lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

ranzen

mhd. bis spez. · 19 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
33 in 19 Wb.
Sprachstufen
7 von 16
Verweise rein
74
Verweise raus
91

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

ranzen m.

Bd. 14, Sp. 110
ranzen, m. 11) tragesack zum umhängen, lederner oder stoffener behälter zum tragen auf dem rücken: bair. tirol. ranzen, kärntn. schweiz. nassauisch ranze; einst nur ein niedrig mundartliches wort der bettler dieser gegenden (in einem volksmäszigen vierzeiler wird es dem bettelsack gleichgestellt, vergl. th. 1, 1731) und wandernder krämer, schriftlich auch in derber rede solcher leute gebraucht: derowegen nam ich einen wecken aus meinem ranzen. Simpl. 3, 324 Kurz; keine schüssel wurde abgehoben, .. aus deren ich nicht meinen part nahm, und so wol die hosensäck und meinen ranzen damit füllete als den magen. 328; Vitellius .. nachdem er gnug die wampen, wie einen wanderranzen angefüllt. Abr. a S. Clara Judas 2, 43; so auch wenn es einen volkswitz wieder zu geben gilt: jener einaugige gesell spöttlete einen armen buckleten tropfen, so früh morgens ihme begegnet, mit diesen schimpfworten, wo wilst du so frühe hinraisen, weilen du den ranzen schon aufgeladen. 1, 80; erst seit dem 17. jahrh. berücksichtigen es wörterbücher in der form ranzen: ein ranzen, bulga, vidulus, ein raucher ranzen, vidulus hispidosus Stieler 1522; der ranzen, sacciperium, mantica, der ranzen hängt auf dem rücken, mantica est in tergo Steinbach 2, 216; oder ranze: ranze, mantica, pera, ascopera Kirsch cornuc. Hederich 1817; ranze, bulga viatoris, ascopera, mantica peditum, ein sack von fellen, den die reisenden auf dem rücken tragen. Frisch 2, 86b; und es wird ein allgemein schriftdeutsches wort, auch in edler sprache gebraucht; als ranzen des bettlers: und sie reicht ihm den stab und den garstigen ranzen, häufig geflickt ringsum, und daran ein geflochtenes tragband. Odyss. 13, 435, vgl. 17, 197; aber die andern gaben ihm all und erfüllten den ranzen ihm mit brot und mit fleisch. 17, 411; zur seite liegt der stab, gefüllt mit bettelbrode liegt der ranzen. A. v. Droste-Hülshoff ged. 288; ranzen des wanderers, des reisenden; der briefbote, der sonst nur zweimal in der woche seine ledertasche durch die fluren trug, erscheint jetzt alle tage, sein ranzen ist schwer von briefen und zeitungen. Freytag soll u. haben 1, 466; den ranzen schnüren, sich auf die wanderschaft machen: er konnte mir zu jeder zeit das consilium abeundi ertheilen, und ich muszte dann auf der stelle den ranzen schnüren. H. Heine 10, 176; ranzen des schülers, vergl. schulranzen. 22) ranzen in grober rede, der bauch, sofern er gefüllt ist oder gefüllt wird; so wieder in den oben angeführten mundarten, und danach schriftdeutsch: ranzen, dicker leib, abdomen Steinbach 2, 216; im zustande der schwangerschaft: sie hat den ranzen voll, gestat in alvo, praegnans, gravida est. Stieler 1522; oder bei völlerei: ich will dir den ranzen heute voll saufen, ego te hodie madidum reddam. ebenda; ranze heiszt im spott venter promissus, projectior, obesus. Frisch 2, 86b; hatte sie ihren ranzen nach willen angefüllet. ehe eines mannes 240; oder sonst: risz die rasende furie zu boden .. und stiesz derselben meinen pallasch so tief in den ranzen hinein als ich konte. Felsenb. 1, 58; einst lag das unthier (das krokodil) an dem strande des stroms gestreckt, und dörrte sich den feuchten ranzen säuberlich in der Egypter tiefen sande. Lichtwer fab. 3, 3; als fem. aufgeführt: die ranze voll saufen, pantices madefacere. Serz 122b; er hat eine grosze ranze, adeps corporis obesi, cui pinguis aqualiculus propenso sesquipede extat. ebenda. 33) ranzen für buckel, rücken: jemanden etwas auf den ranzen geben, ihn prügeln. Adelung. vergl. dazu das zweite verbum ranzen 2. 44) die herkunft des wortes ist dunkel; auch wenn im niederdeutschen renzel (vergl. oben ränzel) nach der schreibung rent-sel, rent-ser ein niederd. stamm rant, der hochd. ranz sein müste, steckt, ist bei der sonstigen unbezeugtheit dieses stammes nichts gewonnen. nur so viel ist klar, dasz die zweite bedeutung von ranzen (der auch niederd. renzel für bauch entspricht, brem. wb. 3, 480) ein bild der ersten ist, nicht umgekehrt, wie schon die stelle aus Abr. a S. Clara oben unter 1 lehrt. ein mhd. rans, bauch, wanst (aufgeführt bei Lexer mhd. wb. 2, 342 aus dem buche von guter speise 4, 8), von dem man bei erklärung unseres wortes ausgegangen ist, gibt es nicht, rans heiszt aielmehr nur rüssel, saurüssel, und ist offenbar nicht verwandt: findet sie (die sau) ienen im garten ein bauren feiel und kegel, denn stoszet sie das maul oder rans darein. Keisersberg seelenpar. 228a; sie (die nachreder) sein die sauw, die ee den ransz in dreck stoszet dan in blumen. narrensch. 199a; in derber rede vom menschlichen munde: der hunt im (einem mörder) sînen kiuwel beiʒ, und want im kiuwel unde rans. ges. abent. 1, 180, 403.
4697 Zeichen · 75 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    ranzenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +1 Parallelbeleg

