schreck,
m.,
schrecken,
m. n. ,
pavor, terror. II.
formales. ahd. ist bezeugt scrig,
ascensus Graff 6, 575, scriche,
cursu Steinmeyer-Sievers 2, 669, 31,
das zu dem ahd. vorwiegenden scricchen (
s. dies unter dem ersten schrecken,
verb.)
gehört und mit diesem in der sinnlichen bedeutung übereinstimmt. es setzt sich mit erweiterung der bedeutung mhd. fort als schric,
gen. schrickes,
sprung, risz, das auffahren, erschrecken, der schreck Lexer
mhd. handwb. 796.
die ältere nhd. schriftsprache kennt es besonders im sinne von '
sprung, risz', schrick,
m. cricco, cricchio, crepaccio, crepatura, di vetro etc. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 670
a: das glas, die scheibe hat einen schrick Kramer
a. a. o. von Frisch 2, 226
c wird es als der gewöhnlichen sprache angehörig (
vulg.),
von Adelung
als landschaftlich bezeichnet und hat sich in dieser anwendung mundartlich bis heute erhalten Klein 2, 142 (
östr.). Schm.
2 2, 597. Castelli 251. Mareta 57
b. Hügel 144
b. Hintner 225. Lexer
kärnt. wb. 226. Vilmar 369.
auch die technische sprache verwendet es so, für dünne öffnungen im glase, in steinernen platten und glocken. Jacobsson 4, 49
b.
bair. heiszt es auch plötzlicher knall, donnerschlag Schm.
a. a. o. sehr selten bewahrt es in hd. mundarten die
mhd. bedeutung '
schrecken' Schöpf 647,
daneben in secundär entwickelter schwacher form schricken
ebenda, so vielleicht schon mhd. (
wo auch ein gleichbedeutendes starkes fem. schricke
begegnet) Lexer
mhd. handwb. 2, 796,
wol unter anlehnung an den substantivierten inf. schricken,
n. Lexer
mhd. handwb. 2, 797.
im folgenden beleg ist nicht ersichtlich ob dieser oder ein schwaches masc. gemeint ist: sag euch disz nit zum schricken, sondern zum hayl und nutz. Schm.
2 2, 597.
das nd. schrik,
schrecken ten Doornkaat Koolman 3, 148 (
daneben schrecken
m. n. Schambach 185
b)
scheint beeinfluszt zu sein durch das gleichbedeutende ndl. schrik,
mndl. schrick,
tremor, terror, horror, formido, pavor Kilian.
nicht hierher, sondern zu dem unter schreien (
formales)
erwähnten schrickeln
gehört schrick, schrecke
als bezeichnung eines vogels, s. dort. —
ahd. begegnet weiter ein starkes fem. screchî
in uuort niderscrecchi,
verba precipitationis Notker
ps. 51, 6
und gâscrechi (gâh-?),
temeritas Graff 6, 575,
dessen stammvocal augenscheinlich umlauts - e
ist. —
der unmittelbare vorläufer unseres schreck, schrecken,
m. ist das seltener als schric
bezeugte, im anschlusz an das intransitive schrëcken
gebildete schwache masc. schrëcke,
schrecken Lexer
mhd. handwb. 2, 789 (
doch ist der character des e
nicht durch den reim mit sicherheit zu erweisen).
diese form setzt sich nhd. fort als schrecke,
terror Dasypodius, schräcken (der) klupff, forcht, die einen im gemüt gantz verwirrt und unrichtig macht,
pavor, terror, terriculamentum, terriculum Maaler 361
b, schrecken, der,
pavor, tremor, horror, stupor, exanimatio, consternatio animi Stieler 1920,
terror, metus concutiens Frisch 2, 223
c. Adelung,
und so heute allgemein. neben diesem gewinnt der substantivierte inf. im nhd. grosze ausdehnung, dessen oblique casus in neuerer zeit mit denen des schwachen masc. formell zusammenfallen. in Luthers
bibel ist das neutrale schrecken
das regelmäszige und noch bis ins 19.
jh. kann es belegt werden, schrecken (das,
infin.)
terror, pavor, consternatio, trepidatio Steinbach 2, 515: auswendig wird sie das schwert berauben, und inwendig das schrecken.
