schinden,
verb. die haut abziehen, schälen, plagen, bedrücken, aussaugen. ein denominativ zu dem in altn. schwed. skinn,
engl. skin
erhaltenen schind,
s. daselbst. die bildung selbst ist auf das deutsche im engeren sinne beschränkt. ahd. scindan
excoriare, decorticare, revellere Graff 6, 522,
mhd. schinden, schinten Lexer
handwb. 2, 749
f., mnd. schinden, schinnen, schunnen Schiller-Lübben 4, 97
a,
niederl. schinden,
sax. sicamb. vel villen,
excoriare, deglubere Kilian,
decoriare schinden, schinten, schinnen, schnyden
vel schelen, schynen, villen Dief.
gloss. 168
b,
excoriare .. hd. schinden,
nd. schinnen 215
c.
die flexion ist, wie bei einem abgeleiteten verbum natürlich, zunächst schwach. im präs. findet sich ahd. neben ich skinto, skindo, schindo
auch scindô
m. dagegen in der 3.
pers. stets scintit, scindit,
conj. er scinte;
die flexion ist also die eines ja-
stammes. prät. er skinta,
part. geschindet, piscintit,
s. Graff
a. a. o. doch schon
mhd. findet sich starke formen nach der analogie von binden
u. s. w., so im imper. das allerdings nicht sehr auffällige schint: schürf unde schint schâf unde rint. Konr. v. Würzburg
lieder 2, 12; schint dich wolpurg. Osw. v. Wolkenstein 41, 78;
die gewöhnliche form des prät. ist schant: nû schant erʒ (
der löwe des reh) dâ erʒ weste veiʒt und aller beste.
Iwein 3901; daʒ er von leder truoc ein cleit, daʒ er schant wîlent unde sneit ab einem wilden vische rûch.
troj. krieg 5946.
daneben schwaches schinte: die lûte in dô ûfhûben und schinten in als ein vie.
pass. 161, 13
Köpke; besser hält sich die schwache form im part.: si werdent rihteclîch von uns geschindet.
Lohengrin 2700; do .. er beschint doch vor im lach.
passional 290, 59
Hahn. doch schon um 1200
auch stark: zwô hiute het er an geleit: die heter in niuwen stunden zwein tieren abe geschunden.
Iwein 468; dâ die schâfe geschunden wurdent. Wackernagel
leseb.2 1, 944, 15 (
Freib. urk. des 14.
jahrh.);
vgl.: decoriatus geschindet, geschint, abgeschundner Dief.
gloss. 168
b.
im mnd. dagegen sind die schwachen formen durchgehends bewahrt. im nhd. findet sich anfangs sowol schindete
als schand: der hart Jeroboam lebt noch, der nit allein die schaff schar, sunder sie gantz schindet. Keisersberg
narrensch. 195
b; er kam
auch har und schand mir mein hund.
Eulensp. 83 (
s. 130
neudr.).
bald indes dringt schund
ein, das sich später als alleinherrschende form festsetzt: er schund sie. Fischart
bienenk. 131
b; darnach er sie denn schunt und brit. H. Sachs
spruchged. 16, 15
Tittmann; (
sie schwatzten) vom amtmann, der ... wie's liebe vieh die bauern schund. Hölty 37
Halm. dazu regelmäszig der plur. schunden,
conj. schünde: der geistlichen geiz und stolz, die ... druckten und schunden den armen man. Aventin
chron. 1, 273, 5; auf das er aber seine fischer desto sehrer schünde, verbot er den bauren für ihren teich zu fischen. Henneberger
landt. 343.
das part. heiszt fast stets geschunden.
von den wörterbüchern gibt Stieler 1797
an schinden, ich schund,
et schindete, ich schünde, geschunden,
et nonnunquam geschindet; Steinbach 2, 524 ich schund, schand.
dagegen stehen bei Frisch 2, 183
c die formen ich schund, ich schünde, geschunden
fest, ebenso bei Gottsched 346
und Adelung.
letzterer gibt als imper. schinde
an, während Gottsched schind
und in der 2. 3.
sing. die synkopierten formen du schindst, er schindt
hat. von neueren mundarten haben die bair.-österr. die alten schwachen formen am besten bewahrt: bair. schintn — i schindet,
auch wol schunt, schant — i hab gschuntn Schm. 2, 429,
kärntn. schintn — schindet — gischindit, gschuntn Lexer 217,
dagegen schweiz. schinde — schund — gschunde Hunziker 220.