    ranzen swv. ib. intr. ungestüm hin u. her springen. pöckisch woll wir umbhin ranzen Wolk. 58. 3,5 ; tr. einen springen m…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    ranzensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    ranzen , sw. V. nhd. herumlaufen, herumrennen Hw.: vgl. mhd. ranzen E.: s. mhd. ranzen?, V., „ranzen“, ungestüm hin und …

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Ranzen

    Adelung (1793–1801) · +10 Parallelbelege

    Ranzen , verb. reg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben bekommt. Es ist nur in den gemeinen Spr…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    ranzen

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    ranzen iSv einen ranzigen Geruch verbreiten; im Spottgedicht mBez auf menschliche Leichname [ mBez auf Kotzebues Garten …

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Ranzen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Ranzen , in der Jägersprache vom vierläufigen Raubhaarwild soviel wie sich begatten.

  6. modern
    Dialekt
    Ranzen

    Elsässisches Wb. · +13 Parallelbelege

    Ranze n , Ranzer [Ràntsə fast allg.; Ràntsər Geisp. ; Rântsə Mutzig ; Rntsə Bisch. ; Pl. Rantsə; Demin. Rantsələ Osenb.…

  7. Spezial
    Ranzen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Ran|zen m. (-s,-) 1 (Schultasche) tascia da scora f. 2 (Hirtentasche) ronz (ronc) m. 3 ‹pop› (Bauch) punza (-zes) f. ▬ s…

Verweisungsnetz

110 Knoten, 122 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 19 Hub 1 Kompositum 77 Sackgasse 13

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ranzen

33 Bildungen · 20 Erstglied · 12 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von ranzen 2 Komponenten

ran+zen

ranzen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

ranzen‑ als Erstglied (20 von 20)

Ranzengarde

SHW

Ranzen-garde Band 4, Spalte 1215-1216

Ranzenknopf

SHW

Ranzen-knopf Band 4, Spalte 1215-1216

Ranzenlaib

SHW

Ranzen-laib Band 4, Spalte 1215-1216

Ranzenweh

SHW

Ranzen-weh Band 4, Spalte 1215-1216

Ranzenblitz

PfWB

ranzen·blitz

Ranzen-blitz m. : 'Schuljunge', scherzh., Ranzeblitz [NPf ( Thielen 90)]. —

Ranzengarde

PfWB

ranzen·garde

Ranzen-garde f. : 1. a. 'mit Ratschen ausgerüstete Abteilung, die vor dem Fastnachtszug marschiert', Ranzegaʳd [Kaislt]. Die Fasenacht, die …

ranzenieren I

RhWB

ranzenieren I rantsənī:rən  Elbf schw.: anranzen.

ranzenieren II

RhWB

ranzenieren II das Wort rantsənī:rə, –nē:rə [ Goar , Zell , Bernk auch rans- ; Merz-Bergen Nunk ręnts- ; Trier-Mehring ręntsəlwErən ] , …

