schade,
schaden,
m. laesio, noxa, damnum, ein gemeingermanisches wort, nur im goth. unbelegt (
dafür skaþis,
n.);
altn. skaði,
dän. skade,
schwed. skade,
m. und skada,
f.; ags. sceaða,
engl. scathe (
lehnwort aus dem altn.);
altfries. skatha, schada;
alts. skaðo,
mnd. mnl. holl. schade;
ahd. scado,
mhd. schade.
über das germanische hinaus läszt sich die wurzel mit sicherheit nicht zurückverfolgen; Kluge4 293
b stellt sie zusammen mit griech. ἀσκηθής '
unverletzt'.
vgl. Osthoff
in den beitr. z. gesch. d. d. spr. u. litt. 13, 459.
aus dem germanischen ist das wort in die sprachen der nördlichen und östlichen nachbarvölker eingedrungen, vgl. litt. iszkadà,
lett. śkahde,
poln. szkoda,
böhm. škoda,
slov. shkoda,
lapp. skada (
zeitschr. f. d. alterth. 7, 181).
die form zeigt keine abweichungen, nur dasz das auslautende e
zuweilen abfällt und jetzt gewöhnlich das n
der obliquen casus auch in den nom. sing. eingedrungen ist: damnum hd. nd. schade, -en,
hd. schad Dief.
gloss. 166
a;
noxia schaden 383
c. schad
und schaden
in demselben liede neben einander, s. wunderhorn 1, 415
f. Boxberger. auch in neuern mundarten geht die form schade (
bez. schad, schada, schde Schöpf 585)
durch, im niederd. daneben mit ausfall des d schâe
brem. wb. 4, 593. ten Doornkaat Koolman 3, 87
b. Schambach 180
a;
altmärk. schaod'n Danneil 183
a.
die flexion ist die eines schwachen masc. im ahd. begegnet noch der umgelautete dativ scedin Graff 6, 421;
vgl. Grimm gramm. 1
3, 76. Paul
in den beitr. 4, 408
f.; daz in uuolf noh uulpaza scedin uuerdan ne megi.
Wiener hundesegen 7 (
denkm.3 1, 16).
ganz vereinzelt ist übergang in die starke flexion im sing.: nun fragstu wz ist doch ein böszer rath, was schades wachszet darausz, und wie soll man sie heilen. Keisersberg
sünden des munds 57
c; wäre das vor beschehen, so wäre der herr des schades vertragen (
überhoben) gewesen. Steinhöwel
Äsop. 221
Österley. dagegen ist der umgelautete plur. schäden
bereits im 14.
jahrh. belegt und jetzt der allein übliche. schaeden, scheden
in Seilerstetter urk. von 1370, 1372, 1373
u. s. w., die scheden
in Chemnitzer urk. von 1471. 1474,
s. F. Bech
in Germ. 27, 178. Steinbach 2, 368
gibt sogar schad,
plur. schäde (
nur in der bedeutung '
wunde',
s. 4,
a)
an; eʒ geschach groszer schad aus der stat in dem her, man tet auch schäden hinein.
d. chron. 2, 369, 44
f.; das ir ain recht sprecht nach eurn ern, ob mir die Fast (
fastnacht) ist schuldig mein scheden wider zu kern.
fastn. sp. 628, 28.
ebenso in den neuern hd. mundarten, z. b. appenz. schada,
plur. schäda Tobler 382
a.
andrerseits schaden
als plur. noch bei Luther,
s. 3,
a. Bedeutung. 11)
die ursprüngliche bedeutung ist wol die eines nomen agentis, wie schon die ableitung anzeigt (
vgl. Kluge
stammbildungsl. § 15).
daneben kommt es indessen schon sehr früh in der abstracten bedeutung '
schädigung'
vor, ohne dasz sich eine feste scheidung durchführen liesze; vgl. die analoge verwendung des altn. bani,
ahd. bano
für '
mörder'
und '
mord'.
in beiden verwendungen geht es auf jede art von feindseligkeit und friedensbruch, und entwickelt sich von da aus im edleren sinne zu der bedeutung '
krieg',
bez. '
krieger, feind',
wie im niederen sinne zu '
raub, verwüstung',
bez. '
räuber, verbrecher'.
die persönliche bedeutung ist die einzig bezeugte im alts. ('
kriegsknecht'
Hel. 5647, '
verräther' 4592, tuena sculdiga scathon 5693
von den beiden schächern, als glosse zu theobos tuena),
und die weitaus überwiegende im ags. (
in allen angegebenen schattierungen, auch im sinne '
böser feind, teufel',
vergl. mânsceaða,
alts. mênskaðo,
s. Bosworth - Toller 826
b).
vergl. die zusammensetzungen alts. landskaðo, liudskaðo, mênskaðo, reginskaðo, thiodskaðo;
ags. féondsceaða, gûðsceaða, þéodsceaða.
im altn. ist diese bedeutung nicht mehr litterarisch bezeugt, wird aber vorausgesetzt durch die verwendung von Skaði
als name einer göttin oder ursprünglich wol eines gottes, in der Völsungasaga 1
auch als mannesname, ferner in zusammensetzungen wie Haddingjaskaði (
pros. schluszbemerk. zu Helgakv. Hundingsb. II
in einigen handschr., vergl. J. Grimm
kl. schriften 7, 52. Müllenhoff
in zeitschr. f. d. alterth. 12, 351),
offenbar zum ausdruck der kampftüchtigkeit. ahd. begegnet persönliches skaðo
in der glosse scatho,
bez. scado kimah
sodalis latronum Steinmeyer - Sievers 1, 248, 27;
vgl. ki[no]zza scathareo
socii latronum 245, 17. 18.
späterhin begegnen im hd. spuren dieses gebrauches. 1@aa)
in der zusammensetzung landschade,
vgl. theil 6, 131. Lexer
handwb. 1, 1828. 1@bb)
in der verwendung als eigenname, noch jetzt sehr gebräuchlich. 1@cc)
in der verbindung mhd. schade wesen '
feind sein',
z. b.: von disen fürsten tuon ich dir kunt, daʒ si dir schade wellent sî
n. Wigalois 10104; die mir schade wellent wesen, die komen her, swer si sîn! 10158.
