schwören,
starkes verb. ,
eidlich bekräftigen, mhd. swern
mhd. wb. 2, 2, 769
b. Lexer
mhd. handwb. 2, 1363,
ahd. suuerian, suuerran Graff 6, 893,
alts. suuerian,
altfries. sweria, swera, swara, swora Richthofen 1058
b,
ags. swerian,
altn. sverja,
got. swaran.
die beziehungen des verbums jenseits des germanischen gebietes sind dunkel, der zusammenhang mit altindischem svarati,
tönt ist zweifelhaft; doch s. Schade altd. wb.2 2, 903
a. Brunner
rechtsgesch. 2, 378. Kögel
litt.-gesch. 1, 81.
neben dem starken verbum sverja,
schwören hat das nord. ein schwaches verbum svara,
sprechen, antworten, andsvara,
bescheid geben, das gleiche verhältnis besteht im angels.: swerian, swôr,
schwören neben swerian, swerede,
sprechen, andswarian, andswerian, to answer,
vgl.andswaru,
f. antwort; altn. andsvar,
n., altsächs. antswor.
diese ableitungen berechtigen keineswegs zum rückschlusz auf eine alte allgemeine bedeutung, von der aus auch das starke verbum zu deuten wäre; vielmehr zeigen auch die erwähnten ableitungen beziehung zur gerichtssprache (
vgl. für das alts. Hel. 5283,
wo es sich um die vernehmung Christi vor dem richter handelt. altn. andsvar
zeigt besonders häufig die bedeutung von entscheidung, altfries. ondser,
n., ondsera,
verb. sind hiervon zu trennen, sie bezeichnen reinigung durch eid);
die anwendung in allgemeinerem sinne scheint hier secundär zu sein. das part. perf. lautet im ahd. gisworan (
statt giswaran,
altn. svarinn);
im mhd. begegnet neben gesworn
noch geswarn (Weinhold
mhd. grmm. § 351);
nhd. durchweg geschworen,
mnd. sworen
und swaren Schiller-Lübben 4, 492
a. 501
a: alse ik dat hebbe gesworen, do ik to einem keiser wart gekoren.
dodes danz 205.
neund. swôren
und swâren,
s. brem. wb. 4, 1129. Woeste 265
b. ten Doornkaat Koolman 3, 379
a;
für die form geswarn
vgl. noch: eyd, den he uf daʒ heilge ewangelium geswarn habe.
quelle von 1394
bei Diefenb.-Wülcker 850; geswarn schriber.
quelle von 1398
ebenda. das perf. lautet mhd. swuor,
nhd. schwur
in correcter form; jenes uo
erscheint in ältern nd. und md. quellen häufig als ō,
wobei der lautwert nicht immer sicher zu bestimmen ist; für das neund. ist swôr
bezeugt, vgl. brem. wb. 4, 1129. Woeste 265
b (
plur. swüeren) ten Doornkaat Koolman 3, 379
a (
plur. sworen).
in der neueren schriftsprache (
hauptsächlich im 18.
jh.)
wird die perfectform schwor
üblich, die wol aus dem bestreben der ausgleichung hervorgieng, ungefähr gleichzeitig mit der aufnahme von schwören
für schweren
in der schreibung; Adelung
gibt schwor
als berechtigte form ('
im gemeinen leben schwur'),
sie dringt auch in mundartliche oberdeutsche sprache ein (schwor Hunziker 236);
beispiele für das vorkommen in der schriftsprache (
besonders Wieland
braucht schwor): schwor, ... ihn als ein das sonnenlicht befleckendes ungeheuer zu vertilgen. 2, 209 (
Agath. 9, 3); das volk schwor .. grenzenlosen gehorsam. 7, 41 (
der goldne spiegel 2, 1); schwor ich den heiligsten schwur. 8, 399 (
Danischmend 45); (
er) schwor dasz ich mich ergeben müszte. 12, 116 (
don Sylvio von Rosalva 5, 12); schwor, dasz er seine einsied'ley dem musentempel ähnlich schätzte. 9, 41 (
Musarion 1); und er schwor'
s. 10, 55 (
grazien 3); schwor, bis in die ew'ge nacht des todtenreichs mich freudig zu begleiten. 17, 101 (
Idris 2, 55); wenn er mit aller schwärmerey der leidenschaft mir schwor. 141 (3, 16); sie schwor ihm, dasz er sie mit seinen seufzern plage. 155 (3, 44).
daneben aber schwur: beschwur (
im reim auf natur). 5, 102 (
der neue Amadis 15, 28); da fuhr der sultan auf und schwur. 18, 268 (
wintermärchen 2).
conj.: man schwüre dasz es instinkt bey diesen hexen sey. 4, 122 (
der neue Amadis 6, 4).
vgl. noch: er schwor stammelnd. Arnim
werke 1, 104; dessen ohr der der tugend hülfe schwor, steht für unsre seufzer offen. Göckingk 1, 52 (1780); was einst dein mund an meinem schwor. 104; ich schwor es ihr auf den knie'
n. Cornelius
lieder (1861) 91; d'rauf stieszen wir an mit dem weinglas; ich schwor (
im reim auf empor). Leuthold
ged.4 367.
jetzt wird in der schriftsprache die form schwor
bestimmt als unrichtig empfunden. schwaches präteritum erscheint in oberdeutschem mundartlichem gebrauche dort, wo die neigung zur überführung starker flexion in die schwache besteht: schweret
neben schwur
bei Schmeller 2, 645; schwöret, g'schwört, g'schwour'n Lexer 229;
vereinzelt schwörte
für schwur
in der schriftsprache: und schwerete bey seiner trew. Schuppius 769; wie stolz von seinem tron herab er Judas schriftgelehrten erlaubnisz zu dem handkusz gab, und sie ihm treue schwörten. Schiller 3, 173.
über den übergang des umgelauteten e
zu ö
im präs. des verbums s. Bahder
grundl. d. nhd. lauts. 168. Wilmanns
gr. 1, § 230;
von den lexicographen hat Dasypodius (1537) schwören, Maaler (1561) 366
d schweeren, Henisch 821, 40 (1616) schweren,
ebenso Hulsius
dict. (1616) 293
a. Corvinus
fons lat. 337
b (1660). Schottel (1663) 1413. Stieler (1691) (
scribunt etiam schweeren
quod tolerandum est) 1976. Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 719
a.
Steinbach (1731) 2, 551. Frisch (1741) 2, 249
b; Adelung
schreibt schwören
und bezeugt diese aussprache für das hochdeutsche, Gottsched
sprachkunst (1762) 346.
die schreibung schweren
ist bis in das 18.
jahrh. hinein durchaus die übliche, wie die unten angeführten belege ergeben; schwehren
bietet z. b. Butschky (
hochd. kanzl. register), bemerkenswert ist die schreibung mit ä: er schwäre dann, er wölle die reine lehre des evangelij nicht lehren. Ph. Heilbrunner
von der Augsp. confession widerwert. censur (1598) 69.
im indic. des präsens muszte das e
von schweren
festgehalten werden (
schwache präsensbildung). Steinbach
stellt also die sache auf den kopf, wenn er bemerkt: ich schwere, du schwierst (
per usum etiam du schwerst). 2, 551;
aber bei Frisch
nur: du schwerst 2, 249
b;
mundartlich findet sich i
statt e
auch in formen des präsens, wo es sich nicht um analogieeinwirkung des starken verbums, sondern lediglich um einen lautlichen vorgang handelt. nd. hei swêrt, hei swîrt Woeste 265
b; wat hei uns swirt of beschrift.
