun den dieb stelen Tappius adagiorum (1545) o 5a; Lehman flor. pol. (1662) 3, 320; altertümelnd: schöffen, ist es stund und stelle, hier ein offnes ding zu hegen? Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 120; nun muszt sterben, do hilft kein fund, bist ouch nit sicher minut noch stund N. Manuel todtentanz, str. 88 Bächtold; woluff es nachet min stund und zil, das man mich verratten wil Mone schauspiele des ma. 2, 267; mir ist stund und weile lang Bräker sämtl. schr. 2, 195; um meinen schmerz im stillen zu verwinden such ich nach günstgem ort und günstger stunde Platen werke 1, 174 Hempel. in mehrgliedrigen verbindungen: wie er inen auf der fersen nachgehe, zeit, stunde, stelle und alle gelegenheit warneme theatrum diabolorum (1569) 49b; zeit, ort und stund ist ihm bekant zu thun und auch zu lassen Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 315. II@A@1@ff) in formelhaften verbalen verbindungen. II@A@1@f@aα) stunde halten 'pünktlich sein' (in anderer bedeutung s. unter C 3 a): schickt sich das, die leute so zeitig herauszunarren und dann nicht stunde zu halten? Holtei erz. schr. 4, 252; ich will ordnung und stunde halten, so solls sein Fontane ges. w. I 6, 28; auch substantivisch: hat sich nicht das stundehalten unserer vorfahren in anhängen von taschenuhren verwandelt? Lichtenberg erkl. d. Hogarthischen kupferst. 3, 308; ohne verständige ordnung, pünktlichkeit, stundenhalten, giebt es gar keinen menschenverstand in der welt Tieck schr. (1828) 14, 256; vgl. Fontane ges. w. I 6, 54; oder in ähnlicher verwendung: mit der stunde aufhören, cessare l'hora suonata Kramer dict. 2 (1702) 1026b; tadelst du mich doch sonst immer, dasz ich zu pünktlich komme, zu sehr nach der stunde bin Tieck schr. 4, 60. II@A@1@f@bβ) in der redensart es ist an der stunde bezieht sich das wort auf den richtigen, passenden zeitpunkt: das peinliche gericht hielte dafür, dasz es nun an der stunde sei, den leib zu töten Musäus volksmärchen 1, 32 Hempel; nach einiger zeit sagte mir der geistliche: es sei nun an der stunde zu gehen Göthe 31, 215 W. II@A@22) adverbielle verbindungen. in dieser vornehmlich in den früheren jahrhunderten der nhd. epoche weit verzweigten verwendung ist die ausgangsbedeutung 'zeitpunkt' in vielfältiger versteinerung besonders klar bewahrt. die entstehung solcher adverbiellen verbindungen, deren häufigkeit die ursprüngliche sinnhaltigkeit des wortes schlieszlich völlig verblassen liesz, wird durch die seltenen fälle des gebrauchs mit einem von stunde abhängigen genetiv beleuchtet: das ich dieselben 12 guldin uff stund des ziles müssen bezalen Steinhausen privatbr. d. ma. 1, 83; Melusine schosz zum fenster ausz, und was zur stundt eines augenblicks wider ein ungehewrer langer wurm worden buch der liebe 277, 1. II@A@2@aa) von stund, von stund an 'sofort, sogleich, augenblicklich, unverzüglich, von jetzt ab, von diesem augenblick an'. II@A@2@a@aα) von stund 'alsbald, sofort, sogleich'; nur im mhd. und frühnhd.: solt ich leben ains jares lenge so wolt ich machen enge main schuld mit klainem widergelt, die ich laider grosz von stund bezalen musz Oswald v. Wolkenstein 212 Schatz; sagt im nur redlich eur begern, so thut er euch von stund gewern pfarrer v. Kalenberg, v. 1296 ndr.; ir wellet ainen oder zwen eur räte von stund her gein dem Neuenmarkt schicken Steinhausen privatbr. d. ma. 1, 48; das geschah und erworget, das er ob dem tisch starb von stunden chron. d. deutschen städte 4, 299; als sie auff dem mere von den feynden wart gefangen, von stund sprang sie in das mere und ertrencket sich Albrecht v. Eyb deutsche schr. 1, 13; wes ich und min fraw begern, das sollet ir uns von stund gewern Alsfelder passionsspiel, v. 765 Grein; den alten feynd das seer verdrosz, das er war uberwunden vonn solchen jungen, er so grosz: er wart vol zorn von stunden gedacht sye zu verbrennen Luther bei Wackernagel dtsch. kirchenl. 3, 4; ward seinem herren fürgebracht, der fodert in von stunden Ringwaldt evangelia c 1b; (das eingesammelte geld, das die trinkzeche) uberleufft, das sal er von stonts in der geselleschaft bussen werfen (1587) Frankfurter zunfturkunden 1, 267; da es (die nachgeburt), wan die sach recht von statt gehet, von stund nach dem kind auszfehret Wirsung artzneybuch (1588) 556c; entspringt unweyt von Näfels am berg, treybt von stund bey dem fläcken etwa manche mülli Stumpf Schweizerchron. (1606) 469a. im 17. jh. absterbend: wo bist du? komm doch her, ey, kom doch her von stunden. ach wie zu rechter zeit hast du dich hergefunden Paul Fleming 500 Lappenberg. II@A@2@a@bβ) von stund an, von stunden an: während der ganzen nhd. zeit bis ins 19. jh. hinein üblich. II@A@2@a@b@aaαα) in derselben bedeutung und verwendung wie α: 'statim, subito, iam, confestum, extemplo, bald, flugs, behend, eilends' Alberus dict. (1540) A a 2b; Frisius dict. (1556) 640b; Calepinus xi ling. (1598) 302a; 528b; Hulsius (1618) 270b; Decimator thes.: und hiesz von stund an alle tor beschlieszen Richental chron. des Konstanzer konzils 58 lit. ver.; und es (das haus) vellt zehant, variante: und ist von stundan gefallen erste deutsche bibel 1, 227 (Luc. 6, 49); darumb rat ich trewlich allen priestern, das sie von stundt an pusz thun Luther 8, 491 W.; der herzog von stundan fragen ward Wickram Galmy 254; dyn wyb gedenckt an eyn hübsch kleyd, hatt sie etwan am tantz gesehen, und von stund an wil sie ouch ein sölichs haben Geiler bilgersch. (1512) 14c; und von stundan, als Jesus aus dem wasser gieng, do sach er, dasz sich die himmel aufthettend Zürcher bibel (1531) 2, 208 (Marc. 1, 10); grosz krafft im apfel ist verborgen, der du von stund an wirst empfinnen in deinem leib auszen und innen Hans Sachs 1, 39 lit. ver.; wo nicht gleich behend geschicht dasz ich euch gebiet, heysz ich euch von stund an binden unnd gefangen nemen Carbach Livius 321v; viel sein deren, die sich an dem glück der gottlosen ergern, und so sie sehen, dasz alles inen nach ires hertzen wunsch von stat gehet, und nicht im unglück sein wie andere, sondern haben gute tag, von stundan machen sie inen diese rechnung, dasz entweders kein gott seye, oder aber, gott neme sich menschlicher sachen nichts an Gretter erkl. d. römerbriefs (1566) 198; drumb kömpt befehl, das er nicht seum, das paradis von stundan reum Hayneccius Hans Pfriem 12 ndr.; gebot ihnen, sobald der hauptmann zahlung des gelts begerte, dasz sie ihn von stund an tödten solten buch der liebe 312, 4; so hat Minerva den alten Ulyssem mit der wünschelrute von stundan in ein jungen mann verkehrt Ph. Bech Agricolas bergwerkbuch (1621) 30; und sprach: baur, zahl von stundan mir sechs pfundt, ich will es han von dir Sandrub hist. u. poet. kurzweil 32 ndr.; dann die wurtzel schreyet in dem abrisz so scharff und erschrecklich, dasz wer es höret, von stund an todt bleibt Prätorius saturnalia (1663) 156; wer das fieber hat, der soll einem esel ins ohre sagen, es hätte ihn ein scorpion gestochen, so vergehet das fieber von stund an J. G. Schmidt gestriegelte rockenphilosophia (1706) 1, 123; von stund an hiesz der keiser Arnoldum von Brixen verbrennen Tschudi chron. helv. 1, 76; das kind schämt sich und fasset von stund an den entschlusz, sich zu bessern Liscow samml. sat. u. ernsth. schr. 58; binnen wenigen monaten war dies (gebäude) voll neuer schönheit fertig; und es gefiel dermaszen, dasz er von stund an den risz zu einem ganzen prächtigen weitläuftigen pallaste machen muszte Heinse sämtl. w. 10, 243 Schüddekopf; wie rang ich dann oft meine hände gen himmel und betete ... und allemal wards mir von stund an leichter Bräker sämtl. schr. 1, 205. auch im nd. bezeugt: wan eyner off deme altair mysse lesen leyss vur eyn selle, die voert van stont an erloist uss dem vegefuyre Arnold v. Harff pilgerfahrt 22 Groote. daneben von stunden an, vornehmlich im vers aus rhythmischen gründen: die aber noch das leben han, die wird der herr von stunden an, verwandeln und vernewen Ringwaldt handbüchlein d 8b; von stunden an auff frischer that zum teuffel naus geworffen hin Hayneccius Hans Pfriem (1582) 51; o süszer todt, komm eiligst her und würge mich von stunden an, weil ich nicht länger leben kan Rist poetischer lustgarte g 5; seltener auch in älterer prosa: schickt der künig von stunden an sein volck in die insel (1509) Fortunatus 152 ndr.; Marhold und Liebwährt gehorchten der bitte ihres freundes von stunden an Zesen rosenmând (1651) 4. die durch die häufigkeit des gebrauchs bewirkte starke sinnentleerung der formel spiegelt sich in ihrer paarung mit synonymen begriffen: der pfarrherr fragt in gleich von stund an, ob er yetzunder an die dreyfaltigkeit glaubt Frey gartengesellschaft 70 lit. ver.; das lamb sprach, hab ich solchs gethan, so sterb ich jetzt von stunden an Alberus fabeln 32 ndr.; in einem hui, von stunden an, ists urteil uber ihn gesprochen Hayneccius Hans Pfriem 25 ndr.; und von stundan und eylendts ward der ritter nach dem allerbesten gewapnet buch der liebe (1587) 13a. in dieser bedeutung seit dem ausgang des 18. jhs. nur noch mit leise archaischem einschlag: kurz ich lernt euch kennen, und von stund an beschlosz ich euch zu dienen Göthe 8, 93 W. (Götz); da ward das kind von stund an in den thurm gesetzt Brentano ges. schr. 4, 492 (Foix und Gaston). II@A@2@a@b@bbββ) 'von einem bestimmten zeitpunkt ab; für dauernd; von diesem augenblicke ab; von da an.' diese bedeutung löst sich im frühnd. von αα los, so dasz die zurechnung der wendung zu den beiden bedeutungsmöglichkeiten nicht immer mit völliger sicherheit geschehen kann und die belege vielfach schillern (s. oben unter αα): disser bischoff von stund an schrib er sich pabst Bonifacius der drit Judas Nazarei v. alt. u. neuen gott 19 Kück; und war das pferdt nichts mehr geacht, von stunden an bot man es feil Alberus fabeln 123 ndr. seit dem ende des 18. jhs. die gewöhnliche bedeutung, die die ursprüngliche 'sofort, sogleich' völlig verdrängt hat: sein geldmangel hörte von stund an auf Archenholz England und Italien 1, 1, 76; bei diesem glauben bin ich von stund an geblieben Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 1, 201; drauf wurde, wie die männer sind, sein herz von stund an lauer Hölty ged. 32 Halm; jedoch ward alles von stunde an in noch strengerm geheime gethan Kortum Jobsiade 3, 74; da wuszte ich von stund an, dasz ich der eigentliche haupt-unchrist sei Schleiermacher sämtl. w. I 5, 630; unbegreiflicherweise bemächtigte sich beider frauen von stunde an eine stete traurigkeit Laube ges. schr. (1875) 2, 124; von stund an, wo dies bekannt wurde O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 12; dasz er von stund an das deutsche versemachen aufgab Justi Winckelmann 1, 375. auch hier gern in einem bewuszt an sprachlich ältere vorbilder angelehnten stil: wie die königin den spiegel so sprechen hörte, ward sie blasz vor neid, und von stund an haszte sie das sneewittchen Grimm kinder- u. hausm. (1812) 1, 239; er trug ihm selbst die schlüssel der stadt entgegen, und in der tat fand man von stund an, dasz sich ihm der kaiser geneigt erweise Ranke sämtl. werke (1867) 3, 156. selten mit anderer postposition: die partei konnte dieselben (vorwürfe) umso gelassener ertragen, als sie von stunde ab durch die tat bewahrheitete, dasz ... von Bennigsen nationalliberale partei 29. II@A@2@a@gγ) von dieser stunde an: in derselben bedeutung wie ββ steht es seit dem 17. jh. gern an stelle des einfachen und älteren von stund an: von dieser stunde an will ich anfangen eine simulierte tollheit schauspiele engl. comöd. 157 Creizenach (Hamlet); von dieser stund an ward mein nahme in ganz Frankreich bekannt v. Ayrenhoff w. (1814) 3, 34; so bleibet ... von diesen stunden in einer steten gegengunst Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustwald (1657) 1, 456; so sei von dieser stund der thorheit nicht gewogen R. Z. Becker mildheim. liederbuch (1799) 99. II@A@2@bb) zu stund, zur stund, zu der stund, zu stunden u. ä. II@A@2@b@aα) 'gerade, eben, jetzt, augenblicklich, in diesem augenblick': hetten wir den böszwicht zu stund, wir wolten in mit zen zerreiszen Hans Sachs 21, 129 lit. ver.; er lieff gar ernstlich nach dem hund, in dem so kam da zu der stund ein saw mit zehen färcklin jung, die stieszen den tisch alsbald umb Fischart Eulenspiegel, v. 2413 Hauffen; alss aber eben zue der stundt möcht funden werden diser grundt Endinger judenspiel 22 ndr.; offt wy schone nicht thor stunde doen können dat wy willen Rotmann restitution 68 ndr.; bei der in der vergangenheit vollendeten handlung 'damals': ihm half aber, dasz er zu stund gen Brenzgau in das leger den veinden nahen geleget wart Wilwolt v. Schaumburg 34 lit. ver.; seht was das seylgehn nur hie kan! dann hett er nicht das selbig kundt, er wer entrunnen kaum zur stund Fischart Eulenspiegel, v. 320 Hauffen; als er (Orpheus) von Eurydice sang, gantz Thracien zur stunden, mit seiner harffen er bezwang, zu tantzen sie begunden Voigtländer oden u. lieder (1642) 6, 1. in neuerer zeit nur bewuszt archaisierend in dieser frühnhd. bedeutung: ich hab kein schmerz zur stund Kolbenheyer Paracelsus 3, 385, sonst in leichtem bedeutungswandel: ick leb sur stund in England Sturz schr. (1779) 1, 27; wo der mir noch zur stunde unbekannte verfasser mehr gutes von mir sagt Schubart leben u. gesinn. 1 vi; (er) habe sich zweimal um unterstützung beworben, und zur stunde noch nichts empfangen Bettine dies buch gehört dem könig 2, 575; (das manuskript) ist nämlich nach Berlin gewandert, und ich weisz zur stunde nicht, ob es wieder zurückgekommen Görres ges. briefe 3, 197. er wird besonders kenntlich in der häufigen verwendung bis zur stunde: und wir meinten selig beide, und ich meint es bis zur stund, dasz so herrlich du vor freude blühtest über unsern bund Lenau sämtl. w. 34 Reclam; der wirt teilte mit, dasz die kosten bis zur stunde noch unberichtigt geblieben waren M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 2, 110. II@A@2@b@bβ) 'sofort, sogleich, unverzüglich, auf der stelle', incontinenti zu stund, zu stund an Diefenbach gl. 229c: dar nach zu stunden do zoch der kunig mit aller seyner herschaft wider zu feld fur di stat (1401) chron. d. deutschen städte 1, 53; und das kint wart gesund zu der stunde erste deutsche bibel 1, 29 lit. ver.; so er (der mensch) aber nach ordnung gots mit seinem vergifften leib veraint, zuostund wirt er vermailigt Berthold v. Chiemsee teutsche theologey 427; und stöszet Siegfried, dasz er davon zur stund todt blieb volksbuch v. gehörnten Siegfried 93 ndr.; geh hin, du bub, gott geb zur stund, dasz du werdst gar zum hirsch odr hundt Gilhusius grammatica (1597) 63; wenn nun uns auch ein kleine widerwerdigkeit begegnet, zur stund werden wir nieder geworffen Joh. Arnd Thomas a Kempis (1631) 13; durch diese und dergleichen reden wuste der könig seine soldatesca dergestalt zu encouragiren, dasz sie ein mehrers nicht, als zur stund an den feind zu gehen, wünschen thaten Chemnitz schwed. krieg 1, 57; und kom, ach kom zur stund! Zesen verm. Helikon (1656) 1, 267; wenn etwa eine wund und schaden am gesichte ein schwalbelein bekömt, so bin ich da und schlichte den handel mit dem kraut, so von uns ist genant, das hilfft zur stund und thut der blindheit widerstand Prätorius winterflucht (1678) 75. selten in älterer zeit daneben auch zu stund an: Nausicaa gieng zu stund an in ir schlaffgemach Schaidenreiszer Odyssea (1537) 26b; also sey das geschray am hof zustundan erschollen Nas antipap. (1567) 1, 227b; und umbzogen (mit den riemen) ein grosze weite desz thals, und hätten also zu stund an ein gar weite weyd beschlagen und umbfangen buch der liebe 265, 1; derowegen machten dise beede schwäger zestund an nach ires schwehers todt anno 1254 ain thaillung v. Brandis gesch. d. landeshauptleute 21. wie stark die präpositionale verbindung nur als leeres wortfüllsel empfunden wird, zeigt sich darin, dasz sie öfter von einem synonym begleitet ist: das sol ain jeglicher zuo stunt und ône alles verziehen ainem burgermaister oder sînem statthalter furbringen und zuo wissen tuon (1431) stadtb. v. Schaffhausen in Alemannia 6, 283; er mag wol seinen ablasz darinnen holen ob er wil und denn alsbald zu stund wider in Egyptenland faren Tauler sermones (1508) a 8c; gleich zue der stundt, ich sagen musz, ward er an allen vieren lam Endinger judenspiel 51 ndr.; und wie er heil ward von den wunden, begab er sich gar gleich zur stunden in eine hülen bey der statt Fischart nachtrab, v. 2832 Kurz; und sprechen alsbalt zu der stund W. Spangenberg bei Dähnhardt gr. dramen 2, 9 lit. ver.; im vers gehäuft als leichte reimform ohne wirklichen bedeutungsinhalt: zu huren man daselbs begund, vergaszn al erbarkeit zur stund Musculus hosenteufel 5 ndr.; purpure wangen und brüste rund verbleicht zur stund Venusgärtlein 14 ndr.; leichte fällt es, lieb bekummen; leichte fällts, ein weib genommen. lieb bekummen bald zur stunde, gar genummen ohne grunde, heist: zur reue lieb bekummen, heist: zur straffe gar genummen Logau sinnged. 