Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
borgen swV.
2 ‘auf etw./ jmdn. Rücksicht nehmen, jmdn. / etw. schonen’ , mit Gen., Dat., Akk.
3 ‘leihen’
3.1 Subjekt ist der Gläubiger
3.1.1 ‘auf Borg geben’ , mit Dat.d.P. oder ûf
3.1.2 ‘den Borg bestehen lassen, (vorläufig) nicht zurückverlangen; anschreiben, stunden’
3.2 Subjekt ist der Schuldner
4 an 3 (Gläubiger- wie Schuldnersicht) in verschiedener Weise anschließende Gebrauchsweisen, nicht immer deutlich zu unterscheiden
4.1 ‘Geschuldetes nicht leisten, etw. schuldig bleiben, unterlassen’ (mit Gen./ Akk.d.S. oder Satzergänzung)
4.2 ‘auf etw. (für eine bestimmte Zeit oder ganz) verzichten’ (mit Gen./Akk.d.S. oder Satzergänzung)
4.3 ‘etw. entbehren, einer Sache ermangeln’ (mit Gen./ Akk.d.S.)
4.4 refl., mit Gen. d. S. ‘sich von etw. freimachen’
5 ‘bürgen’
5.1 ‘sich für jmdn./sich (Akk.) verbürgen (bî mit etw.), vor Gericht zu erscheinen’
5.2 ‘(jmdm.) etw. verbürgen’
1 ‘Acht haben auf etw., es behüten, schützen’, mit Gen.d.S.: diu nahtigal ir eier in der brute kan so wol niht borgen, / also diu scham der eren JTit 5564,4. – sich an etw. ~ ‘sich vor etw. hüten’ er solt sich borgen / an der suͤnd und got besorgen / dem der wil vor ogen stat Teichn 584,65; wer daz besorget, / ob sich der an lachen porget, / dez sol nieman wundern ser ebd. 391,56 2 ‘auf etw./ jmdn. Rücksicht nehmen, jmdn. / etw. schonen’, mit Gen., Dat., Akk.: ezn wart nie grœzer richtuom / zeiner hochgezit vertan. / [...] ern tete es niht borgen; / mer was sin sorgen / daz sin ze lützel wære Mantel 204; gemach und libes borgen, des wart da gar vergezzen JTit 1961,1. – so wil ich borgen / iu der vrage nu zu stunde. / vil wol ich fuͤrbaz kuͤnde / iuch versuͦchen, ob ich wolte Rennew 10906; den strit wil ich lazen wesen, / biz du geruͦwest morgen. / diner muͤde wil ich borgen ebd. 1166; swer sin ere besorget, [...] / dem libe er lutzel borget, swa man zeprise ritterschaft sol kiesen. / di milte lert ouch guͤte borgen selten JTit 2152,2.3; ob er sich niht zug dâvon [von den werken der minne ] / und im niht baz borgte, / sîn sterben man besorgte Ottok 91841. – jârlanc valwet manig anger / [...] und ouch der grüene walt. / winter borget in niht langer SM:KvL 22: 1,4; si wellen uns niht lenger borgen Ottok 65226 3 ‘leihen’ 3.1 Subjekt ist der Gläubiger 3.1.1 ‘auf Borg geben’, mit Dat.d.P. oder ûf: dô er dô niemannin vant, der ime borgete, dô quam er zû eime judin unt bat in, daz er ime borgite sô vil schatzis, daz er [...] PrMd(J) 347,29; wil mir ieman sîne fröide borgen, / daz i’m ein ander wider gebe? Walth 115,8; jz sol in dehainem leithvͦs [Schenke] vf dehainen schvlær vnd vf dehains bvͦrgær kint vmb spil, vmb trinkchen niemmen mer niht borgen nvͦr als vil er an dem leibe hab UrkCorp (WMU) 3452,46; daz er [...] gulte [...] den, die im heten geborget Ottok 8292; wer da wil daz man im leicht / und im den parig nicht versait, / der sol phlegen worhait; / dem parigt man gern zu aller vrist Teichn 308,13; übertr., im Kampf borgen (und heimgezahlt bekommen): swaz in die Bêheim borgten, / daz wart in alsô dâ vergolten, / daz sis beliben unbescholten Ottok 16302. – in den Wendungen ze borgen(ne) lîhen, tuon: frunt, lige mir czu borgen fumf brot EvBerl 96,28; das ich von gotte habe, das hat er mir ze borgende getan, [...]; wan ich es im widergeben sol, so bedarf ich siner gnaden wol Mechth 7: 17,14; doch hat lip uwir vynde unde tut en wol unde tut czu borgen unde inhoffet do von nicht czu nemene, unde uwir lon wirt groz in dem hemele EvBerl 126,23 3.1.2 ‘den Borg bestehen lassen, (vorläufig) nicht zurückverlangen; anschreiben, stunden’ der wirt dir gern borgen wil Minneb 1476; ich mag diͤr porgen ein gantz jar Teichn 308,20; wir suln durch niht enlâzen, / wir bereiten [bezahlen] den wirt / der uns hât geborget dâ her mangen tac Kolmas 121,8; nu wolde niht lenger borgen / daz töhterlîn junge [wollte den greisen Vater nicht länger auf ihre Kosten beherbergen und bewirten] : / dô siben tage verdrungen, / dô gap si im urloup [schickte ihn fort] Schlegel 186. – übertr.: er [der Morgen nach einer heimlichen Liebesnacht] lêret ougen weinen trîben; / sinnen wil er wünne selten borgen KvWLd 30,6; si tribent da der minne spil, / bisz daz in der morgen / nit lenger wolt borgen / der sallen [l. selben?] fröd pringenden nacht Bauernh 290 3.2 