d. städtechron. 12, 112, 3153 (Hagen
reimchron. von Köln); ich schwier: ich schwier botz dann und ouch botz lung. Murner
schelmenz. 1, 7;
inf. schwirn, schwiern
ist bair., s. Schm. 2, 645: was all ir schwiren und glübd umbsonst.
d. städtechron. 15, 18, 11 (Widmann
chron. von Regensburg); ja wol, was sollen sy schwiren. 24, 14.
dem nhd. schwören
entspricht niederl. zweren,
engl. to swear,
dän. sværge,
schwed. svärja. 11)
das wort bezeichnet das aussagen oder versprechen mit feierlicher versicherung, zunächst die mit festen formen umgebene ablegung eines eides (
z. b. vor gericht, als zeugen schwören,
zur knüpfung eines treueverhältnisses, die soldaten schwören lassen. Adelung);
auf die formen des schwörens
kann hier nicht eingegangen werden, vgl. hierzu vor allem Grimm rechtsalterthümer 892
ff. abschwächung der bedeutung tritt je nach dem zusammenhange ein. von wichtigkeit für die bedeutungsentwicklung sind die biblischen verbote des schwörens,
die von der kirche auf das unnötige, leichtsinnige oder frevelhafte anwenden von betheurungsformeln gedeutet werden; nach dieser richtung nimmt dann schwören
einen verschlimmerten sinn an, bis es mit fluchen
verbunden und diesem gleichgestellt wird: fluchen und schweren. Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 719
a; in lingua autem theotonica .. idem et unum vocabulum ht~ jurare et blasphemare.
quelle bei Schm. 2, 645; schweren als ein Elssaser.
ebenda; fluchen und schwör'n, wie ein husar. Schöpf 663; wie ein alter soldat, ein landsknecht, ein spieler.
Wander deutsches sprichwörterlex. 4, 484; (
das schwören
böser buben) bei dem leychnam, der marter, dem leyden, pluet, wunden oder andern glidern, zeichen und waffen des hailigen laibs und leiden Christi Jhesu, unsers lieben herrn, der jungkfrawen Maria oder den lieben heiligen.
quelle bei Schöpf 663;
das schwören
wird besonders zum fluchen durch die verhüllenden entstellungen des namens gottes (bocks, botz, kotz),
vgl. Schm.
a. a. o., sowie oben th. 2,
sp. 202. 279,
th. 5,
sp. 1900,
th. 7,
sp. 2039.
beispiele für den übergang der bedeutung bis zum prägnanten sinne von fluchen: ih giu nides, abunstes, bisprâha, suerjennes, firinlustjo.
alts. beichte (Müllenhoff-Scherer
denkm.3 1, 238); wie man sagt, so hat er gancz unchristenlich geschworen.
d. städtechron. 25, 382, 29; gewehne deinen mund nicht zum schweren und gottes namen zu füren.
Sir. 23, 9; wir sollen gott fürchten und lieben, das wir bey seinem namen nicht fluchen, schweren, zeubern, liegen, oder triegen. Luther 8, 348
a; dobbelen, sweren, kârten maket weinich ryk, mer vele arm. Tunnicius 121; hund hincken, frawen weynen, kremer schweren, sol sich keyn frommer an keren. Franck
sprichw. 1, 24
a (1541); ein edelmann verbot seinen bawren zuo schweren. Wickram
rollw. 89, 14
Kurz; das gotteslästerliche fluchen, wünschen und schweren. Olearius
reisebeschreib. 48
a; da finge ein
theil aus uns an zu beten, das andere aber vielmehr zu schweren.
Simplic. 2, 250, 29
Kurz; es gehet auch viel fluchens und schwerens dabey für. Schuppius 200; je an unser frauen ihr schweren darff man sich nicht kehren. Reuter
frau Schlampampe 107
neudruck; di wârheit bischirmi, ungerne suerigin. Müllenhoff-Scherer
denkm.3 1, 122 (34, 25); wente dâr sin etlike bûr, de plegen to vloken unde to sweren.
dodes danz 1195; vloken, sweren, quâtzen unde overmôt. 1286; zuo spil sbern, trinken, glauben untreulich, sind gewant. Oswald v. Wolkenstein 17, 5, 7; ich kan die lute geleren, dasz sie fluchen und sweren.
Alsf. passionssp. 417; gottslestern und vast schweren.
bergreihen 42, 26
neudruck; ich thu dich nur versuchen, ob du würdst schwören oder fluchen.
wunderhorn 1, 104
Boxberger; mit liegen, schweren, falscher war, hab ich genert mich manche jar. Schwartzenberg
d. teutsch Cicero (1535) 137
c; bey aller kauffleut warhafft schwern. H. Sachs 14, 179, 16
Keller-Götze; verhurt, verspielet und vertruncken, gott lestrent (
var. gott schwerend). 21, 221, 4; das wir got fürchten sölln und allzeit eren und hüten uns vor fluchen und vor schweren. Rebhun
Susanna 2, 3; und mach sie also geil und frech, damit sie fluchen, schelten, schwern. Ackermann
Tobias 3, 1 (47, 1071
Holstein); pfui! von dem ehrenmann, wird jener alte schwören, den jungen taugenichts soll solch ein titel ehren? Haller 106
Hirzel. 22) einen eid schwören
u. ähnl.: aiþis þanei svor viþra Abraham.
Luc. 1, 73; that sân ni swerea nêoman ênigan êð-stafeldi-barnô.
Heliand 1508; that gi nêo ni swerienswiðoron êðô
s. 1519; unt hæt ich tûsent eidece einem vride geswarn.
Nibel. 421, 6; und hätt' ich zehen eide geschworen. Göthe 40, 102; itzt hat er einen eid geschworen, dasz es uns eiskalt über die leber lief. Schiller
räuber 2, 3
schauspiel; einen theuren, körperlichen eid schweren. Kramer
deutsch-ital. diction. (1702) 2, 719
a; einen leiblichen eid Adelung; sehet, das ist die hand, damit ich meinen kayser Heinrico einen leiblichen eyd geschworen. Schuppius 387; ende swoer hem enen duren eet.
Reinaert 4876; ich sweren der des einen festen eit.
Alsfeld. passionssp. 930; wir töchter mustn dem vatter schwern ein harten ayd. H. Sachs 13, 537, 27
Keller-Götze; einen offen (
öffentlichen) eit swern: ir swuore dir ain offen ait.
Rolandsl. 138, 11. gestabten (
vorgesprochenen, s. Grimm
rechtsalterthümer 902), ungestabten eid schwören: für dise rede ich dicke swuor manegen ungestabten eit.
Parz. 498, 2; einen gelehrten eid schweeren,
conceptis verbis jurare Stieler 1976; die sullent sweren vor dem groʒʒen raut und vor der gemainde gelert aid.
d. städtechr. 4, 130, 10; einen vorgelesenen eid schweren. Kramer
deutsch-ital. dict. 2, 719
a (1702). einen meineid schwören: mênêth suôr an uuîethon.
alts. beichte (Müllenhoff-Scherer
denkm.3 1, 237, 31); welcher vor richter oder gericht eyn gelerten meyneidt schwert.
Carol. 107; nein ih, mir wêre vil leit, daʒ meineide swôre. Lamprecht
Alex. 3966; daʒ sô maneger meineide swert.
