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Wisent

mhd. bis Dial. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
Anchors
9 in 9 Wb.
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4 von 16
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23

Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Wisent

Bd. 20, Sp. 690
Wisent (Bison Sund. Bonasus Wagn.). Gruppe der Gattung Rind (Bos L.). charakterisiert durch kleine runde, nach vorn gerückte und aufwärts gekrümmte Hörner, mehr breite als lange Stirn, lange, wollige Mähne an Stirn, Kopf und Hals, langen Kinnbart und fehlende Wamme. Der europäische W. (fälschlich Auerochs, Bison europaeus Ow., s. Tafel »Rinder II«, Fig. 4), das größte Säugetier des europäischen Festlandes, gegenwärtig 1,8 m hoch, 3,5 m lang und 600–800 kg schwer, früher aber ohne Zweifel erheblich größer, hat einen mäßig großen, wohlgestalteten Kopf mit plumper Schnauze, breiter Muffel, kurzem, gerundetem Ohr, sehr kräftigen kurzen Hals, kräftige Beine und kurzen, dicken Schwanz. Den Körper bedeckt ein überall dichter, fahlbrauner Pelz; an der Kopfseite und am Bart ist das Haar schwarzbraun, auf den Läufen dunkelbraun und die Schwanzquaste braunschwarz. Der W. wird jetzt in der Heide von Bjeloweschkij (sogen. Bialowiez, etwa 400 Stück) und im Walde von Mezerzitz und Jankowitz, auch in Pleß gehegt und findet sich wild noch an den Ufern des Kuban im Kaukasus. Er lebt in Rudeln, im Winter in kleinen Herden, nährt sich von Gräsern, Blättern, Knospen und Baumrinde, besonders von Eschenrinde, ist ziemlich lebhaft, im Alter höchst reizbar und jähzornig und lebt dann auch meist einsam. Die Kühe kalben 9 Monate nach der Brunstzeit, gewöhnlich im Mai oder Juni, aber kaum alle 3 Jahre einmal und viele sind unfruchtbar; das Junge erreicht erst mit 8 oder 9 Jahren seine volle Größe. Das Alter, welches der W. erreicht, wird auf 30–50 Jahre angegeben. In der Diluvialzeit und später fand sich der W., wie Knochenfunde beweisen, weitverbreitet in ganz Europa und einem großen Teil Asiens. Aristoteles und Plinius kannten ihn, nach dem Nibelungenliede fand er sich im Wasgau, unter Karl d. Gr. im Harz und im Sachsenland. Im 14. Jahrh. lebte er noch in Pommern, und in Preußen wurde der letzte 1755 erlegt. In Ungarn traf man ihn noch 1729 an und gegen Ende des 18. Jahrh. in den Szekler Bergwaldungen. Seit dem 17. Jahrh. wurde er mit dem Auerochsen verwechselt, der vielfach neben ihm vorkam, aber früher ausstarb. Die Jagd auf den W. schildert schon Cäsar als sehr ruhmvoll, und dies blieb sie auch im Mittelalter. In den Zoologischen Gärten ist der W. selten, hält aber gut aus und pflanzt sich auch fort. Das Fleisch wird sehr gerühmt und soll zwischen Rindfleisch und Hirschwildbret stehen. Das Fell gibt lockeres, schwammiges Leder. Die schönen, festen Hörner verwendet man zu Trinkgeschirren. Der nordamerikanische W. (Bison, Büffel, B. americanus Gm., s. Tafel »Rinder II«, Fig. 3), 2,6–2,9 m lang, mit 65 cm langem Schwanz, am Widerrist 2 m hoch, hat einen sehr großen, etwas plumpen Kopf und kurzen Hals, der steil zu dem unförmlich erhöhten Widerrist ansteigt. Die Rückenlinie fällt bis zur Wurzel des kurzen, dicken Schwanzes stark ab, und der in der Brustgegend verbreiterte Leib verschmächtigt sich nach hinten auffallend. Die Hörner sind sehr stark, an der Wurzel dicker, an der Spitze stumpfer und in ihrer Biegung einfacher als die des vorigen. Die Beine sind verhältnismäßig kurz und sehr schlank. Kopf, Hals, Schultern, Vorderleib und Vorderschenkel, der Vorderteil der Hinterschenkel und die Schwanzspitze sind lang, die Schulterteile mähnig. Kinn und Unterhals bartartig, die übrigen Leibesteile kurz und dicht gleichmäßig graubraun behaart. Der W. ist sehr lebhaft, geht stets eiligen Schrittes, wird im Galopp nur mit Mühe vom Pferd eingeholt, schwimmt auch gut, ist geistig wenig begabt, furchtsam, nicht leicht erregbar, entwickelt aber in der Wut große Wildheit. Der W. lebt in Herden, in denen die Stiere für sich und die Kühe mit den noch nicht zeugungsfähigen Kälbern gesonderte Trupps bilden, und zieht vom Juli an südwärts, um im Frühjahr wieder nach dem Norden zurückzukehren. Im Winter sucht er die waldigen Gegenden auf. Das hauptsächlichste Futter bildet ein die Prärien bedeckendes niedriges Gras. Während der Brunstzeit entwickelt der Stier einen unerträglichen Moschusgeruch, der auch das Fleisch durchdringt. Die Kühe kalben neun Monate nach der Brunstzeit. Der amerikanische W. bewohnte einst fast das ganze Nordamerika, westlich bis Nevada und Oregon, zwischen 65 und 25° nördl. Br., besonders die Prärien; er war in Herden von Millionen verbreitet und gewissermaßen das Haustier der Indianer, das ihm Nahrung und Kleidung lieferte; durch die Weißen wurde er zurückgedrängt und in weiten Strecken ausgerottet, aber erst seit Anfang der 70er Jahre des 19. Jahrh. begann von den Pacificbahnen aus ein Vernichtungskampf, bei dem geringen Gewinnes halber die Tiere massenweise getötet wurden. 1907 lebten in den Vereinigten Staaten nur noch 650 Stück und ebensoviel in Kanada, die meisten im Privat- oder Staatsbesitz, höchstens 500 im wilden Zustand. In der Gefangenschaft hält sich der Büffel sehr gut und pflanzt sich regelmäßig fort, er soll sich auch mit Hausrindern paaren und fruchtbare Nachkommen erzeugen. Vgl. Allen, The American Bisons, in den »Memoirs of the Museum of comparative zoology at Harvey College« (1876, Bd. 4); Westberg, Über die Verbreitung des W. (Riga 1900).
5149 Zeichen · 71 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    WISENTstm.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +3 Parallelbelege

