ANGENEHM adj. spätmhd. angenæme,
frnhd. angenem(e),
mnd. angenēme,
mnl. aenghenāme,
nl. aangenaam;
wie die vorausgehenden adjektive ahd. gi- nāmi,
mhd. genæme
(s. genehm
1DWB) und (wohl zum präfixverb mhd. anenemen,
vgl. auch ahd. anagineman)
mhd. annæme,
mnd. an- nēme
(s. annehm) weitergebildet aus ahd. nāmi ‘
annehmbar’,
einer adjektivableitung vom präteritalstamm des verbs ahd. neman
(s. nehmen
1DWB); vergleichen läßt sich ferner die parallele bildung got. andanēms
(zu got. andniman ‘
auf-, annehmen, empfangen’). die ausgangsbedeutung ist also ‘
zum (an)nehmen geeignet, gern (an)genommen’. 1
annehmbar, aufnahme findend, willkommen; der vorgang des an-, entgegennehmens ist noch deutlich erkennbar, meist wird allerdings über die billigende bereitschaft des empfangenden (c
) hinaus schon dessen freudige zustimmung mit ausgedrückt (a
und b
). a
zunächst in biblischer tradition im hinblick auf gott als annehmenden. α
vom opfer, gebet, ‘so beschaffen daß es bereitwillig (und mit wohlgefallen) entgegengenommen wird’ ⟨u1370⟩ ist sulches opfer dir angenem
(est tibi hoc acceptum sacrificium?) Johann v. Neumarkt
2,195 K. u1480 ich bit dich durch die gothait dein, / las dir das opfer angenaͤm sein
egerer fronleichnamssp. 22 LV. 1520 wer aber nit glaubt yn Christum, dem dienet keyn ding zu gut ... datzu ist sein gepett nit angenehm, kumpt auch nit fur gottis augen Luther
w. 7,28 W. ⟨v1624⟩ daß sie
(menschen) ein zeichen am feuer hätten, daß ihr gebet gott angenehm wäre Böhme
theosophia (1730)2,279 faks. 1778 auch der ungebohrne seufzer, das halberstickte ach des elends ist vor ihm, und ist das angenehme opfer des weihrauchs auf seinem altar Herder
31,474 S. –
so auch: 1525 das es
(kasteiung) wol mag eyn fleyschlich opffern heyssen yhrer leybe, das gott ungenehm, aber dem teuffel angenehm ist Luther
w. 17,2,7 W. 1537 der goldschmid verguldet .. der kuͦ hoͤrner, auff das sy der goͤttin
(Minerva) souil ain angenemers opffer were Schaidenreiszer
odyssea 36 W. β
entsprechend von personen, ‘gnädige aufnahme findend gott wohlgefällig, ihm willkommen’: E15.jh. sun, du wirst noch ain pruder werden jn meinem
(des heiligen Franziskus) orden vnd got angenem da dienen
franziskan. schrifttum 1,40 R. 1539 das wir durch jn
(priester) zu gotte gebracht und bey jm angeneme und heilig werden Luther
w. 41,184 W. ⟨1562/4⟩ das der mensch allein durch den glauben an Jesum Christum fuͤr gott gerecht vnd angenem werde Mathesius
ausgew. w. 23,253 L. 1692 also sind auch noch jetzo dem herrn alle arme .. und betrübte herzen .. viel angenehmer, als die reichen Scriver
theognosia 1181. 1785 vater und mutter sagten zu einander: die kinder müssen angenehm werden vor gott, wenn man sie also lehrt Pestalozzi
3,236 B. b
außerhalb der religiösen sphäre, ‘willkommen gern aufgenommen, erwünscht’
; in jüngeren belegen teilweise (dem modernen gebrauch gemäß) in der auffassung zu 2
tendierend. α
sachbezogen, von dinglichem und nichtdinglichem das jmdm. dargebracht, übermittelt wird, auf jmdn. zukommt früh von dienstleistungen: 1429 willige, trewe und angneme dienste, die uns .. unsere lieben getrewen .. getan habent
cod. jur. municipalis Bohem. (1948)3,72. 1563 herr schultheiß, weret ihr gern übers wasser, so wil ich
(bauer) euch .. darüber tragen. dem schultheissen war es ein angenemer dienst, sagt ja Kirchhof
wendunmuth 1,80 LV. 1633 da ich denselbigen einihe nachbarliche angenemme fründtschafft erzeigen kan
d. geschichtsfreund 2(1845)225. 1676 der mich eines bessern .. erinnert, erweiset mir eine angenehme gunst Francisci
lust-haus, vorr. ):( ):( 2b. 1784 ich erbiete mich zu allen angenehmen gegendinsten K.E. Goethe
br. 51,138 K. 1835 er
(Napoleon) belohnte Chateaubriand für diesen angenehmen dienst Gutzkow
charaktere 1,69. –
von geschenken, erzieltem gewinn: 1486 als de untfangher behoevich
(bedürftig) is .., dan is em de gave seer nutte unde angheneme Veghe
wyngaerden 129 R. 1520 wan dir ein armer etwz gibt so laß dir es angenem sein Pauli
narrenschiff 123a. 1618 das ich wünsch zu fihlen, / das dir dise gab angenem Weckherlin
1,143 LV. 1690
(dem geizigen) war .. jeder gewinn angenehm Happel
academ. rom. 777. 1789 meinen besten dank vor ihr gütiges andenken und vor das mir so angenehme geschenk K.E.
