fort ,
porro, prorsus, protinus, procul, eine partikel, die sich goth., wo man faurþ,
ahd., wo man ford
zu erwarten hätte, gar nicht zeigt, alts. forth,
ags. forð,
fries. forth,
mhd. vort,
nnl. voort,
engl. forth
lautet. wie die angeführten lat. wörter unter sich und den praepositionen pro
und per
verwandt sind, unterliegt auch die berührung zwischen fort
und den partikeln faur, faura, fair
keinem zweifel und auf die analogie der bildungen fort
und fert,
die in forn
und fern
widerscheint, wurde 3, 1548
gewiesen. das mangelnde ahd. ford
findet seine bestätigung in forder
und fordern,
in fürder
und fürdern.
noch aber ist dem fort
auch dort
ähnlich, das sich aus dem pronominalen dar
leitet und den begrif der ferne enthält, wie das unmittelbar dazu gehörige dannen
ein von da, davon
deinceps und porro ausdrückt. wenden wir uns zur bedeutung, so ist in fort
zweierlei, sowol der vorschritt, fortschritt, das weitere, als auch ein abgang, weggang, das ferne gelegen, sowol das protinus, vorwärts als das procul, abhinc, abwärts, denn der vorrückende, fortrückende geht zugleich von dem bisher eingenommnen orte weg. jenes dürfte die positive vorstellung, dieses die negative, privative heiszen. das positive fort!
meint age! das negative apage (
ἄπαγε)
! den nordischen sprachen ist ein nicht ungünstiger unterschied eigen, der an allem, was bisher gesagt wurde, irre machen könnte. Schweden und Dänen drücken unser positives fort
gleichfalls durch fort,
das privative aber durch bort
aus und viele ihrer zusammensetzungen, die bei uns zweideutig sind, empfangen damit volle deutlichkeit, z. b. das schw. fortg
ist progredi, procedere, bortg
abscedere, discedere, abire. so treffend diese ausdrucksweise scheint, verliert sie doch historisch betrachtet. die altn. sprache nemlich kennt kein forð,
wol aber für bort,
abhinc hat sie braut, â braut,
das in schw. dän. bort
verschoben wurde, fort
hingegen, wie schon das t
lehrt, ist aus dem deutschen entlehnt. braut
bedeutet nun eigentlich via strata, von briota
frangere, welche beide, nomen und verbum, den übrigen dialecten abgehn, 2, 351
wurde gleichwol ein ahd. prioʒan, briutan
vermutet, die sich auf die linie von giutan, niutan
u. s. w. (3, 1793)
stellen. braut,
folglich bort,
schlieszt sich offenbar an verba in der weise und im sinn unseres weg
und des it. via,
so dasz bortg
vollkommen unserm weggehen
und dem it. andare via,
ja dem fr. s'en aller
entspricht, dessen en = inde
steht. wir hätten also ein mittel an der hand, jener zweideutigkeit auszuweichen, wenn wir, wie oft geschieht, weg
setzen wollten, da wo das fort
ein bort
ausdrückt. doch besser ist, dasz wir auch dem fort
beide bedeutungen lassen, wie sie ursprünglich darin enthalten und auch an andern partikeln wahrzunehmen sind, vgl. was 1, 820
bei aus
gesagt wurde. an buchstäbliche verwandtschaft zwischen fort
und bort (
wie f
und b
öfter wechseln)
ist kein gedanke, da fort
eigentlich ein d,
altn. ð
hat, bort
ein t =
ahd. ʒ.
ihre ähnlichkeit ist bloszer zufall; vgl. übrigens hd. port
unter fortmüssen, sein, sollen.
Wie schon ahd. ford
ausfällt, darf die seltenheit des mhd. vort
nicht verwundern, das sich zum reim auf wort, ort, hort
und das gleich unhäufige dort
eignete. die guten dichter des 13
jh. liefern nur wenige beispiele, und meines wissens lauter des positiven vort: (reit) in jënen boumgarten vort.
Er. 8899; hie ein tjost, diu ander dort. daʒ her begunde auch trecken vort.
Parz. 357, 2; kêrte wider unde vort.
Lanz. 3110.
anderwärts gibt es mehr stellen: diu êrste sprach aber vort.