Freid. 164, 22. einen schwur schwören: der monarch schwört einen fürchterlichen schwur. Schiller
dom Karlos 1, 2; schwört den heil'gen schwur der rache. Arndt
ged. (1860) 231; gott ein gelübd schweren. Kramer
deutsch-ital. diction. (1702) 2, 719
a. 33) schwören,
durch adverbien näher bestimmt: falsch, hoch, fast schwören. Dasypodius; theuwr und hoch schweeren. Maaler 366
d; ich schwere hoch und theuer. Kramer
deutschital. dict. (1702) 2, 719
c; leichtfertig schweren.
ebenda; öffentlich schweren Steinbach 2, 551; hart schweren Frisch 2, 249
b; hoch und heilig, unnütz schwören
u. ähnl.; joh sueris filu heizo. Otfrid 4, 13, 34; do begunde si vil tiure swern.
Iwein 5740; want tensel gheen man van eren te licht gheloven noch hoghe sweren, eer hi claer wel weet die sake.
Reinaert 3670; se swor do hastygen unde vyl.
Reinke de vos 1208; und swerest viel thuer bie mer.
Alsf. pass. 6245; seine rechte hand, mit der er falsch geschworen.
wunderhorn 1, 137
Boxberger; das schwer ich dir so hoch ich kan. Ackermann
d. unger. sohn 2, 6 (118, 1410
Holstein); sie schweren hoch und hehr, das gott euch auszerlesen. Opitz 2, 162; daʒ er unreht gesworn het.
Nürnberger pol. 69; jr solt nicht falsch schweren bey meinem namen.
3 Mos. 19, 12; der nicht lust hat zu loser lere, und schweret nicht felschlich.
ps. 24, 4; recht und heiliglich schweren.
Jerem. 4, 2; so schweren sie doch falsch. 5, 2; er schwere wie thewr er wil.
Hesek. 21, 23; schweret er aber vergeblich.
Sir. 23, 14; da sie aber hoch und tewr schwuren. 2
Macc. 14, 32; er schwert nit thewer, jm ist nit ernst. Franck
sprichw. 2, 131
a (1541); er schwur hoch und theuer. Göthe 18, 202. 44)
besondere wendungen, die die stärke des schwörens
bezeichnen: (
er) schwur darauf desz henckers groszmutter ein bein ab.
Simpl. 3, 320, 29
Kurz; dasz du selbst, wann du mich reden hören, einem läuffer-botten seinen spiesz entzwey geschworen hättest, ich wäre ein Portugiesischer, aber zu Amsterdam geborner jud gewesen. 4, 119, 16; hei swêrt dem düwel en bên af. Woeste 265
b; Lysias schwur, die augen hätten ihm bluthen mö
gen. Weise
kl. leute (1679) 30; wenn sie auch gleich schwüren, dasz ihnen die schienebeine knackten.
graf Ehrenfried 98 (1700); das wohl möchten die balken biegen, brechen, dasz einem die haare zu berge stehen
u. ähnl. bei Wander
d. sprichw.-lex. 4, 483.
stein und bein schwören: stein und bein schweeren,
Jovem lapidem jurare Stieler 1976,
vgl. Steinbach 2, 551;
wahrscheinlich wird mit stein
ursprünglich der altar eines heiligen, mit bein
die reliquie bezeichnet, vgl. theil 1,
sp. 1383: schwöret auch darfür stein und bein, er hab unsern han nye gesehen. H. Sachs
fastn. sp. 2, 95, 62
neudruck; so schwur der knecht dann stein und bein, sollichs und solches wer geschehen.
schwänke 2,
s. 568, 16
neudruck; die frau schwört stein und bein, ihr lebelang nicht mehr zu freyn. Gellert 1, 181 (1775); dasz jederman stein und bein geschworen hätte, es wären quartier-schlangen oder halbe carthaunen gewesen.
Simplic. 1, 287, 10
Kurz; hei schwîrt stên und bên, doss nicht wr is. Frommanns
zeitschrift 3, 246, 175.
andre wendungen: schwor er himmel und hölle zusammen, dasz alles zug für zug so wahr wäre wie amen. Wieland 15, 141 (
B. Schleichers jugendgeschichte): die schwuren craft, macht, leben ... sie welten. Lenz
Schwabenkrieg 108
a.
wie verschwören: sie schweren ihre seel, sie leisten hohe pflicht, zu geben disz und das, und halten keines nicht. Rachel 122 (9.
satyra). 55)
besondere wendungen mit präpositionen. 5@aa)
an etwas schwören,
bei etwas: ik wil dat sweren an die heligen (
eigentlich, die reliquien der heiligen berührend).
Theophilus 129.
so (an
mit dem acc.)
nur in älterer sprache, vergl.: ich schwöre dir, o vaterland, mit blankem schwerdt in fester hand, an des altares heil'gem schrein. Arndt
ged. (1860) 235. 5@bb)
auf, der schwörende legt die hand auf etwas, das dadurch in die eidesablage hineinbezogen wird: auf das evangelium schweren. Frisch 2, 249
c; auf die hostie schwören
u. ähnl.; in älterer sprache, wenn es sich um wirkliche berührung handelt, mit dem dativ: er swuor ûf sîner corône.
kaiserchron. 6373; ich wil ûf iweren houbte swern.
Parz. 316, 16; er nam daʒ heiltuom, drûf er swuor. 269, 2; dô wart ein eit getân: den swuor er ûf sîm swerte.
Wolfdietrich A 440 (
vgl. Grimm
rechtsalt. 165); ûf dînem (
des schwertes) knopfe ich des swer.
Wigalois 168, 13 (6517); als si ûf den heilegen swüeren. 94, 36 (3580); so wil ich werlich dir swern uf sante Nicolaus alter.
pass. 19, 35
Köpke; swer eins tôtslages gezigen wirt, der selbe sol .. mit sînen zwein vingern ûf der wunden swern.
zeitschr. f. d. alterth. 7, 95.
dann freier, ohne sinnliche vorstellung: er swuor gestern manchen eit bî ritters triuwe, ûf sîn sêle ('
nahm den eid auf seine seele'
gramm. 4, 848).
h. Georg 3016; das willch auf mein treu schweren.
fastn. sp. 452, 30; schwöret auf das vaterland! schwöret auf den ruhm der ahnen, auf die deutsche redlichkeit, auf die freiheit der Germanen, auf das höchste schwöret heut. Arndt
ged. (1860) 231; do sant der künig von Engenlant sine herliche botschaft zuom bobeste Alexander, die in entschuldigen soltent und sweren uf des küniges sele, das er heran unschuldig were.
d. städtechron. 8, 441, 21; uf min grosen got swern ich üch.
volksbücher 73, 8
Bachmann-Singer. auf etwas schwören,
betheuern, dasz etwas geltung hat, durch schwur etwas bestätigen: allerhand leges und statuta, darauff wir geschworen haben. Schuppius 582; in meiner lieben vaterstadt Venedig schwört man auf solche mordgesetze nicht. Schiller
Turandot 2, 2; auf jemandes tugend, treue, unschuld, auf jemandes worte schwören: am besten ist's auch hier, dasz ihr nur einen hört, und auf des meisters worte schwört. Göthe 12, 98. ich schwere drauf, ich kan drauf schweren (
dasz es sich so verhält). Kramer
deutsch-ital. diction. (1702) 2, 719
a; ich wolte nicht darauf schweren,
jurato nollem asserere. Frisch 2, 249
b; ich wollte drauf schwören sie meynens aufrichtig. Schiller
räuber 2, 3
schauspiel; jeder von ihnen wird darauf schwören, dasz diese heurath das unfehlbarste mittel sei, mich dem herzog zu retten.
kab. u. liebe 2, 1; man schwüre drauf, er sey natürlich (
der strausz). Wieland 9, 175 (
ged. an Olympia iv).
in älterer sprache, auf etwas schwören,
betheuern, versichern, dasz etwas stattfinden soll (
vgl. gramm. 4, 848): der chuonich unde alle sine holden swuren uf Apollen uf Rolandes tot.
