rind,
n. bos. mhd. rint,
gen. rindes;
ahd. hrind, rint Graff 4, 1171.
goth. fehlend, auch alts. nicht belegt. mnd. rind; rund, rond Schiller-Lübben 3, 532
b;
mnld. rind, rund.
ags. hrŷðer (
später hrîðer),
mittelengl. rother
stehen in ihrem stammvocal auf anderer tonstufe, während das u
des mnd. und mndl. auch als locale erscheinung (
färbung durch den folgenden nasal)
angesehen werden kann. einmal ist ahd. die mit suffix gebildete form rindar
belegt, die in der bildung dem ags. worte und dem fries. hrither, rither, reder
entspricht: et assaturam bubule carnis unam inti pratun des rindares einaʒ fleisc. Steinmeyer-Sievers 1, 426, 24.
der plural ist im ahd. nur mit dem ir-
suffix belegt, auch mhd. nhd. ist rinder
die gemeingültige form; doch findet sich seit dem mhd. vereinzelt auch die suffixlose bildung: ich han muodiu wip unde chint, tragendiu schaf unde rint. Diemer
genesis 67, 13; secht do man disen rinden (: binden) daʒ joch an geleite.
pass. 222, 94
Hahn; man sal si beide binden unde alsam von den rinden lebende ir hut schinden.
ebenda 250, 77; da er weidet die rinde. Wackernagel
kirchenl. 2, 725; si (
die schlange) müet und laidigt des êrsten diu wilden rint und auch diu haimischen, alsô daz sie sich legt an der rinder äuter. Megenberg 265, 8; dann die rind und ochsen wöllen eben so wol gute wartung haben, als jmmermehr die rosz und pfert. Sebiz
feldbau 122; so hat es auch eyne sondere weise, wie man die rind halten und füteren soll, dann nicht wenig daran gelegen, ... das man die rind und ochssen weder zu feyszt noch zu mager halte.
ebenda 126.
daneben die rinder: die rinder essen sonst auch junge rebzweiglein.
ebenda. auch mnd. bisweilen die rinde: he heft uns ghenomen 14 stige schafe, 29 rinde, 7 perde.
Braunschweiglüneburg. urkundenb. bei Schiller-Lübben 3, 486
a.
urverwandtschaft mit dem in gr. κέρας liegenden stamme ker
wird angenommen. Bedeutung. 11)
ursprünglich ganz allgemein die gattung des bekannten, seiner verwendbarkeit zum ziehen, seiner milch und seines fleisches wegen nützlichsten hausthieres der Germanen: ahd. pringo dir rindir sament diên bocchen (
offeram tibi boves cum hircis). Notker
psalm 65, 15;
mnd. he verkofte schape, runder ende andere besten. Schiller-Lübben 3, 532
b; wer daz brichet (
d. h. das vieh nicht in Nürnberg verkauft), der gibt von dem rinde sehtzig haller, von dem varche sehtzig und von dem schafe drezick haller.
Nürnberger polizeiordnungen 202; Plinius spricht von dem tier, daʒ eʒ sô grôʒ sei, daʒ eʒ hirz und rinder verslind. Megenberg 265, 20; ain rind, ain gaisz, ain schauff, geselten sich zuo ainem löwen. Steinhöwel
Äsop 86; derhalben er auch zwei rinder, welches beyde küh müssen sein (
bubus feminis), an den wagen spant. Micyllus
Tacitus 450
a; taurus ein rindt ein bekandt thier. Ryff
thierb. Alberti Magni H 1
a; die rinder an dem pfluog eynsetzen. mit rindern ze acker gon. Maaler 333
bc; Abraham aber lieff zu den rindern, und holet ein zart gut kalb.
1 Mos. 18, 7; Samuel antwortet, was ist denn das fur ein blecken der schafe in meinen ohren, und ein brüllen der rinder die ich höre.