Goethe
br. 51,209 K. 1819 ich will euch ein angenehmes heiratsgut stiften Hebel
s. poet. w. 4,244 K. –
von sprachlichen äußerungen, mitteilungen, veröffentlichungen: 1499 so soͤllen wir vns
(statt der lateinischen personennamen) erkant vnd yetz lebendig personen fürsetzen. damit .. die matery souil dester lichter vn̄ angnemer
(faßlicher, verständlicher) werd
Terentius A 6b. 1508 das den anderen menschen das gottes wort angenem würt, die dass sunst verachteten Geiler
pred. D 5d. 1553 wie sol ich
(kaiser) mit euch reden, das mein rede angenäm vnd von euch aufgemerckht werde? Kirchmair
in: font. rer. austr. I 1,437. 1604
(er) machte dem h. euangelio
(in Goa) einen glücklichen anfang, welches dem könig Emanueln inn Portugal ein angeneme zeittung J. Mayr
epitome 223a. 1759 es
(zusätze zum katalog) sind sachen welche nicht ein jeder wissen kann, und die dem publico nothwendig angenehm seyn müssen Winckelmann
br. 2,17 R. 1844 für ihre freundlichen mittheilungen aus der literatur danke ich herzlich; sie waren mir um so angenehmer, da ich hier .. gar nichts neues zu gesichte bekomme Geibel
brw. 12 S. 1968 er könne .. die gewiß angenehme nachricht übermitteln, daß ..
in: voranmeldung 251. –
terminologisch im bereich des waren- und geldverkehrs gern entgegengenommen, begehrt, gefragt, gängig: 1534 die montze ..
(ist) jn der chron
(Böhmen) vnd Slesien angenemer wurden .. vnd auff heute also genge, das sie wenig gesehen
script. rer. lusat., n. f. 4,4. ⟨1570/1606⟩ ein lübisch-schiff, so mit theurbahren futtern, zoblen .. und andern angenehmen kaufmannssachen .. beladen Wedel
hausb. 47 LV. ⟨v1688⟩ kein wunder, daß sich das pech seltzam macht, und dörffte mit der zeit noch angenehmer werden Lehmann
schauplatz (1699)100. 1812 so daß ich bey den ducaten sowohl, als den louisd’ors eher gewinne als verliere. in Carlsbad werden diese sorten nicht weniger angenehm seyn Goethe
IV 22,335 W. ⟨1855⟩ wenn der zucker als angenehm notirt war Freytag
(1886)4,9. –
häufiges epitheton für empfangene briefe, später als höflichkeitsfloskel im übergang zu 2 b α: ⟨1563⟩
(bildl.:) die schön beweg die hertzen tieff, / sey ein angnemb fürschrifft und brieff Sachs
16,451 LV. 1594 dein angenehmes von 4. desselben wol empfangen Paumgartner
brw. 231 LV. 1669 wie nun Hertzbruder .. ein angenehme wieder-antwort .. von Wien auß erhielte Grimmelshausen
Simplicissimus 382 Sch. 1741 die aufschrift ihrer angenehmen brieffe bitte mit folgendem zu begleiten: .. Gleim
brw. (1899)2 LV. 1830 ich sage ihnen meinen allerherzlichsten dank für ihr sehr angenehmes schreiben Rauch
brw. 1,61 E. –
auch von unerwartet eintretenden geschehnissen: 1652 der angenehme tod, / die wahre lebens-tühr beschliesset alle noht Rist
Parnass 559. ⟨v1709⟩ mittag-mahl, welches dem guten reisenden sehr bequem, und angenehm Abraham a
s. Clara
kramer-laden (1710)1,376. 1775 eine angenehmere gelegenheit ihnen zu schreiben konnte ich nicht haben Garve
br. an Weiße (1803)1,131. 1851 die einführung der fremdenbill wäre das angenehmste ereignis für uns Marx/E.