Rolandslied 86, 25. auf einen schwören,
in verschiedener anwendung: 'wenn ich dirs aber weisen kann, so merk' und trau' auf mich!' ich schwör' auf keinen einzeln mann (
verpflichte mich nicht auf eines mannes ansicht), denn einer bin auch ich. Uhland
ged. (1864) 89; Lucie schwur dagegen auf den oheim (
dasz es sich um den oheim handle, wie rathen auf einen). Göthe 23, 142; der cleger sal selsebinde uff den man sweren, das her der tat schuldig sey.
Magdeburger fragen 3, 8, 1
Behrend. auf einen schwören,
sich durch schwören in feindlicher absicht gegen jemanden binden: uppe den kaiser Anasthasium sworen de herren unde koren up ene Theodosium ane sinen danc.
d. chron. 2, 1, 145, 15; des negesten jars dar na swor hertoch Hinrik van Beieren mit anderen Sassen up koning Otten sinen broder.
d. städtechron. 7, 47, 15; man wil, daʒ alle die die uf kunig Adolf swuorent, nie keinre keinen rehten tot geneme. 8, 62, 14; genuge lute haben gesworn uf dich durch des kuniges zorn.
pass. 56, 15
Köpke; freier: ich wæne des daʒ hêteder tôt ûf si gesworn.
Nibel. 2017, 3. 5@cc)
aus, aus der stadt, dem lande schwören,
sich eidlich verpflichten, stadt oder land zu verlassen (
vgl. unten unter in): de scolde ute der stad sweren ene mile verne van der stad.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 492
a; es ward auch des alten herrn zuoweib, die kürsnerin, gefangen und muoszt aus dem land gen Eger sweren.
d. städtechron. 22, 154, 15; dasz sie also schändtlich und unschuoldiglich ausz jhrem keyserthumb und land schweren muszt.
buch der liebe 3
c. etwas einem aus den augen schwören,
eigentlich, jemanden durch schwören dahin bringen, dasz er nicht mehr glaubt, was er sieht, abläugnen: ja wilt dich keren an sein jehen, so schwört er dirs ja ausz den augen. H. Sachs
fastn. sp. 2, 95, 65
neudruck; ich habs oft ausz den augen gschworn meim mann, noch wil jm der argwon und die eyffersucht nicht vergon. 3, 124, 16. 5@dd)
bei etwas schwören (
gramm. 4, 847),
die vorstellung der berührung, der unmittelbaren nähe liegt zunächst zu grunde: bei seinem haupte, barte schwören, bei den waffen, bei den heiligen schwören,
indem man haupt, bart, waffen oder reliquien berührt; bei gott schwören,
durch die anrufung tritt gott in unmittelbare beziehung, nähe zum schwörenden; dann aber tritt die ursprüngliche, sinnliche bedeutung der wendung zurück (
z. b. bei seiner treue, seiner ehre schwören). bey gott schweeren. Maaler 366
d; bey allen heiligen und heiligthum, bey seiner ehre, bey seinem gewissen schweren. Kramer
deutsch-ital. diction. (1702) 2, 719
a; bey allem, was heilig ist, schwören. Adelung; aþþan ik qiþa izvis ni svaran allis, ni bi himina .., nih bi airþai .., nih bi Jairusaulymai .., nih bi haubida þeinamma svarais.
Matth. 5, 34
ff.; thanne ih quidu iu, thaʒ man zi thuruhslahtî ni suuere; noh bi himile .., noh bî erdu .., noh bî Hierusalêm .., noh bî thînemo houbite suuerê
s. Tatian 30, 2
ff.; ich aber sage euch, das jr aller ding nicht schweren solt, weder bey dem himel .., noch bey der erden .., noch bey Jerusalem .. auch soltu nicht bey deinem heubt schweren. Luther; than williu ik iu eft seggean,that sân ni swerea nêoman ênigan êð-staf, eldi-barnô, ne bi himile themu hôhon ....., ne bi erðu thâr undar ..... ..... nek ênig firihô barnô ne swerea bi is selbes hôbde.
Heliand 1508; sô uuer sô suerit bî themo temple.
Tatian 141, 14; suueri bi himilischin gote.
Isidor 31, 1; darnach verbuten die purger alleʒ schwern bi got und bi unser lieben frawen.
d. städtechron. 4, 63. 17; sunderlich wollen si niht, daʒ furbaʒ iemant mer swer bei gotz leichnamen, bei seinem haubt, bei seinem hertzen, bei seinem pluot und ouch bei andern seinen gelidern, und bei andrer creature, di man got ze smacheit nennet, noch bei den newen swurn, der ietzunt vil in der werlt ist.
Nürnberger pol. 68; swern bî der wide.
quelle bei Scherz-Oberlin 2012; ich habe bey mir selbs geschworen, spricht der herr.
1 Mos. 22, 16; Plato läszt ihn (
Socrates) .. öfter bey den göttern schwören. Hamann
schriften (1821) 2, 47; schwöret mir das bey dieser männlichen rechte. Schiller
räuber 1, 2
schauspiel; schwöre bei gott! bei dem fürchterlich wahren!
kab. u. liebe 5, 2; er swuor bî sînem houbete.
kaiserchron. 4711 (144, 29); er swuor bî allen sînen liden.
Ernst 4151 (
Hagen-Büsching); daʒ ich hie swere dir bî deme mânen, bi der sonnen.
Georg 3363; er swuor bi sîner heit. Ottokar
reimchron. 58082; bi des keisers gewalt thu ich sweren.
Alsfeld. passionssp. 3930; da schwuer ich im pey trew und eer. H. Sachs
schwänke 1,
s. 159, 52
neudruck; halt auch weder trew, aydt noch glauben, den ich doch bey den göttern schwer.
fastn. sp. 4, 122, 293
neudruck; ich schwere bei den schalen, daraus ihr götter trinkt auf euren besten mahlen. P. Fleming 1, 195, 387
Lappenberg; bei diesem muttergottesbild, bei diesem Jesuskinde, das ihre mutterarme füllt, schwör' ich dir, o Belinde. Hölty 31
Halm; so lautet das gesetz, wir schwörens bei der sonnen. Schiller
Turandot 2, 4; ich schwörs bei Fohis haupt.
ebenda; ein widerschein der dioskuren, bei denen alle schiffer schwuren. Göthe 41, 276; dulde nimmer, schwerdt der ehren, dasz verräther bei dir schwören. Arndt
ged. (1860) 233;
scherzhaft: des hân ich gesworn bî minem schuo. Haupt
zu Neidhart 44, 24,
vergl. Wander
sprichw.-lex. 44, 24: ich schwörs bei meiner groszen zehe. 5@ee)
durch: sis ...... bisuoran thuruh thes forahta,ther alla worolt worahta. Otfrid 4, 19, 48 (
s. gramm. 4, 847). 5@ff)
für (
vgl. unter vor): ich wolte für ihn schweren,
iuramento eum purgare vellem, eum innocentem esse jurato dicerem. Frisch 2, 249
b;
jetzt auch in allgemeinerer anwendung, '
ich wollte für ihn einstehen'. für etwas schwören,
zu gunsten von etwas, sich binden für etwas: schwöret für die grosze sache. Arndt
ged. (1860) 231; für etwas schwören,
betheuern, dasz etwas wahr sei: für dise rede ich dicke swuor manegen ungestabten eit.
