schwanken,
verb. hin und her schwingen, wanken, taumeln. junge ableitung zu dem adj. schwank.
mhd. swanken (
nicht alt) Lexer
handwb. 2, 1336
f., nl. swancken
librare, vibrare, quatere: et vacillare, titubare, fluctuare, labare Kilian,
jetzt zwanken
geschrieben. mundartlich in der Schweiz schwanke (
wenig gebräuchlich) Hunziker 234,
bair. schwanken Schm. 2, 640,
nd. swanken ten Doornkaat Koolman 3, 371
b,
daneben swunken Danneil 219
b.
neben schwanken
steht schwenken.
jetzt werden beide so unterschieden, dasz schwanken
durchweg intransitiv, schwenken
transitiv gebraucht wird, der gewöhnlichen bedeutung dieser ableitungen (
*swankôn
und *swankjan)
gemäsz. in der ältern sprache ist dieser unterschied nicht so durchgehend. namentlich wird auch schwanken
sehr oft transitiv gebraucht, s. u. 2.
seltener ist intransitives schwenken (
s. das.)
bez. schwänken,
z. b.: und als Doon für fuor, gab er im mit sinem kallen uff den schilt ein so hertten streich, das er sich darab duckt. do im Morgant gsach schwäncken (
wanken), erwuscht er in by den armen und warff inn usz dem sattel.
Morgant 62, 5
Bachmann; (
d. fuchs) legt sich auff die erd gleich als were er todt, sein augen verkert er, liesz die lefftzen hangen, den hals schwencken. Franck
sprichw. 1, 101
a; sie aber war an ehren stät gar lang, bisz er mit grossen schencken doch endtlichen jr ehr macht schwencken. H. Sachs 1, 151
a.
vgl. auch Weigand 2, 660. 11)
gewöhnlich intransitiv: vacillare .. wancken, swancken. Diefenb.
gloss. 604
b (
voc. v. 1440); schwancken mit den füssen,
talpedere, vacillare Dasyp.; schwancken, wancken, wanckelen,
vaciller, brasler çà et là, ballancer Hulsius 292
b; schwanken, wankelen,
fluctuare, vibrare .. titubare Schottel 1412;
vibrare, fluctuare, vacillare, titubare, et nonnunquam claudicare, ac languere flaccereque Stieler 1985,
nutare Wachter 1483. 1@aa)
eigentlich, sich hin und her bewegen, von zweigen, bäumen u. ä.: auf einen hintergrund von schwankenden baumzweigen. Göthe 26, 35; die trauben sind zeitig und beschweren die ranken, die lang und schwankend niederhängen. 27, 77; ach linde, grüne linde, wie schwankst du froh im winde. Ludwig 1, 37;
im bilde: hinaus schwindelnd ins grab des verderbens auf des lasters schwankendem rohr. Schiller
räuber 3, 2
schausp.; anderes: die grossen hüte schwankten auf ihren köpfen, wie auf zaunstecken. Pestalozzi
Lienh. u. Gertr. 2, 32; die schwankenden federn des hutes schienen hinüber zu grüssen. Hauff
bettlerin 37; zehntausend leichte gondeln fahren jetzt geschäftig unter ihren brücken durch, und maste schwanken um sie her! Platen 310
b (
lig. von Cambr. 3). (lauf der) flinte schwankt,
wenn der schütze unsicher ist: eine minute lang blieb der lauf meiner flinte ungewisz zwischen dem menschen und dem hirsch mitten inne schwanken. Schiller 4, 71; der wagen schwankt,
neigt sich beim fahren bald auf diese, bald auf jene seite: schwer herein schwankt der wagen. 11, 315. 1@bb)
sich auf und nieder bewegen, von gegenständen, die auf dem wasser treiben: der kahn schwankt und gleitet eine strecke vorwärts. Göthe 17, 360; sprang ich plötzlich auf, und trappelte so, dasz der kahn heftig schwankte. Bettine
briefe 2, 77; da rauscht der kahn durch hangende gesträuche, ... schwankt jetzt hervor, tanzt wieder auf dem teiche. Hölty 168
Halm; er stöszt schon ab. gott helf dir, braver schwimmer! sieh, wie das schifflein auf den wellen schwankt! Schiller
Tell 1, 1; nie hat dies schiff im sturme so geschwanket wie unser häuschen, wenn mein weib gezanket. Uhland
ged. (1864) 432.
im bilde: mir gefällt ein lebendiges leben, mir ein ewiges schwanken und schwingen und schweben auf der steigenden, fallenden welle des glücks. Schiller
braut von Messina 1, 7.