1 Sam. 15, 14; das feder pflegt die rinder, wann sie im hitzigen wetter zu schwer gearbeytet haben, mit schwermütigkeyt desz kopffs, geschwulst der augen, uberausz groszer hitz anzukommen Sebiz
feldbau 128; der keyser Constantinus in seinem buch von dem feldbaw .. heiszet, so die rinder den husten haben, beyfuszkraut nemen. Tabernämontanus
kräuterb. 40
h; kurtzweile, die ich mit des bauern rindern anstellete.
Simpl. 1, 136
Kurz; die Israeliten ... brauchen nun nicht zu eilen; sie können mit rindern und kindern, mit sack und pack nun so langsam ziehen, als sie nur immer nöthig haben. Lessing 10, 22; aus der dämmerung bewegte sich ein wallender zug, ... Walburg auf einem karren von zwei rindern gezogen. Freytag
ahnen 1, 417; secht, so der samstag gint nahed, das si wend rinder und schauf slahen, das tuond si dahaim in dem hus.
teuf. netz 9499; grosz wunder tu ich euch bekant, geschehen zu Roxdorf in dem windischen lant, da man das heu leszt über jar zu felde; zu dem schlegt man des viches hert den winter lang, schaf, geisz und bock, rinder und pfert, wie man die seu hie schlegt in die eichwelde. H. Sachs
meisterl. 1, 106, 5
Tittmann; ich ge umb unter sew und rindern, schaffen gaisen und pschisen kindern.
fastn. sp. 2, 33; erst rewet mich mein weyb und kinder, mein ecker, wisen, sew und rinder und auch mein eingegraben gelt. 4, 60; schaf und rinder nun verschnaufen auf den wiesen wolgerüst, da der schöne säugend haufen ründet seine flache brüst. Spee
trutzn. 240
Balke; Jesu, dir nu deine kinder, dir die wachtsam hirtenzunft, dir die schäflein, dir die rinder danken deiner wiederkunft. 242; da er ein krautgericht mit liebe besser schetzt als ein gemestet rind mit hader und gefetzt. J. W. Simler
ged. 201; der schaf und rinder in den feldern alle tage tränkt und speiset, der wird ja auch dich eingen füllen. P. Gerhardt 276
Gödeke; du stellest hundert heerden auf; dir brummt der rinder fetter hauf. Drollinger 175, dem reichen kam ein gast; dasz der bewirthet würde, nahm er kein rind, kein schaf aus seiner weid' und hürde. Hagedorn 2, 5; wie der löwe zwischen die rinder springt, und der stärke, oder dem stiere, weidend im dickicht, den nacken zermalmend. Bürger 222
a; und der rinder breitgestirnte glatte schaaren kommen brüllend, die gewohnten ställe füllend. Schiller 1, 314; voll sind die scheunen, und der rinder schaaren, der glatten pferde wohl genährte zucht ist von den bergen glücklich heimgebracht.
Tell 1, 2; dasz du (
Myrons kuh) die herrlichste bist, Admetos heerden ein schmuck wärst, selber des sonnengotts rindern entsprungene scheinst; alles reiszet zum staunen mich hin! Göthe 39, 291; denn ich habe wohl oft gesehn, dasz man rinder und pferde, so wie schafe, genau bei tausch und handel betrachtet. 40, 313; wo des marsen rind sich streckt. Arndt
ged. 210; treibt nicht die wollenherde auf deiner weiten alb, und nährest du nicht pferde und rinder allenthalb? Uhland
ged. 88; das junge rind erwachse nicht dem pflug und für den zügel nicht das muthge pferd. 380; ich hör' im forst den jäger blasen, ich sehe wie die rinder grasen. Geibel 4, 27.