121 lit. ver. seit dem 18. jh. nur noch beim durchschimmern der mundartlichen grundlage (vgl. brem. wb. 4, 1079): zur stunde kamen sie schaarweise Bodmer samml. krit. poet. schr. 1, 47; einer meiner landsmänner, dem ich 120 fl. schuldig war, schickte mir ganz unversehens den boten, dasz er zur stund wolle bezahlt seyn Bräker s. schr. 1, 179, oder in absichtlich altertümelnder stilisierung: die frau des schöppen würde an ihrem trockenen husten zur stunde sterben Klinger w. (1809) 3, 77 (Faust); rühre ein kranker deren gewand an, so genese er zur stunde br. Grimm dtsche sagen (1891) 1, 135; als er ohne einigen unfall in den tempel gekommen, trat er vor den götzen und sprach: sanct Georg der ritter gebeut dir, im namen des allmächtigen gottes, dasz du zur stunde zu ihm kommest Aurbacher volksbüchl. 43, zumal wenn die versform die wahl dieses bequemen reimbandes begünstigt: ihr lieben hochzeitleut, seyd willkommen allzugleich, wie ich lese, setzet euch, zur stunde, ins runde, um diese tafel her Chr. Reuter ehrl. frau 66 ndr.; was er für gut befand, das lobte sie zur stunde Lichtwer äsopische fabeln (1748) 86; allein das kniffchen ward zur stund uns jämmerlich vereitelt Blumauer ged. (1782) 201; nur einmal aus ihrem munde möcht ich hören ein liebendes wort — alsdann wollt ich folgen zur stunde euch, geister, zum finsteren ort Heine werke 1, 29 Elster; das kräutlein im boden am herzen gesund es wecket der oden des frühlings zur stund Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. (1890) 1, 27; und als ihn der blick der feye fund, da ward herr Winfred ein stein zur stund Strachwitz ged. (1850) 57. II@A@2@b@gγ) selten begegnen daneben andere verwendungsweisen; für 'zuweilen, manchmal': dorumme si auch mit iren eegemale dicke einen monden und czu stunden ober sechse ader czu czeiten uber acht wochen fleischlicher vermischung sich enthilden Hedwiglegende (1504) b 1; für 'rechtzeitig, zu rechter zeit': dieses schreiben ward ihme so zu stundt uberbracht, dasz er noch krefften genug hatte solches abzulesen J. B. v. Borstel v. d. lieb Astreä und Celadonis (1619) 1, 223; gehe eilends fort und kom zur stunden wieder engl. comöd. u. trag. (1624) a 8b. II@A@2@cc) auf stund, auf der (die) stund 'sogleich, sofort, im gleichen augenblick': darumb zücht er die groszen hundt, das er im jaget nach uff stundt Murner mühle v. 897; ehe ich solt hören dise wort ehe wolt ich, das der erden grund mich thet verschlücken auff die stund Spreng Ilias (1610) 97b; darnach gewann sie einen schaum vor dem mund, dasz sie meynten, sie würde auff der stund unsinnig werden Lonicerus daemonolatria (1598) 365; das ander (pferd) ward auch hart getroffen, dasz es fiel, doch hub es auff der stunde sich wieder auff Dietrich v. d. Werder Ariost, ges. 1, str. 63; so wil ich dich auff der stunde zum loche hinaus führen Chr. Weise drey klügsten leute (1675) 200; bis sie von hinten den herrn erreichen und anrühren kan, und siehe, sobald das geschehen, stillet sich ihr creutz, und (sie) wird auff der stunden stärcker und fühlet es an ihrem leibe, dasz ihr geholffen sey Mart. Möller erkl. u. betracht. d. evang. (1729) 808a. in abgewandelter bedeutung: 'zur zeit, augenblicklich': was noch auff die stund in Ebron geschicht Paracelsus opera (1616) 2, 460 Huser; wenn das unvermögen der länder verhinderte, dasz geworbenem kriegsvolcke der sold nicht auf die stunde bezahlt würde, lassen sie aus trägheit die hände sincken Lohenstein Armin. 1, 740a, vgl. 3 b. im nd. sprachgebiet bis in die gegenwart geläufig in den formen upstund, upperstund, opstuns u. ä. als 'zur zeit, gerade jetzt, gegenwärtig, sogleich, augenblicklich, in diesem augenblick': up stun'ns was hei twintig johr olt Fr. Reuter w. 2, 120 Seelmann; veel striken dot se up stünds ni Voigt - Diederichs Schlesw.-holsteiner blut (1926) 72; vgl. Dähnert wb. d. pomm. ma. 472a; 511b; Danneil altmärk. wb. 208a; brem. wb. 4, 1079; Schambach Götting.-Grubenhag. wb. 216b; Mensing schlesw.-holst. wb. 3, 894/5; 4, 914; dort auch weitere literarische belege. II@A@2@dd) an stund 'sofort, sogleich, alsbald'; nur frühnhd.: das wardt dem heylgen man Gregorio gesait inn der fancknusz und der sprach: o das pöesz schwein. und an der stund wardt der chönig ein schwein und viel ab dem chönigsstul und lieff gen holtz Schiltberger reisebuch 100 lit. ver.; an stund slueg man an di sturm Füetrer bayr. chron. 206 Spiller; die fürsten stalten sich darauff an stundt in ire ordnung hertzog Aymon (1535) b 4b; dieselbige belägert der könig von Frankreich an stund Stumpf Schweizerchron. (1606) 283b; ihre keis. may. verwundert sich, ritt an stund mit churfürst Philippo Weidner teutscher nation weisheit 3 (1653) 19. II@A@2@ee) alle stund, zu aller stund 'immer, beständig, immerzu, jeden augenblick, ununterbrochen'. II@A@2@e@aα) alle stund, alle stunden. im frühnhd. läszt sich die entstehung der sinnlich meist stark verblaszten adverbiellen verbindung aus der klaren vorstellung eines begrenzten zeitraums dann noch deutlich erkennen, wenn stund anderen zeitraumbegriffen gegenüber gestellt ist: die drit geburt ist, das got alle tag und all stund würt warlich gaistlichen geboren Tauler sermones (1508) a 1a; wen das von nöten were, must der mensch alle stunde ader offt im tage beychten Strausz beychtpüchlin (1523) a 4a; all stund, all tag, all augenblick kamen die nachbauren dan zum vatter glauffen Fischart Eulenspiegel, v. 154 Hauffen. für gewöhnlich als punktförmig zusammengezogener zeitraum in unendlicher wiederholung verstanden: wie man got alle stund loben sol der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) c 1b; das alle stünde der wellt verstörung zu warten sey Luther 18, 361 W.; man soll arbeyten als wolt man ewig leben, und fromm sein, als wolt man alle stund sterben schöne weise klugreden (1548) 31a; wo er nit all stund bi dir wär H. R. Manuel weinspiel, v. 2594 ndr.; unbarmhertzige leute, als sie noch alle stunden erfunden werden Ringwaldt christl. warnung a 4b; auff offenem lande (da mann den todt alle stund vor augen siehet) Moscherosch insomnis cura parentum 135 ndr.; gebt euch, ihr wahren christen, geduldig in den streit, ein jeder thu sich rüsten, und sei all stund bereit Opel-Cohn dreiszigj. krieg 46. daher oft synonym begleitet von jederzeit, jeden augenblick u. ä.: alle zyt und alle stundt seyt man narren in den grundt Murner narrenbeschwörung 4 ndr.; das wir alle stund und augenblick der zukunfft Jesu Christi erwarten Pape bettel- und garteteuffel (1586) c 6v. oft völlig sinnentleert als billige reimformel: was soll gut und gelt all stund einem geitzigen, kargen hund? Hans Sachs 19, 56 lit. ver.; will lieber grob sein und gesund, dann kranck und höflich alle stund Scheit Grobianus, v. 1269 ndr.; ach lasz mich deine wunden alle stunden mit lieb im hertzensgrund auch ritzen und verwunden P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 374b. seit dem 17. jh. seltener werdend und nur pluralisch bei stärkerem hervortreten des stundenbegriffs als eines begrenzten zeitraumes: davon ihm nacht und tag und alle stunden träumet, wie er die sense schon hab an das korn gelegt Treuer deutscher Dädalus (1675) 1, 33; verlangen sie noch mehr reue über ein vergehen, das ich alle stunden bereue, wenn ich daran gedenke? Rabener sämtl. w. 3, 205; ich bin deiner freundschaft alle stunden mehr schuldig v. Cronegk schr. (1771) 1, 135; ich habe nichts zu thun, kann also alle stunden heirathen Stephanie sämtl. singspiele (1792) 157. II@A@2@e@bβ) zu aller stund, zu allen stunden: wohl aus rhythmischen gründen an stelle von alle stund, alle stunden nur im vers. schon in mhd. zeit meist völlig verblaszt: daz ich muoz iemer mêre mit fröiden leben zaller stunt, swar ich des landes kêre Albrecht v. Johansdorf minnesangs frühl. 93, 7; sint ich uch habe vunden bereit zu allen stunden spiel v. d. 10 jungfrauen, v. 198. ebenso im nhd. zeitraum, auf dessen erste jahrhunderte die verbindung beschränkt ist: nu weiter, sage ich, und thu euch kund die art dieser figurn zu aller stund Martin Agricola musica instr. 11 Eitner; da soltus (die hände) in einander trucken, dasz alle menschen auff dich gucken, und dencken da zu allen stunden, man hab sie dir darauff gebunden Scheit Grobianus, v. 391 ndr.; o schepper van aller tidt wil uns dat alle gunnen, in dusser korten tidt nu und tho allen stunden, dat wy na dusser elenden tidt den hemmel mogen gewinnen (1575) Husemann spruchsamml. 209 Weinkauff; das dank ich ihm von hertzen grundt, jetzunder und zu aller stund Sandrub hist. u. poet. kurzweil 98 ndr.; seht, solche höflichkeit habt ihr zu allen stunden, ja solche grosze trew in alle weg gefunden Reinicke fuchs (1650) 364. später deutlich altertümelnd: gedenk an meinen rothen mund, der lacht zu allen stunden A. v. Arnim werke 13, 98 Grimm. selten mit anderer präposition: nit weitter gdenckt er uff all stundt dann von der nasen bisz inn mundt Brant narrenschiff 70, 11 Z. II@A@2@ff) diese stunde 'jetzt, in diesem augenblick'. II@A@2@f@aα) in absoluter verwendung durchgängig nur bis um die wende des 18. und 19. jhs.: ich noch sterbe diese stund Krüger spiel v. d. bäurischen richtern 14 Bolte; alsobald im mutterleibe, da er mir mein wesen gab und das leben, das ich hab und noch diese stunde treibe P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 347b; dasz wir uns noch diese stunde nicht vereinigen können Kästner verm. schr. 1 (1755) 218. die hinzufügung des synonymen jetzt verrät die völlige sinnentleerung der formel: so wolt ich öffnen meinen mund und singen itzo diese stund was gott gefällt P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 386a. II@A@2@f@bβ) in formelhafter verbindung mit den präpositionen zu, auf, bis in derselben bedeutung: bist du godes sun alleine, so sprich, daz dise steine zu dirre stunt werden brot Mone schauspiele des mittelalters 1, 78; sie zitteren zu dieser stund geleich als die verzagte hund Spreng Ilias (1610) 61a; auch hier wieder gern mit synonymem jetzt: wann jetzund ist zu diser stund mein herr kommen von Augspurg her Hans Sachs 17, 10 lit. ver.; nun sey got lob und unsser fraw, dasz mir jetzundt zue disen stunden ein guete herberg haben funden Endinger judenspiel 36 ndr.; müst fallen ich noch jetzt zu dieser stunde Spee güld. tugendbuch (1649) 36. auf diese stund(e): welche deine abgötter und patronen noch auff dise stunde sindt Paracelsus opera (1616) 1, 921c Huser; ich habs euch offt und dick gesagt, dasz euwer gemahel von ihrem laster und hurerey nicht lassen wirdt, denn auff diese stunde ligt der bube nackend bey ihr buch der liebe 21; weil der ort jedermann bekannt, und noch auf diese stunde dessen äuszerliche beschaffenheit unverändert ist Rabener sämtl. w. 1, 227; weisz niemand auf diese stunde, wo sie hingelaufen ist Grimm kinder- u. hausm. (1895) 109; zur völlig sinnentleerten phrase im reim geworden: nu nur hielt ich sie umfangen, mein mund küsset ihren mund, ... weistu das auff diese stund? Stieler geharnschte Venus 129 ndr.; die vierdte ward vom hunde, und helt auch seine weis annoch auf diese stunde Rachel sat. ged. 19 ndr. bis diese stunde: welche das amt zwar seit langer zeit, noch bis diese stunde aber nicht den geringsten verstand haben Rabener sämtl. w. 4, 37; der rest ihres vermögens ist so klein, dasz ich bis diese stunde nicht begreifen kann, wie sie nur damit auskommen mögen Schiller 3, 550 G. bis auf diese stunde: wie nun allezeit in der welt bisz auff diese stunde die sünd gewachsen Musculus hosenteuffel 6 ndr.; weil dieses ein vornemes uhraltes und weitberühmtes geschlecht ist, welches von anfang bisz auff diese stunde mit viellen tapffern gelehrten und streitbaren helden ist begabet gewesen Binhardus thüring. chron. (1613) c 2a; alles mir bisz auff diese stunde keine geringe hoffnung zukünfftiger herrligkeit machet Grimmelshausen Simpl. 11 ndr.; nun lieget zwar an der Orne ... ein schlosz, so den namen Puxe noch bis auf diese stunde führet S. F. Hahn vollst. einleit. (1721) 2, 107; und ist sie es nicht allen naturweise noch bis auf diese stunde? Herder 13, 190 S. auch diese formel vornehmlich wieder als bequemes reimband bis in neuere zeit: die von den feinden selbst noch bis auf diese stunden ... nicht widerspruch gefunden König ged. (1745) 20; es heiszt zu seiner stiftung kunde: irrglöcklein bis auf diese stunde Rückert werke (1867) 3, 17. II@A@2@gg) sonstige formelhafte adverbielle verbindungen. II@A@2@g@aα) die stunde, der stunde, 'jetzt, in diesem augenblick': und neben dem für manchen jahrn, und noch die stunde wird erfahrn, das gute leut die sich vorschriebn, seind in der supffen stecken bliebn Ringwaldt lauter warheit 36; und so eine fragt, wer der stund da spazierte Amadis 132 lit. ver.; und wenn ich die stunde noch forellen erwehnen höre, wird mir flugs gantz übel davon Chr. Reuter Schelm. (vollst. ausg.) 28 ndr.; 'sofort, sogleich': wenn ich was besseres wüste, die stunde wolte ich meinen leinwandtenen schmuck verkauffen Chr. Weise comödienprobe 316. II@A@2@g@bβ) keine stunde 'niemals, überhaupt nicht': meines feindes mund lobet mich zu keiner stundt Fr. Wilhelm sprichw. reg. (1577) e 1e; und ist seydhero niemand mehr hereinkommen, dessen ich doch in aller obgesetzter zeit kein stund gewohnet Ayrer hist. processus juris (1600) 2; der erbet viel, und brauchts zu keiner stund Voigtländer oden u. lieder (1642) 9; fremden kummer hält er an, kan ihn keine stunde meiden Logau s. sinnged. 224 lit. ver. meist nur verstärkung von nie: wir sahens nie zu keiner stund, ja her, wir sahen es halt nye pfarrer v. Kalenberg 24 ndr.; denn war ist das sprichwortt: was hundert jar unrecht gewesen ist, wart nie keyn stund recht Luther 10, 2, 239 W. in neuerer zeit nur altertümelnd: in heiszer sonn, in kühler nacht, will ruhn in keiner stunden, bis ich ein solches funden Brentano ges. schr. (1852) 2, 320; und in der mundart: bin frisch und bin gsund, aber s freut mi koa stund K. Stieler ged. 4, 61 Reclam. II@A@2@g@gγ) kurzer stund, in kurzen stunden 'in kurzer zeit, schnell, bald'. ursprünglich wohl ohne präposition: gott euch sein hilff und gnade thu, dasz ihr kombt wider kurtzer stund vom heyling land frisch und gesund Hans Sachs 17, 113 lit. ver.; so will ich sie ausz dem schlosz tragn, und sie dir bringen kurtzer stund J. Ayrer op. theatr. 