    WISENT stm. büffelochse, bos bison. ahd. wisunt , gr. lat. bison Graff 1,1078. gesch. d. d. spr. 429. wisen: risen Reinh…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    WisentDer

    Campe (1807–1813) · +2 Parallelbelege

    ✱ ✱ Der Wisent ,

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Wisent

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Wisent ( Bison Sund . Bonasus Wagn .). Gruppe der Gattung Rind ( Bos L .). charakterisiert durch kleine runde, nach vorn…

  4. modern
    Dialekt
    Wisent

    Schweizerisches Idiotikon

    Wisent Band 16, Spalte 2072 Wisent 16,2072

Verweisungsnetz

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wisent

14 Bildungen · 10 Erstglied · 3 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von wisent 2 Komponenten

wis+ent

wisent setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

wisent‑ als Erstglied (10 von 10)

wisenthorn

DWB

wisen·thorn

wisenthorn , n. , horn vom wisent, als blas- und trinkhorn: mit kraft begunde ruofender degen ûz erkorn, daz im sîn stimme erlûtealsam ein w…

wisenthût

Lexer

wisent·hut

wisent-hût stf. ein wisenthout was sîn cleit Apoll. 10773. sîn swert sneit die w. ib. 10788.

wisenthūt

KöblerMhd

wisent·hūt

wisenthūt , st. F. nhd. Wisenthaut Hw.: vgl. mnd. wesenthūt Q.: HvNst (um 1300) (FB wisenthūt) E.: s. wisent, hūt W.: nhd. DW- L.: Lexer 325…

wisentier

BMZ

wisen·tier

wisentier stn. bubalus. urus gl. Mone 8,398. swenne ein jeger dem wisentier sîn jungin nimt Renner 19252. vgl. wisent.

wisentstier

DWB

wisent·stier

wisentstier , m. , bisonochse: von dem wisentstier ( überschrift ) Forer Gesners thierbuch (1563) 125 b ; jedoch werden daselbs zwey nammhaf…

wisenttier

Lexer

wisent·tier

wisent-tier , wisentier stn. BMZ = wisent Troj. 30141. 35592. Apoll. 10142. Renn. 19252.

wisent als Zweitglied (3 von 3)

inwîsent

MNWB

inwîsent, n. , gerichtliche Einweisung.

rechtwîsent

MNWB

recht·wisent

*° rechtwîsent , adj. (flekt. -d- ): (vom Kompaß:) ohne Berücksichtigung der Deklination justiert, rechtweisend, wat und wô vēl miswîsinge ê…

Ableitungen von wisent (1 von 1)

wisente

KöblerMhd

wisente , sw. M. nhd. Wisent, Bisonochse Hw.: s. wisent Q.: s. wisent E.: ahd. wisunto* 3, sw. M. (n), Wisent; s. wisunt W.: s. nhd. Wisent,…