stoppelfeld,
n. ,
abgeerntetes getreidefeld, auf welchem nur noch die stoppeln
stehen (
wie die begriffserweiterung von stoppel,
f., unter II 1);
die form stupfelfelder (
s. unten)
schon bei Bock
kreutterbuch (1539) 1, 111; vom stoppelfeld Bastel v.
d. Sohle
don Kichote (1648) 29. 11)
eigentlich: auf den weiten fränkischen stoppelfeldern Göthe IV 26, 120
Weim. (Moltke 6, 35; Fontane I 2, 434); längs dem frischgemähten stoppelfelde Holtei
erz. schr. 12, 243; ein gemähtes stoppelfeld,
nicht eine blosze begriffliche tautologie, sondern ursprünglich ein stoppelfeld,
welches mit der stoppelsichel
oder -sense
nachgemäht ist; die saaten sind gemähet, das stoppelfeld ist frei W. Müller
gedichte 51; ein herbstliches stoppelfeld S.
Brunner erzähl. 1, 34; ich habe den herbst mit seinen bunten blättern, seinen stoppelfeldern und rothbäckigen apfelbäumen ... stets geliebt Holtei
vierzig jahre 1, 346; an dem himmel ... standen wolken, die eine wand machten und mit den bergen verschmolzen, dasz alles in einem lieblichen dufte war, und die stoppelfelder noch heller und glänzender schimmerten und leuchteten Stifter 5, 1, 282; dichte weisze thaunebel lagen überm stoppelfeld Brentano 4, 158 (G. Freytag 13, 40; Viebig
das schlafende heer 1, 84); bunt sind schon die wälder, gelb die stoppelfelder Salis
ged. 53; der wind fegte mit seinem riesigen besen sand und strohhalme über die stoppelfelder G. Freytag 5, 1 (Erlach
volkslieder der Deutschen 4, 35; Ebner-Eschenbach 2, 395); eben schien noch die sonne über die stoppelfelder W. Raabe
schüdderump 2, 190; der wind weht übers stoppelfeld die schlimme zeit hebt an Hoffmann v. Fallersleben
schr. 3, 129; im zwielicht ruht das stoppelfeld, nachsommerlüfte wehn, und fliegend über das falbe land ein jüngling ist zu sehn G. Keller 10, 60 (
friedens ende); (
zur nahrungssuche) auf die stoppelfelder fallen (
vom federwilde)
vgl. Döbel
jägerpract. (1754) 1, 134; die hirtenbuben, die nach der ernte auf stoppelfeldern oder zweimal gemähten wiesen ihr anvertrautes vieh durften weiden lassen J. Rank
erinnerungen (
deutsche schriftst. aus Böhmen 5, 95); die lieblingspflanze der weiber, der flachs wird 'gelochen' und zum dörren auf die stoppelfelder gebreitet
M. Meyr
erzähl. aus dem Ries 3, 141; ein armes weib ... sammelt auf dem stoppelfelde die zerstreuten halme Rosegger 1, 294; wann schon die erntewagen, hoch geladen, hinfahren, von gesang und klang begleitet: ist auf der stoppelfelder öden pfaden der ährenlese magres fest bereitet Uhland
ged. 1, 348;
auch: (
prächtige schauspiele,) welche auf stoppelfeldern mit berittnen und gewafneten acteurs vorgestellt werden Göthe IV 9, 156
Weim.; ein froher tag wars, als der (
papier-) drache das erste mal auf dem neuen stoppelfelde aufstieg G. Freytag
verl. handschr. 1, 163. — den jungen gänsen waren die flügel gewachsen, dasz sie am morgen kreischend dem stoppelfelde zuflogen B. Goltz
jugendleben 3, 218; schwarz und scheckigt, und roth, gieng ietzt die blöckende heerde nach dem stoppelfeld zu Zachariä
poet.-schr. 1, 313; sie zogen nun mit ein paar jägern und drey hühnerhunden übers stoppelfeld hin Miller
Siegwart 1, 228; (
die frage,) ob es heute keinen galopp über die stoppelfelder nach Weiszenbach gebe Spielhagen 3, 231 (Polenz
Grabenhäger 2, 252). — glaube mir, wir, die im wagen sitzen, habens so schlimm, wie die dort, die barfusz durch die stoppelfelder gehen Auerbach
schr. 1, 196 (Gaudy 3, 86). — in gruppen gingen die bewohner hin ... zwischen stoppelfeldern H. Schmid
geschichten aus Bayern 281. —
mit rücksicht auf die früher sehr hohen stoppeln
die von jägern gebrauchte wendung aus dem stoppelfeld zurückkommen (Musäus
physiognom. reisen 4, 143); hüthung der schweine in stoppelfeldern
allgem. deutsche biblioth. 97, 487 (Ritter
erdkunde 8, 560). 22)
in scherzhafter übertragung, entsprechend stoppel,
f., I 2 a: (
ich) fing an, den starken bart mit groszer anmuth einzuseifen. eben so behend und leicht strich ich das stoppelfeld vom boden weg Göthe 25, 17
Weim.; vgl. sein gemähtes kinn sah stoppelfeldern nach der ernte gleich
Shakespeare 6, 26 (
Heinrich IV. I 1, 3). 33)
im vergleich: alles ist dahingeflogen, wie ein wolkenschatten auf dem stoppelfelde im herbst Jung-Stilling 4, 713; wenn ich mein ganzes leben hinuntersehe, so ist mir, als wenn ich über ein abgemähtes stoppelfeld blicke Tieck 7, 26; wie es ... abgelebt aussieht, wie auf einem stoppelfelde Willibald Alexis
ruhe ist die erste bürgerpflicht 1, 234; tot ist nun die jugendliche welt, diese brust, die einst ein himmel füllte, tot und dürftig, wie ein stoppelfeld Hölderlin 1, 146
Litzmann. 44)
bildlich (
für ein ödes, leeres zimmer): aber dem jüngling wurde ... so öde und bange, wie einem, der seine stube im gasthofe ausgeleeret, der die rechnung entrichtet und der nur noch einige minuten in dem rauhen leeren stoppelfelde auf und ab zu gehen hat, bis die pferde kommen Jean Paul
Titan 1, 59; (
von einer trümmerstätte:) soll von Antiochus und seiner rache die stätte predgen bis zum end der zeiten, das stoppelfeld vom abgehaunen trotz O. Ludwig 3, 343.
sonst: auszerdem wäre leben ein stoppelfeld ohne vorhergehende ähren Jean Paul 59-60, 226
Hempel; (
sie) sammelt ähren auf dem stoppelfelde des lebens Hölderlin 2, 14
Litzmann; wie der wind zur herbsteszeit mordend hinsaust in den wäldern, weht mir die vergangenheit von des glückes stoppelfeldern Lenau 35
Barthel.