5 Mos. 32, 25; das schrecken zertheilet sich in mitleid. Lessing 12, 49; das schrecken .. war nicht gering. Thümmel
reise 5 (1794), 308; das eine liesz sich durch eine falsche furcht, durch ein unzeitiges schrecken hinreiszen. Göthe 15, 82; ich sahe jn aber gar nicht mehe, als wir das schrecken erst empfiengen, der wasser schlang im grund entgiengen. Rollenhagen
froschm. (1595) Rr 5
a; bildet euch mein schrecken ein! Lessing 1, 64; gibt die hoffnung schnelle füsze, leiht dafür das schrecken flügel. Grillparzer (1887) 3, 32; o wehe! welches schrecken! Uhland (1864) 23.
mit diesem vermischt sich nun in der anwendung auch der substantivierte inf. des transit. schrecken,
besonders in gen.-verbindungen, vgl. unten II, 2,
h. das neutrale schrecken
im sinne von pavor, terror ist heute ungebräuchlich. dagegen steht das wahrscheinlich erst in nhd. zeit unter anlehnung an das alte schric
entstandene starke schreck
dem schwachen masc. schrecken
heute gleichberechtigt zur seite (
für das vorkommen in mhd. zeit beweist die unter II, 2,
b angeführte stelle gesammtabent. 1, 310, 1044
nichts, da elision vorliegen kann, vgl. Lexer
mhd. handwb. 2, 789).
es begegnet seit dem 16.
jh.: schreck,
m. forcht,
un effroy, espouventement, estonnement, frayeur Hulsius (1616) 289
a, schrekk,
m. terror, horror Schottel 1409, schreck,
m. horror, terror Steinbach 2, 514,
terror, pavor Wachter 1464. Campe: Juda ist allen heiden ein schreck worden. Reiszner
Jerus. 2, 60
a,
bleibt aber lange im gebrauche hinter schrecken
m. n. zurück. noch Adelung
bezeichnet schreck
als unrichtige verkürzung. dasz die endung -en
nicht entbehrt werden könne, trete in den obliquen casus hervor. wenigstens habe noch niemand schreckes, schrecke
decliniert. heute läszt sich das nicht mehr behaupten. wendungen wie sich von den folgen des schrecks erholen, vor schreck erblassen
sind durchaus nicht ungewöhnlich. ungebräuchlich ist allerdings die vollere dativform schrecke. schreck
erscheint auch in der gleichen sinnlichen bedeutung wie schrick,
s. unten II, 1. —
über die ablautenden nebenformen schrack, schrockschruck (
das erste ist a-
bildung, das zweite i-
bildung)
s. diese. anlehnung an schrock
zeigt die ältere schreibung schröck, schröcken,
wie sie Göthe
und Schiller
in jüngeren jahren anwenden, s. schrecken,
verb. terrere: mit demselben machte ich mich lustig und erzehlte ihm, dasz mir der mohr den schröcken, den er und seine köchin neulich empfunden, wieder eingetränkt hätte.
Simpl. 1, 277, 20
Kurz; es ist der schrök.
der junge Göthe 3, 588; den schröken fühl ich jahr und tag in den gliedern. 589; mein erster schrök, und eure nahe gefahr lieszen mich kaum zwei minuten dort. Schiller 3, 117. —
über schrecke
in heuschrecke
s. dieses oben theil 4, 2, 1293,
in besonderer technischer anwendung s. unten II, 4,
a. IIII.
bedeutung und gebrauch. II@11)
die alte sinnliche bedeutung des zugehörigen verbs tritt hervor in der technischen und landschaftlichen verwendung von schreck
im sinne von '
sprung, risz',
wo es allerdings seltener ist als schrick (
s. das formale). schreck,
macula vel rima adamantis aut vitri Steinbach 2, 514,
bruch im eisenblech Jacobsson 4, 45
b,
sprung im glase Albrecht 206
b. II@22)
gewöhnlich wird schreck,
m. und schrecken,
m. n. wie das verb bezogen auf plötzliche gemütserschütterung, wie sie eine unerwartete gefahr hervorruft, seltener auch allgemeiner auf überraschung, plötzliche freude. II@2@aa)
solche anwendung zeigen die folgenden belege: von der slege und von schrecken wegen die siu gelitten hett gebar siu ein tôd kint.
quelle des 14.
jahrh. in Wackernagels
altd. leseb.2 943, 5; zur selben zeit, werden boten von mir (
gott) ausziehen in schiffen, Morenland zu schrecken, das jtzt so sicher ist, und wird ein schrecken unter jnen sein, gleich wie es Egypten gieng, da jre zeit kam.