GA. 1, 374
und 375 von Priamo spriche ich vort. Herbort 3124; beide vort und wider. 4227; dannoch ûf den tac vort. 7918; ër sluc si vort und wider. 8853; beide vor und vort wart daʒ mêre gebreit. 12242; sie sprâchen ir ze leide beide vor und vort spêhe rede und scheltwort. 12803; vil manige rede si tâten beide vor und vort. 13095; dër wint lieʒ ouch dare gân und warf sie vort und wider. 17092; eʒ vûr vort und vure von der want zu der ture. 18232; sô müeʒe si got trœsten dort, nu wil ich aber sagen vort.
livl. chron. 7345; 8495; ind genk mit dem trussêten vort.
Karlm. 22, 31; vort so weisz ich mê gewis. 30, 41; do lach id allet gar dar nëder beide vort ind wëder. 203, 24; hei halp up ind nëder beide vort ind wëder. 207, 40; wat mocht ich mê wort kêren wëder inde vort. 241, 8.
die partikel scheint vorzugsweise im mittlern und niedern Deutschland verbreitet, wie sie bereits alts. ags. und nl. galt. das vort und wider
begegnet gerade so im mnl. voort ende weder.
nhd. hat sie einen noch gröszeren umfang und steht 11)
für fortan,
oft in dem gelinden sinn, den auch unser jetzt
oder nun
und das lat. jam, porro
haben, so dasz es in einigen der folgenden bibelstellen von Luther
hinzugesetzt wird, ohne dasz ein bestimmter ausdruck des textes entspricht, meistens in verneinenden sätzen: wenn du den acker bawen wirst, sol er dir fort sein vermügen nicht geben, unstet und flüchtig soltu sein auf erden.
1 Mos. 4, 12; so wartet nu des dienst des heiligthums und des diensts des altars, das fort nicht mehr ein wüten kome uber die kinder Israel.
4 Mos. 18, 5; und füre das volk nicht wider in Egypten umb der rösser menge willen, weil der herr euch gesagt hat, das ir fort nicht wider durch disen weg komen solt.
5 Mos. 17, 16; ich wil fort nicht mehr hören die stim des herrn meines gottes. 18, 16; ich werde fort nicht mit euch sein, wo ir nicht den bann aus euch vertilget.
Jos. 7, 12; das man fort nicht mehr da wone noch iemand da bleibe fur und fur.
Es. 13, 20; weil sichs so lang verzeucht, so wird nu fort nichts aus der weissagung.
Ez. 12, 22; denn ir solt nu fort inne werden, das keine gesicht feilen. 12, 24; wie vil weniger kan nu fort mehr etwas draus gemacht werden. 15, 5; und bin fort nicht mehr werd, das ich dein son heisze.
Luc. 15, 9; wir gleuben nu fort nicht umb deiner rede willen, wir haben selber gehört und erkennet, das dieser ist warlich Christus.
Joh. 4, 42; sihe zu, du bist gesund worden, sündige fort nicht mehr, das dir nicht etwas ergers widerfare. 5, 14; und wandelten fort nicht mehr mit ihnen (
goth. þanaseiþs). 6, 66; ich werde fort mehr nicht viel mit euch reden, denn es kompt der fürste diser welt und hat nichts an mir. 14, 30; umb die gerechtigkeit aber, das ich zum vater gehe und ir mich fort nicht sehet. 16, 10; das er in aber hat von den todten auferweckt, das er fort nicht mehr sol verwesen.
apostelg. 13, 34; das ir nu fort im deste mehr vergebet und tröstet.
2 Cor. 2, 7; so haben doch nu fort die keine entschüldigung, die wissentlich zwingen und sich zwingen lassen. Luther 6, 324
a; ich bin entschüldigt itzt, fort an jenem tage und in ewigkeit. 8, 38
a; so hat die sünde ire kraft auch ganz und gar verlorn, das sie fort mehr nicht reizen noch schrecken mag. 8, 323
a; nun hab fort dein wonung bei mir, mein haubtstat die steh offen dir. H. Sachs III. 1, 70
d; dardurch er sie alsbald verlur das er sie fort sah nimmermehr. Ayrer 323
b; nimmermehr ich fort zu euch kumb. 457
d; dasz dich fort nich mehr erschrecke deines feindes ungestü
m. P. Gerhard 2, 10; ich bleibe fort bei euch. Fleming 66; disz hast du vor gethan, fort wird es nicht geschehn. 146; soll ich euch fort nicht sehen, so ists ümm mich geschehen. 449.