ähnlich altn.: at skaða verða,
im kampfe tödten; verðr hvárr ǫðrum at skaða.
Gylfaginning 51. 1@dd)
in einigen wendungen, wo schade
personficiert erscheint, darf man wol auch nachklänge der alten bedeutung sehen, so in der sprichwörtlichen redensart der schade wacht,
mhd. mîn schade wachet,
s. Grimm
mythol.4 720: es heiszt auf deutsch: schade wacht; und das evangelion sagt: die leute schlafen. Luther
briefe 4, 593.
ferner schade ist minne râtgebe
u. ähnl.; vgl., wie zum ganzen abschnitt, J. Grimm
kl. schriften 7, 334—337. 22)
die abstracte bedeutung '
schädigung',
die im alts. gar nicht, und im ags. sehr selten bezeugt ist, ist im nord. und hd. von vornherein herrschend, indes seltener zum ausdruck einer handlung mit rücksicht auf die handelnde person, als des resultats. erstere tritt zu tage, wenn schade
mit laesio glossiert wird, s. Graff 6, 421;
daher auch übergang in die bedeutungen '
latrocinium, fraus, calumnia'
ebenda. vgl. auch Haltaus 1597
f. dis undirste gericht obir schulde gulde und schaden (
laesionem leviorem) und zu richten obir scheltwort das nicht hud har blaw slege addir bludrunst anlanget.
quelle vom j. 1463
a. a. o.; und (
die jungfrauen) durfften sich gantz keines muthwillens, unkeuscher zumuthung, oder anderes schadens und unheils befahren.
junk. Harnisch (1669) 151. schaden rächen: do kom zuo im (
dem kranken löwen) ain eber zorniger .. und rach an im den alten schaden von im enpfangen. Steinhöwel
Äsop. 99; es sol auch keiner alten schaden rechnen, bey leib straff. Reutter
kriegsordn. 14; alte schuld und schaden rächen, niemand mehr freundlich gesprechen.
wunderh. 1, 505
Boxberger; da werd ich wider alle stehn, die wider mich zu schaden gehn. Günther 12.
eine scharfe trennung von der bedeutung 3
ist nicht durchzuführen. den übergang vermitteln wendungen, wie nach schaden trachten: sie trachten auff jrem lager nach schaden.
ps. 36, 5; deine zunge trachtet nach schaden. 52, 4; sie (
die liebe) tracht nicht nach schaden.
1 Cor. 13, 5.
in folgender stelle scheint schade '
missethat'
oder '
bosheit'
zu bedeuten: jetzt tödtet jr (
juden) gott selbst, gott selbst! gott euren könig, o du verdamptes volck ... ach dasz doch euer schade euch noch zu hertzen gieng'! Fleming 14. 33)
gewöhnlich bedeutet schaden
jede verletzung oder beeinträchtigung, die jemand an leib und leben oder hab und gut erleidet, ohne rücksicht auf den thäter oder die ursache: die man sal gelden den scaden, die von siner warlose gesciet anderen luden, it si von brande oder von bornen (
brunnen, wasser) .. oder of he schüt oder wirpt enen man oder en ve, als he ramet enes vogeles.
Sachsensp. 1, 2, 38
Homeyer; jr (
der gottlosen) weg ist eitel verderben und schaden.
Jes. 59, 7; ich sehe, das die schiffart wil mit beleidigung und groszem schaden ergehen, nicht allein der last und des schiffes, sondern auch unsers lebens.
apostelgesch. 27, 20; er (
Bonaparte) verordnete gleich, dasz hier keine kriegswohnung seyn, noch anderer schaden geschehen solle. Göthe 39, 108; und mit der hand ich (
der wächter) mich verband, des herren schad zu wenden (
l. melden).
wunderh. 1, 415
Boxberger; (
eine fromme magd) helts der frawen wol zu gut, wenn sie umb schaden reden thut. Ringwaldt
lauter warh. 315; Jerusalems ihr schade müsz' einst erbarmen dich. Fleming 22; nehmt in acht das feur und licht, damit euch kein schad geschicht. Chr. Reuter
Harleq. kindbetterinschmaus s. 70
neudr. (
in dem auch sonst bekannten nachtwächterliede).
so besonders 3@aa)
in verbindung mit anderen substantiven: 3@a@aα) schade
ist der gegensatz zu nutzen: das sieben schaden hinder solchem kleinen nutz ligen. Luther 6, 140
b; und ist der ja für weisz zu halten, der schaden von jm weiss zu schalten, und seinen nutz ersehen kan. K. Scheidt
Grobian. 1425.
sehr häufig begegnet es in der ältern (
mnd. und mhd.)
sprache in verbindung mit frommen: svar brudere oder andere lüde ir gut to samene hebbet, verhoget se dat mit irer kost oder mit irme deneste, de vrome ir ir aller gemene; dat selve is de scade.
Sachsensp. 1, 1, 12
Homeyer; ob aber wol etliche sudler im anfang hie zu schaden arbeiten .. hat doch unser gott ander schmeltzer angelegt, so beide der herrschafft unnd gewercken zu frommen gearbeit. Mathesius
Luther 202
b; dat he (
Reineke) wer (
weder) dorch schaden edder dorch vromen nicht enlethe, he scholde komen to des konnynges hove tom herendage.
Reinke de vos 453; den schaden suln wir verclagen, des vrumen gote gnâde sagen. ich hân in kurzen stunden einen riter vunden und mîn guote salben vlorn. der schade sî durch den vrumen verkorn.
Iwein 3685—90; eʒ gê ze schaden odr ze fromn.
Parz. 157, 2; ein schade ist guot, der zwêne frumen gewinnet. Walther v.
d. Vogelweide 19, 28. 3@a@bβ)
sehr gebräuchlich ist ferner die allitterierende verbindung von schaden und schande,
wofür selten scham:
mnd. schande unde schade Schiller-Lübben 4, 36
a; und ist man nüt dann schande und schaden von jnen haben. Keisersberg
pred. 75
a; so fallend sie gewönlich in merkliche schand und schaden. Steinhöwel
Äsop. 228
Österley; sô wâr gedeilet entwei mîn skade und mîn skande. Heinrich v. Veldeke
Eneit 2417; diu rede dûhte Hagenensî wære im beide schade unde schande.