manche mundarten machen einen unterschied in der weise, dasz sie im eigentlichen sinne die schwache, dagegen in bildlichem sinne die starke flexion anwenden, letzteres wol unter einflusz der schriftsprache, vgl. Weinhold 83
a. Vilmar 349.
die form schinden
geht überall durch, nur preusz. wird daneben schingen
angeführt Frischbier 2, 273
b,
siebenb. schännen Frommann 4, 414, 31.
das nd. hat jetzt die starke conjugation überall durchgeführt: schinnen — schunn — schunnen
brem. wb. 4, 655. Schütze 4, 51, eschunnen Schambach 184
b.
nur ten Doornkaat Koolman 3, 125
a führt neben den nn-
formen noch solche mit nd
auf. Bedeutung. 11)
das fell abziehen, im eigentlichen sinne. 1@aa)
ein thier enthäuten: schinden
excoriare, glubere, deglubere Dasyp.; schinden, die haut abziehen Maaler 353
a; er schindet die hunde,
pellem cani detrahit Steinbach 2, 524;
deglubere pecus, 'schinden, die haut abziehen'. Aventin
werke 1, 491, 31; dar umb tœtt si (
die esel oder ochsen) ir herr und schindet si. Megenberg 177, 17; ir schlachtet sie (
die thiere) mit scharfen messern, schindet sie, zerreiszt ihre eingeweide, zerbrecht ihre knochen mit hackmessern und beilen. Dieterici
streit zwischen mensch und thier (1858) 160; ob ir ein alten wolf mügt vinden, den sült ir heiʒen schinden.
Reinh. 1898;
vgl. auch Iwein 3901 (
s. oben).
heute in oberdeutschen gegenden: der metzger schindet ein kalb,
indem er es ausarbeitet; einen hasen schinden,
abstreifen, s. Adelung; der hasz muosz geschunden sein, du würst wol hörn was guotten nutz du schaffest wenn ich den hasen schinnden würd und jn in den pfeffer berayten. Keisersberg
has im pfeffer Bb 3
d; es ist mit jnen, wie umb ein hasenn, den man abziehen will oder schinden. Pauli 75
b. 1@bb)
sprichwörtliche wendungen: die schaf scheert man alle jahr, aber man schindt sie nicht. Lehmann 88 (
vgl.scheren 1,
a, theil 8, 2571); sie wöllen alzeit eyn lausz schinden, und wissen doch nicht wie viel sie füsz hat. Fischart
bienenk. 142
a; laus schinden
auch von geizigen gesagt: auff solche art .. wohnete in einem stettlein ein reicher burger, der .. umb den balg einem ein lausz geschindt hette. Kirchhof
wendunm. 1, 221
Österley (1, 181);
vgl. Wander 4, 187, 11
und Adelung; wer einen reiger schindet hat ein magern vogel. Fischart
groszm. (1607) G 5
b;
canem excoriatum excoriare, den geschunden hund schinden, ein nackenden auszziehen. Franck
sprichw. 1, 4
a. 1@cc)
mit veränderter beziehung auch die haut von einem thiere schinden.
Iwein 468,
troj. krieg 5946 (
s. oben); ez schol auch niemant kain haut schinten an der straze ane an der leder gassen.
Nürnb. polizeiordn. 157
Baader. 1@dd)
das schinden
besorgt zunächst der metzger bei den thieren, die er schlachtet: item man het bestelt umb solt 6 flaischhacker .. darzu hetten sie auch alle heut von dem vihe, daz sie schunten im feld.
d. städtechr. 2, 256, 20;
daher wird schinden
auch geradezu für schlachten
gesagt; beispiele aus hessischen rechnungen des 15.
jh. bei Vilmar 349
f., z. b.: dem schynder, der dy schaffe schinte dy mertinsschaffe (
vom j. 1436); von schlachten von vj. swein; vor czuene kelber zu scinden (
vom jahre 1486). 1@ee)
dagegen ist das schinden
von crepiertem vieh ein besonderer beruf, der des schinders
oder abdeckers, der für unehrlich gilt: der abdecker schindet ein umgefallenes vieh. Adelung;
daher oft mit einem verächtlichen nebensinne gesagt: was? hab ich ein tode sau geschunden, das mir keiner kein bringt.