ähnlich bildlich: wo ich die jugend lebte, gepflegt von meinem alten ritter Horst, der nun in grabes sicherheit, da wir im ärger dieser welt noch schwanken. Arnim 5, 55; es will mir Schlesien wohl, und Polen schwankt, wie sturmgepeitscht ein schiff, in meinen hafen. Grillparzer
4 5, 33 (
könig Ottokar 1). 1@cc)
ähnlich von leitern, brücken u. s. w.: dasz ich zwar herzhaft die strickleiter ergriff, aber nach dem ersten tritte auf dieser schwankenden stiege alle mühe hatte, mich bey muth zu erhalten. Thümmel
reise 7, 109;
im bilde: dieses zittern seiner saiten ist das schwanken einer brücke, drauf zurück zum erdenglücke sehnsuchtsvoll die geister schreiten. Lenau 2, 69
Koch (
Mischka).
von den schalen einer wage, im bilde: dasz er den harfner nicht zu verstoszen brauche, war kein kleines gewicht auf der wagschale, und doch schwankte sie noch hin und wieder, als er seine freundin Aurelie gewohnterweise zu besuchen ging. Göthe 19, 128; die schalen für Ferdel und Wastel schwankten beständig. Anzengruber
3 4, 96 (
sie war unschlüssig, welchen sie wählen sollte). 1@dd) mauern, wände, gebäude schwanken,
als vorbote des drohenden einsturzes: ein schwankendes gebäude braucht des erdbebens nicht, um über'n haufen zu fallen. Schiller 2, 63 (
räuber 2, 1
schauspiel); sieh doch bruder! siehst du nicht, wie die lockern wände schwanken? Lessing 1, 80.
vergl. auch: und es bebt' und wippt' und wiegte, und es schwankt' und schwappt' und schwaumelt', und es kreischt', es risz, zersplisz, ritz an ritz, die mauer rings! Immermann 12, 80 (
Tulif. 2, 6).
so auch: alle männlichen mitglieder .. stemmen mit äuszerster kraft der schultern an eine seite des pfeilers, .. sie drücken und drücken, und siehe, er schwankt! er schwankt nicht nur, sondern er dreht sich auch. Vischer
auch einer 1, 199,
vgl. s. 274.
f; starke thürme schwanken, wenn man läutet, gerade beweis ihrer festigkeit. 2, 136;
ähnlich von einem baume: ein fruchtbarer baum, der hoch wuchs empor, wenn ihm nun steht das verderben bevor, die blätter welken, die wurzel krankt, der wipfel nieder zu boden schwankt. Rückert
Firdosi 1, 312. 1@ee) das licht, sonnenstrahlen schwanken durch die baumstämme
u. ähnliches: und mit schwankenden lichtern, durch's laub, überblickte der mond sie. Göthe 40, 320.
vergl.: die einzelnen rothweiszen häuser schwankten durch die besonnten baumstämme. J. Paul
flegelj. 1, 54. — augen schwanken,
blicken hin und her: auch hab man wol acht der fünff sinn und meid all bösz gedancken ... lasz die augen nicht schwancken. Ayrer 2130, 17
Keller; das mägdlein sprach: 'steig ab, steig ab!' ihre äuglein schwankten auf und ab.
wunderhorn 2, 140
Boxberger. 1@ff)
von menschen, mit bezug auf den gang, taumeln, wie betrunkene, kraftlose u. s. w.: schwancken, nit wol auff den füssen mögen geston, als die truncknen und kranck(n)en,
titubare, incerto pede ferri, vacillare. anfahen schwancken, wöllen fallen, zum faal gericht sein, zum faal sencken,
labascere. niderfallen oder schwancken. von trunckenheit schwancken. Maaler 366
a; hin und wieder schwanken,
lapsare. er schwanket hin und wieder vom trunke. Stieler 1985; schwanken, unbeständig gehen, zittern, sich mit mühe auf den füssen halten,
titubare Frisch 2, 242
a; in deinem thun so wenig zuverläszig .., als ein schwankendes kind in seinen schritten zuverläszig ist. Pestalozzi 3, 222; sie fühlt nicht, dasz ihr herz pocht, dasz ihre füsze schwanken. Göthe 17, 360; auf dem linken arme das kind, in der linken hand das buch, in der rechten das ruder, schwankt auch sie und fällt in den kahn.