Kudrun 132, 4 (
vgl. Martins
anm.); dâ von mir iuwer schande leit und iuwer schade wære. Konr. v. Würzburg
troj. krieg 19245; im tet schade unde scham vil sêre und inneclîche wê.
Tristan 13430; daʒ stêt ze jungest an der scham und an dem schaden rehte alsam.
Helmbr. 336; de dar aver entvloen mit schande unde mit schaden. Eberhard
reimchron. von Gandersheim 1446; darumb wir schüllen sein beräyt, schand ze rechen und auch schaden. Heinr. Wittenweiler
ring 55
a, 18; schaw disz ist schand und jhenes schad. H. Sachs 1, 520
c; erst mehrt sich schadn und schandt. 2, 4, 57
b;
auch spott und schaden; schmach und schaden: wann wär ich komen als ain fynd, so wäre mir gelungen und der schmach und schade nit beschenhen. Steinhöwel
Äsop. 142
Österley; so ist der spot und schaden mein. Ayrer 2677, 21
Keller. 3@bb)
präpositionale wendungen: zu seinem
oder jemandes schaden; jemandem etwas zu(m) schaden thun: dat he't deme herren to lastere noch to scaden ne hebbe gedan.
Sachsensp. 1, 2, 34, 1
Homeyer; las dich keine person bewegen dir zum schaden.
Sir. 4, 26; swaʒ ir unt ieslîch Bertûn mir dâ ze schaden meget getuon.
Parz. 410, 23;
mhd. in demselben sinne nâch
und ûf: wan ich wil durch daʒ lant varennâch michelem ir schaden.
exodus 153, 16
Diemer; si habent sich ze Berneûf iuwern schaden geleit.
Alpharts tod 28, 4; her Stoc, ir sît ûf schaden her gesant. Walther v.
d. Vogelweide 34, 22.
in einem andern sinne sagen wir auf den schaden,
z. b. eins trinken,
um sich über den schaden zu trösten: wer den andern hat verletzt, lang dem andern das detzlin, und bring jhm drei gesetzlin, und auch auf den schaden, zwölf masz wein und zwölf fladen.
Garg. 94
b; mit jemandes schaden,
besonders wenn dieser schade nicht beabsichtigt war: daʒ er sich mit groszem schaden synes fyndes rechen müge. Steinhöwel
Äsop. 125
Österley; es wird heut nit mehr billich gehaisen, also land und leut mit des nächsten bruders schaden zu uberziehen und einzunemmen.
Garg. 260
a; mit seinem schaden
oder mit schaden: Spinosa, welcher bestimmt war, den übergang von der Cartesianischen bis zur Leibnizischen weltweisheit mit seinem schaden zu erleichtern. Lessing 5, 44; das wird der herr durchs gantze jar mit groszem schaden wol gewar. Ringwaldt
lauter wahrh. 313; die vierd kunst wil ich nennen, ist felschen alle war. mit schaden leren sie kennen.
bergreihen 43, 21
neudruck; wo ick mit schaden söliks erfahr. Hollonius
somnium vitae hum. 911
neudr. ohne schaden: daʒ wir dan ân allen schaden ... in den himel werdn geladen. Lamprecht v. Regensburg
Syon 2759; nu saget mer sunder allen schaden.
Alsfelder passionssp. 819. 3@cc)
verbale fügungen. 3@c@aα)
in activem sinne gewöhnlich schaden thun,
fast gleichbedeutend mit dem verbum schaden: swelk hunt to velde gat, den sal man in benden halden, durch dat he nemanne ne scade. dut he aver scade ...
Sachsensp. 1, 3, 49
Homeyer; was schadens das vieh denn getân hetti, hand die von Altorf nieman umb ze antwurten. Grimm
weisth. 1, 17, 66; uppe dat de dêf em nenen schaden dede.
dodes danz 133
Bäthcke; die strîtküenen Sahsentâten schaden dâ genuoc.
Nibel. 201, 4; mîn unwîser muot, der mir vil dicke schaden tuot.
Iwein 636; (
wir) wollen einen bund mit dir machen, das du uns keinen schaden thust.
1 Mos. 26, 29; des gottlosen lust ist schaden zu thun.
spr. Sal. 12, 12; so er aber dir etwas schaden gethan hat, oder schuldig ist, das rechne mir zu.
Philem. 18; ich rieth, du stündest solcher sachen, so du vor dir hast, müssig, anderst ich sag dir, du wirst gröszlich dein schaden thun.
buch d. liebe 245
c; dasz der wolff nit kom und schada dau (
schaden thue).
Simpl. 1, 15, 28
Kurz; so bald Tifan verständiget wurde, dasz die abgezielte verbesserung wider seine absicht schaden thun würde. Wieland 7, 229; der träge gang dieses kriegs that dem könige von Spanien eben so viel schaden, als er den rebellen vortheile brachte. Schiller 7, 16; das mir di Fast (
fastnacht) hat groszen schaden thun.
fastn. sp. 628, 23; gi hebbt jo den roden röselin nenen schaden gedan. Uhland
volksl.2 48 (22 A, 3); ich glaube, das hat mir wohl schaden gethan. Pröhle
volksl. 103.
in demselben sinne mhd. schaden bern, vrumen, vüegen
mhd. wb. 2, 2, 63
a; schaden machen, anrichten, bringen, einem zufügen
u. a. Maaler 344
b f.: denn er meinet, wenn er jn gefangen hette, er würde jnen einen groszen schaden zuwenden. 2
Macc. 14, 40; der im selber klainen schaden zuo füget. Steinhöwel
Äsop. 125
Österley; ein verzweifelter ausweg, der gröszern schaden anrichtete, als er verhütete. Schiller 8, 171; wen guote arbet schwechen thuot, mag wol mit jagen suochen muot (
an der jagd sich ergötzen), doch unverhindert pässer sach, und (
so dasz) sölchs nit grosz schaden mach. Schwartzenberg 138
d. 3@c@bβ)
in passivem sinne ist der häufigste ausdruck schaden nehmen (von,
mhd. mnd. auch an, bî etwas, eines dinges): was hülffs den menschen, so er die gantze welt gewünne, und neme doch schaden an seiner seele?
Matth. 16, 26; das jr von uns ja keinen schaden jrgent inne nemet.
