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DERB

ahd. bis spez. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB2
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15 in 14 Wb.
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Eintrag · Grimm Neubearbeitung (1965–)

DERB adj.

Bd. 6, Sp. 706
DERB adj. (1) ahd. derb, mhd. derp. as. therƀi, mnd. derve; mnl. nnl. derf; ae. þeorf, me. therf, ne. (mdal.) tharf; an. þjarfr, isl. þjarfur, schwed. kärv. zugrunde liegen labialerweiterungen der idg. wz. *(s)ter- ‘starr, steif sein, starrer, fester gegenstand’. diese west- und nordgerm. bildungen beziehen sich, mit unterschiedlicher lebensdauer, zunächst auf ungesäuerten teig (vgl. 1 a), daran schließen weitere differierende anwendungen an, die hd. derb nicht kennt. (2) daneben stehen west- und nordgerm. bildungen, die zur idg. wz. *dherbh- ‘arbeiten’ mit arm. derbuk ‘grob, heftig’ gehören oder zur idg. wz. *dherebh- ‘gerinnen, gerinnen machen, ballen, dickflüssig’, sämtlich mit bedeutungen u. a. aus dem umkreis von ‘kühn, dreist, heftig: ae. dearf, me., älteres ne. derf auch ‘stark, kräftig, handfest’; an. djarfr, isl. djarfur, norw. djerv, schwed. djärv, n. djærv auch mineralogisch. ablautd.: as. derƀi, ‘feindlich, böse, kriegerisch’, mnd. derve ‘heftig(lautlich mit mnd. derve unter (1) zusammengefallen); afrs. derve ‘heftig’. diese bildungen haben im hd. keine formalen entsprechungen, aber vom nd. her wird die ausbildung des wortinhalts von derb beeinflußt, besonders unter 3. (3) die heute ungebräuchliche anwendung 1 a findet sich noch in vereinzelten mdal. relikten: 1963 Mitzka schles. wb. 1,187b. 1928 rhein. wb. 1,1324. 1903 Unger/K. steir. wortschatz 150b. 1887 Neubauer egerländ. mda. 49a. die bedeutungen 2 und 3 sind aus der schriftsprache auch in die mdaa. eingedrungen, vor allem md., nur vereinzelt obd. 1 die konsistenz von gegenständlichem betreffend, rein, unvermischt; attributiv und prädikativ. a von ungesäuertem und dadurch nicht aufgelockertem brot, entsprechend lat. azymus adj. derb ist bis etwa 1400 nur in dieser anwendung bezeugt: A9.jh. dera lutri derpaz/ lihamo sin kaoffarot ist (sinceritatis azima caro eius oblata est) murbacher hymnen 21,4,3 S. hs.12.jh. des ersten tages des derben brotes dt. bibelfragmente 1,382 K. u1300 sie ensin weder sur noch derb/ noch weder warm noch kalt Heinrich v. Hesler apokalypse 6678 DTM. 1533 das weis derps brot ält. recht Rottweil 267 G. 1610 nim honig vnnd den kese vnnd menge oder knete es, das es wie ein terber teig wird Hildebrand magia 2,74a. noch lexikalisch: 1741 Frisch wb. 1,192c. b als ausdruck der bergmannssprache von erz und gestein, massiv, gediegen, nicht kristallisch: E14.jh. zu dem dritten das golt ist reine./ .. zu dem virden male ist das golt gar derb Rothe keuschheit 3496 DTM. 1562 gedigen oder derb silber heist, das rein vnd schier fein ist Mathesius Sarepta (1571)28a. 1717 stoß aber das gold fein hart auf das cement-pulver, damit selbiges fein derb zusammen liege Kräutermann regnvm (1747)281. 1806 derber granat Goethe IV 19,175 W. 1956 in Südafrika findet sich ein derber, feinkristalliner demantoid von guter farbe Cloos edelsteinkde. 134. –wohl von hier aus: M14.jh. (die frau) sprach blib dinez muotez terb lieder saal 251,289 L. 2 übertragen; attributiv und prädikativ. a von materialien und gebrauchsgegenständen, grob, robust, stabil, nicht zart oder zierlich: 1612 der herbe harte quel, der saturnuß quel, der macht das holtz harte vnd derb Böhme urschr. 1,96 B. 1756 man legt z. e. eine derbe leinewand unmittelbar über das gefässe, oder es wird ein filtrirkorb ober ein anderer trichter auf das gefässe gesetzet Rüdiger chymie 552. 