Hes. 30, 9; als er des schreckens halber wider zu im selber kommen, hat er befunden, das im das podagra vergangen.
Zimmerische chron. 4, 283, 19; der schreck ist die plötzlich erregte furcht, welche das gemüth auszer fassung bringt. Kant 10, 281; stöhnen erleichtert den schmertz, so wie der aufschrei das schrecken. Hippel 4 (1828), 21; sollte mir ein neues schrecken bevorstehen? Gotter 3, 114; was kann der schreck nicht? Schiller
räuber schauspiel 2, 1; und wenn lust und freude sehr geschickt sind, die liebe zuerst zu erzeugen und im stillen zu nähren; so wird sie, die von natur herzhaft ist, durch den schrecken am leichtesten angetrieben, sich zu entscheiden und zu erklären. Göthe 19, 282. II@2@bb)
es heiszt schrecken kommt einen an,
in ältrer sprache: schrecken, angst und schmertzen wird sie ankomen.
Jes. 13, 8; denn es war jn ein schrecken ankomen.
Luc. 5, 9;
ähnlich mhd.: dô ir vater daʒ vernam, ein schrek im an sîn herze kam.
gesammtabent. 1, 310, 1044
Hagen. biblisch auch schrecken kommt über einen: darumb kompt uber euch einwoner des landes, schrecken, grube und strick.
Jes. 24, 17. schrecken nimmt einen ein. Gellert 1, 236 (
die stelle s. unter g), überfällt,
älter fällt über, befällt einen. Adelung: es wird jn schrecken uberfallen, wie wasser.
Hiob 27, 20; doch fiel ein gros schrecken uber sie, das sie flohen und sich verkrochen.
Dan. 10, 7; es hat ihn ein schrecken überfallen,
terror eum invasit Steinbach 2, 515; das schrecken überfällt die gemüther,
pavor intrat animos. ebenda; nun überfällt in trüber gegenwart der zukunft schrecken heimlich meine brust. Göthe 9, 179, ergreift einen,
auch ergreift das ohr,
dichterisch: welch ein schrecken ergriff sein deutsches ohr bei dieser dissonanz! Thümmel
reise 2 (1791), 64. schrecken fährt einem in, durch die glieder: der schrecken ist mir in die glieder gefahren Adelung, lähmt die glieder: das schrecken lähmt die glieder. Zachariä
verwandl. 2, 145; es lähmt der schrecken mir alle glieder. Göthe 11, 106,
ähnlich: noch zittert ihr der schreck durch jede nerve. Lessing 2, 194. schrecken sträubt das haar empor: siehe das schrecken sträubt mir das haar empor dasz mir seine spitzen den brautkranz herabstoszen. Leisewitz
Jul. von Tarent 99. schrecken überwältigt einen: der schrecken überwältigte sie. Schiller
kabale 2, 7, verstummt, macht stumm:
Gambriv. macht dich das schrecken stumm?
Brenno. verstummt etwa das schrecken allein? der zorn nicht auch? Klopstock 9, 346, tödtet: das schrecken hat den unglücklichen knaben getödtet. Gerstenberg
Ugolino 5.
aufzug. sprichwörtlich: schrecken macht verzagt. Petri (1605) 2, Ss 5
b; schreck wirft (auch) starke leut' in dreck. Wander 4, 333. II@2@cc)
man empfindet schreken.
Simpl. 1, 277, 20
Kurz. Klopstock 5, 16 (
Mess. 11, 186,
die stellen s. unter dem formalen und II, 2,
g), hat schrecken: ich habe einen rechten schreck ge habt. Campe,
in älterer sprache auch: schrecken empfangen Rollenhagen
froschm. Rr 5
a (
die stelle s. unter dem formalen), einnehmen,
terreri, terrori affici Dentzler 2, 255
a: nun kondt die Oriana nicht allein der arbeit und mühe, so sie gehabet, sondern auch des eingenommenen schreckens halben nicht von dem ort, da sie Arcalaus fallen lassen, auffstehen.