1, 208b (kaiser Ottnit); später unter hinzufügung von in: (ich) will dein sun in kurtzer stund hin und wider füren gesund Hans Sachs 1, 143 lit. ver.; wann ich hab gar in kurtzen stunden ein rechten waren freund gefunden ebda 7, 174; verbran die statt Lindow gar ubel in kurtzen stunden Stumpf Schweizerchron. (1606) 391b. II@A@2@g@dδ) jeder stund 'immer, stets, dauernd': wer glück hat, dem fleucht jeder stund wol ein gebraten hun in mund Voigtländer oden u. lieder (1642) 59; Bachus Ceres jeder stunden solten proviant verschaffen ebda 35; denn nimmer musz sich trennen vom glauben das bekennen; der christen hertz und mund soll eyns seyn jeder stund Weissel bei Fischer-Tümpel 3, 10. II@A@2@g@eε) zur selben stunde, zu selbiger stunde: zu der gleichen zeit, in der etwas anderes geschehen ist, 'in diesem augenblick': dürst dich zur selben stundt (wo dir ein glas zugetragen wird), so sauffs gar ausz bis auff den grundt Scheit Grobianus, v. 1808 ndr.; aber one geferd zur selbigen stund lieff ein hirsch Amadis 15 lit. ver.; wie Jhesus den jüngeren sein wuesch ir fuesz zuo der selben stunt altdeutsche passionsspiele aus Tirol 4 Wackernell; daher dann auch 'sofort, sogleich': und sprach zu dem geist: ich gebeut dir in dem namen Jhesu Christi, das du ausgest von ir. und er gieng aus zu der selben stunde erste deutsche bibel 2, 353 lit. ver.; und Jhesus sprach zu dem heubtman, gehe hin, dir geschehe wie du gegleubt hast. und sein knecht wart gesund zu der selbigen stunde Matth. 8, 13; doch sich von der lieb überwunden, derhalben er zur selben stunden sich fügt zu der junckfraw beth Montanus schwankbücher 8 lit. ver. II@A@33) zeitpunkt oder in der vorstellung punktförmig zusammengezogen gedachter zeitraum in bezug auf sachliche, seelische oder gefühlsvorgänge im leben des menschen: der bestimmte zeitpunkt, der entscheidende augenblick. II@A@3@aa) ganz allgemein 'bestimmter zeitpunkt, augenblick': worumb verderben auch wir in einer jeglichen stund? erste deutsche bibel 2, 103 lit. ver.; der herr wirt einer stund kummen, wenn es der bös knecht nit meint Zwingli deutsche schr. (1828) 1, 319; eben in dieser stundt fellt dieser gottlosz mann von seinem gott und schöpffer ab volksbuch v. dr. Faust 19 Braune; er nicht eine stund seines leibs noch lebens sicher sein kan Dedekind christl. ritter (1590) a 2a; wünschend mit mir aus hertzen grund, das wir beed in gleicher stund grünen, blühen, tragen, dirr werden Weckherlin ged. 1, 279 lit. ver.; in welcher stunde einer sündiget, weichet er von gott Kramer dict. 2 (1702) 1026b; ich verliere keine stunde und bleibe nicht länger aus als nötig ist Göthe IV 8, 31 W.; beyliegende concordante stellen sehr verschiedner autoren sind mir in einer stunde in die hand gekommen ebda 10, 103; so sah sich Gregor fast ringsum von kaiserlich gesinnten eingeschlossen; keine stunde schien er vor persönlichen miszhandlungen und vor gefangenschaft sicher Raumer gesch. d. Hohenstaufen 4, 56; was immerdie nächste stunde bringen mag v. Bennigsen nationalliberale partei 3; geradezu synonym mit augenblick: jo kumbt offt unfal und unglück in einer stund und ougenblick Brant narrenschiff 20 Zarncke. in festgewordenen verbindungen ist der ursprüngliche begriff 'zeitpunkt' bereits im bewusztsein völlig zurückgetreten: diese stunde 'jetzt': dergleichen es von jeher viele gegeben hat, und in dieser stunde noch gibt Wieland Agathon (1766) vorbericht; noch in dieser stunde freue ich mich der freude, die sie hatten Zimmermann über die einsamkeit 1, vii; hätte sie gedanken wie ich denke, hätte sie gefühl wie ich empfinde, würde sie den morgen nicht erwarten, würde schon in dieser stunde kommen Göthe 2, 99 W.; im reim oft als bloszes füllsel: wier sullen in in diser stundt begraben in der helle grundt altdeutsche passionsspiele aus Tirol 201 Wackernell. ähnlich: sie haben bis diese stunde ihn noch in nichts widerlegt, sie haben blosz auf ihn geschimpft Lessing 13, 209 L.-M.; der art des heutigen concurses, den tausend theoretisch gelehrte männer bearbeitet und bis in diese stunde noch lange zu keinem meisterstücke geformet haben Möser w. (1842) 5, 66; ich brauche die pulver noch bis zur heutigen stunde, sie thun immer ihre wirkung Heine s. w. 3, 331 Elster. jede stunde, zu jeder stunde 'in jedem augenblick, immerzu, ununterbrochen': liebliche wort zu jeder stund flossen sittlich ausz seinem mund Spreng Ilias (1610) 6a; sie seuffzet nach mir jede stund Stieler geharnschte Venus 54 ndr.; ich sehne mich jede stunde nach ihm Göthe 23, 112 W.; also sollen wir jede stunde bereit seyn, das letzte zu thun und zu leiden, ehe wir in das unrecht willigen Arndt schr. für u. an s. lieben Deutschen 1, 280; dagegen wieder mit stärkerem durchschimmern der ausgangsbedeutung: seyd jede stunde des befehls gewärtig, nach Brüssel abzugehen Schiller 5, 207 G.; mir ist vergönnt, an ihr hinaufzuschauen, mich zu erquicken an dem frischen flor, der jede stunde neuen werth bethätigt Göthe 4, 11 W. II@A@3@bb) von sachlichen einheiten der verschiedensten art. zeitpunkt einer verabredung, eines üblichen zusammentreffens: leszt er ein trommenschlaher ... im läger umbschlahen und auszschreyen die personen, den fürgebotten wirdt, stundt und malstatt benennen Fronsperger kriegsbuch 1, 3r; Clawert war der antwort sehr fro und gedachte der stunden mit frewden zu erwarten B. Krüger Clawert 33 ndr.; ich bin ein tempelherr ... gefangen bei Tebnin, der burg, die mit des stillstands letzter stunde wir gern erstiegen hätten Lessing 3, 29 L.-M.; finde dich genau, zur bestimmten und gehörigen stunde, da ein, wo du erscheinen willst Knigge umgang mit menschen 1, 54; die stunde rückt auch heran, die er zur audienz bestimmt hat Schiller 12, 92 G.; nachts, zur gewöhnlichen stunde, erwarteten wir sie ganz gewisz Göthe 23, 99 W.; je näher uns des abschieds stunde kommt Tieck schr. (1828) 1, 83; dasz sie zur bestimmten stunde kamen v. Polenz Grabenhäger 1, 211; wählen sie aber eine stunde, in welcher sich mein mann auf dem rathause befindet Langbein s. schr. 31, 136; zeitpunkt einer gewohnheit: das ytzund ist die stund uns aufzuosten von dem schlaf erste deutsche bibel 2, 51 lit. ver.; für hin musz din kind nit essen, wann es hungert, sunder musz zu gemainer stund so es andern anmütig ist, solichs thun Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 27 ndr.; als nun die stund, das göttlich ampt zu üben, nahet, kam der hailig bischoff Oheim Reichenauer chron. 5 lit. ver.; gekommen die stunde des harfenspiels Denis lieder Sineds (1772) 58; bis die stunde des abendessens kam Göthe 44, 5 W.; jetzt ist die stunde, jetzt öffnen die fleischer ihre läden Brentano ges. schr. (1852) 5, 28; er bezahlt uns seine wöchentliche miete auf die stunde Kotzebue s. dram. w. (1827) 1, 15; des briefträgers stunde ists nicht Holtei erz. schr. 1, 16; dasz Fritz Nettenmair zu einer stunde aufbrach, wo er sonst erst recht jovial zu werden anfing O. Ludwig ges. schr. (1891) 1, 183; von naturvorgängen: wenn die stund im jar kummet, das sye (die perlen) wachsen sollen, so thut sich das schneckenhausz auff Eppendorff Plinius 9, 122; nim rote hünerdärm, so im junio, julio oder augusto gebrochen worden, in der stund, wann der mond in newen schein tretten wil Gäbelkover artzneybuch (1595) 1, 45; und zu der gesetzten stunde ward die hündin wöchnerin Lichtwer Äsopische fabeln (1748) 63; in der stunde der mitternacht Klopstock oden 1, 87 P.-M.; aber da nun die so nne zur stunde des stierabspannens sank, da siegte der feind Voss Odüssee 152 Bernays; noch anders: dem teuffel ... der darümb wart zu ainer stund verstoszen inn der hölle grund J. v. Schwarzenberg Cicero (1535) 156a; ach du fleischliche begierd, die ich bissher gütig unnd sanffmütig gefunden, wie bist du mir in einer stunde verkehret und verwandelt, so scharpff und grimmig geworden? buch der liebe (1587) 108d; dann ob wol die stund unserer verwandlung die stund ewers verlusts unfehlbarlich mit sich bringet Weckherlin ged. 1, 47 lit. ver.; dennoch er wenn er sie nun blicket an, bald heil wider werden kan, und in einer stund kranck seyn und doch gesund Voigtländer oden u. lieder (1642) 41; welche schmähkarte mir gleichwol bisz auf gegenwärtige stunde noch nicht zu gesicht kommen Rist friedewünschendes Teutschland (1648) 19; o so sey sie verflucht, die stund, in welcher ich einschlief! Klopstock Messias (1780) 1, 90; alles gefühl ziehe sich wohl zurück, aber zur unerwarteten stunde trete es wieder hervor Bettine Günderode 1, 87; ich möchte den sehen, der in der stunde, in welcher er den verlust einer guten gelegenheit betrauert, eine hundert mal bessere fände M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 44. in älterer zeit zumal in der wendung auf ein stund 'gleichzeitig': wer es euer gefallen, so möcht ir auf ein stunde grosze ere und dancke erwerben und (zugleich) mir armen euerm diener groszen frumen pringen Arigo decamerone 122 lit. ver.; die ist ein sack, die uff ein stundt, zweyen mannen lieb verkundt Murner narrenbeschwörung 50 ndr.; sein reich und gesund kompt selten auff eine stund Petri der Teutschen weisheit 2, R r 6v; entsprechend mit zu: unnd kamen hiemit zu einer stund für Sempach Stumpf Schweizerchron. (1606) 567b. insbesondere der augenblick der geburt: verflucht sey die stunde meiner geburt buch der liebe (1587) 142a; und da die stunde gar, die dich zur welt gebracht, des groszen vaters geist von dieser welt genommen Besser schr. 1, 21 König; es war die stunde, die dem stifter Roms das leben gab Herder 3, 84 S.; oder des todes: die stund des todts ist besser, denn die stund der geburt Petri der Teutschen weisheit 1, b 5v; ein schmerz, der länger dauert, als die seelige stunde seiner auflösung dauerte Gottschedin br. 1, 11 Runkel; bis völlige abnahme der kräfte den greis erinnerte, die stunde der trennung nahe Klinger w. (1809ff.) 4, 16; und (wir) behorchen mit ihr die feierliche stunde des todes Schiller 3, 519 G. II@A@3@cc) der entscheidende wendepunkt, augenblick im leben eines einzelnen wie einer gemeinschaft, schicksalsstunde; für gewöhnlich mit dem possessiv verbunden: weib, was hab ich zu thun mit dir? mein stund ist noch nit kummen schir Hans Sachs 1, 261 lit. ver.; nach zween tagen kömmt die nacht, da man das osterlämmlein schlacht, dann ist auch meine stunde P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 302; dasz unsere stunde gekommen ist, und dasz wir hohe zeit haben, auf unsern abzug zu denken Wieland w. 8, 299; da sie (die gedanken) gewisz vergessen sind, ehe ihre stunde kommt Schleiermacher sämtl. w. I 5, 44; die Wessenbergische arbeit konnte ruhig ihrer stunde harren, sie wurde die grundlage der deutschen bundesverfassung Treitschke deutsche gesch. 1, 697. seltener ohne possessiv: o lieber vatter von himmelreych die stunt ist kumen sicherleich altdeutsche passionsspiele aus Tirol 43 Wackernell; aber noch ehe die entscheidende stunde kam, ward die heitere aussicht durch den unerwarteten tod zweyer töchter unserer freunde schon sehr verdunkelt Caroline 1, 19 Waitz; handeln wir, wenn die stunde da ist, aber bis dahin harren wir in geduld Fontane ges. w. I 1, 48. II@A@3@dd) daher denn besonders häufig auf die entscheidenden stunden des anfangs und des ausgangs des menschlichen lebens specialisiert. II@A@3@d@aα) (schwere) stunde einer frau: der augenblick, in dem sie einem kind das leben gibt: so das weib gebirt sy hat trurigkeit: wann ir stund ist kumen erste deutsche bibel 1, 403; (wir haben) vernommen, dasz frau Caroline um august wieder zu stuhl soll und wünschen herzlich, dasz gott ihr helfe, wenn ihre stunde kömmt Claudius an Herder, nachlasz 421 Düntzer; über nacht nicht geschlafen, weil für Christine die stunde gekommen zu seyn schien Hebbel tagebücher 3, 135 Werner; dort beim busch am grabenbort hat mich die schwere stund überrascht, unter donner und blitz hab ich im korb geboren Anzengruber 3, 132; in einer groszen stadt sah eine frau ihrer schweren stunde entgegen evang. Berlin 9, 411a. II@A@3@d@bβ) augenblick des todes: wie es zuo der stund unsers herren nach dem inneren menschen umb ihn stund der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) b 1b; wann ein mensch kein leibliche speisz mehr nieszen mag, so kan es mit disen zeltlin mit der hilff gottes also erhalten werden, bisz er die stund erreicht, die ihm von gott verordnet ist Gäbelkover artzneybuch (1595) 57; sie komt gewisz die stunde, die uns nach der Cypresse ruft Klopstock werke 5, 44 Boxberger. meist in der verwendung mit dem possessivum: aber min stund ist mir verborgen, wan ich sterb, abends oder morgen N. Manuel todtentanz, str. 23 Bächtold; vertrawet gott, ist unser stund kommen, so wollen wir alle herrlich und christlich sterben Zinkgref apophthegmata (1628) 21; so eilt der tod mit mir zum ende, und meine stunde schläget schon Schmolcke s. trost- und geistreiche schr. 2, 158; meine stunde ist kommen. ich hoffte, sie sollte seyn wie mein leben Göthe 39, 167 (Götz) W.; (Hamlets geist:) schon naht sich meine stunde, wo ich den schwefligen, qualvollen flammen mich übergeben musz O. Ludwig ges. schr. (1891) 5, 97. in neuerer zeit vornehmlich poetisch mit einem charakterisierenden adjectiv: nur das los des todes können die götter selbst nicht wenden, ... wenn jezo ihn die finstere stunde umschattet Voss Odüssee 42 Bernays; man vermiszt ihn — gibt ihn halb verloren — mich deucht, seine schwarze stunde schlägt Schiller 2, 15 G.; in meiner nahen stunde musz er noch vor mein fenster kommen und husten Pestalozzi sämtl. w. 5 (1930) 281. II@A@3@d@gγ) ganz fest geworden ist dafür die verbindung letzte stunde: geselle dich zu geystlichen sachen, die dir zur letzten stundt mögen ein zuflucht sein Franck beschr. der Türckey (1550) j 3b; kompt dann herbey die letste stund dasz du darüber gehst zu grund Spreng Ilias (1610) 173; wie oft hat er vor gott gezittert, vom grauen der natur erschüttert, der letzten stunde werth zu seyn Gisecke poet. w. 95 Gärtner; freundschaftsdienste, die ich seiner verstorbenen gattin in ihrer letzten stunde erwiesen Beck herz behält seine rechte (1788) 35; wonnevoll wird die letzte stunde, die stunde meines hinsinkens zum tode auch seyn! maler Müller w. (1811) 1, 8; entfloh ich nicht, so war es meine letzte stunde O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 444. auch übertragen auf den untergang von staatlichen gemeinwesen: Apolls orakel spricht, ... es spricht von Trojas letzter stunde Schiller 6, 358 G.; dasz für die liebe heimatstadt die letzte stunde gekommen sei Mommsen m. gesch. 