2 Cor. 7, 9; ich hân von iwren schuldenschaden vil genomen.
Nibel. 248, 2; (
viele ritter) die alle dâr an habent genomen schaden zuo den schanden.
Iwein 7964; daʒ sie sîn nâmen schaden grôʒ.
Lohengr. 4309; hir klagede mannich, do ik erst quam, de doch nü schade by my en nam.
Reinke de vos 6606; des wir haben groszen schaden genumen.
fastn. sp. 628, 25; mein liebst kind schaden namb. H. Sachs 2, 2, 57
a;
daneben mhd. schaden lîden, dulden, hân, gevân, gewinnen, kiesen, erkiesen, bejagen
mhd. wb. 2, 2, 62
b;
nhd. schaden leiden, haben, bekommen, sich zuziehen
u. a. m., mundartlich nd. auch schâden derbî mâken,
verlust dabei erleiden Schambach 180
a: den schaden, den der man desz kriege oder lidde, den soll ihme derjenige, so dat (
die feldhecke) offen liesz, aufrichten und bezahlen. Grimm
weisth. 3, 49, 94; welhi guotem raut nit volgen, die enpfahen offt groszen schaden. Steinhöwel
Äsop. 106
Österley; also beschicht vil menschen, die durch iere geschwecz schand und schaden enpfahent. 197; das ist der schade, den Hadad leid.
1 kön. 11, 25; wird aber jemands werck verbrennen, so wird ers schaden leiden.
1 Cor. 3, 15; wer für einen andern bürge wird, der wird schaden haben.
spr. Sal. 11, 15; es wohnet ein mann nicht zwantzig schritt von S. Jacobs kirchen, der weisz, was ich für einen schaden auff der cantzel bekommen habe. Schuppius 589; weil ihn (
den anführer) seine jagden öfters durch flur und felder führten, die bey diesen durchzügen schaden litten, so fanden es viele gutsbesitzer für gut, diese last durch ein freiwilliges geschenk abzukaufen. Schiller 9, 142; hat er vil gest ins hausz geladen, so leid er auch den selben schaden. K. Scheidt
Grobian. 3184.
zuweilen abgeschwächt, sich schlechter stehen: Bescher endlich ist der dritte, dem das schaf musz g'nüge leisten (
das zu seiner bewirtung geschlachtet wird), doch dasz er nicht schaden litte, ist's ein schöpse von den feisten. Rückert 4, 95. 3@c@gγ) einen schaden ersetzen, wieder gut machen, bezahlen,
in älterer sprache kehren, wenden, aufrichten, gelten;
mhd. auch abe legen
mhd. wb. 2, 2, 63
a; gelten
durch geldzahlung vergüten: to der selven wis betert en burscap der anderen mit dren schillingen, unde gilt in iren scaden.
Sachsensp. 1, 3, 86, 2
Homeyer; das ir ain recht sprecht nach eurn ern, ob mir die Fast (
fastnacht) ist schuldig mein scheden wider zu kern.
fastn. sp. 628, 28; er (
gott) kan wenden unsern schaden, er will enden unsern spot. Weckherlin 157 (
ps. 42, 9). 3@c@dδ) jemanden in schaden bringen;
mnd. in
oder to schaden bringen;
das gegentheil heiszt ut dem schaden nemen: bringt he ine in scaden .. he mut dem richtere wedden, unde jeneme sine bute geven, unde ine ut dem scaden nemen.
Sachsensp. 1, 3, 87, 1; der gottlose bringt seinen bürgen in schaden.
Syr. 29, 22; up dattu dinen evenminschen brochtest to schaden.
dodes danz 960
Bäthcke; ich hab gar manchen bracht inn schaden. H. Sachs 1, 539
b; wol (
wer) synem prester unrecht bicht, und synem artzt nich recht bericht, de bringt sick sülfst in noth und schad. Hollonius
somnium vitae hum. 973
neudr. 3@c@eε)
die verbindung zu schaden kommen (
vgl. Schm. 2, 370)
hat passiven sinn, in schaden gerathen, geschädigt werden, capere detrimentum, damnum contrahere Maaler 344
d: sihe dich für, das du nicht selbs drüber zu schaden kompst.
Syr. 29, 27.
daneben einem zu schaden kommen,
zum schaden ausschlagen: solchs alles kompt den fromen zu gut, und den gottlosen zu schaden.
Syr. 39, 32; Prünhilde sterkein (
Gunther) wæn uns habe benomen: sô wære ir hôhiu minneuns ze grôʒen schaden komen.
Nibel. 509, 4; mit narren sich beladen, das kommt zuletzt dem teufel selbst zu schaden. Göthe 41, 91;
vergl.: ze schaden und ze spotte wolten si (
die Griechen) Troiæren komen. Konr. v. Würzburg
troj. krieg 30714. 3@dd)
sprichwörtliche redensarten. 3@d@aα) den spott zum schaden haben, oder schaden und scham empfahen,
ferre damnum cum pudore. Maaler 344
c.
schon mhd. sehr gewöhnlich: swer verliuret, der muoʒden spot zem schaden hâ
n. Wolfdietr. D 7, 200, 2
Jänicke (
vgl. d. anm.);
vergl.: ist ein altes sprichwort, als ir dicke hant gehort: schade der het gerne spot. Hugo v. Langenstein
Martina 63
d, 91; den spott must er zum schaden han. B. Waldis
Esopus 1, 11, 48; derselb auff halbem weg erligt, und offt den spot zum schaden kriegt. 3, 86, 38; der hat den schaden zu dem spodt. H. Sachs
fastn. sp. 1, 4, 119
neudr.; von solchen knaben must er den spott zum schaden haben. Alberus
fabeln (1590) 107
b; sie hetten zum schaden den hohn. Spangenberg
glücksw. 106 (
elsäss. lit. denkm. 4, 310); er hätte zum schaden den spott noch obendrein. Wieland 4, 119; das gedachte ich wol, dasz ich den spott zum schaden haben würde. Ol. Variscus
ethogr. mundi 2, 9;
jetzt oft in der form: wer den schaden hat, braucht für den spott nicht zu sorgen. Simrock
sprichw. 8798; wer den schaden hat, der darff für den spot nicht sorgen,
ludibrij haud expers, mala quem fortuna fatigat. Henisch 652, 55,
vgl. Wander 4, 48
f. (
nr. 154
mit reichen quellenangaben);
nd. de de schâ hed, hed de schimp d'r to. ten Doornkaat Koolman 3, 87
b; men de schaden krycht, de derff vor den spot nicht sorgen, so alze hir is ghesecht van Reynken, wo he desse dre bespottede to ereme groten schaden.