daher steht rind
zuweilen, mit den specielleren ausdrücken stier, kuh
u. s. w. wechselnd: hinter der christenheit wandelte ungern die kuh, der schatz des haufens, welchen Miros den abziehenden mitleidig gespendet hatte. das rind schied christenthum und heidenschaft, denn bei ihm liefen die heidenfrauen. Freytag
ahnen 1, 365; es het ein bawr ein jungen stier, ein gar frech und unbendig thier; kundt er mit keiner arbeit zemen .. als aber nun dasselbig rindt mit list sich uberwunden findt, und sich am bawren nicht kundt rechen, thet jn dennoch der kützel stechen. Waldis
Esopus 1, 165
Kurz; auch trat der streitbare held Thrasymedes her, die geschliffene axt in der hand, das rind zu erschlagen .. aber nachdem sie gefleht und heilige gerste gestreuet, nahete Nestor's sohn, der muthige held Thrasymedes, eilend, und schlug mit gewalt, dasz die axt die sehnen des nackens alle durchschnitt, und die kuh hintaumelte. Voss
Odyss. 3, 443.
besondere verbindungen: esel und rind
standen an der krippe, in der der neugeborene heiland lag. Luc. 2, 7. 16
wird nur die krippe erwähnt; die vorstellung stammt aus Jesaias 1, 3: ein ochse kennt seinen herrn, und ein esel die krippe seines herrn, aber Israel kennets nicht, und mein volck vernimpts nicht,
und ist von da sowol in die dichtung als auch in die bildende kunst eingedrungen (
vgl.esel).
in neuerer sprache ist übrigens die verbindung ochs und esel
die geläufigere geworden: do gehît ime so werde der himel zuo der erde, dâ der esil und daʒ rint wole irchanten daʒ vrône chint. Wackernagel
leseb.5 1, 342; dâ stuont ein esel und ein rint, daʒ keiserlîche kint, erkanten sie beide. Wernher
Marienleben 3489; si sahen eʒ bewunden mit tuochen und gebunden, unde wie geleit was daʒ kint für den esel und daʒ rint in die krippe alda. Walther von Rheinau
Marienleben 62
b; als ir (
der jungfrau Maria) der heilig engel pflæge, unt dîn, dô du in der kripfen læge, junger mensch unt alter got, dêmüetic vor dem esel und vor dem rinde, .. als pflig ouch mî
n. Walther 24, 27; man vant in unbeziunet in einer kripfen als ein kint; ob im ein esel und ein rint höu zerten unde vuoter. Konrad v. Würzburg
goldne schmiede 1540; gänd, gesehent das rain kind, bij im vindent ir ain rind und ain esel gebonden. Mone
schausp. des mittelalters 1, 159; Maria nam ir libes kint, sie legts vur essel und vur rint. Wackernagel
kirchenlied 2, 545; in einem krippfly lag ein kind; do stuond ein esel und ein rind. 706; ach herr, du schöpfer aller ding, wi bistu worden so gering, dasz du da ligst auf dürrem gras, davon ein rind und esel asz. Luther
bei Gödeke-Tittmann
liederb. 196.
geläufig ist insbesondere auch die vorstellung, dasz esel und rind
mit ihrem athem das frierende kind erwärmen: das kindt in der krippen leidt, sein hertz zwingt die kalte zeit, da stundt ein ösel und rindt und hauchten uber Jesum, Mariae kindt. Wackernagel
kirchenl. 2, 1111; da Jhesus Krist geboren wardt, da was es kalt, in ain klaines kriplein es geleget wardt. da stuent ein ösel und ein rint, die atmitzten uber das heilig kind gar unverborgen. 2, 1112.
die allitterierende verbindung rosz und rind
kommt, wenn auch nicht allzu häufig, schon in der älteren sprache vor, in neuerer zeit wird sie besonders von Freytag
mit vorliebe gebraucht: do sprach unsir trohtin,so sin genade wol mohte sin, er hiez werden vischewenige und michele, in dem lufte die vogele,die tier der erde ze lobene, ros unde rindirund andir manich wndir.
genesis 3, 17
Diemer; ros und rindir,manich uihe dar undir wart uil bærich,in allen wis sælich. 32, 1; gar nichts sind jene mir schuldig. denn nie haben sie mir die rosse geraubt noch die rinder. Voss
Ilias 1, 154; dasz der gantze wald einen widerschall ... gab, und einer hoch geschworen hätte, es wären rosse und rinder vorhanden.