Parz. 498, 2; doch ist er wirklich todt? ich schwöre nicht dafür. Göthe 1, 59;
anders aber: ich sich hiute, dâ ich für hiet gesworn (
von dem ich eidlich versichert hätte, dasz es unmöglich sei). Ottokar
reimchron. 14599.
unklar ist folgende stelle: auch hast du für ein windel gschworen (
geschworen, dasz du sie nicht hättest?). H. Sachs
schwänke 1,
s. 56, 168
neudruck. 5@gg)
gegen, örtlich: gein der sunnen swern. Grimm
rechtsalterth. 895. 5@hh)
in, mit verschiedenen anwendungen; wie bei, auf,
das mittel der betheuerung anknüpfend: therde suerit in himile ther suerit in gotes sedale inti in themo therde sizit obar thaʒ.
Tatian 141, 16 (wer da schweret bey dem himel, der schweret bey dem stuel gottes, und bey dem, der drauff sitzet.
Matth. 23, 22); se wolden sweren in den hilgen,
auf die reliquien. quelle bei Schiller-Lübben 4, 492
a. in jemandes hand schwören,
der so den eid abnimmt: diu hêt ouch in ir hant gesworn.
Wigalois 275, 20 (10804). in etwas schwören,
seine richtigkeit, seine geltung betheuern: der grosze Moscowit hat seine prächtig' ohren hin gegen ihm geneigt, und in sein wort geschworen. Opitz 2, 17; in den artikelbrief schwören sollen die kriegsknechte.
quelle bei Schm. 2, 645; nicht anders gehet es mit den schullehrern heute zu tage, die gleichsam in der alten die in der barbarie gelebet seltzam gebrauchte lehrwörter so geschworen haben, dasz sie sich darbey todtschlagen lieszen, eh sie davon wichen. Schuppius 535; die da in desz Ciceronis wort gleichsam geschworen haben, alles was in Cicerone stehet ist gut latein. 536. in eines seele schwören,
an seiner stelle, für ihn: in eines seele schweren,
jusjurandum dare nomine alicujus. Frisch 2, 249
c; eben das wollt' ich in die seele der Orsina schwören. Lessing 2, 125 (
Em. Galotti 1, 6);
anders aber in folgender stelle: bey dem tempel der Pallas hat er in meine seele geschworen (
sich durch seinen eid unlöslich mit meinem innersten selbst verbunden). Klinger 2, 184.
in prägnanten wendungen wie aus (
s. oben unter c): koren einen anderen rad und leten den olden rad in ore hus sweren (
schwören, ihre häuser nicht zu verlassen).
d. städtechr. 7, 389, 10; also gheven se dat vulbort, de vanghenen lostolaten unde in ore huse to sweren. 16, 457, 22; schwoeren in die herberg. Scherz-Oberlin 1465. 5@ii)
mit: mit hand und mund, mit aufgehobner hand, mit beiden händen, mit zopf und brust schwören,
s. Grimm
rechtsalterth. 898; mit gebloteden hoveden und gebogten kneen und opgerichten fleischlichen fingeren. 896; swerende mit eynis hant.
Magdeburger fragen 1, 11, 1; ich swer mit beiden handen. Walther v.
d. Vogelweide 104, 20; er swûr mit ûfgeleiter hant und mit often wortin sô ûf gotis êwangeliô. Nicolaus v. Jeroschin 6952; also huben si auf und schburen all auff dem rathaus in dem tanzsal mit drein vingern aufgereckt. Liliencron
hist. volksl. 2, 163, 315. mit eiden swern: und swere dir mit eiden. Lamprecht
Alex. 3645; ir ieglicher swûr aldort mit eiden vollen veste.
pass. 274, 10
Köpke. vgl. miþ aiþa svarands.
Matth. 27, 72; mit
wie sonst bei: mit sînem rîche er swuor. Diemer
ged. des 11. u. 12. jh. 215, 28. 5@kk)
über: über die heil. evangelien schweren. Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 719
a; over de heiligen sweren. Grimm
rechtsalt. 896. über einen schwören (
in feindlichem sinne): darumb ich ubber en sweren wel, want hie kan boisheit viel.
Alsfeld. pass. 4368; die mich lobeten, haben uber mich geschworen. Luther 1, 35
a (schweren bey mir.
ps. 102, 9,
vgl. unten unter wider). 5@ll)
um: umb kosten unnd schaden schweeren, das einer so vil von seinem widersacher erlitten hab, als er fürgibt. Maaler 366
d; daʒ ein iegelich priester wol sweren mag umb ein wiszenthaft ding.
d. städtechron. 8, 17, 29; sît aber ich vil manegen eit umb die reise hân gesworn.
krone 22830. 5@mm)
unter: ich swer under mîner krône. Stricker
Karl 9622. 5@nn)
vor (
vgl. oben für): so ne mach die hirde dar vore (
de hac re) nicht sveren.
Sachsensp. 2, 54, 6; also soll man woll vor nichts schwehren (
man soll nichts verschwören). Elis. Charl. v. Orleans
herausg. von Holland (1871) 428.
besondere wendung: du bist ein weib und schweerest vor den teufel hin,
mulier es, audacter juras. Stieler 1976. 5@oo)
wider: schweeren wider einen, unnd jm zeschaden unnd nachteil. Maaler 366
d; (
adversum me iurabant) die suuôren unde êinoton sih uuider mir. Notker
ps. 101, 9 (
vgl. oben unter über); der herr hat geschworen wider die hoffart Jacob.
Amos 8, 7; gelück hat wider mich gesworn.
liedersaal 1,
s. 11, 16; so trotzt' ich noch den sturm, der wider mich geschworen. Günther 667.
im freundlichen sinne: aiþis þanei svor viþra Abraham attan unsarana.
Luc. 1, 73. 5@pp)
zu, bezeichnung dessen, das beim eide als zeuge angerufen wird: die ze den heiligen gelêrte eide swernt.
zeitschrift für d. alterthum 7, 100; einen ayd zu gott schweren. Ayrer
proc. juris (1600) 478; ik dorstet wol tôn hilgen sweren.
Theophilus 168; schwören zu etwas,
de aliqua re: (
he) mut dar to sveren.
Sachsensp. 2, 54, 5; ich glaub nit, dast jn habst verlorn, du hest sunst basz darzu geschworn. H. Sachs
fastn. sp. 4, 41, 128
neudruck. zu einem, zu etwas schwören,
durch eidesleistung zugehörigkeit, beitritt, ergebenheit, dienstleistung, theilnahme u. ähnl. betheuern; in neuerer sprache, z. b.: zur fahne, zum kalbsfell, zum katholicismus schwören; daʒ die pünd stæt sölten belîben, die wir zuo ainander geschworen hâten.
Züricher jahrb. im mhd. wb. 2, 2, 771
a; also der richter czu deme gerichte gesworen hette (
durch den richtereid berechtigtes mitglied des gerichts geworden wäre).
Magdeb. fragen 1, 2, 9; de rad unde alle de to deme rade sworen hadden.
d. städtechr. 16, 29, 36; to deme schote to sweren (
sich zur zahlung einer bestimmten abgabe verpflichten). 452, 22; do von swurent die vorgenanten herren alle zuo dem bischofe von Mentze (
verbanden sich mit ihm). 8, 58, 12; wollt ihr zum kalbsfell schwören. Schiller
räuber 1, 2
schauspiel; Genelun swur sich zuze in.