statt dieses fort
wird heute nur fortan
oder hinfort
gesetzt, welches auch in den angezognen bibelstellen die späteren ausgaben einführen. 22)
unmittelbar daran grenzt fort
für porro, ferner, weiter, anhaltende, dauernde bewegung ausdrückend, oft im geleite anderer partikeln: so fort,
sic porro, und so fort,
et sic porro; sofort,
illico, statim, alsbald; in éinem fort; immerfort,
immerdar, fortwährend, welche sämtlich an ihrer stelle besonders abgehandelt werden. dies fort
bezieht sich zwar meistentheils auf das verbum des satzes (
s. hernach),
steht aber auch noch unabhängig, z. b. in Göthes
bundeslied heiszt es nach dem ersten druck im Merkur 1776
febr. 124: uns wird es nimmer bange, wenn alles steigt und fällt, und bleiben lange, lange fort ewig so gesellt,
späterhin 'auf ewig'; so! die menschheit fort zu ehren, lasset, freudig überein, als wenn wir beisammen wären, kräftig uns zusammen sein. 47, 135; giesze nur, tränke nur fort die rothbemäntelten frösche. 1, 353; nur durch deine leitung, deinen beistand kann er seine tugend fort ausüben. Klinger 5, 297. 33)
verstärkungen. 3@aa) fort und für: so so thu fort und für, so stelle heirath
an. Opitz 1, 240; das ohr klingt fort und für, und läutet mir zu grabe. Günther 701; versichre nur für mich den gnädigsten gemahl, mein wunsch sei fort und für nach überstandner qual ihm, wie ich schuldig bin, vor so viel gnad und güte nur einen dienst zu thun. 827. 3@bb) fort für fort: in welchen sie fort für fort grünen.
poeterei s. 73; die wir das trübe meer des irrthums fort für fort mit groszer angst durchreisen. Opitz 2, 108; die duplierung deiner freuden die verspricht sich fort für fort in dein wort, nimmermehr von dir zu scheiden. Fleming 395; den stein, den kann man nicht gar wol erheben, er ruhet fest und unbeweglich dort, so liegt und bleibt dergleichen fort für fort. Schönborn
bei Gryphius 2, 502; der weg, welchen unser heiland fort für fort gewandelt. Butschky
kanzl. 652; wenn das widersinnische gelücke mir fort für fort alle mittel benimt. 36; beherzige, dasz du fort für fort abstirbest. 889; der himmel, welcher von dem ersten augenblick seiner schöpfung bis auf diese stunde seine bewegungen fort für fort behält.
Patm. 594. 3@cc) fort und fort: darauf der hohmeister fort und fort drang auf seine privilegien. Schütz
Preuszen 147; und wünschen fort und fort wollustig gute tag. Rompler 152; wan fort und fort der tonder kracht. 176; und ergetzt sich fort und fort. Günther 18; vielmehr ihre sicherheit in der ihnen, nach ihrem geruch und geschmack temperierten luft fort und fort suchte.
Felsenb. 4, 243; gewis, er hiesz mich nicht wieder gehen, ich dürfte fort und fort im haus herumwandeln. Bettine 2, 31; will von euch an eine that nicht fort und fort erinnert sein, bei der ich nichts gedacht. Lessing 2, 224; was mit blick und halbem wort fragest du mich fort und fort. Rückert 102; und es soll auf diese weise brennen fort und fort ihr ruhm. 203; und singen ihres vaters lieder fort und fort. 533; schwärmt nur immer fort und fort. Göthe 12, 283; und das gekicher dauerte fort und fort, so viel sie auch sangen und spielten. 40, 255. Opitz
hat auf allen blättern für und für.
man sieht, wie nah sich vor, für, fort
liegen. 44) fort!
im sinne von age, agite! weiter: fort gelben! bis der trab euch das gebisz beschäumt. Caniz 270, gelben!