Amadis 1, 359
Keller; entsprechend persönlich passivisch gewendet mit schrecken eingenommen werden,
praeocupari timore animi Stieler 1920, von schrecken: von schrecken, furcht und schmerzen eingenommen, sieht kaum der wanderer, dasz er der noth entronnen. Lessing 1, 125; schrecken nehmen: er nam gar bald ein groszen schrecken. Alberus
fabeln 10, 17; man fühlt den schrecken in den gliedern.
der junge Göthe 3, 589 (
die stelle s. unter dem formalen). II@2@dd) ein schräcken gäben oder erschräcken,
terrori esse Maaler 361
b. ein neüwen schräcken bringen,
afferre terrorem. ebenda. schrecken erregen, erwecken, erzeugen: ein gegenstand aber, der den bedingungen unsers daseyns widerstreitet, der in der unmittelbaren empfindung schmerz erregen würde, erregt in der vorstellung schrecken. Schiller 10, 129. Göthe 18, 112. 38, 49 (
die stellen s. unter g und f).
dichterisch etwas gebiert schrecken: sein (
Eugens) schwerdt, das schlag und sieg vermählt, und, wenn es irrt, aus groszmuth fehlt, gebiehrt dem feind ein neues schrecken. Günther 123. eim ein schräcken angwünnen, einen erschräcken,
injicere terrorem, terrorem offerre Maaler 361
b, jemanden einen schrecken machen, verursachen Adelung: der erste mann der mir schreken macht. Schiller
kabale 2, 2, einen schrecken oder forcht einjagen,
effrayer, estonner, espouventer Hulsius 289
b, schrecken einjagen,
trepidationem injicere Stieler 1920, einem ein schrecken einjagen,
terrorem alicui injicere Steinbach 2, 515, einen schrecken Adelung ('
im gemeinen leben'): das kleine schrecken, das er (
der gemeiszelte Amor) jedem einjagt, der unvermuthet auf ihn trifft. Thümmel
reise 2 (1791), 186,
in älterer sprache auch einstoszen: jnen vil schrecken einstoszen. Eppendorf
Plut. 13; dasz man ihnen ein schrecken einstosz und jage. Fronsperger
kriegsb. 3, 201
b, abjagen: das blitzmädel, was sie mir für einen schreck abgejagt hat. Lessing 1, 416. den schreck abwenden: das fräulein wäre vor angst in die eingeweide der erde gekrochen, hätte der schlaf den schreck nicht abgewandt. Wieland 4, 226 (
n. Amadis 10, 4, 10). II@2@ee) in schrecken gerathen Adelung,
biblisch fallen: da er bey dem gotteskasten stehet mit kriegsknechten, that der allmechtige gott ein gros zeichen, das er und so umb jn waren, sich fur der macht gottes entsatzten, und in ein grosse furcht und schrecken fielen. 2
Macc. 3, 24, kommen: wer seinen mund bewaret, der bewaret sein leben, wer aber mit seinem maul her aus feret, der kompt in schrecken.
spr. Sal. 13, 3, zu schrecken kommen: wärst du zu schrecken gekommen, mir wär' es herzlich leid. Uhland (1864) 227. sich vom schrecken erholen. jemanden in schrecken setzen. Adelung, vor schrecken bewahren: gott bewahre mich vor schrecken,
ausruf des schreckens, der verwunderung Albrecht 206
b. voll schrecken sein; man sieht auf der abbildung, wie er voll schrecken ist und ihnen winket. Hebel 2, 168, in schrecken: doch sind sie in schrecken und angst um mich! Göthe 11, 108. voll schrecken etwas thun: voll schrecken fuhr der jüngling auf. Herder 28, 224
Suphan, im schrecken: so gehn sie miteinander im schrecken und wahnsinn in's haus zurück. Hebel 2, 167, vor schrecken: vor schrecken zusammenfahren Adelung, die sprache verlieren: ich habe vor schreck die sprache verloren, sagte die frau zum richter. Petri
bei Wander 4, 333, sterben, tod sein: ich freu mich, das der Wundrerer ist tat, meins lebens het ich mich verwegen. hett ir unser so wol nit pflegen mit edler speis und gutem wein, vor schrecken must wir all tot sein.
fastn. sp. 552, 14
Keller, auch vom schrecken: niemand stirbt vom schrecken, wenn er ein mann ist,
animus virilis metu haut frangitur Stieler 1920. vor schrecken
als adverbiale bestimmung eines adj.: die schon vor schrecken kalten glieder streckt er starr von sich weg, so sehr er immer kann. Lessing 1, 126. mit schrecken: wie werden sie plötzlich zu nichte, sie gehen unter, und nemen ein ende mit schrecken.
ps. 73, 19,
im anschlusz an diese stelle: lieber ein ende mit schrecken als ein schrecken ohne ende.