Rolandsl. 86, 19; die brüeder von dem tiutschen hûse zuo dem lantvolke swuoren. Ottokar
reimchron. 9388; ouch swuor im ze helfe dâ von Bêheim kunig Wenzlâ. 69528; ich hab zu dem streit schon geschworen. Ayrer 1389, 12
Keller; schwört nicht zu Oestreich, wenn ihrs könnt vermeiden. Schiller
Tell 1, 2. zusammen schwören,
conjurare (
vgl. unten 8): donoch verbundent sich die von Tarente zuo den von Carthago und swuorent zuosamene wider die Römer.
d. städtechron. 8, 324, 10; sintemal die auffrührischen und hemischen friedenstörer .., wenn sie zusammen geschworen haben, empörungen und auffruhr erwecken. Comenius
sprachenth. übersetzt von Docemius (1657) 691; und schweren endlich, sowohl freunde als feinde, wider ihren unerträglichen stoltz, zusammen. Butschky
Pathmos 706. zu haufe schwören: da das die erbar lute erfurn die worden czornig unde swurn zu houffe.
zeitschr. für d. alterth. 8, 314. zumal schwören,
conjurare Dasypodius. 66)
accusativ bei schwören,
den inhalt, die richtung, beziehung eines gelöbnisses bezeichnend; gewöhnlich ist diese fügung bei promissorischem schwören,
z. b. treue, gehorsam, liebe, rache, verderben, den tod schwören;
die ältere sprache bewegt sich freier (
vgl. die wendungen huld, friede, gesellschaft schwören
u. ähnl.): einem die treu, den gehorsam schweren. Kramer
deutsch - ital. dict. (1702) 2, 719
a; sie haben ihm den tod geschworen. 719
b; ich werde's thun, ich hab's geschworen; die anderen muosen in daʒ dienst swerigen.
exodus 104, 15
Diemer; daʒ er boten sande den herren von dem lande unde hieʒe hervart swern.
Eraclius 2367; si swuoren hulde und wurden man.
Trist. 134, 13; ob wir zein ander swüeren geselleschaft.
Engelhard 530; dô diu zît kam ûf die gesworen wart von dem kunic diu hervart. Ottokar
reimchr. 64996; ende swoeren daer an twoeste velt alle vive des coninx doot.
Reinaert 2266; dat ghi hem sweert vaste hulde. 3463; wo gy den vrede hebben gheholden, den ik gheboet unde hebben ghesworen.
Reinke de vos 1721; is musz an mer vollengan, das die propheten vor gesworen han.
Alsfeld. passionssp. 6218; den Crimhilt schwur ein schwere rach. H. Sachs 13, 335, 27
Keller-Götze; welche schwuren zusamm ein bund. 20, 354, 15; (
eh') treu zu schwören ward zur kunst. Haller 84
Hirzel; und meister Werln schwur sie den krieg. Gotter 1, 335 (1787); doch, rache hab' ich ihm geschworen. Wieland 22, 23 (
Oberon 1, 35); bis endlich herzog Nayms .... .... gegen uns sich kehret, und zum begehrten kampf des kaisers urlaub schwöret (
betheuert, dasz der kaiser die erlaubnis gebe). 22, 33 (
Oberon 1, 52); wie er treu' und pflicht ihm schwören will. 22, 86 (
Oberon 2, 53); edle schwören ihm hasz. Hölty 97
Halm; (
er) schwör in diesem blüthendunkel ewige treue der auserkornen. 99; zuerst schwöre dem schönen den tod. Schiller 11, 122; diesen Engelländer konnt' ich krönen! diesem fremdling treue schwören.
jungfrau von Orleans 3, 3; dir hat er längst den untergang geschworen.
Tell 1, 2; an eben diesem platz — erinnerst du dich noch? schwurst du mir ew'ge treu. Göthe 7, 53; viele schwören reine huldigung dir, wie manche treue schaar. 41, 267; bei den lippen, bei den locken schwur er den beglückten bund. Platen 2
a; auch schwör' ich heiszen blut'gen hasz und tiefen zorn ohn' unterlasz dem Franzmann und dem franschen tand. Arndt
ged. (1860) 235; do komen vil ritter und knecht gen Weiʒʒenhorn und schwuorn da ain gesellschaft.
d. städtechron. 4, 24, 13; dissen Sassen lantvrede sworen de heren und ore man. 7, 288, 7; der kaiser machet ainen g'mainen frid im ganzen reich .. muest iederman denselben schweren. Aventinus
bair. chron. 2, 493, 23; unsers widersachers, der uns allen den tod geschworen. Mathesius
Sar. 114
b; manches gute ding ..., dem man eine ewige liebe geschworen hat. Wieland 1, 371 (
Agath. 6, 5); wir schwören dir treu und gehorsam bis in den tod. Schiller
räuber 1, 2
schauspiel; das dieser schriftsteller .. aller kritik den tödlichsten hasz geschworen habe.
schriften 6, 240; der unversöhnliche hasz, welchen Heinrich IV. dem hause Österreich geschworen. 8, 54; ein mächtiger unwiderstehlicher fürst .. hatte ihr verderben geschworen. 9, 299; dann müszten sie urfehde schwören. Göthe 8, 82;
prägnant in feindlichem sinne: nimm dich in acht. sie haben dirs geschworen, wenn du hinüber kommst (
mit dir ins gericht zu gehen). 33, 267.
so wol auch: ich habe Lucinden die freundin, verloren. ach, hat es mir armen das schicksal geschworen (
hat das schicksal mir feindseligkeit geschworen?). 10, 272. schwören
im sinne von '
fluchend anwünschen': das ich euch das fallend ubel schwr. Fischart
Garg. 92
a;
in besonderer wendung: doch Raufbold schwur alsbald ihm zwanzig ganze vor. Torf holte sie nicht nach. Zachariä
renomm. 1, 289. 77)
der objectsaccusativ ist eine person: des volgeden de vorsten und sworen on to koninge na des vader dode.
d. städtechr. 7, 150, 23; an dem cristag schwuorn die pfaffen funff tiuffel von ir. 4, 38, 1; wo aber eyner durch seinen falschen eyde jemand zuo peinlicher straff schwüre.
Carol. 107; sie hatte den armen teufel ... an den galgen geschworen. Lichtenberg 6, 124 (1845).
verloben: und ist daʒ ein iuncfrowe einem man gesworen ist, und ist im noch niht zu geleit.
Schwabenspiegel 173, 14
Gengler; und lît ein man bi einer iuncfrowen, diu niht hingesworen ist.
ebenda; hingeschworne braut
als oberdeutsch bei Adelung; do swuor man im ze wîbedaʒ wünneclîche wîp.
Nibel. 1618, 3; dar nâch man die frouwen swuor von Hiunburc grâf Uolrîchen. Ottokar
reimchron. 2670;
freier, sich angeloben: ich hân zu frouwen dich gesworn.
herzog Ernst 243
Hagen-Büsching. 88)
reflexive wendungen: sik tohope, tosamen sweren,
conjurare Schiller - Lübben 4, 492
b (
vergl. oben 5,
p); di anderen brudere swuren sich ûʒ, daʒ si dar vone niht inwisten.
myst. 1, 168, 17; sich einem andern zum schuldner schwören. Möser
phant. 2, 143; sich ins armenrecht schwören. Campe
unter armenrecht; wir hân gewaschen unser leben in der vil reinen toufe, und suln an unserme loufe nicht entreinen mê die wât, die der gotes geloube hât, darin wir haben uns gesworn.
pass. 292, 55
Köpke; und in den ordin sich dâ swûrn. Nic. von Jeroschin 9578; er schwur sich bei allem, was heilig und hehr, auf ewig zu ihrem getreuen, Bürger 61
a; wir schwuren Bolingbroke uns unterthan.