wird den gelben, fahlen pferden zugerufen, wie es vorher s. 267
hiesz: die gelben merken dies und fangen an zu prauschen; spude dich, Kronos, fort den rasselnden trott! Göthe 2, 68; ich kenne das. fort! (
rede weiter). Schiller 149
b; sehr gut! sehr brav! nur fort, erzähle weiter! 260
a; uf und furt, i gang. Hebel
s. 241; fort! aufgemacht! Kotzebue
dram. sp. 2, 304; fort! marsch! laszt uns gehn! 55) fort!
im sinne von apage, foras, schw. bort! geh fort! mache dich fort,
aus dem staub! move te hinc! fort von hier! auf und davon! weg, fort aus meinen augen! mir aus den augen!
e conspectu! fort, ungeheuer! fort canaille! fort mit dem hund! fort mir dir!
aus mit dir! (1, 818). fort mit ihm,
hinaus mit ihm! welches mit den alten instrumental vertritt, wie er von den Slaven noch gebraucht wird: poln. precz tob!
böhm. pryč tebau!
russ. protsch' toboio!
fort mit dir!, precz, pryč, protsch'
gehören deutlich zu pre, pro,
wie fort
zu für, vor. fort mit so einer!
böse sieben s. 10; fort, fort! hats geheiszen, sonst macht die gelegenheit lieb und dieb! Megerle
Judas 1, 190; fort, o seele, von der welt! Günther 108; wohin nichtswürdger? fort! Hagedorn 1, 67; nur fort, du braune hexe, fort! Göthe 1, 214; unwürdge grille fort! 7, 76; wir alle wünschten die bilder endlich fort (
weggeschaft) zu sehen. 24, 175; denn fort ist fort, und was éinmal dir ein mächtiger nimmt, das hast du besessen. 40, 132.
gleichviel ist von hinnen, von hier! davon! Cardenio von hier! Gryphius 1, 202. 66)
bei weitem die meisten fälle des fort
begegnen in uneigentlichen zusammensetzungen, nach dem grundsatz unserer sprache, die auf das verbum bezüglichen partikeln in indirecter rede ihm unmittelbar vorausgehen zu lassen, während in directer das verbum voransteht und die partikel hinten folgt. dadurch werden diese partikeln oft und namentlich an die infinitive und participia dicht angeschlossen und scheinen damit verwachsen, vor dem ind. und imp. springen sie alsbald wieder ab und nehmen die hintere stelle ein. dieselbe wortfolge gilt nun zwar auch für die lebendigen vom verbum abhängenden casus, ohne dasz sich diese ihm äuszerlich anfügen, wenigstens in den meisten fällen nicht. die deutsche sprache hat auf solchem wege unmäszig viel composita erzeugt, unter denen unsere wörterbücher anschwellen und die den übrigen sprachen, deren partikeln sich freier bewegen, fremd bleiben. wo aber nomina entspringen, wie hier fortgang, fortschritt, fortsetzung,
müssen überall die verba fortgehen, fortschreiten, fortsetzen
voraus gegangen sein; diese nomina werden dann unauflöslich. am allerwenigsten gehört die partikel zu dem verbum in den zusammensetzungen fortmögen,
fortmüssen,
fortkönnen, fortdürfen, fortsollen, fortwollen,
wo zwischen partikel und verbum ein gehen, laufen
und dgl. zu denken und zu ergänzen ist, also besser fort mögen, fort müssen, fort können, fort sollen, fort wollen
geschrieben wird. die mühsame und unerschöpfliche alphabetische aufzählung aller dieser uneigentlichen composita vergütet sich dadurch, dasz die einzelnen wortbedeutungen genauer bestimmt und erörtert werden können. in dem folgenden verzeichnis ist, wo der privative sinn eintritt, ein *
vorgesetzt, der positive bleibt unbezeichnet. für das privative, nicht für das positive, fort läszt sich gewöhnlich auch weg setzen, z. b. für fortgehen, fortlaufen, fortnehmen, fortschleichen: weggehen, weglaufen, wegnehmen, wegschleichen,
nur klingt weg
zwar traulicher, doch gemeiner und fort
ist edler, Göthes meine ruh ist hin. 12, 177
dürfte auch lauten meine ruh ist fort,
kaum meine ruh ist weg.
umgekehrt läszt sich weg
nicht überall durch fort
ersetzen, z. b. in der redensart: er hat es weg.
mehr unter weg.