abbrechen,
defringere, decerpere, nnl. afbreken, davon, herab brechen. den apfel (
vom baum) abbrechen. blumen (
vom strauch) abbrechen. die zelte (
von der stange) abbrechen. den faden (
vom gewebe) abbrechen, die parze brach den faden seines lebens ab (
von der spindel). den butzen (
vom licht) abbrechen. das schlosz (
von der thür) abbrechen. die thür (
von der wand) abbrechen. das haus (
vom boden) abbrechen. das dach (
vom haus) abbrechen. die mauer (
vom grunde) abbrechen. den dorn (
vom zaune) abbrechen. das eisen (
vom hufe) abbrechen, die spitze (
vom degen).
es kann aber zuweilen der gegenstand, von dem gebrochen wird, in den acc. gestellt, und der abgebrochne ausgelassen werden: den baum ganz abbrechen,
d. i. alle äpfel daran. das licht abbrechen,
putzen. das bett abbrechen: der lehnmann soll sein bettchen abbrechen.
weisth. 2, 422.
Anwendung auf andere dinge, die fortgang und dauer gehabt hatten, ergibt sich leicht. wie den faden der gleichsam gesponnenen rede abbrechen,
heiszt es kürzer: die rede abbrechen. das gespräch, die unterhaltung, die unterhandlung, einen brief abbrechen. er brach seine worte (
vom munde) ab: ein wort für dem maul abbrechen. Luther
br. 5, 617. den kampf, die schlacht, den feldzug abbrechen. einen (
in der zeitschrift begonnenen) aufsatz abbrechen. seinen aufenthalt abbrechen: dasz sein aufenthalt in so vollkommner gesellschaft vielleicht bald abgebrochen werden müsse. Göthe 17, 212. abbrechen
für sich allein, ohne beifügung des gegenstandes, meint die rede, das gespräch: er brach ab, brach kurz ab, brach plötzlich ab, wir wollen lieber abbrechen, da wir unterbrochen sind; der prediger bricht ab; er, der mich nicht furchtsam machen wollte, brach ab. Göthe 19, 273; um so mehr als Jarno, von dem er einige auskunft verlangte, kurz abbrach und sich entfernte. 20, 34.
Redensarten: etwas über das knie abbrechen. eine sache zu grün abbrechen (
bevor sie reift),
übereilen. die ursache, den vorwand vom zaune brechen. der wind hat den baum gerade über der wurzel abgebrochen. die glieder abbrechen
heiszt bei den soldaten lange glieder in kurze sondern; die hunde abbrechen,
bei den jägern, ihnen das maul mit gewalt öfnen, wenn sie sich verbissen haben; das bier abbrechen,
bei den brauern, es mit langen stangen rühren. Mit dem dativ der person oder einer sache bedeutet abbrechen
einhalt, abbruch thun, schaden, entziehen, verkürzen und ähnliches. noch wolt ich nit, das wurd gesprochen, das ich hett einer abgeprochen.
fastn. sp. 232, 15; den durst soltu mir nit abprechen. 352, 25; er bricht sich selbst damit ab,
entzieht sich etwas dadurch, schadet sich; er bricht sich nichts ab,
versagt sich nichts; er hat sich den wein abgebrochen,
den genusz des weins entzogen, dies sich abbrechen
gleicht dem lat. continere se a cibo. denn wer wil einem menschen, der solchen trotz hat, abbrechen oder schaden? Luther 6, 200
b; er hat verkürzet meine tage, denn er bricht abe dem alten menschen. Luther 1, 39
a. 3, 20; ich habe ehe wöllen der deutschen sprache abbrechen, denn von dem wort weichen (
bei der übersetzung) Luther 5, 143
b; weil auch ich mit meim schreiben den bilden mehr abbrochen habe, denn Carlstat mit seinem stürmen; ein könig läszt sein kind, eh er dem land abbricht. Opitz 1, 221; seiner seele abbrechen.
pred. Salom. 4, 8; wann wo kein laster wär, wär keine tugend nicht, denn tugendhaft ist der, der lastern abebricht. Logau 2, 213.
Hieran hängen feiner unterschiede zwischen acc. und dat. er brach seine rede ab,
hörte auf zu reden, brach seiner rede ab,
redete kürzer; die worte abbrechen,
nicht weiter reden, den worten abbrechen,
die worte abkürzen, mäszigen: Florindo brach seinen worten ab, wo er wuste und kunte, aus beisorge er möchte zu weinen angereizet werden. Chr. Weises
kluge leute 19. wir wollen das spiel abbrechen,
nicht mehr spielen, wir wollen heute dem spiel abbrechen,
um mehr lesen zu können, weniger spielen; den schlaf abbrechen,
ablassen zu schlafen, dem schlaf abbrechen,
kürzer schlafen. oft mag es gleichviel sein, welcher casus stehe, einem den lohn abbrechen, dem lohn abbrechen,
an dem lohn abbrechen. im Simplic. mehrmals sich nicht abbrechen
für entbrechen, enthalten: dasz er ihm (
sibi) nicht abbrechen konte mich zu küssen; das kam mir so lächerlich vor, dasz ich mir nicht abbrechen konte darüber zu schmollen (continere me non potui quin).
Einzelne jener transitiva, die den acc. (
nicht die den dat.)
bei sich haben, können mit wandlung des acc. in den nom., oder auch auslassung des acc. intransitiv gesetzt werden. der faden bricht hier ab, die rede, das gespräch brach ab, seine worte brachen ab, der kampf muste abbrechen, alles brach nun ab. das pferd ist abgebrochen,
losgebrochen. weisth. 3, 683.