2, 25. die enge begrenztheit des zeitbegriffs wird stärker bei seltener pluralischer verwendung verwischt: eile, viel zu spätes lied! eile zu den letzten stunden, weil dich pflicht und ehrfurcht zieht, die dich Schützens haus verbunden Gottsched ged. (1751) 1, 174; sie wissen, dasz ich in dieser materie so unerschöpflich binn, als eine wittwe in den umständen von den letzten stunden ihres seeligen eheherrn Göthe IV 1, 239 W.; er bekehrt sich vielleicht noch in seinen letzten stunden Tieck schr. (1828) 7, 45. doch ist die wendung auch noch in anderem sinne gebräuchlich (vgl. oben unter A 1 b β): ich habe die fatale gewohnheit, briefe immer auf die letzte stunde aufzuschieben Lichtenberg br. (1901f.) 2, 50. II@A@3@ee) ganz auf den unberechenbaren und jeweils verschiedenen inhalt eines kleineren zeitraums bezogen. II@A@3@e@aα) in absoluter verwendung 'rechte, bestimmte zeit, gelegenheit': alles hat sein stund Lehman florileg. polit. (1662) 2, 937; reden hat seine stund, und seine stunde der schlummer Voss Odüssee 205 Bernays; auch verschämt sein hat sein gehörig masz und seine stunde Schiller 6, 203 G.; sonderlichen die reim wollen nicht allein ihre besondere stunden Ringwaldt evangelia a 3b; gott ist auch alhier für dich, und wird schon zu seiner stunde dich erfreuen wunderlich Neumark fortgepfl. musik. poet. lustwald (1657) 18; wer überwiesen werden kann, dasz er die stunde des genies ungebraucht habe vorüber gehen lassen, ist auf jahr und tag keiner belonung fähig Klopstock gelehrtenrepubl. (1774) 50. vom menschen geradezu 'laune, stimmung des augenblicks': jeder mensch hat seine stunde Düringsfeld sprichwörter 1, 443a; doch hab ich freylich noch keinen gekannt, der nicht dergestalt seine stunden hat Bräker sämtl. schr. 2, 130; daher beliebt die wendung: was sind hoffnungen, was sind entwürfe, die der mensch, der flüchtige sohn der stunde, aufbaut auf dem betrüglichen grunde? Schiller 14, 92 G.; was soll der volle, schäumende pokal, was die unendlichkeit dem mann der stunde? Herwegh ged. eines lebendigen (1841) 169; ein kind der stunde, warf er seine feurigen verse hin Treitschke hist. u. polit. aufs. 1, 310, wo stunde geradezu 'zufall' heiszt; ähnlich auch: denn glück und ehre sind nicht kinder einer stunden Neukirch ged. (1744) 40; auf dem wege zu dir sehe ich mich noch nicht. wir wollen auch das den stunden überlassen Göthe IV 10, 239 W.; ich will dir erzählen, was ich gesehen und empfunden habe, leicht und flüchtig, wie die stunde es giebt Arndt schr. f. u. an s. lieben deutschen 1, 179; Molé, ein mann des augenblicks, nimmt von der stunde seine regel Gutzkow ges. w. (1872) 7, 318. II@A@3@e@bβ) in fester präpositionaler verbindung zur rechten stunde, d. h. im sachlich oder seelisch günstigsten augenblick, wobei öfter ein schwacher nachklang der vorstellung astrologischer stunden (vgl.A 1 d) hörbar wird: komb gleich morn, und sey mein gast zu nacht, und komb zu rechter stund Scheit Grobianus v. 3820 ndr.; als dein mund zur rechten stunde aller herzen an sich zog Neukirch ged. (1744) 20; dasz der blosze nahme mensch, wenn er zur rechten stunde ausgesprochen wird, niemals ohne eine hilfreiche würkung sein kann Zimmermann v. d. nationalstolze (1758) 21; lies und wisse das prächtigste; es wird dir andringender, wenn es, dir angemessen, dein freund zur rechten stunde saget Herder 22, 166 S.; nun finden wir geld und credit eben zur rechten stunde Göthe 23, 118 W.; du bist zur rechten stunde hier eingetroffen A. v. Arnim w. 15, 3 Grimm; absolut: die 'briefe eines verstorbenen' hätten mich schon umstimmen sollen, aber die rechte stunde war noch nicht gekommen Pückler briefwechsel und tagebücher 3, 341. II@A@44) sehr ausgedehnter, nicht scharf abgegrenzter zeitraum, synonym mit der heutigen verwendung von zeit. entstanden aus der vorstellung des ausgedehnt gedachten zeitpunkts. II@A@4@aa) die lebenszeit des menschen; wie im mhd.: swaz ich munde hân gesehen mîne stunde, sô muoz ich ir munde für sie alle rœte jehen Ulrich v. Liechtenstein 2, 235 Bechstein; so auch frühnhd.: herre — so last du doch deinen fründen die stund gar sawer werden mit manchem bitterlichen leyden, das du yn zuo sendest der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 24b; daher denn meine stunden und augen ihre weide in gutten büchern gesucht Butschky Pathmos (1677) 4a. später nur poetisch: vater, hilf die stunden mir gewinnen, bis der urne letzte tropfen rinnen Seume ged. (1804) 187; unsere stunden sind gezählt, und wir können uns keine zulegen und keine wegnehmen Fontane ges. w. I 6, 35. diese alte bedeutung ist aber offenbar noch mundartlich lebendig: wer up en'n bûerhôwe deint, dei het 'ne sûere stunne Schambach Göttingen-Grubenhagen. wb. 216b. II@A@4@bb) längerer zeitraum, ohne dasz eine bestimmte zeitliche abgrenzung dabei in der vorstellung vorhanden wäre; synonym mit zeit: eh wann kompt deines alters stund? Hans Sachs 6, 147 lit. ver.; nit lang stund dem ritter Galmien ein dantz mit der hertzogin geben ward Wickram w. 2, 65 lit. ver.; traum und wahn! — die stille stunde, leise wandelnd, wandelt alles Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 232; für gewöhnlich fast ausnahmslos pluralisch zur bezeichnung einer längeren ununterbrochenen zeit, die durch einen gleichartigen seelischen oder tatsächlichen inhalt erfüllt und zusammengehalten ist, ohne genaue zeitliche abgrenzung: der, was vor ewigen zeiten verschwunden, der, was die künfftig einbrechende stunden den sterblichen gesetzt A. Gryphius trauersp. 94 Palm; alle diese vortheile hat man gewisz zu erwarten, wenn man mit einem noch unverderbten geschmacke in den stunden, welche von den geschäften unbesetzt sind, mit nützlichen schriften bekannt wird Cramer nord. aufseher (1758) 1, 16; in den stunden, die ihm die berufsarbeiten übrig lieszen Göthe 46, 93 W.; traumdeuterei und das mysterienwesen füllten nicht wenige der stunden des königs aus Mommsen m. gesch. 2, 267. gern in verbindung mit dem possessivum: ihres unruhigen amts wegen, das sie so wenig ihrer selbst und ihrer stunden mächtig werden läszt Rabener sämtl. w. 6, 133; wie wollt er seine stunden tödten? Gotter ged. 1, 119; es ist sündlich, dasz sie ihre stunden verderben, diese affen menschlicher auszuputzen Göthe 21, 290 W.; entsprechend: diese leitete die stunden und tage des kindes zum leben, lernen und zu allem guten betragen ebda 24, 128; ich habe des alten mannes stunden eingeteilt ebda 22, 241. II@A@4@cc) ganz allgemeine zeitangabe in verbindungen mit adjectiven, die einen ausgedehnten zeitraum im tages- und nachtverlauf angeben; stunde dient nur noch als umschreibung für diese: aber ein traum, der da redt zum mund ausz bey wachenden stunden Paracelsus opera 1, 141c Huser; vor vierzehn tagen harrten wir in dieser nächtlichen stunde Göthe 4, 222 W.; man kam zu aufgehellter stunde in eine freiere gegend ebda 33, 55; euch mahne die dämmernde stunde Körner werke 1, 128 Hempel; er lag schlaflos zu später stunde in seinem zimmer Fontane ges. w. I 1, 56; ich bin müde trotz früher stunde ebda 5, 199. in poetischem gebrauch auch freier und allgemeiner: wie durch der dämmrung stunden v. Salis ged. (1793) 3; in sehr kalter und kaum durch einheizen zu bezwingender stunde Göthe IV 36, 238 W.; misztrauisch auch starrten die groszen paläste der prachtstrasze. die erlöschende stunde überschüttete sie mit grauem und trübsinnigem schmutz Werfel Barbara 539. II@A@55) stunde als ein unbestimmt langer zeitraum, der als seelische oder gefühlseinheit deutlich gegen die vorhergehende und folgende zeitspanne abgegrenzt erscheint; der bewuszte verzicht auf mathematische genaue zeitabgrenzung wird durch das vorwiegen der pluralischen verwendung oder den gebrauch unbestimmter zahladverbien unterstrichen. im bewusztsein hat sich die vorstellung von dem ausgedehnt gedachten zeitpunkt oder zeitraum auf die seelische erfülltheit seines inhalts verschoben (vgl. den entsprechenden vorgang unter C 3). II@A@5@aa) der charakter der zeitlich begrenzten seelischen einheit wird durch ein adjectiv bestimmt, das aus schlechthin jedem menschlichen bezirk gewählt sein kann; je unbestimmter die damit verbundene vorstellung ist, desto beliebter wird die verwendung des worts: hiermit tröst dich und sey gesundt, bis sich verkert die trawrig stundt Scheit fröhl. heimfahrt, v. 316 Strauch; ach das ein selige stund köm darinn sie unser lieb annemb Ayrer dramen 1972 lit. ver.; er wehre gottes sohn, der manche schöne stunde die seele mir durchnam Königsberger dichterkreis 111 ndr.; (ein mädchen) wird dir manche gute stunde machen können Ollapatrida 43 Wiener ndr.; so hat (das leben) der traurigen und miszvergnügten stunden mehr als der freudigen Chr. Wolff gedanken v. d. menschen (1720) 30; denn führt Aurorens zeit das gold in ihrem munde, so liebt ein marsensohn auch ihre goldne stunde Neukirch anfangsgr. z. teutschen poesie (1724) 132; sieh, es sind die finstern stunden abermahl verschwunden v. Canitz ged. (1727) 5; beflügelt euch ihr wollustvolle stunden Pietsch geb. schr. (1740) 168 Bock; du fodertest von dem geschicke die leeren stunden doch zurücke, die du mit liedern zugebracht Kästner verm. schr. 1 (1755) 198; einige ernsthaftere stunden in der woche mehr können für unser gemüthstemperament nicht anders als zuträglich seyn Cramer nord. aufseher (1758) 1, 57; eine menge ganz einsamer stunden Bahrdt gesch. s. lebens (1790), 1, 8; ich habe letzthin in einer ruhigen stunde ihre briefe nacheinander durchgelesen Lavater verm. schr. 2, 13; in trüben stunden suchte sie ihn zu erheitern Miller Siegwart (1777) 1, 104; diese idyllen sind die früchte einiger meiner vergnügtesten stunden Geszner schr. (1777) 1, 3; das ewige eynerley des vogelsanges ist zu ermüdend, als dasz die menschen anders als in gewissen launigen stunden auf nachahmung desselben verfallen könnten Schubart ästhetik d. tonkunst 3; ich denke nicht mehr an den dichter (dieser gedanke ist kälteren stunden aufbehalten) Schubart bei Strausz w. 8, 37; mein kaufhandel ist eine kleinigkeit, und doch fällt er mir in dunkeln stunden so lästig Bräker sämtl. schr. 2, 147; was ich in unvergeszlichen stunden durchgezittert, durchempfunden Lenz ged. 209 Weinhold; die ihrem mann allein gewährt vergnügte stunden, ich gehe noch herum! ich hab sie nicht gefunden Göthe 5, 125 W.; und den leidigen insecten dank ich manche goldne stunde ebda 2, 97; mit Wielanden hab ich göttlich reine stunden ebda IV 3, 83; der Faust mag euch noch in künftigen monaten manche confuse stunde bereiten ebda IV 26, 338; ich dachte damals nicht, dasz es mir so manche verdrieszliche stunde machen sollte ebda 21, 11; vernichtet sey der schreckliche vertrag, den du im süszen taumel einer warmen stunde vom träumenden erzwangst Schiller 4, 23 G.; so schritt er, grad um diese dumpfe stunde schon zweymal kriegrisch unsre wacht vorbey Shakespeare 3, 144 (Hamlet); es ist frevelhaft zu nennen, wenn jemand in einer irdischen stunde, von dem schallenden gelächter seiner freunde hinwegtaumelt Wackenroder herzensergieszungen (1797) 160; was soll ich dir von meinen bitteren stunden sagen Bettine Günderode 1, 121; habe ich einmal eine einsame stunde, wo ich nicht fürchten darf überrascht zu werden Caroline 1, 4 Waitz; du hast heute wieder deine melancholische stunde! Eichendorff sämtl. w. (1864) 2, 402; die tapferkeit, die der alte Salm, verwalter der niederösterreichischen feldhauptmannschaft, in dieser heiszen stunde bewies Ranke sämtl. werke (1867) 3, 145; gleichgestimmten freunden eine vergnügte stunde zu machen, das war die absicht bei meinen schriften Stifter sämtl. w. 5, 1, 4 Sauer; die alte schatulle, deren raritäten ich in besonders begünstigter stunde mit ihr beschauen durfte Storm werke (1899) 1, 63; wenn aber die sonne über die geest steigt und dem dunkeln walde gold in die locken streut, für die birkhähne die stille stunde und für die bekassinen die schlafenszeit kommt Löns sämtl. w. (1924) 3, 362; das seltsame schauspiel unzähliger sternschnuppen betrachtend und von der merkwürdigen stunde berührt Hesse Lauscher (1908) 31. II@A@5@bb) mit einigen adjectiven geradezu zu so fester formelhafter verbindung geworden, dasz sich daraus ein besonderer begriff zu entwickeln beginnt, bei dem die beziehung zu einer zeitlichen abgrenzung immer stärker im bewusztsein zurücktritt und schlieszlich ganz verschwindet. II@A@5@b@aα) gute stunde (als bezeichnung der ungefähren zeitlichen erstreckung s. dagegen unter C 1 f): tausendmahl und noch viel mehr, unnd so viel guter stunden Venusgärtlein 7 ndr.; sehr hart zwar war sein leib gefeszlet und gebunden: viel härter aber doch war seiner sehlen strang, bisz sich der gutten stund und gottes worts fortgang wahr und berait erfunden Weckherlin ged. 2, 157 lit. ver.; darin hab ich unterweilens ein paar gute stunden verderbet Schupp schr. (1663) 4; mit vergnüglichem andernken an die vielfachen guten stunden Göthe IV 41, 51 W.; wenn man sie übrigens zur guten stunde sieht Castelli sämtl. w. (1844) 10, 68; sie konnte oft in guter stunde selber über ihre miszgriffe lachen Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 200; und Paracelsus liesz sich die gute stunde gefallen Kolbenheyer Paracelsus 3, 362; negativ: der jung kein guote stund on das jung meidlein gehaben mocht Arigo decamerone 291 lit. ver.; sy müssen reden, was jene wellen, so haimlich bey inen sytzen und zuo hören, oder myessen ir leben lang kain guotte stunnd meer haben Eberlin v. Günzburg sämtl. schr. 3, 85 ndr.; im houpt, umbs hertz und ouch im buch hab ich schier nimmer gute stund H. R. Manuel weinspiel, v. 2434 ndr.; nicht eine gute stund bey einem haben Kramer dict. 2 (1702) 1026a. in der fest gewordenen verbindung mit der präposition zu in der bedeutung 'zu rechter, passender, günstiger gelegenheit; im richtigen zeitpunkt': wann sie dann all sind uberwunden (vom wein), so schlaffstu auch zu guoter stunden Scheit Grobianus, v. 2077 ndr.; dann ja der grosze got ... seiner erwöhlten weeg und wandel erkennend, nimmet sie zu sich in guter stund Weckherlin ged. 1, 300 lit. ver.; ich sprach zur guten stunde, da mirs noch wohl erging Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 349b; wo er (Tasso) auch sich ihnen präsentiren mag, so wünschte ich, dasz es zur guten stunde geschehe Göthe IV 9, 156 W.; die schlacht des Constantin commentire ich dir wohl einmal zu guter stunde ebda 42, 162; zur guten stunde kam ihm Philipp von Hessen zu hülfe Ranke sämtl. w. (1867) 2, 151; in dem sonderfall des tagesverlaufs 'früh': frisch voran des morgens den luftigen höhen entgegen — bedacht zu guter stunde herab zu tisch und obdach, den wettersturm zu meiden H. v. Barth nördl. Kalkalpen (1874) 636; und nach Bodinkthorpe reiten morgen wir in aller frühe; und nach Bodinkthorpe reiten morgen wir zu guter stunde, denn der graf bedarf des trostes Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 341. davon die redensart ein mensch wie die gute stunde Frisius dict. (1556) 145b; 261b; Nürnberger wb. (1713) 150; Dentzler clavis (1716) 280b: er ist die gute stunde selbst, ein mann, den man um den finger wickeln könnte portraits (1779) 221; anders: ich werde nicht klug aus dem burschen, heute die gute stunde, bescheiden, zutunlich, treuherzig Holtei erz. schr. 1, 58. schweizerisch daneben auch üblich: von angesicht war er zwar etwas häszlich, aber sonst ein kind wie die liebe stunde Bräker sämtl. schr. 1, 49; vgl. 1, 105; kurz, er war ein mann wie die lieb stund, bis er ratsherr war Pestalozzi sämtl. w. 11, 343. II@A@5@b@bβ) böse stunde: Pyrame, Pyrame ... dein liebste Thysbe rüffet dir. ist kein sprach mehr in deinem mund. hülfft nichts mehr? o der bösen stund Gilhusius grammatica (1597) 80; so wünsch ich ihm vil böser stund Spreng Ilias (1610) 78b; die dreyeinigkeit wolle uns behüten vor allen bösen stunden Moscherosch insomnis cura parentum 91 ndr.; die poeten haben ihre bösen stunden Ramler einl. i. d. schönen wiss. (1758) 3, 347; und die gestalt des zufällig ermordeten wird auf des traurig-unwilligen mörders böse stunden lauern und schrecken Göthe 10, 25 (Iphigenie) W.; in seiner bösen stunde kam er auf den gedanken, mit Correggio in die schranken zu treten Justi Winckelmann 1, 286. die gedankliche abhängigkeit dieser bezeichnung von dem begriff der astronomischen stunde (vgl.A 1 d) tritt besonders deutlich in der formelhaften verbindung mit zu heraus: er were zu böser stund sein werbung dermaszen zuo eyelen dar kommen hertzog Aymon (1535) c ib; ich bin zu allem unglück oder zu einer bösen stund härkommen auspicio malo huc veni Frisius dict. (1556) 146b; ach, ach, wie zu gar bösen stund, bin ich raus kommen her jetzund Hayneccius Hans Pfriem (1582) 55 ndr.; zur bösen stunde nahm ich von der wand den krummen bogen Bürger werke 161 Bohtz; kam ich an zur bösen stunde Müllner dram. w. (1828) 1, 30; gesäugt von giftig bösem schlamm, schnitt ich zur bösen stunde ein reis Rückert sämtl. w. (1867) 1, 169. II@A@5@b@gγ) glückliche, unglückliche stunde: unglückhafftige stunde Frisius dict. (1556) 1295a; was soll ich mit allem gelde thun? uber disz, eine glückliche stunde bringet alles wieder ein Schoch studentenleben (1657) b 2b; mutter, ihr seyd zu einer unglücklichen stunde gekommen! Klinger werke (1809) 1, 63; ich geniesze recht glückliche stunden in dem abglanz ihrer werke Göthe IV 21, 159 W.; so dachte ich einst in einer glücklichen stunde v. Haller restaur. d. staatswiss. 