Reinke de vos s. 100
Prien; wer schaden und den unfall hat, der darff nit sorgen für den spot. B. Waldis
Esopus 3, 46, 27. 3@d@bβ) durch schaden wird man klug. Simrock
sprichw. 8779 (
vgl. 8778. 8780—8789). Wander 4, 44 (
nr. 45,
mit quellenangaben; vgl. nr. 38, 40—44, 46
f., 98—103, 130
f.). Steinbach 2, 369; aber mit schaden würt man weis. Schade
sat. u. pasqu. 2, 31, 3; mit schaden wird man klug. Lessing 12, 15; schaden macht klug. K. Lessing
schauspiele 246; nachdem man mit schaden klüger worden.
Simpl. 1, 46
Keller; mit schaden werden wir all glert. B. Waldis
Esopus 4, 99, 522; du närrin, dasz dich nicht der schaden klüger macht! Göthe 7, 27. 44) schaden
von körperlichen verletzungen, besonders in der ältern sprache: sves hund oder ber (
eber) oder perd oder osse, oder svelkerhande ve it si, enen man dodet oder belemet, oder en ander ve, sin herre sal den scaden na rechteme weregelde oder na sineme werde beteren.
Sachsensp. 2, 40, 1
Homeyer (
vgl. leibesschaden
theil 6, 597); wan der nicht ensaill zu dim libe schaden sinn.
Alsfeld. passionssp. 1162.
besonders 4@aa)
von wunden und verletzungen durch schlag, stosz u. ähnl.: schad,
ulcus, vulnus, vitium corporis; die schäde des leibes heilen,
ulcera corporis curare Steinbach 2, 368 (
gesondert von schade
vel schaden,
aber auch dieses mit vulnus erklärt); ein offner schade,
vulnus oder ulcus purulentum Frisch 2, 156
a;
nd. hê hed 'n schâ an 't bê
n. ten Doornkaat Koolman 3, 87
b; wenne er (
der löwe) wunt wirt, sô behelt er den, der im den schaden tet, under allem volk und zerreiʒt in, ob er mag. Megenberg 144, 9; daʒ von ir deweders slage dehein schade mohte komen.
Iwein 7241; sone solte diu frâge helfen niht, wan daʒ der schade (
die wunde des Anfortas) stüende als ê und herzelîcher tæte wê.
Parz. 483, 27; dâ vant ouch manger ritter schaden. Ulrich v. Lichtenstein 81, 31; wenn sich menner haddern und verletzen ein schwanger weib, das ... jr kein schade widerferet, so sol man jn umb geld straffen .. kompt jr aber ein schaden draus, so sol er lassen seele umb seele, auge umb auge.
2 Mos. 21, 22
f.; und wer seinen nehesten verletzt, dem sol man thun, wie er gethan hat, schade umb schade, auge umb auge, zaan umb zaan.
3 Mos. 24, 20; was schaden nam von stoszen unnd schlagen (
der wild gewordenen pferden und des ochsen) auch ubern hauffen fiel.
buch d. liebe 227
a; so ein rosz under dem sattel gebrochen oder sonst eine tieffe wunden hett, so nimb gänszkot ... legs in einen essig .. und wasch den schaden darmit. Seuter
rossarzn. 421; denn der schaden gerieht i.
f. gnaden übel, dasz .. der schenkel ihro
f. g. lebenslang offen blieb, muste täglich eine wicken, eines gliedes lang, in den schaden stecken und durfte gar nicht zuheilen lassen, sondern blieb allezeit i.
f. gnaden der schaden auf. Schweinichen 1, 91; zwene bliben ynn den schoten todt, der dritte vergos sein blut so rodt, der vierde bracht das poten brod gen Kutten auff den bergk, wie die heuer hetten schaden genomen.
bergreihen 49, 9
neudruck; wer ungefallen kümpt vom zyl und ane schad von dannen. 78, 1; die pflaster und auch andre salben, so man zuon schäden braucht alnthalben. Wickram
irr reit. bilger 81
b; sie risz darauf den stahl aus des Amintas schaden, und stiesz ihn selbst in sich. Hoffmannswaldau
getr. schäfer 14; kein striemen lief mir auf, den sie nicht auch empfand, die schäden, so ich trug, die wurden ihr zu wunden.
heldenbr. 64; ein geheimnisz, das ich nun so lange, wie Philoctet den alten schaden, als einen schmerzbeladnen feind ernähre. Göthe 10, 37; und der herrliche (
Hephaistos) lag, an dem fusze verletzt, wie ein erdsohn. damals schrieest du (
Here) laut zu den nymphen der schattigen insel, riefest den Päon herbei und wartetest selber des schadens. 40, 350.
auch vom verlust ganzer glieder: schad und verlust der rächten hand. Maaler 344
b; hawet jr den kindern also die dinglin ab, so wird er junckher von Degenblosz unnd Waddellosz werden, der Monsier sansqueue, herr Batt mit dem glatten schaden.
Garg. 131
b.
bildlich: wenn der herr den schaden seines volcks verbinden, und seine wunden heilen wird.
Jes. 30, 26; warumb hastu uns denn so geschlagen, das uns niemand heilen kan? ... wir hoffeten, wir solten heil werden, aber sihe, so ist mehr schadens da.
