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Schinden

mhd. bis spez. · 20 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Schinden

Bd. 3, Sp. 1473
Schinden, verb. irreg. act. Imperfect. ich schund; Mittelwort geschunden; Imperat. schinde. 1) Eigentlich, die Haut eines Dinges nach und nach ablösen oder abziehen; eine ehedem und noch in manchen Gegenden in allen den Fällen übliche Bedeutung, wo dieser Begriff Statt findet. In einigen Oberdeutschen Gegenden schindet der Metzger ein Kalb, wenn er es ausarbeitet; wo man den Ausdruck schinden in Obersachsen als eine Beschimpfung ansehen würde. Eben daselbst schindet man auch einen Hasen u. s. f. wenn man ihn abstreift. Er schünde eine Laus um des Balgs willen, sagt man auch noch im Hochdeutschen im gemeinen Leben von einem kargen Geitzigen. Einen Verbrecher lebendig schinden, eine in den Morgenländern ehedem sehr übliche Lebensstrafe. Der Abdecker schindet ein umgefallenes Vieh, wofür doch auch[] abdecken, abschlagen, und in den niedrigern Sprecharten abpuffen und abludern üblicher sind, (S. Schinder.) Einen Baum schinden, ihn auf eine ungeschickte Art der Rinde berauben. Überhaupt hat dieses Wort in den wenigen Fällen, in welchen es im Hochdeutschen noch im eigentlichen Verstande gebraucht wird, entweder den Begriff des Ungeschickten, oder doch sonst einen verächtlichen Nebenbegriff bey sich. Im gemeinen Leben schindet man sich auch, wenn man sich die Haut an einem Theile des Leibes abreibet oder abstößet. 2) Figürlich, in dem Nießbrauche, und im Handel und Wandel das Maß der Billigkeit auf eine grobe Art überschreiten; im gemeinen Leben, und allemahl mit einem verächtlichen Nebenbegriffe. Der Fuhrmann schindet sein Vieh, wenn er es übertreibt, es zu Schande treibet, der Landmann seinen Acker, wenn er ihn ausmärgelt, ein Herr seine Unterthanen, wenn er ihnen übertriebene Lasten aufleget, welche sie zu Grunde richten, oder wenn er ihnen, wie man gleichfalls in den niedrigen Sprecharten sagt, das Fell über die Ohren ziehet, der Verkäufer den Käufer, oder dieser jenen, wenn einer von ihnen die Billigkeit zum merklichen Nachtheil des andern verletzet. Der Geitzige schindet und schabet, wenn er ohne Rücksicht auf Billigkeit und Wohlstand zu erwerben sucht, wo er kann. Und so in andern Fällen mehr. So auch das Schinden. Anm. Im Nieders. schinnen, im Schwed. skinna. Daß es ehedem ein Zeitwort dieses Lautes gegeben, welches schneiden überhaupt bedeutet hat, und wozu auch das Lat. scindere, in gewisser Betrachtung auch schänden, und vielleicht auch Schindel, gehöret, ist gewiß. Allein unser schinden stammet wohl zunächst von dem im Hochdeutschen veralteten Schin, die Haut, her, Nieders. Schin, Engl. Skin, Schwed. Skinn,n. Skind, im Wallis. ohne Zischlaut Cenn, und im Bretagn. Ken, wohin auch in der weitern Bedeutung einer Decke das Griech. σκηνος, ein Gezelt, gehöret. Auf ähnliche Art sind schälen von Schale, fillen, schinden, von Fell, hülfen von Hülfe, häuten von Haut, u. a. m. gebildet. Schinden bedeutet also der Haut berauben, und da diese zur völligen Gestalt eines Dinges nothwendig ist, so wird daraus zugleich der Nebenbegriff begreiflich, der diesem Worte gemeiniglich anklebt. Indessen sind dieses schinden, und schinden, schneiden, dem Ursprunge nach nur ein und eben dasselbe Wort. Siehe auch Schiene.
3168 Zeichen · 45 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    schindenstv. I, 3.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +6 Parallelbelege

    schinden , schinten stv. I, 3. BMZ schinnen Karlm. 140,23 (: binnen). prät. u. part. auch sw. schinte, geschindet, gesch…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    schindensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +3 Parallelbelege

    schinden , sw. V. nhd. schinden, peinigen, häuten, Fell abziehen, plündern, rauben, ausplündern, ausrauben, berauben, be…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schinden

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Schinden , verb. irreg. act. Imperfect. ich schund; Mittelwort geschunden; Imperat. schinde. 1) Eigentlich, die Haut ein…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    schinden

    Goethe-Wörterbuch

    schinden häufig PartPrät ‘geschunden’ 1 jdn/ein Tier häuten; je einmal im Bild sowie subst ‘der Geschundene’ In dem groß…

  5. modern
    Dialekt
    schinden

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    schinde n [ìə S.; ìntə Hüss. ; ìntə, entə O. Bf. Scherw. Rapp. Illk. Str. Betschd. ; æə M. ; eə K. Z. Dehli; Pa…

  6. Sprichwörter
    Schinden

    Wander (Sprichwörter)

    Schinden 1. Die haben gut schinden, die es nicht empfinden. – Chaos, 80; Winckler, VII, 80. It. : A chi non duole, ben s…

  7. Spezial
    schinden

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    schin|den (schund, geschunden) I vb.tr. 1 (schlecht behandeln) scintiné (-nëia), strabacé (-cia), tormenté (tormënta) 2 …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schinden

30 Bildungen · 6 Erstglied · 19 Zweitglied · 5 Ableitungen

Zerlegung von schinden 2 Komponenten

schin+den

schinden setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schinden‑ als Erstglied (6 von 6)

schîndende

Lexer

schîndende part. adj. s. schînen.

schindenhengst

DWB

schinden·hengst

schindenhengst , m. nordwind, aquilo, boreas Dasypod. ; schindtdenhengst (der) byszwind, boreas. schindtenhengst von mitternacht, aquilo. de…

schindenleich

DWB

schinden·leich

schindenleich , m. ( s. schindleich): und helt jederman nicht mehr davon ( vom kirchhof ), denn als wenn jemand uber einen schindenleiche li…

schinden als Zweitglied (19 von 19)

geltschinden

KöblerMnd

*geltschinden , sw. V. nhd. Wucher betreiben Hw.: s. geltschindære E.: s. gelt, schinden

strātenschinden?