1, ix; will ich suchen, mir ihre züge zu stehlen und in einer glücklichen stunde auf die leinwand zu werfen Stifter sämtl. w. 1, 43 Sauer; den strich kann das talent in glücklichen stunden aus punkten zusammensetzen M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 1, 44. in präpositionaler fügung mit zu: zur unglückseligen stundt Hulsius (1618) 2, 20b; wir sprechen uns wieder zur glücklichen stund Reinicke fuchs (1650) 243; der spanische befehlshaber wuszte Amiens zur glücklichen stunde zu überraschen Ranke sämtl. w. 9, 22; der schwere angriff traf den staat zur unglücklichsten stunde Mommsen m. gesch. 5, 211. II@A@5@b@dδ) müszige stunde (doch wohl mehr als seelisch erfüllte denn als sachlich umgrenzte zeitspanne empfunden): du bey müszigen stunden mit spielen und trincken die zeit versplittern woltest Harsdörffer teutscher secretarius 1, K k 1a; der eine ergetzung bey müszigen stunden suchet Morhof unterricht v. d. deutschen spr. 1, 437; so lang es blosz als ein spiel der gelehrten, oder unterhaltung der groszen bey müszigen stunden angeschen ward M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 3, 343; mit diesem ganz eingerichteten theater, das er ehemals in müszigen stunden zusammen gebaut hatte Göthe 21, 19 W.; ob ich vielleicht in einer müszigen stunde ihnen etwas mitteilen dürfe Pückler briefwechsel u. tagebücher 1, 99. II@A@5@b@eε) sonstige häufigere verbindungen erst jüngerer zusammenstellung. schwache stunde eines menschen: sie haben in schwachen stunden mich gesehen Schiller 5, 350 G.; der cardinal hatte sich in einer schwachen stunde verleiten lassen Justi Winckelmann 2, 1, 300; auch hat Mose in einer schwachen stunde die eherne schlange anfertigen lassen Peschel völkerkunde 262; auch ein förster und alter soldat hat seine schwachen stunden Fontane ges. werke I 6, 31. schwarze stunde: der poetische ausdruck schwartze stunde würde ihnen so seltsam vorgekommen seyn Lichtenberg nachlasz (1899) 16, 11; wer geiszelt sie in einer schwarzen stunde, die geister deiner sklaven — ha! dem schlunde des gähnenden abyssus zu? Schubart sämtl. ged. (1825) 2, 74; nur eine schwarze stunde, gegen die ihr kämpfen müszt Tieck schr. (1828) 1, 87. in anderem gebrauch dagegen s. unter A 3 d β. II@A@5@b@zζ) zu einer besonderen begriffsverbindung geworden in der formel: ich hatte keine ruhige stunde mehr! Klinger werke (1809) 1, 148; wenn er nicht gesund würde, wir hätten keine ruhige stunde mehr M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 171; jott, man hat doch keine ruhige stunde Fontane ges. w. I 5, 11. ähnlich vereinzelt: ob er schön ynn solchen ehren bleibt, so wird er so viel feynd und widderparten sehen, das er kein sicher stund haben kan Luther 19, 301 W.; er hat zeithero keine gesunde stunde gehabt Kramer dict. 2 (1702) 1026a. II@A@5@cc) ein abhängiger genetiv kennzeichnet die art der seelischen oder gefühlsmäszigen ausfüllung eines längeren zeitraums: hude ist betrubekeide zit, ein dac der jamerkeide, ein zit fruntlicher leide, ein stunde der otmude Elisabeth 2999 Rieger; die stunden ihrer einsamkeit Pfeffel pros. vers. 5, 16; lasz die stunde der angst mit schnellerem fluge vorbeigehn! Klopstock Messias, ges. 5, v. 393; (das genie) erlebt stunden der unfruchtbarkeit und der dürre Ramler einl. i. d. schönen wissensch. (1758) 1, 31; ich werde jetzt dieses schrecken weder durch stoische spitzfindigkeiten zu bezwingen suchen, die man bey gesunden tagen mit so vielem beifall liest, und in den stunden der schwachheit so trostlos findet Th. Abbt verm. werke 6, 2, 262; der stunden des schönen enthusiasmus waren so viel Klinger werke (1809) 4, 13; der grosze Young sagt an einem orte, dasz er sich keinen göttlichern anblick denken könnte, als ein schönes frauenzimmer auf ihren knien in der stunde ihrer andacht Lavater physiognom. fragmente (1775) 1, 31; reizender als dieses allgemeine grüne gewand sind jene entschiedenern farben, womit sie (die natur) sich in den stunden ihrer hochzeitfeier schmückt Göthe II 5, 1, 3 W.; ich nahm einen fürstlichen eid von ihm in einer stunde der leidenschaft Schiller 3, 403 G.; so klagte der könig in den stunden der heiszesten sehnsucht Novalis schr. 4, 91 Minor; wenn diese trunkene stimmung auch durch einzelne stunden der melancholie unterbrochen wurde, so besiegte sie doch bald jede störung Tieck schr. (1828) 6, xix; gleichgesinnte freunde ermunterten zur ausführung, und ich widmete derselben seit monaten die stunden meiner musze Solger vorles. über ästhetik (1829) 5, 15; ich habe manche stunde trostloser niedergeschlagenheit zugebracht Bismarck br. an braut und gattin 3; in dem einfachen und männlichen gottvertrauen hatten die besseren elemente ein band, das sie in den stunden der gefahr umschlang Meinecke Boyen 1, 12. II@A@5@dd) der sich über einen längeren zeitraum erstreckende gefühlsinhalt wird durch einen nebensatz oder andere anknüpfungen angegeben: immer schwebt vor meinem geiste jener stunden seligkeit, da ich in der tochter Habsburgs menschenholden augen stand Denis lieder Sineds (1772) 137; ach wie süsz war jede stunde, die wir rauben konnten Geszner werke (1778) 2, 15; wenn es mir nur gelingt, zuweilen einige stunden von ruhe und musze zu stehlen Zimmermann über die einsamkeit 1, 3; ich benutze so jede stunde, die einigermaszen behaglich ist Göthe IV 32, 201 W.; das ist die sprache meines kopfes in stunden, wo schnsucht und liebe den sieg davon tragen Kotzebue sämtl. dram. w. 2, 65; ich habe stunden, in denen ich fest davon überzeugt bin Fontane ges. w. I 5, 79. noch allgemeiner: verflucht ist die stunde, in welcher ich der liebe raum gegeben bei Creizenach schausp. engl. comöd. 88; es soll Hermann die stunde, da uns das opfer bekannt wird, gerächet und versühnt werden Ayrenhoff werke (1814) 1, 269. II@A@5@ee) stunde wird schlieszlich zur bloszen umschreibung des unbestimmt bleibenden gefühlsgehalts, eines abgeschlossenen seelischen erlebnisses unter völligem verlust jeder zeitvorstellung: ach wer ich auch aus diser stund! Hayneccius Hans Pfriem 49 ndr.; lasz, vater diese stunde, lasz sie vorübergehn! Ramler lyrische ged. (1772) 339; in manchen stunden bezeugt mir mein herz, dasz ich geliebet werde Klopstock in briefe von u. an Kl. (1867) 12; auszer ihren groszen dichtern dürfen wir uns nur der stunden erinnern, die uns Shaftesburi und Addison verschafften Herder 22, 95 S.; o Guelfo, Guelfo, was waren das stunden! Klinger werke (1809) 1, 31; ist diese stunde bestimmt, mich ganz zu zerschmettern? Schiller 3, 385 G.; entfernt von dir, entfremdet von den meinen führ ich stets die gedanken in die runde, und immer treffen sie auf jene stunde, die einzige; da fang ich an zu weinen Göthe 2, 10 W.; ich erinnere mich der stunden, die ich mit ihm zubrachte, immer mit vergnügen ebda 7, 221; (er) fühlte, dasz es nicht die stunde sei, ihr seinen brief zu übergeben ebda 21, 102; und diese stunde bin ich dir schuldig ebda IV 1, 132; stunden, wie diese können entschädigen für tage voll unmut Görres ges. br. 1, 65; ich habe mich den ganzen tag auf diese stunde gefreut Fontane ges. w. I 5, 137. daraus dann fast zur festen formel entwickelt die stunde wird kommen, die stunde ist gekommen u. ä.: ist Hector schon ein küner mann ... es möcht ein stund herkommen, das er biegen wird die knye fürbasz, auch sagen danck der götter macht, das er entloffen wer der schlacht Spreng Ilias (1610) 85b; freundin, wann wird die stund erscheinen, dasz ... Amadis 20 lit. ver.; nun ist die stunde vorhanden, dasz er sein beilager mit ihr hält bei Creizenach schausp. engl. comöd. 150; die stunde naht, worin ich dir den dicken schleyer von den augen reiszen musz Klinger werke (1809) 3, 269; gekommen ist die stunde, wo vom haupte der schnöden kappe nacht mir sinken musz Fouqué held d. nordens (1810) 3, 45; von geschichtlichen entscheidungen: die stunde rückt heran, da man den frieden bricht Gottsched deutsche schaubühne 4, 31; sechs jahre nach diesem kam für die eidgenossenschaft in der Schweitz die stunde der auflösung und neuen belebung J. v. Müller sämtl. w. (1810) 1, 2; wie viele sind ihrer, die auf den nachklang und widerhall (der neujahrsglocken vergangener jahre) horchen unter dem scharfen schlag der vorhandenen stunde? (des jahres 1870) Raabe Horacker (1876) 46; endlich naht die willkommene stunde, diese zerstreuten güter westlich der Weichsel zu einer stattlichen provinz abzurunden Treitschke hist. u. polit. aufs. 26 (1903) 24. II@BB. bildungselement der zahladverbien: 'mal'. die entstehung dieser sonderbedeutung aus dem ursprünglichen begriff 'zeitpunkt, zeit', die eine genaue parallele an mal: got. mel χρόνος, ὥρα hat, wird beleuchtet durch mhd. verwendungsweisen wie: der keiser ist in allen landen, kust er si zeiner stunt ..., er jæhe ez wære im wol ergangen Friedrich v. Hausen in minnesangs frühling 49, 18; ... umb ir vil güetlîchen munt. den bat ich zeiner stunt Heinrich v. Morungen in minnes. frühl. 142, 5, in denen die vorstellung 'zu einem zeitpunkt' übergeht in die bedeutung 'einmal'; auch in einer reihe der folgenden nhd. belege schimmert die ausgangsvorstellung erkennbar durch. in altdeutscher zeit die üblichste verwendungsweise von stunde: denarius quater ductus zehanlihiuzala uiorstunt gizaltiu ahd. gl. 2, 289, 14 Steinmeyer-S.; ducenties centena millia zwirent hunder(t) stunt hundert tusent ebda 3, 411, 78; tho lougnis min zi uuare, er hinaht hano krahe, lougnis thrin stunton mit thin selbes uuorton Otfrid IV 13, 37; kust er mich? wol tusentstunt Walther 39, 26 L.; gein der Franzoyser her han ich einlefstunt gestritn Wolfram Willehalm 335, 15 L.; weitere nachweise bei Schatz ahd. gramm. §§ 411, 415; mhd. wb. 2, 2, 712; Lexer 2, 1269. später nur noch im frühnhd. lebendig. II@B@11) zur angabe der häufigkeit eines geschehens: auch so sant marggraff Hans sein reet al wochen zwir oder 3 stund (1444) chron. d. deutschen städte 2, 67; das geschach mir vierstund nach einander der heyligen leben, summerteil (1472) 6 ra; der sorg die augen dein entzeuch, und nur ein stund die arbeit fleuch Spreng Ilias (1610) 103b; und under ihren schichten biszweilen zwo oder drei stunt hingehen und ihr hausznotdorf hacken (1632) österr. weisthümer 10, 38; mit flexion: auch mag ein zentgrefe von Hohenburg unsers herren zentgrefen von Wertheim nit me uf sinen eit gefragen, danne vir stünden in dem jar (1384) weist. 6, 20. ein stund neigt dabei zum übergang in die bedeutung 'einstmals, ehemals': das sie sorg haben, die Walchen gewinnen in die stadt an, wann sie ain stundt gewonnen wart von dem chönig zu Czipern Schiltberger reisebuch 81 lit. ver. die entstehung der bedeutung 'mal' aus der grundvorstellung 'zeitpunkt' verrät noch deutlich die präpositionale verbindung: wurden iere sibentzig brüder uff ain stund von den Samaritanen erschlagen Stainhöwel de claris mulieribus 181 lit. ver.; auff ain stund hatt die trunckenhayt Noe schendtlich entplösset A. v. Eyb spiegel der sitten (1511) f 4a. II@B@22) zu festen formeln geworden sind die verbindungen dreistund und tausendstund. dreistund für die rechtsform der dreimaligen vorladung u. s. w.: sollen sie die fordern an die lehenherrn drey stundt mit ihren brieffen (1363) Huber gesch. d. vereinigung Tirols (1864) 223; sie süllen auch alle jar, in dem jar drein stunde, den höpfen und ander unkraut raumen chron. d. deutschen städte 15, 407; ee der han zwir gibt die stym, du hast mein dreistund (drey mal Luther) verlaugent erste deutsche bibel 1, 178 (Marc. 14, 30); man soll ihm drey stund verkünden, und das erste fürbot schicken bey einem fürsten oder bey einem gefürsteten abt Boguslaus Phil. Chemnitz dissertatio (1640) 163. tausendstund 'unzählige male': viel sandes hot des meres grunt, nach men hon ich dan tusent stund widder got missetain Alsfelder passionsspiel, v. 2744 Grein; maister, piss gegrüsset zu tawsent stunt! altdeutsche passionssp. a. Tirol 53 Wackernell; er sach ouch eyn fewrin rad, das lieff tausent stund umb in einer kurtzen stund der heyligen leben, sumerteil (1472) 7a b. II@B@33) als multiplikationspartikel: (haben) wir doch wol fünf stund alz vil verlorn alz all stet verlorn haben (1381) chron. d. deutschen städte 1, 164; von jegklichem raffen (dachsparren) dri stund nün schilling Züricher pfenning (1468) weisthümer 1, 39; in zehen stund hundert tusig jaren der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 26b. besonders markant in dem gegensatz zur bedeutung 1: ich sag dir nit untz zu sieben maln: wann zu lxx stunden sieben maln erste deutsche bibel 1, 70 (Matth. 18, 22; dagegen: nicht siebenmal, sondern siebenzig mal sieben mal Luther). II@CC. zeitmasz, nach objectiv gültigen mathematischen gesichtspunkten bestimmte zeitdauer, hora. aus der bedeutung A entwickelt als der umfang der zeit zwischen zwei absolut festliegenden zeit-, stundenpunkten. dabei kann das wort auf den tatsächlichen äuszeren umfang (1; 2) oder auf den sachlichen inhalt (3) der festbegrenzten zeitdauer bezogen sein. im gesamten nhd. zeitraum wie seit alters gebräuchlich. II@C@11) mathematisch genau bestimmtes zeitmasz: der 24. teil des tages, der selbst wieder in 60 minuten unterteilt wird. II@C@1@aa) hora Diefenbach gloss. 280a; ml. hd. böhm. wb. 147; Calepinus 11 ling. (1598) 655b; Decimator thes. (1615): sint nit xii stunde des tags? erste deutsche bibel 1, 382; darumb musz man auch dem tage seine zwölff stunden lassen und die sachen gott bevelhen Luther 26, 214 W.; deshalben würt es vil früher mittag zu Jerusalem, nemlich drey stund Münster cosmogr. 17; tag und nacht 24 stunden in sich halten Joh. Barth weiberspiegel (1565) r 1b; gleich wie an den selbigen der mon unter die erde gehet, so es eine halbe stund nacht gewesen Sebiz feldbau (1579) 9; es hat nichts seine gewisse zeit als das predigen, das soll in einer stund auffhören Lehman florileg. polit. (1662) 2, 936; man lässet ihn eine stund lang sieden v. Hohberg georgica cur. 1, 370; wie die welle die welle, treibt eine stunde die andre Herder 27, 28 S.; dasz ich meine zwölf stunden des tags seinen garten beschicke, das bezahlt mir der gnädige herr mit geld Schiller 6, 282 G.; nach einer stunde hat die beste predigt ein ende Jean Paul 48, 18 H.; da musz man antreten mit gepäck und zwei stunden nachexerzieren Fontane ges. w. I 6, 11. deutlich die scharf umgrenzte zeitspanne von 60 minuten in der unterscheidenden aufzählung oder gegenüberstellung mit anderen zeitintervallen: als man wol spricht, das eyne stunde des fegfewrs bitterer sey, denn tausent jar zeitlicher, leyblicher peyn Luther 18, 481 W.; und ehe der mensch des recht befindt, stund, tag und jar vergangen sind J. v. Schwarzenberg Cicero (1535) 151; die menschliche seele, als welche für das erste kein zeit, jahr, tag, stunde noch augenblick müszig ist Spangenberg ausg. dicht. 