Ranzenjahr

DRW

ranzen·jahr

Ranzenjahr, n. letztes der drei Karenzjahre eines neu eingetretenen Stiftsfräuleins [Register des Dechantinnen-Amts] es sein dis jahr in der…

Ranzenknebel

RhWB

ranzen·knebel

Ranzen-knebel -īw- Birkf-Idar m.: Doppelknöpfe, zwei sechseckige Achatstäbchen, durch ein Kettchen verbunden, zum Schliessen des Herrenrocke…

Ranzenkorb

RhWB

ranzen·korb

Ranzen-korb -ntsəl- Goar-Trechtingshsn m.: hoher, bauchiger Korb mit Deckel.

Ranzenmänner

RhWB

ranzen·maenner

Ranzen-männer Bergleute vom Westerwald, die in Siegld-Gosenb arbeiteten; sie gingen Samstags mit ihrem Rucksack, gefüllt mit ihren Bedarfsge…

Ranzenmann

RhWB

ranzen·mann

Ranzen-mann m.: Quartiermann, Bergmann, der im Quartier wohnte (wegen der Taschen, die er trug) Saargeb.

ranzenreiter

DWB

ranzen·reiter

ranzenreiter , m. postknecht, welcher die briefe von einer post zur andern im ranzen befördert: ranzenreuter Jacobsson 7, 31 b .

Ranzenrisser

PfWB

ranzen·risser

Ranzen-risser m. : 'schlechter Wein', Ranzerisseʳ [ BZ-Nd'ottb ]; Syn. s. Rachenputzer 1 a. —

Ranzen (Subst.)

Wander

ranzen·subst

Ranzen (Subst.) Ranzen (Subst.). 1. Dear hot'n Ranza wie der Propst von Marchthal. ( Zwifalten. ) – Birlinger, 975. 2. Den Ranzen voll haben…

Ranzen (Verb.)

Wander

ranzen·verb

Ranzen (Verb.) Ranzen (Verb.). 1. Sich ranzen wiera ag'stochna Sau. ( Oberösterreich. ) – Baumgarten. 2. Sich ranzen wiera Sau im Kindlbett.…

Ranzenweh

PfWB

ranzen·weh

Ranzen-weh n. : 'Bauchweh', -weh [ LU-Altr ]. Südhess. IV 1216 ; Els. II 777 .

ranzen als Zweitglied (12 von 12)

abranzen

DWB

abranzen , discurrere, müde ranzen. sich abranzen.

anranzen

DWB

anranzen , objurgare, increpare, einen anfahren: blitz, ich musz fort, sonst ranzt er mich um seine nichten an. Fr. Müller 2, 66 . Schmeller…

Curanzen

Wander

cur·anzen

Curanzen Einen curanzen (auch coranzen). Dieser sprichwörtliche Ausdruck kommt daher: Curanze war eine französische Festung zur Zeit des Hug…

koranzen

DWB

koran·zen

koranzen , wie kuranzen, s. d.: wart, ich werd euch mal koranzen. Voss 4, 56 .

kuranzen

DWB

kur·anzen

kuranzen , ein volksmäsziges kraftwort, im 17. jahrh. auftauchend. 1 1) die jetzt gewöhnliche bed. ist prügeln, tüchtig durchprügeln: ich mu…

spranzen

DWB

spranzen , verb. 1 1) einherstolzieren. so mhd.: darzu mit springen und mit spranzen. fastn. sp. 397, 10 ; wir wellen klaider und har dar zu…

use(n)ranzen

Idiotikon

use(n)ranzen Band 6, Spalte 1159 use(n)ranzen 6,1159

verfranzen

Pfeifer_etym

ver·franzen

verfranzen Vb. ‘sich verlaufen, verirren’, zuvor ‘sich verfliegen’ (20. Jh.), abgeleitet vom Eigennamen Franz als einer scherzhaften Bezeich…

Verranzen

Adelung

ver·ranzen

Verranzen , verb. regul. act. durch Ranzen, d. i. heftige und ungezogene Bewegungen, verderben, im gemeinen Leben. Das Bett verranzen.

Ableitungen von ranzen (1 von 1)

Verranzen

Adelung

Verranzen , verb. regul. act. durch Ranzen, d. i. heftige und ungezogene Bewegungen, verderben, im gemeinen Leben. Das Bett verranzen.