Garg. 85
b; du bist zuo Bramstein an dem Ryn des henkers knecht lange zit gsin und hast im all die keiben (
äser) gschunden, die im ganzen land sind funden. Manuel 263, 147
Bächtold. 1@ff) menschen schinden
als eine grausame art der hinrichtung, vgl. Schultz
höf. leben2 2, 182. 184. Danneil 185
b: man sal si beide binden unde alsam von den rinden lebende ir hût schinden.
pass. 250, 78
Hahn; die lûte in dô ûf hûben unde schinten in alsam ein vie. 362, 77; ich wil sîn ouch niht brennen noch zerliden noch schinden, noch mit dem rade zerbrechen noch ouch dar ûf binden. Walther v.
d. Vogelweide 85, 14; meinen braunen, den lasz ich als lang ich leb, nit tödten, ee wolt ich mich thuon (
lassen) schinden.
Aimon x 6
a; das er ihn schinden und mit seiner haut den richterstul überziehen liesz. Schütz
beschr. der lande Preuszen (
Eisleb. 1599) 65; dann wann er sehe, dasz er allein mit mir wär, und mich in seiner kluppen hätte, er würde mich schinden ärger, als wann ich der heilige Bartel wäre.
Harnisch (1669) 60; denn gleich kompt mich eine lust an, euch lebendig zu schinden. 62;
so auch: und liesz den esel, den sie in dem schlosz hette holz zu tragen, lebendig schinden. Steinhöwel
Esop (1569) 128
a; das studium des muskelmanns hat ohne zweifel seine vortheile; aber sollte nicht zu befürchten sein, dasz dieser geschundne beständig in der einbildungskraft bleiben ... werde? Göthe 36, 232;
theilweises schinden: mir ist wunder, warumb sie nicht auch allen leien .. das gantz sacrament verboten, oder jnen die zunge, gaumen und kele, damit sie das heilige sacrament anrüren muszten, nicht auch geschunden und geschelet. Luther 6, 97
a; die haut von einem schinden
u. ähnl.: wenn ein kind oder leie ongefehr das sacrament anrüret im munde, und wolts vom gaumen mit einem finger lösen, so schunden und scheleten sie dem kinde .. den finger, und die haut abe.
ebenda; bildlich: (
der papst) schlug sie (
die Schweizer) zu ritter, und zum zeichen schenckt er jhnen ein gulden schwert, sampt eim hut .. das ist, er schund sie, und hieng jnen die haut an halsz. Fischart
bienenk. 131
b; die waffen um euere lenden gebunden sind neulich ausz häuten der bauren geschunden. Logau 1, 176, 46. 1@gg) bäume schinden,
schälen: einen baum schinden oder die rinden ab ziehen,
deglabrare, decorticare Maaler 353
a,
vergl. Schmeller 2, 429.
nach Adelung
mit dem nebenbegriff des ungeschickten entrindens: wer aichein holtz her ein füret aus disem walde und ez verkauft, da man ez lat schinden, oder der ez selben schinden.
Nürnb. polizeiordn. 300
Baader; dû gotes man nim dîne gerten, schône dû si schinte. Karajan
sprachdenkm. 96, 14; man dörrt so kraut als stiel, man schindet baum und thier. Günther
bei Steinbach 2, 524; ist das ernst, herr Walter: den busch, der die zweige herabhängt, von nusztrauben beschwert, im fröhlichsten wuchse zu schinden? Voss 1, 26. rinde von den bäumen schinden,
mhd. rinden abe den boumen schinden Ulrich v.
d. Türlin
Willeh. 266
b bei Lexer
handwb. 2, 750; als wie der scharffe zahn der ziegen, auch die rinden, an blättern nicht vergnügt, von bäumen pflegt zu schinden. Logau 1, 69.
schweiz. auch sonst für '
schälen',
s. Stalder 2, 318;
vgl.das schindti,
obstschelfen ebenda: nach dem mittagessen half Uli noch erdäpfel schinden. Gotthelf
Uli d. knecht (1841) 140. 1@hh)
abgeschwächt, die haut stellenweise abstreifen, durch rohe berührung verletzen Woeste 229
b; sich schinden,
die haut an einem theile des leibes abreiben oder abstoszen. Adelung. sich beim fallen das knie schinden
u. ähnl.: der eigenname eines menschen ist .. wie die haut selbst ihm über und über angewachsen, an der man nicht schaben und schinden darf, ohne ihn selbst zu verletzen. Göthe 25, 304. einen braten schinden,
ungeschickt zerlegen. von steinen, abschaben: der steine val schint unde schirt den lâsûr mit dem golde dan.