ausspruch Schills 1809. mit dem bloszen schrecken davon kommen: dasz die österreichische grenze in dem folgenden jahre wieder völlig von feinden gereinigt war, und das zitternde Wien mit dem bloszen schrecken davon kam. Schiller 8, 403. ohne schrecken: dem tode ohne schrecken entgegen gehen. Adelung. II@2@ff) schrecken
mit sinnverwandten begriffen zusammengestellt: der hase erschricket gerne unde hât alle zît vorhte unde schrecken an sînem herzen. Berth. v. Regensburg 1, 556, 39; wir werden gedruckt und geplagt, mit schrecken und angst.
klagel. Jer. 3, 47; zittern und schrecken kam sie
an. Jud. 4, 2; darumb kam eine seer grosse furcht und schrecken in das volck. 1
Macc. 7, 18; und der tempel, der zuvor vol furcht und schrecken gewest war, ward vol freuden und wonne. 2
Macc. 3, 30; als er aber den ersten hauffen des Maccabei ansichtig ward, kam die feinde ein furcht und schrecken
an. 12, 22; und es war ein tag, grosser finsternis, trübsal und angst, und war ein gros jamer und schrecken auff erden.
stücke in Esther 7, 5; wie sie sich vor schrek und bestürzung in bettlacken wikelten. Schiller
räuber schauspiel 2, 3; wie ein löw, dessen zorn der bitter hunger wözet, erfüllend sich, die lüft, die wäld, leut und vihzucht, mit grim, gebrüll, forcht, schrecken, flucht, stracks seinem raub nachsötzet. Weckherlin 89; das schrecken und das graun sasz auf den wasserwogen. Hölty 10, 76
Halm. von der furcht
unterschieden: und dieses (
das tragische schrecken) — hätte man gar nicht schrecken nennen sollen. das wort, welches Aristoteles braucht (
φόβος), heiszt furcht: mitleid und furcht, sagt er, soll die tragödie erregen; nicht, mitleid und schrecken. es ist wahr, das schrecken ist eine gattung der furcht; es ist eine plötzliche, überraschende furcht. aber eben dieses plötzliche, dieses überraschende, welches die idee desselben einschlieszt, zeiget deutlich, dasz die, von welchen sich hier die einführung des wortes schrecken, anstatt des wortes furcht, herschreibet, nicht eingesehen haben, was für eine furcht Aristoteles meine. Lessing 7, 333; der mensch hat bei eignen und fremden leiden nur drey empfindungen, furcht, schrecken und mitleiden, das bange voraussehen eines sich annähernden übels, das unerwartete gewahrwerden gegenwärtigen leidens und die theilnahme am dauernden oder vergangenen. Göthe 38, 49; die bildende kunst, die immer für den moment arbeitet, wird, sobald sie einen pathetischen gegenstand wählt, denjenigen ergreifen der schrecken erweckt, dahingegen poesie sich an solche hält, die furcht und mitleiden erregen.
ebenda. II@2@gg)
man nennt den schrecken jäh, plötzlich, unerwartet, gäher schräcken,
consternatio Maaler 361
b; plötzlicher schrecken,
pavor subitus Stieler 1920: das du dich nicht fürchten darffest fur plötzlichem schrecken.
spr. Sal. 3, 25, schnell, schleunig: ein schnelles, unbezwingbares schrecken ergriff ihn, als er den vollen, himmelglänzenden kreis der ungefallnen erblickte. Klopstock 4, 171 (
Mess. 9, 511); schleuniges schrecken ergriff sie. 5, 163 (13, 54), grosz
Dan. 10, 7 (
die stelle s. unter b), ungeheuer: wie ein gespenst um mitternacht, das ungeheure schrecken erzeugt, in folgenden augenblicken der fassung für ein kind des schreckens gehalten wird. Göthe 18, 112, klein Thümmel
reise 2, 186 (
die stelle s. unter d), panisch,
plötzlich und gewaltig, oft ohne erklärliche ursache eintretend, besonders bei einer menge menschen, einem heere und dergl., nach dem griech. πανικὸν δεῖμα,
vom gotte Pan herrührender schrecken, vgl. oben theil 7, 1422: dem ersten panischen schrecken zu steuren, das einen kleinmüthigen leser befallen könnte. Lessing 10, 12; darüber ergrimmte freund Rübezahl dergestalt, dasz er alsbald ein panisches schrecken auf die herde (
schafe) fallen liesz. Musäus
volksm. 1, 34
Hempel; ein panisches schrecken bemächtigte sich aller zuhörer. Moritz
Ant. Reiser 67, 13
neudruck; ein panischer schreck schmeiszt alle zu boden. Schiller
räub. schauspiel 2, 3; er fiel .. in ein so panisches schrecken, dasz die frau gemahlinn ihm ein riechfläschchen holen muszte. Hippel
ritter A —
Z 1, 25; wer es sah, ging auch im panschen schrecken schneller. Zachariä
renomm. 1, 171. der erste schreck: der weg zum mitleid wird dem zuhörer zu lang, wenn ihn nicht gleich der erste schreck aufmerksam macht. Lessing 12, 50;
Kalkagno. was wîrd diese nothlüge fruchten?