Simpl. 220
neudr.; als das mahl beendet war, wurden die werthvollsten rosse und rinder im wagenringe gesammelt. Freytag
ahnen 1, 203; der stall für rosse und rinder. 209; schon in ðer urzeit .. waren sie (
die Germanen) .. heerdenbesitzer mit rossen, rindern, schafen und schweinen, ja mit dem kleinen geflügel unserer höfe.
bilder 1, 53; er (
der Germane) darf sein weiderecht nur ausüben, wenn er rosse, rinder, schafe, borstenvieh und federvieh in der gemeindeheerde darauf sendet. 69. 22)
in verengter bedeutung wird rind
zur bezeichnung des erwachsenen thieres, ohne rücksicht auf das geschlecht, gebraucht, häufig im gegensatze zu kalb,
welches das thier im ersten jahr bezeichnet; so heiszt im bair. ein kalb unter einem jahre ein stallkälblein,
später ein stallrindlein. daz merke bî den rindern. diu sint truckener natûr und sint diu kelber viuht. Diemer
arzneibuch viii; swelch flaischman anders den juden kain flaisch gibt ze kaufenne, oder der daz juden flaisch, das juden schlahent, under der Cristen penken verkauft offenlich, der muoz geben von dem rinde ain pfund haller, von dem calbe sehtzick haller, und von der gaizze sehtzick haller.
Nürnberger polizeiordnungen 324; vom fleisch insgemein zu melden, so kommen in die speiskammer, von rindern, kälbern, schweinen, schafen. Hohberg 1, 210
b; vor ablauf eines jahres kann man (
im hamburgischen) kein junges vieh ründ nennen. Nemnich 1, 654; aus kelbern werdent stärkeu rinder.
ring 20
b, 42. 33)
dialektisch hat sich die bedeutung nach verschiedenen, oft gerade den entgegengesetzten richtungen hin specialisiert. rind
bezeichnet 3@aa)
das thier, das eben ins zweite jahr getreten ist, das junge stück rindvieh, bair. das jungrind. Schm. 2, 117.
daher 3@a@aα)
die junge kuh, die starke. so mnd. (
auch noch jetzt im oldenburgischen, wo rindquene
gilt),
vergl. Schiller-Lübben 3, 486
a; disse nemen to Meynum Weybusches meyeren 3 koye, 6 rindere, 2 ossen.
städtechron. 6, 41, 2; des anderen dages nemen se .. Ludeken van Zolde unde Ecgerde 2 koye 2 rindere. 6, 77, 11.
im schweizerischen eine kuh, die zum trächtig werden empfänglich ist, aber noch nicht gekalbt hat. Adelung. Stalder 2, 277. Hunziker 205.
so ist rind
zu verstehen im folgenden: und wo die lüt getrett und traib zesamen haind, da sol man triben in esch rinder gegen rindren und an die bräch kü gegen kü
gen. weisth. 5, 189; were es sach, das eyner by dem anderen halb fey hette, ess sygend rynnder oder kü, und wädern theyl von dem andern theylen wellt, soll eyner den andern ervordern uff sannt Marttys tag. 4, 311.
auch im nassauischen ist rind
in dieser bedeutung bekannt. Kehrein 1, 329. 3@a@bβ)
den jungen ochsen, der noch nicht zur arbeit gebraucht wird, in Oldenburg rindochse.
vgl. öconom. lexicon 2032. wir haben .. oben die kühzucht desz meyers frau ubergeben, und darbei angezeygt, das die rind und ochssen gleicher gestallt müssen aufferzogen und gehalten werden. Sebiz
feldbau 122; wann man will eyn rind feyst machen und mästen, oder aber zur arbeyt auffzihen, so soll man jm das maul alleyn acht tag mit seim eygnen pruntzwasser wäschen. 127.
vielleicht dies, vielleicht auch das kalb ganz allgemein bezeichnet rind
bei Zinkgref: als keyser Heinrich zu jhm (
herzog Otto von Sachsen) schickte, und, weil die Sachsen jhn nicht haben wolten, begeren liesz, sie solten dann seinen sohn zu einem herren annemmen, antwortet hertzog Otto: ich hab offt und viel ein bösz rind von einem bösen ochsen gesehen, wir begeren weder desz vatters noch desz sohns.
apophth. 1, 134. 3@bb)
das weibliche thier, die kuh: man sol auch die kelber, die man aus den rindern wirfet, bei der nacht oder süst so haimleich, daz man si niht sehe, vertragen und hinwerfen.