4; besser eine böse stunde, denn zwentzig böse jahr Petri der Teutschen weiszheit 2, k vr; in einer stund lernt man mehr aus conversieren als ein gantzen tag aus studieren Lehman florileg. polit. 1, 206; diejenigen, die das ganze fegefeuer gleichsam mit der sanduhr auszumessen wüszten und die jahrhunderte, jahre, monate, tage, stunde gleich als aus einer mathematischen tabelle herzusagen und zu bestimmen sich unterfiengen M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 5, 51. ähnlich poetisch zur umschreibung des genetivbegriffs: o morgen! zieh herauf des tages stunden Tieck schr. (1828) 1, 297; und wie ... ein weltplanet ... regiert des jahres stunden Zach. Werner M. Luther (1807) xv. II@C@1@bb) in der verbindung 24 stunden als 'tag und nacht': inwendig vier und zwanzig stunden werden alle zäubersche schmertzen hinweggenommen mit dieser artzeney Nigrinus von zäuberern (1592) 96; ehe 24 stund nach dem fall vorüber lauffen Grimmelshausen 2, 338 lit. ver.; ich tat es und war in weniger als 24 stunden mit meinen anmerkungen fertig Liscow samml. satir. (1739) 8; in zweymal 24 stunden Lessing 1, 369 L.-M.; um mich zu vergewissern, ob der aufbruch des heers nicht um 24 stunden verfrüht werden könnte Bismarck ged. u. erinn. 2, 113 volksausg. II@C@1@cc) bei der bestimmten angabe von dauer oder umfang menschlicher tätigkeiten soll im allgemeinen die zeitliche abgrenzung nicht mehr mit mathematischer genauigkeit vorgestellt werden: mich in vier stunden keyn schlaff mer angefochten hat Wickram werke 1, 25 lit. ver.; do sassen wir zwo stund und fuhren darnach gen Harscht Dürer tageb. 68 Leitschuh; so blieb ich in der gass herunden, kem noch nit heym in zweyen stunden Hans Sachs 1, 61 lit. ver.; in einer halben viertel stund Grimmelshausen 2, 50 lit. ver.; der mensch kan seine zuhörer in einer stunde vollkommen machen Chr. Weise polit. redner (1677) 68; ich wil inmittelst auff deine aussöhnung bedacht seyn, und kanst du mir nur in einer halben stunden folgen, bis ich dich werde erfodern lassen Ziegler Banise 94; mithin nicht eine stunde auf mich zu verwenden übrig war Leipziger avanturieur (1756) 1, 17; ich reite täglich eine stunde Gellert werke 10, 56; da muszten wir oft halbe stunden da stehen Bräker sämtl. schr. 1, 161; sein ton ist ernsthaft, aber nicht steif, doch habe ich ihn in einer stunde ein paarmal lächeln sehen Forster sämtl. schr. 8, 9; so soll er auch alle morgen etwas aus dem christentum mit ihr (durch)nehmen. alle tage morgens eine stunde Lenz ges. schr. 1, 10 Tieck; neulich verwirrten wir uns in dem walde und muszten zwei stunden lang in selbigem durch hecken und büsche durchkriechen Göthe IV 1, 7 W.; so fährt man wenigstens eine halbe stunde, ehe man durchkömt Caroline 1, 11 Waitz; was kann in so ein sechzehn stunden nicht alles geschehen! O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 38; der dichter verteilt die hauptmomente des historischen lebens in die fünf akte und drei stunden eines bühnendramas Freytag ges. w. 14, 34; als das männchen mir nachrief, in einer stunde unfehlbar wieder da zu sein G. Keller ges. werke 3, 78; eine stunde reitens führte uns dann zu den gestütten und schäfereien Stifter sämtl. w. 3, 206 Sauer; gleich verschreib ich euch, was euch in einer stunde helfen soll Schnitzler gr. kakadu (1899) 15. besonders wird bei gröszeren zahlenangaben die vorstellung von der festen zeitlichen umgrenzung bereits leicht unbestimmt: ob ihr nicht über 40 stund in der höllen sitzet Schupp schr. 325; ihr habt tausend guldene stunden gehabt, gutes zu thun Abr. a s. Clara etwas f. alle 2, 507; die sorgfalt für ein häuslich leben nimmt hundert edle stunden hin Gottsched ged. (1751) 1, 154; die gemahlin, längst verbunden ihm als treulichstes geleite, sieht er auch, der tausend stunden froh gedenk, an seiner seite Göthe 2, 155 W. II@C@1@dd) ein zeitraum von 60 minuten ohne letzte scharfe abgrenzung innerhalb des täglichen stundenverlaufs: er ging noch in selber stunde, zu Giremuth des wolfes weib Reinicke fuchs (1650) 99; es steigt der neue bau mit einer jeden stund v. König ged. (1745) 24; doch furchtbar naht sich die entscheidung, wachsend mit jeder stunde dringet die gefahr Schiller 12, 423 G.; nun aber schreibt mir heute eine, jede stunde erwartete, aktrice Göthe IV 10, 153 W.; in derselben stunde fuhr ich mit meiner schwiegertochter nach Belvedere ebda 38, 137; (er) beschlosz, noch in dieser stunde selber auf kundschaft auszugehen Eichendorff sämtl. w. 3, 267; ach, alles leben ist wie schaum und duft! und doch hat jede stunde ihre pein v. Droste-Hülshoff (1878) 2, 100 Schück.; der schneefall hatte zu dieser stunde ganz aufgehört Stifter sämtl. w. 5, 1, 240 Sauer; der baccalaureus, der die bibel las, muszte sich von ihm die stunde seiner vorlesungen bestimmen lassen Ranke sämtl. w. (1867) 1, 161. gern pluralisch: mach ein ordnung under inen, dasz du dise stund bettest, die ander arbeitest, die drit essest Keisersberg bilgersch. (1512) c 3b; ihr liebliches singen die stunden vertreibet Zesen verm. Helikon (1656) 1, 143; ein aberglaub ist, dasz etliche das kraut beyfusz zu gewissen tagen und stunden graben Prätorius philos. (1662) 58; ihr dreht die feigen blicke vom wahren gute weg, nach einer stunde glücke! Haller ged. (1882) 46; ohne dasz sie den wechsel der stunden bemerkt hätten Wieland Agathon (1766) 1, 15; wo wir die nacht ruhten, und alle stunden einen wächter hörten, der recht angenehm sang Göthe 43, 287 W.; ich bat meinen vater, er möchte mich nur gewisse stunden des tages zeichnen lassen ebda 24; die stunden des wegs bring ich mit dieser arbeit zu ebda IV, 8, 32; hier mein bester, das neueste vom tage, ja von der stunde! ebda 41, 156; der fall wird zu individuell durch seine bindung an gewisse stunden O. Ludwig ges. schr. (1891) 5, 111; im verlaufe der stunden war aus dem weisz ein trübes grau geworden, das gleichförmig das ganze firmament überdeckte H. v. Barth nördl. Kalkalpen 381. II@C@1@ee) der gegensatz zu längeren oder kürzeren zeitabschnitten oder die verschiedene seelische gestimmtheit des menschen läszt die dauer desselben zeitraumes eine relative wertung erfahren: das die stunden allwegen den wolhoffenden lang sint und den fürchtenden des bösen kurcs Wyle translat. 43 lit. ver.; geradezu sprichwörtlich: keine stund ist der andern gleich Nürnberger wb. (1713) 150; der kranke und gesunde haben ungleiche stunde Petri der Teutschen weiszheit 2, o 4b. II@C@1@e@aα) dem bewusztsein des menschen erscheint die dauer von 60 minuten im vergleich zu gröszeren zeitabschnitten sehr kurz: wie in einer stunde von diesen verfertiget wird, was sie schwerlich in einem jahrhundert zu stande bringen Bodmer samml. krit. poet. schr. (1741) 1, 44; nach einigen tagen hat ihm lord Pembroke noch einmal die frage vorgelegt, ob er das recht der verfügung über das kriegsheer dem parlament nicht wenigstens auf einige zeit überlassen wolle. der könig antwortete: nicht eine stunde Ranke werke (1867) 16, 129. ohne solchen vergleich bei deutlicher vorstellung des zeitraums von 60 minuten als kurz empfunden: möcht ir nit gewachen mit mir ein stund? erste deutsche bibel 1, 104; und dienet dise mein geschrifft aller best zu lesen, so sich die müsz under den bencken beiszen unnd die stund kurtz werden unnd so die braten birn wol schmecken bei dem nuwen wein Eulenspiegel 4 ndr.; were die teutsche sprache nicht einmal der mühe wehrt, dasz man eine stunde daran wendete Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 10; Rom wurde nicht in einer stunde gebaut Holberg n. schaubühne 1, 299; in eener stunde is alles gemacht Hauptmann biberpelz (1893) 34. ebenso für halbe und viertelstunden: der frawen mund schweigt nicht ein halbe stund Petri der Teutschen weiszheit 2, n 7b; ich möchte mir wünschen, einmahl auf ein stund viertheil verliebt zu sein Birken ostländ. lorbeerh. (1657) 34; er sieht, wie schändlich er betrogen ist — das ist das werk einer halben stunde Schiller 14, 199 G. II@C@1@e@bβ) bei deutlicher vorstellung des zeitraums von 60 minuten als lang empfunden: ein wunderbarliche sorgfeltigkeit des liebhabenden Clinie wirdt in diser scena beschriben, dem ein stund, eins tags lang ist, und ein tag, eins jars lang Boltz Terenz (1539) 66a; box grindt und heilger wund, was ghörn viel wort zu einer stundt! jetzt ist mirs alles ausgeschworn, was ich glernt in zwenzig jarn B. Waldis Esopus 2, 190 Kurz; schon bläst und fingert er bald eine halbe stunde Pfeffel poet. versuche 1, 4; spornt das träge rad der zeit, macht die stunden zu sekunden Blumauer ged. 48; haben sie eine minute übrig, Lavagna? für sie eine stunde Schiller 3, 24 G.; weiber, wenn sie von der scheiden anfangen zu reden, so werts eine stund, bis sie zum messer kommen Lehman florileg. polit. 2, 736. dabei wird die genauigkeit der zeitmessung (die also nicht einfach selbstverständlich ist), durch ein adjectiv unterstrichen: die singend dick ein ganze stund und gat kein wort us irem mund N. Manuel Barbali, v. 1549 Bächtold; der hochbetrübte held an dieses ufers grunde tiefsinnig so verblieb bei einer gantzen stunde Dietrich v. d. Werder ras. Roland (1636) 1. ges., 40. str.; eine gantze stunde muste ich gefangen sitzen Grimmelshausen 2, 341 lit. ver.; weil aber Sesitach nunmehro gantzer sechs stunden gefochten hatte Lohenstein Armin. 1, 39a; gestern haben mich die damen nach der akademie eine ganze stunde beym clavier gehabt, ich glaube, ich säsze noch dort, wenn ich mich nicht davon gestohlen hätte Mozart bei Jahn Mozart 3, 16; ich verplauderte eine volle stunde mit ihr Holtei erz. schr. 1, 69. auch mit leiser abschwächung der genauen abgrenzung im plural: mit denen, welche dem fräulein von Sternheim gleichen, getraue ich mir ganze stunden allein hinzubringen S. v. Laroche gesch. d. frl. v. Sternheim (1771) 1, 94; Apollo klagte ganze stunden am lorbeerbaum Hölty ged. 4 Halm; ich sehe sie zu ganzen stunden sinnend dort unter dem druidenbaume sitzen Schiller 13, 175 G.; eigentümlich der widerspruch: sitze schon über eine stunde hier, eine volle stunde maler Müller werke (1811) 1, 171. II@C@1@ff) durch diese subjective empfindung des mathematisch gleichen zeitabschnitts wird der zeitlich genau bestimmte umfang der stunde im bewusztsein verwischt und erscheint meist nur als ungefähre zeitangabe. die oft noch mitschwingende empfindung der genauen zeitabgrenzung führt zum zusatz eines die scharfe abgrenzung abschwächenden wortes: also retten do dy czwene brudere zu samene gar nae eyne stunde Stolle thüring. chron. 21 lit. ver.; Stifel predigt fast bey drey stunden Nas antipap. 1, 4b; ungefehr zwo stund war ich gangen Grimmelshausen 2, 346 lit. ver.; als nun dergleichen wechselgesänge über zwo stunden gewähret Zesen rosenmand (1651) 3; führeten mich im felde bei einer halben stunde auf und nieder Schweinichen denkw. 152; etwa eine stunde drauff begunte sich das wetter zu ändern J. Riemer maulaffe (1679) 6; da wart eine stille im himmel bey einer stunde lang Adelung umständl. lehrgeb. 227; als die gesellschaft den angenehmsten fuszweg durch busch und wald etwa anderthalb stunden nach der wohnung des amtmanns antrat Göthe 25, 45 W.; nach etwa einer stunde wurde ich durch den adjutanten vom dienst zum könige berufen Bismarck ged. u. erinn. 1, 163 volksausg., oder zu festen adjectivverbindungen mit stunde: eine gute, starke, lange stund Kramer dict. 2 (1702) 1026a; lässet es darinnen eine gute stunde mit einander sieden viehbüchl. (1667) 63; diese ganze innere geschichte nahm freilich einen zwölfmal gröszeren zeitraum ein — fast eine gute stunde Jean Paul 7-10, 314 H. (dagegen zur kennzeichnung der seelischen erfülltheit eines zeitraums s. unter A 5 b α); der nur in üppigkeit und lauter faulen tagen die liebe zeit zubringt, mit müsziggang sich quält und nur mit überdrusz die lange stunden zählt Rachel satir. ged. 62 ndr.; ich pleib pein euch ain klaine stundt altdeutsche passionsspiele 301 Wackernell; jeder, wohin ihn seine neigung oder wahl leitete, die langen stunden zu verkürzen Zachariä poet. schr. 1, 343; die sache war in einer kleinen halben stunde getan Thomasius ged. u. erinn. 1, 4; und kommt nur täglich eine kleine stunde Göthe 16, 176 W.; er kam nach einer kleinen halben stunde zurück Bismarck ged. u. erinn. 2, 67 volksausg. noch deutlicher wird die verwischung des genau abgegrenzten zeitraums in folgenden verbindungen: dise überswenke zug (verzückung) werte wol ein stunde neiss ein halbe Seuse deutsche schriften 10 Bihlmeyer; so ich doch offt zwo oder drey stunden gestanden Hutten opera omnia 2, 181; es sol vor einnemung solicher gefärlicher artzeney auff drei odder vier stunden gefastet werden Ryff confectbuch u. hausapotheck (1548) 20; lasz sie (die muffel) ein stundt oder drey stehen, dasz der thon ein wenig harsch wird Ercker beschr. aller mineral. ertzt (1580) 8a; leg ihn in eine warme eschen ein stund oder länger Gäbelkover artzneybuch (1595) 1, 5; entschlosz er sich zu einem spaziergang, so putzte er sich ein oder zwei stunden lang peinlich heraus G. Keller w. (1892) 4, 218. II@C@1@gg) für gewöhnlich wird denn auch stunde nur angewendet, um die ungefähre ausdehnung einer zeitspanne auszudrücken, ohne dasz man die damit mögliche, mathematisch scharfe zeitliche abgrenzung wiedergeben will; am liebsten im plural ohne jede nähere bestimmung als ungefähre angabe für einen längeren zeitraum: maszen er dieses in denen wenig übrigen stunden geschrieben Lohenstein Armin. 1, c 2; Jehova, tausend jahre sind dir weniger, als stunden J. A. Cramer sämtl. ged. (1781) 1, 39; welches der herausgeber nicht konnte, da er nur stunden aufzuwenden hatte Voss antisymb. 2, 3; vermeiden sies, in diesen ersten stunden sich öffentlich zu zeigen Schiller 12, 126 G.; ich habe mich eingerichtet in dem erker der tanne ... die sonnigen stunden des tags zuzubringen Göthe IV 29, 42 W.; auch singularisch unbestimmt abgegrenzt: um 1 uhr fährst du erst weg, also findest du gewisz eine stunde für den lieben Böttiger Ramdohr im Göthejahrbuch 1, 316; in jeder freien stunde kletterten wir auf den balken herum Paul Deussen mein leben (1922) 18, oder durch eine unbestimmte zahlenangabe verwischt: etliche stunde also pey ir gelegen was Arigo decamerone 114 lit. ver.; ich geriethe in einen solchen vermögten stand, als ich mir vor ein paar stunden nicht einbilden dörffen Grimmelshausen 4, 518 lit. ver.; und war etwan ein paar stunden über der zeit Chr. Reuter Schelmuffsky 11 ndr.; das alles ist in wenig stunden geschwächt, verwelket und verschwunden Gottsched ged. (1751) 1, 117; wiederhole mir alles, was du mir vor einigen stunden tröstliches sagtest Lessing 2, 346 L.-M.; auch hab ich noch sechs wochen so viel zu tun, dasz ich wenig freye stunden vor mir sehe Göthe IV 33, 240 W.; dasz ich ihm mehrere stunden gewährte ebda 41, 121; ich war täglich mehrere stunden mit Göthe W. v. Humboldt br. an Welcker 140; es mochten wohl ein paar stunden ins land gegangen sein, als mich ein posthorn aufweckte Eichendorff sämtl. w. 3, 43; während der viele stunden langen fahrt Bismarck ged. u. erinn. 