Fiesko. zeit freund, und dann ist der erste schrek izt vorüber. Schiller
Fiesko 4, 7; hier unter diesen felsen lasset uns halt machen und ein festes lager schlagen, ob wir vielleicht die flücht'gen völker wieder sammeln, die in dem ersten schrecken sich zerstreut.
jungfrau von Orl. 2, 1.
besondere arten des schreckens
im weiteren sinne werden gekennzeichnet durch beiwörter wie mitleidig: dieses schrecken, welches uns bey der plötzlichen erblickung eines leidens befällt, das einem andern bevorstehet, ist ein mitleidiges schrecken, und also schon unter dem mitleide begriffen. Lessing 7, 334, heilig: ein heiligs schrecken fuhr durch seine starren glieder, da er dem (
kaffee-)gott sich naht, umringt von stiller nacht, und fürchterlich geschmückt mit unterirrdscher pracht. Zachariä
renomm. 3, 74; ihr fühltet, ich sah es, wie ich heiligen schrecken empfand, als gottes befehl kam. Klopstock 5, 16 (
Mess. 11, 186); freudig: welch freudig schrecken nimmt mich ein! Gellert 1 (1775), 236,
dafür auch schrecken der freude: da verliesz das schrecken der freude Bersebon. Klopstock 6, 98 (
Mess. 17, 763). II@2@hh)
wie im letzten beleg, so steht bei schrecken
auch sonst oft ein abhängiger genitiv. nicht immer ist das verhältnis hier so klar wie im folgenden satze: der schrecken des mannes war grosz,
d. h. den der mann empfand, oder auch in der nächsten stelle: durch Sachsens kreise zog die kriegesfurie, bis an die scheeren des Belts den schrecken seines (
des kaisers) namens tragend. Schiller
Piccol. 2, 7,
wo schrecken
durch das männliche geschlecht deutlich als '
furcht'
gekennzeichnet wird, die bedeutung also ist '
die furcht vor seinem namen'
oder '
die dadurch hervorgerufene furcht'.
ist schrecken
aber neutr. oder das geschlecht nicht ersichtlich, so kann es besonders in solchen fügungen aus früherer sprache zweifelhaft sein, ob nicht der substantivierte infinitiv des transitiven schrecken,
furcht einflöszen, gemeint ist, der genitiv also durchaus subjectiv gefaszt werden musz. in manchen fällen ergibt der zusammenhang, dasz dies vorliegt: das schrecken des königs ist wie das brüllen eins jungen lewen, wer jn erzürnet, der sündigt wider sein leben.
spr. Sal. 20, 2; durch der feinde schrecken und drohen bewegt werden. Steinbach 2, 515; krieger schildern, nach dem streite, so das schrecken der gefahr. Gotter 1, 210; vielleicht, dasz diese groszen wunderdinge, das ungewohnte schrecken dieser nacht und seiner augurn überredung ihn entfernt vom capitol für heute hält.
Shakesp. Cäs. 2, 1 (
the unaccustom'd terror of this night),
in andern ist der begriff des intransitivs ersichtlich: derselbig glaube uberwindet allein das schrecken des todes und der sünde. Jonas
bei Luther 6, 398
a; o mein gebein durchfährt des todes eis'ges schrecken! Werner 24.
febr. 2,
nicht wenige aber sind unsicher: das doppelte schrecken der zwoten geistererscheinung und dieses unerwarteten überfalls hatte seine besinnungskraft überwältigt. Schiller 4, 218; Gustav Adolph konnte hoffen, alle diese miszvergnügten fürsten durch seine siegreiche gegenwart zu vereinigen, die übrigen durch das schrecken seiner waffen von dem kaiser zu trennen. 8, 795.
verbindungen mit einem possessivpronomen können in älterer sprache gleichfalls zweifelhaft sein. mein schrecken
kann bedeuten '
der schrecken den ich empfinde',
aber auch '
der schrecken, der von mir ausgeht, die furcht vor mir': ewer furcht und schrekken sey uber alle thier auff erden, uber alle vogel unter dem himel, und uber alles was auff dem erdboden kreucht, und alle fisch im meer seien in ewer hende gegeben.