Nürnberger polizeiordnungen 200; unsere herren des rats gebieten ... und wollen, das kein fleischhacker oder fleischhackerin ... einich ochssen, rinder, kelber oder schaffe ... einichem andern burger oder gast verkaufen sol. dann wer das uberfure, .. der sol von einem yeden verkaufften ochssen, rindt, kalb oder schaff 2 pfund newer haller zu puss geben. 238; daʒ rint hât ain grœʒer stimm wan der ohs, und alliu weibel anderr tier habent klainer stimme wann diu mändel. Megenberg 116, 17; des rindes hörner sint herter danne des ochsen, sam der grôʒ Basilius spricht. 160, 2; von heymischen thieren ... setzte er auff, von ochsen, büffeln, böcken, rindern, kälbern, hämeln, lämmern, schafen, schweinen.
volksb. v. Faust 88
neudr.; wann ein ochs oder rindt das feber hat, so rühre geröscht gerstenmeel in wein und gebe es jhme zu essen. Tabernämont.
kräuterb. 780
c; so ein ochsz oder rindt inn ein dornen getretten ..., sol man rohrwurtzel stossen und wie ein pflaster darüber binden. 705
e; nachher zeigte sich der hirsch mehrere mal zwischen dem hornvieh und der hirt will gesehen haben, dasz er ein ochsiges rind wiederholt beschlagen habe. im folgenden jahre setzte nun dieses rind ein kalb.
sitzungsber. der Wiener akademie (
math. naturw. kl.) 13, 155; (
die mägde und frauen kommen zu dem fahrenden schüler und klagen ihm ihr leid:) der wirret dis der andern das, der ist ir frawe gar gehaʒ, so wil der (
der sich beklagenden) rint nicht kelber tragen, des muʒʒen sie die wolfe nagen.
altd. wälder 2, 56; der reiche sahe stets in tagen voller freuden, die herden seines hofs auf grünen hügeln weiden; die rinder unzerstreut bey jungen farren ruhn. Hagedorn 2, 5; heim kamen die farren, die goldgehörnten, die schwarzen rinder, dem riesen zur lust. Chamisso 2, 171.
daher sprichwörtlich: en rend met en kalf kriegen,
soviel wie ein schwangeres mädchen heiraten. Firmenich 1, 406, 383. 3@cc)
das verschnittene männliche thier, den ochsen: ochsz oder rind wirdt eigentlich genant der, so verschnitten ist, damit er in dem pfluog anzewätten oder auch zuo mesten dester fuoglicher seie. Forer
thierb. 116
a; jck kauffe vor zwey tage auch fleisch von jhm und uberrett mich es were vom rinde und wie jchs jn die schenke brachte, sah jch das es von einer kuhe war, den die zitzen saszen noch dran. H. J. v. Braunschweig 760. 3@dd)
den zuchtstier, brumm-, brüll- oder reitochsen. öcon. lex. 2032.
in manchen gegenden heiszt der zuchtochse das gemeinrind,
weil er der ganzen gemeine gehört. Campe. 44)
in der zoologie bezeichnet rind
eine unterfamilie der hornthiere, die auszer dem hausrinde noch verschiedene wilde rinderarten umfaszt; daher der gegensatz zwischen wilden
und zahmen, heimischen rindern: diu slang wirt unmæʒicleichen grôʒ in der weis. sie müet und laidigt des êrsten diu wilden rint und auch diu haimischen, alsô daʒ si sich legt an der rinder äuter, diu gar vil milch gebent. Megenberg 265, 8; die jagd der wilden rinder gehört zu den ernstesten, welche es giebt. Brehm
thierl.2 3, 372; gegen den nutzen, welchen die zahmen rinder leisten, verschwindet der geringe schaden, den die wildlebenden anrichten, fast gänzlich.