Jerem. 14, 19; dein schade ist verzweivelt böse, und deine wunden sind unheilbar. 30, 12; man hat mit diesem pflaster den schaden zugedeckt. Göthe 54, 206; so tiefe narben blieben von jenem alten schaden in der brust, dasz weder neue freude noch hoffnung drinn gedeihen kann. 57, 30. 4@bb)
für krankheiten u. ähnl.: schaden, kranckheit, böser präst,
noxa Maaler 344
d; ich lag krank zu bette .. der alte schaden auf meiner brust schien aufzuwachen, ich hustete heftig. Göthe 19, 349.
geschwür: als aber die geschwulst uff getan ward, do schlich der dorn mit dem aiter usz dem schaden. Steinhöwel
Äsop. 139
Österley. 4@cc) tötlicher schade,
verletzung, die den tod verursacht, pernicies Dasypodius: so lang sie vernamen, Gabriotto seines falls nit tödtlichen schaden nemmen würd.
buch d. liebe 233
a.
auch von andern todesursachen: der rauten taw und ir saff ist der kroten tœtleich schad. Megenberg 296, 3; vil sint der menschen, die ieren eltern nit gehörig und gefölgig syn wöllent .. darumb sie verfallent in tötlich schäden. Steinhöwel
Äsop. 236
Österley. schade
allein vom tode gesagt: reht alsô durchpaiʒ auch der pœs luft des menschen herz haimleich; unz si sein dann innen wurden, so was der schad ergangen. Megenberg 111, 19 (
in der schilderung des groszen '
sterbens'
vom j. 1348); ein wunderbarlicher schiedesmann ist der tod zwischen den reichen und armen; ... sein gedächtnüs ist den reichen bitter; seine ankunft geschwinde, und unversehens; ungewis seine stunde, unümgänglich sein schade. Butschky
Pathm. 989;
vgl.: stirb ich dran, lasz mir den schaden!
fastn. sp. 323, 18; und starb ich auch, der schade war nicht schwer. Gries
Ariost 43, 161. 4@dd)
heute wird schade
oder leibschade
vielfach für '
bruch' (
leistenbruch, hernia)
gesagt Frisch 2, 156
a,
namentlich in mundarten, s. Tobler 382
a. Seiler 240
b. Schöpf 585. Hügel 133
b. Spiess 205. ten Doornkaat Koolman 3, 87
b. Danneil 183
a. 4@ee) schade
für '
ruhr'
in den verbindungen der rothe
und der weisze schaden. Stalder 2, 306. Tobler 382
a: da fiel ir ein mercklicher siechtag zuo, mit namen der rot schad.
buch d. beisp. 74, 5
Holland. vergl. Schm. 2, 185
und rot
sp. 1289, rotschaden
sp. 1314.
Frommann 4, 2 (
aus Vorarlberg). 4@ff) schade
im nd. für fallsucht, epilepsie: de slimme schaden,
der schlag Dähnert 398
b; hei kreg den schaden,
er bekam krämpfe. Mi 74
b. 55) schade
für sachbeschädigung, schädigung am vermögen. 5@aa) sve so holt houwet, oder gras snit, oder vischet in enes anderen mannes watere an wilder wage ... den scaden gilt he uppe recht.
Sachsensp. 2, 28, 1
Homeyer; sve sin ve drift up enes anderen korn oder gras, he sal ime gelden sinen scaden. 2, 47, 1; schade für schade,
als ausdruck genauer wiedervergeltung (
vgl. 4,
a): da ward frid ... gemacht ... unnd was yedermann gewunnen hett, solt er die weil haben, schad für schad. S. Franck
chron. (1531) 208
b; der frid gieng ein, an S. Ulrichs tag, und was schad gegen schad, und yedermann das sein wider an land und leüten.
ebenda. 5@bb)
besonders verlust an geld, im gegensatz zu gewinn: das gelt ist unser insgemein, unser wirdt gwin und schaden seyn. Spangenberg
glücksw. 518 (
elsäss. lit. denkm. 4, 324).
mhd. schade an etewaʒ legen,
geld für etwas ausgeben, ohne nutzen für sich: mir swein der schade, den ich hâte an sî geleit. Rud. v. Ems
der gute Gerh. 2504; als sie ihren einzug in Rom hielt, war ich ursache, dasz ein schade von mehr als tausend scudi verhindert wurde. Göthe 34, 337.
geradezu im sinne von '
kosten': swaʒ eʒ mich danne kosten sol, daʒ ich si vinde begraben, den schaden wil ich gerne haben.
bloch 158
s. Lambel
erzähl. u. schwänke s. 108. auf jemandes schaden,
kosten: swaʒ si danne für baʒ da geligen (
var. verzerent, die wile si da ligent), daʒ suln si tun uf der burge oder der stete schaden.
Schwabensp. 207, 5; zuo einem
oder ûf einen schaden nemen,
auf rechnung des nicht zahlenden schuldners von einem dritten geld aufnehmen, s. Lexer
handwb. 2, 625. schaden
im gegensatz zu gewinn: dann die gar zu eylfertige verkauffungen, vergleichen sich offt mit den schäden, so man ausz den gewinnen hat. Schuppius 739.
vgl.aber was mir gewin war, das hab ich um Christus willen fur schaden geachtet.
Phil. 3, 7. 5@cc)
hieraus entwickelt sich leicht die bedeutung '
zins'
in der ältern sprache: mhd. houptguot und schaden verrihten,
kapital und zinsen entrichten. Lexer
handwb. 2, 625
f. besonders häufig im mnd., s. Schiller-Lübben 4, 36: geld op schaden (
auf zins) nemen; schaden don,
zinsen bezahlen; ind wy ... sollen ind wellen E. qwyt van maken, beyde van schaden ind van hovetgude.
urk. v. 1435
bei Schiller-Lübben
a. a. o.; si sprechent ovch, das ir hoffrecht syg, das nieman dem andern deheinen schaden sölli ablegen, er hab im den denn verheiszen mit hand oder mit mund. Grimm
weisth. 1, 12, 6. 66)
endlich kommt schade
zu der bedeutung '
nachtheil'
überhaupt, wobei es nicht nur den verlust eines schon besessenen, sondern auch eines nur erhofften oder möglichen vortheils bedeutet: denn die, so die weisheit nicht achten, haben nicht allein den schaden, das sie das gute nicht kennen ...
weish. Sal. 10, 8. 6@aa) schade
von den nachtheiligen folgen des eigenen handelns; so in der redensart hab dir den schaden
oder der habe den schaden,
in der ältern sprache: wer lebt jnn eym sörglichen stat, der hab den schad, wie es jm gat. Brant
narrensch. 45, 34.
ähnlich sagt man es ist dein schade: nun mags; der gröszte schade dabey ist ihre. Lessing 1, 367.
dagegen es soll dein schade nicht sein,
ich will dich dafür entschädigen oder belohnen: Anton. deinetwegen soll ich meinen herrn betriegen?
