Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
naht
Kb, Ra]. 22 [Pa, Kb]), in der Sam (1,189,21)
und weiteren Gl., BR, I, T, OT, APs, B, GB,
LB, MF, MH, O, Oh, BB, Ps 138, Ph, NBo,
NMC, Ni, Nps, Npg, Npw, WeGB und AGB:
‚Nacht, Abend, Dunkelheit, Finsternis; nox, se-
rae umbrae, tenebrae‘, anagântiu naht ‚Nacht-
anbruch; tempus primae noctis‘, fornentîgero
naht ‚bei Nachtanbruch; tempore primae noc-
tis‘, fornentîg / fornentigiu naht ‚Nachtbeginn;
prima nox‘, giberaht(i) naht ‚Nacht der Ver-
klärung; dies sanctus Theophaniae‘, mitti naht
‚tiefe Nacht, Mitternacht; profunda pars noctis
quam dicimus mediam‘, mittiu naht ‚Mitter-
nacht, tiefe Nacht, Zeit vor Nachtende; im-
maturum tempus noctis, intempesta .i. media
nox, opaca nox‘, stilli naht ‚Mitternacht; media
nox, tempesta noctis‘, gistillanti naht ‚lautlose
Nacht; intempesta nox‘, mittilôdi naht ‚Nacht-
mitte; media nox‘, in deseru naht ‚heute Nacht;
hac nocte, in ista nocte‘, des nahtes ‚die Nacht
hindurch, bei Nacht; per noctem‘, allêm nahtum
‚in jeder Nacht; omni nocte‘, des tages joh de-
ra naht ‚bei Tag und Nacht; diei noctisque‘,
finstarî dera naht ‚dunkel umwölkte Nacht; nox
atris nubibus‘, wahta dera naht ‚Nachtwache;
vigilia‘, alla dia naht wahtên ‚Nachtwache
halten; vigilare‘, hina ferro nahtes ‚in tiefer
Nacht; profunda nocte‘, wahta haltan dera naht
‚Nachtwache halten; vigilias custodire‘, ubar
naht wachên ‚die Nacht wachend verbringen;
pernoctare‘, tages inti nahtes ‚unablässig, im-
merzu; nocte et / ac die, die noctuque‘, unz zi
naht ‚bis zur Nacht; usque ad noctem, usque ad
vesperam‘, daz tag inti naht anaist ‚Tag und
Nacht vorhanden; perdius pernoxque‘, dô naht
ward dô ‚mitten in der Nacht, zu nächtlicher
Stunde; media nocte‘, sô diu naht firgât inti iz
(hina) tagên biginnet, sô diu naht hinawirdit
‚morgens, früh; mane, in matutino‘, zi waltanne
dera naht tuon ‚zur Macht über die Nacht
verhelfen; in potestam noctis facere‘, dero naht
rûmen fora dera finstarî ‚die Nacht vor völli-
ger Finsternis bewahren; tenebras prohibēre‘
sowie die Verbindung tag inti naht, naht inti
tag zur Bez. für das ‚Glaskraut; parietaria,
vitetoxicum‘ (Parietaria officinalis L.). Benen-
nungsmotiv sind auffallende Farbunterschiede
der Blätter, die durchscheinend punktiert sind
und auf diese Weise helle und dunkle Stellen
aufweisen (vgl. Marzell [1943–79] 2000: 3,
571. 573; Seidensticker 1997: 74) <〈Var.: -ch-;
metathiertes -th(-)>〉. – Mhd. naht st.f. ‚Nacht,
Abend‘, gen.sg. nehte, naht, nom.pl. nehte,
nahte, naht, in Wendungen wie naht unde tac
‚immer‘, vinster als / sô die naht ‚völlig finster‘,
naht zuo tac machen ‚nachts taghell leuchten‘,
diu heilege naht ‚Heiligabend, Nacht vor Weih-
nachten‘, got gëbe iuch guote naht als Ab-
schiedsgruß zur Nachtruhe, morn ze naht ‚mor-
gen abends‘, gegen naht varn verhüllend für
‚sterben‘, zur Angabe von Fristen, Fristbe-
stimmungen, die nicht nach Tagen, sondern
nach Nächten gerechnet wurden; vgl. vierzehen
naht ‚14 Tage‘, drî vierzehen naht ‚6 Wochen‘,
frühnhd. nacht f. ‚Nacht, Vorabend‘, die erste
Nacht ‚Zeit des (ehelichen) Beilagers (auch im
Kontext des jus primae noctis)‘ (DRW 9, 1275),
nhd. Nacht f. ‚Zeitraum zwischen Sonnenun-
tergang und Sonnenaufgang, zwischen Ein-
bruch der Dunkelheit und Morgendämmerung‘,
die Nacht zum Tage machen ‚die ganze Nacht
feiern‘, bei Nacht und Nebel kommen ‚heimlich
und plötzlich kommen‘, nhd. mdartl. auch als
Pflanzenbez. in der Verbindung: schles. tag und
nacht ‚Wachtelweizen‘, meckl. dag un nacht
‚Echtes Glaskraut‘.