Subjekt ist der Schuldner: – absol.: swer gerne giltet, daz ist guot: / wan hât er borgennes muot, / sô mac er wol borgen Iw 7148; swer borget oder entlêhent, der sol daz gelten SpdtL 89,9; des mêrten sich sîn geste, / unz sîn kumber wart sô veste, / daz er niht mêr vergelten kunde, / und dar nâch an die stunde / daz er niht mohte geborgen [keinen Kredit mehr hatte] StrAmis 325. – mit Akk.d.S., ohne weitere Ergänzung: swaz Tybalt hie geborget hât, / Gyburc daz minnen gelt mir lât Wh 153,29; hurtâ, wie die getouften / borgeten und verkouften / manegen wehsel ebd. 373,22; der [ siechmaister oder phleger ] sol daz mal avz nemen [auslegen] oder selbe porgen vnd dar leichen avf den tach der vor genant ist UrkCorp (WMU) 3583,28. – von, ze jmdm.: von den wîben sol man borgen hôhen muot KLD:UvL 7: 1,3; wêre aber, daz dem meistere der kost gebreche, [...] sô solde er die von den balîen oder von etteweme anders heizen borgen, bis daz der trisêrere verneme die schult, der sal sie gelden StatDtOrd 101,31; ê ich im lange schuldic wære, / ich wolt ez zeinem juden borgen Walth 100,30; dar umb han ich vil gesorget, / also gener der zun juden borget Brun 8562; unde wer icht von dir betit, gib iz ym. unde wer icht czu dir wil borgen, kere dich von ym nicht EvBerl 122,19; Mühlh 170,22. – ûf etw. (eine Sicherheit): wil heiz [der Schuldner das Pfand] dan nichit ledige zu demi tage, alsi su globit han, so sal he [der Gläubiger] sin gelt duf borgi zu din judin Mühlh 170,22; sie borgten uf ein hohes pfant Rennew 1430; diu minne muͦs engelten / daz sie uf valsh kan borgen ebd. 32339; sô wolt ich vil gerne ûf wîbes güete fröide borgen KLD:Rub 16:1,7 4 an 3 (Gläubiger- wie Schuldnersicht) in verschiedener Weise anschließende Gebrauchsweisen, nicht immer deutlich zu unterscheiden 4.1 ‘Geschuldetes nicht leisten, etw. schuldig bleiben, unterlassen’ (mit Gen./ Akk.d.S. oder Satzergänzung): jâ muosen si im borgen / vil herten dienest ân ir danc. / ir witze wâren dar zu kranc KlageB 1624; dem do schilt und helme was verhowen, / der wolt iedoch niht borgen, er wolte mænlich dienen siner vrowen JTit 4743,4; wie si mich hât brâcht in sende sorge, / daz ich der rede gegen ir so lange borge SM:WvH 8: 1,6 4.2 ‘auf etw. (für eine bestimmte Zeit oder ganz) verzichten’ (mit Gen./Akk.d.S. oder Satzergänzung): miner ger der wil ich borgen, / Willehelm, untz morgen Rennew 2511; der suͤze wolt er uf die lenge borgen JTit 268,3; het gedâht daran / der herzog Johan / und het ez besorgt, / sô het er geborgt / sînen fürsaz unrein / und den schedlichen mein, / den er hie begie Ottok 93949; an dem vierden morgen den ersten hochgeziten / furbaz do niht borgen wolten si, diu ors zu velde riten JTit 1734,2 4.3 ‘etw. entbehren, einer Sache ermangeln’ (mit Gen./ Akk.d.S.): nû wird ich gewar / an der frouwen mîn, / ir ist ungedâht lônes: sie wil lân / mich in senden sorgen. / [...] muoz ich minne borgen, / frouwe mîn, wie stêt daz dir? KLD:GvN 25: 4,13; hie was mænlichez sorgen. / die helde mvͦsten froͤden borgen / in dem strit, da si mvͤzzen hin TürlArabel *A 41,2. *A 221,1. Forts. 855 4.4 refl., mit Gen. d. S. ‘sich von etw. freimachen’ ir sult iuch des wol borgen, / [...] warumbe welt ir sorgen Rab 184,1 5 ‘bürgen’ 5.1 ‘sich für jmdn./sich (Akk.) verbürgen (bî mit etw.), vor Gericht zu erscheinen’ swie so ouch borget einen man vmbe vngerichte vore zvͦbringene UrkCorp (WMU) 606,40; ob ein man beclaget wirt vmbe totslach oder vmbe wnde, vnd der man sich borget bi sime erbe zvͦ gestene zvͦ rechte ebd. 2265,14; die vunf marc, da he sich bie giborgit heit, der sal sich die scultheizi undirwindi Mühlh 99,9; hat ein man ein pfert, daz werde ledic unde loufe unde tu einen schaden [...] daz pfert mac he borgen biz zu deme nehisten dinge StRFreiberg 257,25 5.2 ‘(jmdm.) etw. verbürgen’ Henricus [...] et uxor eius [...] Apolonio Kleinegedanc et fratri suo Gerardo [...] borgedin werschaf [Gewährleistung] annum et diem, sicut iustum est, coram officialibus s. Brigide UrkKölnSchr 1,324; daz borg ich auf mein triwe [dafür verbürge ich mich mit meiner Wahrhaftigkeit] Krone 8747; suilich man mi andirin sien girichti [Eid] borgit umme gelt [zum Beweis, dass eine Schuldforderung unberechtigt ist] , tuit heiz umi zu demi tagi, alsi da bisceidin is, so is he dis geldis ledic Mühlh 170,2
MWB 1 927,21; Bearbeiter: Plate