1 Mos. 9, 2; ewr schrecken ist uber uns gefallen.
Jos. 2, 9 (
in den drei ältesten ausgaben, später: ein schrecken ist uber uns gefallen fur euch),
und schlieszlich '
mein furchteinflöszen': lasz (
gott) deine hand ferne von mir sein, und dein schrecken erschrecke mich nicht.
Hiob 13, 21; dein (
gottes) grim gehet uber mich, dein schrecken drücket mich.
ps. 88, 17.
den zweiten fall kennt die heutige sprache nicht mehr, und auch der dritte ist ungewöhnlich. II@2@ii)
wie besonders in den genitiv-verbindungen, so verwischt sich auch sonst gelegentlich der bedeutungsunterschied zwischen dem substantivierten infinitiv des transitivs und schrecken,
furcht: durch schrecken gezwungen schweren,
terrore coactum jurare Steinbach 2, 515; viele fesselt die pracht; nur wenige zähmet des schrecken; alle herzen gewinnet die güte. Herder 27, 65
Suphan; denn was er sinnt, ist schrecken, und was er blickt, ist wuth. Uhland (1864) 390. II@2@kk)
der grund des schreckens
wird auszer durch einen genitiv auch bezeichnet durch vor,
älter fur
mit dativ Jos. 2, 9 (
die stelle s. unter h).
man sagt in schrecken sein um einen,
für ihn, aus besorgnis für ihn. Göthe 11, 108 (
die stelle s. unter e).
der inhalt des schreckens,
das was man fürchtet, wird auch angegeben durch einen satz mit dasz: der schrecken, dasz man ihn tödten könne, quälte ihn. II@2@ll) schrecken
in pluralischer anwendung: ungeheure schrecken. Göthe 18, 112 (
die stelle s. unter g); uns haben in der entflohenen nacht mächtige schrecken ergriffen. Stolberg 14, 177; sprich mir von allen schrecken des gewissens, von meinem vater sprich mir nicht. Schiller
dom Karlos 1, 2; doch schnell als hätten gottes schrecken ihn ergriffen, wendet er (
der feind) sich um zur flucht.
jungfrau von Orleans 1, 9.
landschaftlich es ist mit tausend schrecken,
erschrecklich, erstaunlich Albrecht 206
c. Wander 4, 333 (
schlesisch),
freier: das ungezîfer besamet (
besamt, vermehrt) sich mett tausend schrecken,
erstaunlich. A. Jecht 100
a. II@2@mm) schrecken
in diesem sinne personificiert: kind des schreckens. Göthe 18, 112 (
die stelle s. unter g); wie wenn Ares zum kampf eingeht, der menschenvertilger, und ihm der schrecken, sein sohn, an kraft und an muth unbezwingbar, nachfolgt. Voss
Il. 13, 209 II@33)
gegenstand des schreckens,
was schrecken bringt, erregt, schreckt, zu schrecken geeignet ist (
auch hier flieszen die begriffe des intransitiven und des transitiven verbs in einander, vergl. 2,
h): zum schrecken wil ich (
gott) dich (
Tyrus) machen.
Hesek. 26, 21; den erklärungsgrund bildet, dasz für mich das schrecken aller schrecken die langeweile ist. Grillparzer 15 (1887), 121: gefährlich ist's den leu zu wecken, und grimmig ist des tigers zahn, jedoch der schrecklichste der schrecken das ist der mensch in seinem wahn. Schiller 11, 318. einem zum schrecken werden,
für ihn: Moab ist zum spot und zum schrecken worden, allen so umb sie her wonen.
Jer. 48, 39.
die person, auf die der gegenstand des schreckens wirkt, wird durch einen genitiv oder ein possessivpronomen bezeichnet: sondern heiliget den herrn Zebaoth, den lasset ewer furcht und schrecken sein.