(1956) 27,213. β
von personen: 1483 (das kein weyssag ist an enpfencklich)
la.: angenem (in seim lande)
(quia nemo propheta acceptus est in patria sua, Luc. 4,24), 1. dt. bibel 1,214 LV. 1522 keyn prophet ist angenehm ynn seynem vatterland Luther
bibel 6,228 W. ⟨v1565⟩ man sol .. gute freund nit offt vberfallen, .. so ist man deste wilkommener vnd angenemer Mathesius
ausgew. w. 2,150 L. 1675 daß sie ohne dasselbe
(buch) dem Lysias nicht würden angenehm seyn Weise
leute 14. 1714 je grösser die noth, je angenehmer ist der freund, der einem in dieser unter die arm greifft
in: Abraham a
s. Clara
kramer-laden (1710)2,278. 1863 daß du mir sehr angenehm sein wirst, wenn und wann du kommst Anzengruber
ergbd. 31,51 B. – öfter angenehmer gast,
in jüngeren belegen nicht von 2 a α
zu trennen: ⟨n1527⟩ sie
(gesandte der städte) warn nit angenem gest bey dem ausschuß
qu. bauernkrieg Rotenb. 110 LV. v1566 gestellten sich, alls wärn wir nit angenämb gesst Herberstein
in: font. rer. austr. I 1,267. n1619 wie dann bey i. churf. gn. i. gn. ein angenehmer gast geweszen unnd von i. churf. durchlaucht gar schwerlich urlaub erlangen können Reusz
reiseerinn. 33 Sch. 1768 desto angenehmere gäste sollten uns die seyn, die unserer .. sprache ihre alte baumstärke wiedergeben .. wollen Herder
2,10 S. 1884 der herr baumeister trat .. unter seine angenehmen, hübschen gäste Raabe
15,397 H. 1989
(er) war nichts als ein „angenehmer gast“ Berger
verjährt 78. c
annahme, zustimmung findend (ohne den annehmenden zu erfreuen), akzeptabel aufgrund sachlicher entscheidung, genehm, passend, recht: ⟨v1475⟩
(sie) het .. von den sachen moͤgen erkennen, woͤlchs het sy billicher oder angenaͤmer gesprochen Eyb
sitten (1511) 78b. u1530 damit er andern sinen rät, ouch dechant und convent sölich sin fürnemen
(klosterbau) könde gloublich inbilden und angenäm machen Watt
2,312 G. 1644 die billichste und angenemste vrsache kriege zu führen, ist die ausrottung .. der tyranneyen Harsdörffer
gesprächsp. (1641) 4,23. 1655 inmaßen dann beede .. zuegesagt .. haben, diesem vertrag .. angenehm, wahr, steth, vest und ganz unverbrüchig zue halten
württ. ländl. rechtsqu. 1,52 W. 1796 ob der theaterdirektion meine bedingungen angenehm sind Goethe
IV 11,13 W. 1839 dem könige das recht einzuräumen, den capiteln die vorschläge zu machen, d.i. die ihm einzig angenehmen personen .. zu bezeichnen
hist.-polit. bl. 4,249. 1987 junger mann .. sucht junge frau ..,
m. kind angenehm
(anzeige), berl. ztg. (12./13.12.)12g. 2
das gefühl, die sinne in positiver weise ansprechend, erfreulich wohlgefallen hervorrufend; seit dem 17. jh. sich stark ausbreitender, in neuerer zeit vorherrschender gebrauch, die vorstellung des annehmens ist vollständig geschwunden. lexikal. wohl schon: A15.jh. ange-, tangneme
gratus (obd.) Diefenbach
gl. 269b. a
von personen. α
sympathisch, liebenswert, erfreulich im umgang, gut zu leiden, auch (und bis ins 17. jh. überwiegend) wohlgelitten, bei jmdm. beliebt, gern gesehen, jmdm. lieb, vertraut (stärker die wirkung auf andere kennzeichnend, daher meist mit angabe der bezugsperson durch dat. oder mittels der präp. bei
): ⟨1481⟩ er
(könig Garibaldus) was allen menschen angenem durch sein manigfaltig tugent Füetrer
