Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
NAHT stf.
1. die nacht, der abend. eʒ was ûf den âbent komen, daʒ diu naht gar hete benomen dem tage sînen brehenden schîn Mai 184,2. naht unde tac Walth. 20, 8. Nib. Z. 11,31. bî der ich vil gerne tougen wære, beide naht und ouch den liehten tac Walth. 112,26. hât der winter kurzen tac sô hât er die langen naht das. 118,6. die lange naht gekürzen fragm. 31. c. in der langen nehte (: mehte) das. sô wol mich danne langer naht MS. 1,63. b. got gebe iu, frowe, guote naht Walth. 101, 21. got gebe iu allen guote naht Winsbekin 18,10. guoter naht wunscht er im Greg. im leseb. 314,21. ich vergiʒʒe ir niemer gegen dem âbent guoter naht dar zuo (zum guoten tac) leseb. 615,20. si fuoren manege mîle ê daʒ eʒ würde naht Nib. Z. 58,52. die naht unz an den tac das. 96,72. dô erbiten si der nahte das. 152,21. diu naht was vinster unde kalt Iw. 214. vil der kalten nahte (: wahte) liten wir ûf dirre vart MS. 2,108. b. trüebe unde swâr Iw. 270. trüebe und vinster als diu naht Trist. 1301. diu naht gienc an Iw. 148. 268. eʒ gienc an die naht das. 214. möhtet ir vor der naht hân gesehen das. 272. er lâʒe die naht ein tac sîn das. 86. der liehte tac wart ir ein naht das. 57. sô eʒ uns oben her abe naht ist Berth. 288. — im genitiv. der nähte wart ir maht so starc, daʒ si aber ir geste, als schiere als iʒ wart tagende, mit gewalte wurden jagende Trist. 5508. der naht er liehtes glanzes pfliget Barl. 235, 28. derselben naht, unde er in vant, si wurden herzelîche vrô das. 200,28. ir sint der herre, der mich der andern naht fuorte myst. 266,4. — im accusativ. alle die naht myst. 221,23. darûf was ir wesen die naht Trist. 5507. — mit präpos. er hab eʒ danne kouft an der naht bei Scherz 1103. nimet ein man deme andern sîn korn bî nacht mühlh. rb. 47,13. in der nehte MS. 2,185. b (so zu lesen statt die). dô bleib er über naht (während der nacht) Ludw. 41,22. de nocte über nacht Diefenb. gl. 91. ubir nacht belîben Jerosch. Pf. 68. c. daʒ sol man gelden über die werenden (weridin die hs.) nacht, nach verlauf der dauer einer nacht, mühlh. stdtr. 51,8. über tac und über naht Eneit 174,1. doch sach ich eteswenne den tac, daʒ du über naht in mîner pflege wære MS. 1,72. b. dîne leiche ich gerne hœren wil underwîlen wider naht Trist. 3651, gegen abend. ze naht, in der nacht, am abende, das. 1557. schiere ze naht od morgen fruo wil ich si sehen Eracl. 3459. diʒ geschach ûf den heiligen tag ze naht zürch. jahrb. 81,2. daʒ ir hinze naht ir bî geliget frauend. 367,1. — bei bestimmung von fristen pflegt nach nächten gerechnet zu werden. über diesen in die ältesten zeiten zurückweisenden (vgl. Tac. Germ. c. 11. nec dierum numerum, ut nos, sed noctium computant) und mit der beobachtung der mondzeit zusammenhängenden gebrauch vgl. RA. 868 u. 821. Schmidt, schwäb. wtrb. s. 398 fg. ich wil iuch hœren lân in disen siben nahten, swes ich mich berâte Nib. Z. 221,34. ê daʒ wir selbe varn dar nâch in siben nahten in Etzelen lant Nib. Lm. 1420, 3. siben naht bîten Iw. 108. im nom. u. acc. plur. bleibt hier naht unflectiert. dô wart ein hôchgezît gemaht und ein hof, der siben naht mit hôhen êren werte troj. 23080. eine besonders häufige frist ist die vierzehntägige. 'das heidenthum berücksichtigte den mondwechsel. da nun zwischen jedem vollmonde und neumonde vierzehn nächte liegen, so erklärt sich hieraus die basis für alle gerichtsfristen' RA. 821, vergl. das. 217 fg. vierzehen naht tweln Iw. 208. vierzehen nacht nâch sungichten Königshofen, im leseb. 931,19. ê si begraben wêren, wâren liden vierzehen nacht Herb. 8125. si lengeten den fride über vierzehen naht Eneit 259,31. vgl. das. 310,19. ein tagedinc si sprâchen über vierzehen naht dar nâch das. 333,1. vgl. Rother 1293. der smit sprach 'über vierzehen naht die slüʒʒel werden bereit' Trist. 6002. mit râte ein fride wart gemacht, wider geschriben ûf viertzehen nacht Ludw. kreuzf. 7537. er leget sîn dinc (gericht) ûʒ über virtzehen nacht kulmer r. 2,25. daher als ein wort behandelt. des wâren nu hin die virtzennaht Ludw. kreuzf. 5003. auch längere fristen werden nach dieser als einheit gemessen. des hât er tag dry virtzen nacht kulm. r. 3,69. man sol in sînen weren lâʒen suochen drî virzennacht mühlh. rechtb. 33,8. wil er in danne aber vorderen, daʒ muoʒ er tuon drî virzennacht also von êrist das. 40,19. über drî virzennacht das. 52,1. vgl. RA. 222. und Scherz 1102. — zuweilen wird bei fristbestimmungen die nacht vor dem tage genannt (vergl. Tacit. Germ. 11: nox ducere diem videtur). sus bin ich eine sider geswebet, wol vierzic naht und vierzic tage Trist. 7602. siben naht und aht tage, d. h. eine volle woche, Parz. 795,13. dagegen ist drî naht und drî tage Nib. Lm. 997,1 eine verkehrte anwendung dieses dem schreiber geläufigen gebrauches, die nur in A sich findet; denn hier beginnt die frist, von der die rede ist, mit einem tage u. schliesst mit einer nacht. — personificiert. wolt got, vrou Naht, solt ir bî mir belîben, biʒ daʒ ich iuch von danne hieʒ Msh. 3,428. a.
2. der vorhergehende abend, der vorhergehende tag. an sancte Jôhannes naht, am vorabende vor dem feste des apostels Johannes, Iw. 42. in heiligen nachten und in anderen unzemelîchen zîten Leys. pred. 33,10 bezeichnet ebenfalls wohl die vorabende von festen, vergl. nehten, ferner Kristisnaht, Osternaht, vîrenaht.