ebenda; ainer swankt hin der ander her wider, etzlicher viel da nider, den der win uberwant. Laszberg
lieders. 3, 405, 253; hier schwank ich unter der geliebten last. Ramler
bei Campe 5, 190
a (
s. v. unter). schwankend gehen: sie ging schwankend, auf den arm des jungen mannes gestützt. W. Hauff
bettlerin 37.
manchmal steht auch schwanken
für '
schwankend gehen',
sodasz der begriff der fortbewegung mehr hervortritt, so mit angabe der richtung durch ortsadverbien oder präpositionelle wendungen: vor, zurück, hin und her schwanken
u. a. m., auch als éin wort geschrieben, s. daselbst: die amme schwankt an ihren stuhl zurücke. Wieland 22, 196 (
Ober. 5, 10); sie fliegt dem lager zu, wo er an ihrer seite lag, und, wie vom blitz getroffen, schwankt sie zurück — der knab' ist weg. 23, 151 (
Ober. 9, 47); ihr seht uns an mit schelem blick, ihr schwanket vor, ihr schwankt zurück. Göthe 4, 351; aus grönländischem eispalast schwankt der Winter hervor, zacken und reif im bart. Voss 3, 6; wer mit düstern rükgesunknem blike ... schwankt dem stummgetragnen sarge nach? Schiller 1, 106; nur so lange sind die reize gültig mir von diesen schlanken, als ich meine zeder sehe zierlich mir entgegenschwanken. Platen 156
b; ich nahte ihr, da stiesz sie mich zurück und schwankte aus der thür. Hebbel
2 1, 125 (
Genov. 3, 8); dann schwankte er zum fenster. 21 (
Jud. 2);
so auch: meine schritte taumelten und schwankten, als wäre ich betrunken. Vischer
auch einer 1, 72; schwer und dumpfig eine wetterwolke durch die grüne ebne schwankt der marsch. Schiller 1, 231.
von thieren: hier flieht ein leichtes reh, es schwankt und sinket dort. Haller
ged. 32.
vom fluge eines vogels: schwanke hin, beredsamer vogel, sprach sie, von baum zu baum. Musäus
volksm. 1, 15
Hempel. vom schweben eines geistes: still sieht man den junker wallen, schwankend, wie ein geist. Kind 2, 116.
ähnlich: ihr naht euch wieder, schwankende gestalten! Göthe 12, 5. 1@gg)
sehr gewöhnlich in übertragenem gebrauche mit vielfachen nuancierungen; so vom menschen, unschlüssig, wankelmütig sein, in seinen entschlieszungen, gesinnungen, urtheilen von einer seite zur andern übergehen, sich nicht gleich bleiben: schwancken, hin unnd wider getriben unnd bewegt werden,
fluctuare. in zweyfel sein,
nutare in aliqua re. das gemüt schwancket unnd ist unstät, unnd weiszt nit was es thuon sol,
fluctuat animus. Maaler 366
a; schwanckende, zweyfflende, das nit weiszt was es thuon sol,
fluctuans. ebenda; schwanken,
etiam dubitare notat, et animô distrahi Stieler 1985; demnach da sie in nicht gar bekehreten, doch biegen und schwancken machten, also, dasz er zuoletst fast alles zuogab. Kirchhof
wendunm. 1, 579
Österley (1, 2, 117); dann solt ich an meinem aller liebsten herren unnd gemahel brichig worden sein, an dem doch meine gedancken nye geschwancket handt.
Galmy 96
b; der charakter sey liebe, so kann er zwischen göttlicher aufopferung und menschlicher erschlaffung ab- und zuschwanken. J. Paul
vorsch. d. ästh. 2, 82; dasz ich in meiner überzeugung schwankend werden soll, und nicht einsehen, von wem dieses mein unglück herrührt. Tieck
don Quixote5 1, 451 (5, 7); so schwankte mir denken und gefühl hin und her. Vischer
auch einer 2, 5; der dorffschultheisz in worten schwanckt. Kirchhof
wendunm. 1, 329
Österley (1, 284); du verklagest das weib, sie schwanke von einem zum andern! tadle sie nicht: sie sucht einen beständigen mann. Göthe 2, 135; und dieser herzog, der sein lebenlang geschwankt hat zwischen bös und gut, kann nicht von herzen hassen noch von herzen lieben. Schiller
jungfrau von Orl. 2, 2; was sinnest du und schwankest, meine tochter, in zweifelnden gedanken hin und her?