Lisette. es soll aber dein schade nicht sein.
Anton. so? ist es mein schade nicht, wann ich das, was mir Chrysander versprochen hat, musz sitzen lassen? Lessing 1, 269; dein schade soll es nicht seyn, dasz du mir nutzest. Göthe 14, 165; die eine (
erklärung) sind sie mir schuldig, und es wird ihr schade nicht sein, wenn sie mich über den andern (
punkt) befriedigen. Schiller 4, 224. 6@bb) die schäden einer sache,
die nachtheiligen folgen derselben, die damit verbundenen übelstände: will ich euch von der erneuerung und regul desz wuchers sagen, nemlich mit was weisz desselben schäden auffs beste gemeidet, und dessen nutzen behalten werden. Schuppius 721. 77)
im mhd. hat schade
manche verwendungen, in denen es nicht nur den verlust, sondern zugleich das gefühl des verlustes ausdrückt. so vom tode eines angehörigen: Kriemhilt ir grôʒen schadenklagen dô began.
Nibel. 1078, 2.
auch geradezu für '
kummer': swenne ich daʒ mære an mich nu nim, daʒ si sich müeʒen scheiden, dâ wehset schade in beiden.
Parz. 223, 10.
vergl. wiʒʒent, daʒ iu gar ze vruo schad unde kumber sîget zuo. Konr. v. Würzburg
troj. krieg 7170. seneder schade,
liebesleid, liebeskummer: swâ sô der müeʒige man mit senedem schaden sî überladen, dâ mêre muoʒe seneden schaden.
Trist. 83
f. ganz abgeschwächt, ein bedauerlicher umstand: und einen schaden clage ich ... daʒ der wâfenriemen alsô rehte lützel ist, daʒ sî niht langer vrist mit mir solde umbe gân (
beim entwaffnen).
Iwein 318. 88)
besondere beachtung erfordert die verbindung schade sein,
in denen schade
vollständig die function eines adjectivs übernommen hat. 8@aa)
so schon mhd. in der bedeutung '
schädlich sein' (
vgl. 1): kalteu ding sint den augen gesunt, aber diu hitz ist in schad. Megenberg 10, 12; iedoch wiʒʒ, daʒ all öpfel schad sint und faulent leicht in dem menschen und machent pœs pluot. 330, 2; eist schade, der vremde gesteze nâhe bî im hûsen lât.
Alphart 29, 4;
in attributiver stellung; vgl. ahd. scado gimah (
s. oben 1): ein schade vriunt vil dicke muoʒ dulten ungetriuwen gruoʒ.
Vridanc 95, 24; schade schimpf ist dicke leit, und lasterlîchiu wârheit. 121, 4;
in adverbialer function: dem kezzer ouch, swie schade er lebe.
minnes. 2, 354
a Hagen. die adjectivische verwendung ist besonders deutlich, wenn es mit echten adjectiven zusammengestellt wird: man muoʒ in (
den aal) paʒ kochen pei dem feur, dann ainen andern visch, er wær anders gar schad und ungesunt. Megenberg 244, 26; so will ich zuo ir kumen, es sey mir recht guot oder schad.
Tristant u. Isalde 158, 8
Pfaff; der ist eyn narr der wünschen duot das jm als bald schad ist als guot. Brant
narrensch. 26, 2;
es werden sogar steigerungsformen von schad
gebildet: wan der donr ist im (
dem drachen) scheder denn kaim andern tier. Megenberg 270, 8; die süeʒen maulper .. sint niht sô guoter narung sam die veigen .. und sint dem magen scheder. 331, 2; under allen dingen ist aller schedist süeʒ waʒʒer waʒʒersühtigen läuten. 105, 20; es ist nyemer schader dem ackerman, denn so man im den somen verderbt. Keisersberg
pilgersch. 167
a; rosen wängel, roter mund sind vil scheder, dann gesund. Heinr. Wittenweiler
ring 22
a, 17.
andrerseits wirkt die substantivische function noch nach, wenn man in negativem sinne kein schade
sagt: ich unde Wytdich sint üch kein schade,das wysz sicherlych.
Alphart 42, 4
lesart. jetzt ist schad
für '
schädlich'
noch in der Appenzeller mundart gebräuchlich, s. Tobler 382
a. 8@bb)
jetzt sagt man es ist schade
als ausdruck des bedauerns, eigentlich es ist ein verlust, ein unglück, ein bedauernswerther umstand (
vgl. 6,
c): das ist schade!
hoc dolendum est! Frisch 2, 156
b. 8@b@aα)
mit nachfolgendem satze: es ist schade, dasz er gestorben,
illus mors dolenda est. Steinbach 2, 369; es ist schade, dasz man alsdann sterben musz, wenn man eben angefangen hat einzusehen, wie man eigentlich hätte leben sollen. Kant 4, 351; es ist schade, dasz du kein general worden bist, Spiegelberg, wird der könig sagen. Schiller
räuber 1, 2
schausp.; es ist schad, dasz ich bey dir verliegen soll. Ayrer 2677, 10
Keller; ohne zusatz: aber, warlich! es ist schade, ihre freud' ist nur ein schein. Göckingk 1, 64; es ist doch schad'! Grillparzer 6, 33. 8@b@bβ) es ist schade um jemand
oder etwas: es ist schade um ihn,
magna est illius jactura. Frisch 2, 156
b; es ist eben nicht schade um ihn,
non adeo absentia ejus nocet. Steinbach 2, 369; es ist schade umb die salbe. Luther 5, 142
a; dasz es schade um meine gehabte mühe wäre. Grillparzer 15, 60;
daneben schade für: am 13. april .. ging in Ungarn .. ein mann verloren, namens Andreas Hertzeg, und es war schade für ihn, denn er war rechtschaffen. Hebel 2, 204; man hat mir nicht den rock zerrissen (es wär' auch schade für das kleid). Uhland
ged. (1864) 60.
vgl. Hunziker 217. Seiler 249
b. Albrecht 197
b. 8@b@gγ)
mit verstärkungen jammerschad, himmelschad,
s. Frommann
mundarten 5, 193;
besonders ersteres (
s. theil 4, 2, 2259
f.),
auch jammer und schade: jammer und schade ists, dasz diese armee die erste und die letzte blieb, bei der die montur eine hübsche art von über-körper war. J. Paul
Siebenk. 4, 63; ey das ist jammer und schade. Rist
friedej. Teutschl. (1653) 60;
auch sünd und schad Hunziker 217; were siu verdrunken, dat were schade unde sunde.