1892 das derbe tau in der strafenden hand Falke tod (1900)56. 1963 ‘wer bekommt die derben stangen?’ ‘die derbstangen werden in die sägewerke gebracht’ Strittmatter Bienkopp 160. von lebewesen und teilen des körpers: 1641 den derben nant ich mich ber. v. d. fruchtbringenden ges. vorhaben E 4b. 1710 es ist ein grünlichter vogel, als ein zeisig-hahn, nur daß er etwas stärcker und derber ist Göchhausen notabilia (Weimar) 76. 1896 der eine, mittelgroß, sah einem jäger/ nicht unähnlich, mit derben schulterknochen Liliencron Poggfred 56. 1960 ein großflächiges, derbes gesicht Noll abenteuer 1,175. von speisen und getränken: 1754 das obere fleisch derber und voller gräten; das untere fleisch zärter und dünner J. G. O. Richter ichthyotheol. 95. 1867 eine allzu derbe, ihrer schwächlichen constitution nicht zusagende speise Döllinger vortr. (1888)2,54. 1958 derbes, saftiges hausbrot, nach altem rezept Nelissen-H. häuser 199. breiig, zäh: 1616 dick vnd derb als ein breymuß spissum, instar pultis Henisch t. spr. 1,681. 1769 macht davon einen derben teig Suckow scheidekunst 190. b von abstrakten erscheinungen, vor allem von äußerungen und darbietungen, rauh, unfein: 1668 erschrecket land und leut mit ihren derben lügen Schirmer aeneis 168. 1746 in ansehung des tons aber ist jene (satire) in eben dem verhältnisse derber, als diese, in welchem die gegenstände der erstern verächtlicher, als der letztern ihre, sind Ebert episteln (1789)1,20. 1826 der derbe wiz kann auch nur derbe bilder gebrauchen, und nimmt dieselbe blos aus der rohen natur Jassoy aphorismen 23. 1959 die zwischenspiele, die oft in der volkssprache dargeboten wurden und mit derberem aufwarteten Kindermann theatergesch. [1957]3,475.von verhaltensweisen und eigenschaften, ferner epochen und personen hinsichtlich ihres verhaltens, rauh, ungeschliffen: 1739 hieraus ist zu schliessen, daß ein solches geklecke und geschmader viele üble folgen nach sich ziehen .. müsse, ja, es wird dadurch manche derbe sau ans licht gebracht, die sonst noch wol zu hause geblieben wäre Mattheson capellmeister 481. 1898 Henschel-Wilhelm .. hat genug zu tun mit dem nötigsten; in derbe, niedere berufsdinge verstrickt; ohne ausblicke Kerr ges. schr. (1917) I 1,75. 1926 Luther fühlt an solchen stellen selbst, .. daß er über alles, was seine derbe zeit zu ertragen pflegte, hinausgeht Grisar Luthers leben 459. auch urwüchsig, kernig, gerade: 1672 mit derben deutschen worten Weise erznarren 51 HND. 1801 Hartmann von Stuttgard .. ein großer, derber junger mann von 28 jahren Goethe IV 15,196 W. 1953 die masse bedurfte einer anderen, einfacheren und derberen sprache. der mann dazu war Ernst Moritz Arndt Sell tragödie 61. 3 tätigkeiten, vorgänge und zustände als intensiv kennzeichnend stark, heftig, sehr; nur attributiv. zuerst mnd.: 15.jh. ein derve regen (magdeb. Äsop) Gerhard v. Minden 56,11 S. afrs.: u1470 deerwe duistsleken Richthofen afrs. wb. 685a. hd. erst seit dem 17. jh.: 1636 der rüllen derben knall, den schlag der falkeneten Fleming ged. 1,479 LV. 1711 es wird aber bey allen zusammenkünfften gemeiniglich gesoffen, biß man einen derben rausch hat Cober cabinet-prediger 122. 1947 plötzlich gab er mir einen derben rippenstoß Gisevius ende 1,310. von mengen, groß, umfangreich: 1768 ein gutes, derbes stück rindfleisch Weisze opern 2,167. 1830 schimmel nahm .. am weg mitunter/ gras und kraut ein derbes maulvoll Immermann 5,28 M. H. Rahnenführer
6869 Zeichen · 171 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    derb

    Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA) · +1 Parallelbeleg

    derbAWB adj. a-St., nur in Gl. vom 9. Jh. an: ‚ungesäuert, unter den Aschen gebacken, azy- mus (succinericius)‘; derbi a…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Dêrb

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Dêrb , -er, -este, oder -ste, adj. et adv. I. Eigentlich, dessen Theile nahe und fest auf einander liegen, im Gegensatze…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    derb

    Goethe-Wörterbuch

    derb einmal -e Gespr Eckerm 7.10.27 ‘allzuderb’ B10,155,22 uö; auch subst 1 äußerlich, sinnl-konkret; auch im Bild u in …

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Derb

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Derb , bezeichnet bei Mineralien eine nicht regelmäßige äußere Bildung, bei den Erzen in fester Gestalt in ein anderes M…

  5. modern
    Dialekt
    derb

    Bayerisches Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    derb Band 3, Spalte 3,1581f.

  6. Spezial
    derb

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    derb I adj. 1 (grob, grobkörnig) grou (groi, groia) 2 (rau) grou (groi, groia) 3 (widerstandsfähig) resistënt (-nc, -a) …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit derb

207 Bildungen · 184 Erstglied · 10 Zweitglied · 13 Ableitungen

derb‑ als Erstglied (30 von 184)

Derbholz

SHW

Derb-holz Band 1, Spalte 1475-1476

Derbstangen

SHW

Derb-stangen Band 1, Spalte 1475-1476

derbant

LothWB

derb·ant

der-bant [dèrbant Si. ] 1. conj. während: d. at ech do wor während ich da war. — 2. adv. unterdessen, mittlerweile: ech gin alt d. ich gehe …

Derbarmnis

BWB

Derbarmnis Band 1, Spalte 1,1175f.

derbbeschuht

DWB2

derbbeschuht adj. : 1952 Sieburg ferne 68.

derbbrōt

KöblerAhd

derb·brōt

derbbrōt , st. N. (a) nhd. ungesäuertes Brot ne. unleavened bread ÜG.: lat. (azymus) Gl, azymus est panis sine fermento sincerus Gl, panis a…

derbebrôt

Lexer

derbe·brot

derbe-brôt stn. azimus Oberl. 231 ; s. derp u. vgl. Rotw. 1,44 a .

derbebrôt

MWB

derbebrôt stN. → derpbrôt MWB 1 1261,49;

derb als Zweitglied (10 von 10)

biderb

Pfeifer_etym

bieder Adj. ‘brav, rechtschaffen, unkompliziert in seinem Verhältnis zur Umwelt’. Das nur im Dt. bezeugte Adjektiv ahd. bitherbi ‘nützlich, …

g(e)derb

Idiotikon

g(e)derb Band 13, Spalte 1412 g(e)derb 13,1412

hinderb

KöblerMnd

hind·erb

hinderb , F. nhd. „Hinterbogen“, hinterer Sattelbogen ÜG.: lat. postela I.: Lüt. lat. postela? E.: s. hinder (1), bȫge (2) L.: MndHwb 2, 312…

stahlderb

DWB

stahl·derb

stahlderb , adj. , ausdruck der mineralogie, hart und derb wie stahl. Adelung, chalybaeus Nemnich ; 'stahlderb, fr. solide, ( bergwerk ) erz…

u(n)biderb

Idiotikon

u(n)biderb Band 13, Spalte 1416 u(n)biderb 13,1416

u(n)derb

Idiotikon

u(n)derb Band 13, Spalte 1412 u(n)derb -derbt 13,1412

verderb

DWB

ver·derb

verderb , m. n. das verderben, der untergang, mhd. verdërp, nhd. verderb ( in älterer zeit z. b. Waldis, später noch Lohenstein verterb); ge…

zeitverderb

DWB

zeit·verderb

-verderb , m. , zeitvergeudung: ein unverantwortlicher z. G. Arnold göttl. sophia (1700) 2, 234 , sündlich Sperander (1727) 602 a ; ein schA…

Ableitungen von derb (13 von 13)

bederbe

Lexer

be-derbe adv. s. bid;

bederben

DWB

bederben , perdere, consumere, verderben: damit ir die bröcklein aufhebet und den durchlasz nicht alle wochen zwir oder dreimal bederbet. Ma…

derbe

Lexer

derbe adj. stf. in biderbe, gederbe, underbe.

gederbe

Lexer

ge-derbe adj. BMZ brav Bon.

underb

BWB

underb Band 3, Spalte 3,1582

underbe

DWB

underbe , f. , untüchtigkeit. mhd. underbe, underve Lexer 2, 1780 . abgeschwächt die underbe sordities; der underb sordidus Maaler 455 d .

underben

KöblerMhd

underben , sw. V. nhd. „unbrauchbar machen“ E.: s. un, derben W.: nhd. DW- R.: sīnen namen underben von der werelde gehuht: nhd. seinen Name…

urderb

DWB

urderb beilage z. Münchner allg. zeitg. 114, 162. —

verderb

DWB

verderb , m. n. das verderben, der untergang, mhd. verdërp, nhd. verderb ( in älterer zeit z. b. Waldis, später noch Lohenstein verterb); ge…

verderbe

BMZ

verderbe ( prät. verdarpte) swv. bringe zu schaden, richte zu grunde. 1. ohne genitiv. a. von lebenden wesen. ir swester wil si verderben Iw…

verderben

DWB

verderben , verb. zu grunde richten, mhd. verderben. seit vorigem jahrhundert sind mischungen der starken und schwachen formen nachzuweisen …

verderblich

DWB

verderblich , adj. verderben bringend, vom verderben heimgesucht, mhd. nicht belegt, doch wohl vorhanden, vergl. verdërbelicheit Lexer 3, 93…

verderbung

DWB

verderbung , f. 1 1) verderben, das zugrunde richten ( handlung ), diminutio, imminutio Stieler 322 : zu groszer verderbung an der seelen. L…