1, 89 volksausg.; sie sind gewöhnt, nur einige stunden des tages zu arbeiten Ratzel völkerkunde 2, 119. anders in der verbindung mit manch: ach unfals neid belenglich zeyt hab ich manch stundt geduldet Forsters frische teutsche liedlein 28 ndr.; ich musz noch manche stundt in sorg und kummer schweben Opitz teutsche poemata 49 ndr.; er und unser nachbar Hans vertrieben sich manche liebe stunde damit Bräker sämtl. schr. 1, 43; (sie) bringt so manche nächtliche stunde im hohen seelenkampfe zu maler Müller w. (1811) 1, 9; und wandre fort manch hundert stund, bis ich komm an die grosze stadt Heine werke 2, 5 Elster. II@C@1@hh) stunde in einer durch eine präposition getrennten verdoppelung des wortes zum ausdruck der ununterbrochenen fortdauer oder des dauernden anstiegs einer handlung sowie eines zustandes oder eines gefühlsverlaufs. II@C@1@h@aα) von stunde zu stunde 'immerfort; ununterbrochen andauernd oder anschwellend': als vil sich der mensch mer dartzu keret — von stund zu stund so wirt er es mer gewar Tauler serm. (1508) 68a; es zergot alles von stund zu stund, von tag zu tag Keisersberg bilgersch. (1512) c 1c; nichts destoweniger bauete Solande an seinen gedanken, welche er von stunden zu stunden häuffte Riemer polit. stockfisch (1681) 224; der neid der höflinge, der in gleicher proportion von stunde zu stunde stieg Wieland Agathon (1766) 2, 171; von stunde zu stunde gewartet er mit hoffender seele der wiederkehr Schiller 11, 288 G.; von stunde zu stunde steigerte sich die gewalt der krankheit Holtei erz. schr. 18, 155. gelegentlich in einer verwendung, in der stunde als genaues zeitmasz bewuszter in den vordergrund tritt: mag sie innerhalb zehen tagen den nechsten nach eröffneter urtheil (von stunden zu stunden zu rechnen) die appellationschrift dem richter uberantworten Ayrer hist. processus juris (1601) 390; Ottilie wird es von stunde zu stunde treiben, bis sie von zeit zu zeit pausieren musz Göthe IV 38, 12 W.; von stund zu stunden schwankt das leicht unruhige gefühl Göthe 1, 76 W.; II@C@1@h@bβ) stunde um stunde, stunde für stunde, mit mehr oder weniger deutlich spürbarer beziehung zu dem genau umgrenzten zeitbegriff von 60 minuten, zur charakteristik des ewigen einerlei einer situation oder einer seelischen haltung: es ist, als wenn sie sagte: stund um stunde wird uns das leben freundlich dargeboten Göthe 3, 24 W.; stund um stunde sitz ich dort in trauer Mörike werke 1, 176 Göschen; wie soll ich dir für die mühe danken, mit der du mir (im brief) stunde für stunde dein leben ohne mich referierst br. von u. an Herwegh (1896) 35; der schmächtige kleine mann hielt aber tapfer aus, stunde für stunde Treitschke deutsche gesch. 5, 55. II@C@22) personifikation des stundenbegriffs. II@C@2@aa) die griechischen horen als stundengöttinen: dasz wir (morgenröte, tag, abend, nacht) uns mit sampt unsern aufwärterinnen den stunden miteinander gleich hieher begeben haben Weckherlin ged. 1, 68 Fischer; besonders beliebt bei den dichtern des Göttinger hains, der klassik und der romantik (vgl. stundenreihen, -tanz): und das chor der jungen stunden unter rosen um mich hüpft Gotter ged. 1, 164; von selber sprang das himmelsthor, bewacht von stunden, auf Bürger werke 167 Bohtz; und die leichtgeschürzten stunden fliegen ans geschäft gewandt Schiller 11, 297 G.; das bekannte borghesische relief mit den fünf tanzenden sogenannten stunden H. Meyer gesch. d. bild. künste (1824) 1, 273; es rühren die nächtlichen stunden sich tief im tal, bereiten ein mahl im dämmernden saal, mit dichten gewändern umwunden Brentano ges. schr. 5, 272. II@C@2@bb) wohl unter der einwirkung dieser antikischen vorstellung, aber auch aus eigener wurzel, aus der bewegtheit des zeitablaufs, wird die anschauung der stunde als eines lebenden wesens entwickelt, das selber handelt, fühlt, denkt. in starker anlehnung an die gestalten der horen sind wendungen entstanden wie: also gingen die stunden vor ihnen leicht tretend vorüber Bodmer Noah 2; schon waren mit leichtem gefieder zwo fliehende stunden über sein haupt mit der stille der nacht vorbeigeflogen Klopstock Messias 3, 97; unaufhaltsam führen ewge stunden eure reihen durch den weiten himmel Göthe 2, 108 W.; mit trägem schritt seh ich die stunden schleichen Schiller 14, 52 G.; die stunden, die mit frohen wandersängen das mädchen einst durchs erdental geleiten Lenau sämtl. w. 11 Barthel; ihr klingt des himmels bläue süszer noch, der flüchtgen stunden gleichgeschwungnes joch Mörike werke 1, 116 Göschen. in eigenständiger bildhaftigkeit aber wird auch sonst die stunde als person vorgestellt: die stunde, welche hilfft, ist schon in vollem lauff Logau sinnged. 198 lit. ver.; mit eitler rede wird hier nichts geschafft, die stunde dringt, dem mann musz hülfe werden Schiller 14, 279 G. noch anders: die stunden fliehen eilig dahin Ramler einl. i. d. schönen wiss. (1758) 1, 396; komme, was kommen mag! die stunde rennt auch durch den rauhsten tag! Schiller 13, 21 G. unter der vorstellung des ablaufs der sanduhr unpersönlich die stunden verrinnen: dasz die stunden, so verrinnen, schritte sind dem grabe zu Heräus ged. u. inschr. (1721) 189; Eros, wie seh ich dich hier! in jeglichem händchen die sanduhr! wie? leichtsinniger gott, missest du doppelt die zeit? langsam rinnen aus einer die stunden entfernter geliebten; gegenwärtigen flieszt eilig die zweite herab Göthe 2, 125 W.; die stunde rinnt, die wunde rinnt, die saat ist abgemäht Strachwitz ged. (1850) 210; ähnlich: schier war geloffen ausz die stund, darinnen er solt gehn zu grund Spreng Ilias (1610) 233a; zu fester formel geworden in der wendung die stunden verflieszen: die stunden meines lebens sind verflossen, ich sterbe lächelnd! Herder 3, 25 S.; dem glücklichen Strophil verflieszen die stunden unter wein und küssen Pfeffel poet. versuche 1, 16; wo bey Zemiren mir die stunde sanft verflosz v. Cronegk schr. (1766) 2, 7. II@C@33) spezialisierung auf den inhalt des fest umgrenzten zeitabschnitts: andachts-, unterrichtsstunde, vorlesung. der begriff hat sich dabei derart stark auf den sachlichen inhalt der stunde verschoben (vgl. den entsprechenden vorgang unter A 5), dasz der zeitbegriff völlig ausgehöhlt worden ist; eine solche stunde kann 30, 45, 120 minuten ebenso gut wie 60 minuten umfassen: so studiren wir auf wahrhaft akademische weise, nur dasz wir kürzere stunden haben Göthe 23, 227 W. wesentlich ist für den begriff nur, dasz sie in einem vorher bestimmten festumgrenzten zeitlichen rahmen und meist in regelmäsziger wiederholung stattfindet. II@C@3@aa) seit der reformationszeit als älteste verwendung die andachts-, erbauungsstunde religiös erweckter, pietistischer oder sektiererischer kreise, bei deren regelmäsziger zusammenkunft biblische oder religiöse betrachtungen gegeben werden: är (Myconius) lasz ouch in der heiligen geschrifft, das ouch vill leien dieselben stunden drin giengen Platter 36 Boos; damals waren die abendgottesdienste etwas ganz neues und ganz unerhörtes, und ich beklage es sehr, dasz ich teils nicht die klare vorstellung von der einrichtung solcher stunden hatte C. Büchsel erinn. a. d. leben eines landgeistlichen 1, 147; vgl. schweiz. idiot. 2, 1241. vornehmlich in der wendung stunde halten: ich kam an in der frau von Krauszin haus, wo eben stunde gehalten wurde Patrick tagebuch 1, 191 (vgl. stunde halten unter A 1 f α). daher hat dann wohl die sprache des deutschen ritterordens die bedeutung des wortes zu 'versammlung' erweitert: in disem jar und capitel am tag Valentini die 6 in viler bittrigkeit quamen in die stunde, und man sollte erwolen einen neuen homeister Grunau preusz. chron. 223. diese verwendung in älterer zeit auch häufig in zusammensetzungen und ableitungen: vgl. stundenbruder; -halter; -haus; stündler an alphab. stelle. II@C@3@bb) die seit dem 18. jh. geläufigste und allgemein verbreitete verwendung ist schulstunde, unterrichtsstunde in der schule und im hause: ferner ist noch ein hauptfehler, dasz man die kinder mit stunden überhäuft Heinse sämtl. w. 5, 155 Schüddekopf; so den Homer zu kommentieren, das hatt er wahrlich nicht in seinen stunden gehört Wieland neuer Amadis, ges. 3, v. 24; die wissenschaftlichen stunden der lieben prinzessinnen machen sich recht hübsch Göthe IV 28, 97 W.; sowie der alte graubart eintrat, verwandelte sich die stunde in eine jener schülerorgien, wo man die himmlische geduld eines lehrers bewundern musz Gutzkow ges. w. (1872) 1, 202; als die erste stunde zu ende war, welche der rektor der schule selbst gegeben G. Keller ges. werke 1, 153. insbesondere auch privatstunden, die in einem besonderen fach einem einzelnen erteilt werden: so hab ich einstweilen mathematische stunde bei ihm Bettine Günderode 2, 210; die stelle, um derentwillen du deine besten stunden aufgeben musztest M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 3, 285; namentlich in fremden sprachen: er gieng sogleich zu einem sprachmeister und bat sich bey ihm täglich eine stunde zum unterrichte in eben derselben sprache aus Joh. El. Schlegel w. (1761) 5, 414; du weiszt, wie überhäuft mit stunden hier bei uns die emigrirten sind H. v. Kleist w. 5, 156 Schmidt; ebenso musikstunden: da du künfftig freye stunden in der musick bekommen sollst Lessing 3, 290 L.-M.; ich hab ihnen jetzt drei stund nach einander geschwänzt, und weil ich auch honett denke, so will ich heute dafür drei stunden nach einander auf ihrem zimmerchen bleiben und wollen lautchen spielen Lenz ges. schr. 1, 62 Tieck; wenn die fingerübungen uns anfingen langweilig zu werden, so waren sie leicht geneigt, uns der stunden zu entheben Deussen mein leben (1922) 36. daher in mannigfachen zusammensetzungen: schreib-, rechen-, deutsch-, latein-, mathematik-, chemiestunde, nachhilfestunde, schulstunde. II@C@3@cc) sonderbedeutungen, die nur im 18. und 19. jh. allgemein gängig und heute durch andere bezeichnungen ersetzt sind: für vorlesung, kolleg (an der universität): weisz sich kaum zu entschlieszen, wessen stunden er vor andern besuchen solle? vernünft. tadlerinn. (1725) 1, 170; donnerstag abends in dr. Friesens chemischer stunde Göthe IV 30, 84 W.; der plan ist darauf berechnet, dasz jeder studierende täglich drey stunden höre Savigny vom beruf unsrer zeit 143; für den konfirmandenunterricht der evangelischen kirche: ich bin damals mit Hachert, der mich in die stunden bringen sollte, zweimal lieber ins feld hinaus gegangen Gutzkow ritter v. geiste (1850) 3, 240; ich begegnete ihr manchmal, wenn sie in die stunde ging zum herrn Primarius Laube ges. schr. (1875) 8, 57. II@C@3@dd) daraus haben sich zu festen formen entwickelt die wendungen stunden geben für 'unterricht erteilen', in älterer zeit auch 'vorlesungen halten' (vgl. stundengeben, stundengeber, sp. 526): der bauer ... wird noch ... in städtscher kinderzucht dem junker stunden geben Eschenburg beispielsamml. z. theorie 2, 232; gab endlich selbst mathematische stunde Lichtenberg br. (1901) 2, 237; dreimal in der woche giebt er uns stunden in der naturgeschichte J. v. Müller sämtl. w. 4, 229; wenn man aber jemand zum menschen bilden will, dasz kömmt mir grade so vor, als wenn einer sagte, er gäbe stunden in der gottähnlichkeit Fr. Schlegel im Athenäum 2, 8; entsprechend stunden nehmen: bald wollen sie eine stunde im spanischen bei ihm nehmen A. v. Arnim w. 7, 58 Grimm; nimmst du fleiszig stunden? ich empfehle dir das französische, namentlich ein bischen das sprechen Moltke ges. schr. u. denkw. 6, 10. anders stunde halten; s. unter a. II@DD. längenmasz: die räumliche entfernung, die ein erwachsener mensch in einer stunde zu fusz zurücklegt, etwa 4 kilometer: von Pommersfelden sind drey meilen oder sechs stunden (nach Erlangen) Nicolai reise (1783) 1, 161. in neuerer zeit in zusammensetzungen beliebt; vgl. stundenbreit, -lang 2, -weit; stundenmeile, -nähe, -stein usw. an alphab. stelle. II@D@11) die entwicklung dieser bedeutung als längenmasz aus dem zeitmasz (C) liegt in der fast formelhaften verbindung mit dem genetivischen streckenbegriff deutlich zutage: es ist auf eine stunde weges herum kein berg Birken verm. Donaustrand (1684) 5; wenn in einem orte bereits ein bienenstand von 150 stöcken ist, (darf) kein neuer errichtet, sondern nur in entfernung von einer stunde weges angelegt werden allg. deutsche bibl. 62, 593; kaum war er eine stunde weges gegangen Brentano ges. schr. (1852) 5, 48; das Pantinsche gut lag eine knappe stunde wegs von Grabenhagen entfernt v. Polenz Grabenhäger 1, 63; ungewöhnlich: kam ungefehr auf eine stund gehens in ein lustiges wäldlein Grimmelshausen 2, 366 lit. ver. ebenso schillert der begriff zwischen beiden bedeutungen noch in der verwendung mit weit: ich war wohl eine halbe stunde weit gelaufen Bettine Günderode 1, 2; so unternehmen die jungen bursche häufige raubzüge bis auf acht stunden weit G. Keller ges. werke 1, 13; endlich hörte er von einem arzt, der 100 stund weit weg wohnte Hebel 2, 175 Behaghel; zu deinen füszen flieszt die Lomnitz, an der sich das schöne städtchen ein halbe stunde weit hinzieht Moltke ges. schr. u. denkw. 4, 10. II@D@22) wegen der unbestimmtheit der angabe seit dem 18. jh. ohne jeden zusatz sehr beliebt als reiner entfernungsmesser, wobei das ungefähre der längenmaszbestimmung (wie auch schon bei der verwendung unter 1) noch gern durch entsprechende adjektiva unterstrichen wird (vgl. das entsprechende beim zeitmasz unter C 1 f): eine ... ein paar stunden von Hamburg liegende stadt v. König ged. (1745) 205; wenige stunden von Aalen und Königsbronn lebte Balthasar Haug Schubart bei D. F. Strausz w. 8, 6; ins nächste dorf (es mochte eine starke stunde unter Lowositz seyn) U. Bräker sämtl. schr. 1, 157; (das tal) hat, nach der sage des landes, neun kleine, nach unsrer ohngefehren reiserechnung aber sechs starke stunden Göthe IV 4, 98 W.; dasz die gründer der stadt dieselbe eine gute halbe stunde von einem schiffbaren flusze angepflanzt G. Keller ges. werke 4, 7; Gisgon stand drei stunden gestern nur von Hadrumet Geibel werke (1888) 7, 47 Cotta die ablösung vom zeitmasz und entwicklung zu einem selbständigen raumbegriff tritt besonders scharf da heraus, wo an die möglichkeit des abschreitens der angegebenen entfernung gar nicht gedacht ist: dasz man es auf eine stunde und fast noch weiter hören kann Döbel neueröffn. jägerprakt. (1754) 1, 4; die fenster des groszen saals gehen steil herab aufs wasser, eine aussicht viel stunden weit Göthe 8, 46 W.; tafelberge, deren gipfel wohl häufig einen quadratinhalt von mehreren stunden einnehmen Ritter erdkunde 1, 99. II@EE. fachausdruck der bergmannssprache: winkelmasz von je 15 grad auf dem grubenkompasz zur bestimmung der streichrichtung von gesteinsgängen: stunde des ganges ist, in welchen theil der welt der gang sein streichens hat Junghans ausgeklaubte gräublein ertz (1680) f 1 a; vgl. Minerophilus (1730) 651; bergmänn. wb. (1778) 542; absetzen des gangs, wenn der gang aus einer stunde fället v. Schönberg ausführl. berginformation (1693) 2, 4; durch diese ganze masse schneiden stehende gänge durch ... sie streichen in der zweiten stunde, sind an sich zinnhaltend Göthe II 9, 141 W. stunde abstecken heiszt, wenn der markscheider vor dem vermessen mit pfälen am tage bemercket, wo der gang dem hauptstrich nach seine stunde hat Herttwig vollkommn. bergbuch (1734) 389a; stunde abnehmen, das streichen der gänge durch den compas bemerken bergmänn. wb. (1778) 542.
126412 Zeichen · 1648 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Altenglisch
    stundest. F. (ō)