Reinfr. von Braunschweig 18312. 22)
übertragen. 2@aa)
miszhandeln, plagen, placken, vgl. Schöpf 611. Weinhold 83
a (
vgl. oben). Frischbier 2, 273
b. Woeste 229
b. das vieh schinden,
vom fuhrmann, zu schanden treiben. Adelung.
ausgehend von der bedeutung 1,
f, vgl.: der sohn hat den vater tausendmal gerädert, gespieszt, gefoltert, geschunden! Schiller
räuber 4, 5
schauspiel; queckende und undanckbare frösch müssen einen storch haben, der sie schindt und verschlingt. Schuppius 833; dî armen zu den rîchen pflag er bitterlîchen schinden und betrûben und jâmir an in ûben. Nicl. v. Jeroschin 27257; straf nu die tyranney, die dich (
Deutschland) schier gar geschunden. Weckherlin 647; was war das nicht für ein placken und schinden bey Gustav dem Schweden, dem leuteplager! Schiller
Wallenst. lager 6; neminem concutiatis, wenn ihr niemanden schindet und plackt. 8; die frembdlingen soltu nicht schinden, noch unterdrücken. 2
Mos. 22, 21 (
advenam non contristabis, neque affliges eum); es ist nicht gut das man den gerechten schindet.
spr. Sal. 17, 26 (
var.: schaden thun dem gerechten); alle die lere der münche und pfaffen, wie schendlich sie gewest sind, ob sie gleich alle welt haben geschunden, bis auff den grat, dazu leib und seele geplagt und gemartert. Luther 5, 54
b.
in der verbindung schinden und schänden: aber nw ... lebt yderman wie er wil, eben die am meystenn, die ander leut schinden unnd schenden mit bannen. 6, 445, 19
Weimarische ausgabe; wollen sich auch mit ablas, bullenn, bley, pergamen, unnd was der romischen war mehr sein, nit lassenn schinden und schenden. 287, 13 (
vgl. auch 629, 1).
ganz abgegriffen: die helden des alterthums mit kommentationen zu schinden, und zu verhunzen mit trauerspielen. Schiller
räuber 1, 2
schauspiel. 2@bb)
häufig ist sich schinden,
sich placken, abmühen, besonders in niederer sprechart, vergl. Lexer 217. Danneil 185
b. sich schinden und plagen. Spiesz 212. schinden
allein für '
sich abarbeiten'. Schmid 461.
dazu geschunden,
geplagt, sich abarbeitend: da schleppen nun Titanen ohne zahl, .. rastlos geschunden und verdrossen, gar manches schöne berg und thal zusammen. Göthe 14, 36. 2@cc)
in andern fällen überwiegt der gedanke an die haut, die man von dem geschundenen thiere erhält; daher einen ausplündern, aussaugen, berauben, übervortheilen, wofür man auch sagt einem das fell über die ohren ziehen,
mit einem schwächeren bilde: einen bis aufs hemd ausziehen
u. ähnl., vgl. Adelung.
insbesondere 2@c@aα)
plündern, berauben: schinden, als ein rauber,
spoliare, bonis privare Frisch 2, 183
c.
so im nd. sehr häufig: wen denne de rike den armen het also geschindet unde ome af ghetoghen, dat he hadde, so is de arme wol bedroived.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 97
a; se schinden unde schatteden se van taschen, ringen, gulden ketten.
ebenda; de heyde schinden,
auf der heide straszenraub treiben. ebenda; umme deswillen, dat ere knechte des konynges heerstrate uppe der Wezere rovet unde schinnet hedden.
quelle s. brem. wb. 6, 284; Woldemarus die bestridde de stad to Stade myt hulpe der Stedinge unde wan sie unde schinnede zee van alle ereme gude.
ebenda; dem woldik helpen al de weken roven, schinnen, kelensteken.