bayer. chr. 26 S. ⟨1510/30⟩ Mauritius Knebell, der beim keiser Maximiliano der angenemste krigsman war, .. bohertzte das folck wieder Grunau
preuss. chr. 2,586 P. 1575 (weil sie
[Franzosen] von natur freudig, lustig)
zusatz ausg. a: angenem, anmuͤtig (vnnd .. leichtfertig sind) Fischart
geschichtklitterung 194 HND. 1647 von dieser
(amme) sol Paula lernen jederman angenem, niemand beschwerlich zu seyn Harsdörffer
gesprächsp (1641)7,Oo 7b. ⟨1747⟩ sein vater, der bey einem hohen alter noch munter und der angenehmste mann war Gellert
(1769)4,256. 1819 er
(Schleiermacher) ist geistreich, heiter und angenehm W. Grimm
in: beziehungen z. Hessen 1,54 S. ⟨1836⟩ mein vetter .. wird von allen leuten für einen sehr angenehmen menschen gehalten Tieck
(1828) 28,181. ⟨1945⟩ als wir zusammenkamen und uns angenehm waren H. Mann
zeitalter (1947)229. 1972 diese schwester
(krankenschwester) ist angenehmer als frau Mauer
(zimmerwirtin) Kant
impressum 286. –
jmdm. gefällig: 1789 ich schätze mich sehr glücklich, .. ihnen in irgend einer kleinigkeit angenehm gewesen zu seyn J.G. Müller
Emmerich (1786)7/8,252. 1896 ich dachte ihnen angenehm zu sein indem ich .. George
brw. 100 B. in besonderen verwendungen. häufig in der fügung angenehm machen;
so sich angenehm machen
sich beliebt machen, einschmeicheln, jmds. wohlgefallen zu erregen suchen: 1535 wie angeneme ich mich bis her gemacht habe gegen der schonen lieben braut des teuffels (welche heist auff deudsch die wellt)
(nachschr.) Luther
w. 37,627 W. 1673 weil ich .. nicht .. so vil witz haben möchte, mich .. bey jederman beliebt und angenehm zu machen Grimmelshausen
simpliciana 164 Sch. 1728 daß er
(Ariovist) sich dadurch
(tötung Cäsars) bey dem römischen senat und adel gantz besonders angenehm machen werde Bünau
kayser-hist. 1,97a. 1884 das bestreben, seinen nebenmenschen gefällig zu sein und sich ihnen angenehm zu machen Raabe
15,458 H. –
ohne negative wertung etwas macht jmdn. angenehm
etwas macht jmdn. liebenswert, beliebt, sympathisch: ⟨v1565⟩ die tugend .. macht den menschen vberaus lieb vnd angenem Mathesius
Syrach (1586)2,52b. ⟨1626⟩ als die königin solches sagte, machte sie nicht allein jhre majestät, sondern auch die trawrigkeit vnd fast die threnen angenehm Opitz
Argenis (1644)1,559. 1779 der stein .. / .. hatte die geheime kraft, vor gott / und menschen angenehm zu machen, wer / in dieser zuversicht ihn trug Lessing
3,90 L./M. ⟨v1827⟩ der alte
(sprach) .. mit einer herzlichkeit, die ihn sogar angenehm machte Hauff
2,117 F. —
in attributiver verwendung bes. als epitheton bei verwandtschaftsbezeichnungen, ‘liebenswert erfreulich’,
aber zunehmend formelhaft erstarrend: ⟨1563⟩ die königin
(Jokaste) gebar / zwen sön .. / und auch zwo töchter angenem Sachs
20,480 LV. 1782 sie sind also, liebster freund, in Berlin gewesen, doch wohl gewiß in gesellschaft ihrer lieben frau, und ihrer angenehmen tochter? Garve
br. an Weiße (1803)1,168. ⟨1820⟩ wird euch alsdann .. / ein angenehmes eheweib / zum himmelreich erheben Mörike
21,275 M. 1984 er .. befragte mich nach .. dem befinden meiner, wie er sagte, angenehmen kinder Löffler
verwandlungen 14. –
ebenso als höfliche floskel in der anrede: 1557 ihr mein allerliebsten angenemesten freund und goͤnner, .. Wickram
2,273 LV. 1665 wolgebohrnes fräulein, angenehme freundin ..