d. chron. 2, 141, 23. 8@b@dδ)
die adjectivische natur zeigt sich namentlich in der steigerung: es ist schader um dis als um jenes. Seiler 249
b;
vgl. Hunziker 217. Albrecht 197
b;
ferner in es ist zu schade, wie schade!
andrerseits sagt man auch hier neben es ist nicht schade
ebenfalls es ist kein schade: das die brüst weych werden vom saugen, das ist keyn schad. Alberus
ehebüchl. F 4
a. 8@b@eε)
nicht mehr gebräuchlich ist das ist mir schade
für das ist mir leid: mein dinst die sein im widerzam, das ist mir schad und laide. Osw. v. Wolkenstein 3, 3, 16; nun ists mir leidt, auch immer schadt, das du solt solche armut leiden. H. Sachs 14, 74, 14
Keller-Götze. 8@cc) schade
mit ausgelassenem es ist
in demselben sinne. 8@c@aα)
mit nachfolgendem satze: nur schade, dasz er seine einbildungskraft nicht besser dabey anstrengte; nur schade ... dasz er sich von dem reime fortreiszen liesz. Lessing 4, 449; schade, dasz der weg nach Berlin nicht über Halberstadt geht! 12, 82; schade, dasz es nacht ist, die schöne freundliche aussicht ist ganz dadurch gehemmt. Fr. Müller 3, 115; nur schade, dasz dergleichen äuszerungen nicht hin und wieder in dem stück vorkommen. A. W. Schlegel
krit. schriften 2, 125; wie schade, dasz es nicht so wahr als reitzend ist! Wieland
suppl. 1, 166 (
nat. d. dinge 3, 436); schade, dasz mirs gerade jezt an zeit gebricht, den würdgen kampf mit Alba auszukämpfen. Schiller
don Carlos 2, 6. 8@c@bβ) schade um: schad' um den mann, ja ewig schad'! Göthe 11, 338; schad' um die leut'! sind sonst wackre brüder. Schiller
Wallenst. lager 11.
daneben besonders in der classischen zeit schade für,
jetzt kaum noch gebräuchlich: wie geht's deinem schimmel?
baron. ich werde ihn weggeben müssen, lieber onkel.
graf Altenstein. schade für's pferd! wahrlich schade. Göthe 11, 51; schade für die schönen sachen, wenn sie verloren gehen sollten! 36, 73; schade für den schönen muth, den glücklichen humor des jungen! 57, 154; schade nur, ewig schade für die unze gehirn, die so schlecht in diesem undankbaren schädel wuchert. Schiller
kab. u. liebe 4, 3.
zuweilen scheint noch die eigentliche bedeutung '
es ist ein nachtheil für etwas'
durch: schade für unsere sprache, wenn man zwei menschenalter nach uns so spricht, als diese sprachenverderber schreiben. Herder
z. litt. u. k. 1, 68. 8@c@gγ) schade
allein nach art einer interjection: ey schade! schade!
ah! jactura! Frisch 2, 156
b;
Philto. und meine (
gedanken) — meine sind wieder gar weg.
Staleno. schade! Lessing 1, 477; es sagte, sonder alle gnade, die ganze stadt Nigrinen todt. was that die stadt in dieser noth? ein zehntheil von der stadt sprach: schade! 1, 6.
in einen satz eingeschoben, ähnlich wie leider: die zwar nicht zierlich, aber mit urtheil und gefühl geschriebene, nur schade unvollendete lebensbeschreibung dieses königs. Stolberg 10, 243; ein feiner plan! fein zugespitzt! nur schade, zu fein geschärfet, dasz die spitze brach! Schiller
M. Stuart 4, 3. 8@dd)
in einigen verbindungen hat die bedeutung von schade
eine weiterentwicklung erfahren. 8@d@aα)
isoliert steht folgende wendung: bey küngs pallast der galg und rad, der ains wer on das ander schad (
mangelhaft, unvollständig, käme nicht recht zur geltung). Schwartzenberg 129
c. 155
c. 8@d@bβ) etwas ist zu schade für etwas,
zu wertvoll, kostbar, fein, sodasz es schade wäre, wenn es dazu verwendet würde: dasz dieser edle im siebenten jahre selig verstorben wäre. alle welt .. sagte: der jung' ist zu schad' für diese welt. Hippel
lebensl. 2, 35; nennt es bleystift, und nicht feder — feder ist zu schade, fuhr sie fort. 3, 10. 8@d@gγ) schade auf etwas, schade was um
oder für etwas,
um auszudrücken, dasz man von etwas nichts wissen will, oder keinen wert darauf legt: schade auf das buch; er mag es selbst hohlen. Lessing 1, 269;
Lelio. unmöglich! was wetten wir?
Lisette. schade auf das wetten! ich bekomme doch nichts von ihnen. 2, 392; aber schade auf das ganze theater! ich habe ihnen noch etwas besseres zu schreiben. 12, 254;
frau Sylvesterin. nun bist du nicht secretär; und hast in ewigkeit keine hoffnung dazu.
Fortunat. ach, wie können sie sich so quälen, mama? hoffnung? so viel hoffnung als vorher!
frau Sylvesterin. ach, schade was für deine hoffnung! wenn sie allezeit so ausschlägt, wie heute. J. E. Schlegel 2, 141; schade was um alles andre, wenn er uns nicht allen die reputation genommen hätte! Tieck 3, 52.
so auch in mundarten: leipz. schade druff!
ich mache mir nichts daraus; ach, schade uff den kerl!
ich schere mich nicht um ihn. Albrecht 197
b;
mansf. schâde was dervur, schâde was farr dän kärl. Jecht 91
b. 8@d@dδ) schade doch!
scheint in folgender stelle etwa so viel wie '
ich dachte gar! warum nicht gar!'
zu bedeuten: wer würde wohl itzt einer schlange trauen? ach schade doch! die schlüpfrige gestalt erweckt allein den ekel blöder frauen. Hagedorn 2, 156.