Jes. 8, 13; derselbe normännische fürst, Robert Guiscard, der sich in Italien und Sicilien so gefürchtet machte, war das schrecken der Griechen, die er in Dalmatien und Macedonien angriff und selbst in der nähe ihrer kaiserstadt ängstigte. Schiller 9, 256; das schrecken mächtiger regenten, der vater, starb, nicht sehr betagt. Hagedorn 2 (1771), 131; ihr, das schrecken aller eurer brüder, schwestern, unterthanen, was seyd jetzt ihr? Herder 28, 466
Suphan; (
im bilde): du aber, Kästner, sey das schrecken der frechen kaper, weit und breit. Göckingk 1 (1780), 254; denkt nach, wie sie (
Johanna) den tigerwolf bezwang, das grimmig wilde thier, das unsre heerden verwüstete, den schrecken aller hirten. Schiller
jungfrau prolog 3; träumerisch, die lippen brennend, bleich die wangen, durch schwarzer locken wunderbare pracht kostbare spangen, ringelnd sich wie schlangen, und aus der dunklen augen zaubernacht ein wetterleuchten, das kein herz mag schonen, der männer lust, das schrecken der matronen. Eichendorff 3 (1864), 560; o wesenbändiger, du schreck lebendiger, dich ehret ohne graun ein recht verständiger. Rückert 12 (1881), 272;
freier: der Agarener hauffen, (das schrecken dieser zeit:) begunten anzulauffen was römisch sich erklärt. A. Gryphius (1698) 1, 24;
in gleichem sinne erscheint hier von
mit dativ: und in ihren trauerkleidern eilet schnell sie auf die mauer, als — das schrecken von Castiljen, sie den Cid da vor sich sieht. Herder 28, 453
Suphan. ein abhängiger genitiv oder ein possessivpronomen kann auch den bezeichnen, dem der gegenstand des schreckens, das schreckmittel eigen ist, doch berühren sich solche verbindungen nahe mit den unter 2,
h erwähnten: tod wo sind nun deine schrecken? Gellert 2 (1775), 219.
ähnlich heiszt es: der tod hat für den niedrigen keine schrecken mehr, seitdem er das gekrönte haupt (
Gustav Adolph) nicht verschonte. Schiller 8, 290.
in solcher anwendung wird schrecken
mit dem adj. leer
verbunden, wo gemeint ist '
inhaltloses, nichtiges schreckbild, schreckmittel': mit dem leeren schrecken wirst du meinen muth nicht entmannen. Schiller
räuber schauspiel 5, 1,
deutlicher bei abhängigem dativ des ziels: die bösen (
seelen verstorbener), zur strafe ihrer verbrechen, irrten unstät und flüchtig auf der erde umher, den frommen ein leeres, den ruchlosen ein verderbliches schrecken. Lessing 8, 251.
auch in verbindung mit blind
neigt schrecken
solcher bedeutung zu: es war ein blinder schreken ihr herrn. Schiller
Fiesko 4, 7,
andrerseits heiszt es aber auch im sinne von 2: hier gieng es ihnen aber, wie es überhaupt kriegsheeren zu gehen pflegt, sonderlich wenn sie sehr zalreich sind, dasz sich allerley blinder schrecken darunter äuszert. Heilmann
Thucyd. 1017. II@44)
besondere gebrauchsarten. II@4@aa)
unter schreck,
masc. führt Adelung
einen weidmännischen gebrauch im sinne von '
wildscheuche'
an, der sich an die unter 3
erwähnte bedeutung anschlieszt, wol auf grund der folgenden stelle: lappen, schrecktücher, auch schrecke und flinder benennt, diese sind theils von tuch, theils von federn gemacht und werden in lichten, ein jagen damit zu umstellen, gebraucht. Heppe
wohlred. jäger 201
a.
möglicherweise ist aber ein zu schrecken,
terrere wie scheuche
zu scheuchen
gebildetes fem. schrecke
gemeint wie es Stieler
anführt: eine schrecke,
in specie est formido, vel simularum foeneum. 1920. II@4@bb) schrecken
nennen die bairischen salzsieder die gröberen, erdigen theile, die sich in der wärmpfanne aus der sole zu boden setzen Schm.
2 2, 596.
nach einer quelle bei Frisch 2, 224
b werden sie alle viertel-jahr abgehauen (
daher vielleicht der name? s. das transitive schrecken 1),
wieder zerlassen und gekocht.