Theophilus 359
Hoffmann; und ob in got daʒ glük verhengt, daʒ man die veinde schindt und pfendt, so schol der haubtman taylen hin yedem man nach rechtem gewin. Wittenweiler
ring 50
d, 6. 2@c@bβ)
bedrücken, aussaugen, von harten herren u. s. w., vergl. siebenb. schännen Frommann 4, 414, 31; die leute schinden als ein geitziger herr,
exsorbere sanguinem subditorum, non tondere tantum sed deglubere pecus (
vgl. 1,
b). Frisch 2, 183
c: das (
den bann) verachtet er (
Ludwig der Baier) lange zeit und leget schwere steur auf das reich und schant bisz auf das bain nit allein alles Bayerlant sonder alle teutsche lant.
d. städtechron. 3, 123, 3;
oft von der bedeutung a nicht zu scheiden, vgl.: vater und mutter verachten sie (
die fürsten in Israel), den frembdlingen thun sie gewalt und unrecht, die widwen und waisen schinden sie.
Hes. 22, 7; das volck im' lande ubet gewalt, und rauben getrost, und schinden die armen und elenden, und thun den frembdlingen gewalt und unrecht. 29; jr vertraget, so euch jemand zu knechte machet, so euch jemand schindet (
εἴ τις κατεσθίει), so euch jemand nimpt. 2
Cor. 11, 20. schatzen und schinden: prius exsugant vos censibus, schinden und schatzen, darnach et ipsos tollam
etc. leib und leben. Luther 13, 40, 20
Weim. ausg.; da wolde he zihen unde reisen uff sinen eigen solt unde zerunge, daz her nimand schatzen noch schindin dorfte.
leb. des heil. Ludwig 53, 11
Rückert. 2@c@gγ)
vom wucherer: schinden, als ein wucherer,
usuris exhaurire, nummos extorquere, tanquam sanguisugae aliorum. Frisch 2, 183
c; es warent auch hie gar mechtig juden ... die gaben dem kaiser grosz gut, dasz er sie liesz mit dem verfluchten wucher nit allein die burger sonder auch die edlen schinden.
d. städtechron. 3, 138, 1; sie (
die fürsten) lassen sich selbs und jr unterthanen, durch der jüden wucher, schinden und aussaugen. Luther 8, 76
b; damit derselbig (
der gemeine mann) .. von den geltnarren nit geschunden und gedrückt ward. Aventin
chron. 1, 587, 26; der burgermeister sagt, ich wil hinausz auffs land, und bauren schinden. Pauli
schimpf u. ernst 91
c; auf das er aber seine fischer desto sehrer schünde, verbot er den bauren für ihren teich zu fischen. Hennenberger
landtafel 343; wenn gott allen wucherern also mitführe, sie würden des schinden und wuchern wohl abgehen. Schweinichen 2, 178; der jüde schindet arme leut. J. Paul
leben Fibels 244. 2@c@dδ)
prellen, übervortheilen, besonders von gastwirten (
vgl.scheren 4, 1,
theil 8, 2574): zwâr ich gesach nie scherpffer wer von schinden, schaben germe (?
gerben?). Osw. v. Wolkenstein 5, 3, 16 (
vgl. d. glossar); so fing er an zu wuchern, und hat nun diesen groszen gasthof gekauft, aber niemand will bei ihm einkehren, weil er die leute so übermäszig schindet. Tieck 3, 178.
auch sonst betrügen: das sie (
die römischen) die gantze welt umb unmeslich gelt dadurch betrogen, und schunden mit unverschamptem geitz und lü
gen. Luther 5, 79
b. 2@c@eε)
einen arbeiter am lohn verkürzen, schlechten lohn zahlen, s. Hügel 137
a. Spiesz 212. Danneil 185
b. 2@dd)
mit veränderter beziehung geld schinden,
erpressen, zusammenscharren: das man leret, wie ablas nicht not zu lösen, ja das nicht zimlich sey von den armen leuten gelt zu schinden. Luther 1, 52
a; der (
official) greiff sie denn an nach seinem schinderampt, schindet und schabet gelt, auch von unschüldigen leuten. 4, 333
b; ein geistlicher soll seiner huoren underthan sein .. als seiner gehilfin, die im .. hilft verzeren und umbbringen was er durch seinen gottes dienst und larvenwerk von fromen christen schindet und schabet. Schade
sat. u. pasqu. 2, 267, 26.