Turandot 4, 6; denn dem kann nichts gelingen, der nicht mit seinem glücke wagt den krieg, der hin und wieder schwankt, indessen jeder sinn an trägheit krankt. Tieck
don Quixote5 1, 403 (5, 2). das schwankende,
substantiviert: ich macht' es zum gesetze mir, zur pflicht. allein ein vorfall, der mich nah berührt, hat wieder mich in's schwankende geführt. Platen 217
b.
in etwas anderm sinne: langes hoffen machet das herz schwanken,
exspectatio languorem affert animis Stieler 1985. 1@hh)
in andern verbindungen, von der gesinnung u. ähnlichem: meine schwankende denkungsart ... ärgert mich dermalen nicht im geringsten. Thümmel
reise 5, 325; denn der mensch, der zur schwankenden zeit auch schwankend gesinnt ist, der vermehret das übel. Göthe 40, 337.
von tugenden: nur mit ... schielenden, schwankenden halbtugenden verstattet man aufzutreten. Klinger 11, 11. sinne, gedanken schwanken: und auf den lüften schwanken aus manchem treuen sinn viel tausend liebesgedanken über die schläfer hin. Geibel 1, 12; als wie im traume schwanken trunken die sinne mir. 66;
ähnlich: ich fühl' es so durch's haupt mir schwanken, dasz ich das bild, das helle, das ich von dir trag' im gedanken, oft finde kaum zur stelle. Rückert (1882) 1, 442 (
liebesfrühl. 2, 53). schwankende begriffe
u. ä.: dasz die natur .. doch schlechterdings kein bestimmtes allgemeines und festes gesetz annehmen könnte, um mit diesem schwankenden begriff (
der glückseligkeit) .. übereinzustimmen. Kant 7, 311; ihr fürchtet nur .. ihr gebt mir schwankende vermuthungen. Schiller
dom Karlos 3, 6.
anderes: meine schwankende gesundheit. Grillparzer
4 15, 81; zwischen monarchie und demokratie schwankte der staat hin und wieder, und gieng mit schnellem wechsel von einem extrem auf das andre über. Schiller 9, 144; ungewisz schwankte der sieg von einer seite zur andern. 324; von der partheyen gunst und hasz verwirrt schwankt sein charakterbild in der geschichte. 12, 9 (
Wallenstein, prolog); besser im stillen reift er (
der jüngling) zur that oft, als im geräusche wilden schwankenden lebens. Göthe 40, 270; denn ein wanderndes mädchen ist immer von schwankendem rufe. 309. reden, gespräch, nachrichten schwanken,
wechseln oder gehen von einem zum andern: panischer allarm, leere siegesbotschaften schwanken durch einander. Göthe 6, 200; bald gehen die meinungen gleichen schrittes, bald durchkreuzen sie sich, das gespräch schwankt so lange hin und her, kehrt so lange in sich selbst zurück, bis der kreis durchlaufen und vollendet ist. 36, 211; reden schwanken so leicht herüber hinüber, wenn viele sprechen und jeder nur sich im eigenen worte, sogar auch nur sich selbst im worte vernimmt, das der andere sagte. 1, 336.
so auch: es ist sonderbar, dasz diese halbheit sich auch bisz auf die sprache des genannten dichters (
Geszner) erstreckt, die zwischen poesie und prosa unentschieden schwankt. Schiller 10, 488. 1@ii)
unpersönliche wendungen: es schwanket sehr mit ihme,
satis se pigre movet Stieler 1985;
so auch in folgender stelle (?): in der sach da wull mi (
var. will mis) schwanken.
fastn. sp. 830, 24. Lexer
handwb. 2, 1337
liest wil mirs schwanken
und erklärt '
nicht von statten gehen, nicht glücken'. 1@kk)
unklar ist die bedeutung von schwanken
in folgender stelle: wein, bier und andere schwankende (
flüssige?, vgl. b) waaren.
quelle bei Birlinger 405
a. 1@ll)
der infinitiv erscheint nicht selten substantiviert, eigentlich vom gange (
s. f),
taumeln, schwindel: das hin unnd här schwancken,
vacillatio Maaler 366
a; (
heckenrosenwasser ist gut) für den schwindel und schwancken des gangs. Lonicerus
kräuterb. 61 B; da faszte sie plötzlicher schwindel, den gehobenen arm liesz einer sinken — ein schwanken — ein schrei, er stürzte herab. Scheffel
Ekkehard 195.