    Köbler Afries. Wörterbuch

    stunde , st. F. (ō) nhd. Stunde, Zeit, Mal (N.) (1) ne. hour, time (N.), mark (N.) Vw.: s. jēr-, līf- Hw.: vgl. got. *st…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    STUNDEstf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +3 Parallelbelege

    STUNDE , STUNT stf. 1. zeitabschnitt, zeit, zeitpunkt. ahd. stunda, stunta, stunt Graff 6,689. 690. vgl. ich stande. die…

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    stundeF.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    stunde , F. nhd. Stunde, Zeitpunkt, bestimmter Zeitpunkt, Augenblick, Anfangspunkt der Stunde in der Reihe der vierundzw…

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Stunde

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Die Stunde , plur. die -n, Diminut. das Stündchen, Oberd. Stündlein, ein Wort, welches ursprünglich einen kleinen abgeso…

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Stunde

    Goethe-Wörterbuch

    Stunde [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  6. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Stunde

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Stunde , der 24. Theil eines Tages; man unterscheidet Stern -S., mittlere u. wahre Sonnen -S. (s. Sonnenzeit und Sternze…

  7. modern
    Dialekt
    Stund(e)

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    Stund(e) [ʿStù Pfetterhsn. K. Z. ; ʿStùnt Mü. Mittl. Barr Str. Han. Betschd. Lobs. ; ʿStùin M. ; ʿStǿ Reichstett ; ʿSt…

  8. Sprichwörter
    Stunde

    Wander (Sprichwörter)

    Stunde 1. All Stunden sind nich lik, segt Behrwald. – Hoefer, 51. 2. Alle Stund ein Schritt und alle Wirthshäuser Einkeh…

  9. Spezial
    Stunde

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Stun|de f. (-,-n) 1 (Zeiteinteilung) ora (ores) f. 2 (Arbeitsstunde) ora (ores) f. 3 (Unterrichtsstunde) ora (ores) f. ,…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit stunde

323 Bildungen · 221 Erstglied · 100 Zweitglied · 2 Ableitungen

stunde‑ als Erstglied (30 von 221)

Stunde(n)glas

Idiotikon

Stunde(n)glas Band 2, Spalte 646 Stunde(n)glas 2,646

Stunde(n)halter

Idiotikon

Stunde(n)halter Band 2, Spalte 1241 Stunde(n)halter 2,1241

Stunde(n)magd

Idiotikon

Stunde(n)magd Band 4, Spalte 117 Stunde(n)magd 4,117

Stunde(n)rüeffer

Idiotikon

Stunde(n)rüeffer Band 6, Spalte 713 Stunde(n)rüeffer 6,713

Stunde(n)spruch

Idiotikon

Stunde(n)spruch Band 10, Spalte 844 Stunde(n)spruch 10,844

Stunde(n)steiⁿ

Idiotikon

Stunde(n)steiⁿ Band 11, Spalte 894 Stunde(n)steiⁿ 11,894

stundeclīche

KöblerMhd

stundeclīche , Adv. Vw.: s. stundiclīche*

stundegelīch

KöblerMhd

stundegelīch , Adj. nhd. „stundengleich“ Q.: Apk (vor 1312) (FB stundegelīch) E.: s. stunde, gelīch W.: nhd. DW-

stundeglas

KöblerMnd

stunde·glas

stundeglas , N. nhd. Stundenglas, Wasseruhr, Sanduhr, zugemessene schicksalhafte Zeit Hw.: s. stundenglas E.: s. stunde, glas R.: lückich st…

stundelīche

KöblerMhd

stundelīche , Adv. nhd. sofort Vw.: s. en- E.: s. stunde W.: nhd. stündlich, Adv., stündlich, DW 20, 545 L.: Lexer 449b (stundelīche)

Stundenfrau

SHW

Stunden-frau Band 5, Spalte 1613-1614

Stundengeld

SHW

Stunden-geld Band 5, Spalte 1613-1614

stundenlang

SHW

stunden-lang Band 5, Spalte 1613-1614

Stundenlohn

SHW

Stunden-lohn Band 5, Spalte 1613-1614

Stundenplan

SHW

Stunden-plan Band 5, Spalte 1613-1614

stundenweit

SHW

stunden-weit Band 5, Spalte 1613-1614

Stundenzahl

SHW

Stunden-zahl Band 5, Spalte 1613-1614

stunde als Zweitglied (30 von 100)

Geisterstunde

RDWB1

Geisterstunde f (Lakune) час от полуночи до часа ночи (а не "час призраков")

Schnupperstunde

RDWB1

Schnupperstunde f бесплатный (пробный) час (урок)

Sperrstunde

RDWB1

Sperrstunde f (kein Bezug zu "заграждение") комендантский час

Sprechstunde

RDWB1

Sprechstunde f Sprechstunden Pl. - приёмные часы (а не "часы для разговоров")

Anwartungsstunde

DRW

anwartung·s·stunde

Anwartungsstunde keinem von der ritterschaft, der ... sein alt stammlehn, so nicht auf den eußersten fall, der anwartung- oder eröffnungstun…

âventstunde

MNWB

avent·stunde

âventstunde , -stunt , ( * -stünde) , f. , Abendstunde , Abendzeit. up êne â. zur Abendzeit.

Bèthstunde

Adelung

beth·stunde

Die Bèthstunde , plur. die -n, die zum Gebethe bestimmte Stunde, und das in derselben verrichtete Gebeth, nebst den damit verbundenen gottes…

Bürgerstunde

Wander

buerger·stunde

Bürgerstunde Die Bürgerstunde bieten. – Frischbier, II, 459. Die Verpflichtung des Gastwirths (der Polizei), den Gästen zu sagen, dass der G…

dāgestunde

MNWB

dag·e·stunde

° dāgestunde , f. , Tagesstunde, Stunde des Tages; — Tag und Stunde, in dem sülven dāgestunden in illa hora.

dāgestunde

KöblerMnd

dāgestunde , F. nhd. Stunde des Tages, Tag und Stunde ÜG.: lat. in illa hora E.: s. dach (1), stunde W.: vgl. nhd. Tagstunde, F., Tagstunde,…

Feyerstunde

Adelung

feyer·stunde

Die Feyerstunde , plur. die -n, die Stunde, in welcher man von der Arbeit feyert, dieselbe aussetzet. Feyerstunde haben. Etwas in den Feyers…

Freystunde

Adelung

frey·stunde

Die Freystunde , plur. die -n, eine Stunde, da man von den gewöhnlichen Arbeiten frey ist.

frühstunde

DWB

frueh·stunde

frühstunde , f. was morgenstunde. früestunden, horae matutinae, tempus ante meridianum. Henisch 1264 ; früstunde. Schottelius 442 a ; morgen…

geburtsstunde

DWB

geburt·s·stunde

geburtsstunde , f. 1 1) hora genialis, horoscopus Stieler 2227 , geburtsstund Maaler 160 b , aber im 17. jahrh. auch noch ohne -s: in seiner…

handelesstunde

KöblerMnd

handel·es·stunde

handelesstunde , F. nhd. „Handelsstunde“, Verhandlungszeit E.: s. handel, stunde L.: MndHwb 1/2, 213 (handelsstunde)

hantstunde

MWB

hant·stunde

hantstunde F. die Zeit, die man braucht, um die Hand umzudrehen, ‘Moment, Augenblick’ (vgl. hantwîle): [bei Gott] ist tûsent jâr als ein han…

hîntstunde

MWB

hîntstunde Adv. s.a. stunde stF. ‘diese Nacht’ het er hîntstunt den willen mîn / mit guotem muote gar getân, / [...] ich het getân den wille…

hīntstunde

KöblerMhd

hīntstunde , Adv. nhd. diese Nacht Q.: UvLFrd (1255) E.: s. hīnaht?, stunde L.: MWB 2, 1576 (hîntstunde), Benecke/Müller/Zarncke II/2, 710a …

jâmerstunde

MWB

jâmerstunde stF. ‘Stunde des Leids’ suss was Marien hertz geladen / mitt liden und mitt soͤllicher pin / das sÿ och gern waͤr gesin / bÿ J…

jāmerstunde

KöblerMhd

jāmer·stunde

jāmerstunde , st. F. nhd. „Jammerstunde“, Stunde der Pein, Stunde des Leides Q.: KvHelmsd (nach 1330) (FB jāmerstunde) E.: s. jāmer, stunde …

klockenstunde

KöblerMnd

klocken·stunde

klockenstunde , F. nhd. „Glockenstunde“, Stundenschlag, Zeit zwischen zwei Stundenschlägen, Zeitraum von einer Stunde Hw.: s. klockestunde E…

klockestunde

KöblerMnd

klocke·stunde

klockestunde , F. nhd. Stundenschlag, Zeit zwischen zwei Stundenschlägen, Zeitraum von einer Stunde Hw.: s. klockenstunde E.: s. klocke, stu…

lehrstunde

DWB

lehr·stunde

lehrstunde , f. stunde des lehrens, des unterrichts: lehrstunde horae professorum pro lectionibus publicis. Stieler 2228 .

Ableitungen von stunde (2 von 2)

Mißstunde

GWB

Mißstunde pl, schlecht genutzte, vergeudete u/od unerfreulich verbrachte Zeit; ‘Mißtage und -stunden’ [ betr die Beziehung zwischen Lili u G…

unstunde

DWB

unstunde , f. (un IV B): Pückler briefwechsel 3, 443 . an. ústund, aschwed. ostund, norw. ustund, mhd. unstunde, nl. onstont. —