(brief) Bucholtz
Herkuliskus 45a. 1755 ich danke ihnen, angenehmste Henriette Lessing
2,69 L./M. 1851 ich will ihnen sagen, anjenehme bier-Hyacinthe, .. Glaszbrenner
volksleben (1847)3,17. β
mit bezug auf die äußere erscheinung, gefallen findend, ansprechend, liebreizend: 1537 damit er
(Odysseus) beziert vor den augen der Pheacenser so wunderbar, schoͤn, lieblich, werdt und angenem erschine, das yn .. der künig Alcinous sampt der künigin zuͦ ainem ayden .. wünschten Schaidenreiszer
odyssea 4 W. 1649 Delphina, welche sich die zeit ihres lebens bemühet angenem zu seyn, muste ein pflaster in dem angesicht tragen Harsdörffer
gesprächsp. (1641)8,239. 1790 schöne und angenehme weibliche figuren Nicolai
in: Zimmermann
fragm. 1,83. 1881 Mathilde sah wirklich recht angenehm aus Raabe
14,350 H. 1931 wenn die frauen jung sind und angenehm anzusehen Traven
regierung 251. b
von sachen und sachverhalten, die auf das gefühl, die sinne einwirken; erfreulich, wohltuend, behagen bereitend, annehmlichkeiten bietend. seit dem 17. jh. sich mit unscharfer bedeutung klischeehaft ausbreitend. α
vorwiegend nichtdingliche größen (tätigkeiten, verhaltensweisen gemütszustände, sinneseindrücke, naturerscheinungen, lebensumstände u.ä.) charakterisierend, seltener von dinglichem (insbes. speisen); oft in der fügung jmdm. angenehm sein
jmdm. lieb sein, gefallen: 1491 und sind fúchtinen den binen angenaͤm in zuͦ giessend
(infundendi sunt grati apibus liquores) Oesterreicher
Columella 2,174 LV. 1530 wie wol mir üwere gselschaft vast angenemm ist
Morgant 90 LV. 1570/7 so .. man die hubsche früchte anschauet und ihr wohlschmeckender saft einem lieblich und angenehme ist
haushaltung in vorwerken 113 E./W. 1599 was ist angenemmer denn hertzliche frewde Ph. Nicolai
freudenspiegel 13 faks. ⟨v1678⟩ gleichwie gott .. gerne siehet, daß man in der jugend fromm sey: also ist es ihme auch sehr angenehm, daß man bis ins alter beharre Butschky
rosen-thal (1679)286. 1696
(sie) wünschten uns eine angenehme ruhe Reuter
Schelmuffsky 19 HND. 1764 die gelehrsamkeit könnte durch nachrichten von vielen ländern .. angenehm gemacht werden Winckelmann
br. 3,53 R. 1792 es wehte eine angenehme luft Moritz
Italien 1,3. ⟨1836⟩ daß der mensch das gute und angenehme als sich von selbst verstehend hinnimmt Immermann
5,113 B. ⟨1856⟩ wolle ich .. mir .. das leben so angenehm als möglich machen Keller
(1889)4,70. 1890 angenehme erinnerungen Freytag
br. an gattin 562 S.-F./W. 1982 es ist ihr angenehm, daß da männer sind, die sie zum tanz holen Röhner
holunderzeit 135. 1986 eine angenehme arbeit ist es nicht Sasse
abgefunden 24. –formelhaft als höflichkeitsfloskel, bis heute vor allem beim bekanntmachen mit einer person: 1696 es würde ihrer herrschaft sehr angenehme seyn daß einer aus frembden landen sie einiges zuspruchs würdigte Reuter
Schelmuffsky 64 HND. 1788 es ist mir angenehm, diesen schriftsteller öffentlich meiner hochachtung zu versichern J.G. Müller
Emmerich (1786)5/6,350. 1834 es wird mir sehr angenehm sein, sie sonntagabend .. bei mir zu sehen Börne
5,913 R. ⟨1895⟩ auf einmal wird er gemeldet. sehr angenehm! sagt die baroness’ Sidi Heyse
[1924] II 2,19. 1973 ich sage: „das ist Hensel.“ sie gibt ihm die hand und sagt: „angenehm ..“ Becker
irreführung 241. in besonderen verwendungen. gern mit emotional-negativ belasteten substantiven verknüpft (anfangs in der tradition Petrarcas, vgl. Grimmelshausen
Simplicissimus 3[1713]405): ⟨v1605⟩ lieb, du bist ein verborgens feür, / .. angnemer schad vnd süsses gifft Ayrer
d.ä.