übertragen (
s. g): ist ihm ein lied ehrenvoll gelungen, so wird auch das zweite und dritte nicht ausbleiben, aus dem schwanken zwischen furcht und hoffnung die volle freiheit des schaffens werden. Keller
nachl. 62; es handelt sich um deine ehre, und jeder augenblick schwanken in dir wäre ein unrecht. Freytag
dram. 2, 27 (
journalisten 1, 2); naht euch, traumgedanken, tröstet diesen mann! sagt ihm ohne schwanken, was er will und kann! Immermann 19, 221
Hempet, vgl. s. 223. 22)
transitiv: vibrare .. swancken (
vel vas cum liquore) Dief.
gloss. 617
b (
zu b?);
motitare, vide schwenken Wachter 1483;
so besonders in der ältern sprache, mhd. häufiger als intransitiv, auch im 16.—17.
jahrh. noch häufig. seitdem ausgestorben (
nur noch poetisch, s. c),
bez. durch schwenken
ersetzt. die perfectform schwankte
kann auch zu schwenken
bezogen werden, s. daselbst. 2@aa)
eigentlich etwas hin und her bewegen, in schwingende bewegung versetzen, schwenken, schwingen, so von gliedmaszen: ich sehe gerne, wie sie in gedrenge mit den swerten arm kunden swanken, und ob liehte helmevon ir ecken rerten iht der vanken.
der jüngere Titurel 3309.
so noch: er (
der verklärte leib) kan die finger nicht regen, die arm nicht auszstrecken ohn liebligkeit; er kan den odem nicht auszlassen, auch nicht einholen ohn liebligkeit: er kan die füsse nicht bewegen, die seiten schwancken ohn liebligkeit. J.
M. Meyfart
das himml. Jerusalem (1630) 2, 202. —
waffen schwingen: der keyser zeihet das schwert ausz und schwanckets dreimal. Linck v. Colditz
bapsts gepreng (1539) F 4
b.
ähnliches vereinzelt noch im 19.
jahrh. (
dichterisch): aber da sah ich ... dich lebensreichen Rhein, der unsren nachen so begeistert hinschwankt zu der heimath unsrer liebe. Arnim 1,
s. xx; bald klettert' es (
das kind) in epheuranken und liesz sich kühn vom winde schwanken. Tieck 4, 139. 2@bb)
besondere verwendung. gläser schwanken,
durchs wasser ziehen, um sie zu reinigen, ausspülen, vgl. schwenken,
schwankkessel und schwankwasser: der faszhan (
hat) teller auffgelegt ... und der pirgrap die gülden schewerlein (
becher) geschwancket rein von dem haustewerlein. H. Sachs 1, 425
d; lauff, pub, trag auff ein guten wein, ein becher schwanck und schenck uns drein. Tirolff
Isaac u. Rebecca E 7;
dafür auch ausschwanken (
intransitiv, s. theil 1, 964): ey, geh fein nein und hol dir du ein kandel und schwanck sie fein ausz! Ayrer 2917, 32
Keller. so auch den mund schwenken: (
der '
rote stein') ist auch gut zum schorbock, den mund damit geschwänckt. Hohberg 1, 254
b; laszt uns ein weil die keln schwanken!
fastn. sp. 222, 28. den beutel schwanken,
umstürzen, leeren: dasz triben sie da mit mir an als lang, pis das mir gelts zuran, und kunden mir meinn peutel schwanken. 757, 8. 2@cc)
diese gebrauchsweise ist der neuern sprache fremd geworden, doch findet sich zuweilen transitive fügung in dichterisch freier verwendung der gewöhnlichen intransitiven bedeutung, so: die bewegten erlen schwanken ihm aus braunen wipfeln süszen hauch. Fr. Müller 2, 126;
einen kahn zum schwanken bringen: (
ich) trappelte so, dasz der kahn heftig schwankte ... ich schwankte weiter. 'haben sie ruh, es wird mir schwindlich'. — Westerhold wollte mich anrühren, aber da schwankte ich so, dasz er sich nicht vom platze getraute, der schiffer lachte und half schwanken. Bettina
briefw. 2, 77.