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Schöpfen

nhd. bis spez. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Campe
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Eintrag · Campe (1807–1813)

Schöpfen v., trs, intrs, intrs, ntr

Bd. 4, Sp. 257a
Schöpfen, v. I) trs. 1) I eine Schöpfe, ein hohles Gefäß fassen, mit einem Gefäße eine Flüssigkeit aus einem größeren Vorrathe auffassen und davon nehmen. Wasser schöpfen, mit einem Gefäße, oder auch mit der hohlen Hand. Und er schöpft' in die ausgebreitete Allmachtshand nun Woge nach Wog' und schuf aus jeder ein Wesen. Sonnenberg. Aus dem Brunnen, Flusse Wasser schöpfen. Einen Brunnen leer schöpfen, ihn durch vieles Schöpfen von Wasser leeren. Einen Zuber voll schöpfen. Milch oder Sahne mit dem Schöpflöffel in die Tasse schöpfen. Das Fett mit dem Löffel oben ab schöpfen. Wasser im Siebe schöpfen wollen, etwas Vergebliches, Thörichtes unternehmen. I der Seefahrt heißt schöpfen, den Wind wieder in die Segel bringen oder sie voll halten. Röding. I weiterer und uneigentlicher Bedeutung. Athem schöpfen, die Luft einziehen und wieder ausstoßen. Luft schöpfen. Beklemmt mit Bangigkeit Schöpf' ich nach Luft, und fast zerspringt mein Herz. Weiße. Dann, von etwas hernehmen, wo es häufig als intrs. gebraucht wird. Seine Nachrichten aus sichern Quellen schöpfen. Dieser Geschichtschreiber hat aus sichern, guten, trühen  Quellen geschöpft, hat bei seiner Geschichte solche Vorgänger, Urkunden  benutzt. Licht schöpfen, sich Licht, Aufklärung, Aufschluß über eine Sache verschaffen. — — Also fürchtest du Ein Licht zu schöpfen, das dich nicht erfreut? Schiller (R.). Hoffnung, Verdacht, Argwohn schöpfen, aus einer Ursache fassen. Neuen Muth schöpfen, fassen, bekommen. »Aus der überwundenen Schwierigkeit schöpft die Vernunft Muth und Geduld zur neuen Arbeit.« Gellert. Nutzen, Vergnügen aus etwas schöpfen, sich verschaffen, an einer Sache haben. I O. D. sagt man auch, Haß wider Jemand schöpfen, Eifersucht schöpfen, ein Verlangen, eine Begierde, eine Meinung  schöpfen. Ebendaselbst, aber noch ungewöhnlicher, gebraucht man schöpfen auch für, urtheilen, schließen, wo der Begriff des Hernehmens aus einer Sache ebenfalls zu Grunde liegt. Hieraus ist zu schöpfen, daß  Ein Urtheil schöpfen, es nach Befund der Sache fällen. Diese Bedeutung hat es noch in dem Worte Schöpfe oder Schöppe. S. d. Damit hängt die Bedeutung, bestimmen, fest setzen zusammen, in welcher es auch vorkömmt. Den Lohn schöpfen, die Größe desselben bestimmen. 2) * * Hervorbringen, machen, in welcher Bedeutung es das Verstärkungswort von schaffen ist. Ehemahls gebrauchte man es in engerem Sinne von Gott für schaffen, aus nichts hervorbringen, welche Bedeutung noch in den Wörtern Schöpfer, Schöpfung und Geschöpf übrig ist. »Ein glast, ein licht, das Got in der seele schöpft.« Kaysersberg. Jetzt gebraucht man es im O. D. nur noch in weiterem Sinne. »Ih habe die vom Herrn Baron von Wolf geschöpfte (n) Namen und Ausdrücke beibehalten.« Klemm. Schöpfen wurde ehemahls nicht allein in dieser Bedeutung, sondern auch in der ersten unregelmäßig wie schaffen umgewandelt. Und schuff es (das Becken) volles prunnen, Iain 4, 86. 3) † Bei den Jägern, tränken. Den Falken schöpfen, ihn tränken; wie auch, ihn baden oder ihn baden lassen. II) intrs. bei den Jägern, vom Wildbret, vom wilden Geflügel  für trinken. Der Falke schöpft. III) ntr. mit haben. 1) Das Wasser eindringen lassen, es gleichsam in sich schöpfen. So schöpft ein Kahn, wenn er Lecke hat und das Wasser eindringen läßt. S. Einschöpfen. Auch mit Nennung der Sache. Das Schiff schöpft Wasser. Die Schuhe schöpfen Wasser, lassen es durchdringen. Die Sonne schöpft Wasser, sagt man, wenn ihre Strahlen von Wolken und Dünsten aufgehalten nur an freien Stellen durchfallen und sichtbar sind. 2) † Blühen. S. 1. Schopfen I). — D. Schöpfen. D. Schöpfung. S. d.
3636 Zeichen · 77 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schöpfen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Schöpfen , verb. reg. welches der Form nach ein Intensivum von schaffen und schieben ist, seinem Wesen und Ursprunge nac…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    schöpfen