3,1465 LV. 1683 dieses angenehme joch .. die ehe Francisci
wol 91. ⟨1758⟩ seyd mir gegrüßt, ihr meine angenehme sorge, ihr blumen umher! Geszner
schr. (1767)1,156. ⟨1855⟩ wenn .. das tier
(kater) vor angenehmem grausen mauzte Storm
1,337 K. 1967 die schmerzen der jugend sind noch angenehmer .. als die vergnügungen des alters Kesten
d. gerechte 185. —
öfter im wortpaar angenehm und nützlich: 1658 dem menschlichen geschlecht nicht allein ein angenehm, sondern auch sehr nützliches werck widerfahren können Schupp
streitschr. 1,28 HND. 1789 ich wüßte nicht welches angenehmer und nützlicher wäre Lichtenberg
aphorismen 4,9 DLD. 1967 einen korb .. mit brot und butter .. und noch vielen angenehmen und nützlichen dingen Kesten
d. gerechte 166. –
als feste wendung: 1782 der das nüzliche / so mit dem angenehmen zu verbinden weiß, / daß er den leser im ergötzen bessert Wieland
Horaz, br. 2,232. 1978 er versucht immer das angenehme mit dem nützlichen zu verbinden
Duden, wb. dt. spr. 4,1904b. —
adverbial bes. geläufig in verknüpfung mit bestimmten verben: 1766 bey dem allen unterhält er
(verfasser) uns dennoch angenehm Herder
1,124 S. 1831 angenehm überrascht und neugierig Börne
5,100 R. ⟨1883⟩ sie werden allerlei sehen und hören müssen, was sie .. nur wenig angenehm berühren kann Fontane
ges.-ausg. [1925] I 3,433. 1903 würde er .. auf das angenehmste enttäuscht sein Luxemburg
(1970) 1,2,378. ⟨v1924⟩ die .. salami .., die ihm wohl schon im hotel angenehm aufgefallen war Kafka
Amerika (1967)101. 1989 daß sich’s angenehmer lebt, wenn alle ein bißchen auf sauberkeit achten Möckel
gesch. 114. β
das ästhetische empfinden ansprechend, bes. auge und ohr erfreuend, von natürlichen gegebenheiten oder künstlerisch gestaltetem: v1566 die cantrey sanng mit halber stimb, des inen ganntz angenämb was zuhören Herberstein
in: font. rer. austr. I 1,132. ⟨v1661⟩ daß alles einen gebührlichen, guten, und angenehmen klang gebe, weil des poeten zweck ist, die gemüther der menschen .. zubelustigen Buchner
poeterey 106 TND. 1685 die überauß angenembe gegend Abraham a
s. Clara
gack 32. 1787 er hat .. eine sehr große menge von heiligenbildern gezeichnet, in einer ziemlich angenehmen manier
F. Nicolai
beschr. 8,82. ⟨v1836⟩ als ich .. mich .. in einem angenehmen tale befand Raimund
127 C. 1923 musikanten .., die .. eine wohllautende, angenehme musik vollführten Paquet
prophezeiungen 26. 1988 das zimmer war groß, es herrschte ein angenehmer mangel an möbeln Bergander
balance 83.Petermann