so jetzt in studentischer sprache: etwas ohne bezahlung oder auf anderer rechnung genieszen, sich frei halten lassen: bier, cigarren schinden,
vgl. Frischbier 2, 273
b; eine vorlesung schinden,
sie hören, ohne das honorar bezahlt zu haben, u. ähnl. 2@ee)
häufig ohne object in demselben sinne (
geld zusammenscharren),
als bezeichnung schmutzigen geizes, häufig der bedeutung b oder c, γ nahestehend: da war ein pfleger zu Passenheim, den die unterthanen, umb seines schindens halben den geitzbauch nenneten, und was dieser erschunde, schicket er gen Nürnbergk. Hennenberger
landtaf. (1595) 342.
ebenso in neuern mundarten: knickern, knausern Hunziker 220. Schöpf 610. Albrecht 200
a,
vergl. erschinden theil 3, 963. Stalder 2, 318.
gewöhnlich in der verbindung schinden und schaben,
vergl. Adelung. Schm. 2, 429. Hunziker
a. a. o.: er schindet und schabet,
pecunias corradit. Steinbach 2, 524; du ... schindest und schabest bis auff den grad. Luther 4, 403
b; underdrückung der armen, schinden und schaben, zaisen witib und waisen. Aventin
chron. 1, 48, 7; peschützet die armen witib und waisen, den gemain man von dem schinden und schaben der richter, schergen und geistlichen. 492, 3; wenn aber reiche leut viel kinder haben, so werden sie gemeiniglich karg und geitzig .. sie wuchern, schinden und schaben, wo sie können. Schuppius 152; ich begreife dein knickern, dein schinden und schaben nicht. Hebbel (1891) 9, 48; es schindt und schabt ein ieder dahin alein das er hab eignen gwin, hat gar kein acht sunst auf das schaf, ob es schon zuo der hell ablaf. Schade
sat. u. pasqu. 1, 36, 333; du (
der reichthum) aber mehrest deinen hauffen mit schynden, schaben und fürkauffen. H. Sachs 1, 29, 230; ein wucherer,ist viel erger, denn auch ein dieb,ihm ist gelt lieb, drauff er nur ligt,ob er schon nicht, hat weib und kindt,doch schabt und schindt. denn ihn der teuffel macht gelt blindt. A. Lobwasser
bei Hennenberger
landtafel 482.
in etwas anderm sinne von armen leuten, die sich um das tägliche brot plagen (
vgl. b)
und ihr geld zu rate halten: ich bin sechzig jahr alt und habe mein lebtag schinden und schaben müssen wie eine bettelfrau. Pestalozzi
Lienh. u. Gertr. 3, 150; zu letzt kumpt den ein loser knecht, der zwackt gleich wie die raben. was jener lang thuet sparen mit schinden und mit schaben das thut zu letzt hinfaren.
meisterl. fol. 23
nr. 39;
sprichwörtlich: schind, schab, und lasz dirs werden sawr, wiltu nicht bleiben stets ein bawr. Petri S ss 1
b,
vgl. Wander 4, 187. 33)
besonderheiten und mundartliches. 3@aa)
vom lande, beackern, leicht pflügen: wenn das land oben ein wenig nur beschunden wird, so bringets keine frucht. Colerus
hausb. 227. 3@bb)
obscön: so ander weiber ir nachtrue haben, so hat er (
mein mann) ein schinden und schaben und zeucht mich umb die ganze nacht.
fastnsp. 1, 241, 20. 3@cc) ein geschunden bett,
lectus minus mollis, satis idoneus Scherz-Oberlin 1409: wann sie gessen und schlaffen wöllen, so soll er den herren legen unter ein muglich bett, nennt man ein geschunden bett und den knechten ein buirden stroh.
quelle s. ebenda; und soll des meiers fraw den dinkhofsherrn auf ein geschunden bett legen mit krachenden leilachen, bessert sie das, so dankt er ir desto basz.
quelle bei Grimm
rechtsalterth. 257. 3@dd)
beim kartenspiel schindet
man, wenn man sein daus aufspart. Albrecht 185
a,
oder wenn man möglichst viel stiche zu machen sucht. Schütze 4, 51 (
zu 2,
e). 3@ee)
schwäbisch für '
lärmen'. Schmid 461. 3@ff)
das ebenda angeführte schinden '
heftig antreiben'
steht für schünden,
s. daselbst.