    Goethe-Wörterbuch

    schöpfen Zusammenschr ‘frischgeschöpft’ B36,14,6 1 mit einem Gefäß, der hohlen Hand oä Flüssigkeiten od Schüttgut aus ei…

  3. modern
    Dialekt
    schöpfenschw.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    schöpfen schw. : 1. '(von einer Flüssigkeit) mit einem Gefäß entnehmen', scheppe [verbr., PfId. 122 Christmann Kaulb 8, …

  4. Sprichwörter
    Schöpfen

    Wander (Sprichwörter)

    Schöpfen 1. Er schöpft für sich mit dem Eimer, für andere mit dem Fingerhut. Böhm. : Každý sobĕ žbánem a jinému střípkem…

  5. Spezial
    schöpfen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    schöp|fen vb.tr. 1 ciarié fora, tó fora 2 ‹fig› (herausnehmen, entnehmen) tó fora. ▬ Wasser aus dem Brunnen schöpfen cia…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schoepfen

10 Bildungen · 1 Erstglied · 5 Zweitglied · 4 Ableitungen

schoepfen‑ als Erstglied (1 von 1)

schoepfen als Zweitglied (5 von 5)

abschöpfen

DWB

abschöpfen , hauriendo detrahere, herunter schöpfen: den rahm oben von der milch abschöpfen, das fett von der brühe, den schaum vom zucker a…

aufschöpfen

DWB

auf·schoepfen

aufschöpfen , sursum haurire: wasser aus dem brunnen aufschöpfen; bei tische, suppe aufschöpfen, aus der schüssel auf die teller geben.

ausschöpfen

DWB

aus·schoepfen

ausschöpfen , exhaurire, nnl. uitscheppen: er wölle den Jordan mit seinem munde ausschepfen. Hiob 40, 18 ; und meint den abgrund göttlicher …

einschöpfen

DWB

ein·schoepfen

einschöpfen , haurire in vasculum etc.: wasser einschöpfen; mit dem löffel punsch einschöpfen; luft einschöpfen, gewöhnlich schöpfen.

erschöpfen

DWB

erschöpfen , was erschepfen, in der später durchgedrungnen schreibung, die sich aber bereits bei Frisius und Maaler findet. 1 1) zuweilen no…

Ableitungen von schoepfen (4 von 4)

beschöpfen

FWB

1. ›etw. schaffen, jn. erschaffen (im Sinne der Schöpfungstat Gottes); etw. bilden, formen‹.; 2. ›etw. stiften, einsetzen, einrichten‹.; 3. …

entschöpfen

DWB

entschöpfen , 1 1) in der älteren sprache deformare, verunstalten, wie schöpfen formare, bilden, gestalten. Dasypodius 78 c ; entschöpft def…

erschöpfen

DWB

erschöpfen , was erschepfen, in der später durchgedrungnen schreibung, die sich aber bereits bei Frisius und Maaler findet. 1 1) zuweilen no…

verschöpfen

DWB

verschöpfen , verb. falsch schöpfen, unrechtes oder in ein unrechtes gefäsz schöpfen; sich verschöpfen, sich beim schöpfen versehen Campe ; …

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „schoepfen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 13. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/schoepfen/campe
MLA
Cotta, Marcel. „schoepfen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/schoepfen/campe. Abgerufen 13. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „schoepfen". lautwandel.de. Zugegriffen 13. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/schoepfen/campe.
BibTeX
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