Shakespeare Richard II. 5, 1.
anders zu beurtheilen sind wendungen der neueren sprache wie sich heiser schwören, sich ins zuchthaus schwören. 99)
die betheuerung wird durch einen directen satz ausgedrückt: (
Saul) schwur, so war der herr lebt, er soll nicht sterben. 1
Sam. 19, 6; so hab ich bey mir selbs geschworen (spricht der herr) dis haus sol verstöret werden.
Jer. 22, 5; nein, dieses dörfchen soll, eh wir weiter gehn, das schwör' ich dir, herr bruder! ein strafexempel sehn. Hölty 10
Halm; die genesend schwur: jugend und natur sey dem himmel künftig unterthan. Göthe 1, 244; ich schwör' euch, ihr vergehn die sinnen. 12, 140; gib sie ihm; oder er bleibt, so schwur er, im ledigen stande. 40, 279; du hohes land! du schönes land! dir schwören wir auf's neue: dem buben und dem knecht die acht! der füttre kräh'n und raben! Arndt
ged. (1860) 213.
indirecter satz: joh sueris filu heiʒo,ni sîs thero ginozo. Otfrid 4, 13, 34; er swôr, sô ime sîn lîb gelebet imer di zît, daʒ gewaldiclîche sînes vater rîche an ime quême, des zinses er sih benême. Lamprecht
Alex. 2513; vil mancher lobete in und swûr, er wêre mit êren dâ gewesen.
livl. reimchr. 1218; er schweret, er könne nicht. Stieler 1976; das er schwur, ich solt nicht uber den Jordan gehen.
5 Mos. 4, 21; hätt' ich doch geschworen, rief er aus, es sey das portrait einer frau von Saint Alban. Göthe 20, 64.
ein mit dasz
angeknüpfter satz folgt: schweeren das unser anspraach rächt und billich seye. Maaler 366
d; jah aftra afaiaik miþ aiþa svarands þatei ni kann þana mannan.
Matth. 27, 72; die bauren musten dem marggraven sweren, daʒ sie im die gült zu ewigen tagen raichen wolten.
d. städtechron. 2, 148, 9; hieʒʒen si schweren, daʒ si mit lib und mit guot in der stat wölten beliben. 4, 35, 3; so schweret mir, das jr mir nicht wehren wolt.
richter 15, 12; welchen schwur er aber, das sie nicht zu seiner ruge komen solten.
Hebr. 3, 18; ich schwöre dir, dasz ich dich hasse. Schiller
Fiesko 5, 16; suar in io zi noti,thaʒ er nan sar nirknati. Otfrid 4, 18, 31; sem mir got, sô swüre ich wol daʒ hie diu wîp beʒʒer sint danne ander frouwen. Walther 57, 5; nu swuor ouch her Tristan, daʒ er wolde Îsôten hâ
n. H. v. Freiberg
Trist. 505; es ist vom höchsten gutt viel redens und geschrey: ich schwere dasz disz gutt allein die liebe sey. Angelus Silesius 133, 242
neudruck; ich schwere, dasz, vor angst, ich wenig ruh genossen. Canitz
ged. (1727) 212; ich schwör' es dir, vor Amors ohren, dasz ich — — ach! dasz ich falsch geschworen. Lessing 1, 61; fast schwür ich, dasz ich hell gewacht. Bürger 16
a.
folgender infinitiv mit zu: schweeren unnd beym eyd verheissen etliche wort zehalten. Maaler 366
d; doch muesten die juden schweren, ir leib und ir guet nit zu verkeren.
d. städtechron. 5, 8, 23; schwur den vertrag zu halten. 2
Macc. 13, 23; schwör ich das licht des tages nicht mehr zu grüszen. Schiller
räuber 4, 5
schauspiel; schwurest, uns nie zu verlassen. 5, 2; sie schwur eine solche höhle nicht zu betreten. Göthe 11, 283. die kômen frôlich und swuoren im ze helfen. Ottokar
reimchr. 159; du nennst mir zeit und ort, du schwurst mir gleich zu kommen. Günther 296; ich schwör es dir, o Laura, dich zu hassen. Lessing 1, 61.
bestätigung einer thatsache: schwur bey den göttern, solches war zu seyn.
buch der liebe 187
c.
ebenfalls nur der älteren sprache möglich ist die anfügung des inf. ohne zu: mit allen sînen mannenswuor ir dô Rüedegêr mit triwen immer dienen.
Nib. 1198, 1; daʒ wir iu niht swern sullen iwer gebot erfullen. Ottokar
reimchron. 41251; sie hon gesworn Jhesum brengen umb sin leben.
Alsfeld. passionssp. 187. 1010) einem schwören, einem einen eid schwören,
ihm den eid ablegen; zu den schon passim gegebenen beispielen vgl. noch: oba Karl then eid, then er sinemo bruodher Hludhuuige gesuor, geleistit. Nithard
hist. 3, 5;
qui iurat proximo suo, der andermo man sueret. Notker
ps. 14, 4; wer seinem nehesten schweret, und helts.
ps. 15, 4; auff das ich den eid halten müge, den ich ewrn vetern geschworen habe.
Jer. 11, 5; Gode und Marie hebbe gi gesworen einen êt.
dodes danz 547; ihr habt mir einen eid geschworen, ihr wollt nicht von mir wanken.
wunderhorn 1, 126
Boxberger; man kan yetz nüt verkouffen me, man hab dann gott geschworen ee (
man kann keinen handel machen, ohne gott unnütz im schwur anzurufen; doch s. Zarnckes
anmerkung). Brant
narrenschiff 48, 82.
durch eid einem bestätigen oder versprechen: in das land, das du jren vetern geschworen hast.
4 Mos. 11, 12; da nu sich die zeit der verheiszung nahet, die gott Abraham geschworen hatte.
ap.-gesch. 7, 17; schwur ich ihr, schwur ich mir, dasz es ewig so seyn sollte. Göthe 10, 54.
prägnant: das was der bös Ischarioth, der seinen herrn der bösen rott geschworen und verrathen. Gerhardt 31, 27
Gödeke. besonders zur bezeichnung, dasz ein treu-, dienstleistungs-, ergebenheitsverhältnis eingegangen wird; schwören
kann dabei prägnant gebraucht werden: einem im krieg schweeren, sich mit dem eyd einem hauptmann verpflichten und underwerffen, verbinden. Maaler 366
d; do man dem bischoff swur.
d. städtechron. 4, 24,
anm. 1; daʒ man dem niwen künk Wentzelawen solt schwern zuo ainem römischen künig. 46, 1; wie der kaiser und sein sun kunig Wentzlaw begerten an die reichstett in ze schweren. 5, 16, 6; die obersten der gemeine schwuren jnen.