KöblerMnd

*strātenschinden? , sw. V. nhd. „straßenschinden“, Straßenraub begehen Hw.: s. strātenschinden (2) E.: s. strāte, schinden

abe schinden

MWB

abe schinden stV. ‘etw. (Fell, Rinde) abziehen, ablösen’ zwô hiute [...] : / die heter [...] / zwein tieren abe geschunden Iw 468; so nim ha…

abegeschinden

KöblerMhd

abe·geschinden

abegeschinden , sw. V. nhd. wegnehmen Q.: RSp (um 1415) E.: s. abe, ge, schinden W.: nhd. DW2- L.: Lexer 356a (abegeschinden), Benecke/Mülle…

abeschinden

KöblerMhd

abe·schinden

abeschinden , st. V., sw. V. nhd. „abschinden“, schinden, abhäuten, abziehen Q.: Enik (FB abe schinden), BenRez, Hadam, Iw (um 1200), Narr, …

abschinden

DWB

abschinden , excoriare, abhäuten: einem stücke vieh die haut, einem baum die rinde abschinden, einem die haut an den fingern abschinden: tru…

anschinden

DRW

anschin·den

anschinden anstiften, anregen angeschundet und geheißen 1530 MagdebSchSpr.(Friese) 226 Faksimile DWB. I 450 Faksimile RügenLR. 46

ausschinden

DWB

aus·schinden

ausschinden , pecus glubere, mlat. excoriare: tragen etliche ausgeschunden wolfshäut. Ayrer 197 a ; guter, fleisziger posthund, ich werde di…

beschinden

DWB

beschin·den

beschinden , cutem destringere: den baum, die hand beschinden; dasz er dreiszig stufen herabfället und weiter keinen schaden nimmt, als dasz…

erschinden

DWB

erschin·den

erschinden , excarnificare, praet. erschund für erschand, part. erschunden: denn was sie mit ablasz, bullen, beichtbrieven, butterbrieven un…

holzschinden

KöblerMhd

holz·schinden

holzschinden , st. N. nhd. „Holzschinden“, Abschälen von Bäumen Q.: DRW (um 1450) E.: s. holz, schinden W.: nhd. DW- L.: DRW

hūsschinden

KöblerMhd

hūs·schinden

hūsschinden , sw. V. nhd. Häuser berauben Q.: Chr (1374) E.: s. hūs (1), schinden W.: nhd. DW- L.: LexerHW 1, 1406 (hûsschinden)

krāmschinden

KöblerMnd

krām·schinden

krāmschinden , V. nhd. Häuser plündern in denen Kindbetterinnen sind Hw.: s. krāmschinden (2) E.: s. krām, schinden L.: Lü 187b (krâmschinde…

lantschinden

KöblerMnd

lant·schinden

lantschinden , sw. V. nhd. Wegelagerei treiben Hw.: s. lantsākære Q.: Chr. d. d. St. 6, 34 E.: s. lant, schinden L.: MndHwb 2, 744 (lantschā…

strātenschinden

KöblerMnd

strāt·en·schinden

strātenschinden , N. nhd. Straßenraub Hw.: s. strātenrōf E.: s. strāteschinden (1), strāte, schinden L.: MndHwb 3, 530 (strâtenpôl/tsrâtensc…

verschinden

DWB

ver·schinden

verschinden , verb. durch abschürfen beschädigen: zum hencker, stosz gar jetzt den nachttopf noch um! die kniee verschunden die beine halb k…

zerschinden

DWB

zer·schinden

zerschinden , verb. , zu schinden ( th. 9, 189), die haut abscheuern, -stoszen, -reiben: Rother 2443 F.-K.; dasz sie ( eine frau ) in keller…

Ableitungen von schinden (5 von 5)

beschinden

DWB

beschinden , cutem destringere: den baum, die hand beschinden; dasz er dreiszig stufen herabfället und weiter keinen schaden nimmt, als dasz…

erschinden

DWB

erschinden , excarnificare, praet. erschund für erschand, part. erschunden: denn was sie mit ablasz, bullen, beichtbrieven, butterbrieven un…

geschinden

Lexer

ge-schinden stv. I, 3. BMZ Rsp. mit abe.

verschinden

DWB

verschinden , verb. durch abschürfen beschädigen: zum hencker, stosz gar jetzt den nachttopf noch um! die kniee verschunden die beine halb k…

zerschinden

DWB

zerschinden , verb. , zu schinden ( th. 9, 189), die haut abscheuern, -stoszen, -reiben: Rother 2443 F.-K.; dasz sie ( eine frau ) in keller…

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APA
Cotta, M. (2026). „schinden". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 13. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/schinden/adelung?formid=S01598
MLA
Cotta, Marcel. „schinden". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/schinden/adelung?formid=S01598. Abgerufen 13. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „schinden". lautwandel.de. Zugegriffen 13. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/schinden/adelung?formid=S01598.
BibTeX
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