ebenda; alle (
diese rinderarten) haben die gröszte verwandtschaft unter einander, sowohl mit dem auerochsen als dem zahmen rinde. Tschudi
thierl. d. alpenwelt 523. 55) rind,
sich der bedeutung rindfleisch nähernd: das schæfin tuond si (
die metzger) under spiken, die netz kunnentz darüber zwiken und erschüben mit faisti allendhalb, es sig schaff, rinder oder kalb, das ains wend, es si die vaisti.
teuf. netz 9536; die seszhaften haben indische gottheiten und gebräuche angenommen und enthalten sich zum theil des rindes. P. v. Bohlen
das alte Indien 1, 45; gegenwärtig finden sich in Bombay und an anderen orten öffentliche fleischbänke für die Hindus, in denen, auszer rind, alle arten von fleisch, besonders aber lamm- und schweinefleisch, feilgehalten werden. 2, 161. 66)
das rind
gilt als ungeschliffen und dumm, so dasz es auch zum bild für einen solchen menschen wird: ich was mit sehenden ougen blint und aller guoten sinne ein rint. Walther 123, 36; er ist ein ren der wildekeit, ein ram der unbehende, der zühte ein rint.
minnes. 2, 369
a Hagen; dô sprach sîn wîp, er wær ein rint an allen wizzen sînen.
ges. abent. 2, 462, 193; tzu hoff pin ich gar enwiht, da sten ich alz ain ander rint, und pin ain haingetzogen chint, red noch antwürt ich niht chan. Suchenwirt 31, 41; ich bath wie ich noch war ein kind, wie die kinder fürwitzig sind. sie (
die mutter) wolts lassen einmahl geschehen, mich auch lassen die welt besehen. dieweil ein heymgezogen kind unverstendig blieb als ein rind. Rollenhagen
froschmeus. H 3
b; dieweil man aber herren kinder, nicht sol erziehen wie die rinder, sondern noch jung dazu gewennen, das sie die regiment erkennen. S 2
a; das rind, versteht sich nicht, dann nur auff stroh und gras, ein mensch laufft, rennt und schwitzt blosz um den vollen frasz. Logau 1, 108, 53; entschlaffne weisen liegt, ich sag' es euch verblühmt, o liegt! sonst wird euch ietzt das tümmste rind verlachen. Günther 528.
vgl. auch ochs, rindvieh,
einem starken trinker verglichen: dieses (
dasz nämlich kälber fleisch fressen und dasz nur ein geringer unterschied zwischen thieren und menschen ist) liesze ich mich um soviel desto ehender überreden, weil mich hungerte, und nicht darum, dasz ich hierbevor schon selbst gesehen, wie theils menschen säuischer als schweine, grimmiger als löwen, ... versoffener als rinder ... waren.
Simpl. 1, 136
Kurz. daher rind
geradezu trinker: schinbruckergrauen, die gern in den gärten schaffen, und alle andere saubere bestäubte verbrente kinder, und weinnasse dürstige rinder. Fischart
groszm. 12
neudr. 77) rind
in bildlicher darstellung. im anklang an den metallenen ochsen des Perillus: versuche mich mit schärfferm grimme, versaltze mir die junge zeit! verändre meine menschenstimme, und mach ein glüend rind bereit! dann will ich dir zur schande brüllen, und mehr verstockt als jammer-voll das ohr mit solchen flüchen füllen, dasz tag und licht verschwartzen soll (
an das glück). Günther 203.
von dem goldenen kalb: hochgeschürtzt bis zu den lenden und sich fassend an den händen, jungfraun edelster geschlechter kreisen wie ein wirbelwind um das rind — paukenschläge und gelächter. H. Heine 18, 55.