Josua 9, 15; im schweren als dem, der vom römischen stuel bestätt wär. Aventin
bair. chron. 2, 498, 15; sie haben dem keiser nicht wöllen schweren. Reiszner
Jerus. 1, xxv
a; allen, die dem könig und der kirche gutwillig schwören würden, sagte sie in seinem namen eine gänzliche begnadigung zu. Schiller 7, 299; er bat daʒ er im swuoreund von im niht fuore.
exodus 124, 28
Diemer; de van Bunne, as si sulden, saich man eme sweren unde hulden.
d. städtechron. 12, 71, 1720.
in neuerer poetischer sprache in freierer anwendung: diesz ist das bild von einem dichter, der früh, sich selbst der strengste richter, der kunst sein ganzes leben schwor. Göckingk 1, 214 (1780); da meine harf' ich gott und der tugend schwur. Voss 3, 33; zum sehen geboren, zum schauen bestellt, dem thurme geschworen gefällt mir die welt. Göthe 41, 308; die übrigen alle haben einer gewissen philosophie geschworen. Lessing 3, 378; bin ihm geschworen (
ich gehöre ihm durch geleisteten treueid zu; stärker als ich habe ihm geschworen). Alexis
hosen des herrn von Bredow12 258. 1111)
in älterer sprache steht statt des accusativs bei schwören
auch der genitiv, den inhalt, die richtung des eides zu bezeichnen (
vgl. gramm. 4, 669): that thu man ni slah,ni thu mênes ni sweri.
Hel. 3270; wan wir sîn swuoren beide.
klage 1253; daʒ ich des niht meines swer.
minnes. 3, 188
a Hagen; und daʒ daʒ niemen möht erwenden, des wart beidenthalp gesworn. Ottokar
reimchr. 537; eʒ wullen auch der schultheiʒ und di burger vom rat alle di strafen an leib und an gut, di mains sweren.
Nürnberger pol. 69. 1212)
zum gebrauche des part. perfectums (
s. oben theil 4, 1, 2
sp. 4008);
durch schwur gefestigt, bestätigt u. ähnl.: conjuratio, geschworne verbündnusz Corvinus
fons latinitat. (1660) 337
b; geschworne abrede Kramer
deutsch-ital. diction. (1702) 2, 719
b; geschworne zeche Scherz-Oberlin 1465; das auch wider ir geschworn statpuech ist.
d. städtechr. 5, 300, 3; dieses ist aber wie ein angenommenes und geschwornes handwerkswort. Winckelmann 5, 99; geschworne briefe
brem. wörterb. 4, 1130;
freier, geschworner streit (
vergl. unter geschworner feind),
durch stillschweigenden pact dauernder: bin ich mit ihr doch im geschwornen streite. Göthe 41, 329.
als besondere verbindung ist zu erwähnen der geschworene montag,
an dem die amtseide geleistet wurden, in Koblenz entstellt zu schwerer montag (
montag nach den heil. 3
königen). Andresen
volksetymol.4 111. Scherz-Oberlin 1465. geschworen,
wer geschworen hat, durch eid gebunden ist; in diesem sinne geschworen sein zu etwas (
vgl. altn. sem hann var svarinn.
quelle bei Cleasby-Vigfusson 610
a); ordnung, darzu man geschworn ist.
quelle von 1527
bei Dief.-Wülcker 850.
in der rechts- und verwaltungssprache in den mannigfaltigsten verbindungen: sworne riuchteren.
fries. rechtsquellen 481, 29; einem gesworen bercmeister.
quelle im mhd. wb. 2, 2, 772
a; geswarn schriber.
quelle von 1398
bei Dief.-Wülcker 850; geschworne zeugen Kramer
deutsch - ital. diction. (1702) 2, 719
b; geschworne meister
ebenda; ungeschworen,
nicht durch eid gebunden, nicht geschworen habend. ebenda; nicht geschworen,
iniuratus Henisch 822, 10; ein geschworner rath, geschworne bürger Steinbach 2, 552; do santen die herren von Pairn iren geschworen raut zuo, daʒ was her Hainrich von Gumppenberg und her Hainrich von Waldegg.
d. städtechron. 4, 40, 17; die andern zwelf gesworn rihter. 144, 27; er wer hertzog Ludwigs diener und geschworner rat. 5, 269, 13; unde se ore huldegheden sworen borgher sind. 16, 40, 30; unter der hand des geschwornen syndici und secretarii. Möser
patriot. phant. 4, 290 (1786).
in substantivischer anwendung: die geschworne eines handwercks. Kramer
deutsch - ital. dict. (1702) 2, 719
b; geschworne,
mitglieder des gemeinderats. Lexer
kärnt. wb. 229,
vgl. Schiller-Lübben 4, 501; all die sworn der stat ze Nürnberg.
Nürnberger pol. 68; geschworner
heiszt in neuerer sprache besonders ein mitglied der laienabtheilung eines schwurgerichtes. zahlreiche zusammensetzungen gehören hierher: berg-, deich-, dorf-, kirchengeschworner
u. s. w., nd. diek-, water-, karkswaren
brem. wb. 4, 1129.
die anwendung des part. perf. in dem geschilderten sinne auf personen auszerhalb der amts- und genossenschaftssprache findet meist bei bestimmten verbindungen statt, gewöhnlich mit verblaszter bedeutung, wobei an eine wirkliche bindung durch schwur nicht mehr gedacht wird. geschworner pruder (
waffenbruder). Schmidel
reise 26
Langmantel. geschworne brüder,
solche die sich treue zugeschworen haben: gutte geschwohrne, gleichsam mit einem nodo Gordiano, oder unauflöslichen knopffe zusammen verwürckte brüder. Butschky
Pathmos 61; ich bin geschworner bruder der grimmen noth.
Shakespeare Richard II. 4, 2; geschworner freund, feind, anhänger, gegner, verehrer
u. ä.: wir sind noch immer die geschwornen nachahmer alles ausländischen. Lessing 7, 452; aber bey diesen herren war es eine ausgemachte sache, dasz ein mann, der sie gern zu bessern leuten machen wollte, als sie es zu seyn lust hatten, ihr geschworner feind sey. Wieland 7, 313 (
d. g. spiegel 2, 14); sein geschworner freund. 8, 275 (mit welchem er einen freundschaftsbund auf leben und tod beschworen habe. 274,
Danischmend 33); der idealist hingegen ist ein geschworner feind alles kleinlichen und platten. Schiller 10, 517; in dem thal von Chamouny lebten zwei geschworne liebste. Keller
apotheker von Chamouny (
Euphorion, ergänzungsheft 1, 138). 1313)
sprichwörtliche wendungen: so meer ghesworen, so meer verloren.
Reinaert 3181; beter ghesworen, wan vorloren.
Reinke de vos 2973; besser geschworen als verloren! so sagte mir ernst ein weiser im beichtstuhl: ein gezwungener eid bedeute wenig. Göthe 40, 102. besser geschworen, denn verlohren. Henisch 322, 26; besser eide schweren, dann ruben graben. Henisch 833, 13; es schwert einer sänffter ein eyd, als das man holtz hawet. Lehmann
bei Wander
d. sprichw.-lex. 4, 481; hoch schweren tieffe lü
gen. Petri
d. Teutschen weisheit (1605) 2, Ji 3
b; schweren musz des kramers guht verkauffen. Schottel 1117
a; schweren musz die wahre verkauffen. Kramer
deutsch - ital. dict. (1702) 2, 719
b; wie jener edelmann sagt, es hab einer gut schweren der vorhin desz teuffels ist. Ayrer
proc. jur. (1600) 478; wer offt schwert, der sündiget offt. Petri
der Teutschen weisheit (1605) 2, Jii 1
a; der eid ist gut, wer recht schweren thut. Henisch 823, 17; mit eidschweren ist nicht zu schertzen. 28; es wirdt kein eid geschworen, es wirt ein seel verlohren. 26; wer schwört ein falschen bösen eid, versagt jhm selbst die seligkeit. 33.